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durch die Freilassung derjenigen Be- hördenangestellten entsteht, die in ihrer Stellung nicht so gesichert sind wie die Beamten.

Waffensunde bei Berliner Nationalsozialisten.

Berlin, 11.Juli. (EBB.) Die Berliner Kri­minalpolizei hat in Privatwohnungen zahlreicher Angehöriger der Nationalsozialistischen Partei Haussuchungen nach Massen und Munition vorgenommen. Dabei wurden an verschiedenen Stellen der Stadt, besonders aber im Westen, umsangreiche Waffen" und Muni­tionsmengen beschlagnahmt. Die Inhaber der Wohnungen, in denen die Waffen vorge­funden wurden, sind verhaftet und dem Polizeipräsidium zuaeführt worden.

(Sin seltsamer Zufall hat die Polizei auf die Spur dieser Waffenfunde gebracht. Bei Potsdam ereignete sich ein Zusammen st oh zwischen einem Auto und einem Motorrad­fahrer, bei dem der Polizeianwärter Kurt Dörre, bes. das Motorrad führte, mit seiner Be­gleiterin Elisabeth Hanke getötet wurden. Als man die Personalien der Toten feststellen wollte, fand man bei Dörre einen umfangreichen Schriftwechsel mit einem Hauptmann Hoppe. Der Briefwechsel sührte zu der Fest­stellung, dah in Berlin von Angehörigen der Nationalsozialistischen Partei ein Waffen- lager versteckt gehalten werde. Bei einer Durchsuchung der Wohnungen des getöteten Dörre und des Hauptmann Hoppe fand man eine Liste von Personen, die Waffen versteckt haben sollten. Die Kriminalpolizei nahm daraufhin auch in diesen Wohnungen Durchsuchungen vor und beschlagnahmte große Mengen von Waffen und Munition.

Unmögliche Lage in Sachsen

Unüberwindliche Schwierigkeiten der Regierungsbildung.

Berkin, 10. Juli. Der neu gewählte Säch­sische Landtag ist am Donnerstagmittag zu sei­ner ersten Sitzung zusammengetreten, in der die Wahl des Präsidiums zur Tagesord­nung stand. Die Frage der Regierungs­bildung ist noch in keiner Weise weitergekom­men. Es scheint sich aber zu bestätigen, daß die Deutsche Bolkspartei nicht bereit ist, in eine Regierung der Großen Koalition einzutreten. Hierfür wären überdies ihre Stim­men allein nicht ausreichend, sondern die 10 Stimmen der Wirtschaftspartei müßten hinzutreten, um eine Mehrheit zu erzielen. 3m übrigen wird der Gedanke einer marristenfreien Regierung weiter erwogen, wenngleich auch die Aussichten für diese Kombination nur gering sind, da die drei Demokraten und die zwei volksnationalen Abgeordneten erklärt ha­ben, unter keinen Umständen einer Regierung in den Sattel zu verhelfen, in der die Na­tionalsozialisten den maßgebenden Ein­fluß ausüben. Auf der Rechten wird gegenwär­tig eine Kombination geprüft, bei der ein Deutschnationaler man spricht von Dr. Bang das Ministerpräsidium er­halten würde, während das Innenministerium und dos Arbeitsministerium den National- l o z i a l i st e n zusie'.cn. Das Endergebnis der Ministerpräsidentenwahl hängt schließlich von ge­wissen Zufälligkeiten ab, insbesondere von der Frage, ob immer alle Abgeordnete vollzählig im Parlament versammelt sind.

Kleine politische Nachrichten.

3m Reichstag gedachte Präsident Lobe der von dem Grubenunglück bei Hcrusdorf Betroffenen. Dann wurden Ausschußanträge auf Genehmigung zur Strafverfolgung von Abgeordneten erledigt. Der Antrag, der den deutschnationalen Abg. Graf Westarp betraf, wurde einstimmig abgelehnt, die übri­gen wurden angenommen. Die Schlußabstimmung über das D r o t g e s e h ergab die Annahme mit 212 gegen 198 Stimmen bei 11 Enthaltungen.

Der dem Reichsrat vorliegende Antrag des früheren Reichsfinanzministers Moldenhauer auf Anrechnung seiner frühe­ren Tätigkeit an der Städtischen Handelshoch­schule in Köln auf den Staatsdienst, durch den sich die ihm zustehende Pension von 22 000 auf 29000 Mark jährlich erhöhen dürfte, ist von der Tagesordnung a b g e s e tz t worden.

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Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstages begann die Einzelberatung der Novelle zur Krankenversicherung. Zunächst wurde beschlossen, dah der Erwerb von Grund st ücken durch Krankenkassen über einen vom Reichsarbeitsminister festgesetzten Kaufpreis hin­aus der G enehmigung des Reichsver- sicherunosamts bedarf. Ferner wurde das Recht auf freiwillige Weiterverfiche- r u n g auf Einkommen vis zu 8400 Mark ausge- b^nt. Ein sozialdemokratischer Antrag, die Der» s i che rungspflicht in der Krankenversiche­rung in Anpassung an die Angestelltenversiche­rung auf Einkommen bis zu 8400 Mark auszu­dehnen, wurde abgelehnt.

Aus aller Welt.

Das Lübecker Säuglingssterben.

Lübeck, 11. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die Zahl der Todesopfer bei den mit dem Tuberkuloscpräpa- rat gefütterten Säuglingen hat sich, nachdem in den letzten drei Tagen ein Stillstand eingetreten roar, nunmehr wieder um zwei weitere Todes­fälle erhöht und damit"55 erreicht. Krank sind noch 64 Säuglinge, gebessert 73, gesund bzw. in ärztlicher Beobachtung 59.

Graf Zeppelins" Nordkapslug.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" passierte um 10 Uhr weit auf See die Stadt T r o rn s ö. Bei dem herrschenden Küstennebel war jedoch eine Beobach­tung des Luftschiffes unmöglich. Bei herrlichstem Wetter überflog derGraf Zeppelin" um 10.30 Uhr Die Stadt Hammerfest, warf einen Postbeutel ab und nahm dann Kurs auf das Nordkap.

Spinale Kinderlähmung Im Elsaß.

Die Straßburger Kinderklinik beherbergt gegen­wärtig 32 an spinaler Kinderlähmung erkrankte Kinder. Es wurden 13 neue Fälle im Departement Unterrhein festgestellt. In einem Straßburger Vor­ort ist ein Krankheitsfall bereits tödlich ver­laufen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 11. Juli 1930.

Oie zugeschlagene Tür.

3n der Eisenbahn. Abtell 2. Klasse. Wan nimmt an ... Doch man soll nichts voraussetzen. Es ist besser.

Zwei junge Damen, die sich leise unterhalten. Ein älterer Herr, der von den Mitreisenden keine Notiz nimmt, weil ihn der Inhalt der Zeitung zu sehr beschäftigt. Sin Ehepaar, das einander nicht mehr viel zu sagen hat. Oh bitte, das soll keine Bosheit sein. Zwischen Menschen, die einander jahrelang nahestehen und die har­monieren, ist kein Geschwätz nötig. Sie können miteinander im besten Einvernehmen stehen und können sich auf ihre Art sehr gut unterhalten, ohne daß sie viele Worte gebrauchen.

Ein Pärchen steigt zu. Er vielleicht vierund­zwanzig, sie neunzehn.Alle müssen zu uns hereinkommen", sagt eine der jungen Damen, und es geht auch auf das erst in der vorigen Station -ugestiegene Ehepaar. Die beiden Ehe­leute beachten diese Bemerkung nicht, und das junge Paar hat es nicht gehört.

Der junge Mann zieht die Tür zu. Krach! Man hätte ebenso gut eine Salve von zehn Kara­binern abgeben können. Ein Wunder, daß die Scheibe noch ganz ist. Aber die Reichsbahn scheint sehr haltbares Glas zu verwenden. Die beiden jungen Damen fahren zusammen. Auch die Ehefrau erschrickt. Der junge Mann merkt, daß dieser Türenschlag nicht sehr angenehm be­rührte, er hätte es sehr erheblich merken müssen, denn dieser Krach konnte Mumien aus ihrem Schlaf wecken.

Als ob nichts geschehen sei, als ob es die selbstverständlichste Sache von der Welt wäre, nimmt der junge Mann Platz. Dann unter­halten sich die beiden jungen Leute laut und un­bekümmert, und es unterlaufen ihnen Worte und Gesten, die man möglichst auch im bekannten Kreise meidet.

In der nächsten Station steigen sie aus. Tür auf, Tür zu! Krach! Wieder ein Donnerschlag. Die Tür ist ihm also beim ersten Zuschlag nicht aus der Hand gerutscht: nein, es ist Methode, die Tür zuzuschlagen.

Natürlich hat eine solche Begebenheit nicht allxu viel auf sich. Immerhin muhte ich an ein Erlebnis denken, das ich im vorigen Jahre im Ausland hatte. Damals war einem Manne die Tür entglitten und mit kräftigem Krach zuge­schlagen.Oh, entschuldigen Sie", sagte er,das war sehr unachtsam von mir." Die Mitreisenden nickten ihm freundlich zu, und ein zmn Scherben Aufgelegter sagte:Hätten Die den Finger da­zwischen gehabt,» hätte es weniger gepoltert." Man lachte, und die Angelegenheit war so bei­gelegt, dah sich eine recht nette Unterhaltung entwickelte. Die kleine Entschuldigung hat aber sicher dem Mann nicht weh getan. S.

Oer Herr und die Hihe.

Soll man oder soll man nicht, seinen Rock ablegen (die Weste hängt schon lang im Schrank) und in Hemdärmeln herumlaufen? Ein anerzogenes Gefühl fürAngezogensein" hin­dert noch kurz, doch überzeugender ist die Hitze. Also läuft man in Hemd und Hose herum und junge Leute krempeln die Aermel auf und zei­gen die braunen Arme. Ein sommerlich, ge­sundheitsstrahlendes Bild. Recht so, warum soll die Damenwelt allein vernünftig fein und Licht und Luft an die Haut lassen. So gern würden wir Männer unsere Kleidung umgestalten, den ftt-Äragen abschaffen, wenn nur jemand käme und den Anfang macht. Zwar gibt es bereits einen Verein zurReform" der Herren­mode, aber seine Ideen sind noch so neu und wollen erst ausprobiert sein, da scheint uns doch zunächst eine allmähliche Umwandlung eher am Platz. Unb wie es scheint, ist sie da. Ein neues Kleidungsstück beginnt dem Herrn die Sommerkleidung angenehmer zu machen. Die Bluse hält ihren Einzug bei den Männern. Die Bluse und mit ihr die Hemdhose. Wenn man sich auch beim Tragen dieser leichten Kleidungs­stücke das Schwitzen abgewöhnt, so ist doch appe­titlicher das Unterkleid die Hemdhose darunter zu tragen. Diele Männer tragen ihre Oberhose am Gürtel, ein Behels wohl, aber nicht ideal, denn hier gerade treibt der Schweih durch die Einschnürung besonders stark. Da zeigt sich bie praktischere Seite der Bluse, die erlaubt, die Hosen nach wie vor am Hosenträger zu tragen; die Bluse hängt leicht über den oberen Hosenrand und verdeckt den Abschluß. Hoffen wir, daß sie dazu beiträgt, die Herren­kleidung umzugestalten, damit auch uns Män­nern die Erfahrung moderner Hygiene zugute kommt.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Soldatenleben, das heißt luftig fein undDer Teufelsrepvrier".

** Der 1 1. August in Hessen. Zu der Meldung über den Verfassungstag und die ent­sprechenden Schulferien in Reffen wird darauf hingewiesen, daß diese Meldung auf einer Ver­ordnung beruht, die schon seit zwei Jahren überholt ist. 3n Hessen ist der 11. August durch Beschluß des Landtags zum gesetzlichen Feiertag erhoben. Es gelten daher für ihn auch betreffend Arbeitszeit usw. die bestehenden Schutzvorschriften

** Personalien. In den Ruhestand treten am 1. August: der Oberforstmeister Gustav Krug zu Büdingen und der Forstrat Christian Wal­ter zu Lengfeld, ferner der Oberrechnungsrat bei oer Hessischen Hauptstaatskasse Konrad Schuchmann zu Darmstadt.

** Oberhessischer Geschichtsverein. Am Sonntag, 20. Juli, findet ein Sommerausflug des Oberheffifchen Gefchichtsvereins nach Hirzenhain, Lißberg, Ortenberg, Selters und Konradsdorf statt. Es sei auf die Anzeige in der heutigen Ausgabe hingewiefen.

* Probealarm. Das Hoch» und Tief­bauamt gibt bekannt, dah am SamStag, 15 Uhr. die Sirenen der Feuerwache probeweise er­tönen werden. Es besteht also kein Anlaß zur Beunruhigung.

" Vorsicht, Waldbrände! Im heutigen Anzeigenteil findet sich eine Bekanntmachung, in der nut Rücksicht auf bie bei trockener Witterung bestehenbe Gefahr ber Entstehung von Walb- bränben wiederholt darauf aufmerksam gemacht wird, daß jegliches Zeueranzünden im Walde und in dessen Nähe, sowie das Wegwerfen von glimmenden Streichhölzern, Zigarren- und Ziga­rettenresten usw. sehr gefährlich und streng ver­boten ist.

* Sonderzug zum Gesangswett- st r e i t in Büdingen. Anläßlich des am Sonn­tag, 13. Juli, in Büdingen stattfindenden Gesangs- Wettstreites verkehrt an diesem Tage ein Sonder- zug GießenBüdingen und zurück. Hinfahrt: Gie­ßen ab 5.21 Uhr, Schifsenberg an 5.34, ab 5.35, Büdingen an 6.30 Uhr. Rückfahrt: Büdingen ab 19.31 Uhr, Nidda an 19.52, ab 19.53*, Schifsenberg an 20.25}, ab 20.27, Gießen an 20.36 Uhr. Beide Sonderzüge sind für den öffentlichen Verkehr (auch für Sonntagskarten) freigegeben.

** Wieder fehenslag der Artilleri­sten in Mainz. Am 30. und 31. August findet in der alten Garnifonstadt Mainz «in Wiedersehens- tag der ehemaligen Feldartilleris-Regimenter 27 und 63, sowie der Fußartillerieregimenler 3 (General- feldzeugmeister) und 18 statt, wozu heute schon ein­geladen wird.

" Deu t s ch na ti o n a l er Handlungs- gehilfen-Derband. Ein Ortsgruppen­tressen Gießen-Marburg-Wetzlar findet am Sonn­tag. 13. b. M., auf ber Burg Staufenberg statt. (Näheres ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen.)

* Krüppelfürsorge-Lotterie. Am 25. unb 26. Juli findet die Ziehung der Gcld-Lotterie zugunsten ber Krüppelfürsorge statt. 5341 Gewinne werben verlost im Gesamtbeträge von 45 000 Mark, ber Höchftgewinn beträgt 10 000 Mark bei einem Lospreis von nur 1 Mark. Die Fürsorge für biese notleidenden Mitmen jen ist stets für eine besonders wichtige moralische unb soziale Aufgabe gehalten worden. In unserer Zeit der großen wirtschaftlichen Notlage, aber auch des starken sozialen Bewußtseins, wirb eine solche Wohltätigkeitsoeranstaltung warme Herzen unb offene Hände finben. (Näheres in ber heutigen Anzeige.)

** Zur N i cht i g st e l l u n g. Herr Fritz Hesse (Hungen), teilt uns zu bcm Bericht über bas Reit- unb Fahr-Turnier in Nidba mit, baß sein Pserb in ber Bielseitigkeitsprüfung nicht von ihm, sondern von Herrn Hermann Bender (Hungen), geritten wurde, der den 16. Preis erhielt.

Von der Deutschen Lebensret­tungsgesellschaft, Bezirk Oberhessen, wird uns geschrieben: Im Laufe der letzten Wochen hat sich der Gefreite Alb. Fohr vorn hiesigen Bataillon einer Prüfung zur Erlangung des LehrscheineS der DLRG. erfolgreich unterzogen. Die Lehrscheinprüfung ist bie höchste und schwie­rigste Prüfung, bie bie deutsche Lebensrettungs­gesellschaft abnimmt. Don dem Prüfling wird verlangt: Leitung eines Lehrganges im Retten, Kenntnis des Baues und Lebens des mensch­lichen Körpers, Kenntnis der wichtigsten Ret­tungsapparate, Kenntnis der Organisation der DLRG., eine praktische Lehrprobe im Schwim­men, eine halbe Stunde im stehenden oder 1000 Meter Schwimmen im fließenden Wasser, 25 Meter Streckentauchen, eine schriftliche Arbeit, deren Thema vom Hauptvorstand der DLRG. ge­stellt wird, usw. Die Bewerber müssen min­destens 20 Jahre alt sein. Die Inhaber des Lehr- scheines sind berechtigt, alle Prüfungen der DLRG. abzunehmen; sie arbeiten ehrenamtlich mit am Werk der Deutschen Lebensrettungsgesell- schaft. Mögen sich noch recht viele finden, die die Prüfung ablegen unb so für das Gesamt- wohl unseres Volkes arbeiten.

Schwurgericht Gießen.

' Gießen, 8. Juli.

Unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors S ch m a h l wurde heute gegen Frau R. wegen Anstiftung zum Meineid verhandelt. Die An­geklagte bestritt, sich schuldig gemacht zu haben. Die Beweisaufnahme ergab folgendes: Gegen Frau R. war im Winter 1928/29 ein Verfahren wegen Urkundenfälschung anhängig. Sie sollte drei Bestellscheine auf Staubsauger gefälscht haben. Bei ihrer polizeilichen Vernehmung gab sie einen Kaufmann M. als Zeugen an, ber die Bestellung eines Staubsaugers durch ihren Det­ter B. mitangehört habe. M. bestritt, dies gehört zu haben und behauptete vielmehr,- Frau R. wolle ihn zu dieser falschen Aussage verleiten. Frau R. wurde angeklagt. In dem ersten Termin erschien der Zeuge M. nicht. Später erklärte er unter Eid, er habe bie Be­stellung burch ben Detter ber Frau R. mitange­hört. Frau R. wurde trotzdem verurtellt und nahm das Urteil alsbald an. Gegen M. wurde ein Verfahren wegen Meineids eingeleitet, bas mit seiner Verurteilung zu einem Jahr Zucht­haus enbete. Später wurde bann ein Verfahren gegen Frau R. wegen Anstiftung zum Meineib des M. eingeleitet. Während M. die Frau R. früher belastete, wollte er heute von nichts mehr wissen. Er habe lediglich eine Frage der Frau R., er habe doch die Bestellung ihres Vetters gehört, bejaht. Genaue Angaben wollte er nicht mehr machen können. Andere Zeugen bekundeten, bah Frau R. unb M. sich vor der Vernehmung des M. als Zeuge getroffen unb miteinander gesprochen hatten. Schließlich gab noch ber Vet­ter B. an, er habe keinen Staubsauger bestellt unb bie Angeklagte auch nicht ermächtigt, für ihn zu unterschreiben. Staatsanwalt Fischer stellte die Entscheidung in das Ermessen des Gerichts. Es stehe zwar fest, daß M. einen Meineid geleistet habe; es sei aber seines Er­achtens nicht mit völliger Sicherheit nachgewiesen, daß Frau R. chn hierzu angestiftet habe. Rechts­anwalt Dr. Katz beantragte die Freisprechung seiner Mandantin wegen Unschuld. Das Gericht sprach Frau R. mangels ausreichenden Be­weises frei. Es wurde aber betont, daß sie die moralische Schuld an der ihr als unwahr be­kannten eidlichen Aussage des M. trage.

Oderheffen.

Kreis Alsfeld.

X Alsfeld, 7. Juli. Am vergangenen Samstag fand die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung der De - ^irkssparkasfe Alsfeld im Sitzungssaale des Rathauses unter Leitung von Direktor Vo- geley statt. Aus dem von Direktor Dogeley vor­getragenen Geschäftsbericht über das Jahr 1929 ging hervor, dah das abgelaufene Jahr im Zeichen des Darnieder liegens der Wirt­schaft stand. Der Umsatz hielt sich auf der Höhe des Jahres 1928, dagegen ist die Zahl der Ge­schäfte weiter gestiegen. Trotzdem ist bie Summe der Spareinlagen auch im abgelaufenen Ge­schäftsjahr weiter gestiegen und zwar um 770 646 Mark. Die Summe der reinen Spareinlagen be­trug am 31. Dezember 1929 3 252 345 Mark. Der Gesamtumsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr be­trug 65 613 484 Mark. Der Reingewinn im Jahre 1929 beziffert sich nach der vorliegenden Bilanz auf 29 509 Mark. Die geprüfte Iahresrechnung für 1929 wurde ohne Beanstandung genehmigt.

Die Verwendung des Reingewinns erfolgte gt» mäh den Vorschlägen der Verwaltung. AIS neues Mitglied wurde bie Gemeinde Gleimenhain aus­genommen. Rach Erledigung der Tagesordnung begaben sich die Vertreter der MitgUederver- fammlung in die durch An- unb Umbau des erworbenen früheren PostgebäudeS geschaffenen neuen Di en st räume der Kasse, wo in Form einer schlichten Feier die Inbetriebnahme der neuen Räume erfolgte. Direktor Dogeley gab in seiner einleitenden Ansprache einen Ueberdlick über die Entwicklung der Bezirkssparkasse Alsfeld feit dem Jahre 1827, biS zu welchem die ersten Anfänge der im Jahre 1835 offiziell gegründeten Kasse zurückreichen. Sr gab der Hoffnung Ausdruck, dah die neuen zweckmäßigen Räume zu einer weiteren günstigen Entwicklung der Kaffe bei­tragen möchten. RegierungSrat Strack über­brachte als Vertreter der Aufsichtsbehörde die Grüße und Glückwünsche des KreiseS unb deS KreisamtS Alsfeld für das neugeschaffene Heim der Kasse. Direktor Seipp von der Lande--- kvmmunalbank-Girozentrale Darmstadt über­brachte die Glückwünsche diese- Institut- und des hessischen Sparkassen- und Giroverbandes. Architekt Brand (Berlin) als der Schöpfer der neuen Räume berichtete über die Ausführung des An- und Umbaues des früheren Post­gebäudes unter Hervorhebung der für einen Sparkassenbau zu berüc^ichtigenden fachmänni­schen Gesichtspunkte. Nach Beendigung der Feier sand eine Besichtigung der neuen Räume statt. Die Dezirkssparkasse Alsfeld hat mit deren Fer­tigstellung eine der modernsten Schalterhalle mit einer vorbildlichen Durcaueinrichtung bekommen, ebenso eine allen Erfordernissen der Derzeit entsprechende Tresoranlage. Di« ohne Prunk her- gestellten, einfach gehaltenen Räume, beren Her­stellung eine nicht mehr länger ausschieboare Notwendigkeit war, gewähren nunmehr die Mög­lichkeit einer zweckentsprechenden Arbeitsleistung bei der Kasse. Das Obergeschoß ist vermietet; im Dachgeschoß ist eine Hausmeisterwohnung ein­gerichtet.

-Berliner Börse.

Berlin, 11. Juli. (WTB. Funkspruch.) Auf Grund des festen Schluffes auch der gestrigen Neu- Yorker Börse taxierte man im heutigen Frühverkehr die Stimmung weiter freundlich und nannte etwas höhere Kurse. (Farben 160,25, Siemens 216,50 unb Schuckert 173.) Die gemeldete Diskontermäßigung in der Schweiz fand Beachtung, und man erwartet im Zusammenhang hiermit anscheinend Rückkäufe des zurückfließenden deutschen Kapitals. Am Devisen­markt nannte man London gegen Paris 123,63, London gegen Mailand 92,89, London gegen Spa­nien 41,3850, London gegen Schweiz 25,0450, Lon­don gegen Buenos 40,30, London gegen Kabel 4,8647, London gegen Berlin 21,39, Kabel gegen Berlin 4,1913.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

lieber Südskandinavien und der Ostsee pendelt das Tiefdruckgebiet, dessen Einfluß sich die letzten Tage durch Zufuhr von Bewölkung und heute auch durch Niederschläge bemerkbar macht. Die Wetterlage steht weiter noch im Zeichen der Störung, und zwar wird die kühle Luft an ihrer Rückseite, welche bereits das Festland erreicht hat, zur Geltung kommen. Dabei bleibt ber Wit­terungscharakter unbeständig, wobei die Be­wölkung zeitweise abnimmt und Aufheiterung einseht. Ferner treten zunächst noch Nieder­schläge auf, jedoch mehr in Schauern. Die Tem­peraturen werden durch die Südwestluft be­stimmt, so daß sie keineswegs die normalen Werte erreichen, sondern es vielmehr kühl bleibt

Wettervoraussage für Samstag. Wechselnd wolkig, dabei zeitweise ausheiternd, für die Jahreszeit kühl, noch Regenschauer.

Wi 11er un gs aussich t e n für Sonn­tag. Meist trockenes und wolkiges, jedoch mehr aufheiterndes Wetter.

Keiferoetterbienft

Garmisch-Partenkirchen. Heute mor­gen 12 Grad, Südwestwind, regnerisch.

Baden-Baden. Heute morgen 13 Grad. Südwestwind, Regen.

Westerland auf Sylt. 14 Grad, West­wind, heiter bis halb bedeckt.

Verantwortlich für Lokales: I. V.: Dr. Thyriot

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