Aus dem Reiche -er Frau.
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gar kein Grund vorhanden, daß nicht auch in Rorddcutfchland die große Abwechslung der verschiedenen Varietäten den Omelettes und anderen Eierspeisen, allen Saucen gekochten Fleisches, kalten Vorspeisen und vor allem dem Vollenden aller Salate zugute kommen sollte. Es ist nur eine Sache der Rachfrage; wenn sich genügend Hausfrauen finden, die beim Gärtner oder Grünkramhändler Kräuter bestellen, so wird es nicht lange dauern, bis sie überall erhältlich sind, und der Kultur unserer Küche einen Schritt weiter verhalfen haben. Die Zartheit, der Duft, die Atmosphäre eines Kräutergerichtes, dessen richtige Dosierung jeder nach Geschmack leicht herausfinden wird, ist für die Frühlingskuche unerläßlich; Geist und Körper verlangen danach, und erweisen sich dankbar, wenn ihrem zwar unausgesprochenen aber tief gefühlten Wunsch
einfarbige, halblange Zacke dazu.
Das elegante Sommerabendkleid vorläufig noch mit durchweg langen Aermeln. Aur das kleine Kleid, auch das Sportkleidchcn aus Shantung, Tussor, Waschseide darf ohne Aermel sein, wiro aber auch immer komplettiert durch eines der so feschen losen, halblangen Zäckchen. Wie überhaupt ohne Mantel oder Zacke kein Sommerkleid 1930 denkbar ist, es sei denn, daß das Cape seine Rolle übernimmt, denn Capes in jeder Form, lang, kurz, auch nur kragenartig vorne geteilt, sind außerordentlich beliebt. Sehr interessant auch die verschiedenen „Fregolilleider", die mehrere Stückchen spielen, wobei durch eine taktische Regie gerade dem Cape größere Rollen zufallen. Ein ganz entzückendes Zmprimsckleid mit großen, matten Rofentuffs trägt eine weiche Tunique. die rückwärts in eine der sehr beliebten Schleifen gebunden, ungemein graziös und reizvoll wirkt. Ausschnitt vorne spitz, im Rücken rund, lange Aermel, am Handgelenk wohl eng, gegen den Arm aber weit und faltig ausladende Form. Run bindet man die Masche der Tunique auf — wenn es am Abend kühl wird, legt sie sich als schönes Cape um den Hals; der langanacsehte, wie Blumenblätter zerflatternde Rock wirkt ohne Tunique genau so elegant.
Ein zweites Fregoli-Verwandlungskleid: ein ganz entzückend blauweiß kariertes Kleidchen, die geblufte Taille in normaler Höhe durch einen kleinen dunlelblauen. Gürtel und Schnalle markiert. Erste Form. Darüber knöpft man ein Fal- tcnröckchen in der beliebten, reichfaltigen Art, vorne nur durch vier Knöpfe in der Mitte geschlossen, der Mittelteil bleibt geschlitzt, läßt, wie ein eingesetztes Godet, das karierte Röckchen des Kleides sehen, -das zu dem glattblauen Rocke die hübsche blauweiße Bluse zeigt. Darüber ein
Punkt, etwa wie das Fagott im Dur- teil des Scherzos der Reunten; sie schmiegt sich an die Melodie des Hauptgerichtes, dominiert niemals und bleibt immer, auch als Herrlichste von allen, als Hollandaise, oder Zweitherrlichste, als Wousseline zu Spargel oder Artischocken, distinguierte Begleiterin. Es ist einfach eine Barbarei, so subtile Gebilde wie zarte Gemüse mit einer brutalen Mehlpampe aus den Kopf zu schlagen; viel Butter ist von Röten, vielleicht ein wenig klare Bouillon und Kräuter — alles andere ist vom liebel.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf die bei
Genüge getan wird. _ „ ,
Die jungen Gemüse — denen Krauterzutaten außerordentlich bekömmlich sind — verlangen gebieterisch eines: ein etwas, das eines der trübsten Kapitel deutscher Küche berührt. Sie verlangen nämlich gebieterisch kein Mehl. So trüurig es ist, es muh gesagt werden: dis Saucenkunde liegt bei uns zum größten Teil rm argen. Trotz entrüstetem Protest, den mir neulich eine durch ähnlichen Ausspruch gekränkte Haus- frau zugehen lieh: ein erheblicher Teil unteres Vaterlandes ertrinkt in einem greulichen Gemisch, für das denn auch Sprachreiniger das Schauer- wort „Tunke" erfunden haben — nichts könnte bezeichnender sein! Erbarmungslos wird mit viel Mehl eine Art Kleister fabriziert, der Kalb und Rind, Hase und Huhn mit derselben schleimigen Undurchsichtigkeit überzieht und, mutatis mutan- dis, auch die zarten jungen Karotten, grünen Erbslein oder Bohnen verzweiflungsvoll gegen den breiigen Erstickungstod kämpfen läht. Möge es erstes Küchengeseh werden, auf dessen lieber- tretung im Frühling bei jungen Gemüsen verschärfte Strafe steht: bei Saucen Mehltüte weg! Die Sauce — nicht die deutsche Tunke — ist nämlich kein Sättigungsmittel, keine führende Stimme, sondern ein fein abgestimmter Kontra- etwa wie das Fagott im Dur-
Frühlingsküche
Von Or. Anton Mayer.
dunkelblaues Zäckchen. Also — ein dunkles blaues Kostüm mit Heller Bluse — zweite Form. Und endlich — das abgeknöpfte, dunkelblaue Röckchen als Cape zu dem blauweihen Kleide — die dritte Form. , rr
Ml dos, in jeder beliebigen Farbe herstellbar, ermöglicht in nicht kostspieliger Weise dmn Verlangen nach „nicht immer dasselbe" nachzukommen. Denn — die so hübsche und billige Kunstseide kann gerade für derlei ruhig herangezogen werden. Sehr beliebt das Kostüm mit längerer und halblanger Zacke oder Mantel und der Hellen, in der Farbe natürlich passenden Bluse.
Für die Kostüme bleibt Wollgeorgctte und natürlich immer noch Tweed in allen erdenllichen Ausführungen. Richt vergessen werden darf natürlich, daß das Bolerojäckchen gleichfalls sehr beliebt ist und insbesondere bei leichten ärmellosen Kleidern sehr angenehm ist. Man trägt es auf der Promenade und kann dann, wenn cs ans Tanzen geht, leichter die sich ergebenden, erhöhten Temperaturen ertragen, weil man es ablegt und es ärmellos als Tanzlleid wirkt. Als Aufputz nach wie vor duftige Spitzen, die ubri-
Es gehört zur Logik, die unsere täglich sich wiederholenden Handlungen bestimmt, daß wir die Küche und ihre Erzeugnisse der jeweiligen Zahreszeit anpassen; denn wie sollten Körper und Geist, welche unter wechselnden äußeren Umständen sich ändernde Bedürfnisse empfinden, dem Andrängen einer neuen Epoche des Wachstums anders genügen können? Begreiflicherweise ist das Verlangen nach Anpassung an die Ratur nie so stark wie im Frühling, da das Leben sich zur triumphierenden Auferstehung anschickt: der Müdigkeit des Herbstes, dem Dunkel des Winters suchen wir zu entgehen, ja selbst die manchmal erschlaffende Ucppigleit des Sommers reizt uns nicht selten zum Widerspruch; dem Auf- streben des Frühlings dagegen sind wir hinge- geben und suchen, soviel es uns möglich und gestattet ist, von seinen Segnungen in uns überzuführen, damit seine Stärke auch in uns mächtig fei und unser Dasein erneuert.
Eine große Anzahl dieser Segnungen liegt auf dem Gebiet der ejbaren Dinge; zum Glück, denn nichts ist geeigneter, uns die Fülle der jährlichen Wiedergeburt mehr empfinden zu lassen, als die Erzeugnisse der Gärten, die Gemüse, Salate und Kräuter, — der Blumen nicht zu vergessen, welche, zum Schmuck der Tafel bestimmt, die Augen erfreuen. Der Frühling ist die Zeit, die der deutschen Küche oder wenigstens einem großen Teil dieser nicht in allen Beziehungen voll» kommenen Institution einen ihrer Fehler sehr deutlich vor Augen zu führen geeignet ist: im Frühling gedeihen die Küchenkräuter, deren Wohltat in großen Teilen Deutschlands den Gerichten des täglichen Tisches vorenthalten bleibt. Die Inhaberin einer größeren Gärtnerei im Westen Berlins entgegnete mir auf meine Frage, ob sie denn nicht eine Anzahl Küchenkräuter pflanzen und festhalten wolle, daß sich dieses in keiner Weise lohnen würde, da außer mir niemand ihrer weitverzweigten Kundschaft an den zarten Kindern des Küchengartens Interesse habe und sic also ihre Ware nicht unter die Leute zu bringen imstande sei — ein deutliches Zeichen von der Ahnungslosigkeit, mit der viele Köchinnen und Haussrauen an einer der größten Köstlichkeiten gepflegter Küche Vorbeigehen. Außer Schnittlauch und Petersilie, die bis zum Uebcr- druß für alle Platten, auch für die, welchen sie in keiner Weise zukommen, herhalten müssen, ist es in Rorddcutfchland sehr häufig — Ausnahmen mögen vorkommen — unmöglich, ohne vorherige Bestellung Basilikum oder Trittmadam, Majoran oder Kresse zu bekommen. In Mtttel- und Süddeutschland scheint mir dies sehr viel besser zu sein, wie schon die wundervolle, in der Maingegend besonders beliebte Siebenkräutersauce zum Rindfleisch beweist; es ist
uns viel zu wenig bekannten und konsumierten italienischen Artischocken (carciofi) Hinweisen: sie sind zwar Heiner als die französischen, aber dafür bedeutend zarter und kosten etwa ein Fünftel der größeren Art. Die inneren zarten Blätter kann man restlos verzehren, so weich sind sie; das Gemüse ist außerdem praktisch, weil es auf verschiedene angenehme Weise zu verwenden ist, außer der, es einfach in Salz- wasscr zu kochen und mit Butter oDer einer Sauce zu efsen. Die nächste Stufe ist ein sehr delikater Salat; ferner kann man sie in Essig und Oel einlegen und als Vorspeise geben. Ein sehr nettes italienisches Gericht ist der „Tortino carciofi“, ein in Oel gebackener Eierkuchen mit de, vier geteilten Vierteln des inneren Bestandes einer Artischocke; er wird am besten in der Pfanne serviert und aus ihr gegessen. Rötig dazu ist allerdings gutes Oel. .
Richt nur in der Zubereitungsart, auch in der Zusammenstellung der Menüs muß sich die Früh- lingsküche der Iahreszeit anpafsen. Zusammengekochte Gerichte, wie Irish Stew, Hammelfleisch mit grünen Bohnen, Pichelsteiner, gehören in den Winter, da man sich innerlich erwärmen will; die Küche des Lenzes verlangt Klarheit und Anmut, Leichtigkeit und jenen spielerischen Optimismus, den wir in der Ratur entzückt betrachten. Ganz leichte Eierspeisen, dünn geschnittenes und nicht zu scharf gebratenes Fleisch, junge Gemüse und schaumige Cremes, alles von der Freude an plötzlichen Einfällen reizvoller Kombinationen — deren sich aus den angeführten Ingredienzien zahllose ermitteln lassen — und der künstlerischen Tätigkeit sorgsamer Fingerspitzen getragen, nichts Schweres. Kompaktes, Düsteres: das bedeutet eine Reihe, die der lieblichsten Iahreszeit angemessen ist. Dazu als flüssiges Gegenstück eine korrekte Maibowle, deren Rezept ich angeben möchte, da mir zuviel Schrecklichkeiten auf ihrem Gebiet begegnet sind: das Mai- kraut. ein Bund für zwei Flaschen Wein und eine Flasche Sekt, wird nicht länger als 15, wenn es nicht mehr ganz frisch ist, höchstens 20 Minuten in eine umgegossene Flasche Wein gehängt, daß nur die Blätter, nie die Stengel, mit der Flüssigkeit in Berührung kommen (deren Saft verursacht nämlich die unangenehme Geschmacksüberschwenglichkeit und den Iammer), dann wird die zweite Flasche und der Sekt dazugegossen — weiter nichts! Kein Zucker beinahe so schlimm, wie Mehl in der Sauce! Kein „Bowlenwein", sondern ein netter kleiner Pfalzer — am besten, besser als Mosel, und je nach der Süße oder Herbe des Weins ein herberer ober süßerer Sekt — dazu auf dem Tisch ein paar Rarzissen, und die heiterste Frühlingsstimmung wird die Tafelrunde beseelen.
Großreinemachen vor Ostern
Von Liselotte Hennoch.
Der überlieferte Begriff, daß in der Zeit vor Ostern der große Hausputz erfolgen soll, hat seine hygienische Bedeutung. Und wenn die liebenswürdige Hausfrau auch die Unmutsfalte in der Stirn des Mannes ä conto des Scheuerfestes fürchtet, so weiß sie dennoch, daß auch er den gesundheitlichen Wert des großen Aufräumens erkennt. Also wird sie nicht die Waffen strecken, sondern die kahlen Fenster und die auf genommenen Teppiche, das bescheidene Mahl und die Unordnung, die damit zusammenhängt, auf ihre Kappe nehmen. Die Entfernung von Staub und Schmutz ist nach der Heizperiode unbedingt erforderlich. Dabei ist es gleichgültig, ob eine Wohnung zentralgeheizt, ober ob sie durch Oesen erwärmt worden ist. — Schwarze Gardinen sind der Hausfrau nicht nur ein Dom im Auge, es haften ihnen auch genügend schädliche Stoffe an. Außerdem beeinträchtigt der Staub auch die Haltbarkeit der leichten Tüll- oder Spitzenstösse. Wenn die Fenster behänge gewaschen und gespannt sind, wobei zu beachten ist, daß sie durch das Spannen nicht verzerrt werden, hänge man sie auf. erst nachdem die Fenster gründlich gereinigt wurden. — Zum Putzen der Fensterscheiben empsiehltsich eine Lösung von Wasser, Spiritus und ein wenig Kochsalz. Sie werden blank und völlig
Vorschau auf die Sommermode.
Von Zda Bock, Wien.
Wer mit der Mode zu tun hat, den jagt cm wenig die Zeit. Denn während man sich noch des kommenden Frühlings freut, jedem jungen Blatte Aufmerksamkeit schenkt und freudig jede aufspringende Knospe begrüßt, stecken die Mode künstler schon tief im Sommer — ja fmb beinahe schon mit ihm fertig und halten Vorausschau aus das. was der nächste Herbst bringen wird. Vorläufig aber liegt uns biefcr neue Herbst — dem Himmel sei Dank — nod? so unheimlich weit, und wir begrüßen Jubelnd die nahenden Sonnentage und all das Schone, das sie uns > nicht nur in der Natur, sondern auch „modisch" bescheren, ilnb es ist viel, viel 0chönc0
Vor allem hat die kommende Frühlings- und Sommermode in ihrem ganzen Gehabe etwas das man mit dem naturgeschichtlichen Ramen Mimikry belegen könnte. Vielleicht wissen bi« Samen noch aus der Schule her, daß Mimikry jenes Spiel der Ratur ist, wonach Pflanzen und Tiere sich in ihrem Aeuhern ganz und gar ihrer Umwelt anzupassen vermögen und zwar darum, um von ihren Feinden nicht gesehen zu werden. Sie sind also z. B. grün, wenn sie im Blattwerk leben, grau oder erdahnlich, wenn sie auf dem Waldboden Hausen usw. Unsere Sommermode nun betont in gewissem Sinne auch dieses Anpassungsvermögen, sie schafft entzückende Sommerkleider, die in Material, Schnitt und Linienführung etwas blumig Frisches farbenfreudiges haben, hineinpassen in die bunten Wiesen, die uns verlocken zum Genießen sonnig freier Ferientage. Die Linienführung vor allem, das unbedingt schlanke, bis über die Hüften anschmiegsame, das erst von den Knien abwärts in weite zipflige, blattartigc, flatternde, immer aber weit ausladende Teile zerfällt, erweckt den Eindruck umgestülpter Blütendolden. Der Oberkörper als schlanker Kelch — das Zerflattern des Rockes, die vielblättrige Blüte. Durchgemusterte Zmprimeestoffe mit wundervollen eingestreuten Blumentusss, dazu der halblange Mantel in der Grundfarbe. Orientalisches Muster, bunte Streifen, niedliche Tupfen — alles bewegt, belebt — eigenartig, abwechslungsreich, schon im Material. Wunderschöner gemusterter Musselin für Rach- n'ittagskleider, immer mit langen, angelegten Röcken, weit ausfallend, geteilt und immer die
gens auch in wundervollen, kostbaren Ausführungen zu überaus eleganten Abendkleidern verarbeitet, von ganz besonderem Effekt sind. Auch zu ihnen gehört immer der leichte Seidenmantel.
Es ist erfreulich, daß unsere Mode diesmal jedem strengen Diktat ausweicht, konziliant alles Schöne gelten läßt, dem sie nur eine gewisse Richtung gibt, die dann individuell befolgt — oder umgangen werden kann. Sie hat damit auch dem Kriegsgeschrei für und gegen den langen Rock ein Ende gemacht, denn wenn auch das „kniefrei" glücklicherweise wirklich überwunden ist, so ist damit dem feschen kurzen Kleide doch der Weg offen gelassen, nur soll es eben doch bis an die Wade reichen. Genauer — das Trotteurkostüm oder das Lauflleidchen „soll" dreißig bis fünkunddreißig Zentimeter vom Boden sein, das Heine Abendkleid bis an die Knöchel reichen! Aber, die Mode ist eben jetzt sehr liebenswürdig und läßt sich ein paar Zentimeter gerne abschmeicheln — besonders dann , wenn es sich um sehr hübsche Beine handelt. Wenn nicht — dann bitte lieber fünf Zentimeter zugeben!
Drei Frauen.
Wien - Stockholm — Zürich.
Von Or. Eugenie Schwarzwald.
In einer schlaflosen Rächt letzthin kam ich auf den Gedanken, zusammenzuzählen, wievielen Frauen ich in meinem Leben begegnet bin, die ich hätte heiraten mögen, wenn ich ein Mann gewesen wäre.
Um sechs Uhr morgens war ich aus Ermüdung bei Rümmer 768 eingeschlafen. Als ich erwachte, wußte ich nur mehr von dreien. Don denen will ich erzählen. Die Reihenfolge ist keine Klassifikation.
6 m m t): Eine zarte Gestalt, ein liebes kluges Gesicht mit treuherzigen Augen. Herrliche Hände, von der Ratur geschaffen, wohlzutun. Eine wunderbare Altstimyie, im Gesang selbst dem Verstocktesten zu Herzen gehend, aber sogar bei der Bestimmung des Spcisczttiels Liebe ausströrncndp Sie hat viele kleine Freuden, wie man sie eben jetzt in Wien hat: das alte Kleid, das sich noch wenden laßt, entzückt sie, Kartofselnudcln sind ihre Lieblingsspeise. Eie liebt die Kunst, wie die meisten Menschen nur sich selbst lieben, und ist der Ratur so nahe verwandt, wie der eigenen Haut. Unkritisch aus Ueberzeugung, geht sie nur mit einem Menschen nicht milde um: mit sich selbst. Wie letzthin, als sie in den Spiegel blickend mit gut gespieltem Entsetzen aus rief: „Um Gottcswillen. das kann doch nicht mein Ernst sein!" Sie kann sich um ihre Karriere nicht kümmern, weil die ihres Mannes, der auch ein Künstler ist, sie wesentlich mehr interessiert. _
Elsa: Wenn Elsa in einen Raum tritt, glätten sich die Wogen, erheitern sich die Mienen, verbessert sich die Luft. Entweder hat sie gerade ein Buch gelesen, von dem sie mit einem Feuereifer spricht, der allen Rezensenten zu wünschen wäre, ober sie hat auf der Sttahenbahn etwas erlebt. Kein Mensch erlebt auf der Straßenbahn so viel wie sie. Gern erzählt sie auch
Anekdoten aus ihrer Stockholmer Schulzeit; wenn das alles vorgckommen sein soll, muß sie jede Klasse dreimal wiederholt haben. Am liebsten stellt sic mimisch ihre Blamage dar, als sie einmal zum Film gehen wollte. Ihre Heiterkeit scheint unzerstörbar. Rur Seelenkundige erkennen, daß diese auf dem Boden tragischer Erlebnisse erwachsen ist. Das merkt man am besten, wenn sie das Wort Sibirien ausspricht. Dort hat sie, deutschen Soldaten Hilfe bringend. Unaussprechliches erlebt. Sie spricht auch nie davon, sie hat Besseres zu tun. Sie muh ihren Mann, der ein bedeutender Operateur ist, bewundern, ihren Freundinnen schwedische Weihnachtskerzen besorgen und alle trösten, die Trost brauchen.
Verena: Was zuerst auffällt: Verena ist bemüht, so wenig Platz wie möglich einzuneh- men. Richt ihrem Leib, nicht ihren Ideen, nicht ihrer Ungeduld und nicht ihrer Stimme gestattet sie, sich breit zu machen. Sie unterdrückt sogar ihre Schönheit und erlaubt ihr nicht was ihr leicht fiele — andere zu überstrahlen. Ebenso hält sie cs mit ihrem Geist. Er dient ihr, andere zu erleuchten, nicht zu verdunkeln. Ihre eigene Gelehrsamkeit gilt ihr nichts, weil sie sie am Originalgenie ihres Gatten mißt. Dom Ruhm und den Ehren, die die Welt zu vergeben hat, hält sie nichts. Diele glauben, dies sei Bescheidenheit, andere sprechen, besser informiert, von Welt- wcisheit und Weltweite. Am ehesten aber ist ihre Uneitelkeit ein Zeichen von Raturverbundenheit. Sie ist so unbewußt aufgewachsen wie eine Pflanze, hat ihre Kinder so selbstverständ- lich geboren wie ein edles Tier und wird sich einmal auflösen wie alle elbischen Wesen, zu denen sie unbedingt gehört, obgleich sie in ihrer gegenwärtigen Form eine handfeste Zürcher Ehefrau und Mutter ist. Sie ist eben alles. —
Diese drei Frauen, so verschieden sie sind, einiges haben sie doch gemeinsam: Humor, Selbstkritik und Eelbstpersiflage. Geistreich sind sie auch, weil es leicht ist, geistreich zu sein, wenn man die Wahrheit spricht. Und noch eins: sie brauchen
alle sehr wenig Geld, um sich und andere froh zu machen.
Wer von solchen Frauen mehr wissen will. der schreibe an mich. Karte genügt.
Goll Der Erwachsene mit Dem KmDe spielen?
Von Nelly Wo'.ffheim.
Daß die Frage auftaucht, ob der Erwachsene mit dem Kinde spielen soll, ist ein Zeichen für den Wände, der pädagogischen 2Iu ja, u g Wahrend man es früher zu ben Qualitäten einer guten Mutier rechnete, wenn sie hübsch mit den Kindern zu spielen verstand und es einem Kinder- sräulein besonders hoch anrechncte, wenn sie sich viel und in anregender Weise mit dem Kinde spielend abgab, steht man diesen Fähigkeiten heute nicht so absolut bejahend gegenüber.
Moderne Pädagogik nimmt im allgemeinen den Standpunkt ein, daß ein Kind sich am besten durch Sechsttätigkeit und selbstgestaltetes Spiel entwickelt. Die geeigneten Beschäftigungsrnateria- lien und Spielrnatcrialien — das durchaus nicht etwa nur fertiges Spielzeug sein sollte — sind dem Kinde zur Verfügung zu stellen, dann aber lasse man es — am besten in einer Gemeinschaft von Kindern — mit seinen Spielen allein. Spiel ist ein Erlebnis nur bann, wenn es aus dem Innersten bes Kindes kommt. Das K i n d s e l b st soll seine Spiele erfinden und ausgestalten; es ist der Zweck des Spiels, dem Kinde Gelegenheit zu geben, seine Phantasien barzustellen, sie in irgenbeiner Weise in Wirklichkeit umzusehen unb baburch aus bem Innenleben herauszuholen. Spielen zu häufig Erwachsene mit bem Kinde, werden bleiern Entwicklungsmöglichkeiten genommen; Phantasie unb ber Antrieb zum Han- beln (benn Spiel ist eine ber wichtigsten Hand- lungen bes kleineren Kindes) wird unterbunden, und manche Kinder verlernen dabei die Fähigkeit, allein intensiv zu spielen. Denn beim Zu
sammenspiel von Erwachsenen mit Kindern wird es nur wenigen Menschen gelingen, sich in einer wünschenswerten Weise zur^ckzustellen, dem Kinde die führende Rolle zu überlassen. Diel zu leicht ist der Erwachsene der Tonangebende, Dorschreibende, Erfindende; Kinder fügen sich beim Spiel, wie ja auch meist im realen Leben, viel zu sehr ber Autorität bes Erziehers unb gehen auf feine Anregungen willig ein. Besonbers wirb bies bei sehr gefügigen unb anschmiegsamen Kindern zutresfen. aber gerade sie sollte man nach Möglichkeit zu geistiger Unabhängigkeit hinlenken.
Dertreten wir den Standpunkt, daß Kinder im Spiel ihre eigenen Wege gehen sollen, so müssen wir es als eine Gefahr erkennen, wenn eine Persönlichkeit nur für das Kind im Hause ist. Wo eine Erzieherin — sei es eine Kindergärtnerin ober ein einfaches Kinberfräulein mit bem Kinbe lebt, ist es burchaus wünschenswert, baß man ihr burch Pflichten im Haushalt Arbeitsgelegenheit gibt, bie sie vom Kinbe abzieht. Denn Kinder wissen ihre Umgebung an sich zu binden, sie werden durch bereitwillige Menschen verwöhnt und dazu geführt, immer jemanden zur Hilf« in Anspruch zu nehmen, sei cs im praktischen Leben ober beim Spiel. So finb auch bie Kinber fast mehr au beklagen, deren Mütter immer Zeit für sie haben, als bie, bie sich zu viel selbst überlassen bleiben. Hier einen richtigen Ausgleich zu schaffen, ist bas Er- strebensmcrte.
Run soll ein schönes Zusammenspiel zwischen Erwachsenem unb Kinb nicht etwa aus ber Kinderstube verschwinben; es hieße bas Kinb mit dem Babe ausschütten, wenn wir bie mobeme päda- gogische Einstellung so auslegen wollten. Extra- freube, Sonntagsfeier sei solch eine Spiel stunbe. unb wohl bem Kinbe. bas eine Mutter hat, bie zu spielen versteht. Bis ins Alter hinein können Erinnerungen an solche frohe Gemeinschaft lebendig bleiben; für Kinder und Mütter bedeuten sie — gerade wenn sie als etwas Ausnahms- weises dastehen — Gewinn.


