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Nr. 155 Sechstes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)

Samstag, 5. Juli 1950

Dasselbe Frankreich, das wir eben so $u fassen suchten, mit einer Politik, die imperialistisch auch in wirtschaftlicher Beziehung ist, will sich nun an die Spitze Europas stellen in der Bewegung, die der amerikanische Zolltarif in Europa wachrust.

Er ist jetzt, am 17. Juni, vom Präsidenten Hoover unterzeichnet, obwohl er ganz genau Weitz, daß dieser Zolltarif zu Schwierigkeiten mit

Amerika und Frankreich.

Außenpolitische Umschau.

Äon Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. X

3n bemerkenswerter Weise verschlingen sich innere Vorgänge in zwei wichtigen Ländern, in Frankreich und Amenka, mit der großen Politik. Parteipolitisch ist die Lage in Frankreich so, daß unter Tardieu Mitte und Rechts das Heft in der Hand haben und datz die Radikalsozia­listen im Hinblick auf die für 1932 in Aussicht stehenden Wahlen in die Regierung hereinstre- ben, was freilich personell mit Tardieu nicht ge­lingen wird. Wer dann für einen solchen Block zum Herbst in Frage käme, steht noch dahin. Immerhin ist auch für uns interessant, daß dabei allen Ernstes wieder genannt wird Poincarö. Inzwischen strebt Tardieu, seinen großen F'ü n f- jayrplan" durchzusehen: es sollen fünf Mil­liarden Franken auf fünf Jahre für öffentliche Bauten bereitgestellt werden. Mit anderen Wor­ten: ein erheblicher Teil der angesammelten Bar­vorräte" der Staatskasse soll für die Wirt­schaft produktiv verwendet werden. Das ist eine Initiative und ein wohl richtiger Gedanke, aber er stoßt auf Schwierigkeiten, weil die Wirtschaft nun geltend macht, mit diesen Staatsaufträgen würde der industrielle Apparat Frankreichs allzu sehr ausgedehnt, d. h. weil der Wirtschaft, die die produktive Verwendung der ausgesammelten Staatspapiere verlangte, nun Angst wird, wenn daran gegangen wird.

Bei diesen Erörterungen aber ist etwas Merk­würdiges herausgekommen, nämlich, daß von den ursprünglich 17 Milliarden Franken, über die dos Schatzamt verfügte, fünf verschwunden sind! Rach längerem Hin und Her und den Ver­suchen, diese fünf Milliarden irgendwie nachzu­weisen, ist nicht mehr geheim zuhalten, daß sie wenigstens zum Teil vom Kabinett ohne die Kammer für Rüstungszwecke ausge­geben worden sind. Tardieu hat bisher die genaue Auskunft darüber verweigert und die Vertrauensfrage gestellt gegen den Antrag der Sozialisten, daß die Kammer diese Lage unter­suchen sollte. Der Vorstoß ist zum Scheitern ver­urteilt, weil keine bürgerliche Partei die Verant­wortung auf sich nehmen will, mit einem Sturm­lauf gegen nlchtbewilligte Ausgaben zugleich gegen Rotwendigkeiten der militärischen Rüstung anzugehen.

Rüstungen gegen wen? Aus Furcht vor wem? Das hat Tardieu in dem Finanzausschuß der Kammer am 20. Juni mit aller Deutlichkeit ge­sagt: auch gehört ja nicht viel Klugheit dazu, um die Frage zu beantworten. Ratürlich gegen Italien. Rachdrücklich hat Tardieu in jenem Finanzausschuß betont, daß angesichts der fort­gesetzten italienischen Drohungen Frankreich seinen Grenzschutz verstärken müsse. Lind er hat hinzuge­fügt, daß die Regierung für die Landesverteidi­gung nicht weniger als 10,4 Milliarden Franken ausgeben wolle. Es ist also die Antwort auf di« letzten Drohreden Mussolinis, die zu erwarten war, eine Steigerung der französischen Rüstungen, die sehr wenig paßt zu Driands Paneuropa­vorschlag und zur Annahme des Genfer Modell­vertrages und der Fakultativklausel in der Fran­zösischen Kammer am 18. Juni.

Gerade dabei kommt mit den Erörterungen über die französisch« Kolonialpolitik in Indvchina und den Schwierigkeiten, die sie dort hat, in die europäische Diskussion die weitere Frage, um welches Frankreich es sich bei Briands Vorschlag, diesen Rüstungen und den ewigen Sicherheitswünschen Frankreichs denn handele. Man vergißt so sehr in Europa, daß Frankreich eine gewaltige Kolonial­macht ist, daß es einen sehr aktiven französischen Kolonialimperialismus gibt. In Indochina hat er jetzt diese Schwierigkeiten, an denen die fran­zösische Kolonialpolitik mit ihrer Behandlung der Eingeborenen und ihren überlebten Methoden selbst schuld ist. Deshalb kommt auch aus Frank­reich kein Wort der Schadenfreude über die Schwierigkeiten Englands in Indien. Man liegt im selben Spktale krank!

Diesen Kolonialschwierigkeiten steht anderseits der Stolz auf die afrikanischen Kolonien gegen­über, der bei der Hundertjahrfeier der ersten Festsetzung in Algerien sehr lebhaft zum Aus­druck kam. Cs sei hier nicht von diesen Kolonial­fragen an sich gesprochen, sondern nur darauf hingewiesen (was ja das Memorandum Tar- dieus auf der Londoner Konferenz im Januar zum ersten Male so geschlossen und bestimmt aus­sprach), daß das Frankreich, mit dem Europa zu tun hat, nicht nur die Hegemoniemacht in Europa ist, die durch die Pariser Verträge begründet wurde, sondern auch dasgrößere Frank- r e i ch", das nach dem Zusammenbruch der alten französischen Kolonialmacht in den napoleonischen Kriegen dann in einem Jahrhundert zu der heu­tigen Ausdehnung und Macht aufgestiegen ist. Lind so muh auch der Begriff Frankreich etwa in unseren Auseinandersetzungen über die Ant­wort auf Briands Paneuropaanregung behandelt werden, und vor allem, wenn man die Feind­schaft zwischen Frankreich und Italien auf ihre tiefsten Motive untersucht.

Dem französischen Kolonialimperialismus, der seine Machtstellung in Europa und Afrika un­geschmälert erhalten will, steht der angreifende und ausgreifende Imperialismus Ita­liens gegenüber, der gerade auf dem afrika­nischen Gebiete Berücksichtigung fordert. Beide stoßen naturgemäß dann im Mittelmeer zusam­men, das sich Frankreich sichern will, um der Verbindung mit seinen nordafrikanischen Kolo­nien willen, und das bekanntlich das faschistische Italien als dasmare nostrum bezeichnet und beansprucht. So kommt die Betrachtung, die von der Innenpolitik Frankreichs ausgeht, wieder bei der großen Frage des europäischen Friedens ort, ob ein Ausgleich zwischen Frankreich und Italien möglich und denkbar ist, und wie diese Situation auf die deutsche Außenpolitik einwirken könne.

dem Ausland führen muh, und noch mehr, datz er auch nicht dem amerikanischen Interesse ent­spricht, das in seiner Krise ja auch die Aus­landsmärkte sich offen halten muh. Der Tarif ober versperrt sie einfach, denn es ist natür­lich nicht möglich, selbst im Auslande viel zu verkaufen und seinerseits die Waren des Aus­landes so fernzuhalten, wie es in diesem Zolltarif geschieht. Er erfüllt Zusagen Hoovers an die Farmer und er fügt gewaltige Erhöhungen für die Industriezölle hinzu, womit eine sog. Dehn- barkeitsklauses verbunden ist, die dem Präsiden­ten erlaubt, je nach der Veränderung der Lage die Zollsätze zu verändern. In diesem Recht wird ja Hoover meinen, eine Machtvollkommenheit zu haben, die ihm ermöglicht, Schäden des Tarifs für die eigene nordamerikanische Wirtschaft ab­zustellen und auszugleichen. Zunächst aber ist dieser Zolltarif, dessen Protektionismus gar nicht überboten werden kann, Gesetz geworden. Er ist vom Standpunkt der amerikanischen Interessen aus kurzsichtig, zumal schon in den ersten vier Monaten dieses Jahres die Ausfuhr Amerikas im ganzen um 20 Prozent zurückgegangen ist, bei Automobilen sogar um 50 Prozent. Darin spiegelt sich die Weltwirtschaftskrise überhaupt wider, die wachsende Llnmöglich- keit in der Welt, amerikanische Waren zu kaufen. Weitblickende Amerikaner, wie namentlich Owen Voung, weisen auf diese großen Gefahren hin und treten dafür ein, daß das Ausland durch Kredite kaufkräftiger gemacht werden müsse, da­mit es amerikanische Waren abnehmen könne. Das sind weitblickende Männer, die aber heute noch Prediger in der Wüste sind. Die Mehrheit im Kongreß, die Mehrheit in Landwirtschaft und Industrie glaubt im Ernst, daß eine solche Zollpolitik den amerikanischen Interessen diene, ja, daß sie Milliarden Mark an Zollgebühren einbringen wird, und scheute nicht vor der Ge­

fahr zurück, daß die betroffenen anderen Staaten sich dagegen wehren und zusammenschliehen.

Von dergleichen hört man aus Kanada, auS Südamerika, vor allem aber aus Europa: aus der Schweiz und Frankreich. Ja, wie gesagt, Frankreich ist geneigt, die Führung in ter Abwehr Europas gegen diesen Zolltarif zu über­nehmen. In der Zollkommission der Kammer ist schon davon die Rede gewesen, daß man äußer­sten Falles die Meistbegünstigungsklausel für die Vereinigten Staaten auf heben müsse, daß die Schwächung der französischen Handelsbilanz durch diese Zollpolitik Amerikas auch die Zah­lungsbilanz schwäche, also ein schon sehr deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl die Schuldenbezahlung der europäischen Schuldner an den amerikanischen Gläubiger ge­fährdet werden könnte. Darüber hinaus hat der Handelsminister im Kabinett Tardieu, F l a n - d i n, sich noch bestimmter geäußert, datz er sich zunächst ein genaues Bild der Lage machen und bann die französische Regierung offiziell an die amerikanische Regierung mit ihren Beschwerden und Wünschen herantreten werde, und daß, wenn diese in Washington nicht berücksichtigt tourten, nach weiteren Mitteln und Wegen gesucht wer­den müsse.

Wir haben allen Anlaß, die so in Gang ge­brachte Bewegung zu verfolgen und sehr genau unsere Interessen zu überlegen, um danach unsere Haltung einzustellen. Denn natürlich wird auch die deutsche Ausfuhr von ter amerikanischen Zoll­politik getroffen. Anderseits aber ist Rordamerika politisch für Deutschland so wesentlich, daß große Vorsicht in ter Behandlung dieses Problems geboten ist. Frankreich geht darin ja auch nicht voran um der Interessen Europas oder gar Deutschlands wissen, sondern denkt da­bei an seine eigenen Interessen.

Oie Jagd imLuli.

Die Heuernte ist vorüber: das Wild, das sich in den weiten Wiesengrünten ungestört fühlte, ist in die Getreidefelder eingewechselt und recht heimlich geworden. Wenn die Iulihihe hernieter- brennt, wird ter Weidmann oft vergeblich auf guten Anblick harren, es sei denn, daß ein er­frischendes Gewitter gleichsam neues Leben über die Erde ausgoh. Rur des Rehwildes wird sich ab Monatsmitte etwa eine seltsame Llnruhe bemächtigen. Zu allen Tageszeiten kann man dann suchende Böcke beobachten, und auch die Ricken sind auf den Läufen. Ringe im Laub des Buchenhochwaltes zeigen dem Kundigen, daß hier ein Bock seine Liebste getrieben hat, und daß dieBlattzeit" begann, jene Zeit, in ter nicht nur die Aussicht auf den Abschuß dieses oder jenes guten Bockes den Weidmann hinaus­treibt, fontern die ihm auch die Möglichkeit gibt, so gut wie selten fernen Rehstand kennen zu lernen. Manch braver Bock, ter schon seit Wochen verschollen war, taucht plötzlich wieder auf und hat die alte Vorsicht vergessen. Von manchem aber kann der Jäger auch sagenman wußte nicht, woher er kam". So hat trotz Som­merhitze und Schnakensegen die Brunstzeit des Rehwildes für den Weidmann ihren großen Reiz, wenn es ihm gelingt, fein Wild zu belau­schen oder den langbegehrten Bock mit vielver- heihenden Tönen zu betören. Gar stürmisch steht er mitunter zu und fordert ruhige 71 erben. Denn auch Ricken springen aufs Blatt, und schon gar mancher ist alsSchürzenjäger" enttäuscht nach Hause gezogen. Also auch beim Abschuß in ter Dlattzeit Die Augen auf und auch jetzt nun: den Finger krumm, wenn sich ter Abschuß mit den Grundsätzen pfleglichen Weidwerks verträgt! Die Kitze sind schon selbständiger geworden. Die Hauptgefahr droht ihnen jetzt noch von wildernden Hunden, den geschworenen Feinten jeder Wildhege.

Das Rotwild hat noch Schonzeit. Starke Hirsche beginnen zu fegen, Alttiere führen ihre Kälber.

Auch das Damwild, das gegen Monats­ende in die Feiste tritt, genießt den Schutz des Gesetzes.

Schwarzwild hat gute Zeit. Erbsen-, Hafer- und Kartoffeläcker üben eine starke An­

ziehungskraft aus. Sehr gern werten in ter heißen Zeit Suhlen angenommen.

Auer- und Birkwild hat Schonzeit. Die Jagd ruht.

Rebhühner und Fasanen haben das Drutgeschäft beendigt, wenn es sich nicht um späte Rachbruten als Ersatz für zerstörte Gelege han­delt. Man hat leider von dem Verlust sehr starker Gelege während ter Klee- und Heu­ernte gehört, der das Iagdergebnis sehr fühl­bar beeinflussen kann. Der Jäger sollte keine Gelegenheit versäumen, die Iunghühnchen vor Krähen und Katzen zu schützen. Die Massen- aufzucht von Iungkähchen in Stadt und Land entwickelt sich zu einer Gefahr für Vogelschutz und Riederjagd, der nur durch energische Gegen­maßnahmen einigermaßen begegnet werden kann.

Die I u n g f ü ch s e haben meist den Bau ver­lassen. Das ganze Geheck steckt in den Getreide­feldern und unternimmt von dort feine Raub­züge.

Der Dachs, der in Hessen wieder Dchuhzeit hat, findet reichlich Rahrung und ist schon wieder viel behäbiger geworden.

Hasen sieht man in assen Größen. Zwar sind auch gar manche Iunghäschen durch Sense und Mähmaschine gestorben, doch Dürften be­gründete Aussichten auf ein gutes Hafenjahr bestehen, zumal die Hasenhvchzeit noch nicht zu Ente ist.

3Inx 16. Juli beginnt (auch in Preußen!) die Schußzeit für Wildenten. Dis dahin werden die meisten Iungentchen flugfähig fein. Dann verspricht die Jagd an Fluhrändem, auf Tüm­peln, Seen oder auch im Stauwasser überfluteter Wiesen hohen Reiz, wenn ein guter, wasser­freudiger Hund den Schützen unterstützt. Bei dieser Gelegenheit wird sich auch oft Schuh- gelegenheit auf die Bekassine bieten, deren Schußzeit Mitte des Monats beginnt. Die Waldschnepfe dagegen hat noch Schonzeit.

Die Jungen der Ringeltaube, die man ja an ihrem von den Alten abweichenden Gefieder erkennen kann, verlocken jetzt auf gemähten Wie­sen und Feldern häufig zu gutem Schuh. Die Alten verschone man noch, da die Taube jetzt oft ihre zweite Brut macht. Alle Tauben sind in Preußen noch bis zum 1. September geschützt.

HuvertuS.

Preußen.

Kreisiierschaufest und 150jähriges Stadtjubiläum in Wetzlar.

O Wetzlar, 3. Juli. Das von ter Lokal­abteilung Wetzlar des Landwirtschaftlichen Ver­eins für Rheinpreußen und der Bauernschaft des Kreises Wetzlar e. D. veranstaltete Kreistier­schaufest nahm heute auf dem Festplatze im Finsterloh" seinen Anfang. In Verbindung da­mit feiert die Kreisstadt Wetzlar ihr 750 j üb­rig e d Stadtjubiläum und außerdem die Lokalabteilung tes Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen ihr SOjähriges Stiftungsfest. Vormittags bewegte sich ter große historische Festzug nach dem Festplatz. Der Zug wurde durch einen Herold, Fanfarenbläser, Trommler und Pfeifer eröffnet. Als erstes Bild schloß sich die Verleihung ter Stadtrechte" an; dann folgten die einzelnen Zünfte. Weiter wurden dieZeit tes Reichskammergerichts" und die Goethe-Zeit vor Augen geführt. FernerSzenen aus ter Schlacht bei Wetzlar". Weitere Festwagen stellten die Ortsbauernschaften Wetzlar, Rauborn, Münch­holzhausen (Dreschwagen"), Groh-Rechtenbach (Spinnstube vor 50 Jahren") und Launsbach, ferner die Herdbuchaesellschaft für das Vogels­berger Rind im Kreise Wetzlar (Milchkon­trolle"), ter Verein ehemaliger Landwirtschafts- schüler und die Landwirsschaftliche Schule in Wetzlar. Aus dem Festplatze eröffnete der Direk­tor ter Lokalabteilung und 1. Vorsitzende ter Kreisbauernschaft, Landwirt Allmenröder (Wetzlar) das Fest durch eine Ansprache, in der er darauf hinwies, daß die Heimatprvvinz seit einigen Tagen wieder von fremder Besatzung frei sei. Das Kreistierschaufest habe sich zu einem wahren Volks- und Heimatsfest herausgebildet. Mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland schloß ter Redner seine Ansprache, worauf die Festversammlung das Deutschlandlied sana. Hier­auf ergriff Oberbürgermeister Dr. Kühn das Wort zu einer längeren Ansprache. Die Feier

des heutigen Festes sei für die Stadt Wetzlar um so mehr ein freudiger Anlaß, als sie ihr 750jähriges Jubiläum als ehemalige freie Reichs­stadt feiere. Die Geschichte ter Stadt Wetzlar sei eine mehr als 1000jährige. Die Etappen ter Geschichte seien bereits im Festzug unterstrichen worden. Mit Stola könne die Stadt Wetzlar auf das Bauwerk des Domes Hinblicken. Ober­bürgermeister Dr. Kühn gedachte noch der Zeit des Reichskammergerichts sowie der Zeit Goethes. Der Glaube an eine bessere Zukunft dürfe nicht erlöschen. Als ein glückliches Zeichen dafür sei die Befreiung der Rheinlcnrte anzusehen. Der Redner gedachte auch der im Weltkriege ge­fallenen 437 Söhne ter Stadt Wetzlar. Mit ten besten Wünschen für die weitere Entwicklung von Stadt und Kreis Wetzlar beendete der Red­ner seine mit großem Beifall aufgenommene An­sprache. Weitere Reden hielten Regierungspräsi­dent von Sybel (Koblenz), Provinzialdire^or G r a e f (Gießen), ter die freundnachbarlichen Be­ziehungen ter Städte Wetzlar und Gießen her­vorhob, und Fabrikant Pfeiffer (Wetzlar). Der Rest tes ersten Festtages war durch Kon­zert, Tanz und Volksbelustigungen ausgefüllt.

Kreis Wetzlar.

O Oberkleen, 30. Juni. Gestern morgen er­legte Jagdaufseher Eigen st atter von hier im DistriktSchalsberg" einen Keiler, der auf- gebrochen ein Gewicht von 126 Pfund hatte.

O Riederkleen, 26. Juni. Die Pro - vinzialstrahe Wetzlar Butzbach, welche sich zum Teil in einem sehr schlechten Zustande befand, wird zur Zeit zwischen ter Abzweigung ter Kleebachstrahe und dem Knorr- Hofe" neu instandgesetzt. Siejerhält eine neue Kleinschlagtecke, zu welcher Dasaltsteine Ver­wendung finden. Di« Walzar^eiten werten von ter Firma Theodor O h l in Limburg ausge­führt. Der Verkehr auf der genannten Straßen- strecke wird während ter Bauafbeiten über Dorn­holzhausen umgeleitet.

5 Klein-RechtenbaL, 1.Juli. In den ausgedehnten Kirschbaumanlageitz der hiesigen Ge­

markung hat die Fruhkirschenernte begonnen. Infolge der günstigen Witterung während der Blüte­zeit zeigen die Bäume durchweg' einen befriedigenden Behang. Auch die Spätkirjchencrnte, die in diesen Tagen beginnen wird, bietet günstige Aussichten. Die Preise für Kirschen betragen gegenwärtig noch 35 bis 40 Pf. pro Pfund. Der Berkaus geschieht zum größten Teile an Händler, welche die Früchte in den Jndustrieorten wieder absetzen. Neben unserer Ge­meinde ist es nur noch die Nachbargemarkung Hochct. heim, die ähnlich große Kirschbaumbestände in unsrer Gegend aufzuweiscn hat.

5 Lützellinden, 1. Juli. Dieser Tage fand an derHolzburg" die diesjährige B e r st e i g e. rung der Gemeinhckirschen statt, wozu zahlreiche Kaufliebhaber erschienen waren. Je nach Behang und Größe wurden für die einzelnen Kirsch, bäume bis zu 18 Mark geboten, so daß sich der Zentner schätzungsweise auf etwa 20 Mark stellt.

<> Dornholzhausen, 30. Juni. Am gestri­gen Sonntag feierten die Eheleute Anton B a um II. und Frau Maria geb. Vogt das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Braun ist 72 Jahre und seine Ehefrau 73 Jahre alt; beide erfreuen sich noch ver­hältnismäßig guter körperlicher und geistiger Rüstig- feit. Von der preußischen Staatsregierung wurde dem Jubelpaar ein Geldgeschenk von 50 RM. bewilligt. Die Evangelische Kirche der altpreußischen Union widmete ihm die Ehegedenkmünze, und die hiesige Kirchengemeinde als Geschenk eine Bilderbibel. Land- rat M i ß (Wetzlar) und Bürgermeister Dr. Neu­mann (Groß-Rechtenbach) ließen ebenfalls ihren Glückwunsch aussprechen.

Kreis Marburg.

H Marburg, 29. Juni. Um wenigstens einem Teil der ausgesteuerten Erwerbslosen Be­schäftigung geben zu können, sollen nunmehr'Bie­ter mehrere Außen st raßen kanalisiert und ausgebaut werten. Bei den Vergebungen ter Arbeiten ist es Bedingung, daß 75 Prozent ausgesteuerte Erwerbslose aus ter Stadt dazu eingestellt werten. Der projektierte Ueberfüh- rungssteg beim Hauptbahnhof, der das von über 1000 Menschen bewohnte neue Ortentergviertel ter Stadt näher bringen soll, war anfänglich mit 30 000 Mk. veranschlagt. Rach neueren Berech­nungen erhöhen sich die Kosten auf 40 000 Mk. Diese Mehrkosten werten mit 75 Prozent auf die Anlieger, die Vorteile von dem neuen Steg haben, umgelegt.

Aus aller Welt.

Reichstagung ter Zioildienstberechliglen.

Der Reichsbund der Zivildienstberechtigten, bet 130 000 Mitglieder zählt, hielt seine Hauptver­sammlung in Stuttgart ab. Aus assen Teilen Deutschlands gut besucht (Hessen entsandte seine Vertretung in den Herren Dorr. Vollrath und Raab, Darmstadt), wurde die Tagung bei Teil­nahme von zahlreichen Vertretern ter Reichs­ministerien und der Reichs- und Staatsbehörden zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die Zivilversorgung. Der Reichstagsabgevrdnete S t e i n k o p f, ter für die anwesenden Reichs­tagsmitglieder von der Sozialdemokratischen bis zur Deulschnationalen Partei sprach, anerkannte Die Pflicht tes Staates, für die ausscheidenden Glieder des Reichsheeres und der Polizei, die Möglichkeiten gesicherter Berufsversorgung voll auszunutzen. Eindrucksvoll sprach in einer Massenversammlung der frühere Reichswehr­minister Dr. Gehler. Eine Entschließung weist die verantwortlichen Stellen darauf hin, daß sich eine Gefährdung der Zivilversorgung nicht nur auf Wehrmacht und Schutzpolizeien, sondern auch auf Ruhe und Ordnung im Staate verhängnis­voll auswirken und daß weiterhin auch die von ter gesamten Öffentlichkeit geforderte Sparsam­keit nicht zu ihrem Recht kommen könne, wenn jährlich etwa 80 Millionen Llebergangsgebühr- nisse bezahlt werden müssen. Es wird bedauert, daß im öffentlichen Dienst die Zahl ter Ange­stellten auf Kosten tes Derussteamtentums ständig vermehrt werte.

Dritter Deutscher Schülerretewettbewerb.

Deutschland ist in diesem Jahre zum dritten­mal eingelaten worden, sich an dem internatio­nalen Schülerretewettbewerb zu beteiligen, der im Herbst in Washington ftattfintet. Die Ver­anstaltung soll der Förderung ter Rhetorik wie ter Beschäftigung der Heranwachsenden Jugend mit allgemein-politischen Fragen dienen. Zwischen dem 1. Juli und tem 5. August d. I. finden regionale Wettbewerbe statt. Die Auswahlthemen lauten:Deutschlands Stellung in ter Welt" undWas sagt uns Jungen die Geschichte?" Am 8. und 9. August vereinigen sich die regionalen Sieger in Berlin, wo in einem Wettbewerb in den Räumen tes Staats bürgerkundlichen Semi­nars der Deusschen Hochschule für Politik fünf oder sechs Teilnehmer für die Schlußentscteidung am 10. August ausgewählt werten. Der Sieger erhält als Preis eine mehrwöchige Reise nach und durch Rord-Amerika. Er ist verpflichtet, am Internationalen Wettbewerb in Washington teil» zunehmen.

Beim Boxkampf gelötet.

Bei den Amateurboxkämpfen auf dem Sport­platz am Berliner Bahnhof ©efunöbrurtnen er­eignete sich ein tödlicher Llnglücksfall. In der zweiten Runde erhielt der 15jährige Schate vonc BoxvereinHermes" einen schweren K.O.- Schlag auf die Kinnspihe, stürzte zu Boden und schlug dabei so unglücklich mit dem H i n t e r k o p f auf, daß er bewußtlos im Ring liegen blieb. Der jugendliche Boxer, ter zum erstenmal in einem öffentlichen Ring stand, wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht, wo er einige Stunden später an den Folgen eines Echädelbruchs starb.

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