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Nr. UO Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Montag, 12. Mai (950

Fußballkampf DeutschlandEngland 3:3.

Ein prächtiges Spiel der deutschen Aniateur-Mannschast gegen die englischen Berussspreler vor 50000 Zuschauern.

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Die Platzwahl der beiden Kapitäne: Hofmann (München, links) und Jack (England, rechts). In der Mitte der Schiedsrichter Mutters (Holland).

Der deutsche Torwart Kretz faustet den Ball vom Kopfe rittet englischen Stürmers.

Der 10. Mai ist für den deutschen Fuh-I ball zu einem großen Tag geworben. 3m | Kampf mit dem schwersten Gegner, dem sie je gegenüberstand, hat die deutsche Nationalmann­schaft ein ehrenvolles Unentschieden von 3:3 (1:2) erstatten.

Die englischen Berufsspieler, die mit ihrer stärksten Mannschaft nach Ber­lin gekommen waren, um im deutschen Stadion anzutreten, enttäuschten nicht. Was sie zeigten, hat man bislang in Deutschland Wohl, in gleicher Qualität kaum gesehen. Prachtvoll war ihr va­riables, exaktes Kombinationsspiel, präzise kamen die Torschüsse und ein Genuß waren ihre tak­tischen Feinheiten.

kaum ein Mann in dieser Elitemannschaft, vom Torwart Hibbs angefangen über die schnellen Verteidiger und die klugen Läufer hinweg bis zu den grotzen Stürmern Jack, Watson usw., war schwach, alle überragten bett

Durchschnitt.

Unb doch mußten sie sich im Kampf mit der deut­schen Mannschaft mit einem Unentschieden begnügen. Dieses Unentschieden ist sür die deutsche Elf sehr ehrenvoll, aber auch durchaus verdient. 3n der ersten Halbzeit wies das Spiel der Deutschen noch einige Mängel auf. Der rechte Sturmslügel war schwach, Kuzorra konnte sich nicht durchsetzen und die Läuferreihe mußte sich mit einem Defensivspiel begnügen. Dach der Pause wuchs

das Spiel der Deutschen zu einer vollkommenen Ebenbürtigkeit mit dem Gegner.

3etzt war auch in der deutschen Mannschaft keine Schwäche mehr zu finden. Die beiden stärksten Spieler waren Kreß und Hofmann (Dresdens. Kreß arbeitete mit verblüffender

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.....

Richard Hofmann sorgte mit drei Bomben­schüssen dafür, daß den drei Erfolgen der Engländer auch drei deutsche entge­genstanden. Aber nicht nur schuhgewaltig, sondern auch technisch und taktisch war das Spiel von Richard Hofmann glänzend. Die­sen beiden Leuten kam der Verteidiger Stubb, kam auch Leinberger am nächsten. Stubb war wieder blitzschnell, ein wenig hart, aber doch oft Retter in höchster Gefahr. Schütz hatte in der ersten Halbzeit einige schwache Momente, lief aber nach der Pause auch zu bester Form auf. Die deutsche Läuferreihe Heidkamp Leinberger Mantel verdient ein Ge­samtlob. Sie arbeitete unermüdlich. 3m Sturm war Bergmaier nach der Pause sehr gut, Pöttinger und Kuzorra hatten nicht genug Durchschlagskraft, technisch spielten sie recht gut. Der gefährlichste Teil des Angriffs war natürlich der finke Flügel, der leider erst nach der Pause voll eingesetzt wurde.

Der Spielverlauf.

50 000 Menschen waren bei trübem Wetter ge­kommen, tausende hatten keine Karten mehr erhol­ten können. Das Deutsche Stadion prangte im Flag­genschmuck, das Wetter aber hätte besser sein kön­nen. Zum Glück setzte wenigstens der Regen wäh. rend des Spiels aus. Der von dem holländischen

Schiedsrichter Mutters geleitete Kampf sah dis Engländer in der ersten Halbzeit im Vorteil, aber Deutschland bot auch in dieser Spielphase schon einen sehr guten Widerstand. Die Engländer übernahmen bereits in der 9. Minute durch einen unhaltbaren Schuß ihres Halblinken dis Führung. Deutschland kam dann zu einigen Eck­bällen, mußte aber auch hart verteidigen. In der 28. Minute erzielte Richard Hofmann mit einem Bombenschuß den Ausgleich. Aber schon fünf Minuten später hatten die Engländer, wiederum durch ihren Halblinken den zweiten Treffer erzielt.

Rach der Pause lief die deutsche Els zu hoher Form auf und zur Begeisterung der Massen halle sie fast in der ganzen zweiten Halbzeit ein Plus.

Das Spiel war zuweilen außerordentlich schön. In der 5. Minute schoß R. Hofmann eine Flank« von Bergmaier zum Ausgleich ein, und zehn Minuten später schloß Hofmann wieder einen von Leinberger eingeleiteten Angriff mit dem vielbejubelten Führungstor ao. In der 38. Minute aber kamen die Engländer durch einen Kopfball ihres Mittelstürmers Watson doch noch zum Ausgleich. Die deutsche Elf konnte nun das Unentschieden halten und wurde noch dem Schlußpfiff des Holländers begeistert gefeiert.

Oer Fußball des gestrigen Sonntags.

Der Held des Tages: Hofmann (Dresden), der alle drei deutschen Tore schoß.

Ruhe, hiefi zahllose Schüsse der Engländer, und war oft noch Retter, wenn man den Ball schon in den Maschen des deutschen Tores glaubte. I

Der »weite Maisonntag brachte ein überaus reichhaltiges Anhballprogramm, aus dem einige

Länderspiele

überragen. 3n erster Linie ist hierbei der Län­de r k a m p f zwischen Ungarn und 3 talien

zu erwähnen, den die Magyaren auf eigenem Boden mit 5.0 verloren. Dieses Ergebnis be­deutet neben dem 3:3 der deutschen Ländermann- schast gegen England die Sensation im in­ternationalen Fußball. Die ungarischen Amateure siegten gegen Polen mit 3:1.

Räubergeschichten.

Don Richard Hueisenbeck.

3ch traf Frau Kreitlcr auf derTientsin Maru" während der Ueberfahrt von Schanghai nach Dalny. 3ch lernte sie durch Herrn Arai kennen, einen japanischen Großkaufmann, der eine zeit­lang der American Relief Association angehört hatte und mit ihr in Aigshia, dem Wirkungsort der Kreitlers gewesen war.

Wenn Frau Kreitler im Dordstuhl lag, konnte man nicht sehen, daß sie einen ungewöhnlich kräftigen und muskulösen Körper besaß. 3hr Gesicht hatte Züge einer dunklen Energie. Men­schen, die lange in der Einsamkeit gelebt haben und gewöhnt sind, ost in ihrem Leben entschei­dende Fragen an das Schicksal zu stellen, sehen so aus. Ihre Hände waren von Pflanzenhafter Zartheit, sie sagte mir, sie spiele gern Klavier, besonders Chopin, und es sei sehr schwierig ge­wesen, das Instrument nach Rigshia, in das 3n- nere Chinas zu schaffen. Herr Kreitler, der Missionar, habe den Weg von Rigshia nach Paotu zweimal im Auto zurücklcgen müssen und sei dabei mit knapper Rot den Schüssen einer Räuber­bande entgangen. So kam es. daß wir von chinesi­schen Räubern sprachen.

Sie sind im allgemeinen gutmütig sagte Frau Kreitler lächelnd,es geht diesen armen Men­schen wie den wilden Tieren, nur wenn sie ge­reizt werden und sehr hungrig sind, bringen sie Menschen um. Die chinesischen Banditen sind fast immer entlaufene oder entlassene Soldaten, die nichts zu essen haben, und die Rückkehr zu einem geordneten Beruf nicht mehr finden können. Meistens sind diese Leute auch aus einer fremden Landschaft, sie können sich mit den Eingeborenen noch weniger verständigen als wir Ausländer. Sie wissen doch, daß die Chinesen in ihren ver­schiedenen Provinzen so unterschiedliche Dialekte haben, daß sie sich manchmal dumm und stumm gegenüberstchen. In solchen Augenblicken kann nur die Schrift helfen, aber chinesische Soldaten können im allgemeinen noch weniger lesen und schreiben als die Kulis und Rikschatreiber.

Mein Mann ist nicht nur in Rigshia sehr be­kannt. die ganze Provinz schätzt chn. Wir haben in Rigshia gleich. hinter unserem Haus einen großen Garten. Die Kirche und die Schule stehen etwas entfernt, etwa eine Viertelstunde Wegs. Es ist jetzt vielleicht ein halbes 3ahr her. daß mein Mann von Banditen entführt wurde, er wollte eine kleine Partie über Land zu einem

Bekannten machen, einem alten Chinesen, der in der Kaiserzeit hohe Posten innegehabt hatte. 3ch wartete den ganzen Rachmittag auf meinen Mann, als er nicht zurückkam, sandten wir zu Changshikung, und hörten zu unserem Schrecken, niemand sei bei ihm angekommen. Am folgenden Tag fehlte ein Gärtner, der erst seit vierzehn Tagen bei uns Dienst tat. Er hieß Hantsungyuan. Man hatte uns vor ihm gewarnt, aber mein Mann sagte, man dürfe kein Mißtrauen haben, er fühlte sich so sicher, daß er meinte, mit Güte und anständiger Behandlung könne man aus einem Verbrecher einen Gentleman machen. Bei vielen Chinesen ist das auch möglich, sie rea­gieren sehr fein auf die Art, wie europäische Vorgesetzte sich ihnen gegenüber benehmen.

Sie können sich denken, daß meine Stimmung nicht die beste war, obwohl mir eine innere Stimme sagte, auf irgendeine Weise würde diese Angelegenheit gut abgehen. 3ch machte meine gewöhnliche Arbeit, das übrige chinesische Personal benahm sich sehr gut. Der Koch, ein beleibter Herr mit Ramen Weikuotung, machte sich die Mühe, unter vielen Verbeugungen bis zu meinem Schlafzimmer vorzudringen und mir zu einer Zeit, als ich dringend der Ruhe be­durfte. zu versichern, mein Mann sei ein Ehren­mann und die Banditen Schufte, deren Köpfe er bald an den Zinnen der Stadtmauer baumeln zu sehen hoffe. Der chinesische Stadthauptmann kam und sagte, er habe sofort einen Trupp Soldaten in dieBerge des großen Friedens gesandt, in denen sich die Räuber wahrscheinlich verborgen hätten. Während er noch sprach, kam ein Offizier und meldete, die Soldaten seien zu­rückgekehrt. ohne etwas gefunden zu haben. Der Stadthauptmann bedauerte das außerordentlich. Am folgenden Tag solle der Verbuch wiederholt werden.

Der folgende Tag war ein Freitag, ich weiß es noch wie heute, es regnete, ein sehr seltener Fall in Rigshia. 3ch überlegte mir, was zu tun sei Daß mein Mann noch lebte, war sicher, denn bisher hatte sich kein Bandit gemeldet, um Lösegeld zu fordern. Ich sagte, daß Räuber in China erst dann sehr emft zu nehmen sind, wenn sie gereizt werden Gereizt sind sie, wenn man ihnen das geforderte Lösegeld nicht bezahlt. Briefe werden einem bei Rächt ins Fenster geworfen Die Bande hat natürlich ifjre Hel­fershelfer in der Stadt. 3n dem Brief ist die Höhe der Summe und der äußerste Termin der Bezahlung angegeben Run beginnt ein sehr langwieriger Handel, im allgemeinen zahlen die Betroffenen ein Viertel bis ein Drittel des Löse-

geldes, sehr häufig noch weniger. Die Räuber haben Hunger, sie wollen, wenn es eben möglich ist, einen Mord vermeiden, die Drohungen darf man nicht allzu wichtig nehmen. Cs ist schon häu­fig vorgekommen, daß Entführte zurückgekommen sind, obwohl die Banditen kein Lösegeld erpreßt hatten. Jedoch wird in den meisten Fallen etwas bezahlt. Die Polizei wird selten bemüht. Rie- mand weiß, ob sie nicht mit den Räubern unter einer Decke steckt, aber selbst wenn das nicht der Fall ist, kann man ihre Hilfe nur sehr gering ein» schätzen. Der Durchschnittschinese, der im Be­wußtsein einer monatlichen Gehaltszahlung da­hinlebt, wie zum Beispiel ein Soldat, führt seine Pflichten mit einer Schläfrigkeit und Schludrig­keit aus, die uns das Blut in die Wangen treibt Der Räuber ist schon deshalb viel schnel­ler, weil er mit dem Lösegeld niemals rechnen kann und alles von seiner Geschicklichkeit unb 3ntelligenz abhängt

Wir hatten einen Bekannten in Paotu, einen amerikanischen Missionar ihn wollte ich durch einen Brief benachrichtigen. 3ch sehe mich nie­der, tauchte die Feder ein. Da gab's ein Ge­räusch Hinter mir stand Hantsungyuan., der ver­schwundene Gärtner Er war genau so höflich wie sonst und begrüßte mich mit einem feierlichen Kopfnicken Als ich aufschnellte, zuckte er sicht­lich erschreckt zusammen. Das war das Schuld- bewußtsein

Wo ist mein Wann, Hantsungyuan ...T

Der Gärtner begann zu stottern, drehte und wand sich, aber ich ließ fein Auge von ihm, ein­gedenk der Erfahrung der Dompteure, daß man sich die wilden Tiere nicht in den Rücken kommen lassen darf Hantsungyuan bekam einen Anfall von Reue, er verstand es. eine Art von Schlucken in feine Stimme zu bringen, und wischte sich hin und wieder über die Augen, so daß ich fast gerührt war.

Wir haben den Herrn Missionar, als er zu Changshikung, dem alten Mandarinen ging, überfallen, gefesselt und in eine Höhle nach dem Gebirge des großen Friedens geführt. Da sitzt er nun und wartet.

Ra . das ist ja eine schöne Sache ... ihr seid ja Banditen . man wird euch den Kopf abschlagen . ich werde es sofort dem Etadt- hauptmann melden ...

Hantsungyuan geriet in die größte Aufregung.

Missis Kreitler . die anderen haben sich schon nicht hierher getraut . . ich komme, um mit Ihnen zu verhandeln . es geht uns schlecht ... wir verlangen fünfhundert Dollars Lösegeld ..."

3ch horte ruhig zu. dann sagte ich mir, das Beste ist, wenn du jetzt laut lachst. Ich begann also schrecklich zu lachen und tat, als ob ich meine Freude gar nicht bezwingen könnte, obwohl mir nicht sehr wohl zumute war. Hantsungyuan sah mich erschrocken an.Die ist sicherlich durch das Unglüd verrückt geworden", dachte er. , Fünf­hundert Dollar?!" schrie ich.du weißt sicher nicht, daß das eine ungeheure Menge Geld ist

Doch, ich weih es ... Wir geben uns ja schon mit weniger zufrieden ..

3ch stellte mich vor ihn in Positur.

Ihr werdet keinen Pfennig bekommen, sondern eure Köpfe verlieren."

Vorher muß Mister Kreitler sterben ..

3n dieser Weise führten wir ein anregende- Gespräch Hantsungyuan ging immer mehr von seinen Forderungen herunter, schließlich war er bei zwanzig Dollars angekommen.

Zwanzig Dollars, Missis Kreitler ... daS ist doch eine kleine Summe."

Für euch Halunken viel zu viel ..

Aber wovon sollen wir beim leben ... die Zeiten sink) schlecht ..

Bekommst du denn kein Gehalt .. .T

Ich habe eine Frau, einen alten Vater unb sechs Kinder zu ernähren . Missis Kreitler ..

Das entsprach den Tafia-ben Hantsungyuan lebte in sehr schlechten ökon mischen Verhältnissen, weil er eine zahlreiche Verwandtschaft zu er­nähren hatte Seine Frau galt als Tantippe. Der Pantoffelheld als Wegelagerer. Ein neues Lustspielthema. Ich wollte der Sache ein Ende machen.

Wenn ihr meinen Mairn sofort befreit, werde ich die Sache dem Stadthauptmann nicht melden, ihr werdet eure Köpfe behalten ...

.Unb das Lösegelb, Missis ...?"

-Ich muh darüber mit meinem Mann spre­chen ..

2lm Rachmittag war mein Mann wieder da, et betrachtete den Bors all mit gutem Humor und wollte nicht einmal, daß man Hantsungyuan aus dem Dienst jage Es stellte sich übrigen- heraus, bah ber Koch, der sich so sehr um meinen Kummer bemüht hatte, auch mit im Spiel war. Ueberraschungen dieser Art sind in China nicht- Ungewöhnliches.

Am folgenden Tag lieh mein Wann den Gärt­ner, der tieffinnig herumging, bi fein Arbeits­zimmer holen unb sicherte ihm eine kleine Ge­haltserhöhung zu. Das sind Räubergeschichten au- bem inneren China, meine Herren."