Kür den Bücheriisch.
Von deutschem Schrifttum.
— Ernst Penzoldl: 8 11 e n n e und Luise Novelle. Neue Fassung. Wit einem autobiographischen Nachwort. Reclam- UniDer- fal-Bibliothek Nr 7010. (Seh. 43 Ps. gebunden 80 Ts (215). - »tiennc und Luise da» ist bte denkwürdige und rührend« Liebesgeschichte von dem jungen französischen Kriegsgefangenen und dem törichten deutschen Mädchen. Luise, eines Kleinstadtbürger- siebzehnjährige Tochter, nimmt den entsprungenen Etienne In ihrem Zimmer auf und verbirgt ihn dort saft ein Jahr. Die au- reiner Barmherzigkeit begangene Unbesonnen- beit ist der Beginn eines beglückten Zusammenlebens und eines unaufhaltsamen Verhängnissc- zugleich. Keine Beseligung der Jugend, keine Erniedrigung in angstvoller Heimlichkeit, keine Unersättlichkeit und kein Ueoerdruß bleibt dieser Liebe erspart, bis sie endlich mit ganzem Einsatz bezahlt wird. Sine teil- traaikomische. teils unheimliche, teils sehr leben-frohe Komparserie umgibt da- unselige Spiel der Liebenden. — Die Erzählung hat, wie man sich erinnern wird, vor einiger Zeit höchst überflüssigerweise im Mittelpunkt einer unerquicklichen Prozeßverhand- lung gestanden. Die vorliegende neue Fassung bedeutet eine Rechtfertigung der guten Absichten des Autor-. Sie gibt Gelegenheit, daß jedermann sich überzeuge, wie serne es dem Verfasser gelegen Haden muh. mit seiner tragischen Fabel irgendwelche Mitmenschen zu verletzen. Die Sr- zählung konnte bi- aus künstlerisch ganz unwesentliches Ornament völlig intakt bleiben.
— Nictor Auburtin- Kristalle und Kiesel. Aus Ncisen gesammelt. 155 Seiten 8°. Geheftet 3 Mk. Leinen 5 Mk. Verlag von Alb. Longen. München 1930. (229 ) — 3n der Geschichte de- deutschen Iournaii-muS. die heute noch nicht geschrieben ist. die aber einmal kommen muh, wird der Name de- nun verstorbenen Nictor Äuburtm einen hervorragenden Platz ein- nehmcn. In dem sicher umfänglichen Kapitel über das Feuilleton wird er als ein Meister und Dorbild genannt werden. Er blies die Hirtenflöte und ging dahin: er hatte da- Leben und gerade die kleinen und unscheinbaren Dinge des Lebens mit klaren, wachen, scharfen und gütigen Augen angesehen und sie vor unS hin- gestellt und aufgebaut mit zartem Federstrich und in Pastellfarben, al- Intermezzi, Grotesken. Satiren und Stimmungsbilder, aufgereiht und niederaelchrieben in bestem Deutsch, in blendendem Stil, elegant, witzig, kritisch und sehr ge- pslegt Sr war ein Spötter, ein Beobachter, ein leidenschaftlich Liebender. Don alledem gibt dieser schmale Band aus dem Nachlaß wiederum Zeugnis Ein Buch, das auf Neisen entstanden ist und in seinen knappen impressiven Deschrei- dungen, die nie langatmig, sondern stet- amüsant sind, alle liebenswerten Vorzüge der romanisch-romantischen Wesensart deS Verstorbenen noch einmal zusammenzufassen scheint, Unb eS ist einerlei, ob Auburtin über erste Eindrücke in Berlin schreibt oder über Tage in Oesterreich, ob er von Würzburg entzückt ifl oder sich über die Wiener Würste moquiert. ob er die ..schöne schwierige Stadt" Prag durchwandert oder eine Madrider Kunstausstellung oder die Kathedrale von BuraoS: allenthalben spürt man den seinen Schriftsteller und geistigen Menschen. Fast immer lächelt man bei der Lektüre, oft lacht man hellauf, und zuweilen wird man ganz ernst und nachdenklich und muh einen tiefen Seufzer tun: kann man sich einen besseren Neisesührer und Neisebegleitcr wünschen? -y-
— Werner Bergcngruen Die Woche i m La bv rin th. Stuttgart 1930. EngelhornS Nomanbibliolbek Band 1036 37. Drosch. 2 Mk.. Leinen 3,50 Mk. (176) — Dieser farbige, von allerlei Humoren beflügelte Noman wird für viele Freunde deS Dichter- eine Uebcrraschung fein Er führt aus mittelamerikanischen Boden, der nicht nur im geologischen Sinne vulkanisch ist. Ltierkamps und Putsch, Filmruhm und LebenS- flicr, Trustpolitik und HcrzcnSgefühl. Erdbeben und Standgericht, da- alles fügt sich wirbelnd zu einem scharfkonturierten Panorama menschlicher Leidenschaften und Spannungen. In diese- Labyrinth gerät für eine Woche eine junge 2c- ben-anfängerin, durchkostet alle Schrecknisse und Beglückungen, die der lebenswilligen Kreatur verhängt sind, und findet endlich den AuSweg, her ihr statt des kindlich geliebten Abgottes die ganze Unendlichkeit der Welt in die Hände legt. Menschen und Zustände werden mit klarer Frische gezeichnet, seelische Entwicklungen mit unaufdringlicher psychologischer Feinheit zur Anschauung gebracht.
Aus fremden Literaturen.
— R. C S h e r i f f unb DernonBartlett: Die andere Seite. Noman. Deutsch von HanS Reisiger. 464 Seiten 8'. Brosch. 4LO, Ganzleinen 6 Mk. Drei Masken Verlag AG., München. (250 ) — Nachdem da- Drama .Die andere Seite" inzwischen eine Gesamtauflage von 90 000 erreicht hat und allein in Deutschland auf 293 Bühnen ausgesührt worden ist (in Dieben war cs weitaus der größ.e Erfolg der letzten Spielzeit) — erscheint nun unter dem gleichen Titel ein Roman. Sheriff hat sich hier mit Vernon Bartlett verbunden, der unsere- Wissen- literarisch in Deutschland genau so unbekannt ist. wie c8 Sheriff vor der Uebersetzung seines Drama- war. (Hier soll gleich bemerkt werden, das, der Roman ebenso einheitlich und in sich geschlossen wirkt wie das Stück: die Dvppelautor- schast hat also merkwürdigerweise nichts verdorben.) Der Roman bringt in der zweiten Hälfte an Handlung das, was die drei Akte des Dramas umschlichen: ein wenig ausführlicher, auf Entwicklung, Schilderung und vor allem auf psychologische Aufhellung der Vorgänge bedacht. — im übrigen aber mit meist wörtlicher Ueöernahrne des Diglogtertes int Drama, stellenwe.se auch der Regieanweisungen. GS würde hier zu weit führen, beide Werke als Grundlage und als Musterbeispiele für eine prinzipiell abgrenzende Dergleichung von epischer und dramatischer Technik zu nehmen: es gäbe aber ein interessantes und auch wohl lohnendes Thema für eine Dissertation. Der erste Teil bringt die Vorgeschichte: hier wird die glückliche Jugend der Hauptgestalten in der Kriegshandlung, insbesondere deS jungen Jimmy Thaleigh. erzählt. Gut erzählt: einfach, schlicht und allenthalben, wie man spüren wird, aus Erlebnis und Anschauung gespeist. Sehr fein und zart die Liebesgeschichte, die später
— an der Front — eine so verhängnisvolle Rolle spielt. Der erste Teil schildert auch Kindheit«- tinbrücfe. frühe Erlebnisse von so allgemein gültiger und beglückender Natürlichkeit, dah man die englische Herkunft des Roman- fast vergiht. Später wird man wieder daran erinnert, wenn man miterlcbt. wie diese kräftige, gesunde, ritterlich unb kameradschaftlich erzogene Jugend sich doch von der Dorkriegsaeneration in Deutschland wesentlich abbebt, bei ihnen drüben war damals schon (wie heule vielfach auch bei unS) der Spork das eigentliche Zentrum ihres Dalein-. auf den sich alle Wertung bezog, zu dem sie immer wieder -urückkehrten. aus dem sie sich Kraft unb Leben-bereitschast holten Aber die englische 3u- fend erscheint doch, ih dieser Schilderung jeden- allS, an deren Echtheit kein Zweifel gestattet ist, ein wenig primitiv und ungeistig. dem Durchschnitt unserer NachkriegSjugend jedenfalls ähnlicher. als jener Generation, die bei uns jung in den Krieg ging und von der so viele nicht mehr zurücklehrlen. DaS Ganze wirkt, vor allem im letzten Teil, genau so erregend und erschütternd wie daS Drama. Durch alle Kapitel gehl, wie dort, der gleiche vornehme, ehrliche, ritterliche Ton, der da- Stück sympathisch und liebenswert macht. Hier haben wir, von allem Künstlerischen und Menschlichen einmal abgefebn, da- Werk eine- vollendeten Gentleman. (Allein in der furxen Episode, die im deutschen Graden spielt, ist vielleicht nicht ganz die gleiche, beherrschte und aus eigenstem Erlebnis stammende Sicherheit der Schilderung zu spüren wie in den übrigen Teilen.) Immer wieder drängt eS sich aber auf. wie wenig doch diese- Buch im literarischen. im ästhetisch-schulmäßigen Sinne .Roman" ist, wie sehr es allenthalben Berich!, Chronik. Tagebuch und menschltches Bekenntnis ist. DaS hebt ihn auS seiner angelsächsischen Begrenzung heraus, ohne ihm seinen starken und eigenen Eharakler zu nehmen. Es ist eine- der besten Krieg-bücher der modernen europäischen Literatur, die wir kennen.
— Joseph Eonrad: Ein Lächeln be- Glücks. Eine Hafengeschichte. Einzig berechtigte Uebersetzung auS dem Englischen von
S. Mc Salma n. Halb!. 2,53 Mk. Volks verband der Bücherfreund«, Wegweiser-Verlag G.mb.H., Berlin-Charlottenburg 2. (151) — Diele- Abenteuer in einem Südseehafen wird von einem Dichter erzählt, der 20 Jahre Seefahrer gewesen ist, bevor er sein erste- Derk gelchrieben hat. Ein übermächtiger Drang zur See hat Joseph Conrad au- seiner Heimat, dem Bauernland der Ukraine, in sremd« Meere vertrieben. Schwere Erlebnisse haben ihn xu einem der tief- ften Menschenkenner unserer Zeit gemacht. Die ruhige Sicherheit seiner Kunst steht in rätselvoller Spannung zu der Unruhe seines Geistes. Die angesehensten Dichter unserer Zeit haben dem Genie LonradS gehuldigt. In Deutschland haben Thoma- Mann, Jakov Wassermann, in Frankreich Andrö Gide und Edmond Ialou« ihre Liebe xu diesem modernen Weltfahrer, zu diesem grandiosen Darsteller des Elementaren in der Natur und der Menschenseele bewundernd bekannt. — Die Ausstattung des Bandes ist vorzüglich.
— Romain Rollands Das Leben deS Divekananda. 208 Seiten 8'. Leinen 4,80 Mark. Rotapsel-Verlag Erlenbach, Zürich und Leipzig. (258.) — War den Lesern des „Leben deS Ramakrishna" diese- Buch a!S eben’o ab» geschlossene-, in sich ruhende- Ganze erschienen, wie Rolland- grobartige Lebensbilder eine- Tolstoi, Beethoven, Gandhi, durch welche der Dersasser so tiefe Wirkung au-geübt hat, so macht diese- neue Buch die philosophische Tragweite von Rolland- Beschäftigung mit Indien klar. Ramakrishna ist da- mystische Herz be- modernen Asien- gewesen: Vivekananda wurde zum PauluS deS neuen indischen Christus. Mit anderen Jüngern begründete er die Ramakrishna- Mission, einen religiösen Orden. Der Wert dieser zwei zu unseren Zeiten abgerollten Lebensbahnen liegt darin, dah sie in der fernen Wun- dcrwelt der Legende ihren Ursprung haben und doch völlig in die soziale und intellektuelle Wirklichkeit unserer Tage einmünben. Der Leser wird bi- an die jüngste Gegenwart an Gandhi- Wirken herangeführt, bi- an die Schwelle deS seine Unabhängigkeit erklärenden Indien.
Schriften zur Kunst.
— Da- Liebermann-Buch. Heraus« gegeben von HanS Ostwald. 500 Seiten 81. Mit 270 Bildern von Max Liebermann. Kart. 3.75. Ganzleinen 4.80 Mk. 1. bis 30. Tausend. Paul Franke, Verlag, Berlin SW 11. (208) — Liebermann, einst mißverstanden, belächelt und abgelehnt, ist heute, über alle Wandlungen de- Stil- und der Mode hinaus, der repräsentativste Maler, den Deutschland besitzt. Deshalb ist dieses Buch seines engeren Landmannes HanS Ostwald sehr zu begrüßen. Der besondere Wert der Publikation scheint uns einmal — woraus bei jedem künstlerischen Gegenstände der größte Nachdruck zu legen ist — in der erstaunlichen Fülle de- durchweg einwandfrei reproduzierten Bildmaterial- zu liegen, das in diesem Falle natürlich mehr bedeutet als nur Illustration oder Buchschmuck. — daS ein wesentliches Element des Werkes ist, die notwendige Ergänzung zum Text um so mehr, als eS nicht nur die weithin bekanntgewordenen Galeriestücke zusammenstellt. sondern auch mancherlei entlegenes, seltene-, z. T. überhaupt unveröffentlichtes Material auS dem ungemein reichen und vielgestaltigen Oeuvre deS greifen Meisters beibringt. Die- gibt dem Gesamtbilde eine außerordentliche Rundung und Geschlossenheit: und selbst wer mit Liebermann- Schassen einigermaßen vertraut zu sein glaubt, wird mehr als einmal überrascht sein, diesen unermüdlich Schaffenden von einer neuen oder doch bisher kaum beachteten Seite kennen zu lernen. (Wir denken hier etwa an die ganz frühen Skizzen oder an die Buchillustrationen zu Goethe. Keller, Kleist, Clara Viebig.) — Zum andern: daS Buch ist vom Herau-geber nicht nur klar und übersichtlich aufgebaut und gegliedert, es ist auch — worauf man bei einer kunstgeschichtlichen Arbeit vielleicht besonders aufmerksam machen darf — sehr lesbar und für jedermann verständlich geschrieben: da- ist wichtig und ausschlaggebend, wo es sich, wie hier, darum handelt, in die Breite zu wirken im Sinne des Mottos, das der Maler selbst dem Werk vor
angestellt hat: .... Es ist die höchste Befriedigung de- Künstlers, wenn sein Schaffen in- Dolk bringt.“ Dazu hilft auch eine ganz persönliche Haltung diese- Künstlerbuches, in dem der Herausgeber immer wieder Liebermann selbst hat zu Worte kommen lassen in all seiner Urwüchsigkeit und Sachlichkeit, mit seinem trockenen Humor und seinem oft überwältigenden Urteil über die Welt, die Menschen und die Kunst. So überwiegt stets das Biographische. daS Anekdotische, daS Persönliche, der unmittelbare, au- dem Leben gespeiste Eindruck: und darauf kam es ja in diesem besonderen Falle mehr an al- auf das Aesthetische, das Gelehrte, die historisch-kritische Analyse. das Liebermannbuch will ein Volksbuch sein. Wir glauben, daß eS diesem Zweck vollkommen entspricht, und möchten eS hiermit nachdrücklich empfehlen, zumal eS, bei feiner Dilderfülle, sehr wohlfeil genannt werden muß. —y—
— Musik und Tanz. Vom Kulttanz zum Iaxz. Don Rudolf Sonnet. 140 Seiten mit zahlreichen Rotenbeispielen. In Sammlung Wissen- fchast und Bildung. Geb. 1.80 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (287) — Musik und Tanz dienten ursprünglich kultischen Zwecken, und noch im heutigen Gesellschaftstanz lassen sich Reste dieser Urelemente alles Tanzen- nachweisen. Die oft erörterte Frage nach dem Ursprung unseres Tanxes führt daher zurück zu den Kulthandlungen Der Primitiven, wo wir den Tanx in engstem Zusammenhang mit magischen Vorstellungen bet Jagden. Krieg-- und Siegesfeiern, bei Totenfesten und Hochxeiten, bei allen Ritualfeiern unb Fruchtbarkeit-festen begegnen. Durch bie Iahrhunberte steigert sich auS höfischer ober bürgerlicher Gemessenheit ber Tanz in immer beschleunigteres Tempo bis zum Einbruch beS ExotiSmuS, um auch im Jazz noch kultische Urelemente zum AuSbruck beS neuen Rhythmus umzu- gestalten. Diese Zusammenhänge werben hier auf» gezeigt unb burch interessante Rotenbeispiele Belegt.
Sport und Gesundheitspflege.
— Dr. med. Alfred Brauchte: Naturgemäß« Lebensweise. Reclams Universal- Bibliothek Nr. 7052. Geh 40 Pf , geb. 80 Ps. Auch zusammengebunden mit „Gekocht oder roh?" (Nr. 6994) und „Hypnose und Autosuggestion" (Nr. 7028) unter dem Gesamttitel „Neue Lebensformen" in Ganzleinen 2 Mark. (143.) — Nachdem Brauchte die Fragen ber Ernährung und der suggestiven Ner- txnpfkge in Sonderabhandlungen der Unioersal- Bibliothek dargestellt hat, bringt er nun in einem Drillen Bändchen die übrigen Bedingungen der Gesunderhaltung. Falsche Nahrung, mangelnde Bewegung, unvollkommene Atmung, fehlende Hautpflege sind bie hauptsächlichsten Verfehlungen, unter benen ber moderne Mensch ertranlt Hier wird ausführlich gezeigt, welche täglichen Dinge der Atmung, der allgemeinen Körperbewegung, der Rahrung. der Hautpflege durch Licht. Lust, Wasser. Massage. Oel erforderlich sind, um uns gesund und leistungsfähig zu erhalten.
— Lehrouch deS Wasserballspiels. Von Dr. M. Nußbaum. 90 Veiten mit zahlreichen Abbildungen. Kart. 2.60 Wk. Sportbibliothek des Verlage- Quelle & Weyer in Leipzig. (205) — Das Wasserballspiel hat bei und in den letzten Jahren einen außerordentlichen Aufschwung genommen. Die be ft gemeinten Bemühungen zur Einübung einer wirklich leistungsfähigen Mannschaft scheitern jedoch vielfach an dem Fehlen einer geeigneten Anweisung für Aufbau unb Training dieses Spiels. Um so freudiger muh da- vorliegende Buch begrüßt werden. Der Verfasser beschreibt all? Einzelheiten des Spiels unb Trainings unb hat bie einzelnen Hebungen durch photographische Ausnahmen fcstgehalten, bie genau bie richtige Ausführung zeigen, auf die gerade beim Wasserballspiel alles an kommt.
— Turnerische Körperschulung. Von Polizeihauptmann. Kreisoberturnwart PH. Kuhle nb eck. 2. Auflage. 189 Seiten. Kartoniert
4 Mk.. Leinenband 5 Mk. Spvrtbibliothek de- Verlage- Quelle A Meyer in Leipzig. (116.) — Das Buch umfaßt da- Gesamtgebiet ber Freiübungen sowie ba- beutsche unb schwebische Geräteturnen. An Hanb von mehr al- 150 Zeichnungen unb Bilbern erläutert ber Verfasser alle Uebung-möglichkeiten, bie sich zur Erzielung einer anteiligen Durchbildung des Körpers al- zweckmäßig erwiesen haben. Desonberen Wert gewinnt das Buch dadurch. bah ber Verfasser bei ben Hebungen systematisch vom Leichteren zum Schwereren fortschreitet, so bah jeder mit Hilfe diese- Buche- selbst planmäßig Körperschulung treiben kann. In einem Anhang sind sodann bie Leitsätze für bie Dorturnerausbilbung unb Leitsätze für den Riegenbetrieb zusammengefaht, was besonder- von ben Mitgliedern der Turnvereine dankbar begrübt werden dürfte.
— Mebizinball undKugelghmnastik. Hebungen im Spiele. Von Tum- unb Sportlehrerin Hübe Kaiser In Bücherei für Leibesübungen unb körperliche Erziehung. 60 Seiten. Kart. 2 Mk. in Leinenband 2,80 Mk. (286). — Mebizinball unb Sisenkugel, richtig angetoanbt, können weit besser als Hanteln. Keulen ober Stäbe zur Kräftigung ber GesamtmuSkulatur unb xur Vorbereitung von Wurf- und Stohübungen beitragen. Eine zweckentfprechenbe Anleitung gibt das neueste Bändchen ber Bücherei für Leibesübungen. in bem bie Verfasserin eine Fülle anregender UebungSformen in wachsenden Schwierigkeitsgraden zusammengestellt hat.
— Rütze d i e ArbeitSpausei Atmung unb Gymnastik, eine tägliche Kraftquelle für Berufstätige. Ein Buch ber Gesundheitspflege und Leistungssteigerung, von Mar Bahrs unb Dr. med. H. Dalzli, mit 23 Bilbern auf Kunft- brudtafeln, Südbeutfches VerlagshauS G. m. b. H. Stuttgart, Birkenwaldstr. 44. Preis 1,25 Mark (283).
Politik und Geschichte.
— EgelhaafS H i st o r i s ch - p o l i t t s ch « Iahre-überficht für 1 9 2 9. Heraus- aegeben von Friedrich Reubauer Carl Krabbe Verlag Erich Guhmann in Stuttgart. Geheftet 8 Mk. (161) — Die Herausgabe der Iahresüber- ficht hat Geheimer Studienrat Dr. Fr. Neubauer übernommen. Das Bestreben de- Herausgebers ist auf eine sachliche Darstellung gerichtet. Di« Ereignisreihen sind möglichst übersichtlich geordnet und tn Kapiteln zufammengesaht worden. Etwa drei Fünftel deS Buche- nimmt bie beutfch« Außen- und Innenpolitik ein; etwa zwei Fünftel entfallen auf die auswärtigen Staaten. Der Lago des bedrängten Auslandsdeutfchtums wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Das Wirtschaftliche hat der Verfasser, soweit e- der Raum gestattete, herangezogen. Das Buch setzt sich zur Ausgabe, über daS unlängst Vergangene, das doch so schnell dem Gedächtnis entfliegt, knapp, aber klar zu unterrichten: e- möchte eine sachliche Beurteilung der politischen Dinge, der Erweiterung und Klärung politischer Kenntnisse und ber politischen Bildung dienen, die bei uns, wie man weiß, trotz aller Politisierung noch gering ist.
— In ReclamS Universal-Blbllothek erschien: Der Voungplan. Inhalt und Wirkung gemeinverständlich dargestellt von Dr. Hans Gestrlch. Reclams Universal-Blbllothek Rr. 7061 62. Dehestet 80 Pf. gebunden 1.20 Mk. (145) — DaS wichtigste politische Dokument für Deutschland- Zukunst liegt hier in seinem wesentlichen Inhalt mit ollen grundlegenden Einzelheiten vor. Der ursprüngliche Pariser Voungplan wird ebenso systematisch und erschöpfend behandelt wie daS Haager Gesetzwerk und die damit verbundenen Abkommen. Eine ausführliche kritische und sachliche Würdigung behandelt eingehend die Grundlagen einer UrteilSbildung über das Funktionieren des Plane-, bte Revis ions- möglichkeiten, ben Vergleich mit ben Dawe-lasten an Hanb systematischer Tabellen.
— Siegsrieb v. Kardorss, W. d. lR.: „Im Kampfe um Dl-mar ck". eine Au - - einanberfeöung mit Karl Rowak. Verlag Ernst Rowohlt. Berlin W 50. Prel- 1 Mk. (207). — Der bekannte voll-parteiliche Abgeordnete, ber kürzlich mit einem geistreichen Di-marck- buch an die Öffentlichkeit trat, hat in einem Zeitungsaufsatz „Geschichtsklitterung" ein neue« Werk historischer Belletristik Karl Friedrich Nowaks „Da- dritte deutsche Kaiserreich" kritisch unter die Lupe genommen und besonders die falsche Charakterzeichnung. die Nowak von dem Fürsten Bismarck entwirft, scharf verurteilt Daran hat sich eine ausgiebige Pressepolemik angeschlossen, die Kardorss jetzt, in einer Broschüre zusammengefaht, der Oefsentlichkeit vorlegt.
Lauder und Völkerkunde.
— Karl S i l c r : „John Bull - u Haus e." Der Engländer im täglichen Leben, Verlag G. A. Seemann in Leipzig mit 8 Bildtafeln, Preis in Leinen 7,00 Wk. (224). — Unterrichtende Bücher über England gibt eS viel«, wir nennen nur auS früheren Jahren da- bekannte Buch von Karl Peter-, bem berühmten Afrikaforscher. „Snglanb unb bie Engländer", und auS ber neuesten Zeit die verschiedenen Bücher von Rudolf Kircher. Karl Sile?, wie Kircher Korrespondent einer großen deutschen Zeitung in London, schildert sehr lebendig, sehr anregend, humorvoll unb witzig ben Alltag des Engländer», wie er wohnt, sich amüsiert, sich anzieht, aber auch tiefer in bie Seele de- Insulaners grelfcnb, wie er sich bilbet unb erzieht zu dem Träger einer großen politischen Tradition, die das britische Weltreich auch unter veränderten Umständen zusammenzuhalten sich müht. Sehr viele- von dem, waS wir unS gewöhnt haben, „typisch englisch" zu nennen, erweist sich, wenn wir Silex glauben dürfen, als direkt verkehrt. Richt verwöhnt und anmaßend, sondern innerlich bescheiden und anspruch-los toirb ber Englänber bingeflellt, rückständig in allem, waS uns Kontinentalen da- Leben angenehm und behaglich macht. Wir sehen Wohnverhältnisse. die keineswegs günstiger sind als bet unS zu Hause. Wir sehen Einkommen, die zwar nominell höher liegen mögen al« bei uns, aber durch hohe Steuern, einen sehr teuren Lebensstandard und namentlich exorbitante Aufwendungen über die Kindererziehung, durchaus auf da- kontinentale Niveau herabgedrückt werden. Sehr hübsch ist die Schilderung, die Silex von der „Season" und „Society“ entwirft. Das Buch hat auch seine ernsten Seiten, z. D. wenn es auf die große Wandlung hinweist, die England seit dem Kriege durchmacht. Der Abenteurer, ber in dem Werden deS britischen Weltreich- von der Elisabethanischen Aera bis xu Winston Churchill eine so hervorragende Rolle gespielt hat, scheint auf dem Au-sterbeetat zu stehen und dem Fachmann, dem Beamten. Platz zu machen. DaS Leben droht auch für den Engländer ernst zu werden. Dem Kampf ums Dasein muß ber Gedanke, daß da- Leben Sport ist, weichen, da- Spielfeld deS Gentleman wird zum Kampfplatz de« „Professional".
— AnguS Buchanan: Sahara. Durch Wüstensand und Sonnenglut. Mit 24 Abbildungen auf Tafeln und einer Kartenskizze. Geh. 750, Leinen 10 Mark. Verlag von Strecker & Schröder in Stuttgart. — 246 — Der Verfasser hat diese Wüstenei auf elfmonatiger entbehrung-reicher Karawanenreife durchzogen unb gibt un- au- bem Schah feiner Erlebnisse ein anschauliche» Dilb von bem Land unb seinen wenig zahlreichen Bewohnern, den unzuverlässigen, Aimtückischen Tuarcgcingebovenen unb von deren Sitten und Gebräuchen. Wir begleiten ihn durch unabsehbare Länderstrecken, die oft vier Jahre lang regenlos bleiben. Wir erleben spannende Szenen bei der Jagd auf Gazellen und auf bie in den zerklüfteten, schwer zu erklimmenden Bergen fast unerreichbaren Wildschake. Besonder- reizvoll sind die Schilderungen vom Aufspüren der in ber unabsehbaren Weite stet- unruhevoll umherschwei- senden Strauße, bie. kaum gesehen, dem Auge schon wieder entschwunden sind, unb dem Jäger hundertfache Enttäuschung bereiten. Ein prächtiger Bilderschmuck nach Aufnahmen des Verfassers unterstützt das geschriebene Wort, und so ist ein wertvolles Dokument entstanden, daun» ein treue- Abbild von jener seltsamen Welt gibt


