Nr. 155 Achter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
„Das Jahr des Pferdes" 1930.
Don Prof. Or. $. Kraemer, Direktor des Tierzuchiinstituts der Landesuniversität.
Im Iahre des Pferdes wirft jeder Verehrer dieses schönsten aller Geschöpfe gern einen Blick auf die Jahrtausende lehrreicher Vergangenheit, die ja in Gegenwart und Zukunft nur ihre Fort- jehung findet.
Galt uns schon auf dem Gymnasium die Entwicklung von fünf- und dreizehigen Vorfahren zum einzchigen Pferde als herrliche Offenbarung der Abstammungslehre von Lamarck und Darwin, so begeisterte uns auch der Vlick auf das Werden der Formen bei den Wildpferden und unseren späteren Genossen in Arbeit und Kriegen. Wald- Pferde, Eteppcnpferde, Dergpf«rde — wir lernten die treibenden Kräfte zu ihrer verschiedenen Gestaltung verstehen, zu Schwergewichtsmeistern und Rennern, sowie zu den behenden kleinen Klettertieren der Gebirge: wir lernten verstehen, warum die hochgelegenen orientalischen Steppen die Grundlagen für die auch psychisch überlegenen Edelzuchten zu schassen vermochten.
Schon in den Pfahlbauten der Vronzezeit erkennen wir das orientalische Pferd, das von Asien kam, dessen Blut in allen Edelzuchten der Welt flieht, besonders auch in der vollendetsten Rennform, dem englischen Vollblut. Im babylonisch-assyrischen Kulturkreise finden wir schon in vorzüglichen Darstellungen die edelsten Pferde, die der Kunststil allerdings wohl etwas verstärkt hat. In den babylonischen Hymnen und Gebeten fleht ein Text aus der Bücherei des Assurbanipal für den König Sargon von Assyrien' ,.Gib Gedeihen den Rossen, den Gespannen seines Ioches!" Wir kennen die Pferde des alten Persien, das hochentwickelte Gestütswesen von Medien und Kappadokien in seinen wunderbaren Erfolgen. Lind in den .ägyptischen Hieroglyphen wird der Begriff „schön" durch das Bild eines Pferdes ausgedrückt, während grade diese Pferde durch die Auswirkung von Aufsatzzügeln etwas entstellt sind. Der ägyptische Stil, ber lange Linien und schlanke Gestalten bevorzugt, hat im neuen Reiche zahllose Darstellungen der Pferde in jagdlichen und kriegerischen Szenen geschaffen.
Besonders schön erscheinen uns. die Araber aus guten Zuchten und die afrikanischen Berber, die aus dem orientalischen Blute erwuchsen. Sie haben auch in erster Linie die entzückenden Gestalten der griechischen Pferde geliefert, deren Zierlichkeit dem gebirgigen und trockenen Gelände angepaht ist. Wir sehen sie in dem Festzug der Panathenäen von des Phidias Meisterhand bargestellt, dessen göttliches Auge allein bis zur Erfindung der Momentphotographie die Poesie der Bewegungen edler Pferde zu erfassen vermocht hat. Wie mit überirdischen Kräften hat er den Stein zu beleben gewußt und die Schöpfung seiner Kunst zu einem hinreihenden Werk der Ratur erhoben. Wie innig war zudem im griechischen Altertum das Verständnis zwischen Menschen und Pferden, den beiden Kronen der Schöpfung, die im Centauren auch nur eine Seele besitzenI Ia, fühlen wir nicht in dem dunkelen Auge des edlen Pferdes etwas, was uns noch mehr sagt, als es die menschlichen Züge des Centauren tun können? Wie schwärmt doch Cherbuliez in seinen „Athenischen Plaudereien" vom Pferde? „Während wir von ihm sprechen, siebt es uns an, beurteilt uns, vergleicht mit geheimem Stolz im Herzen seine unsterbliche Kraft und unsere Schwachheit ... .Wie, wenn dieses Pferd ein Gott wäre? ... Sagen wir ihm: Du bist die Kraft, die sich kennt und sich beherrscht, du bist die Schönheit, die sich ihrer selbst freut, du bist das Kostbarste und Beste der Menschheit!"
Wir gedenken Homers, dessen Helden ihre Pferde mit gemütvollen Ansprachen erfreuen: wie ihrerseits die Rosse Achills unter Tränen ihr Mitgefühl äuhern, da sie den Verlust des Patroklos beklagen, und wie sie selbst ihrem Herrn den nahen Tod künden. Heroen und ihre Gattinnen führen mit Stolz die hochhalsigen. schnellfüßigen Tiere mit ihrer herrlichen Mähne. Beglückt schwingt Hera die Peitsche ... „und rasch hinfliegen die Rosse — zwischen der Erde einher und dem fternen- glänzenden Himmel" —
Der sinnfälligste Vorgang in der Entwicklung der Pferde seit Phidias' Zeiten ist die Gröhen- zunohme. Das kleine Pferdchen vom Parthenon dient den späteren Künstlern nicht mehr als Vorlage, weder in der Römerzeit, noch im Mittel- alter. Der griechische Typus verschwindet in der Abenddämmerung der helleren Schönheit griechischer Kultur, und den rohen Machtidealen Roms und des Mittelalters dient nun ein Pferd, das die schwere Bewaffnung zu tragen vermochte.
Dies Pferd ist in der bekannten Statue des Marcus Aurelius auf dem römischen Kapitol
am besten dargcstellt worden. Don gewaltigem Wuchs, mit starkem Racken und Hals, mit mächtigem Rumpf, gerundeter und vollbemuskelter Kruppe, konnte nur dieser Typus den Eindruck enormer Kraft machen, solange man noch zu unbedingt und in zu rohem Empfinden allein bei der Masse die Gewähr für Kraft sah. Die spätere Halbblutzucht hat uns feinere Auffassungen gelehrt und der relativ noch bedeutenden Masse auch die notige Beschleunigung zu geben gewußt.
Was die Germanen betrifft, so besaßen sie recht kleine und unscheinbare Pserde, „equuli“, mit schweren Köpfen, gedrungenem Körper und derben Gliedmaßen. Cs ist bekannt, daß Caesar seine germanischen Hilfstruppcn mit römischen Pferden beritten gemacht hat. Immerhin muh aber einige Jahrhunderte später sich das Bild sehr verschoben haben, denn als König Herminfried sich mit Amalaberga, der Richte des Ostgotenkönigs Theoderich, vermählte, da fanden die thüringischen Pferde, die als Brautgabe nach Italien gesandt wurden, reichen Beifall.
Karl der Große hat sodann durch planmäßige Gesetzgebung für die Pferdezucht sehr viel getan. Es folgte die Blüte des Rittertums aller Länder Europas, das nun auf gewichtige Pferde bedacht war. Muhten sie doch die gewappneten Reiter tragen und die Wucht beim Zusammen- stoh aushalten können. Die deutschen und französischen Ritter hielten wie die Condottieri der Renaissance in Italien auf ein kräftiges Sier, mit starkem Rumpfe, aufrechtem Halse, sehr breiter Brust, gerundeter Kruppe und derben Gliedmaßen. Rur der Kopf erscheint auf den zahllosen Bildern in italienischen Museen recht edel und deutet wohl auf Kreuzungen mit orientalischem Blute.
Daß dies letztere stets wieder nach Europa gelangen konnte, wird durch den uralten Welt-
Sonnlag, 6. Juli.
7 bis 8.15 Ähr: Hasenkonzerk. 8.15: Katholische Morgenfeier. 11: Erziehung und Bildung. 11.30: Elternstunde. 12: Befreiungsfeier Bad Münster am Stein. 12.50: Zehnminutendienst der Landwirtschaftskammer Wiesbaden. 13: Stunde des Landes. 14: Stunde der Iugend. 15: Von Trier-Pfalzel: Defreiungsseier des Landkreises Trier. 16: Große deutsche Kundgebung für das abgetrennte Saar- und Pfalzgebiet. 16.30: Änterhaltungskonzert. 18: „Die Theaterprovinz". Vortrag von Dr. Adam Kuckhoff. 18.25c „Zur Psychologie des Theaters", Vortrag von Oscar Götz. 19.30: Konzert. 21: Bunter Abend. 23 bis 0.30: Unterhaltungskonzert.
Montag, 7. 3uli.
6 Ähr: Morgengymnastik. Anschließend: Zeitangabe und Wettermeldungen. 7.30 bis 8.30: Konzert. 11.45: Werbekonzert. 12.10: Reisewetterbericht. 12.15 Wetterbericht. 12.20: Schallplattenkonzert. 14 bis 14.15: Werbekonzert. 15.15 bis 15.45: „Wirkungen des ehelichen Güterrechts auf die heutige Ehe." 15.55: Gießener Wetterbericht. 16 bis 17.45: Konzert. 18.05 „Ist eine Versöhnung der modernen Musik mit der überlieferten möglich?" 18.35: „Die Defreiungsseier des Rheinlandes als Ausdruck deutscher Festeskultur", Vortrag von Reichslunstwart Dr. Redslob. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Unterhaltungskonzert. 21: Schallplattenoper: Lucia von Lammermoor. .
Dienstag, 8. Juli.
6 Ähr: Morgengymnastik. Anschließend: Zeitangabe und Wettermeldungen. 7.30 bis 8.30: Konzert. 11.45: Werbekonzert. 12.10: Reisewetterbericht. 12.15: Wetterbericht. 12.20: Schallplattenkonzert. 14 bis 14.15: Werbekonzert. 15: Hausfrauennachmittag. 15.55: Gießener Wetterbericht. 16: Rachmittagskonzert. 16.45: Sudeten deutsche Stunde. 18.35: „Student des Auslandsdeutschtums", Vortrag von Dr. Hermann Rüdiger. 19: „Kritisches zur Astrologie". 19.30: Populäres Konzert. 20.30: Bunter Abend. 22.45 bis 24: Änterhaltungskonzert. 0.30 bis 1.30: Rachtkonzert.
Mittwoch, 9. Juli.
6 Ähr: Morgengymnastik. Anschließend: Zeitangabe und Wettermeldungen. 8 bis 9: Von Dad-Rauheim: Konzert des Kurorchesters. 10.20 bis 10.50: Schulfunk. 11.45: Werbekonzert. 12.10: Reisewetterbericht. 12.20: Konzert. 13: Schallplattenkonzert. 14 bis 14.15: Werbekonzert. 15: Stunde der Iugend. 15.55: Gießener Wetterbe
verkehr klar. Der Einbruch der Hunnen, die Völkerwanderung, der Sieg der Araber bei Leres de la Frontera 711, ihre hohe Kultur in Spanien, die Verbindung bet sübeuropäischen Länder mit dem vorderen Orient und der Levante, die Kreuzzüge. bas Vorbringen bet Türken unb ihre Herrschaft auf bem Balkan, — all biefe Verhältnisse boten Gelegenheit zur Ausbreitung ber orientalischen Pferbe.
So kann es auch nicht überraschen, daß grabe ba, wo maurische Clemente einheimisch geworben waren, wie in Eüditalien unb Spanien, edle Pferbe gezüchtet würben, die besonders zu Prunk- zwecken und zur hohen Schule ber Reitkunst Ver- toenbung fanben. Doch wäre es irrig, etwa an- zunehmen, bah bie Vorliebe für Schwere unb Rundung nun völlig bahinschwand. Im Gegenteil! Das massige Pferd verfeinert sich im 17. unb 18. Jahrhundert burchaus nicht. Eine gute Darstellung bieses Typus sieht man im Prabo- Museurn von Madrib auf einem Bilde ber Königin Maria Luise. Die Dcränbcrten Formen ber Kriegführung burch bie Erfinbung bes Schießpulvers unb bie Entwicklung von Jagbsport unb Rennen hatten allerbings inzwischen auch schmalere unb feinere Rennfiguren geschaffen.
Die Rapoleonischen Kriege fügten ber Pferdezucht ganz Europas schweren Schaben zu, unb nun galt es, neu aufzubauen. Die zunehmenbe Militarisierung Europas burch bas stets unruhige Frankreich führte zur Bemühung ber Regierungen um bie Zucht edler Laufpferbe, währenb in ber Reuzeit bie Intensivierung ber Lanbwirtschaft unb die gewerblich-industrielle Entwicklung bie Zucht schwererer Pferbe verlangten. Der unselige Ausgang bes Weltkrieges bebingt jetzt in Frankreich bei seinem unsterblichen Mitt- tarismus vorwiegenb bie Zucht cbler Pferbe, währenb Deutschland die Verstärkung des Warmblutes für den wirtschaftlichen Gebrauch unb bie weitere Ausbehnung ber Zucht schwerer Pferbe zur Arbeit anstreben muß, Deiden Verbänben, bie biefe Ziele verfolgen, wünschen wir im Iahre des Pferdes eine segensreiche Fortführung ber Werke uralter Kultur.
richt. 16: Rachmittagskonzert. 18.05: ..Der große Europaflug". 18.35: „Besihstörungsklage unb polizeiliche Mitwirkung im Kampfe gegen Rund- funkstörer". 19.05: „Aus dem Leben ber Ureinwohner von Reupommern". 19.30: Bayrischer Humor. 20: Konzert. 21: Amerika: Wort und Musik.
Donnerstag, 10. Juli.
6 Ähr: Morgengymnastik. Anschließend: Zeitangabe und Wettermeldungen. 8 bis 9: Konzert. 11.45: Werbekonzert. 12.10: Reisewetterbericht. 12.20: Schallplattenkonzert. 13: Schallplattenkonzert. 14 bis 14.15: Werbekonzert. 15: Stunde der Iugend. 15.55: Gießener Wetterbericht. 16: Konzert. 17.55: Zehn Minuten Wanderratschläge des Taunusclubs. 18.05: Zeitfragen. 18.35: „Die Arbeit ber letzten Hand", Gespräch zwischen Rudolf G. Dinding unb Prof. Dr. Martin Sommerfeld über Dindings Gedichte. 19.05: Französischer Sprachunterricht. 19.30: Zitherkonzert. 20: Änterhaltungsabend. 21.30: „Es brennt". 22.30: Musikalische Versuchs stunde.
Frei lag, 11. Juli.
6 Ähr: Morgengymnastik. Anschließend: Zeitangabe und Wettermeldungen. 8 bis 9: Konzert. 12.10: Reisewetterbericht. 12.20: Promenadenkonzert. 13: Schallplattenkonzert: Arturo Tos- canini und Druno Walter dirigieren Mozart. 14 bis 14.15: Werbekonzert. 15.55: Gießener Wetterbericht. 16: Konzert. 17.50: „Der neue Zuschlag bei der Grundvermögenssteuer." 18.05: „Duch und Film". 18.35: Aerztevortrag: „Dom Essen und Verbauen, vom Hungern und vom Sattsein". 19.05: Iürgen Eggebrecht liest aus eigenen Werken. 19.30: Das Hörspiel vom Schin- berhannes. Don Dr. Curt Elwenspoek. 20.30: Konzert. 21.30: Rheinisches Schicksal. Dorlesung aus eigenen Werken von Leo Sternberg. 22: Hugo-Wolf-Abend.
Samstag, 12. Juli.
6 Ähr: Morgengymnastik. Anschließend: Zeitangabe und Wettermeldungen. 7.30 bis 8.30: Konzert. 10.20 bis 10.50: Schulfunk. 11.45: Werbekonzert. 12.10: Reisewetterbericht. 12.20: Schallplattenkonzert. 13: Werbekonzert. 13.20: Schallplattenkonzert. 14.30: Stunde der Iugend. 15.55: Gieß. Wetterbericht. 16: Konzert. 18.05: „Walther v. d. Dogelweide". 18.35: „Die Rot der Zeit im Arbeiterhaushalt". 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.30: Schallplatten-Rückblick. 20.15: Sängerwettstreit. 21.15: Verklungene Wellen. 23.15 bis 0.30: Tanzmusik.
Rundfunkprogramm.
Samstag, 5. Juli 1950
Hessens Besehungsnol in Zahlen.
Das hessische besetzte Gebiet hatte im Verhältnis zu seiner Größe und Einwohnerzahl weitaus die stärkste Besetzung auszuweisen. Um die Jahreswende 1928 29 garnifonicrtcn in Hessen fast 19 000 Desatzungsangehörigc, das sind beinahe 28 Prozent der gesamten Desatzungsarmeen. Während die Bevölkerung nur 13,1 Prozent der Gesamtdcvölkerung der besetzten Gebiete ausmachte. Die Städte Mainz und Worms hatten Belegungen zu tragen, die weit über ihre Friedens- ga'rnison stärke hinausgingen. Auch Bingen, das nie Garnisonstadt war, mußte eine Desatzungsgarnison unterbringen. Der sich aus der Desatzungsstärke ergebende überaus große Wohnungsbedarf hatte im hessischen besetzten Gebiet Beschlagnahmungen zur Folge, wie sie kein anderer besetzter Gebietsteil auszuweisen hatte. Die Bcsatzungs- j u st i z, die mit unzähligen größeren und kleineren Strafen bie Bevölkerung schikanierte, erreichte ihren Höhepunkt mit den Massen- aus Weisungen während des Ruhrkampscs. Aus dein hessischen besetzten Gebiet waren insgesamt, soweit feststellbar, etwa 20 000 Personen ausgewiesen, fast 5000 Reichs» und Staatsbeamte, mit etwa 11 500 Angehörige, ferner über 3000 Privatpersonen einschließlich Angehörigen. Erst im Sommer 1924 war der größte Teil dieser Ausgewiesenen zurückgekehrt. Die Anwesenheit fremder Truppen unter deutscher Bevölkerung führte natürlich zu mancherlei Reibungen, bie in den wenigsten Fällen von deutscher Seite verschuldet waren. Hier seien nur bie tödlichen Desahungszwischenfälle festgehalten. Der Schießeifer französischer Wa^soldaten forderte vor allem in den ersten Jahren der Besatzung zahlreiche Opfer. Im Jahre 1919 gab es im hessiscyen besetzten Gebiet nicht weniger als 25 Todesopfer. Auch bie Jahre 1920 und 1921 brachte noch eine große Zahl von Todesfällen, nämlich 7 und 8. Äach dem Jahre 1923, in dem es vier Tote-gab, ging die Zahl ber burch bie Besatzung verschulbeten leichtfertigen unb fahrlässigen Tötungen, zu benen auch bie Tötungen burch französische Autoraserei zu rechnen sind, auf vereinzelte Fälle zurück. Insgesamt erhöhte sich bie deutsche Toten liste im hessischen besetzten Gebiet immerhin auf 51 Opfer, unter denen 15 weibliche Personen sind. Die Wirkung des Besahungsdrucks auf daS Wirtschaftsleben des hessischen besetzten unb unbesetzten Gebietes brückt sich am deutlichsten in den Steuerzahlen aus. Wenn man bedenkt, daß noch nach bem Krieg aber vor dem Ruhrkampf, 51 Prozent ber hessischen Gewerbesteuer, 49 Prozent ber Einkommensteuer, 52 Prozent ber Körperschaftssteuer aufkamen, gegenüber Dem Bevölkerungsanteil von 36,1 Prozent so zeigen biefe Zahlen, was für Hessen auf dem Spiele stand, als bie Besatzungszeit begann. Infolge des Ruhrkampfes gingen bie Steuereinnahmen rapib zurück unb bei ber großen wirtschaftlichen Debeutung des besetzten Gebietes im Rahmen des hessiscAm Gesamtgebietes wurde bas ganze Land in schwerste Mitlcibenschaft gezogen. 2m Jahre 1913 entfielen auf ben Kopf Der Bevölkerung an steuerbarem, schuldenfreiem Vermögen im Deutschen Reich ein Betrag von 2808 Mark, in Hessen ein solcher von 3307 Mark. Im Jahre 1925 Dagegen war in Hessen das Vermögen auf ben Kopf ber Bevölkerung gerechnet a u f 953 Mark zurückgegangen, im Reiche auf 1026 Mark. Das Vermögen hat 1913 in Hessen ben Reichsburchschnitt um 17,8 Pro;, übertroffen. 1925 stand es um 7,1 Prozent unter dem Reichsburchschnitt. Diese Zahlen sagen mehr über bie Folgen bes Ruhrkampses unb ber Besatzung für Hessen aus, als man in vielen Worten über bie Wirtschaftsnot bes Landes ausführen könnte.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen
An;eigenauslräge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten.
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