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Nr. 189 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Zreitag, 15. August 1950

Kanada gegen USA.

Oer konservative Wahlsieg in Kanada.

Don unserem K.»Berichterstatter. Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Montreal, Äugust 1930.

Kanada Ist von den Ländern der Drde da- erste. daS im Zeichen der Weltwirtschaftskrise gewählt hat - und zwar mit dem Ergebnis, daß an Stelle der freihändlerifchen Regierung der Liberalen eine konservative Regie­rung getreten ist. die ihren Wählern hohe Schutzzölle gegen die Ub A. versprochen hat DaS ist ein Vorgang, der weit über seine lokale Bedeutung hinaus für unS wichtig ist, da er zeigt, wie grundlegend sich die Dinge in der Welt ändern, und in Vie starkem Maße Die Politik der USA. im Auslände auf wachsenden Widerstand flöht Denn e- ist nicht daran zu zweifeln, dah der überraschende Lieg der Konser­vativen in Kanada eine unmittelbare <^olgc von bestimmten Vorgängen ist, für die man letzten Endes allein die Vereinigten Staaten verantwortlich machen muh.

Um das zu verstehen, muh man allerdings etwa» weiter »urüdgrcifcn Kanada. daS reichste der selbständigen britischen Dominien, ist durch­aus nicht immer USA.»feindlich gewesen. 3m Gegenteil, in den neunziger Jahren deS vorigen ÄayrhundertS. kurz bevor Kanada die Selbst» regierung erhielt, gab e- nicht nur in den Ver­einigten Staaten, sondern auch in Kanada eine Reihe von Leuten, die eine Angliederung Kanadas an die USA. für unausbleiblich, ja sogar für wünschenswert hielten. Gibt es doch zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten eigentlich keine .natürliche" Grenze. Der Grenzstrich, den unsere Karte verzeichnet, ist Willkürlich aus dem Papier gezogen, geht mitten durch Seen. Flüsse und Gebirge hindurch, ohne dah ersichtlich wäre, warum die Grenze gerade so verlaufen mühte. Auch wirtschaftlich sind Kanada und die Vereinigten Staaten stark miteinander verwachsen. DaS amerikanische K a vital, das im Auslande Anlage sucht, ist feil Jahrzehnten zu rund 40 v. H stets nach Ka­nada gegangen, und man kann heute wohl ohne.Uebertrelbung feststellen, dah Kanada seine Industrie, ja überhaupt seine wirtschaftliche Blüte amerikanischem Kapital verdankt Hätte nicht in den Staaten mit Taft und Roosevelt ein hun­dertprozentiger und unduldsamer B a n k e e » Rationalismus eingesetzt der es sich zum Ziele setzte. Amerika zu einem Rassenschmeiz- tops zu machen, in dem alle Völker zu einem analo-amerikanischen Brei verschmolzen werden sollten so hätten die USA. wahrscheinlich mit ihrem LiebeSwerben bei den Kanadiern ein offenes Ohr gefunden.

So aber fühlten sich bei aller wirtschaftlichen Verbundenheit die Kanadier durch das brutale Vorgehen der Amerikaner vor den Kopf ge­stoben, nicht zuletzt auch, weil in den USA bürgerliche Freiheiten allmählich immer mehr eingeschränkt mürbem während in Kanada bei allem Respekt vor der Altvätersitte doch d i e britische Freiheit erhalten blieb, die das Leben in allen englischen Landen so an­genehm macht Gerade dieser Zustand war eS fa auch, der das ausschlaggebende französisch- kanadische Element in Kanada veranlahte, sich für die Erhaltung der Selbstän­digkeit Kanada- einxufcOen, gegen alle Bestrebungen, die Kanada den USA angliedern wollten Die französisch sprechenden und streng katholischen Kanadier verspürten eben keine Rei- aung, im protestantischen und englisch sprechenden Amerika auszugehen.

Man hätte demnach annehmen sollen, dah Briten und Franko-Kanadier den Amerikanern , gegenüber eine einheitliche Politik befolgen wür­den. DaS war aber nicht der Fall. Während daS britische, in der Hauptsache konservative Element in Kanada von jeher für Schutzzoll

und wirtschaftliche Abschliehung gegenüber Amerika war, stellten sich die Franko-Ka- nadier auf einen liberalen Standpunkt. Gerade sie, von denen man eS am wenigsten hätte erwarten tollen, vertraten in wirtschaft­lichen Fragen den Grundsatz der Gegeriseitigkeit und bekämpften alle Zollfchutzmahnahmen, die geeignet gewesen wären, die arnerikanische Qi- panfion in Kanada zu hemmen. Mit vieler Politik haben sie zweifellos auch recht behalten Denn die Verhätschelung amerikanischer Kapitalisten durch die liberalen 'Kanadier hat sich für Kanada überaus gelohnt. An dem beispiellosen W i r t- schaftSaufschwung. den die Vereinigten Staaten nahmen, hatte Kanada seinen vollen Anteil

Aber, wie alle Dinge, so hat auch diese Ent­wicklung eines Tages ein Ende genommen. Den Vereinigten Staaten geht eS feil etwa einem Jahre nicht nur schlecht, sondern sogar sehr schlecht und damit beginnen auch d i e Ka­nadier unter der Wirtschaftskrise der Ver­einigten Staaten auf das schwerste zu leiden. Und gerade die von Amerikaiiern geleitete In­dustrie, die ja Stütze und Halt in amerika­nischen, in den USA. domizilierenden Danken hat, die sonst immer in Zeiten kleinerer Krisen von den Amerikanern auf das liebevollste gestützt wurde, findet beute in Amerika nicht nur keine Unterstützung, sondern wird zum Teil sogar be­kämpft. Denn sür^die Behörden der USA sind diese Unternehmungen ausländische Unterneh­mungen, die besonder- zu sördern kein Anlaß vorliegt Ausland ist Ausland. Run gebt man zwar nicht immer so grob vor, und offene Kamps- mäfinabmen der Amerikaner gegen die Kanadier sind bisher unterblieben. Aber es bleibt doch eben die Tatsache bestehen, dah die Maßnahmen xut Wiederankurbelung der amerikanischen Wirt­schaft, die Hoover veranlahte, selbstverständlich nur den amerikanischen Firmen zugute kamen, die sich in den USA selbst befinden. Auch kommt hinzu, dah in der Landwirtschaft und Kanadas Haupferportartikel sind Weiten und Holz - die Krise in beiden Ländern fast gleich groh ist. Rur. dah die Amerikaner mit ihren Maßnahmen zur Stützung ihrer Landwirt­

schaft die Kanadier treffen, während umgekehrt die kanadische Regierung sich bisher noch nicht hat entschließen können, irgend etwas zum Schutze oder zur Förderung deS kanadischen Weizen- erportS zu tun, so dah die Bauern in Kanada im letzten Jahre ganz auhervrdentlich zu leiden hatten

Dah ein Mann aus dem agrarischen Westen, Benett, mit der Schutzzollparvle und mit dem Versprechen der Förderung der kanadischen Wei- zenausfuhr, zugleich aber auch mit einem erneuten Treueversprechen gegenüber dem brinschen Welt­reich. bei den letzten Wahlen einen so grohen Erfolg erzielte, ist daher kaum wunderzunehmen. Angesichts der gesamten wirtschaftlichen Lage konnte daS Ergebnis der Wahlen kaum sehr viel anders ausfallen. Kanada muhte prvbritisch, konservativ und schutzzöl Inen sch wählen, und die Herrschaft der Liberalen, die praktisch feit fast dreißig Jahren bestand, stürzte in der Hauptfach!, weil Amerika seine Wirtschaftskrise nicht poli­tisch, sondern auSschliehlich wirtschaftlich sah Die USA erhalten also mit den kanadischen Wahlen die Quittung für eine Politik deS krassen Egoismus und der blanken Interessentenvertre­tung. wie sie so grob und so nackt ja nur in Amerika möglich ist. Herr Hoover wird somit kaum umhin können, seine Politik Kanada gegen­über zu ändern, wenn er nicht alles auf- Spiel setzen will, waS alle seine Torgänaefr für den künftigen Zusammenschluß zwischen Kanada und den USA. zu schassen bemüht waren

Vom Standpunkt deS britischen Welt­reiches auS gesehen, ist es dabei nicht uninter­essant festzusteilen, dah an diesem Erfolg der .Reichspolitif' der Briten sie selbst ganz un­schuldig sind. Wenn sich Kanada gegen die USA. wendet, so haben sich das die Staaten selbst zuzu­schreiben. und die Engländer haben dazu nichts ?u tun vermocht so dah. jedenfalls nach mensch» ichem Ermessen, die merkwürdige 'Tatsache zu verzeichnen ist, dah der DahlauSfall in Kanada auf die britisch-amerikanischen Beziehungen zu­nächst jedenfalls ohne Rückwirkung sein dürfte So wenig hat England heute in seinen Dominien zu sagen!

Turnen, Sport und Spiel.

Iubiläumssporiwoche der Spielvereinigung 1900.

ö. Trotz des Wock-entages und des schlechten WetterS hatten sich am Mittwochabend etwa 700 biS 800 Zuschauer zu dem letzten Vorrunden- spiel um den Iubiläurnspokal für Fussballmann­schaften eingefunden. Das Spiel bestritten die beiden Lokalgegner VfB. und 1900 Gießen und endete 1:0 für 1900. Wit dem Anpfiff ent­wickelte sich ein überaus zäher Kamps. Beide Mannschaften schufen vor den gegnerischen Toren brenzliche Momente. Zu Erfolgen langte es aber nicht, da alle Angriffe überhastet vorgetragen wurden. Die Leute vom Waldsportplah gingen sehr forsch ins Spiel. 1900 verlor zunächst Zei - l c r und später Hohmann und H e i l m a n n durch "Verletzungen. konnten Zeiler und Heil- mann nach einiger Zeit wieder mittun. so muhte Hohmann wegen schwerer Beinverleyung 25 Mi­nuten nach Spielbeginn ganz ausscheiden. 1900 wollte den ausgeschiedenen Spieler durch einen Ersatzmann nach der Pause ersetzen, wie dies in solchen Spielen allgemein üblich ist, jedoch lehnte DfB. dies ab. Der Spielverlaus war infolge der Ausgeglichenheit der Parteien stets spannend und wechselvoll. Beide Hintermannschaften ver- nchteten große Arbeit. 1900 besah die gröbere technische Reife. Der famose Spielaufbau durch die Läuferreihe sicherte auch dann noch ein kleines Ucbergetoid)t. als die Dlauweihen nur noch zehn Spieler im Feld hatten, und das war in 65 Mi­

nuten des Treffens. Die 1900er haben selten ein Spiel mit solchem Energieaufwand biS zum Letzten burd)geführt, als dieses. Die Mannschaft ist härter geworden, sie bewies dieS in den Schlußphasen dieses Kampfes.

Der einzige Treffer des Spieles fiel kurz vor der Pause durch Verwandeln eineS Foulelfme­ters. den Henrich (1900) prompt verwandelte. Die zweite Spielhälstc verlies torlos. Die gran­diose Leistung der 1900er zeigt, dah der Sieg des Jubilars verdient war.

Die Spielvereinigung 1900 hatte ihre besten Leute in den Verteidigern Jäckel und Z e i - l e r (letzterer ging von Halbrechts auf den Posten des verletzten Hohmann zurück) und in der gesamten Läuferreihe, wobei die Auhen- läufer Glitsch und Henrich Langsdorf überragten. Von den Stürmern war Hell­mann diesmal der produktivste, während der Rechtsaußen etwas abfiel. Brambach im Tor konnte fein Können mangels genügender Be­schäftigung nicht unter Beweis stellen. Aus- fiezeichneteS leisteten die Dlauweihen im Kops- Piel.

Beim V. f. D. gefielen Bingel. Haupt und Balser am besten. Der Torwart Böck­ler war zu sehr vom Glück begünstigt.

Durch diesen Sieg über den V. f. B. (der erste aus dem Sportplatz an der Liebigshöhe) hat sich 1900 für das

Pokalfchluhspicl qualifiziert, das am heutigen Freitagabend gegen den Sportverein Wetzlar stattfindet.

Junggesellen.

Wie stellt sich der Laie einen Junggesellen vor?

Fröhlich von Blume zu Blume flatternd, mehr ober minder solid und mit eigenem Eingang. Einen möblierten Herrn sieht er, mit pikanten rosa Lampenschirmen im Zimmer, das Bild einer OdaliSke an der Wand, immer leichte Frivo­litäten aus den Lippen und mit dem Mietens ein paar Tage im Rückstand. Der Laie sieht ihn: auf schwellende Pfühle gebettet, Importzigarren schmauchend. Portwein trinkend, mit den Stiefeln auf der kostbaren Ollomanbede liegend, ergötzt an ruchloser Lektüre Dieser Junggeselle kommt von oder gebt zu verwerflichen Abenteuern oder erwartet solche, er schlemmt im Gasthaus Spargel und Krebse und Austern und Ochsenmaulsalat, von den neidgierigen Augen Verehelichter be­gleitet. et wechselt jeden Tag seinen Anzug. auS englischem Stoff, und verschlampt leichtsinnig Taschentücher und Socken. Er sitzt in Kinologen und tanzt in Rachtlokalen und trinkt an der Bar teure Loctails, er hat einen Hund und ein kleines Eadriolet auf Stottern und manchmal wirft er aus reinem llebermut Fünfmarkstücke zum Fenster hinaus, weil sie ihm in der Tasche die elegante Linie zerstören.

Der Laie sieht mit Empörung im Junggesellen einen beneidenswerten Wüstling, und der Reichs­finanzminister der vielleicht in seinem Fach tüch­tig ist, schließt sich dieser Vorstellung an und belegt den Junggesellen, diesen geldstrohenden Richtwisfenden-wohin-damit mit einer Steuer.

Mit einer Steuer, himmelschreiend aufgebaut auf der Vorspiegelung falscher Tatsachen! Denn wie ist der wahre Junggeselle bedauernswert?

Der wahre Junggeselle, häuslicher Pflege ent­behrend, vom näbrträftigen Herd ausgeschlossen, schleicht hohlwangig und unrasiert, meist ungefrüh­stückt an fein schweres Tagwerk. Keine zarte Frauenhand streicht ihm die Sorgen von der Stirn und zieht ihm den Mantelkragen zum Ab- fchied zurecht. Riemand winkt, wenn er geht, nie­mand schimpft, toerm er heimkmmt. Auf unge­doppelten Sohlen und unaufgerichteten Absätzen geht er durchs Leben: denn wer denkt für ihn an den Schuster?

Zimmervermierterinnen mitsamt Ehemann und sechsköpfiger Familie betten sich an feine Brust und betrachten ihn als Rährvater für ihr ganzes Leben. In fein Zimmer gibt man die febern- lofeftcn Sessel und Matratzen, die zersprungen st en Waschschüsseln, die blindesten Spiegel und die unbeliebtesten Verwandtem)ilber.

Die Gastwirte, in deren Hand er fällt, er­proben an ihm jahraus, jahrein in sog. MenuS und Abonnements die hygienischen Vorzüge einer reizlosen Kost. Wäscherinnen ätzen mit den bren­nendsten Säuren Löcher in seine Wäsche und Büglerinnen liefern ihm jeden Samstag die fal­schen Kragen.

Am Sonntag aber irrt der Junggeselle einsam durch die Felder und die Wälder. Seine gefestigte Moral kann sich nicht dazu verstehen, einem Mäd­chen liebend zu nahen, ohne dah die HeiratS- papierc unterwegs sind. An Regentagen sitzt er wie ein Sträfling in feinem Kaffeehaus und lieft die Heiratsinserate, und ist er über dreißig, so kommt er höchstens noch als Versorgung für ein spätes Mädchen In Frage. Wie nagt die späte Reue gleich einem Wurm an seinem Herzen, wenn er seinen verheirateten Altersgenossen strahlend vor Familienglück, nahen sieht, auf einem Arm einen liebreizenden Knaben, vor sich her den Kinderwagen mit dem Letztgeborenen und hinter sich zwei bis drei muntere Heran- gewachsene, von denen das eine berells schon eine Hornbrille trägt. Richt zu vergessen die Frau in sommerlicher Reise neben sich.

Keine Ewigkeit bringt ihm xuriicf, waS er ver­säumt, und ausschluchzend schleppt er fein Weh an den abendlichen Stammtisch. Trost im Leid, Genoffen zu haben.

Hin und wieder schenkt dem Junggesellen ein feinfühliger Ehemann eine Zigarre, damit er nicht ganz dem Gefühl der Verlassenheit anheimfällt. Wer das verantworten fann. ..! Die Unglück­lichsten der Unglücklichen mit Steuern zu belegen, der verdiente fürwahr sollte er selbst Jung­geselle fein sofortige Versetzung in die Zwangs- ehe. J.K.

Kur den Phoio-Amateur.

Wie trocknet man photographische Platten nach der Entwicklung?

Unsere Amateure empfinden es als besonderen Uebelstand. daß die Platten nach dem Entwick­lungsprozeß längere Zeit zum Trocknen ge­brauchen, während sie doch in vielen Fällen nur allzugerne sogleich einige Abzüge machen möchten. Sofortige Abzüge haben bei Familien­feiern und ähnlichen Anlässen ja auch erhöhten Wert und bereiten besondere Freude. Es kommt daher immer wieder vor. daß die Platten, um schnell zu trocknen, größerer Wärme oder den biretten Sonnenstrahlen ausgesetzt werden. Die

erwärmte Schicht verläuft dann aber gewöhnlich und die Platten sind wertlos.

Schon ganz erheblich läßt sich daS Trocknen aber beschleunigen, wenn die Schicht, nachdem die Platten fixiert sind, durch ein Formalinbad ge­gerbt wird. Man nimmt von der in Apotheken und Drogerien erhältlichen Formalinlösung 2 ccm aus 100 ccm Wasser und (egt die Platten nur etwa eine Minute lang hinein. Derartig behandelte Platten vertragen das Trocknen bei größerer Wärme, ohne daß man das Abläufen der Schicht zu befürchten hat.

Soll indes noch schneller getrocknet werden, so wischt man die Schicht- und Glasseite der Platte mit einem Wattebausch vorsichtig ab und legt sie für die Dauer von 10 Minuten in eine Schale mit reinem DrennspirituS. Der Brenn- spirituS zieht die Schicht dichter zusammen und entzieht ihr alle Wasserteile. Das Trocknen dieser Platten ist bereits in 10 Minuten beendet, so daß man schon kurze Zeit nach der Ausnahme die gewünschten Abzüge machen fann.

Die im Spiritusbade behandelten Platten ge­winnen außerdem an Brillanz. Sie haben in­folge der dicht zusammengezogenen Schicht größere Deckkraft und geben wunderbare Abzüge.

Behandlung fertiger Abzüge.

Häufig ist eS erwünscht, die bereits getrock­neten Abzüge (Positive) gegen Verfratzungen oder sonstige Beschädigungen zu schützen. Wie unansehnlich werden unsere besten Bilder, wenn sie Fingerabdrücke tragen, die schon durch ge­ringe Schweißübertragungen entstehen fönnen. Wer derartige Beschädigungen seiner Bilder ver­meiden will, lackiere sie mit dem käuflichen toaffer- flarcn Zaponlack. Dieser Lack wird mit einem weichen Pinsel, Strich an Strich, aber dünn, aufgetragen. Er schützt die Bildseite, ohne daß von der Codierung etwas zu sehen ist.

Wirkungsvoller aber ist noch die Behand­lung mit Berat Ein Fläschchen von 10 Gramm reicht lange Zeit hindurch. Man nimmt eine geringe Menge, etwa Erbfengröße, auf einen kleinen Wattebausch und reibt das Berat tüchtig in das Bild ein. Uebertreibungen find jedoch zu vermeiden, da die Bilder sonst fettig er­scheinen. Zu starke Austragungen lassen sich ein­fach wegwischen. Das Berat gibt dem O Bilde ein plastisches Aussehen. Es nimmt insbesondere dem Zelloidinpapier die unerwünschten Bronze­töne, die eine Folge des Ueberkopierens sind und macht aus ihnen samtartige Tiefen. Ueberhaupt hetzt dos Berat di« Dlldwrrdwg uagoueui.

Oer Führer beel deutschen EportS 70 Jahre alt.

Dr. Fr. Theodor Ccroalb, Staatssekretär a der Vorsitzende der Reichsausschussc* für Leibes­übungen. feiert am 18 August seinen 70. Geburtstag. Seiner Führung verdankt die deutsche Leichtathletik den großartigen Aufschwung, den sie in den Jahren nach dem Weltkrieg nahm.

Handball-Pokalspiele.

Pollzelfportverein Butzbach Mto. Gießen 4:2 (3:1).

Mit demselben Resultat wie den Turnverein 1846 Gießen fertigten die Polizisten auch den Männcrtumverein ab Das Ergebnis entspricht allerdings nicht ganz dem Spielverlauf, denn die Männertumer lieferten eine gleichwertige Partie. Sie ließen ledoch zu Spielanfang nicht die notwendige Sorgfalt walten und mußten sich In den ersten zehn Minuten drei Tore ge­fallen lassen. Den Polizisten kam dabei zugute, daß sie mit dem Wind spielen konnten. Im weiteren Verlaus der ersten Spielhälfte fanden sich jedoch die Turner besser zusammen und stellten den Butzbacher Hüter auf harte Proben. Kurz vor Halbzeit wurde er durch den Gießener Mittelstürmer zur Kapitulation gezwungen. Bald nach Wiederanpslss kam die Polizeimannschaft zum vierten Erfolg. Der Mtv. wurde nun besser und stellte durch schönen Wurf deS Rechts­außen die alte Tordifferenz wieder her. Der nasse und daher glatte Boden wirkte sich sehr ungünstig auS, und diesem Umstand ist es wohl auch in erster Linie zuzuschreiben, daß weitere Tore nicht mehr erzielt wurden.

Im Endspiel. daS morgen nachmittag » ?* h'avh /r stattfindet,

stehen sich nunmehr daS blcfige Bataillon und die Butzbacher Polizei gegenüber. Wem Sieg und Pokal zufällt, ist.nicht voraus- zusagen. Knapper Ausgang, wenn nicht gar nach "Verlängerung, hat die größte Wahrschein­lichkeit für sich

Leichtathletik der Gp.-Dg. 1900.

Am kommenden Sonntag stehen von der Leicht­athletik-Abteilung der Spielvereinigung 1900 ein Dutzend Aktive* und von der Frauenabteiluirg vier Vertreterinnen im Wettkampf. Man folgt einer Einladung zu den 3. Rationalen Oranien- Kampffpielen, tue der V f. B. Diez veranstaltet. Der Verein verstand eS, sich für die beiden vorausgegangcnen Wettkämpfe eine zahlreiche und gute Klaffe repräsentierende Besetzung zu verschaffen. Und fo werden die 1900er auch diesmal den denkbar schwersten Stand haben. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Olympische Staffel um den als Wanderpreis ausgesetzten Goldpokal des Prinzregenten der 1 Riederlande. Die DpielvereinigungSleute, die im

Verstärkung von Negativen.

Regative, die wegen zu kurzer Belichtung oder fehlerhasfer Entwicklung in den Lichtem nicht genügend Deckung aufweisen, insolgedessen flau und kraftlos wirken, lassen sich gewöhnlich durch Verstärken erheblich verbessern. Dor dem Ver­stärken müssen die Regative aber gründlich ge­wässert und von den kleinsten Resten des Flxier- natronS befreit werden, da sonst Flecken ent­stehen, die die Platten unbrauchbar machen.

Im Handel gibt eS verschiedene Verstärker, die sich gut verwenden lassen. Wer indes be­sonders flaue Regative verwenden muh, bediene sich deS Uranverstärkers. Dieser Verstärker beruht nicht auf einer Verdichtung deS Plattenkorns, fonbem darauf, daß der Silbernicderfchlag un­gefärbt und für Lichtstrahlen schwerer passierbar wird.

Es werden zwei Vorratslösungen hergestellt, die- nur einige Pfennige kosten: I. 100 ccm Wasser, 1 g Urannitrat, II. 100 ccm Wasser, 1 g rotes Blutlaugensalz.

Kurz vor dem Gebrauch mischt man 50 ccm von Lösung I und 50 ccm von Lösung II mit 10 ccm Eisessig. Bei kleinen Platten nehme man die Hälfte dieser Mengen. Das Regativ nimmt in dieser Lösung bald eine braunrote Färbung an, die inS rötliche übergeht. Die Schale ist fleißig zu bewegen. Die Verstärkung wirkt sehr intensiv und darf daher nicht übertrieben werden. Die Platten werden aus der Schale genommen und nur solange gespült, bis das Waster nicht mehr fettig abläuft Durch zu langes Spülen geht die Verstärkung wieder zurück. Richt stark genug ge­deckte Regative lassen sich erneut verstärken, zu stark gedeckte dagegen werden in einem Wasfer- bade, das einen geringen Sodazusatz erhält, wieder mit leichter Mühe abgeschwacht. Die ge­mischte Lösung ist nur kurze Zeit haltbar, ver­stärkt aber sehr ausgiebig und eignet sich daher insbesondere für Regative, die sehr flau find oder die besonders hart kopieren Jollen. DaS Ver­fahren ist sehr einfach und die Lösungen sind äußerst billig.

Hochschulnachrichten.

In Wien verschied der emerit. ordentliche Professor der Mineralogie Hofrat Dr. Bomet Doelter im Alter von 80 Jahren. Der in Westindien als Sohn eines auS ^reiburg stam­menden Plantagenbesitzers geborene Gelehrte galt als der bedeutendste Edelsteinkenner der Welt unb ist besonders durch seine chemisch- mmeralogllcheü Arbeiten bekannt geworden A