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Nr. 155 Viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Samstag, 5. Zuli 1950

Edelsteine, die im Ofen wachsen.

Bei den Alchemisten von Bitterfeld. - Synthetische Kostbarkeiten.

Don Georg Biesenthal.

Ausgerichtet wie eine Wachtparade stehen die Öfen in blitzblanken Hallen. Sind wir enttäuscht? Schaudernd lasen wir in den Büchern unserer Kind­heit von den Hexenküchen des Mittelalters, wo düstere Männer in schwarzen Roben und spitzen Hüten mit geheimnisvollen Gläsern hantierten. Der Spuk ist verschwunden. Gummi kauend eilen Arbeiter an die Gebläse, regulieren die Temperaturen, schauen durch abgedunkelte Fenster in die blendende Lichtstrah­lung des 2QDO(Srab heißen Schmelzkörpers. Tonerde, Sauerstoff kommen herein - fertige Edelsteine heraus: das ist das Einmaleins der Hexenküche von heute, der Edelsteinfabrik in Bitterfeld.

Es ist zur Mode der Dichter und Denker geworden, unsere Zeit mit Schlagworten zu kennzeichnen. Alle möglichen Fremdwörter sind bereit, dieses Zeitalter mit Kennmarken und Beinamen zu versehen. So kann man es eben auch ein Zeitalter der Surrogate nennen- Feststellung, die durchaus keinen Tadel in sich birgt. Denn es ist bekannt, daß ein hoch vollendetes Sur­rogat, erschwinglich für alle, nützlicher sein kann als eine Echtheit, erschwinglich für wenige. Die Photo­graphie - das Grammophon I Wenn nun jetzt von .künstlichen" Edelsteinen die Rede ist, fo sind damit nicht etwa Imitationen gemeint. Es handelt sich viel­mehr um .synthetische" Edelsteine, die genau so wachsen wie in der großen Fabrik der Aatur - und deren Aufbaustoffe dieselben sind wie in den Fund­gruben von Ceylon, Siam oder Birma. Der Unter­schied bestehl nur darin, dah man die Geburt syn­thetischer Edelsteine nicht dem blinden Zufall eines Aalurfpiels überläßt, sondern sie künstlich herbei, führt - und dah man den Prozeß des Entstehens ganz wesentlich beschleunigt. Denn während die Aalur Zehntausende von Zähren braucht, um Edelsteine im Gewicht von einigen Karat zu erzeugen, entstehen hier Edelsteine von 30 bis 40 Gramm (150 bis 200 Karat) in wenigen Stunden.

Wie geht das vor sich? Bekanntlich erlebte man eine gewaltige 2berraschung, als die wisienschaftliche Ehemie begann, natürliche Edelsteine zu analysieren. Man sah, daß die )o kostbaren Juwelen weder aus seltenem, noch aus sonstwie wertvollem Material be­stehen. Der Diamant ist aus .ganz gewöhnlichem" Kohlenstoff - Rubine und Saphire enthalten Sauer­stoff und Aluminium - Stoffe, die auch sonst in der Aatur in ungeheuren Mengen vorhanden sind. Es liegt also nicht an der chemischen Zusammensetzung, wenn diese Juwelen wertvoll sind.

Der Grund ihres Wertes ist ja tatsächlich ein an­derer. Betrachtet man die ursprüngliche Form der Edelsteine - bevor sie in die Hand des Schleifers kommen so bemerkt man bei fast allen die eben­mäßig gewachsene Gestalt. Diamanten bilden vier­seitige Doppelpyramiden oder Würfel - Rubine und Saphire sechsseitige Säulen. Wir haben es mit Kri­stallen zu tun - und dieser kristalline Zustand ist es, der die wertlosen Stoffe zu Edelsteinen macht - der ihnen Durchsichtigkeit und prachtvollen Glanz ver­leiht. Wollte man also Edelsteine synthetisch Herstel­len, so mußte man versuchen, Kristalle naturgetreu aufzubauen.

Schon vor dreißig Jahren konnten Wild und Ml et he in Deutschland - Derneuil in Paris - Edelsteine aus den natürlichen Grundstoffen aufbauen und sie kristallisieren. Es waren die ersten primitiven Versuche. Zur Gruppe der Edelsteine, die heute auf viel vollkommenere Artsynthetisch" hergestellt wer­den, gehören in erster Linie die edlen Korunde und Spinelle und von denen wiederum nehmen rote Rubine und kornblumenblaue S a p h i r e in der Pro- dultion den breitesten Raum ein. Zwar hat man auch Diamanten und Smaragde synthetisch hergestellt. Aber hier sind bisher nur dürftige Laboratoriums­versuche gelungen - und die haben trotz hoher Her­stellungskosten so winzig kleine Kristalle ergeben, daß praktische Verwertung aussichtslos scheint und plan­mäßige Herstellung unrentabel wäre. So erstreckt sich

die Fabrikation vorläusig nur auf Korunde und Spi­nelle. Fabrikantin ist die.3-G. Farben" auf Werk Elektron-Aord.

Aur wenig Außenstehende sind je in dieses tech­nische Mysterium emgetreten. Sa wächst im feuerfesten Ofen, weißglühend und tropfenförmig, der Kristall wird größer von Minute zu Minute. Gin reiches Maß von Erfahrung und Initiative ist nötig bei jedem Ar­beiter, um den Prozeß des Wachstums so individuell zu leiten, dah ein großer, klarer, gleichmäßig gefärbter Juwel entsteht. Hier gibt es kein laufendes Band, keine Rationalisierung, keine automatischen Menschen: HandarbeitistTrumpfl Don der ersten bis zur letzten Sekunde der Entstehungsgeschichte muh jeder Stein gewiffenhast überwacht, der Ofen dauernd regu­liert werden.

Bei 2000 Grad liegt der Schmelzpunkt syntheti- fcher Edelsteine. 3m Schmelzapparat, in der Wiege des Edelsteines, besindet sich ein Brenner mit Zu- führungsrohren lür Wasserstoff und Sauerstoff - und eine Vorratsbüchse mit dem Rohstoff, dem Her­stellungsmaterial (Tonerdepulver, färbende Substan­zen). Die Büchfe wird erschüttert, Tonerde fällt in kleinen Portionen durch ein niedliches Spielzeug- Sieb in die Flamme. Ein Schamottestift steht in der Flamme heihestem Teil.

Auf diesem Stift sammelt sich die Tonerde. Schmilzt dort zu einem winzigen Tröpfchen, - das durch neue Tonerde-Zufuhr alsbald zu einem stattlichen Tropfen wird: das Embryo des Edelsteines ist dal Rasch ent­stehen auf dem dünnen Stiel des Schamottestifts bir­nenähnliche Gebilde: Kristalle, Juwelen! 2nb diese Kraft der Kristallisation ist mitunter so stark, dah der Tropfen auch äuherlich Kristallgestalt annimmt-und nach oben zum sechsseitigen Prisma wird!

Möglichkeiten des Wachstums hat man erforscht, die in solcher Vollendung noch vor zehn Jahren un­möglich schienen. Im Tresor ruhen die geheimnis­vollen Rezepte für den Alexandrit und den Pad­paradschah, für den dunkelgrünen Spinell und den orangeroten Korund - für gelbe, grüne, violette Saphire, aquamarln- und zirkonfarbene Spinelle' Man weih zwar allgemein aus den Vorgängen in der Aatur, dah ein Zusatz von Chromoxyd die rote Farbe des Rubins ergibt - und dah Zusätze von Eisen und Titan eine blaue Farbe des Saphirs Her­vorrufen, während vollkommen reine Toneide den. farblosen Korund erzeugt-Wie man aber den Schmelz­prozeh leiten und die Quantitäten der Zusätze aus­wählen muß, um jene Skala von Farben zu erzielen, wie sie vorhin genannt worden ist - das bleibt ein Geheimnis, das man nicht preisgibt.

Der Entstehungsprozeh ist beendet. Zufuhr von Tonerde und Gas wird abgestellt. In wenigen Mi­nuten erkaltet der Stein, verläht den Ofen. Mittels Schablone wird er nun auf Gröhe und Form geprüft, Befondere Apparaturen - elektrische, mikroskopische- ermitteln seine Qualität. Der Schamottestift wird ab­gebrochen - und dabei zerspringt fast jeder Stein in­folge innerer Spannungserscheinungen in zwei Half-

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ten. Durch Sägen, Schleifen, Polieren werden dies« halbierten Steine weiteroerarbeitet.

3m Jahr erzeugt man auf solche Art ein paar Millionen synthetische Edelsteine. ES wäre verfehlt, zu glauben, dah sie nur in der Schmuckin­dustrie verwendet würden. 3m Gegenteil: da diese Edelsteine in ihren chemischen, optischen, physikalischen Eigenschaften den natürlichen durchaus entsprechen (abgesehen natürlich vonshmftfcblern"). werden sie hauptsächlich beim Apparatebau, in der Technik, ge­braucht. Synthetische Korunde besitzen, genau wie die natürlichen, Härtegrad 9: sie stehen nur dem Diaman­ten nach, der mit Härtegrad 10 den Rekord schlägt. 3n solcher Eigenschaft verwendet man sie als Lager­steine: bei Taschenuhren (alsRupien"), bei Prä­zisionsinstrumenten, Elektrizitätszählern usw. Bei Bohrungen nach Kali, Erz und Salz sind die Bohrer mit diesen hochgradig harten Steinen beseht - und selbst die Abfälle des Korunds sind nicht zu verachten: sie ergeben ein wichtiges Schleifmittel.

Die Moral der ganzen Geschichte ist nur noch all­täglich: das Laboratorium hat wieder einmal gesiegt. Es ist, darf man melden, der chemischen Industrie gelungen, billiger zu arbeiten als ihre große Kon­kurrentin, die Aatur. Die Baiffe in Aatur hat somit noch keinen Stillstand erreicht. Es wird weiter gefixt.

pstegegeldsahe in den Landes-Heil- und Pflegeanstalten.

wsn. Darmstadt, 4. Juli. Die in den hessi­schen Landes-Heil- und Pflegeanstalten $u er­hebenden Pflegegelder werden vom 1. 3ult 1930 ab wie folgt festgesetzt: 3n der ersten Klasse täglich für Hessen 11,60 Mark, für Dichthessen 19,30 Mark. 3n der zweiten Klasse für Hessen 7,70 Mark, für Atchthessen 11,60 Mark. In der dritten Klasse für selbstzahlende Hessen 4,05 Mk., für selbstzahlende Aichthessen 5,20 Mark: für hessische Fursorgever bände, Krankenkassen und die Landesversicherungsanstalt Hessen 4,05 Mark, für nichthessische Fürsorgeverbände, Krankenkassen und sonstige Landesversicherungsanstalten 5,20 Mark. 3n besonderen Fällen kann in allen Klassen ein höheres Pflegegeld berechnet werden.

Das in der Anstalt für Geistesschwache, Alice- Stift, bei Darmstadt, zu entrichtende Pflegegeld wird ab 1.3uli wie folgt festgesetzt: Für jedes tn der Anstalt auf genommene Kind ist je nach den Derrn ögensverhältnissen des Zahlungspflich­tigen und den Bedürfnissen des Kindes ein jähr­liches Pflegegeld von 970 bis 1450 Mark zu entrichten. Selbstzahler haben außerdem noch die vorgeschriebenen Kleidungsstücke und Schuhe selbst zu stellen. Erfolgt die Aufnahme auf Kosten einer öffentlichen Kasse, so beträgt das Pslege- geld in jedem Falle 1200 Mark jährlich.

Daten für Sonntag, 6. Juli.

Sonnenaufgang 3.51 21jr, Sonnenuntergang 20.18 2Hr. - Mondaufgang 16.40 2hr, Mond­untergang 0.27 2H r.

1415: der Reformator Johann Huß in Kon­stanz verbrannt: 1535: der englische Kanzler Thomas Moore im Londoner Tower enthauptet; 1553: der Dichter Ludovico Ariosto in Fer­rara gestorben: 1854: der Physiker Georg Simon Ohm in München gestorben: 1887: der Dichter Walter Flex in Eisenach geboren.

Daten für Montag, 7. Juli.

1855: der Dichter Ludwig Ganghoser in Kauf­beuren geboren; 1860: der Dirigent und Kom­ponist G. Mahler in Kalisch geboren.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

* Das Amtsverkündigungsblatt Nr 50 vom 4. Juli enthält: Die Wahlen für den Gesellen­ausschuß der Handwerkskammer. Lagerung von Getreide, Heu usw. in der Nähe der Bahn. Po­lizeiverordnung über den Betrieb der Anschlußgleise der Firma Basaltwerke Gießen G. m. b. G. auf dem Bahnhof Queckborn. Die Umlagen und die Son­dergebäudesteuer des Kreises Gießen. Polizei- Verordnung über die Entwässerung der Grundstücke in der Gemarkung Lich.

Was ist der Raum?

Dortrag Einsteins auf der Weltkrastkonferenz.

Aachdruck verboten!

3m ersten Hauptvortrag auf der soeben beendeten Weltkraftkonferenz in Berlin gab Professor Albert Einstein eine tiefgrün­dige Darstellung des Gedankeninhalts seiner Lehre, die sich als eine knappe geschichtliche Zu­sammenfassung unserer mathematisch-phy- sikalischen Vorstellung vom Raum ergab. Den Griechen kommt das außerordentliche Verdienst zu. die Lehre vom Raum auf streng begriffliche Gedankengebilde, wie Punkt, Linie, Gerade usw. gegründet zu haben. Der Begriff eines stetig ununterbrochen in sich zusammen­hängenden Raumes fehlte ihnen jedoch. Er ist erst bei der Wiedererweckung abendländlicher Wiffenschast durch den großen französischen Denker Descartes in die Wissenschaft eingeführt worden. Dies war ein ungeheuerer Fortschritt, sowohl für die von Descartes zunächst gepflegte Mathematik als auch für die von Galilei begründete neuere Physik, - beten Entwicklung durch die Gedanken von Descartes erst ermöglicht wurde. Dies hatte aber die Folge, dah man die Bedeutung des so geschaffenen Raumes übertrieb, indem man ihm ein völlig selbständiges, unver­änderliches, von allen Körpern und Kräften un­abhängiges Wesen zuschrieb. 3n dieser Dichtung wirkte auch die Entwicklung der Optik, die das Licht auf Wellen zurückführte, ohne aber einen Träger der Wellen angeben zu können. So tauchte denn der berühmte Aether auf, der zwar heute auch rein physikalisch genommen sehr schwer verdaulich und eigentlich auch unnötig ist, ge­schichtlich betrachtet aber zu einer weiteren Stär­kung desabsoluten Raumes" durch denab­soluten Aether" führte. Der vor einigen 3ähren verstorbene Lorenz war der Hauptvertreter dieser Richtung.

Die weitere Entwicklung ging, was der Vor­tragende freilich nicht ausdrücklich hervorhob, im wesentlichen von ihm selbst aus. 3n der be­schränkten Relativitätstheorie wurde der grund­legende Zusammenhang zwischen Raum und Zeit erkannt. Rechnerisch und der Form nach stellte sich dies als ein vierdimensionaler Raum dar, der zwar schon oft einen gewissen Schrecken ver­breitet hat in diesem Zusammenhang aber als sehr harmlos bezeichnet werden muß. Die all­gemeine Rela tivitatsthevrie ging hier­über noch hinaus, indem sie die 2nabßängigEeit

des Raumes gegenüber den in ihm wirkenden Kräften aushob. Der Raum wird in ihr wie eine Art elektromagnetisches Feld aufgefafot, und hierdurch wird das Ziel erreicht, das sich Ein­stein gesteckt hatte, nämlich die Beseitigung eines jeden unmittelbaren Einflusses des Raumes auf Dewegungsvorgänge, wie sie z. B. die gewöhn­liche Bewegungslehre in der Fliehkraft und der­gleichen noch kennt.

Zum Schluß streifte Einstein noch seine kürzlich auf gestellte einheitliche Feldtheorie, durch die gleichzeitig das Schwerefeld und das elektro- magnetische Feld in einheitlicher Auffassung des Raumes abgeleitet werden. 5>ie Durcharbeitung der Gedanken dieses Vorstoßes ist der nächsten Zukunft Vorbehalten.

Prof. Dr. Kirchberger.

Der hypnotisierte Meistereinbrecher.

An ein indisches Märchen wird man bei der Lektüre der Berichte über die Verhaftung eines gefürchteten Einbrechers erinnert. Ihre Begleit­umstände geben den Psychologen Stoff zu einer eingehenderen 2ntersuchung. Ein gewisser Herr Ritor war als Fassadenkletterer, dem keine Mauer zu hoch, keine Wand zu steil war, wie als Hochstapler, bem kein Unternehmen zu schwierig schien, wie schließlich als gemeiner Ein­brecher, der vor keiner doch so undurchführbaren Sache zurückscheute, gleich berühmt. Fast alle vornehmen Pariser Hotels hatten seine Be­kanntschaft gemacht, und noch nie war es der Polizei gelungen, ihn zu fassen. Da ereilte ihn eines Tages auf besonders ungewöhnliche Weise fein Schicksal. Mit katzenartiger Behendigkeit und Eleganz war Ritor wieder einmal in ein Hotel in der Aähe der Champs-Elisees einge- drungen. Lautlos schleicht er sich in die Schlaf- Appartements ein. Seine Laterne blitzt auf, acks dem Aachttifch findet er reiche Deute an Schmuck und Wertsachen, und im Schrank Pelze und kostbare Gewänder, die er eiligst in einen da­nebenstehenden Koffer einpackt. Er hätte sich damit begnügen und das Weite suchen können. Aber noch nie ist Ritor gegangen, ohne das Feld gründlich abgegrast zu haben. Die im Bett friedlich schlummernde Dame atmet regelmäßig, er schleicht sich also ins Aebenzimmer, um auch hier zu nehmen, was nehmenswert erscheint. Da hat er das Pech, einen Stuhl umzuwerfen. Sein Herzschlag stockt... Was wird jetzt kommen?! Fliehen? Auf dem Wege, auf dem er gekommen war? Aber... 3n der Dunkelheit, in der un­

durchdringlichen Finsternis des Zimmers sieht er plötzlich ein funkelndes Augenpaar auf sich gerichtet. Wie lodernde Feuer glühen ihn diese Augen an, eine unheimliche Macht strahlen sie aus. Er starrt sie an in dem Bewußtsein, dah jetzt das Verhängnis naht. 2nd ist nicht fähig, sich zu rühren vor diesen Augen, die seine Kräfte lähmen, seinen Widerstand schwinden lassen. So steht er einige Minuten. 2nd lang­sam bewegen sich die brennenden Punkte auf ihn zu, mit unheimlicher Gewalt ihn in ihren Bann zwingend. Als bann plötzlich bas Licht erstrahlt, sieht er einen Mann, einen Orientalen, auf sich zukommen. Er flüstert ihm einige Worte zu. 2nb Ritor gehorcht, geht zu bem Koffer, packt bie Sachen toieber aus, seht sich, von ber Gewalt ber Augen gezwungen, auf einen Stuhl unb läßt sich willenlos von bem Hotelpersonal fest- nehmen, das durch den Orientalen herbeigeklin­gelt wurde. Was war's? Erst bei der Ver­nehmung konnte Ritor sich langsam wieder er­holen, ber Bann ber Hypnose löste sich. 3eht ben ft er hinter Schloß unb Riegel über bie furchtbare, unheimliche Gewalt ber Augen nach, bie ihn seiner Willenskraft beraubten.

DerBoxchampion Napoleon Bonaparte

Es hanbelt sich beileibe nicht um ben großen Korsen. Der BoxkämpeDapoleon Bonaparte" ist ein geschäftstüchtiger, aber nicht gerabe ge­schmackvoll benfenber Q^anlee in Boston, ber sich einbilbete, burch bie Anlegung bes historischen Aamens schneller berühmt zu werben als sonst. Er sollte zunächst recht behalten: ben Amerikanern machte es viel Spaß, bem im Ring kämpfenben Boxer zuzurufen:Achtung,,Aapoleon! Pah auf, Bonaparte!" unb anderes jmehr. 2nb als ber Wackere trotz alledem eint Dieberloge erlitt, schrieben amerikanische Sertationsblötter fabel­hafte Berichte überDapol^ons Fall" unb über Austerlitz in Boston". Da ihuhte schon bie fran­zösische Botschaft eingreif en,, um biefer selbst für amerikanische Begriffe noch kaum bagetoefenen Geschmacklosigkeit Einhalt zu gebieten. Herr Je­rome Smith würbe höflich, aber energisch er­sucht, sich nicht mehr Dapoleon zu nennen, andernfalls man in Erwäglmg ziehen müßte, auch ihn entsprechend aui internieren. Was blieb da bem armen Smith |brig? Erdankte" ab und will unter bem eigenen Damen sein Doxglück versuchen...

ES schwimmt etwas im Kanal!

Vor einigen Tagen tarnen bie Fischer von Bournemouth aufgeregt in ihren Heimatsort zurück und berichteten von einer seltsamen Masse, die ihnen beim Fischfang begegnet sei. Irgendein geheimnisvolles Etwas, über dessen Zusammen­setzung sie sich nicht ganz im klaren seien, oder genauer gesagt überhaupt nicht im klaren fein könnten. Denn das unheimliche Etwas, es war kein Tier, es waren keine Pflanzen, zog schwer­fällig an ihnen vorüber. 2nb ehe Mutige sich herangewagt fjatten, war dieses Etwas ver­schwunden, von der Flut davongetragen. Dah bas, was die Schisser erzählten, kein Seemanns- garn war, das sie spannen, um statt der nicht gefangenen Fische doch etwas mit nach Hause zu bringen, ergab sich daraus, dah bald von anderen Stellen her ähnliche Meldungen regi­striert werden konnten.

Schliehlich verdichteten sich bie Gerüchte von bem Etwas, bas im Kanal schwamm, so sehr, dah bas ßeefter Institut in England sich zu einer Dachforschung entschloß. Tagelang fuhren Wissen­schaftler mit schnellen Motorbooten im Kanal um­her, bis es schliehlich tatsächlich gelang, das ge­heimnisvolle Etwas zu Gesicht zu bekommen. So­gar eine Probe konnte man erlangen. Aber bis heute wissen die Chemiker noch nicht, was es ist. Das einzige was sie sagen können, ist, dah es eine kompakte Masse ist, die sich glitschig und ölig anfühlt, aber eigentlich kein Oel unb auch kein Getier ist ...

So rätfelratet man noch immer um bie Masse, bie im Kanal hin unb her schwimmt. Vielleicht kommt bie Deutung ber Wahrheit am näch­sten, bie ein einfacher alter Fischer glaubte geben zu können.Wenn es sich anfühlt wie Oel, bann ist es auch Oel" Als am 24 .April die Bremen" auf den OeldampferGrenadier" fuhr, zertrümmerte er doch einige Deikammern unb habet würbe Rohöl frei. Wer weih, wie sich solche Mengen Rohöl benehmen, wenn sie auf einmal in bas Meerwalser kommen? 2nb wer weih, wie gut ober schlecht dieses Oel gewesen ist!" Die Wissenschaftler wollen nicht zugeben, daß ber alte Fischer ins Schwarze traf unb bie Fischer von Bournemouth wollen es auch nicht glauben, denn seither kommen jede Woche Inter­essenten heraus zu ihnen unb wollen im Kanal das geheimnisvolle Etwas sehen. So wirb aus einem Rätsel ein Geschäft. Diemanb, mit Aus­nahme bes Fischers, will wissen, was es ifo was da im Kanal schwimmt!