mit dem Dotschafterposten in London, von dem er abberufen wurde, um rumänischer Außen- mi ni ste r zu werden. In dieser Eigenschaft hat er in der ersten Halste des Jahres 1928 eine überall beachtete Rundreise durch Europa angetreten, die ihn unter anderem auch nach Rom brachte, wo er wichtige Verhandlungen mit Mussolini führte. Bemerkenswert sind auch seine Verhandlungen mit Jugoslawien gewesen, in denen er sich für eine enge Verbindung der beiden Nachbarländer und für eine Stärkung der Kleinen Entente einsetzte. Im August 1928 wurde er wieder G e« f a n b t e r in London, und in dieser Eigen- schäft ist er jetzt auch nach Genf gereift.
Der Zahnschutz im Saargebiet.
Rückfragen bei der Saarregierung.
Genf, 10. Sept. (WTD.) Heute nachmittag fand beim Generalsekretär des Völkerbundes eine Besprechung über die Regelung der Frage deS Dahnschuhes im Saargebiet statt. Außer Dr. C u r t i u s und D r i a n d nahm der italienische Delegierte S c i a l o j a , der an Stelle des nach Rom gereiften italienischen Außenministers Grandi getreten ist, an der Besprechung teil. Es handelte sich darum, auf Grund der gestrigen Verhandlungen des Rates einen Vorschlag auszuarbeiten, auf Grund dessen der Rat eine Entscheidung über den Dahnschuh in einer der nächsten Sitzungen zu treffen hat. Die Teilnehmer an der Besprechung sind übereingekommen, an d i e Regierungskommission des Saargebietes, die zur Zeit in Gens weilt, einige Fragenzu richten. Man glaubt, daß die Angelegenheit noch in dieser Woche geregelt wirb.
Der Ausschuß hat sich also auf den Standpunkt gestellt, daß die Saarregierung selbst die Unterlagen für die Entscheidung liefern soll, ob eine sofortige Zurückziehung des Dahnschuhes möglich fei. Die von dem Ausschuß an den Präsidenten Wilton gerichteten Fragen werden geheimgehalten, sie sollen sich jedoch auf die Sicherung des Kohlentransports sowie des gesamten Durchgangsverkehrs des Saargebietes durch die örtliche Gendarmerie im Falle einer Zurückziehung de« Dahnschuhes beziehen.
Oie Saarregierung für Zurückziehen des Bahnschuhes?
Parts, 11. Sept (1BIB. Iunkfpruch.) Der Berichterstatter des „Journals" in Genf berichtet über di« gestrige Fühlungnahme wegen der Ablösung der 250 französischen Soldaten im Saargebiel, der Vorsitzende der Regierungskommission, Sir Ernest Wilton, habe erklärt, daß e» gar nicht schwierig fei, diese Soldaten zurückzuziehen. Unter diesen Umständen würde die Annahme der deutschen Forderung am Jreifag, also vor den Reichs- tagvwahlen. angekündigt werden. Der Berichterstatter stellt in diesem Zusammenhang die Jrage, ob dies genügen werde, um die deutschen Wähler für die Regierung zu gewinnen.
Wie pilsudski den Wahlkampf führt.
Verhaftung oppositioneller Führer.
Berlin, 10. Dept. Der neue polnische Ministerpräsident Pilsudski, dessen mangelnde Hochachtung vor dem parlamentarischen System und seinen Vertretern hinlänglich bekannt ist, hat den Wahlkampf damit begonnen, daß er durch - die Polizei maßgebende Führer der Opposition verhaften ließ. So sind in Warschau führende Persönlichkeiten der Sozialdemokratischen Partei, der Bauernparteien, der Rationalen Arbeiterpartei und der Rational- demokraten ins Gefängnis geworfen worden. Auch auf die Provinz hat Pilsudski diese Methode des Wahlkampfes erstreckt. Ebenso hat er die Führer der ukrainischen Minderheit, die bekanntlich gegen die Warschauer Machthaber besonders feindlich eingestellt sind, hinter Schloß und Riegel bringen lassen. Diese Aktion der Regierung ist wahrscheinlich hervorgerufen worden, weil sich die Oppositionsparteien des Zentrums und der Linken z u einem W ahlblock gegen die Regierung zusammengeschlvssen hatten. Es muh abgewartet werden, ob der Ministerpräsident mit dieser Taktik der Vergewaltigung sein Ziel erreicht. Jedenfalls steht schon jetzt fest, daß di^-rnal vop freien Wahlen in Polen nicht die-Rede sein kann.
Oer neue Bischof von Kattowitz.
Berlin, 10. Sept. (HL) Wie der „Osservatore Romano" mitteilt, hat der Papst den Prälaten Sta- nislaw Adamski aus Polen zum Bischof der Diözese Kattowitz ernannt. Wie die „Ger- mania" dazu berichtet, wurde der neue Bischof 1875 in der ehemaligen Provinz Posen geboren, studierte in Posen Theologie und wurde im Jahre 1899 als Kathedralvikar nach Gnesen berufen. Be- onders ausgeprägt war feine Arbeit im polni- chenDereins- und später irnGenossen- chaftswesen. Reben dieser Arbeit auf roirt- chaftlichern Gebiete nahm er in ausgedehntem Maße an dem politischen und nationalen Leben der polnischen Bevölkerung in der Provinz Posen und später in Polen teil. Während der Revolution von 1918 wurde er in den Ober- ft en Volksrat der Polen in Pofen gewählt. 1919 wurde er Abgeordneter im gesetzgebenden Sejm und bekleidete von 1922 bis 1927 die Würde eines Senators der Republik Polen, lieber feine Haltung gegenüber den deutschen Katholiken zu sprechen, wäre verfrüht, und ebensowenig kann die Frage erörtert werden, ob der neue Bischof weiterhin sein besonderes Augenmerk auf das Genossenschaftswesen richten wird. Im früher preußi- schen Teil der Wojewodschaft Gnesen liegt eine Hauptstärke des Deutschtums unzweifelhaft in den stark ausgebildeten deutschen Gewerkschaften, Verbänden und Genossenschaften.
Der Ruhrschiedsspru» verbindlich erklärt.
Berlin, 10. Sept. (TU. Funkspruch.) Amtlich wird mitgeteilt: Der Schiedsspruch vom 4. September 1930 für den Ruhrkohlenbergbau ist für verbindlich erklärt worden.
Aufgaben -er Agrarpolitik in Gegenwart und Zukunft.
Reichsernährungsminister Schiele über das Ziel seiner Arbeit.
Berlin, 10. Sept. (TU.) Reichsernäh- rungsminister Schiele sprach in Berlin über „Gegenwarts- und Zukunftsaufgaben der Agrarpolitik". Er führte u. a. aus: Wenn auf einem Gebiete Politik auf weite Sicht getrieben werden muß, so gilt das vor allem auch für die Landwirtschaft. Deshalb ist In keinem anderen Berufe ein so großes Maß von Vertrauen für die Zukunft nötig, wie in der Landwirtschaft. Wir dürfen es aber aus- sprechen: Es ist ein Anfang von entscheidender Bedeutung auf dem richtigen Wege gemacht. Das Steuer in der Agrarpolitik ist herumgeworfen. Ob wir den Kurs auch künftig werden halten können, hängt von der politischen Kräftegruppierung nach den Wahlen ab. Mit der Zollermächtigung, dem Vermahlungszwang und mit vorübergehender Reichsstühung lassen sich künftig die Weizen- Preise auf auskömmlicher Höhe halten. Auch der R o g g e n m a r k t weist deutliche Anzeichen der Gesundung auf. In engem Zusammenhänge mit der Entwicklung der Weizen- und Roggenmärkte steht die Marktlage für alle üZeigen Getreidesorten. Schwieriger ist die Lage des Hackfruchtbaues. Hier ist es entscheidend, ob es uns gelingt, durch geeignete Verwertung der Lieberschüsse im eigenen Lande eine auskömmliche Preisgestaltung für den Kartoffel- und Zuckerrübenbau zu sichern. Rur wenn rechtzeitig^ möglichst noch im Herbst, die überschüssigen Kartoffelmengen der techni- schenVerarbeitung zugeführt und den Speisekartoffelmärkten entzogen werden, kann einem Preissturz auf dem Kartoffelmarkt bei günstigem Ausfall unserer Ernte vorgebeugt werden.
Für die Wiedergesundung unserer Milchwirtschaft ist mit der Kündigung des alten finnischen Handelsabkommens und dem Abschluß des neuen Vertrages die Bahn endlich frei geworden. Hand in Hand mit dem Schutz nach außen muß die besonders dringende 21 euer g a t ion unserer Erzeugungs- und Absatzverhältn isse erfolgen. Hierzu ist durch das neue Reichsmilchgesetz die notwendige gesetzliche Grundlage geschaffen. Günstigere Aussichten bieten sich auch für die Rinderzucht. Die Lebendvieheinfuhr ist namentlich durch die Zollerhöhung um nahezu 50 v. H. gesunken. Angesichts der feit Monaten zu beobachtenden, immer weiteren Zunahme der Schweinebe st finde ist die Preisentwicklung auch hier befriedigend. Besonderer Pflege bedürfen künftig auch der Obst-, Gemüse-, Wein-, Tabak - und Hopfenbau, sowie die Geflügelzucht. Durch die Erhöhung der autonomen Zölle für diese Erzeugnisse ist bereits die Richtung unserer künftigen Bemühungen vorgezeichnet.
Eine wichtige Aufgabe der Zukunft wird es sein, den Geltungsbereich der O st h i l f e auszudehnen und allmählich aus der Osthilfe eine allgemeine Kredithilfe für die Landwirtschaft werden zu lassen. Es bestehen engste Zusammenhänge zwischen der Agrarpolitik und den unser Staatsleben gerade gegenwärtig beherrschenden politischen Entscheidungen auf wirtschaftlichen, sozialen, finanzpolitischen und staatsrechtlichen Gebieten. Die Wiederherstellung gesunder Wirtschaftsverhältnisse in der Landwirtschaft und Ersah der überflüssigen Lebensmitteleinfuhr durch eigene Erzeugung schafft Arbeit und Brot für über eine Million Menschen.
Oie Revision -es Korridors.
Oer Königsberger Oberbürgermeister Lohmeyer macht praktische Vorschläge für eine Lösung.
Königsberg, 9. Sept. (TU.) In einer Unterredung mit einem Sonderberichterstatter des „Echo de Paris", der eine Studienreise durch Polen unternommen hat, antwortete Oberbürgermeister Dr. Loh. meyer auf die Frage, wie sich Deutschland die Revision der Korridorfrage denke, u. a. folgendes: Es fei Aufgabe des Völkerbundes, derartige Schwierigkeiten aus der Welt zu schaffen. Insbesondere sehe der Artikel 19 des Versailler Friedensdiktats die Möglichkeit einer Revision ausdrücklich vor. Bei den Verhandlungen in Versailles feien durch Polen die maß- gebenden Persönlichkeiten irregeführt worden. Die Provinz W e ft p r e u fj.,e n habe unzweifelhaft eine überwiegend deutsche Bevölkerung gehabt, ebenso der sog. Netze-Distrikt, während der übrige Teil der Provinz Posen eine überwiegend polnische Bevölkerung gehabt habe. Deutschland sei ein bitteres Unrecht angetan worden, da dieser Tatbestand nicht einwandfrei durch Volksabstimmung geklärt worden sei. Dies uns zugefügte Unrecht müsse die Welt wieder gutmachen, wenn wir zu einem Völkerfrieden kommen wollten.
Zwei Forderungen stießen bei diesem Problem aufeinander, die deutsche, daß man nicht ein Land dadurch zerreißen könne, daß man ein anderes Land dazwischen schiebe, und die polnische,'einen Zugang zum Meer zu haben. Die natürliche Lösung dieser beiden sich überschneidenden Probleme fei die, daß West preußen und der Netze- Distrikt, die beide vor dem Kriege eine überwiegend deutsche Mehrbevölkerung hatten, wieder
an Deutschland zurückfielen, das dieses Land folonifiert habe, daß dagegen der übrige Teil der früheren Provinz Posen, der überwiegend polnische Bevölkerung habe, bei Po- len verbleibe. Den Zugang zum Meer würde Polen durch eine Internationalisierung b#er Weichsel bekommen müssen und zwar in Verbindung mit der Einrichtung von F r e i fya f e n 30 n e n in Danzig und Kö - n i g 5 b e r g.
Außerdem würde für Polen, das an der Ost- West-Verbindung im Korridor kein Interesse habe, die für Polen in ^Betracht kommende Süd-Nord- verbindung in ähnlicher Weise sicherzustellen fein, wie es zur Zeit für Deutschland mit der Ost-West- Verbindung sei. Man könne sogar daran denken, namentlich, wenn sich die Briandschen Pläne verwirklichen ließen, den Polen auch die. territoriale Oberhoheit über das Eisenbahn- gleise selbst zu übertragen, damit sie auch mit ihren eigenen Wagen und Lokomotiven und ihrem eigenen Personal die Züge fahren könnten.
Auch das Interesse Frankreichs liege nicht darin, die offene Wunde Deutschlands .weiter schwären zu lassen, sondern zu einer wirklichen Verständigung mit feinem Nachbar Deutschland zu kommen, die für Frankreich mindestens ebenso wichtig fein müßte wie die Freundschaft zu dem weitab liegenden Polen. Würde die Dftfrage im obigen Sinne revidiert werden, dann wäre damit die Bahn frei für eine friedliche Zusammenarbeit der drei Volker Europas im Sinne der Völkerverständigung und des Weltfriedens.
Max Hölz.
Berlin. 10.Sept. Vor wenigen Tagen hatte Max Hölz in einer Berliner Wahlversammlung für das deutsche Volk Mordkolonnen nach dem Vorbild der russischen Tscheka verlangt. Wegen dieser Forderung ist er bereits mit den Gerichten in Konflikt gekommen. Aber nicht genug damit, er hat nun auch noch die Früchte feiner Hctz- politik am eigenen Leibe erfahren. In Bad Elster haben Rationalsozialisten keinen Augenblick gezögert, sich den kommunistischen Methoden der Wahlpropaganda anzupassen. Dabei ist Max Hölz auf dem Kampfplatz geblieben. Seine Freunde haben zwar schleunigst Meldungen in die Welt gesetzt, wonach er eine schwere Gehirnerschütterung erlitten haben soll. Ganz so schlimm wird es wohl nicht sein, denn Hölz hat noch Anweisung geben können, ihn zu seinen politischen Freunden nach Falken stein zu bringen. Er ist also dort wieder gelandet, wo er in den Rachkriegsjahren als Räuberhauptmann die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzte, so daß schließlich Polizei und Militär aufgeboten werden mußte, um seinem gefährlichen Treiben ein Ende zu bereiten. Allzulange hat er im Sonnenburger Zuchthaus nicht gesessen. Er ist vor mehreren Jahren auf Grund einer Amnestie wieder f ne igelaffcn worden, hat Hann aber im Dienste der Kommunistischen Partei sich wieder als Dolksaufwiegler betätigt. Für diesen Wahlkampf ist ec in Moskau noch besonders geschult worden. Daß er nun selber ein Opfer der von ihm gepredigten Politik des Dolches und des Revolvers geworden ist, tft sein persönliches Pech.
Oie Lappobewegung in Finnland.
Helsingfors. 10. Sept. (TU.) Vergangene Rächt wurde einkommuni st ischerStadt- Derorbnetcn in Abo von unbekannten Tätern entführt. Rur mit einem Hemd bekleidet, wurde er in einen Kraftwagen gefetzt und einige Kilometer von der Stadt entfernt verprügelt und liegen gelassen, nachdem man ihm das Versprechen abgenommen hatte, seinen Stadtverordnetenplatz sofort aufzugeben. In St. Marie wurde ein kommunistischer Stadtverordneter auf ähnliche Weise entführt. In Pöytie wurde ein Angehöriger der Lappo-Dewegung bei einem Entführungsversuch von einem bekannten Kommunisten erschossen. Sämtliche kommunistischen Stadtverordneten in Helsingfors haben am Dienstag ihre Mandate nieder
gelegt, nachdem ein Teil von ihnen schon früher aus dem Stadtverordnetentollegium ausgetreten war.
Aus aller Welt.
Oie An-r^e-Tragödie.
Die Zeitung „Dagens Nyheter" veröffentlicht heute einen Auszug aus dem Tagebuch Strindbergs, aus dem u. a. her vor geht, daß die Andree-Expedition am 14. Juli drei Tage nach ihrem Ballonaufstieg auf einer Eisscholle landete. Strinbberg hat auf einer handgezeichneten Karte die Ortsbestimmungen genau angegeben, so daß man d i e langsame Irrfahrt der Expedition in südlicher Richtung verfolgen kann. Der Marsch nach Süden dauerte nach den Aufzeichnungen fast drei Monate. Die Expedition blieb bis zum 22. Juli auf dem Ankerplatz und mußte am 27. eine Menge Gepäck zurücklassen, von da an betrug das Gewicht der Ladung nur noch 140 Kilogramm. Am 11. August wurde der 82. und am 7. September der 81. Breitengrad passiert. Am 12. September mußte der Proviant rationiert werden, und am 16. September gaben die Forscher den Versuch, den Marsch fortzusetzen, auf. Am folgenden Tage wurden die Gletscher von V i t ö n bemerkt. Die Eisscholle, auf der die Expedition eine Schneehütte gebaut hatte, zerbrach am 2. Oktober und am 5. Oktober mürben die Forscher Gefangene der Insel. Am 6. Oktober brach ein Schnee st urm aus. Nach dieser Aufzeichnung ist nur noch ein Wort vermerkt: „R e s i g n a t i v n". Nach dem 17. Oktober hatten Strinbberg b i e Kräfte verlassen, er war nicht mehr imftanbe, weiterzuschreiben.
„Graf Zeppelins" Maskanflng.
Moskau, 10. Sept. (WTB.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" erschien, von zwei Sowjet- flugzeugstasfeln geleitet, um 10 ilf>r osteuropäischer Zeit über Moskau und kreiste zwei Stunden über der Stadt, von Hunderttausenden von Zuschauern jubelnd begrüßt. Die äußerst schwierige Landung am Landungsmast wurde mit Hilfe von Mannschaften der Sowjetluftfahrt musterhaft ausgeführt. Auf dem Landungsplatz befanden sich u. a. Vertreter der Zivil- und Militärluftfahrt sowie zahlreicher öffentlicher und wissenschaftlicher Organisationen, Mitglieder des diplomatischen Korps, der deutschen Botschaft und der deutschen Kolonie. Der Chef der Luftstreitkräfte der UdSSR. Baranow begrüßte Dr. Eckener namens der Regierung.
Der deutsche Geschäftsträ^r, Botschaftsrat von Twardowski, der die Gäste namens der deutschen Botschaft und der deutschen Kolonie begrüßte, erklärte, der Besuch des „Graf Zeppelin" sei eine Betätigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion und wies auf die Leistungen des sowjetistischen Flugwesens hin. Er erwähnte im besonderen den Flug Moskau—Reuhork und den Orientflug, der zur Zeit von einem Sowjetflugzeuggeschwader unternommen wird. Ramens der Mannschaft und der Fahrgäste des „Graf Zeppelin" dankte D r. Eckener für den herzlichen Empfang und gab seinem Bedauern Ausdruck, daß die Wetterverhältnisse es ihm im vergangenen Jahre nicht erlaubten, Moskau zu besuchen. Allen Flugteilnehmern wurden Geschenke überreicht. Dr.. Eckener erhielt einen silbernen Pokal. Das Luftschiff ist heute um 16.40 Uhr zu seinem R ü ck - f l u g nach Friedrichshafen aufgestiegen.
Schweres Straßenbahnunglück in Zürich.
Ein schweres Straßenbahnunglück, bei dem zwei Frauen ums Leben kamen und zehn Personen verletzt wurden, ereignete sich in Zürich. In einem Straßenbahngleis waren drei Wagen aneinandergekuppelt auf bisher unbekannte Meise in Bewegung gekommen. Ehe der Vorgang bemerkt werden konnte, rollten die Wagen auf dem etwas abschüssigen Gelände aus dem Bahnhof hinaus. In einer Haltestelle fuhren die Wagen auf einen dichtbesetzten Straßenbahnwagen auf, der darauf ebenfalls in rasende Fahrt geriet. Der Fahrgäste bemächtigte sich eine furchtbare Panik. Ein Fahrgast versuchte, abzuspringen, blieb aber mit einer schweren Schädelverletzung liegen. In einer Kurve sprangen die Wagen aus den Schienen und der vorderste Wagen zerschellte an einer Mauer. Die nachfolgenden Wagen schoben sich in die Trümmer des ersten Wagens hinein. Aus den Trümmern erschollen fürchterliche Hilfeschreie. Glücklicherweise war ärztliche Hilfe gleich zur Stelle. Die zehn Verletzten wurden sofort in ein nahegelegenes Krankenhaus geschafft. Die beiden Toten konnten erst nach mehrstündiger Arbeit geborgen werden. Der Wagenführer blieb unverletzt, erlitt aber einen Nervenschock. Unter dem Eindruck des furchtbaren Unglücks unternahm der Leiter des Depots einen Selbstmordversuch.
Eine $rau aus dem Fenster geworfen.
Der 45jährige Schlächtermeister Brochnow verübte im Rorden Berlins eine unglaubliche Roheitstat. Er hatte eine 35jährige Frau namens Elly Liedtke auf der Straße kennengelernt. In seiner Wohnung entstand zwischen den beiden Streit, worauf der Schlächtermeister in Wut geriet und die Frau aus dem Fen st er warf. Bei dem Sturz aus dem ersten Stockwerk des Hauses trug die Frau schwere Brüche und innere Verletzungen davon. Das von Rachbarn herbeigerufene Ueberfall- ■ kommando mußte erst die vom Schlächtermeister verbarrikadierte Tür gewaltsam öffnen, um des Rohlings habhaft zu werden. Die Polizeibeamten konnten auch nicht verhindern, daß die über diesen unmenschlichen Vorfall erregte Menge den Täter schwer verprügelte.
Großfeuer in der Osnabrücker Sladthalle.
Mittwoch morgen brach in der Stadthalle, bis u. a. drei große - Versammlungssäle und ein Waisenhaus enthält, Feuer aus. Als es bemerkt wurde standen bereits der Bühnenraum und die Räume über dem Kesselhaus in Flammen und bald griff das Feuer auch auf den zweiten Kuppelsaal über. Die Feuerwehr war sehr schnell zur Stelle. Das Waisenh au s blieb unversehrt. Der große Kuppelsaal ist jedoch stark beschädigt worden. Vollkommen vernichtet ist die gesamte Bühneneinrichtung und die große Kuppel.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage,
Die Südseite des skandinavischen Hochdruckgebiets bewirkt über Deutschland eine kontinentale Luftzufuhr, wodurch bereits wieder leichter Temperaturrückgang ftattgefunben hat. Der Einfluß des hohen Druckes hat sich bis jetzt noch nicht weiter über Deutschland durchgesetzt. Dagegen wandert bas westliche Tief nach Südfrankreich und dem Mittelländischen Meer ab. Wir haben außer Bewölkung keine wesentliche Beeinflussung durch die Störung zu erwarten.
Aussichten für Freitag: Neblig-wolkig, auch aufheiternd, mäßig warm, trocken.
Lufttemperaturen am 10. September: mittags 17,7 Grad Celsius, abends 15,7 Grad: am 11. September: morgens 14,9 Grad. Maximum 20 Grad, Minimum 12,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. September: abends 19,2 Grad; am 11. September: morgens 15,2 Grad Celsius. — Niederschläge 1,5 mm. — Sonnenscheindauer 2% Stunden,


