saarländischen Beamtenschaft. Sturmi- schcn Beifall fanden seine Worte: Das Saargebiet wird in den nächsten Tagen erneut beweisen, daß in ihm nur ein Wunsch und ein Wille besteht: Zurückzum Reich. In feinen Schlußworten gedächte der erste Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Wilhelm Flügel (Berlin), jener Männer, die die langersehnte Befreiung vor Ablauf der Vertragsfrist herbeigeführt haben, vor allem des verstorbenen Reichsaußenministers Dr. Stresemann. Mit den Brüdern an der Saar ersehnen auch wir die Stunde der Befreiung. Der Redner gedachte auch der deutschen Brüder und Schwestern im Osten, die, vom Mutterland abgeschnitten, ihrer Rückkehr zu ihm harren. Das Deutschlandlied beschloß die machtvolle Befreiungskundgebung.
Minister Reinhold über die Forderung des Tages.
OPPcnhcimerBefrciungsfeicr der hessischen Demokraten.
Oppenheim, 13.3uli. (WSR.) Die Deutsche Demokratische Partei Hessens hielt in der alten Reichsfeste „Landskrone" eine Befreiungskund- aebung ab. Reichsfinanzminister a.D. Dr. Rein- hold gedachte der Arbeit eines Rathenau und Dr. Stresemann, und erinnerte weiter an die Geschehnisse von 1918 bis 1923. Jetzt ist unsere erste Etappe auf dem Wege zur Freiheit erreicht. Mit der äußeren Befreiung ist aber unsere innere Lage noch nicht gesundet. Lieber der Saar schwebt noch die Llngewißheit, und über dem Weichselland liegt ein bleischwerer Himmel. Die deutsche Wirtschaftslage ist schwerer denn je. Sie ist sehr schwer, aber sie ist nicht verzweifelt. Mit dem Flickwerk von Gesetzen muß Schluß gemacht werden und an ihre Stelle eine wirklich großzügige Reform mit großen Zielen treten. Das erste muh ein großer Generalangriff auf die Preise sein, wofür die augenblickliche Zeit sehr günstig ist, denn auf dem Weltmarkt liegen die Preise weit unter denen von 1913. Don den Preisen sind auch die Löhne abhängig. Man kann nur die große Dresche schlagen, wenn gleichzeitig mit der Senkung der Preise eine vernünftige Senkung der Löhne eintritt, ohne daß allerdings die Kaufkraft der Löhne verändert wird. Rach gesenkten Preisen und gesenkten Löhnen wird sich eine staatsbewußte Beamtenschaft nicht mehr gegen eine Senkung der Gehälter sträuben können. — Weiter sprachen Landtagsabgeordneter Reiber, Darmstadt, für die Landespartei. Frau Direktorin B u ck s a t h, Mainz, für die hessischen Frauen und Regierungsrat Schneider, Heppenheim, der elf Jahre lang aus dem besetzten Gebiet ausgewicsen war. Stadtrat Obmann schloß die schlichte Kundgebung mit einem Hoch auf das Vaterland.
politische Propaganda vom Flugzeug
Ein anttfaschistischerFlicgcrüber demGott» ßard abqesiürzt.
Basel, 12.Juli. (TU.) Auf dem St. Gotthard oberhalb des Hospizes stürzte am Freitagabend ein italienif cher Flieger ab, der in P. .is lebte. Der Pilot gab an, daß er von dem französischen Flugplatz 2 e Bourget o u f gelt i e g e n und nach Bellinzona geflogen sei. Auf dem Rückfluge habe er wiederum den Weg über den Simpion nehmen wollen, habe sich aber infolae des dichten Nebels verirrt. Auf dem St. Gotthard fei er gegen einen Felsen g e - schleudert worden. Er erlitt dabei einen Beinbruch und andere innere Verletzungen und mußte nach Andermatt ins Krankenhaus gebracht werden. Sein Flugzeug wird von schweizerischem Militär streng bewacht. Eine Untersuchung wurde angestellt, ob der Pilot der Flieger ist, der am Freitagnachmittag in großer Höhe über Mailand erschien und etwa 100 000 Flugblättter a b - warf „3m Namen der Geheimoereiniaung für Gerechtigkeit und Freiheit", in denen offen zur Revolution aufgefordert wurde.
Gei vorsichtig, £üo!
Äon Per Echwenz n.
Sie hat einen sechssilbigen Ramen und einen sechszylindrigen Wagen. @1. a'elh-Charlo.te lenkt ihr Auto selber.
Ich nenne sie Lilo und lehne mich weit zurück in den Fond des Wagens. Ich bin verliebt in diese jungenshaste Bewegung ih^er Schulter, wenn sie den Wagen um die Wegbiegung drückt...
Ich nenne sie Lilo, ohne damit jenen eigenen und Gott sei Dank einzigen altmodischen Zug aus ihrem Wesen bannen zu können, der ihr - in Liebereinstimmung mit ihrem langatmigen, hausfraulichen Ramen - anhaftet: Gutmütigkeit! Sentimentalität!
Bei geringsten Anlässen schwillt ihr kleines Herz zu einer alles verklärenden Rührseligkeit an! Ich lebe in steter Abwehr gegen ein Bataillon Katzen und Hunde, denen sie das Leben rettete... Da schleppt sie mir steUungslose Dichter an, für die ich ..was tun" soll — aber was? Ich kann nicht dichten... Strecke ich die Mörder- Hand nach einer ihrer sieben Katzen aus, zittert eine Träne an ihren Wimpern — eine Zornes- träne natürlich "nd dieser Helle, goldene Funke brennt jeden Widerstand aus meinem Herzen... Lilo ist schrecklich.
Ich habe immer eine Todesangst, sie allein fortfahren zu lassen. Ihre ganze abstrakte Dorstellung von einer großen Güte, darin die Heiterkeit dieser Welt (ausgerechnet dieser!) beschlossen läge, bedeutet eine ewige Gefahrenquelle für sie. Aber schließlich muß ich sie doch fahren lassen. Denn wozu hat sie ihre sechs Zylinder und ich meine sechs Berufe — (für jeden Zylinder einen)?
Immer habe ich zu Lilo gesagt: Rimm keine Leute mit, die du nicht genau kennst. — Lilo glaubt immer, alle Fußgänger auf der Landstraße sind müde und irgendwie „am Rande", und man muh dann anhalten und fragen: „Darf ich Ihnen einen Platz in meinem Wagen anbieten?" Der Wanderer gelangt so schneller an sein Ziel und — nach Lilos Ansicht — zu neuer Hoffnung, versöhnlichen Einsichten usw.
Also da fährt Lilo neulich zwischen Wittenberge und Hamburg. Sie hat in Hamburg eine Tante. Die Tante kann sie nicht leiden. Aber die Tante hat eine Windhündin, und diese hat laut
Der verunglückte Flieaer ist der 25 Jahre alte Italiener Giovanni Bassanesi aus Aosta. Das Flugzeug gehörte der Direktion eines Pariser Blattes. Bassanesi war vor einigen Tagen mit einem Franzosen namens Gaston Brabante aus Paris über Genf in Bellinzona eingetroffen. Hier erwarb der Italiener das Flugzeug durch Kauf von dem Franzosen. Bassanesi hat nachträglich ein- g e st a n d e n, daß er am Donnerstag und Freitag über Mailand und mehreren piemontesischen Stabten antifaschistische Flugblätter a b gern o r fc n have. Da Bassanesi am Gotthard über verbotenes Festungsgelände geflogen und auf solchem verunglückt ist, wird er sich nach
feiner Genesung vor den Militärbehörden wegen Uebertretung des Flugverbotes zu verantworten haben.
Das Befreiungsdenkmal in Mainz.
Die Enthüllung des Befreiungsdenkmals in Mainz ist endgültig auf den 2 0. Iuli festgesetzt worden. Sie erfolgt am Dormittag in Anwesenheit des Reichspräsidenten bei der Rundfahrt, die vor dem akademischen Festakt durch die Stadt unternommen wird. Das Denkmal steht auf dem Schillerplatz vor dem Gouvernement. Es zeigt die Figur einer Frau, die wie aus schwerem
Traum erwachend, sich sehnsuchtsvoU dem Lichts entgegenstreckt. Der Sockel trägt die Inschrift „1930“. Schöpfer des Denkmals ist der Bildhauer Benno Elkan, von dessen Hand auch das Frankfurter Opferdenkmal stammt, das den Toten des Weltkrieges gewidmet ist. Das Rheinland-De- freiungsdenkmal ist aus einem Granitblock von 500 Zentner Gewicht gemeißelt und hat eine Gesamthöhe von ö^/r Meter. Es wird errichtet von Stiftern, die nicht genannt sein wollen, unter Mitwirkung der hessischen Regierung und der Stadt Mainz, die zu diesem Zweck den Schillerplatz ganz neu gestaltet.
Der Zergbaii in den Kohiensänregniben des Aemoder SiemWenresiers.
Geologische Grundlagen. - Oie Entstehung der Kohlensäure. - Große Schwierigkeiten des Abbauverfahrens. Gründe der Llnwirffchaftlichkeit.
Äon Äerginspettor Dipl.-Ing. peter A. Wilson, Dleurobe.
Das Waldenburg-Reuroder Revier bildet den nordöstlichen Flügel des niederschlesisch-böhmischen Steinkohlenbeckens. Dieses Decken stellt eine große, im Südosten geöffnete Mulde dar, deren Endrand ungefähr durch die Städte Glatz, Reurode, Waldenburg, Gottesberg, Landeshut, Liebau, Schatzlar und Hronow bezeichnet wird. Die Muldenachse hat eine Länge von 60 Kilometer, wahrend die Muldenbreite 30—35 Kilometer beträgt. Das Becken ist eingeschlossen zwischen den alten Rumpfgebirgen des Riesengebirges, des Bober—Katzbachgebirges und des Eulengebirges: nur auf dem südwestlichen Flügel (also auf der böhmischen Seite) fehlt der Abschluß durch ein älteres Gebirge. Das Reu- roder Revier liegt auf dem Rordflügel der Mulde, angelehnt an den Hang des etwa 1000 Meter hohen Eulengebirges in der früheren Grafschaft Glatz.
Zur Steinkohlenzeit bildete das heutige nie* derschlesisch-böhmische Steinkohlenrevier ein flaches Süßwasserbecken, in das die von den umgebenden Gebirgen damals herabfließenden Gewässer grobes und feineres loses Gesteinsmaterial, ^wechselnd in Form von Geröllen, Sand und Ton hineintrugen. Die allmähliche Verflachung des Beckens führte auf weite Erstreckungen zur Versumpfung und damtt zur Ansiedlung einer üppig wuchernden reichen Pflanzenwelt. Diese bildete bei ihrem Absterben und ihrer sich stets wiederholenden Erneuerung schließlich ein viele Meter starkes Torfmoor, das bei höherem Wasserstande im Becken überflutet und von neuen Sand- und Geröll- fchichten überdeckt wurde, die nun wiederum eine Verflachung herbeiführten und den Boden für eine Vegetation bildeten, aus der sich ein neues Torfmoor entwickelte. Aus dem Wechsel der Bildung von Mooren und der Lieberdeckung mit abgetragenen Gefteinsmassen von den umgebenden Gebirgen entstanden so im Lause langer Zeiträume allmählich unter Mttwirkung des verfestigenden Druckes die Kohlenflöze und die sie überlagernden Schichten von Schiefertvn, Sandstein und Konglomeraten.
Die Einförmigkeit dieser Ablagerung roirb unterbrochen durch die große Verbreitung vulkanischer Gesteine, die in allen Teilen der Steinkohlen- mulbe auftreten. Nach der Ablagerung des Steinkohlengebirges und der darin eingeschloffenen Flöze wurde die Erdrinde wiederholt durch Stoßen von vulkanischen Ausbrüchen, die Asche und Steine auswarfen und glutflüssige Gefteinsmassen als Lavaströme austreten ließen, die sich teilweise über dem Flözgebirge ausbreiteten.
Diese gewaltigen vulkanischen Bewegungen waren naturgemäß mit stacken Erschütterungen der gesamten umliegenden Teile der Erdrinde verbunden. Bei den Eruptionen wurde das Gebirge zertrümmert und Schollen aufgelöst, über- einandergeschoben und verdrückt. Das nieder- schlesische Steinkohlenrevier ist daher gekennzeichnet durch eine Unzahl von Verwerfungen, Verdrückungen, Ueberschiebungen usw., die die Aus- und Vorrichtung und die Gewinnung in außerordentlichem 2Raf$e erschweren.
Die Tätigkeit derart gewaltiger Naturkräste kam natürlich nicht mit einem Mal zum Stillstand: sie ist vielmehr ganz allmählich abgeklungen. Nach den letzten Ausbrüchen ist noch durch lange Zeit die Erdrinde in Bewegung geblieben. Große Gebirgsschollen sind aus der Tiefe in die Höhe gehoben worden oder wurden steil aufgerichtet, während andere Gebirgsschollen nach der Teufe ab- sanken. Dies findet seinen Ausdruck in den großen Brüchen, die das Steinkohlengebirge abschneiden. Die Erdbewegung kann auch heute noch nicht als endgültig abgeschlossen angesehen werden, sind doch in den letzten Jahrzehnten in Neurode wiederholt Erdbeben beobachtet worden. Als letztes Nachklingen der vulkanischen Tätigkeit beobachtet man noch an vielen Orten das Auftreten heißer und kalter kohlensäurehaltiger Mineralquellen, die zu der Gründung der bekannten schlesischen Bäder (Warmbrunn, Salz- brunn, Altheide, Reinerz, Kudowa, Landeck usw.) geführt haben.
Die Kohlensäure tritt aber nicht nur an Quellen gebunden auf, sondern sie hat auch ihren Weg aus der Teufe in das Steinkohlengebirge gefunden und die Kohlenflöze mit Kohlensäure an- gereichert. Es soll hier nicht weiter untersucht werden, in welcher Form die Kohlensäure in den Flözen gebunden ist. Es genügt feftzustellen, daß die meisten Flöze im Neuroder Steinkohlenrevier m i t Kohlensäure gesättigt find. Diese Kohlensäure tritt bei der Gewinnung fortgesetzt aus; man kann z. B. beobachten, daß sie aus einem Bohrloch im Flöz wie ein kalter Wasserstrahl herausfließt. Sie ist aber vor allem gefährlich durch ihre Neigung, sich in plötzlichen Ausbrüchen Luft zu machen. Derartige Ausbrüche werden durch Erschütterungen des Flözes ausgelöft.
Durch eine Erschütterung wird die im Ilöz ein- gepcehte Kohlensäure frei, unter explosionsartigen Erscheinungen tritt sie aus, wirft gewaltige Massen von Kohlen und Gestein aus, richtet dabei die fürchterlichsten Zerstörungen an und erfüllt in wenigen Augenblicken alle umgebenden Grubenbaue mit einem unatembaren und daher schon nach wenigen Sekunden erstickendem, tödlich wirkendem Gas. Ein sicheres Mittel, einen bevorstehenden Ausbruch anzuzeigen, sieht dem Bergmann bis jetzt noch nicht zur Verfügung.
Man kann wohl das Vorhandensein der Kohlensäure im Bohrloch oder in der Kohle nach» toeifen, man kann aber leider nicht im voraus bestimmen, ob ein Ausbruch zu erwarten ist oder ob die Kohlensäure bei der Gewinnung weiter gleichmäßig abfließen wird. Der gesamte untertägige Betrieb muh dieser Llnsicherheit Rechnung tragen und ist daher mit Rücksicht auf die Kohlensäuregefahr durchgebildet. Grundsatz beim Abbau ist es, j e d e Erschütterung des Gebirgskörpers während der Arbeit zu vermeiden. 'Während der Arbeitspausen muß die Belegschaft sich in Sicherheit bringen, erst danach wird das Gebirge durch starke Spreng - s ch ü s f e in Erschütterung versetzt, um etwa drohende Kohlensäureausbrüche auf künstlichem । Wege herbeizuführen. In den Kohlensäurebe- | trieben ist daher jegliche Arbeit mit Bohrhäm-
Telegramm Junge gekriegt. Lilo schmolz vor Rührung und rief sofort die Garage an.
Lilo fährt. Sieht weit vor sich einen dunklen Punkt. An diesen Punkt kann sie philantropisch anknüpfen. Sie gibt Vollgas. Lind richtig — o Lilo — der junge, saubere, einsame Mann — hinkt! Hinkt, ächzt und zieht den Hut ... Mit tiefer Befriedigung tritt Lilo die Bremse, steckt, ich kenne das — die Stubsnase -um Fenster hinaus und sagt: „Dars ich Ihnen usw. ..." Der Kunde nimmt neben Lilo Platz. Er ist ganz gut gekleidet. Kellner, sagt er, stellungslos, kriegs- beschadigt. Will nach Hamburg. In Wittenberge sei doch nichts los. Das sieht Lilo ein. Sie denk: darüber nach, wen sie in Hamburg damit belästigen wird, etwas für den jungen Mann zu tun. Lind sieht ihn sich darauchin so von der Seite an, mit halbem B.ick, dem Steuer gestohlen. Lind da kommt ihr das Gesicht doch so bekannt vor--also, das hat sie doch schon mal gesehen --?--Lind auf einmal weiß sie auch
wo! In Berlin — an der Litfaßsäule — auf dem Steckbrief des Mörders 2.1 Lilos Herz will aussetzen, macht ein paar langsame Umdrehungen, saugt tapfer das geflohene Blut zurück und kommt aus ganz hohe ^ouren! Das ist eine schöne Bescherung!--Der hätte ja noch nicht
mal zu hinken brauchen! Sie geh t auf 80 Kilometer hinauf. Sie wartet gespannt, wann sich der nächste Trick ankünden wird, da sie sich auf freier und einsamer Strecke befinden. Da: „Gnädige, möchten Sie einen Moment anhalten? Ich habe starke Schmerzen und möchte meinen Verband richten." Aber Lilo, ist taub. Der Fremde wiederholt seine Bitte. Lilo geht auf 100 Kilometer. Der Mann zischt sie an: „Sofort halten!" Lilo überlegt blitzschnell: — Er kann mir den Fuß vom Gashebel stoßen — das Handgas kann er greifen — aber den Hebel kriege ich wieder — Kuppelung, Fußbremse erreicht er nicht — Handbremse? Wagt er nicht — da gehen wir hops — Der Mann brüllt: „Halten!!"
115 Kilometer! Sie fühlt seine Hand auf der ihren — sie zittert nicht — ein süßes Gefühl der Macht geht heiß durch ihren Körper — 120 Kilometer Da sieht sie eine Revolvermündung — sie stöhnt in äußerster Konzentration — — Bluff! Bluff! Ich habe das Rad, Fuß auf da« Gas Auge auf die Strecke. Als chre Rerven einen Moment nachlafsen, schreit sie den Mann
an: „Herr L., nehmen Sie die Waffe weg oder wir gehen an einen Baum!"
Mit ununterbrochenem Hupensignal fuhr Gilt in den Ort ein. Aus das Kreischen der Vierradbremse sprangen die Beamten aus der Wacht- stube.
Dann fuhr sie zu ihrer Tante. ♦
Das ging noch mal gut! Bravo Lilo! Aber ich bin wütend aus dich, obwohl du die 1000 Mark für die Ergreifung des Täters erhieltest! Ich befehle dir, ich bettle dich an, Lilo werde vernünftig. Rimm niemanden in deinen Wagen, wenn ich nicht dabei bin — auch meinen besten Freund "nicht. Du siehst, ich habe die Flucht in die Oeffentlichkeit genommen: alle wissen, daß du alle immer einladest. Schäme dich, bitte blamiere uns nicht! Ach, liebe Lilo...!
O-r Licbeör man
eine^ berü m e i Zwerges.
Der berühmteste Zwerg seiner Zeit und der ..kleinste Mann der Welt" war Charles S. Stratton, den der große Reklameheld B a r n u m als Oeneral Tom Thumb zu einer gefeierten Sehenswürdigkeit machte. „Th. Daumen" erhielt die größten Gagen der damaligen Zeit, so in England für ein einmaliges Auftreten 12 000 Mark, und Barnum soll mit ihm drei Millionen verdient haben. Gr war 62,5 Zentimeter groß, wog nur 15 Pfund und war dabei ein schön gestalteter kleiner Mann, der keine von den sonst bei Zwergen vielfach vorkommenden Ungleichmäßigkeiten aufwies. „Wenn er in der eleganten Kleidung eines modernen Stutzers auf der Bühne steht," schreibt ein Journalist feiner Zeit, „dann reicht er mit seinem Kopf kaum bis zum Knie einer Person von durchschnittlicher Größe und befindet sich etwa auf dem Riveau dec Stuhlsitze und der Sophas. Dabei hat er keinen zu großen Kopf wie andere Zwerge, sondern feine Gliedmaßen sind von einer reizenden Harmonie, seine Hände und Füße die niedlichsten, die man sehen kann. Er trägt die eleganteste Toilette, hat stets Glacehandschuhe an und Miniaturschuhchen von besonderem Schick. Deine Stöcke sind etwa 15 Zentimeter lang, seine Hüte, von denen er die verschiedensten Formen für alle Gelegenheiten besitzt, Kuriositäten
mem, Abbauhämmern, stoßend wirkenden Schrämmaschinen. Keilhauen u. dgl. völlig verboten: drehend arbeitende (oder fräsend wirkende) Schrämmaschinen sind nur in Einzelfällen zugelassen. Die Hereingewinnung der Kohle erfolgt ausschließlich durch Schießarbeit. Die Bohrlöcher werden mit drehend arbeitenden Bohrmaschinen hergestellt und bann mit starken Schüssen besetzt. Zweimal während der Schicht, nämlich in der Frühstückspause und beim Schichtwechsel, wird die gesamte Belegschaft zum Zweck« des Schießens aus den Abteilungen zurückgezogen. Durch zweimaliges Verlesen der Mannschaften überzeugt sich der Abteilungsführer, daß die Abteilung geräumt ist, danach werden die Schießtüren — doppelte Eisen türen, die luftdicht abgedichtet sind — geschlossen. Rachdem dieses erfolgt ist, verständigen sich sämtliche Abteilungen untereinander und mit der Telephonzentrale, daß die Schießtüren geschlossen sind und die gesamte Belegschaft sich in Sicherheit befindet. Erst dann darf geschossen werden. Die Schüsse werden von den Schießstattonen aus durch elektrischen Starkstrom gezündet. Rach dem Abtun der Schüsse wird eine viertel Stunde gewartet. Sodann wird durch besondere Beobachtungen lSchaurohre und Ventile) festgestellt, ob hinter Den Schießtüren K ohlensäure steht. Ist dies nicht der Fall, so werden die Schietztüren geöffnet, die Wettermänner gehen vor und revidieren die Abteilung. Erst wenn sie die Abteilung frei gemeldet haben, darf die Belegschaft wieder vor Ort fahren. Die ganze Schimpanse dauert vom Verlassen des Ortes bis zum Wiederbetreten desselben ein bis ein* einbalb Stunden, die für die Arbeitszeit restlos verloren sind. Sind durch unfachgemäßes Besetzen oder durch Fehlzündung Versager aufgetreten, so ist die Belegschaft dieses Ortes für den Rest der Schicht so gut wie außer Gefecht gesetzt. Die Schaffe dürfen erst bei der nächsten Schießpause erneut gezündet werden. Außerdem muh in den Kohlensäureabteilungen besonders sorgfältig auf guten Ausbau und Versatz geachtet werden, um ein Zubruchegehen des Hangenden — durch das gleichfalls Erschütterungen ausgelöst werden können — unbedingt zu vermeiden.
Treten beim Schießen K oh lens Lu re au s - brüche auf, so bleioen die Schießtüren solange geschlossen, bis es gelungen ist, die Kohlensäure aus der Abteilung restlos herauszusaugen. Da nun die Kohlensäure schwerer als Luft ist, so haben die Ventilatoren unter besonders schweren Bedingungen zu arbeiten. Obwohl sie in solchen Fällen mit höchster Tourenzahl arbeiten und durch (Sinu<. ,.n von Luft in c:e vergasten Grubenbaue eine Verdünnung des Gasgemischs angestrebt wird, dauert es unter Um- ständen tagelang, bis die Abteilung wieder loh* lensäurefrei ist und befahren werden kann.
Durch diese Maßnahmen ist es in den lebten Jahren gelungen, d e Kohlensäureausbrüche mit wenigen Ausnahmen durch das Schießen tunsliich hervorzurufen und unerwartete Ausbrüche während der Arbeit zu verhindern. Die Verluste an Menschenleben durch Erstickung in Kohlensäure, die früher nicht gerade selten
ersten Ranges." Ein englischer Schriftsteller, der eine Biographie dieses berühmten Liliputaners vorbereitet und ein reiches Material über ihn gesammelt hat, erzählt den Roman seiner Liebe.
Diese Zwergenncbe war sehr leidenschaftlich. Der General wurde von einer Zwergin magisch angezogen, die nur 60 Zentimeter groß war und bei Der ersten Begegnung mit ihm 21 Jahre zählte. Sie war eine Amerikanerin und ebenfalls von Barnum entdeckt: sie hieß Lavinia War* rcn. Bei einem Besuch von Reuyork sprach Tom Thumb eines Tages bei Barnum vor, sah dort Lavinia, und sofort stand fein wir,zig s Herz in Flammen. Er beschwor den Zirkusdirektor, doch ein gutes Wort für ihn bei der kleinen Dame einzulegen. Aber Barnum lehnte das ab und tagte: ein General müsse sich seine Schöne selbst erobern; er stachelte auch noch seine Eifersucht an, indem er ihm verriet, daß er einen Rcbenbuhler in einem andern Zwerg, dem „Commodore blutt", besitze. Der kleine Mann hatte einen tapferen Sinn, und so ging er sofort zum Angriff über. Er war damals ein reicher Herr und hatte viel freie Zeit. So holte er die Miniaturschöne in seinem niedlichen Ponywagen ab, und auf einer solchen Fahrt machte er ihr seinen Antrag. Lavinia gestand ihm errötend, daß sie ihn liebe, aber sie dürfe ihn nur mit der Einwilligung ihrer Eltern heiraten. Sie tollten, daß Mama Ihr Schnurrbart nicht gefallt , sagte sie bekümmert. „Ich werde ibn mir sofort aus- reißen und meine Augen ebenfalls, wenn Sie dann mir ihr Iawort geben“, schrie der Putzige General im Feuer der Leidenschaft. Sofort fuhr man zu den Eltern der Dame, und diese gaben ihren Segen. Die Heirat des Zwergenpaares wurde eine große Sensation, und die beste Reuyorker Gesellschaft drängte sich dazu, das Paar zu sehen, das von einem anderen Zwergen- poar, der Schwester Lavinias und dem abge* blihten früheren Liebhaber, zum Altar geleitet wurde. Ein Jahr nach der Hochzeit schenkte Lavinia ihrem überglücklichen Gatten ein Töchterchen, das bei der Geburt noch nicht drei Pfund wog. Es toar ein gesundes Kind, starb aber schon im zarten Alter von 2Vi Jahren. Dann segnete auch Tom Thumb das Zeitliche, und seine Gemahlin heiratete — wie das ja nicht nur unter Zwergen vorkommt — alsbald einen anderen Liliputaner, den »Grafen" Primo Magri.


