3444 A
A A
4
<-
> f
«
V
u
- ♦ — -
n >
iote den ten.
IB"
eis
icr len al§
r
tt eb' ier all Bt. iti-
en in ar, cbi. mit 1244
iche end’ aui den en.
99
SvivN ein 6 bl4 ti Woiwe öltet MMN mit Mbit ju kaulen gefiidjt, Ülnneboie u. B. L. pullioiro* IleiemWtr^
Gebrauchte TenniEolre iu foulen atliichl. ®»r- »'Aff
00. Hfl, Be
er
bt. >40 ifl.
3
er nb. L3 nz. 3
IV* j, 17, 5/*“
SÄ,iui
[Verschiedenes] BSSSfS Sfb*-«ss: auaitatiuttfl °°"" iuchtvanendeu «ebcnsgkiadrtrm Diiwer Mi ÖU °S'7S
S'S ßiefitfl
Zonntag,1J®? ’ rkÄ?
Slxeilttt»
Äi’tf verteiluns-. ^hn- brii^'r Aete*1’3- «■JgWS» —7^ Jn
w
3i>
,10
Sä**®; E bCOlUbr^ ^irfenbe» e^'sÄruns- ,
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Nr. U5 Zweites Blatt
Donnerstag, 15. Mai MO
Rettung aus Nacht und Eis.
Es mar im Juni 1896. Nanfen und Johannsen halten die „Fram" verlassen, die irgendwo im Pack- eis festlag, um den Pol zu Fuß zu erreichen Sie hatten sich auf einen Marsch von dreißig Tagen ge° saßt gemacht, jetzt trieben sie schon den dritten arktischen Winter auf Schollen, hausten in Schneehül- ten und nährten sich von Walfischen und Eisbärenfleisch Es muß in einer solchen Situation einer der erregendsten Augenblicke sein, wieder mit Menschen zusammenzutreffen. Es war am 17. Juni 1896, als Nansen nach einer Streife mit der amerikanischen
Zum Tode Fridtjof Nansens.
tig und schwarz, die Gesichtszüge unter einer Kruste von Ruß und Tran unkenntlich.
Jackson: „Freue mich riesig. Sie zu sehen."
„Danke, ich gleichfalls "
„Haben Sie ein Schiss hier?"
„Nein, mein Schiss ist nicht hier."
„Zu wieviel Mann sind Sie?"
„Ich habe nur einen Gefährten draußen am Eis- rand."
Harfen war überzeugt, Jackson habe ihn erkannt oder vermute doch, wer dieser Wilde neben
---
r
.» *
Oben links: Aon der Nordpolarexpedttion 1895: Die „Fram" im Elsgürtel Unten links. 'Nonien im Gespräch mit Lord Robert Cecil, dem früheren englischen Völkerbundsdelegierten und Pazifisten — Rechts: Im Gespräch mit Dr. Eckener bei der Vorbereitung des Nordpolflugs des „Graf Zeppelin" Unten im Kreise: Eine Aufnahme Nansens nach der Rückkehr von seiner Expedition.
Jackson- Expedition zusammentraf. S). H. f) 0 u • den schildert in |*em Buch „Der Ruf des Nordens", das vor drei Jahren im Dolksverband der Bücherfreunde erschien und die spannende Geschichte der Polsorschungen bis zur Gegenwart enthält, die Begegnung mit folgenden Worten
„Der Ton der fernen menschlichen Stimme in dieser Eiswüste — das war eine Botschaft des Lebens, das war die fjeimat und alles, was sie bedeuten konnte! Wieder ein Rus! und da, zwischen den Hügeln eine Gestalt, die sich bewegte — eine menschliche Gestalt! Ein Mensch — ein Mensch — der erste in dieser gottverlassenen Eiswüste! Er kommt aus Nansen zu und spricht unterwegs mit seinem Hund, er spricht englisch und kommt näher-, Nansen erkennt Jackson, den er früher einmal gesehen hat. Sie stehen voreinander, ziehen höflich die Hüte und reichen sich die Hände mit einem herzlichen „Wie geht es Ihnen?" Der Nebel war so dick, daß sie, abgeschlossen von der übrigen Welt, wie auf einer Bergspitze sich gegenüberstanden Der eine ein zivilisierter Europäer in tariertem englischen Anzug und hohen Gummistiefeln, rasiert, frisiert, den Duft parfümierter Seife verbreitend, den die geschärften Sinne des Wilden gleich bemerkten, der andere ein richtiger Wilder wie aus dem Märchen mit schmierigen Lumpen bekleidet, Haar und Bart lang, zot
ihm sei. dafür sprach die herzliche Begrüßung. Plötzlich blieb Jackson stehen, blickte seinem Nebenmann voll ins Gesicht und fragte hastig: „®inö Sie etwa Nansen?"
,2a, der bin ich."
,Wahrhastig? Es freut mich, Sie zu sehen!" Noch einmal griff er Nansens Hand und schüttelte sie. ,Wie kommen Sie hierher?" Nansen berichtete ihm kurz von seiner Reise .Ich gratuliere Ihnen von ganzem Herzen. Sie haben eine tüchtige Fahrt hinter sich, ich freue mich ungemein, der erste zu sein, der Ihnen zur glücklichen Heimkehr gratulieren kann."
Bald erreichten sie des Engländers Hütte. Jackson schickte sofort seine Leute aus, uni Johannsen am Eisrand zu suchen. Jetzt endlich wußte Nansen, wo er sich befand, wo ihn die Welle eines märchenhaften Zufalls ans rettende Ufer geworfen hatte. Er war auf Kap Flora, dem äußersten Südzipfel von Franz-Ioseph-Land, und hatte von dieser großen, meist unbekannten Inselgruppe eine Menge neuer Eilande entdeckt. Der Engländer hielt sich mit acht Mann schon seit einem Jahr hier auf, um das Land zu erforschen, er erwartete ein Schiss aus der Heimat mit neuem Proviant und all den Annehmlichkeiten der Zivilisation, die Nansen in der statt
lichen Hütte mit ehrfürchtigem Staunen bewunderte. Mit diesem Schiss, erklärte Jackson, könnte Nausen nebst seinem Gefährten heimwärts reifen, bis dahin hoffe et. fie als seine Gäste zu beherbergen.
Unterdes wartete Johannsen in qualvoller Spannung am Eisrand', an einem Schneeschuhstab hatte er fein einziges Hemd mit den Aermeln angebunden: auf dem blendenden Weiß ringsum mußte diese schwarze Flagge weithin sichtbar fein. Bewegte sich da nicht ein Punkt? War es Nansen, der wieder zurückkehrte? Das war ein Fremder. Er trug hohe, bis zu den Hüsten reichende Stiesel, einen zivilisierten sauberen Anzug, und sein Gesicht glänzte in seiner Weiße schon von km. Nein, das war Nansen nicht! Johannsen hißte die norwegische Flagge und ei.te dem Qlmömm.ing entgegen. Mützenschwenken, Händedrücken „EngUsh?" fragte der Fremde. — „No“, antwortete Johannsen und lud vermittels der Zeichensprache den Gast ein, näherzutreten. Mister Child, so hieß der Engländer, betrachtete genau das Lager, die Schlitten und Kajaks, den Kochtops mit Fleisch und Speck, die übrigen armseligen Gerätschaften — bann wieder den nach Walroß stinkenden Menschen, schüttelte den Kopf und versuchte, dem anderen feine Bewunderung auszudrücken. Nach und nach kamen noch mehr Leute aus der Hütte herbei, darunter ein Finne, der aber feine Muttersprache verlernt hatte. Man verständigte sich schließlich auf deutsch, denn einer der Männer, Dr. K 0 e t l i h, war ein Deutscher. Und nun ging's ans Fragen und Erzählen. Eine Feldflasche war zur Stelle, ein Decher Portwein wurde kredenzt, und während Johannsen trank, nahmen die anderen die Mühen vom Kops und brachten ein Hoch auf Norwegen aus. „Nie", so schrieb Johannsen, „habe ich es so gesuhlt, daß ich ein Vaterland habe, wie damals!"
Teilnahme in aller Welt.
Eine rraucrlnndgebunsi des Böilcrbunds.
Ter Ncichspralldcnl an den König von Norwegen
Der Dölkerbundsrat ehrte in feiner Mitt- wochoormittagssitzung das Andenken Fridtjof Nansens durch eine kurze Kundgebung. In sehr eindrucksvoller Weife entroarf der jugoslawische Außen- Minister Marinkowitsch in seiner Eigenschaft als Ratspräsident ein Bild von der umfassenden und großzügigen HUfstätigkeit, die Nansen als Ober- k 0 mmissar des Flüchtlingswerks des Völkerbundes mit unermüdlicher Tatkraft und unerschöpflicher Hingabe geleistet hat Jrn Namen des Rates und des ganzen Völkerbundes sprach Marinkowitsch den Angehörigen des Verstorbenen, dessen Name für immer mit der Geschichte des Völkerbundes verbunden bleiben werde, aufrichtiges Beileid aus Hierauf trat der Rat in feine Tages- orbnung ein.
Reichspräsident von Hindenburg hat an den König von Norwegen folgendes Telegramm gerichtet:
„Ew Majestät sprech« ich zu dem schweren Verlust, den das norwegische Volk durch das Ableben seines großen Sohnes Fridtjof Nansen erlitten hat, meine tiesgefühlte Teilnahme aus Sein unerschrocke- ncs Wirken als Forscher sowie seine aufopfernde Hingabe für das Wohl der leidenden Menschheit werden in Deutschland unvergessen bleiben."
Der norwegische Swrthing hielt anläßlich des To- des Nansens eine außerordentliche Sitzung ab Vor dem überfüllten Haufe hielt Ministerpräsident H a in- b r 0 die Gedächtnisrede. Auf Vorschlag des Ministerpräsidenten beschloß der Slorthing die Bestattung Nansens auf Staatskosten. Die Beisetzung wird am 17 Mai, dem norwegischen Nationalfeiertag stattfinden
....... in —■■■ ........
Das Roggenproblem.
Lin Work an die Hausfrau.
Wer denkt heute noch an jene Zeiten, da man, auf schlechtes Erlaybrot angewiesen, es als ein nie wiederkehrendes Märchen betrachtete daß der Däckerjunge früh .norgens knusperige Weizenmehlbrötchen in beliebiger Anzahl ins Haus bringen würde ? Seien wir ehrlich um zuzugeben, daß wir über den Grad berechtigter Lebensver- befferung nach fürchterlichen En^eyrungsjahren hinaus verwöhnt sind in einem Maße, das sich mit den Notzeiten von heule nicht verträgt. Man ist vielsach immer noch gewöhnt, über die Alarmrufe der deutschen Landwirtschaft in den Zeitungen hinwegzulesen, man gähnt vor Langeweile über die warnenden Berechnungen beim Weizen- ustd Roggenverbrauch, denkt: Es wird gerade auf »sich und die paar Pfund Brot an- kommen, die ich^im Jahr verzehre!, und fördert so durch Unverstand, Gleichgültigkeit und Egoismus eine Katastrophe, die die Augen offnen wird, wenn es zu spät ist.
Man muh immer wieder die Notwendigkeit betonen, daß das deutsche Volk zu einer Steigerung des Roggenverbrauches kommen muß. Mit behördlichen Maßnahmen, dem zweischneidigen Dermahlungszwang, der künstlichen Abdrosselung des Weizenverbrauchs und anderem läßt sich die sosort nötige Umstellung in der Roggenbilanz allein nicht vollziehen Alle Bevölkerungskreise müssen srei- willig und konsequent in klar erkanntem nationalen Interesse mehr Roggen verzehren.
Die Möglichkeit dazu ist durchaus in mehrfacher Hinsicht vorhanden. Wer sich im Besitz seiner vollen Gesundheit befindet, erweist feinem Magen und seinen inneren Organen überhaupt nicht den schlechtesten Dienst, wenn er zum herzhaften Roggenbrot greift. Ucber diesen Punkt sind Aerzle und Laien, Nahrungschemiker und Drot- feinschmecker längst einer Meinung. Eine Steigerung des deutschen Roggenverbrauches läßt sich aber auch dadurch erreichen, daß deutscher Roggen in gebranntem_ Zustand verwendet wird. Das Geld, das für den aus Korn hergestellten Kaffee aufgewandt wird, bleibt im Lande, kommt unserer heimischen Landwirtschaft zugute, erhöht den Roggenkonsum und entfaltet,
was unter den heutigen gesamtwirtschaftlichen Verhältnissen ebenfalls nicht übersehen werden darf, den einzelnen Privathaushalt ganz wesentlich. Die gesundheitlichen Vorteile eines solchen Kasfees sind von ärztlichen Autoritäten ebenso sestgestellt und bewiesen, wie die des reinen und wohlschmeckenden Roggenbrotes.
Jedes Pfund Mehrverbrauch an deutschen land- wirtschastlichen Produkten und insbesondere an deutschem Roggen, ist Dienst am Volk, ist Dienst an der Nation. K. A.
Aus der provinzialhauptstadi.
Gießen, den 15. Mai 1930.
Krauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See.
Im Anzeigenteil unseres heutigen^ Blattes kündigt die Ortsgruppe Gießen des Frauenvereins vom Roten Kreuz für Deutsche über See die Wohltätigkeits-Festspiele „DieKo- n i g s k i n d e r" am kommenden Sonntagnachmittag und -abend in der Dolkshalle an.
Die Rollen der jugendlichen Darsteller in dem romantischen Märchenschauspiel werden von 100 Mädchen und Knaben unserer Gießener Schulen dargestellt und liegen — wie man uns mitteilt — in geschickten Händen. In anmutigen Versen geschrieben enthält jeder Akt zündende Szenen, in denen es funkelt und strahlt, singt und Hingt. Die farbenprächtige Kostümausstattung. Dekorationen und Deleuchtungsesfekte heben das Ganze in die Sphäre einer Kinder-Revue. Das von Pohl-Prandl verfaßte romantisch-komische Mär- schenschauspiel bringt 6 Aufzüge mit Gelang und Tanz. Die Bühnenbilder zeigen u. a. die wildromantische Gegend am Feensee. idyllische Winkel im Walde, die zwischen grotesken Felsenpartien eingeschlossene Burg des böien Geistes, des ilnijolb Geron, ein Märchenreich, wie es sich Idie Phantasie von jung und alt nicht besser ausmälen kann. Man erfährt die Geschichte von Prinzessin Vergißmeinnicht. die schon als Kind mit des Rachbarkönigssohn verlobt wird, um zwei Königreiche zu einem zu vereinen. Den bösen Hnhold Geron gelüstet es aber nach die
sem Königreich und so verbannt er die Prinzessin in sein Zauberschloß. Den Prinzen Edel- bert will er morden, doch wird dieser durch den Berggeist, der sein Pate ist, gerettet. Ein Zwerg bringt ihn dem Dauern Veit, der ihn als Sohn erzieht. Doch des Dauern zweite Frau, eine böse Stiefmutter, jagt Cdelbert schließlich aus dem Haus, und nun nimmt sich der Amtmann seiner an. Er erfährt die Geschichte der Prinzessin und beschließt, sie zu befreien. Einmal im Jahr, um die Mitternachtsstunde, darf die Prinzessin ins Freie und wenn sie 15 Jahre alt ist, sich einen Freier wählen. Da nun gerade dieser Tag ist, trifft sie im Walde mit dem Prinzen zusammen, gibt ihm einen Ring, der den rechten Weg weist, ein Fläschchen mit einer stärkenden Flüssigkeit, eine Schärpe, die unsichtbar machen kann und ein Schwert. Mit Hilfe dieser Zaubermittel bezwingt der mutige Prinz alle Ungetüme und schließlich auch den bösen Un- hold Geron selbst, bringt mittels eines goldenen Schlüssels in das Zauberschloß, befreit die Prinzessin und feiert fröhliche Hochzeit mit ihr.
Wie die kleinen Darsteller alle diese Gestalten auf die Dühne bringen, ist außerordentlich interessant. Direktor Kappenmacher hat mit diesem schon über 206>3mal aufgeführten Märchen in allen großen Städten die größten Erfolge erzielt. Der Besuch der Veranstaltung kann auch in unserer Stadt bestens empfohlen toerben.
Vornotizen.
— Der Gleiberg-Verein hält am nächsten Samstagnachmittag seine Generalversammlung^ auf der Burg Gleiberg ab. Im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes wirb zu dieser Sitzung eingeladen. Näheres in der Anzeige.
L. U. Hniversitäts-Gottesdienst. Am Sonntag, 18. Mai, vormittags 111 * Uhr, findet in der Reuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt. Die Predigt hält Professor D. Cordier.
•• 8 0. Geburtstag einer Gießener Wohltäterin. Am 18.Mai vollendet Frau Sophie Zöppritz, geb. Wlll, ihr 80. Lebensjahr. Sie wurde in Gießen geboren als Tochter des Hniversitätsprofessors Dr. Heinrich Will und feiner Ehefräu Karoline Luise, geb. Balser. Pros.
Will, aus Weinheim an der Bergstraße stammend, war, als Liebig im Jahre 1852 nach München berufen worden war. dessen Nachsolgcr auf dem Gießener Lehrstuhl der Ehcmie geworden. Seine Gattin war die Tochter deS Geheimen Medizinairats Dr. Balser, der hier Professor der Augenheilkunde war Rach ihm ist die jetzt noch bestehende Balser-Stiftung benannt. Diese Anstalt geht auf die Stiftung der einst zu Darmstadt lebenden Gräfin Görlitz zurück, die von Balser wegen eines Augenleidens erfolgreich behandelt worden war und ihm aus Dankbarkeit eine große Zuwendung machte. Die nun Achtzigjährige verheiratete sich im Jahre 1870 mit dem Professor der Geographie Dr. Karl Zöppritz, der später an die Universität Königsberg berufen wurde. Rach dem frühen Tode ihres Ehegatten ging 5rau Zöppritz wieder in die hessische Heimat zurück, wo sie sich der Erziehung ihrer SCinbcr widmete, lieber den Kreis ihrer Familie hinaus hat sie sich auf dem Gebiete der Liebestätigkeit eine erfprießliche Wirksamkeit geschaffen. Seit vielen Jahren betätigt sie sich als Vorsitzende des Frauenvereins der Lukasgemcinde. auch als Vorstandsmitglied des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege. Frau Zöppritz hat sich besonders die Pflege der Armen, Alleinstehenden und Kinder angelegen sein lassen. Mit wahrhaft mütterlichem Herzen sorgt sie für die, die Hilfe und Anlehnung nötig haben, sie geht zu ihnen in die Häuser und sördert sie durch Rat und Tat. Alljährlich werden unter ihrer Leitung die Armen der Lukasgemeinde beschenkt und in jeder Woche Kinder zum Handarbeitsunterricht versammelt. Im Kreise ihrer Kinder, Enkelkinder und Hrenkelkindcr wird die körperlich und geistig in gleicher Weise Rüstige ihren 80. Geburtstag feiern.
•* Der Bund „Haus und Schule" veranstaltete, wie man uns berichtet, am Montagabend im Iohannessaal einen sehr gut besuchten Familienabend, der diesmal ein künstlerisches Gepräge trug. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die von Frau Mendelssohn-Bartholdy meisterhaft vorgetragene Novelle „Die alle Miene" von Auguste Supper, die auf die Anwesenden tiefen Eindruck machte. Fräulein Stammler erfreute die Zuhörer durch vier Lieder: „Auf dem See" und „So willst du des Armen" von Brahms, und „Stille Tränen" und „Der Sandmann" von Schumann, die von Herrn Linden st ruth feinsinnig begleitet wurden. Schülerinnen von Frl. Stammler brachten da- Terzett „Heimkehr" von Weber und den mehrstimmigen Chor „Du bist die Ruh'" von Schubert recht wirkungsvoll zu Gehör. Herr OI I f spielte eine Phantasie über ungarische Volkslieder mit bewundernswerter Technik, und die Herren Günther und Weber trugen vierhändig ein Larghetto aus der zweiten Sinfonie von L. v. Beethoven mit seinem Verständnis vor. Der Klein-Lindener Posaunenchor bewies sein Können durch das Spielen von 'drei Liedern. Alles in allem verdient der Abend eine besondere Note. Für den Juni ist ein Ausflug in die nähere Umgebung Gießens geplant, auf den schon jetzt hingewiesen sei.
•• Gewerkschaftsbund der Angestell ten lGdA), Ortsgruppe Gießen. Heber „Die Bedeutung und Organisation der Berufsberatung" sprach am vergangenen Samstag der Leiter der Gießener Derussberatungsstette, Dr. Rottenbacher, im Rahmen einer Mo- natsversammlung des GdA Die sehr interessanten Aussührungen zeigten deutlich, daß der einzelne heute nicht mehr in der Lage ist, ohne sachkundige Beratung einen Berus zu erwählen. Die fortschreitende Arbeitsteilung hat es bei 218 Derufsarten zu 14 000 einzelnen Berufen gebracht, über die ein einzelner sich kaum noch umfassende Vorstellungen machen kann. Schule, Arbeitsamt, Arzt und Psychotechniker müssen Zusammenwirken, um die Eignung des Jugendlichen herauszuschälen, die sich in erster Linie nach dessen Neigung zu richten hat. Bei der dauernden Umschichtung im Wirtschaftsleben läßt sich für einen Berus nur noch bedingt eine Zukunft voraussehen. Hm so mehr sei die „Neigung" zum Beruf zu werten, und man könne nur sagen, daß ein tüchtiger, vorwärtsstreb^der junger Mensch sich aus die Dauer im E^^bs- leben wird behaupten können.
Amtsgericht Gießen.
* Gießen, 6. Mai. Aus dc» Margarelcnhütte war ein u. a. schon wegen Bedrohung uorbcflrailer Händler mit erhobenem Revolver einem Arbeiter mit den Worten nachgelaufen: „Ich schieß dich tot". Er erhielt wegen Bedrohung und Vergehens gegen das Schußwaffengesetz 10 Tage ©efänejnis. — Wegen ruhestörenden Lärms wurde in 3 Fällen verhandelt. In dem einen Falle erfolgte Freisprechung wegen mangelnden Beweises, in den beiden anderen Verurteilung zu je 6 Mark Strafe. Das Gericht war der Ansicht, daß auch im Rahmen einer erregten Unterhaltung auf der Straße, wenn diese allzulaut geführt wird, ruhestörender Lärm zu erblicken und einer Feststellung des Bewußtseins des Täters, daß durch den Lärm das Publikum ungebührlich belästigt wurde, nicht erforderlich sei. — Durch verschiedene Vorgänge in dem Hause einer engen Gasse der Stadt sah sich die Polizei veranlaßt, mehrfach bei den Bewohnern des Hauses zwecks Anstellung von Ermitttungen oorzusprechen. Ein Bewohner des Hauses war der Ansicht, der diensttuende Beamte habe hierbei pflichtwidrig, insbesondere parteiisch gehandelt, und die Parteiischkeit sei darauf zurückzuführen, daß der Beamte mit einem im Hause wohnenden Mädchen gehe, mindestens sei er unter verdächtigen Umtzänden mit diesem allein im Hausgang in der Dunkelheit gesehen worden. Der Angeklagte schrieb alsbald in diesem oinne einen Brief an die Polizei. Infolge von Mitteilungen, die ihm in bestimmter Weise von Hausbewohnern zugegangen seien, will er die lieber- zeugung von der Wahrheit seiner Behauptungen gewonnen haben. Doch befand er sich im Irrtum. Die männliche Person, um die es sich handelte, war eine andere; der Vorfall an sich wahr gewesen Der Polizeibeamte ging völlig schuldlos aus der Verhandlung hervor; die Behauptungen des Angeklagten enchielten eine schwere Beleidigung. Nichtsdestoweniger erfolgte Freisprechung von der Anklage der Beamtenbeleidigung. Es wurde Wahrung berechtigter Interessen angenommen. Eine Absicht der Beleidigung konnte aus dem Bries nicht ohne weiteres entnommen werden, der Angeklagte konnte I nach Lage der Verhältnisse recht wohl von der Wahr- • heil seines Vorbringens überzeugt sein, ,


