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Aus der provlnzialhauptstadi.

Gießen, den 7. Juli 1930.

Oorsbuben am Bach.

3n einem Dorf der Wetterau war es. Ich kam vom Bahnhof, der mitten im Felde liegt, ohne irgendwelchen schattengebenden Baum, und dachte an das bekannte Wort: Ein schlechter Winter gibt einen schlechten Sommer. Bei 32 Grad Hitze im Schatten stellte ich stillschweigend fest, daß nicht alle Wetterregeln stimmen und suchte seufzend nach einem kühlen Plätzchen. Da drüben lockten Erlen und Weiden zu kurzer Bast. An einem steilen Abhang, an dem ein Pfädchen vorüberführte, fand ich auch einen rei­zenden Buheort. Linier mir plätscherte der Bach, in der Ferne klingelte die Kleinbahn, am Him­mel zogen weihe Wölkchen, der Duft des Heues schläferte ein...

Geschrei und Kinderlachen weckten mich. Ich ging den Stimmen nach, dem Dorf zu, und kam bald an eine Stelle, wo eine Furt das Wasser in behaglicher Breite langsam dahinfliehen lieh. Hier war das Paradies der Dorfbuben. Iy der Stadt haben wir Badeanstalten, Gelegenheit für Lust- und Sonnenbäder. Das alles hatten die kleinen Kerlchen hier in wunderbarer Mischung. Sie hatten aber auch zugleich Schlamm- und Moorbäder; denn auf beiden Seiten des Daches hatten sich im Lause der Wochen Sand und schwarzer Schlamm in großer Menge angesam- melt. Die Buben hatten säst alle nur noch ihre Höschen an, schon kurz genug, aber noch beson­ders sorgfältig in die Höhe gekrempelt. Einige trugen stolz eine Badehose. Die Kleinsten wa­ren so, wie sie auf die Welt gekommen waren.

Schwimmen konnten sie hier nicht gut, dazu war der Dach zu seicht. Aber als ich zu der lustigen Schar trat, waren sie gerade dabei, ein Schwimmbecken einzurichten. Ich war froh, daß ich Zeit hatte; denn hier zu stehen und zu schauen, mit welchem Eifer und mit welcher Ge­schäftigkeit unsere Dorfjugend schaffte, das war geradezu ein Genuß. Die Kleinen muhten auf den nahen Wiesen Heu holen, es gab ja genug! Die Gröheren vermischten es dann mit Schlamm und Erde und schufen so eine feste, das Wasser stauende Wand. Manchmal drückte sich das Wasser doch wieder an irgendeiner Stelle durch, dann wurde von neuem gebaut und Schlamm und Heu gemischt, bis das Wasser zusehends stieg.

Daß das alles nicht stillschweigend vor sich ging, versteht sich. Don mir nahmen sie über­haupt kaum Botiz, so vertieft waren sie in ihre Arbeit. (Ob sie ihre Rechenaufgaben auch mit diesem Hiser gemacht hatten, bzw. am Abend noch machten?)

Das Wasser stieg. Aber unermüdlich wurde der Staudamm erhöht, und schon reichte den Kleinsten das Wasser bis an die Drust. Sie versuchten zu schwimmen, platschten wie junge Hunde, fauchten wie böse Katzen und spuckten das trübe Wasser, das m ihre Mäulchen kam, schreiend und lachend aus. Das Wasser war durch die Tätigkeit der Jugend mit Schlamm und Sand nicht gerade einladend. Das sah auch der Wortführer und befahl, daß alle nun her­aus muhten, damit sichder Dreck setzen könne". Die Schar gehorchte, sah auf dem grünen Ra­sen, schlug Purzelbäume, spritzte sich mit Wasser und vertrieb sich so die Zeit. Für den Damm, die Kinder nannten ihnSchotz" (wohl mit Schuh zu übersetzen) wurde ein besonderer Wäch­ter eingesetzt, der achtgeben muhte, dah er nicht brach, und daß auf der linken Seite das über­schüssige Wasser abflichen konnte.

Rach kurzer Zeit wurde das Daden erlaubt. Leider dauerte die Herrlichkeit nicht lange, da die vielen Fühchen wieder von neuem Schlamm auswirbelten. Auch hatte einer bei seinen Schwimmübungen zu heftig an denSchotz" ge­treten, dah dieser brach und das Wasser durch­strömen konnte. Reuer Lärm, neue Arbeit! Aber unverdrossen taten alle ihre Pflicht...

Glückliche Jugend, du weiht nicht, wie gut du es noch hast!

Als ich am späten Rachmittag mit dem Dähn- chen zurückfuhr, hörte ich noch das Schreien und Lachen vom Wasser her. Offenbar wurden die Schulaufgaben doch erst beim Lampenlicht trotz der langen Tage! gemacht. Lind wenn sie nicht so ausfielen, wie von der Schule ge­wünscht wird, so werden die Lehrer wohl ein Auge zudrückcn; denn sie wissen auch, daß Dolks- gesundheit vorgeht W.

Daten für Dienstag, 8. Juli.

Sonnenaufgang 3.52 Uhr, Sonnenuntergang 20.17 Uhr. Mondaufgang 19.06 Uhr, Monduntergang 1.16 Uhr.

1621: der Fabeldichter Jean de Lafontaine in Chateau-Thierry geboren; 1836: der Staatsmann Joseph Chamberlain in Camberwell geboren; 1838: Ferdinand Graf von Zeppelin in Konstanz geboren; 1839: der amerikanische Großindustrielle John Davison Rockefeller geboren; 1855: der Polarforscher Sir William Edward Parry in Ems gestorben.

Bornotizerr.

Tageskalender für Montag: F. G. F.: 4. Hauptübung, 20.15 Llhr. Licht­spielhaus. Bahnhofstraße: »Zigeunerrache" mit Dolores del Rio und »Tempi".

Stadttheater Gießen. Man schreibt uns:Der Herr mit dem Fragezeichen" von Möller und Lorenz wird am Dienstag in Gießen erstmalig als südwestdeutsche Erstaufführung gegeben. Die Regie hat Peter Fassott. Den Herrn mit dem Fragezeichen gibt Hanns Tannert, der uns da­mit einer, vergnügten Abend bereiten wird. Beginn der Vorstellung um 20 Uhr.

LU. Von der Landesuniversität. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird mit­geteilt: Der ordentliche Professor für Alte Geschichte nn unserer Universität Dr. Richard L a q u e u r hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Tü­bingen zum 1. Oktober 1930 angenommen.

"Bonder Dolksnationalen Reichs- vereinigung. Wie uns mitgeteilt wurde, ist auf der Sitzung der Kreisvertreter des Wahl­kreises 33 in Frankfurt a M Studienrat Wil­helm Schmidt, Giehen, einstimmig zum Vor­sitzenden des Wahlkreises 33 gewählt worden. Ruf der Sitzung der Kreisvertreter des Wa^° kreises 19 in Gießen wurde von den Kreisver­tretern Lehrer Emil Trebing, Kassel, zum Vorsitzenden gewählt. Anschließend an die Wahl der Wahlkreisvorsitzenden fand die Wahl des Wahlkreisverbandsvorsitzenden statt, die eben-

Schiffenberg -Jubiläumsfeier.

Erster Tag.

Das Schiffenberg-Fest nahm am Sams­tagabend feinen Anfang mit der Enthüllung der Gedenktafel für Wilhelm Heinrich Riehl, die folgenden Wortlaut hat:

Wilhelm Heinrich Riehl, der unseres Volkes Art aus ihrem Werden gedeutet und beschrieben hat, wohnte hier als Gießener Student im Sommer 1843 und 1844.

Diese Feier wurde durch einen Choral der Ka­pelle Weller eingeleitet. Anschließend daran hielt Dr. W a l b r a ch den Festvortraa. Gr gab zunächst einen kurzen Abriß von Riehls Lebens­gang, um dann an Hand seines Gesamtwerkes auf Art und Wesen Riehls einzugehen. Ein knapper Abschnitt aus seinerDeutschen Arbeit" führte in die Arbeits- und liebenswürdige Schreibweise des als Denker, Schriftsteller und Dichter in gleicher Weise originellen Mannes ein. Seinen eigentlichen Lebensberuf sah er darin, »die ganze deutsche Ration zu erforschen und nach dem Leben zu malen". Seine Gedanken über die Entwicklung unseres Volkes, das er mit tiefer Liebe uirnfahte, legte Riehl in sozial­politischen und kulturgeschichtlichen Schriften, aber auch in seinen vielen kulturhistorischen Rovellen nieder. Seine Bedeutung für die Gegenwart beruht heute vornehmlich darauf, dah man ihn neben seiner kulturgeschichtlichen Tätigkeit.oder besser: im Zusammenhang damit den Be­gründer der Deutschen Volkskunde im Sinne von Dolksseelen-Kunde nennen darf. Aber auch als Persönlichkeit ist Riehl fortlebend: als akademischer Lehrer, als der Mann, der den wissenschaftlichen Wandervortrag in Deutschland eingeführt hat, als Gelehrter, der in jedem von ihm gepflegten Fach selbständige und bedeutende Gedanken gehabt hat, und nicht zuletzt als Er­zähler, dessen Rovellen auch heute noch über dem Durchschnitt der literarischen Tagesproduk­tion stehen. Er war als Mensch für alles Große, Gute und Schöne empfänglich und hat in wahr­haft vorbildlicher Weise unser Volk geliebt; diese Liebe drückt nichts besser und eindeutiger aus als sein Losungswort für alle volkstümliche Wirk­samkeit: Für das Volk ist nur das Beste gut genug.

Rach dem Vortrag begrüßte der Vorsitzende der Heimatvereinigung Schiffenberg, Forstrat Ricolaus, die Anwesenden und gab einen kurzen lleberblick über die Entstehungsgeschichte der Riehl-Tafel. Die Anregung dazu ging aus der Heimatvereinigung hervor, die Durchfüh­rung deS Planes wurde durch die Llnterstützung desOberhessischenGeschichtsvereins und der Hessischen Vereinigung für Volkskunde ermöglicht. Beide Vereine ha­ben aus geschichtlichen und volkskundlichen Gründen ein selbstverständliches Interesse an dieser Ehrung Riehls. Forstrat ÄicvlauS lieh nun die Tafel enthüllen und übergab sie dem Schuh des Staates. Oberbaurat Bert übernahm die Tafel als zuständiger Beamter.

Dann ergriff Prof. Rauch im Ramen des Rektors und der Universität das Wort und führte aus, die Universität habe sich gern bereit gefunden, bei dieser Enthüllung vertreten zu sein. Riehl, aus dem stammverwandten Rassau stammend, habe doch bei seinem zweiten Gieße­ner Aufenthalt sich auf seinen künftigen Beruf als Sozialpolitiker und Kulturhistoriker vorbe­reitet. Die Llniversität ehre sich selber, wenn sie diesen später so bedeutsamen Angehörigen ehre.

Den Schluß des Festaktes bildete die erste Strophe des schonen VolksliedesIch hab' mich ergeben", dessen Inhalt so ganz zu dein Wesen des Gefeierten paßt.

Bei dem sich anschließenden Kommers, der be­sonders von der Bevölkerung der umliegenden Dörfer gut besucht war, wetteiferten eine An­zahl Vereine, ihn durch Darbietungen verschie­dener Art auszuschmücken; so z. D. der Gicche- ner Orchester-Verein, die Gesangvereine Hau­sen und Watzenborn, der Turnverein Hausen 1864, der Sportverein Garbenteich 1928 u. a. Forstrat Ricolaus begrüßte die Erschienenen und dankte ihnen allen. Heimatliebe, nicht allein die geschichtlichen Tatsachen, hätten zur Veran­staltung des Festes geführt. Heimatliebe aber sei der Boden, auf dem die Vaterlandsliebe erwachse.

Eine Darbietung folgte der anderen und das bis in die mitternächtliche Stunde dauernde fröh­liche Treiben gab einen Vorgeschmack des hei­matlichen Volksfestes, als das die 800-Iahrfeier am Sonntag beschlossen wurde.

Zweiter Tag.

Zur Hauptfeier am Sonntagnachmittag hatte sich eine riesige Menschenmenge, die von allen Seiten, aus Gießen und aus der Llmgegend teils zu Fuß, teils mit Autos, Wagen und Rädern herbeigeströmt war, im geräumigen Hofe des Schiffenbergs versammelt. Pünktlich um 15 Llhr wurde die H a u p t f e ie r mit einem wuchtigen MassenchorWo gen Himmel Eichen ragen der vereinigten Gießener Gesang­vereine unter Leitung des Ehrenchormeisters Otto G 0 r l a ch eröffnet. Anschließend hieß Forstrat Ricolaus die zahlreichen Gäste, insbesondere die Vertreter der staatlichen und städtischen Be­hörden willkommen; er dankte allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben, er pries das Heimatgefühl, in dem man sich hier ver­einigt habe, und gedachte auch der in diesen Tagen befreiten Rheinlande. Rarnens der hessi­schen Regierung entbot Landesforstmeister Hesse

der Heimatvereinigung Schiffenberg Dank und Gruß und gedachte in seiner Ansprache mit rühmenden Worten der vielen Schönheiten der engeren Heimat, insbesondere des Lahntales und des Schiffenbergs, dem diese Feier vor allem gelte. Im Ramen der Stadt Gießen überbrachte Beigeordneter Dr. Hamm festliche Grüße; er schilderte, ohne auf die bewegte Vergangenheit des historischen Ortes näher einzugehen, den Gegenwartswert des Schifsknberges als einer Derbindungsstätte zwischen Stadt und Land und schloß mit einem Treuegelöbnis der Gießener zum alten Schiffenberg. Hieraus folgte wieder ein Massenchor der vereinigten Giehener Gesang- vereine, die unter Leitung von Ehrenchormeister G ö r l a ch das LiedWer hat dich du schöner Wald" klangschön und von reichem Beifall be­lohnt zum Vortrag brachten.

Danach kündeten Fanfarenstöhe den Beginn des Schiff enbergf estspieles an; das Spiel gliedert sich in zwei Teile; der erste, die alte Zeit behandelnd, ist von Oberspielleiter Hans Tannert vom Stadttheater, der zweite, die neue Zeit schildernd, von Georg Heß, Leih­gestern, verfaßt und in Szene gesetzt. Die Chöre sang der Bauersche Gesangverein, die musikalische Leitung hatte Hermann Weller inne. In den solistischen Sprechrollen wirkten vom Ensemble des Gießener Stadttheaters Hans Ha es er (Heerrufer), Friedrich Zingel (Die alte Zeit) und Ingeborg Scherer (Die neue Zeit") mit. Hm es vorwegzunehmen: das Spiel ist in allen Teilen überaus geschickt und stimmungsvoll zu­sammengestellt; es brachte in schnellem Wechsel und malerisch bewegten, bunten Bildern, von Musik und erläuternden Begleitversen umrahmt und durchbrochen, eine wahrhaft volkstümliche, abwechslungsreiche, belehrende und unterhaltende Freilichtchronik, ein kleines revueartig vorüber­ziehendes Welttheater in heimatlichem Rahmen auf die ganz einfache, von hohen Bäumen be­grenzte Dergbühne. Eine mächtige Zuschauer­menge folgte mit reger Aufmerksamkeit den Szenen und lebenden Bildern und spendete herz­lichen Beifall, den sich die beiden Verfasser und sämtliche Mitwirkende in reichem Maße ver­dient haben.

Die Bildgruppen des ersten Teiles wurden gestellt von Mitgliedern Gießener Turn- und Sportvereine und schilderten in großen Zügen, chronologisch aneinandergereiht, die Entwicklung der Kultur rings um den Schiffenberg. Die einzelnen Bilder wurden von den Worten des Heerrufers (Haeser) und derAlten Zeit" (Zin­gel), in hübsche, fliehende Verse gefaßt, erläu­tert und von Kapelle und Chören auf und hin­ter der Szene untermalt. Die Dilderfolge be­gann in germanischer Zeit, mit einem Opferfest unserer Altvordern, schilderte den Römerein­fall (sehr lustig nach der Melodie eines berühm­ten Kommersbuchliedes mit dem sinnigen Re­frainHammhamm, hammhamm, hammhamm- erdichemol an beim verrissene Karnmikammisol") bann die Völkerwanderung, die Verkündung des Christentums durch Bonifatius, den Aufzug der Heerschilde, die Stiftung des Klosters 1129 durch die Gräfin Clementia von Gleiberg, seine Auf­hebung 1323 durch Balduin von Trier, den Ein­zug der Deutschordensritter und endete mit einem Emtezug, als Symbol der blühenden Ordens­kommende, dargestellt von einer Garbenteicher Trachtengruppe, die mit ihren anmutigen, exakt vorgeführten Tänzen starken Beifall fand.

Die Gruppen des zweiten Teils von Georg Heß, Leihgestern, mit echtem Heimat sinn, mit Freude an hessischer Tracht und hessischem Volks­leben ausgestaltet, schildern in Wort und Bild beweglich die neue Zeit, wie sie sich heute um den Schisfenberg herum darstellt. Hier sprach die verbindenden Worte Ingeborg Scherer, die hoch zu Roh auf der Bühne erschien und den Reigen der Darsteller antünbigte. Nachdem die Vertreter der neuen Zeit, des technischen Jahr­hunderts, vorübergezogen waren, fanden vor allem die Trachtengruppen aus Annerod, Grü- ningen, Klein-Linden, Leihgestern und Wahen- bom-Steinberg, die in ihren farbenfreudigen Kostümen ein prächtiges Bild boten, mit Hütten­berger Volkstänzen und Volksliedern viel freund­lichen Beifall. Sehr hübsch war auch der Wan­derreigen von Schulklassen aus Leihgestern und Watzenborn-Steinberg und der Volkstanz einer Gießener Iugendwandergruppe. Den Beschluß machten der Turnverein 1864 Hausen und der Gesangverein Germania Watzenborn, die mit ihren turnerischen und musikalischen Darbietun­gen das Publikum erfreuten. Auch im zweiten Teil des Spieles ernteten alle Mitwirkenden verdientermaßen reichen Beifall; zuletzt wurden die Verfasser, Tannert und Heß, lebhaft gerufen und durften den Dank der großen Zu­schauermenge entgegennehmen.

Damit war das Festspiel beendet, der Himmel hatte ein Einsehen gehabt, drohende Wolken verzogen sich, und bald strahlte wieder ein heller Sommerhimmel über dem bunten Bilde des Volksfestes, das sich nun zwanglos entwickelte, mit Tanz im Freien und einem Preisschiehen unter Leitung der Giehener Schühengesellschaft 1926, und das mit einem Zapfenstreich um 22.30 Llhr fein offizielles Ende fand.

So wurde das Schisfenberg-Iubiläum mit einem echten und rechten Volks- und Heimat­fest begangen, mit dessen Verlauf die Veranstal­ter und alle an der Aufführung Beteiligten wohl zufrieden sein können, bei dem die Besucher auf ihre Kosten gekommen sind, und das männiglich noch lange eine freundliche Erinnerung bleiben wird.

falls durch die Kreisvertreter vorgenommen wurde. Als Vorsitzender des Wahlkreisverban­des 10 wurde Hauptmann a. D. Stoehner, Arolsen, gewählt.

" Personalie. Ernannt wurde am 16.Juni der Gendarmeriehauptwachtmeister auf Probe Oltbert Bauer zu Butzbach zum Genbarmerie- hauptwachtmeister mit Wirkung vom 1. Juni ab.

** Diebstähle. Das hessische Polizeiamt teilt mit: Gestohlen würben: Anfang Juni von einem Rcker auf bem Gelände der »Schönen Aussicht, Grundstück »Hinter dem Weiher", ein Einspän- nerwendepflug Modell Mayfarth Frank'urt a.M., am 19. Juni aus einem Auto drei Landkarten, eine kleine braune Lebertasche mit Seife, Hand­bürste und Handtuch, am 21. Juni aus der Müllerschen Badeanstalt an der Lahn 15,80 Mark Bargeld und eine goldene Damenarmbanduhr mit Ripsband im Werte von 70 Mark, in bet

Rächt zum 22. Juni in Klein-Linden»von einem Vereinsschießsland ein Telephonapparat, 70 Me­ter Kupferdraht und zwei Ringscheiben, am 24. 3uni von einem in der Iohannesstrahe auf- gestellten Adler-Personenkraftwagen die Kühler­schraube, ein grüngestrichener zweirädiger Hand­karren und ein Mülleimer mit der Rümmer 5501. Ferner folgende beschriebene Fahrräder: Damen­rad Marke »Presto", schwarzer Rahmen, schwarze Felgen, gewöhnliche Lenkstange, neue Bereifung und neue schwarze Schutzbleche. Herrenrad Marke »Kuxmann, Fabriknummer B 1798, schwarzer Rahmen, gelbe Felgen, deutscher Lenker, gelber Sattel, gelbe Satteltasche. Der Rahmen ist an einer Seite etwas abgescheuert. Herrenrad, Marke »Triumph", Fabriknummer 378 908, schwarzer Rahmen, schwarze Felgen und gewöhn­liche Lenkstange. Herrenrad, MarkeGöricke", Fabriknummer unbekannt, schwarze Rahmen,

schwarze Felgen mit grünen Streifen, neue graue Bereifung, gewöhnliche Lenkstange und Freuauf. Herrenrad Marke .Viktoria-Ideal", Sabril mim* mer unbekannt, schwarzer Rahmen, schwarze Fel­gen mit verwischten roten Streifen, gewöhnliche Lenkstange, die Gummigriffe sind mit Draht umwickelt, beschädigte Bereifung. Herrenrad, Marke »R. S. LI. Pfeil", Fabriknummer unbe- kannt, schwarzer Rahmen, schwarze Felgen, ge­wöhnliche Lentstange, auf dem Rahmen goldener Eichenkran- mit der Zahl 25, an der Hintergabel Steckschloß, die Handbremse ist verrostet, Gummi­pedale.

" Fundsachen. Das Hessische Polizeiamt teilt mit: Das Verzeichnis über die im Monat Juni gefundenen bzw. ab gelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizei- amtS Landgraf-PhilippS-Plah 1, eingesehen wer­den. Die Empfangsberechtigten werden ausgesor- dert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Mo­naten beim Fundbureau während der Dienst- stunden geltend zu machen.

** Schü tz t eure Tiere vor den Stech­fliegen und Bremsen! Infolge der hoch­sommerlichen Witterung haben sich Fliegen und Bremsen in einer Weise vermehrt, daß besonders in den Diebställen oft ganze Schwärme die HauSttere belästigen. Das Vieh findet keine Ruhe

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Roggenbrot ist gesünder als Weizenbrot!

vor den Plagegeistern. Hier ist eS Pflicht der Besitzer Dekämpfungsmittel anzuwenden. Wäh­rend die eingespannten HauSttere durch die Zug­luft im Freien, auch durch Bedecken durch sog. Fliegenschützer wenigstens einigen Schutz vor die­sen üblen Verfolgern haben, sind die Stalltiere den Belästigungen meist wehrlos preisgegeben. Deshalb sorgt man für Zuglust, hängt genügend Fliegenfänger auf, bestreicht öfters die Fesseln. Unterleib, Kopf teile der Tiere mit starkriechen­den Oelen, die von den Stechmücken verschmäht werden. Sehr bewährt hat sich das sog. »Fran­zosenöl, das die Plagegeister schon von wei­tem meiden. Wer Decken und Wände der Ställe übertünchen will, setze grüne Farbe und Alaun au, das man in jeder Apotheke erhalten kann; beide vertreiben die Fliegen. Erfahrungsgemäß sind es gerade die Schweine, die sich infolge ihres kurzen Schwanzes kaum wehren können. Bei ihnen genügt es schon, die Borsten mit gewöhnlichem Schuhfett leicht einzureiben. Die besprochenen Bttämpfungsarbeiten verursachen kaum nennenswerte Mühe, den Tieren wird aber eine große Wohltat damit erwiesen.

Paratyphus in Darmstadt.

Bisher drei Tote.

WSN. Darmstadt, 6.Juli. Im Elisabethen- stift find nach dem Genuß von Grießpudding £0 Patienten, Schwestern und Angestellte, an P a r a« typhus erkrankt. Bisher find drei Todes­fälle zu beklagen. Zwei der Verstorbenen find allerdings alte, widerstandsunfähige Personen ge­wesen. Der weitaus größte Teil der Erkrankten befindet sich jetzt auf dem Wege der Besserung. Die Ursache der Epidemie ist noch nicht restlos auf­geklärt. Alle Vorsichtsmaßnahmen sind getroffen.

Ltmvetter über Rheinhessen.

WSR. Mainz, 6. Juli. Lieber Rhein­hessen, besonders über Mainz und Llmgegend ging am Samstagnachmittag einschweres iln- Wetter nieder. Der niedergehende Hagel hatte an vielen Stellen die Größe von Hühnereiern. Der Schaden in den Weinbergen, in den Obst­und Gemüsekulturen ist außerordentlich groß. An vielen Stellen ist die Ernte vollständig vernichtet. Auch an den Dächern der Häuser hat der Hagelschlag empfindlichen Schaden an- gerid>tet. In einigen Gärtnereien in Mainz- Kastel wurden die Glashäuser vollständig ver­nichtet.

Turnen, Spott und Spiel.

Deutscher Echwimmersieg über Frankreich.

Halle, 6. Juli. (TU. Funkspruch.) Der vierte Länderkampf im Schwimmen zwischen Deutschland und Frankreich in Zeitz wurde von Deutschland mit 2:0 gewonnen, nachdem die drei oorhergegangenen Kämpfe jedes- mal 1:1 unentschieden geendet hatten. Deutschland gewann das Wasserballspiel hoch mit 5:2 Toren und die 4X200-Meter-Freisti!staffel überraschend in neuer Europa-Rekordzeit von 9:46 Minuten. Der deutsche Freistilmerster Schubert (Breslau) zeichnete sich über 100 Meter Freistil mit der Zeit von 1:01 Min. besonders aus.

Berliner Börse.

Berlin,?. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der Esfek- tenfrühoerkehr zu Beginn der neuen Woche lag zu- nächst noch vollständig unentwickell. Die Börse be­einflussende Nachrichten lagen weder aus wirt­schaftlichen noch aus politischen Kreisen vor, so daß jegliche Anregung für einen Geschäftsverkehr fehlte. Kurse waren infolgedessen noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,67, London gegen Mailand 92,87, London gegen Spanien 41,25, London gegen Berlin 20,40, London gegen Kabel 4,8640, Kabel gegen Berlin 4,1940.

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