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Montag, 10. März 1930

180. Jahrgang

Nr. 58 Erstes Blatt

GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vri'S lind verlas: vrühl'sche Unlverfi«s<s-Vuch- nnd Lteindrvckere! R. fange in Sietzen. Sdjriftkitung nnd Geschäftsstelle: SchuIItratze 7.

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Chefredakteur

Dr Friedr Wilh Lange. Berantwortlid) für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Sieben.

Eriche ini iogluh,autzei Sonntags und FeieNag»

Beilagen:

Die Illustrierte (Siebener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholle

Monatr-Vezugrpreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt, üernfvrechanschlüsie anter5ammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Sieben, poftschecllonlo: firanffurtam Main 11686.

Schachts Rücktritt.

Die offizielle Meldung der Reichsbank von der Rücktrittsabsicht Dr. Schachts hat begreif­licherweise in politischen und wirtschaftlichen Krei­sen wie eine Bombe eingeschlagen, obwohl der Reichsbankpräsident bereits vier Tage zuvor dem Reichspräsidenten Mitteilung von feinem Vor­haben gemacht hatte. Rach Lage der Dinge kann man in der Demissionserklärung nichts anderes sehen, als eine bewußte Demonstration gegen das Reichskabinett, und die offizielle Mitteilung besagt ja auch, daß der Grund zu seinem Ent­schluß in der Auffassung Schachts vom Haager Schlu ßprotokoll liege. Der Schritt des Reichsbankpräsidenten wird denn auch von der Opposition entsprechend ausgeschlachtet werden, und es ist schon jetzt festzustellen, daß man ihm nicht nur außenpolitische, sondern fast mehr noch innen-, vor allem finanzpolitische Be­deutung gibt.

Dennoch glauben wir nicht, daß die Aktion Anlaß zur Panik gibt, wie sie bedauerlicherweise die Börse an den Tag legte, bei derSchwarze Freitage" allmählich zur Gewohnheit zu werden scheinen. Denn bei ruhiger Lieberlegung wird man erkennen müssen, daß der Schritt Dr. Schachts nur die letzte Konsequenz seines viel umstrittenen Memorandums und seiner im Haag eingenommenen Haltung darstellt. Schon seine Denkschrift bekundete einen so offensichtlichen Gegensatz zu der Auffassung maßgebender Regic- rungspersönlichkeiten und Regierungsparteien, daß bereits damals die Frage erwogen wurde, ob der Reichsbankpräsident nicht logischerweise nun auch die letzte Schlußfolgerung ziehen und aus dem Amte scheiden mühte. Das gleiche war im Haag der Fall, wo er zwar nur auf der zweiten Konferenz eine kurze Gastrolle gab, die aber immerhin genügte, um die tiefe Gegensätz­lichkeit der Auffassungen, die ihn vor allem von der Leitung der Außenpolitik trennt, zu be­kunden. Auf Rückfrage hat er damals im Haag zwar erklärt, er werde sich als loyaler Staats­bürger den besonderen Bestimmungen, die eben seiner Haltung wegen im Haag in das neue Reichsbankgeseh eingesügt werden mußten, fügen. Wer aber den Temperamentspolitiker Schacht in all den Jahren seines öffentlichen Wirkens hat verfolgen können, der durfte damals schon gewisse Zweifel hegen, ob er hiernach noch lange in seinem Amte bleiben werde. Verschärfend kam in der letzten Zeit noch sein entschiedener Wider­stand gegen die Ernennung eines Franzosen zum Direktor der Dank für den internationalen Zah­lungsausgleich hinzu, bei dem er zwar an der Reichsregierung jede erforderliche Rückendeckung fand, bei dem ihm aber seine Kollegen von den anderen Gründerbanlen in Rom im Stich ließen.

Ob und inwieweit Schacht mit seiner Rück- trittserklärung gegen dem finanzpoli­tischen Kurs, wie er sich in den letzten Tagen herausgesckält hat, demonstrieren wollte, kann dahingestellt bleiben. Soviel wir wissen, ist je­denfalls das persönliche Verhältnis zwischen ihm und dem Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer s«hr gut gewesen, und wir haben nach der lo­yalen Haltung, die der Aeichsbankpräsident bei­spielsweise während der letzten Wochen in der Frage des Schuldentilgungschnds gegenüber dem Reichssinanzministerium einnahm, keinen Anlaß, anzunehmen, daß sich hierin irgend etwas ge­ändert hätte. Wir glauben also nicht an die innerpolitische Zweckbestimmung dieser Aktion. Um so nachdrücklicher muß freilich gerade von uns, die wir seinerzeit mit allem Wohlwollen bemüht gewesen sind, dem Memorandum des Reichsbankpräsidenten gerecht zu werden, festge­stellt werden, daß sein jetziges Verhalten uns uicht im Interesse der Wirtschaft und der Finan­zen, denen beiden doch Dr. Schacht nach Kräften zu dienen bestrebt ist, zu liegen scheint. Die Oeffentlichkeit wird bei genauerer Lleberlegung schnell zu der Erkenntnis gelangen, daß dem Rücktrittsentschluh des Reichsbankpräsidenten ge­rade im jetzigen Zeitpunkt der tiefere politische Sinn fehlt, so unbequem auch zunächst die un- niittelbaren Wirkungen des Schreckschusses für Regierung und Regierungsparteien fein mögen. Dr. Schacht ist der Mann, an dessen grundsätzlich richtigen Auffassungen gewiß auch heute kein ver­nünftiger Mensch zweifelt, dec aber leider nicht bas Gefühl besitzt, um das Richtige zur rech­ten Stunde zu sagen und zu tun. Sein Rücktritt hätte vor drei Monaten dem Reiche noch nützen können, bevor Eurtius und Molden- Hauer zur Haager Konferenz gingen. Heute öirft er leider nur noch als verfehlte Demon­stration. Sie mag für feinen gradlinigen und herben Charakter zeugen, für feinen politischen Tatsachensinn zeugt sie nicht.

Schacht will sich nach der Ernennung seines Rachfolgcrs tatsächlich ins Privatleben zurück­ziehen, zunächst einige Reisen machen und dann das Gut selbst bewirtschaften, das er seit einer Reihe von Jahren unweit Berlins besitzt. Soll damit die Karriere abgeschlossen fein, die d-r jugendliche, heute 53jährige Finanzgewal- tige Deutschlands in knapp l1/» Jahrzehnten durchlaufen hat und die seinen Hamen in der ganzen Welt populär gemacht hat? Schacht, ur° sprünglich Philologe, Sohn eines Nordschleswig- scheu Kaufmanns und einer dänischen Mutter aus hamburgischem Ade'sgcschlecht, ist durch den Zufall, der seine Laufbahn aus dem regulären Lehrberuf über das Archiv der Dresdner Bank in die Finanzlaufbahn brachte, zur Rational- ölonomie und Finanzwissenschaft gelangt

Geschäftsführer des Handelsvertragsvereins. Herausgeber einer Fachzeitschrift, Archivar bei

Keine Einigung -er Parteien.

Am Mittwoch Entscheidung über den ffoungplan ohne Jinanzprogramm.

Berlin, 9. Mürz. (ERB. Eigene Meldung.) Der Reichskanzler hat am heutigen Sonnlagnach- mittag noch einmal mit den Fraktionsführern ver­handelt Die Besprechung dauerte nur eine halbe Stunde und endete mit der Feststellung, daß eine Einigung nicht z u erzielen war. Richt nur von der Deutschen B olf spartet, sondern auch von den Sozialdemokraten und der Bayerischen Bolkspartei wurden wieder sehr starke Vorbehalte gegen d i e Re­gierungsprojekte vorgebracht, ohne daß sich irgendwelche Aussichten aus die Möglichkeit einer Verständigung zeigten. Unter diesen Umständen be­trachtet der Reichskanzler seine Aktion als abge­schlossen.

3m Anschluß an die interfraktionellen Verhand­lungen fand eine Ministerbesprechung statt. Darin dürste beraten worden sein, welche Taktik das Kabinett für die nächsten Tage einschlägt. Der Kanz­ler hat die Absicht, nun aus die Entscheidung über den Poungplan zu bringen. Er hat sich damit einverstanden erklärt, daß die Abstimmung der zweiten Lesung auf Dienstag verschoben wird unter der Voraussetzung, daß die S ch l u h a b st i m- mung unter allen Umständen am Mitt­woch erfolgt. Ueber dieses Programm sind sich die Parteien auch vollkommen einig, so daß eine weitere Verzögerung bis Donnerstag, von der gesprochen worden ist, nicht in Frage kommt. Rach dem augen­blicklichen Bild der Lage siehk das rein schematische Abstimmungsverhältnis folgendermaßen aus: Für den Poungplan stimmen: Sozialdemokraten mit 152 Mandaten, Deutsche Volkspartei mit 45 Mandaten. Das macht 197 Stimmen: Enthal­tungen: Zentrum 61 Mandate, Demokraten 25 Mandats Bayerische Volkspartei 17, ergibt 103 Stimmen. Gegen den Poungplan: Deutschnatio­nale 66 Mandate, Kommunisten 54, Mrtschaft«- parfei 23, EH.Rat. 21 Mandate, Splittermandate 14, Rationalsozialisten 14. Das macht zusammen 192 Reinsager. Theoretisch werde der Poungplan also eine kleine Mehrheit finden. 3m Reichstag rechnet man damit, daß sich die Verhältnisse bis Mittwoch vielleicht noch zu Gunsten einer Mehr­heit verschieben. 3n der Presse ist auch bereits die Rede davon gewesen, daß die Folge des nega­tiven Ausgangs der Kanzlerverhandlungen die Auflösung des Reichstages fein könne. Es kann aber festgestellt werden, daß davon bisher weder in den interfraktionellen Besprechungen noch in den Kabinettsberatunqen die Rede gewesen ist. 3n verantwortlichen Kreisen sieht man in einer Auf­lösung auch keinen Fortschritt zu Gunsten einer sach­lichen Arbeit: denn der neue Reichstag würde durch die Radikalisierung seiner Flügel­gruppen an Arbeitsfähigkeit erheblich einbüfjen. Verhandlungen der Weimarer

Koalition.

Ein Ultimatum an die Volks»'artei?

Berlin, 9. März. (OB.) 3n parlamentarischen Kreisen verlautet, baß b i e Parteien ber Weimarer Koalition ben versuch machen werden, sich über ein neues Finanzprogramm zu einigen, bas möglichst bereits am Dienstag bet Deutschen Volkspartei vorgelegt werben soll. Die Deutsche Volkspartei würde sich dann zu entscheiden haben, ob sie dem Btogramm, eventuell mit kleinen Aenderungen, zustimmen wolle ober nicht, von sührenber volksparteilicher Seite wird uns hierzu erklärt, baß ihr ein solches vorgehen in ben heutigen Verhandlungen noch nicht ange­kündigt worden sei, daß es aber eine starke Ver­

schärfung der parlamentarischen Si­tuation bedeuten würde, da die Deutsche Volks­partei sich einem solchen Druck nicht beugen werde. Zunächst müsse man allerdings erst einmal abwarten, ob es ben Parteien ber Wei­marer Koalition gelingt, eine Einigung unter s i ch herbeizuführen. Sollte sie zuslanbe kommen und der neue Plan von ber Deutschen Volkspartei abgelehnt werden, so würden sich die weiteren Konsequenzen von selbst ergeben. Die Weimarer Koalition verfügt im Reichstag über 238 Stimmen, die Opposition würde 254 Mandate haben. Träte die Bayerische Volkspartei zur Weimarer Koalition, so würde eine solche Regierung sich auf 255 Abgeordnele stützen

können, denen eine Opposition von 237 Stimmen gegenüberstände.

Rach betMontagspost" soll es ben Anschein haben, baß im Falle ber Richteinigung bet Reichs­tag aufgelöst werbe. Mit einer Ablehnung bet Pounggesehe im Reichstag werbe nicht gerechnet, selbst wenn sich Demokraten, Zentrum unb Baye­rische Volkspartei bet Stimme enthielten. Wenn ber Poungplan enbgültig angenommen sei, werde die Regierung bereits am 1 7.Mätz dem Reichs­tag bas Finanzprogtamm oorlegen. Bis zum 24. Mär; soll sich ber Reichstag enlscheiben, da bie neuen Finanzgesehe am 1.Aptil bereits in Kraft treten müssen.

Ae zweite Lesung des youngplans.

Berlin, 8. März. (BDZ.) 3m Deutschen Reichstag wird die zweite Beratung der QZoung- gesehe fortgesetzt. Abg. Bang (Dn.): Mit dem Rücktritt Schachts ist der letzte Schleier von den Dingen gezogen. Der gestrige Tag bedeutet nicht nur einen Kurssturz der Börse, sondern auch den Kurssturz der Regierungspolitik. Der Rücktritt Schachts bestätigt unsere Auffassung, daß nun­mehr die deutsche Reichsbank kaum mehr sein wird als ein Appendix der internationalen Tri­butbank. Der Tributplan bedeutet die Legali­sierung der Ausschlachtung der deutschen Wirt­schaft. Sobald das Ausland das Interesse an deutscher Substanz verliert, ist der Zusammen­bruch da in Form der Poungkrise. Die sogenann­ten Schuhbestimmungen werden sich dann als reiner Hohn erweisen. Denn sie schützen nicht die deutsche Währung, sondern die der anderen. Die Frage, was nach dem Bankrott der Anleihewirt­schaft geschieht, hat sich wahrscheinlich auch Schacht vorgelegt und mit seinem Rücktritt be­antwortet. Die Regierung aber verfährt nach dem Grundsatz:Rach uns die Sintflut".

Abg. Dr. Sch et ter (Ztr.):Dei den Haager Liquidationsverhandlungen hat das Macht- bewußtsein unserer Gegner gesiegt über Moral und Rechtsbewuhtsein. Das Ergebnis der Ver­handlungen war für uns Enttäuschung auf der ganzen Linie. Besonders bitter war die Ent­täuschung über die Haltung der englischen Ar­beiterregierung, die unter Führung des Schatz­kanzlers ihre Macht dahin ausnuhte, daß 40 Pro­zent des in England liquidierten deutschen Eigen­tums für uns verloren ging. (Hört, hört!) Einer Arbeiterregierung steht es merkwürdig an, mit rücksichtsloser Machtausnuhung eine Politik zu machen, die sich vollständig entfernt von dem Gedanken internationaler Völkerverstän­digung.

Abg. Dr. Schnee (DDP.) erklärt, er ge­höre zu denjenigen Mitgliedern der Deutschen Volkspartei, die gegen die Liquidations- gesehe stimmen würden. Das deutsch-polnische Liquidationsabkommen biete für die schweren deutschen Opfer nicht einmal als Ausgleich die Garantie, daß nun die Liquidation weiteren deutschen Eigentums in Polen aufhöre. Gerade jetzt ist eine neue Liste zu liquidierenden deut­schen Grundbesitzes in Polen herausgekommen. Die durch Englands Gewaltpolitik hervorgerufene Verbitterung stört leider die Verständigung des deutschen und englischen Volkes, die im Interesse des Weltfriedens dringend notwendig ist.

Abg. Dr. Der n bürg (Dem.) erklärt, daß cs ihm durchaus unbillig scheine, wenn die gegen­wärtige Generation, die durch unermeßliche Dlut- und Geldopfer, durch Pinterdrückung und Infla­tion begangen sei, auch noch mit der Gesamtlast der Reparationen belastet bleibe. Rach allem, was wir durchgemacht hätten, scheine es ihm un­nötig, unseren Kindern ein Paradies zu hinter­lassen. Der neue Reichsbankpräsident werde hof­

fentlich ein Fachmann internationalen Ansehen- ohne politische Bindung oder De r - gangenheit sein und das Wort beherzigen, daß, wie bei den Frauen diejenigen die besten sind, von denen am wenigsten geredet wird, und die am wenigsten reden. Wichtig sei, daß die Reichsbank auch nach den Haager Beschlüssen unabhängig bleibe.

Abg. S t ö h r (Ratsoz.) bestreitet, daß die Geg­ner des Poungplans den Dawesplan aufrecht­erhalten wollten. Dieser Plan, den damals eine ehrvergessene Mehrheit des Reichstags (Ord­nungsruf des Vizepräsidenten Esser) annahm, werde jetzt von den Sozialdemokraten als Quelle allen älebels bezeichnet. Wir erwarten vom Reichspräsidenten, daß er die unverzügliche Auf­lösung des Reichstags vollzieht, um dem deutschen Volk Gelegenheit zu Reuwahlen unter der ParoleGegen die Voungknechtschast" zu geben.

Abg. Freiherr von Freytagh-Lor- rlnghoven (Dnt.) wirft der Regierung Tau- schung ber Oeffentlichkeit vor. Kein urteilsfähiger Mensch in Deutschland glaube an die Erfüllbarkeit des Aoungplans. Das Gerede oon Reoifionsmög- lichkeiten beruhe auf grundlosem Optimismus. An ber Niederlage ber Regierung fei nicht bie nationale Opposition schuld, sondern ber Mangel an Freiheits­willen unb Wankelmut in ber Regierung, sowie ber Drang nach innerpolitischen Lorbeeren. Den Mit­telparteien wollen wir die Hand reichen, wenn sie sich noch im letzten Augenblick besinnen. Wir fürchten aber, daß sie diesen Entschluß nicht fin­den werden. Darum wenden wir uns von dieser Tribüne aus an den einzigen, der noch helfen kann. Im Qi am en der sechs Millionen, die dem Freiheitsgeseh zugestimmt haben, im Ramen aller nationalen Frauen und Männer beschwören wir den Reichspräsidenten, von allen Rechten Gebrauch zu machen, die ihm die Verfassung ge­währt. Wir werden einen Antrag auf Aus­setzung der Verhandlung einbringen, ilebemimmt der Reichspräsident in dem Kamps die Führung, dann wird er der Befreier Deutschlands heißen.

Reichsauhenminister Dr. Curtius wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. von Freytagh-Lorringhoven. Die Behauptung des deutschnationalen Redners, daß der OZoung- plan Sanktionsmöglichkeiten gegen Deutschland enthalte, sei widerlegt durch den Text des Ab­kommens und des dazu geführten Rotenwechsels. Wie sehr diese vom Abg. von Frehtagh-Lorring- hoven öffentlich im HugenbergschenTag" auf- gestellte Behauptung den deutschen In­teressen geschadet habe, ergebe sich aus dem nationalistischen französischen BlattFi­garo". Der Minister verliest den Artikel des französischen Blattes. Darin wird aus demTag" Freytaghs Aufsatz zitiert und hiirzugeseht:Das ist eine sehr bedeutungsvolle Interpretation, die dadurch besondere Wichtigkeit erhält, daß der Verfasser ein Professor des internationalen

der Dresdner Dank, schließlich stellvertretender Direktor bis hierhin ist diese Laufbahn noch einigermaßen normal. Dann wird sie sprunghaft: plebertcitt in die Leitung der Rationalbank, zu­sammen mit Jakob Goldschmidt, Aufwärtstreiben dieses etwas zurückgebliebenen Instituts, Inter­essengemeinschaft, schließlich Fusion mit der Darm­städter Dank in der Zeit der ersten Inflations­stürme; als Geschäftsinhaber der K. G. a. 21. er­hebliche persönliche Gewinne, die die Unabhängig­keit sichern; dann, in der Aera Stresemanns, Ablehnung des Finanzministeriums als Gegner des Rentenbankprojekts, jedoch Aebernahme des verantwortlichen Amtes als Reichswährungs­kommissar und schließlich der Rachfolger H a v e n st e i n s.

Stark umstritten, aber in der Sanierung der Währung, in der Anknüpfung internationaler Verbindungen und in der Gewinnung auslän­discher, vor allem amerikanischer Kredite für Deutschland äußerst erfolgreich. Konflikte sind auch in früherer Zeit nicht ausgeblieben. Schacht hat die Hartnäckigkeit des Friesen und neigt zu originellen Wendungen, die auch im persön­lichen Verkehr, in seiner brillanten Rede- und Darstellungsgabe immer wieder überraschen. Schacht ist in einer ähnlichen Lage, wie die, die 1919 die Ablehnung des Versailler Qkrtraged forderten; auch er wird nicht zu beweisen ver­

mögen, daß seine riskantere Politik vielleicht zum Erfolge hätte führen können. Er hinter­läßt Feinde und Bewunderer im öffentlichen Leben wenn er ihm in der Tat für die Dauer entsagt haben sollte.

llm die Nachfolge Schachts.

Wird Luther Reichsbankpräiidcnt?

Berlin, 10. März. (CAD.) In einer Füh­lungnahme zwischen den deutschen Mitgliedern des Generalrats der Reichsbank soll die Absicht vorgeherrscht haben, in erster Linie dem früheren Reichskanzler Dr. Luther den Posten des Reichsbankpräsidenten anzubie­ten. Allerdings sei von einigen Seiten das Be­denken geäußert worden, daß auch Dr. Luther gelegentlich Reigung verspüren könnte, über die Grenzen seines Amtes hinaus i n d i e Politik einzugreifen. An der Zustim­mung der ausländischen Generalratsmitglieder zu einer etwaigen Wahl Dr. Luthers werde nicht gezweifelt. Wie dieBerliner Montagspost" berichtet, sei die Kandidatur nunmehr als ge­sichert anzusehen. Dr. Luther sei im Einver­nehmen mit der Re ich sr egierung aufgestellt worden. Am gleichen Tage, an dem Dr. Schacht feinen Rücktritt ankündigte, habe der

Präsident der Berliner Handelskammer, Franz v. Mendelssohn, dem Reichskanzler Müller Dr. Lu­ther vorgeschlagen. Die Regierung habe keine Einwendungen gemacht und damit dürfte die Wahl Luthers am Dienstag gesichert sein. Die Bestätigung einer solchen Wahl durch den Reichs­präsidenten würde nicht Versagt werden.

Würden bei der Wahl die politischen Parteien ein Wort mitzureden haben, dann brauchte sich Dr. Luther allerdings keine allzu großen Hoff­nungen machen. Roch immer wird ihm von links her offene Feindschaft entgegengebracht, obwohl er in der Etabilisierungsperiode weitaus das meiste für die Ordnung der Reichsfinanzen und den Schuh der Mark getan hat. Zum Glück ist aber der Reichstag bei dieser Wahl vollkommen ausgeschaltet, so daß die Besetzung des Präsi­diums frei von politischen Einflüssen vor sich gehen wird. Da Luther auch im Aus­lande einen sehr guten Ruf besitzt und er die besonderen Eignungen mitbringt, die man von einem Aeichsbankpräsidenten angesichts der neuen Reparationslasten verlangen muß, darf man zu­versichtlich hoffen, daß auf ihn die Mehrheit der Stimmen entfallen wird. Einen besseren und befähigteren Mann als ßutfjer könnte man jeden­falls nicht an die Stelle Schachts treten lassen.