nicht ungewöhnlich, ebenso wenig wie die elektrischen Kronen in den Puppenstuben. Die modernen Bade- häuser enthalten außer allem, was sonst dazu gehört, sogar kleine Waagen. — Der nicht ungefährliche Spiritusherd w»cht allmählich dem elektrischen Kinderkochherd, der an die Netzleiiung angeschlossen werden kann, und der im einzelnen den großen elektrischen Kochherden gleicht.
Notruf von Stadt und Kreis Schotten.
Von Bürgermeister Menget, Schotten.
Dor uns liegt der Aufruf des Hessischen Gesamtministeriums vom 4. Dezember an das hessische Volk. Wir lesen: „Wir rechnen auf die werktätige, von Herzen kommende Mithilfe von Mensch zu Mensch. Verschließt Herzen und Hände nicht vor dem Massenelend. Helfe' jeder, der helfen kann, die Not seiner Dollsgenossen zu lindern." Diese Worte, so schön und wahr sie sind, haben eigenartige Gefühle bei uns im Vogelsberg und besonders in Schotten ausgelöst, da zu gleicher Zeit der hessische Innenminister die Auflösung des Kreises Schotten fordert und damit ungeheures Massenelend für eine ganze Stadt und die Bevölkerung des Vogelsberges heraufbeschwört. Eine traurige Weihnachtsbotschaft, die uns der Herr Innenminister verkündet, ein trostloser Ausblick in das kommende Schicksalsjahr 19311
Für uns in Schotten und im Vogelsberg gibt es gar keine Rechtfertigung für diesen Plan, keine Beschönigung, keine Vertröstung, keine anderweitige Entschädigung — mit der Aufhebung dä Kreises Schotten ist zugleich das Todesurteil über die Stadt Schotten ausgesprochen, zahllose Existenzen werden damit vernichtet, die Finanzwirtschaft der Stadt bricht völlig zusammen, neue Lasten werden auf die schwachen Schultern einer armen Vogelsberger Bevölkerung gelegt. Soviele Opfer Schotten auch schon dem Abbaa gebracht hat, auch zum letzten, der Hingabe des Kreises, wären wir bereit, wenn damit wirklich das Hessenland die geringste spürbare Erleichterung bekommen würde. Dem Gesamtwohl des Staates hat sich ja immer das Glück und Gedeihen einer Einzelgemeinde oder Einzelperson unterzuordnen. Aber die Regierung, der Landtag und der Herr Innenminister müssen wissen, daß die Aufhebung unseres Kreises keinerlei Ersparnis- mahnahme bedeutet, die sich irgendwie vom finanziellen Standpunkt aus rechtfertigen liehe, daß aber durch den Ruin einer Kreisstadt und durch neue wirtschaftliche Belastung der Bevölkerung der Staat selbst am meisten geschädigt wird. Mit der Verlegung des Krers- amts werden aus Schotten zwangsläufig eine Reihe weiterer Aemter verschwinden, zuletzt auch Finanzamt, Ortskrankenkasse, Sparkasse, höhere Schule, die nicht mehr lebensfähig bleiben werden. Lieber 100 Familien — 15 bis 20 Proz. der Bevölkerung mit einem Iahresumsatz von über einer halben Million werden Schotten verlassen. Häuser. Mietwohnungen stehen in Massen leer, die Amtsgebäude verfallen, deren Verwertung ist ausgeschlossen. Eine völlig neue Steuerveranlagung aller Steuerwerte, Grundbesitz, Einkommen muh erfolgen, die Steuerwerte sinken ungeheuer. Zahllose Geschäfte und Betriebe, viele Familien, Arbeiter, Vermieter verlieren chre Existenz, ein Massenelend kommt über eine Gemeinde, eine altehrwürdige Kreisstadt mit tausendjähriger Geschichte, vor der diese Maßnahme niemals verantwortet werden könnte. Wir sind uns im Vogelsberg und in Schotten alle über das furchtbare Schic^al fiar, das über uns kommen wird, darum überall verstörte Gesichter, Niedergeschlagenheit, verzweifelte Stimmung über die drohende Maßnahme, bei der das flache Land, ausgerechnet unsere ärmliche Vogelsbergbevölkerung, herhalten und die Kosten dieser Sparmahnahme
tragen soll. Lind dann ruft uns abends der Frankfurter Sender zu: „Landestheater Darmstadt — Großes Haus - Kleines Haus — Theater — Konzert - Lustspiel"--ein Hohn
aus einer andern Weltl
Der hessische Innenminister hat die Erklärung abgegeben, es seien auch „andere Gründe" für die Kreisauflösung bestimmend. Ein zum Tod Derurtellter hat doch wohl Anspruch darauf, die Gründe feiner Verurtellung zu erfahren. Wir dürfen doch wohl mit Recht bald die wahren Gründe, die zu unserem Kreisabbau führen, erfahren.
In der Reichsverfassung, dem Grundgesetz der Deutschen, finden sich die klaren, festen Gesetzesworte: „Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich. Die Ordnung des Wirtschaftslebens muh den Grundsätzen der Gerechtigkeit mit dem Ziel der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für Alle entsprechen. Das Eigentum wird von der Dersassung gewährleistet. Eine Enteignung kann nur zum Wohl der Allgemeinheit und auf gesetzlicher Grundlage vorgenommen werden. Sie erfolgt gegen angemessene Entschädigung."
Wir fragen: Sind wir Vogelsberger und Schottener Menschen minderen Rechts, herrenloses Gut, das man zwangsweise enteignen und aufteilen kann? Denn die K re i s a u f l ö s u n g bedeutet für uns mit all den ungeheuren, verheerenden Folgen nichts anderes als eine Zwangsenteignung. Darf eine demokra
tische Regierung an diesem obersten Grundgesetz achtlos Vorbeigehen? Lind darf ein solch vernichtendes Wort aus eurem Ministermund kommen: er sei bereit, die Kreisauslösung trotz aller Protestkundgebungen durchzuführen. Der Artikel 62 der Hessischen Staatsverfassung bestimmt: „Die Gemeinden werden in ihrem dermaligen Bestand gewährte i st e t." Darauf erheben auch wir Anspruch. Im Interesse von Reich und Staat haben wir auf deren VeranlassungAmts» gebäudeundBeamtenwohnungener- richtet. Auch sie werden leerstehen und verfallen. Ieder Privatmann, der nur einen Quadratmeter Boden im öffentlichen Interesse hergibt, wird angemessen entschädigt. Lind hier soll eine ganze Stadt und Tausend von Menschen geopfert werden!
Wir setzen noch Vertrauen in die o r d e n t - lichenGerichte und den Staatsgerichts- Hof, die wir gemäß Artikel 153 der Reichsverfassung anrufen werden, daß sie Staat und Kreis Schotten gegen diese diktatorischen Maßnahmen und deren verheerende Folgen schützen. Es gibt für Schotten keine anderweitige Entschädigung, keine andere Wahl, — mit der Auflösung des Kreifes stirbt es. Das wissen der Landtag und die Hessische Staatsregierung, und darum glauben und hoffen wir immer noch, daß beide nicht die Hand dazu reichen, unseren gewaltsamen Untergang herbeizuführen.
SJL-tfpoit
Kreuz und quer zu Pferd durch AeuWand.
Mit der Reiterstafette, die in mehreren Strecken durch ganz Deutschland über nicht weniger als 5000 Kilometer führt, wird das „Jahr des Pferdes" wirkungsvoll abgeschlossen. An den äußersten Landesgrenzen setzten sich am Samstag die Reiter mit den Botschaften an die entgegengesetzt wohnenden Stammesgenosien in Bewegung.
Der Stafettenarm Saarbrücken — Flensburg, der auch unser Gebiet berührte, startete am 6. Dezember 8 Uhr. Die Stadtverwaltung Saarbrücken begrüßte die ersten Reiter offiziell. Ebenso großer Empfang nach Erreichen der Pfalz in Zweibrücken. Die Pfälzer ritten wie der Teufel über die ganzen Höhenzüge
W W
■ V s,
Der Bürgermeister der Stadt Lörrach (Baden- übergibt die Urkunde an den Stafettenreiter.
der Pfalz hinweg. Nachdem Zweibrücken um 9.30 Uhr passiert war, erreichten die Reiter 17.30 Uhr Alzey in Rheinhessen. Aus der Gegend der Pfalz und aus dem Saargebiet gehen mehrere Botschaften nach Ostpreußen hinauf mit Mitteilungen der Stadt Saarbrücken an die Städte Lyck und Tilsit. Außerdem eine Botschaft der Stadt Zweibrücken an die beiden genannten ostpreußischen Städte, sowie eine längere Botschaft des Kreisverbandes ländlicher Reit- und Fahrvereine der Rheinpfalz und der Saarpfalz an den Provinzialverband ostpreußischer Reitervereine.
In Alzey gaben die hessischen Reiter dem IHelbe- reller ein Schreiben an die Stabt Tilsit mit. Seit 14 Uhr herrschte leichter Schneefall Die große Teilnahme der Bevölkerung wurde dadurch nicht beeinträchtigt. Die alte Stadt Worms wurde um 19.35 Uhr durchritten. In den Straßen begrüßten große Mengen der Bevölkerung die Reiter mit lautem Hurrah. Pünktlich 20 Uhr wurde die Stafette in Hofheim hinter Worms von den Reitern des Volksstaates Hessen übernommen und langte um 23.45 Uhr in Darmstadt an, wo sie von Vertretern der Stadt, der Reiteroereine und dem Ostprcußen- bund empfangen wurde. —
Es herrschte Schnee und Glatteis. Unsere Stadt Gießen sah den Reiter mit dem Stafettenstabe am Sonntag 3.52 Uhr. In Wetzlar passierten die Botschaften um 9.32 Uhr und wurden dort an die Reiter Hessen-Nasfau abgegeben. Ueberall Schnee und Glatteis. Punkt 12 Uhr war Limburg erreicht. Cs ging gegen den Rhein über Montabaur, nach Koblenz. wo wo die Meldungen etwas nach 16 Uhr anlangten. An der Rheinbrücke war großer Empfang; dann ging es durch die Rheinprovinz über Neuenahr, Euskirchen nach der Stadt Aachen und weiter über Iülich und Neuß, alles in der Nacht, aber ohne jede Unterbrechung in flottestem Tempo, so daß trotz aller Geländeschwierigkeiten, und der Finsternis, in der die einzelnen Reiter großartig ihren Weg fanden, Mettmann hinter Düsseldorf schon am Montag um 6.30 Uhr er« reicht war. Qln der Rheinisch-Westfälischen Grenze in der Nähe von Wülferath wurden die Bot* schäften programmgemäß am Montag unt 8 Uhr dem ersten westfälischen Reiter über« geben. Um 14.30 Uhr traf mit der Hauptstafette die Zubringer-Stafette vom Hermanns-Denkmal in Münster ein.
Lugendwanderung — Lugendspiele.
Eine begrüßenswerte Neuerung.
In diesem Iahre ist im Spielbetrieb der Iu- gend- und Schülermannschaften eine Neuerung eingeführt, und zwar die Wanderung mit anschließendem Spiel. Die einzelnen Mannschaften sollen mindestens einen Marsch von einer Stunde zurücklegen, um dann am gemeinsamen Treffpunkt ihre Kräfte in friedlichem Wettkampf zu messen. Die Schiedsrichter werden aus den Reihen der Iugendlichen und Schüler entnommen. Die Gaubehörde hat die Wandersonntage für die einzelnen Gruppen jeder Spielserie festgelegt Als Treffpunkt für die Schüler war am vergangenen Sonntag der Sportplatz an der Liebigshöhe bestimmt. Ab 12.30 Uhr trafen die auswärtigen Schülermannschaften pünktlich ein und wurden vom Platzverein mit Tee und Gebäck bewirtet. Im ersten Wettspiel standen sich die Schüler von Garbenteich und Wetzlar gegenüber, letztere waren nicht vollzählig und wurden durch Schüler von 1900 ergänzt. Die kleineren Wetzlarer waren den Garbenteichern nicht gewachsen und muhten sich mit 3:1 geschlagen bekennen. Dann traten Butzbach und Hermannstein zum Kampf an, die beide ein schönes, ausgeglichenes Spiel lieferten und sich mit einem Unentschieden trennten. Da die Schüler aus Nauborn nicht erschienen, konnte die Mannschaft der Spielvereinigung 1900 ihr Können nicht zeigen. Nach den Wettspielen sprach der Iugend- (eiter des Platzvereins im Namen der Gau- jugendleitung den Mannschaften für ihr gutes
Der Dreizehnte.
Vornan von Anny von panhnys.
Copyright 1929 by Verlag Bechthold Braunlchwetg 23 Fortsetzung Nachdruck verboten
Sie benetzte ihre Lippen mit einem Schluck Sekt und erzählte dann: „Vor ungefähr einem Iahre, an einem kalten Winterabend, Vater wollte gerade den Laden schließen, kam eine allere Dame. Nein, um die Betreffende mehr zu charakterisieren, muß ich sagen, eine ältere grau. Denn sie sah sehr einfach aus. Sie war Ausländerin, sprach aber ziemlich gut holländisch. Sie brachte dis Brillanten mit dem blauen Schimmer, um sie zu versetzen. Vater untersuchte die Steine genau und war verdutzt, well sie einen riesigen Wert repräsentierten, der gar nicht im Verhältnis zum Reicheren der Versetzerin stand. Vater erklärte, er wurde die Steine kaufen, unt) bot ihr zwanzigtausend Gulden. Aber die Frau ging nicht darauf ein. Auch nicht auf dreißig. Die wollte sie nur mit ein paar tausend Gulden beliehen haben. Und als Vater immer mehr in sie drang, erwiderte sie fast ärgerlich, die Steine wären unverkäuflich, selbst für Millionen. Vater lachte und meinte, für die Millionen würde sie bi» Brillanten bestimmt verkaufen, aber Millionen hätte er auch nicht zur Verfügung. Das Wort Verkauf schien sie schon aufzuregen, sie meinte noch ärgerlicher: Ich brauche aber nur viertausend Gulden, in einem Iahre hole ich mir die Steine wieder ab und zahle Ihnen Ihr Geld mit Zinsen zurück.
Datei sagte: Ich darf aber wohl die Steine einem befreundeten Iuwelier zeigen? Da ist sie so erschrocken, daß sie taumelte. Niemand dürfen Sie die Steine zeigen, schrie sie den Vater an, keinem Menschen. Vater sagte, sie hätte dabei ausgesehen, wie das verkörperte schlechte Gewissen. Vater beruhigte sie. Es interessierte ihn gar nicht, was ihre Steine für eine Geschichte hätten, weil sie so überängstlich wäre, jemand könne vielleicht einen Blick darauf Wersen. Sie dürfe sicher sein, es bekäme sie niemand zu sehen, und er hebe sie ihr gut auf. Da war sie denn auch ganz ruhig, nahm die gewünschten viertausend Gulden, und als Vater ihren Namen erbat, gab sie einen Namen an und eine Adresse, die Vater aufschrieb. Er gab ihr bann einen Schein, und da fragte sie, was geschähe, wenn sie den Schein verlöre? Er meinte, erstens hätte er ein gutes Gedächtnis, und zweitens brauche sie ihm nur ihren Namen und ihre Adresse wieder zu nennen, dann erhielte sie ihr Pfand zurück. Die Antwort stellte |te zu
frieden. Seltsamerweise sah Vater, der ihr unwillkürlich nachblickte, ohne daß sie es merkte, wie sie den Pfandschein zerriß, nachdem sie sich kaum einige Schritte vom Haus entfernt hatte. Er wartete, bis sie sich ein Stückchen entfernt hatte, bann ging er dorthin, wo die Papierfetzen lagen, und hob sie auf. Richtig, es war der Pfandschein! Wir zerbrachen uns den Kops, toarum die Frau das getan und kamen zu dem Ergebnis, die Steine mußten aus irgendeinem Diebstahl stammen. Sonst hätte sie auch nicht so tolle Angst haben brauchen, Vater könnte die Steine jemand zeigen. Sie hatte also auch Wohl Angst, der Pfandschein könnte jemand in die Hände fallen. Im Lause des Icchres wurde Vater immer rabiater nach diesen beiden Brillanten, und schließlich heckten wir einen Plan aus. Vater war der Meinung, die Frau, die zweifellos ein schlechtes Gewissen hatte, wurde niemals den Mut aufbringen, die Brillanten zu verkaufen, und ob sie echte ober falsche aufhob, war ja gleich.
Er verschaffte sich in Paris eine prachtvolle Imitation der Brillanten, verwahrte sie dort, wo er bie echten verwahrt, und Pieter van Mühlen und ich versuchten in Berlin die Steine zu verkaufen, was mir auch glänzend gelang. Für alle Fälle taten wir in der Pension Lotos so, als ob wir einander nicht kannten. Ich meine Pieter van Wühlen und ich."
Nach kurzer Pause fuhr sie fort: „Vater hat das Geschäft schon seit längerer Zeit satt. Wir wollten nun in Kürze nach Florida, wo wir Verwandte besitzen. Spurlos verschwinden wollten wir, und falls bie Frau noch vorher ihr Pfanb forderte, sollte sie die Ersatzsteine erhalten. Wenn sie bann später bahinter käme, baß sie betrogen wurde, konnte sie uns lange suchen. Lind, wie gesagt, vor Skandal mit ihr fürchteten wir uns nicht, well ihr Benehmen uns nur zu klar erkennen lieh, sie war nicht auf einwandfreie Weise in den Besitz der Steine gelangt. Ich muß noch hinzufügen, bie Straße, die von der Frau, sie nannte sich Kerstens, angegeben wurde, existiert gar nicht in Amsterdam."
Primo Duero hatte die Monttrossi durch keine Frage und keinen Einwurf unterbrochen. Nun sann er, ob er bas, was er gehört, auch glauben bürste. Es schien wahr zu sein, dennoch empfand er Mißtrauen.
Pieter van Mühlen sagte in seinem schlechten Iargon-Franzosisch: „Sie zweifeln bie Erklärung ber Prinzessin an, nicht wahr? Bestimmt wären Sie auch von ihr angelogen worben, wenn es sich nicht um eine Morbsache hanbelte. Mil so etwas will man nichts zu tun haben, da ist man lieber wahr."
Es klang aufrichtig und überzeugend.
Nach einigem Nachdenken fragte Primo SXiero:
„Glauben Sie denn, daß bie Frau wieberkommen wird, um die Steine einzulösen?"
Die Monttrossi nickte: „Das glaube ich sicher. Vater meint, wenn sie bie paar tausend Gulden nicht ganz ungewöhnlich nötig gebraucht hätte, würde sie die Steine überhaupt nicht weggegeben haben. Ihre Angst, jemand könne sie sehen, ist dafür bezeichnend."
„Lind wann ist die Einlösungsfrist abgelaufen?“ fragte er weiter.
„Lim bie Weihnachtszeit", gab bie Monttrossi zurück. „Dicht vor Weihnachten im vorigen Iahr brachte sie die Steine.“
Primo Duero fuhr sich über bie Stirn. Die ©ebanien bahinter waren wie Schmerzen. Es war so seltsam, durchzuckte es ihn, daß er hier mit diesem zum mindesten anrüchigen Paare saß und durch sie die Spuren des Mörders zu finden hoffte.
Er erklärte: „Ich möchte natürlich bie Frau sehen und sprechen, aber ich habe auch zu Hause zu tun. Ich werbe mich wohl polizeilicher Hilfe versichern müssen."
Die Monttrossi sagte ganz demütig und bütenb: „Können Sie bie Polizei nicht wenigstens vorläufig aus dem Spiele lassen, bis die Frau gekommen ist? Dann sieht doch alles für uns ganz anders aus. Lind die Frau läßt die wertvollen Steine sicher nicht im Stich. Ietzt wird man uns wahrscheinlich überhaupt keinen Glauben schenken, und es ist doch kein Vergnügen, allzu dicht in eine Mordafsäre verwickelt zu werden. Lassen Sie uns, ich meine Vater und mich, von Privatdetektiven überwachen, wenn Sie uns nicht trauen, damit Sie unserer sicher sind. Ich verspreche Ihnen dagegen bestimmt, ich depeschiere Ihnen sofort, sobald die Frau unseren Laden betreten hat und halte sie bei uns mit Gew all zurück, bis Sie eintreffen, und wenn es wochenlang bauert Dann aber rufe ich auf Ihren Wunsch selbst bie Polizei, bann bekenne ich bie Wahrheit genau so, wie ich Sie Ihnen bekannte. 2ll>er bie Person muß erst zur Stelle sein, von der wir bie Steine erhielten."
Primo Duero erwiderte: „Ich werde Ihren Wunsch erfüllen. Nicht Ihretwegen, denn Die verdienen keine Rücksicht, aber weil ich glaube, bah, sobalb biefe Frau toieber austaucht, bie Spur des Mörders leichter zu finden sein wird. Ich lasse also das Geschäft Ihres Vaters und Sie beobachten, damit Sie beide keinen Fluchtversuch machen. Ist das Weihnachtsfest vorbei und ich habe noch keine Depesche von Ihnen, komme ich, tun Ihre Verhaftung zu bewirken."
Die Monttrossi seufzte.
„Ich bin nicht fromm, bie Gebete, die ich einmal olls Kinb gekannt, habe ich längst vergessen, aber ich werbe täglich beten, baß die Frau wieberkvmmt, damll man uns nicht etwa noch direkt mit dem Word in Verbindung bringt“
Primo Duero notierte seine Adressen, schärfte ben beiden noch ein, wenn bie Frau käme, nicht zu sagen, weshalb man sie festhielt, und seinen Namen nicht zu erwähnen, sondern seine Ankunft abzuwarten.
Das Paar beteuerte, was er wollte, und so ging er denn. Sein Weg führte ihn zufällig an einem Detektivbureau vorbei. Er betrat es undf gab ben Auftrag, ben Laden von Nicolaas Sneel beobachten zu lassen. Sollten sich Anzeichen dafür zeigen, daß der Inhaber des Geschäftes oder seine Tochter an eine Abreise dächten, bitte ei um telegraphische Nachricht und sofortige Verfolgung.
Da er gut vorausbezahlte, ward ihm prompt« Erfüllung seiner Wünsche zugesichert
Noch am gleichen Abend reifte er ab uu8 während ber Fahrt sann er immer toieber, ob er nicht hoch fTüger bie Polizei gleich von allem in Kenntnis gesetzt hätte.
Aber nun muhte er abtoarten, wie sich bil dunkle Sache weiter entwickelte. Dann erst wollte er Schritte tun, die EH^üH?_Wieder in seinen Besitz zu bringen.
Lind bann schob eifM|W®anlen an ben Mord und die blauen völlig zurück und
dachte nur noch
Wie er sie liebtc.^äK' er sich darauf freute, sie halb sein nennen M Dürfen.
Das hätte er auch rlicht gedacht, als er feine Reise von Barcelona nach Deutschland antrat, daß er bald Hochzeit halten würde mit Eva Hirtberg. Nie hatte er Montserrat so liebgehabt wie das blonde deutsche Mädchen, bad wußte er jetzt bestimmt.
17.
Am Abenb nach Primo Dueros Abreise erwartete Hans Felsen Eva am Bahnhof ber kleinen Heimatstadt. Er grüßte und sagte etwas erregt: „Du mußt mir gestatten, dich zu begleiten, unterwegs werden wir uns aussprechen."
Eva dachte beklommen, sie wäre viel lieber allein gegangen, um ungestört ihren Zukunftsträumen nachzuhängen. Aber eine Aussprache zwischen Hans Felsen und ifjr war wohl nötig, sie kam nicht darum herum.
Sie erwiderte gequält: „Also, HanS, waS haben Wir uns nach deiner Ansicht noch zu sagen?"
„Das mühtest du doch selbst wissen, Eva. Ich lasse mich nicht beiseiteschieben. Die Liebe zu dem Spanier bildest du dir nur ein, eigentlich hast du mich lieb. Deshalb sei Dernünftig. Ich will auch alles vergessen, alles."
Sein Ton war sehr bittend.
Eva dachte an Primo Duero, und sie ent-# gegncte ernst: „Ich habe ben anderen lieb und er hat es mir nun auch gesagt, bah ich seine Frau werben soll. Wollen nicht mehr davon reden und uns aufregen, ich kann nicht anders handeln.^
(Fortsetzung folgt)


