3
3,
? 3
9
=
~t*S ?•?
3 n
3 C
» =
"Ac
®M3
2 h2 M nd-" ® 5^§.oSSic ■’,”7
!©§ÖE3 *
*■-.3 H ~n
-3 2.L«»
zZzsr
E 0« SE® ° C s®«a2 Sv 5*2?“ 0
— 3 5 3 ~ . »3, A- »2 5^2 "
53 (Jl 'g n
= n» °°2^? «oo'lgs®
Ö?'»?. ?o x~i
42 c ® =■« ®®8.s3aÄ 3^?5^ »E^o»«
y=(j)&5 -_ 7
2 ■e-'im»*
3 "12,T"~ °
1 3 m«'*- n -
5»S3=»2. k3-a: , 3?-
3f®?=5@
n »® e°,2^» 'aga&i yäfMai
S!»E*
^Ja? gh«S’
5
3
8 *K"
S
S
32.C'
M2S--
s o
N s
2. ero oj "
-.ß-?2
A Z-S.sS'
r -
~ 3-=
ä3«5«:
<-3---ös
■»« ö g sr?* 3 ,. O Ul £ 3 7 iS $5 o c 5e s.^Zr-e° «?2 E3*5# ■r^W
ÄÖöSffgg $4«
Ssgprff 5*2." MP
3 2 x-^3 - • 31 > fg5S?0 5?
ö» " ifo'’ a5 Ms-lZZr
» t83$?
»5» *25^/4 Zs^-S7^p L°-z->--»-
- 1 ?fi s go».-- »sZ^M *2dfl s3? .
?>■
tieSn82g ; 2=2®=;a3 'S« s-zäs ;«5tf3'n'? 3 ! ^^PtO 9 • 3 g $'"o n» ,,ul5 s.3ScgSo;a s"» 3 3 o ;c 2 SSgCfä* 2'®«
ä?sl"ö5f So- 2»s?
ö©5rtaJo »"2"°Z5L L-ZoL-ZL ?2 2=5e^
I
W |
«r
M
Montag, 5. Mai 1930
geboren: — 1859: der Naturforscher Alexander v. Humboldt in Berlin gestorben: — 1871: der Dichter Christian Morgenstern in München geboren: — 1904: der Maler Fran- v. Lenbach in München gestorben: — 1926: der Agrikulturchemiker Franz v. Sexhhlet in München gestorben.
zum Donnerwetter, so etwas gibt es txxf> einfach gar nicht. Eine Frau kann doch nicht nach dreijähriger Ehe einfach von ihrem Gatten Weglaufen, nur weil es ihr nicht mehr paßt."
„Mein Grund ist schwerwiegend genug.“
„Grund, Grund!" höhnte der Oberst. „Schockschwerenot! Das ist doch kein Grund, wovon du da faselst: Fehlende Harmonie, oder so ein Zeug."
„3<$> verstehe dich, Konstanze", pflichtete Frau von Heistritz ihrer Tochter zu. „Ich kann mich ja in deine Lage hineindenken. Wir Frauen ha
ben ein zarteres Verständnis für derlei Dinge,
als die Männer ... aber ... aber..." Sie wiegte den weihen Kopf hin und her. „Das muh man trogen. Konstanze, heldenmütig. Wir Frauen
müssen vieles tragen.“
»2ch sehe, auch du verstehst mich nicht, Mama.“
„Natürlich, natürlich", rief der Oberst mit grimmigem Lachen dazwischen „Ihr Frauen müht euch ja immer gegenseitig helfen." — Plötzlich ging er in eine andere Tonart über. „Aber, wozu reden wir überhaupt soviel von diesem ganzen Schnickschnack — du kennst mich. Konstanze. Ich bin stets auf deiner Seite gewesen, wenn es galt, dich zu verteidigen. Das Beste war mir für dich gerade aut genug. Ich hab« dir immer die Stange geyalten und werde es stets tun, wenn du im wirklichen Unglück bist ... Aber in diesem Falle, nein, mein Kind, da kommst du bei mir nicht an. — Eine Ehe ist nun mal keine Spielerei, die man wegwirst, wenn sie einem nicht mehr paßt. Sie ist ein heiliger Dund fürs ganze Leben, den zu brechen eine Sünde bedeutet. Sie ist eine von unserem Herrgott eingesetzte Institution."
„Ich glaube, Papa, es ist nicht nötig, mir dazu erklären. Weil ich im Eheleben mehr suche, als die meisten Menschen", ihre Nasenflügel zitterten, eine Erregung kämpfte in ihrem Inneren. „mehr auch, als ihr, du, Mama, und alle übrigen lieben Verwandten, darum muh ich meine Gemeinschaft mit Lothar lösen."
Des Obersten Gesicht nahm einen zornigen Ausdruck an. und auch Konstanzes Mutter machte eine gekränkte Miene.
„Was!?" schrie ihr Vater, „bist du hierher gekommen, um deinen Eltern so etwas zu sagen, dann gehe lieber gleich wieder. — Wohin, da- ist nun deine Sache. Du läht dir von uns ja doch nicht taten. Also tue, was du nicht lassen kannst, Iah uns aber dabei aus dem Spiel."
„Es ist gut, Papa“, entgegnete Konstanze mit steinernem Gesicht. „Ich werde gehen.' (Sie wendete sich zur Tür.
„Halt!“ Der Oberst vertrat ihr den Weg. Sein breiter Rücken füllte fast die ganze Tür aus. „Wo wlllst du denn hin?" — Er merkte, dah es Konstanze witllich ernst war. zu gehen, und Wurde im Moment weich. (Fortsetzung folgt)
Oberheffen.
Landkreis (Yictzcn.
§Alten-Buseck,3. Mai. Das Ministerium für Kultus und Bildungswcsen hat das Dekret de» Schuloerwalters F l a u a u s aus Kranichstein bei Darmstadt zurükkgenommen und mit der Verwaltung der hiesigen vierten Sch ul st eile den Schulverwalter Schember aus Ortenbcrg betraut.
* Grünberg, 4. Mai. Var über 30 Jahren verlor eine hiesige Einwohnerin ihren goldenen Trauring, den man damals trotz eifrigen Suchens nicht finden konnte. Nunmehr wurde dieser Tage der Ring beim Umgraben einesStücks Gartenland wieder zutage gefördert, nachdem er über 30 Jahre in der Erde gelegen hatte.
— Hungen, 3. Mai. Das 6jährige Söhnchen des Lokomotivführers Studenroth, daS erst vor einigen Tagen in die Schule ausgenommen worden war, stürzte beim Spielen aus verhältnisrnähig geringer Höhe herab, blieb aber mit einem schweren Schädelbruch und inneren Verletzungen liegen. Nach wenigen Stunden verstarb das bedauernswerte Kind an den Verletzungen.
I Hungen, 3. Mai. Gestern morgen mußte eine hiesige Haussrau eine sehr unangenehme Wahrnehmung machen. Sie hatte die Wäsche über Nacht in dem Hausgarten hängen lassen. Als sie heute früh nach der Wäsche Ausschau hielt, mußte sie fest stellen, daß zwei schmutzige Hemden und zwei Paar schmu! ige Strümpfe dazu aufgehängt worden, während dafür zwei neue Hemden und zwei Paar neue Strümpfe verschwunden waren. Jedenfalls haben Landstreicher die günstige Gelegenheit wahrgenommen, den ilmtaußj) vorzunehmen.
t Eberstadt, 2. Mai. Um den Notstand in der Wasserversorgung unserer Gemeinde abzuhelfen, sind gegenwärtig erfolgreiche Bohrungen im Gange, die dem Hochbehälter der Wasserleitung neue Adern zuführen sollen. — Am vergangenen Sonntag wurden die diesjährigen Konfirmanden, ein Knabe, fünf Mätxyen, eingesegnet. Neu in die Volksschule ausgenommen wurden zwölf Schüler, damit wurde eine Klassenstärke von 52 Schülern erreicht.— Altem Herkommen gemäß erhielten die Schulneulinge eine mächtige, fün Pfund schwere Schulbrezel, die für die Jungen mit bunten Bändern, für die Mädchen mit Haar chleifen geschmückt war.
Kreis Schotten.
I. O b e r - L a i s. 3. Mai. An die Stelle des nach Darmstadt versetzten Lehrers Strößinger trat mit Beginn des neuen Schuljahres Schulverwalter Oberheim aus Gedern, der bisher in Helpershain verwandt war. — Die hier jetzt zum erstenmal durchgeführte ärztliche Untersuchung der Schulneulinge wird auch von den Eltern sehr begrüßt. Es wäre zu wünschen, daß auch in unserem Kreise die anderwärts bereits feit Jahren durch- geführten schulärztlichen Ueberwachungen der Schulkinder zur Durchführung kämen Manche Krankheiten könnten dann früher erkannt und besser be» kämpft werden, als dies heute geschieht. — Lehrer Oberheim übernahm die Leitung des hiesigen Gesangvereins „ß i e i) e r f r e u n b“, der bisher von Lehrer Strößinger geführt worden war.
Konstanze,
Vornan von Karl Heinz Voigt.
Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau.
3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Nun bist du zu Hause, Konstanze! - Weshalb fröstelst du so? .Hast du dir den Eintritt ins Elternhaus anders gedacht?" — Sie sah in den hohen Spiegel und erschrak heftig. — Elend siehst du aus! Ist es möglich, daß man sich in kurzer Zeit so verändert? — Freilich, man war übernächtig und hatte eine lange Bahnfahrt hinter sich. — Aber trotzdem ober vielleicht ge- rabe weil Konstanze etwas verstört aussah. wirkte sie noch herber und dadurch überaus anziehend
Sie sah sich um in dem Raume. Alles war noch wie früher, wie zu Zeiten, da sie ein junges Mädchen und ihr Lachen zwischen den Wänden umhergeflattert war. Uni) doch schien etwas anders als sonst. Cs war alles so kalt, so nüchtern, so fremd.
Es verging eine Minute nach der anderen. Bei diesem Warten schlich sich ein großes Weh in Konstanzes Inneres. — Da flog die Tür auf Ihre Mutter trat cm. Konstanze erstaunte. Eie hatte ihre Mutter fast ein Iahr lang nicht gesehen. Eie hatte sich verändert, war älter geworden. — „Das ist das Leben", sagte sich Konstanzc. „Das Leben baut ab. Das Leben ist ein großer Zerstörer."
Aber trotz ihrer sechsundsechzig Iahre machte Frau Oberst von Heistritz durchaus noch keinen Areifinnenhaften Eindruck. Sie wirkte bedeutend jünger, was wohl ihrem lebhaften Temperamente zuzuschrciben war.
Die alte Dame schlug bestürzt die Hände zusammen.
„Mein Gott! Mein Gott! — Konstanze! — Wie kommst du denn so plötzlich hierher? — Ist etwas geschehen?"
Sie gab ihrer Tochter einen raschen Kuß und sah ihr prüfend ins Gesicht. Ihre Worte überhasteten sich förmlich.
„Tu siehst nicht wohl aus, Konstanze. Erzähle Doch ... was ist denn?"
Konstanzes Inneres gefror zu Eis. Eie fühlte deutlich, wie etwas in ihr abstarb. Sie blieb ganz ruhig, als sie sagte:
„Mama, ich komme direkt aus Berlin — von Lothar, um nie wieder dahin zurückzukehven."
Der Ausdruck im Gesicht der alten Dame war besorgniserregend. Leicht bebend in den Knien, setzte sie sich und starrte ihre schöne Tochter fassungslos an. — Ehe sie noch eine Frage an Konstanze richten konnte, öffnete sich die Türe und der Oberst Waldemar von Heistritz trat über die Schwelle. — Er war sorgfältig rasiert, sah
strahlend, morgenfrisch und äußerst aufgeräumt aus Er kam seiner Tochter mit ausgestreckten Armen entgegen. Beim Anblick seiner Frau stutzte er. Seine Mienen versteinerten.
„Was gibt’S denn? - Hat dein Kommen einen ernsten Grund. Konstanze?"
Die Spitzen seines weißen Bartes zitterten.
„Mein Hiersein hat den Grund, euch zu erklären, daß ich jegliche Gemeinschaft mit Lothar ablehne, und daß ich nicht mehr feine Frau sein kann."
„Um Himmels willen, Kind, willst du dich nicht näher erklären?" fragte Oberst von Heistritz mit heiserer Stimme.
Konstanze stand mitten im Zimmer und sah sehr schön aus Es zuckte um ihren Mund.
„Ich fürchte, ihr werdet mich nicht verstehen." „Aber es muß doch ein Grund da sein. — Hat er dich mißhandelt? Hat er irgend etwas begangen. das dich aus seinem Hause treibt? — Hat er die eheliche Treue verletzt?"
„Nichts von alledem!"
„Kind", flehte bie Stimme ihrer Mutter, „erkläre uns einmal alles vernünftig."
„Das ist mit wenig Worten gesagt. Ich kann nicht mehr Lothars Frau sein, weil das fehlt, was zu einer Ehe vor Gott und den Menschen gehört, nämlich die Seelenharmonie.“
Der Oberst sah seine Frau an und zuckte die Achseln.
„Verstehst du das?" fragte er mit einem spöttischen Unterton in der Stimme.
„3a", sagte Frau von Heistritz ganz leise. „Das verstehe ich", und zu ihrer Tochter gewendet fuhr sie fort: „Das ist aber kein Grund, so mir nichts dir nichts deinem Manne davonzulaufen, Kind."
„Es gibt keinen zwingenderen Grund", entgegnete Konstanze mit unbeweglichem Gesicht. „Eine Ehe ohne tiefste Harmonie ist Verrat am eigenen Leibe, ja ist noch mehr, ist Prostitution.“
Ihre Worte schnitten wie scharfe Messer durch das Zimmer, verletzten und verwundeten, so daß die Seele blutete.
„Das ist Fahnenflucht, Konstanze. — Ueberlege dir doch einmal, was du da angerichtet hast. Du kommst einfach hierher, behauptest nach dreijähriger Ehe, mit deinem Manne nicht mehr zusammenleben zu können und überläßt im übrigen alles dem Geschick. Das sind Torheiten, Konftanze, Launen, die einer Frau in deinem Alter eigentlich nicht geziemen“, ereiferte sich der Oberst. „Immerhin", fuhr er fort, „wir sind Menschen. Ss ficht uns manchmal eine Torheit an, die unteren Stimmungen entspringt. Das läßt sich wieder gutmachen. — „Konstanze!" Weißt du. was der Name bedeutet: „Die Standhafte." Mache deinem Damen Ehre, sei standhaft. — Du wirst also selbstverständlich unverzüglich wieder zu deinem Manne zurückkehren." .
„Niemals!"
„Wie?"
Frau Oberst von Heistritz weinte leise in ihr Taschentuch. Sie stand diesen Ereignissen vollkommen ratlos gegenüber.
Der Oberst kam allmählich in Zorn.
„Sag einmal, Konstanze, was denkst du dir denn eigentlich, wie? Dein Mann ist der beste Mensch von der Welt. Man kann einen Menschen, dem man nach göttlichem und menschlichem Gesetz angetraut ist, doch nicht einfach verabschieden. — Nee, nee, meine Tochter, da wird Lothar uns aber sehr auf seiner Seite haben, wenn es wirklich zum Vruch käme. Aber das ist ja Unsinn! So etwas überlegt man sich nicht einmal, sondern hundertmal."
„Ich hab es wahrhaftig mehr als einmal überlegt, Papa. Vielleicht während der ganzen Zeit meiner Ehe."
„Es renkt sich alles toieber ein. In jeder Ehe gibt es einmal Unstimmigkeiten. Das wird alles wieder gut."
„3a, Kind", bestätigte Frau von Heistritz mit feuchten Augen. „Es wird alles wieder gut. Du allein hast diese Torheit begangen, du allein kannst sie wieder gutmachen. — Papa wird dich selbstverständlich nach Berlin zurückbeglciten und alles ist dann wie bisher.“
Oberst Waldemar von Heistritz, die Hände auf dem Rücken, ging mit großen Schritten im Zimmer umher. Bei den letzten Worten seiner Frau nickte er beifällig. Endlich blieb er vor Konstanze stehen. Er sah ihr forschend ins Auge uni) sagte:
„Und dein Mann? — Was sagt denn Lothar dazu?“
Konstanze hielt dem Blick ihres Baters stand.
„ Nichts I“
„Nichts?"
Der Oberst ereiferte sich.
„Er läßt dich also ohne weiteres ziehen. Er versuchte nicht, dich zurückzuhalten?“
Konstanze hob die Schultern. Ein harter Zug lag um ihre trotzig zusammengepreßten Lippen.
„Was hätte das genutzt?"
„Das ist ein dummes Gerede. Du gehörst zu deinem Marrn und damit Punktum."
„Nicht mchr.“ Konstanze sagte es mit fester Stimme, aus der alle Entschlossenheit sprach, so daß selbst ihr Vater ahnte, daß diesem zähen Willen schwer entgegenzuarbeiten sei. Doch er gab den Kampf noch nicht auf.
„Uebrrgens scheint Lothar weit vernünftiger als du zu sein, liebes Kind. Er nimmt wvhl die Sache gar nicht ernst, wie? — Das wäre auch das beste, was er tun könnte."
Konstanze zuckte die Achseln.
„3ch habe ihm dasselbe erklärt, wie euch, nämlich, daß ich nicht daran denke, jemals fein Haus wieder zu betreten.“
Nun war es um die Fassung des alten Herrn geschehen.
„Also das ist doch... da soll doch gleich. ..
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
Nr. 104 Zweites Blatt
Kuliurpropaganda in Bulgarien
Feierliche Eröffnung der Deutschen Akademie in Rom
Der König von Italien begibt sich, begleitet von Botschafter non Neurath (links)
(rechts), in die Billa Massimo, den Sitz Akademie.
dirigierten Symphoniekonzerte und anderer deutscher Opern. Heute steht die Leitung der bulgarischen Staatsoper nicht an, zu erklären, daß die Berufung eines deutschen Dirigenten für die Staatsoper und ihren Betrieb geradezu eine Umwälzung bedeutet habe.
und dem Direktor der Akademie Gericke der neuen
mit der Einstudierung einiger deutfcher Opcrn- werkc zu bereichern, wurde der Generalmusikdirektor H. Stange aus Kiel nach Sofia berufen. Als der Plan der Operndirektion, deutsche Opern durch einen deutschen Dirigenten cinftubiercn zw lassen, bekannt wurde, setzte ein Generalangriff der Franzosen. 3taliener und Polen ein, der so ernst geführt wurde, als handele es fich um die Abwehr eines wichtigen politischen Vorganges. Polen ging so weit, vorzuschlagen, die Kosten für das Gastspiel eines polnischen Dirigenten selbst zu tragen, und sandte, sozusagen zur Ansicht, bereits einen Kandidaten, der im Nebenberuf — Sejmabgeordneter ist. Als dann die Berufung Stanges trotz aller Beschwörungen der fremden Diplomaten doch Tatsache wurde, da wurde ein Teil der bulgarischen Presse gegen den Deutschen mobil gemacht. Dies konnte nicht hindern, daß die Erstausführung von MozSrts ..Don 3uan“ in Sofia unter deutscher Leitung für die bulgarische Kunstwelt ein Ereignis wurde, genau so wie die von Stange
Taten für Dienstag, 6 Mai.
(Sonnenaufgang 4.25 Uhr, Sonnenuntergang 19.29 Uhr. Mondaufgang 11.32, Uhr, Mond- Untergang 2.28 Uhr.
1836 Der 3ngcnieur und Schriftsteller Max v. Eyth' in Kirchheim unter Teck geboren: — 1856 der Polarforscher Robert Peary in Cresson
billigen Preises des französischen Buches, rascher gesunken, als die deutsche Einfuhr zugenommen hat. Dieses Bild der Verbreitung deutscher Schrift in Bulgarien wird durch die Feststellung ergänzt, daß die Einfuhr deutscher Zeitungen an Wert monatlich die der französischen um mehr als das Doppelte übersteigt.
Durch die selbstverschuldete Entwöhnung der kunstfreundlichen Bulgaren ist es heute in Sofia so weit gekommen, daß die zeitweilige Berufung eines deutschen Dirigenten für die bulgarische Staatsoper Gegenstand heftiger innerer und äußerer Angriffe geworden ist. Um den Spielplan der Oper, die bisher nur französische, italienische und russische Opern brachte,
W. E. B.-Berichterstatter.
Deutschlands kultureller Einfluß könnte, bei genügender Berückfichtigung der aufgezeigten Mängel und etwas mehr Mut der deutschen Amtsstellen in Bulgarien, leicht wieder das Der« säumte aufholen. Die Grundbedingungen sind gegeben. Dafür sprechen nicht zuletzt die statistischen Angaben über die Einfuhr fremder Bücher und Musiknoten nach Bulgarien. Die deutsche Einfuhr, die etwa die Hälfte der Gesamteinfuhr ausmacht, steigt von 3ahr zu 3ahr: 1929 wurden für 4,4 Millionen Lewa deutsche Bücher eingeführt gegen 1,46 Millionen Lewa französische Bücher. Dazu kommt noch die Einfuhr deutscher Bücher aus Oesterreich mit 1,21 Millionen Lewa. 1926 betrug Frankreichs Bucheinfuhr noch 2,15 Millionen Lewa, fie ist aber, trotz des gerühmten
Von unserem ftänbigen
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Sofia, Ende April.
Deutsch und Französisch sind bie Frembsprachen, die in Bulgarien am meisten gesprochen und gelernt werden. In den Jnflationsjahren besuchten Tausende junger Bulgaren deutsche Bildungsanstal- ten und wurde fo für deutsche Kultur und Sprache gewonnen. Leider hat sich in den letzten Jahren diejes erfreuliche Bild zu unseren Ungunften ver- schoben. Die Mehrheit der Bulgaren beginnt das Hochfchulstubium in Frankreich vorzuziehen, weil es angeblich billiger ist, und weil, was wohl der Hauptgrund ist, französische Stellen in Bulgarien eine ausgezeichnete Äulturpropaganda betreiben, keine Mittel scheuen und dadurch steigenden Erfolg buchen können.
Während die „Alliance Fran^aise" und bas Französische Institut in Sofia, un- verhüllt durch das amtliche Frankreich unterstützt, ich bemühen, die Jugend Bulgariens dem franzö- ischcn Kulturkreis zuzuführen, wird leider von deut- chcr Seite in dieser Richtung sehr wenig getan. Es besteht zwar in Sofia seit einigen Jahren ein Verein für deutsch-bulgarische Kulturannäherung, der bei größerer Energieentfaltung berufener deutscher Stellen sehr wohl ein Propaganbazentrum werben könnte.
Vorläufig jedoch fristet der Verein sein Dasein im Verborgenen. Er verfügt über ausgedehnte, her- Dorragcnb eingerichtete Räumlichkeiten, eine gute Bibliothek und zahlreiches Zeitungs- und Zeitschriftenmaterial. Von seinen 260 Mitgliedern, bie monat- I'ch nur 30 Pfennig Mitgliedsbeitrag zu zahlen haben, besuchen aber nur ini Durchschnitt 8 bis 10 täglich die Lesesäle und bie veranstalteten Vorträge vermögen durch ihre Einseitigkeit nur einen kleinen Kreis zu fesseln. Das gesellschaftliche Element, bä3 bei derartigen Dingen in der durch englischen, französischen und italienischen Wettkampf verwöhnten bulgarischen Hauptstadt sehr wichtig ist, fehlt völlig.
Neben dieser Bernachlässigung des deutschen Propagandawerks durch verantwortliche deutsche Stellen und durch deutschsreundliche bulgarische Kreise fällt auch die Unlust oder das Unvermögen ins Gewicht, dem sehr aufnahmefähigen bulgarischen Publikum deutsche Kunstgenüsse zuMnglich zu machen. Französische Künstler verfehlen cs nie, in regelmäßigen Abständen in Sofia aufzutreten und selbst ein Gastspiel der Lomedic Fran^oise, dessen künstlerische Unzulänglichkeit sogar von der frankophilen Presse Sofias gekennzeichnet wurde, hatte einen Riesenerfolg und wird darum in nächster Zeit wiederholt werden. Allerdings setzen sich die maßgebenden französischen Kreise, an der Spitze der Gesandte selbst," für diese Propaganda der Kunst in ganz anderer Weise ein, als es in den an sich äußerst seltenen Fällen von deutscher Seite getan wird.
Die vielen Tausende von Bulgaren, die deutsche Schuler sind, erheben immer wieder den Borwurf, baß zwar Deutschland in der bulgarischen Handelsbilanz an erster Stelle stehe, daß Deutschland aber zusehends vergesse, d i e engen geistigen Beziehungen aufrecht zu erhalten, die während der Kriegs- und Nachkriegsjahrc geschaffen wurden. Es ist bringend erforderlich, daß Darbietungen deutscher Künstler ebenso regelmäßig ßattfinben, wie die zahlreichen Gastspiele der künstlerischen Sendboten anderer Nationen, vorab derer Frankreichs.


