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Aus der Provinzialhauptstadt

Gießen, den ? März 1930.

Passionszeit.

Heute beginnt die Passionszeit. Alte christliche Gewohnheit ist es, daß man sich in diesen Wochen mehr denn sonst mit dem leiden­den und sterbenden Heiland beschäftigt. Hierzu trifft die Kirche besondere Veranstaltungen. Sie richtet Wochengottesdienste ein, die ganz auf das Leiden Christi abgestimmt sind, uralte, weihe­volle Passionslieder werden gesungen. Kanzel- und Altarbekleidung in den Gotteshäusern sind schwarz. Die Frommen lesen die Berichte der Evangelien über das Ereignis, das sich an dem Frühlingstage des Jahres 33 unserer Zeitrech­nung auf dem Hügel Golgatha zugetragen hat, auch die Berichte über die Vorgeschichte dieses Ereignisses. Die Crnstgesinnten suchen, nach Möglichkeit Veranstaltungen aus dem Wege zu Ä die ihre Seelen in LInruhe und Wirrnis

_ :n können.

Vielleicht wird da mancher sagen: Das alle- hat einmal in alten vergangenen Tagen für die Menschheit gepaßt. 3n stillen Klosterzellen, wo­hin der Lärm des Tages nicht drang, in Dorf- kirchen, um die im beginnenden Frühling die Vöglein zwitscherten, in friedlichen Häusern, in denen alte, ungebrochene Familiensitte bestand, hatte man Zeit und Stimmung, sich in das Lei­den Christi zu versenken, aber die heutige Welt ist anders. Uns bewegt der Kampf um die Be­freiung vom Joche, das uns unsere Gegner auferlegt haben, wir ringen um die Finanzgestal­tung des Deutschen Reiches, uns bewegen die Sportkämpfe, zu denen Tausende zusammen­strömen. Wir müssen Telegramme, Geschäfts­berichte, Bilanzen lesen, und alles in der größ­ten Eile, wie können wir da uns mit der Pas­sionsgeschichte der Bibel befassen?

Cs ist wahr, daß die Zeiten anders sind als in den Tagen der Urväter, aber das Menschen­leben ist denselben Bedingungen unterworfen wie früher und das Menschenherz bleibt sich durch die Jahrhunderte gleich. Hat ie eine Tatsache es vermocht, den alten Sah .abzuändern:Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre?" Gilt nicht immer noch Zug für Zug, was der Sänger des 39. Psalmes, vielleicht unter dem Schatten eines Oelbaumes, gesungen hat:Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Le­ben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher lebenl Sie gehen daher wie ein Schemen und machen sich viel vergebliche Unruhe, sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird." Die letzten sünf- zehn Jahre haben uns gelehrt, daß nichts, was die Erdgeborenen ihr einen nennen, ein sicherer Besitz ist, weder ihr Leben, noch ihr Geld, noch ihr Ansehen, noch ihr Einfluß. Wie der Schatten an der Häuserwand, wenn dunkles Ge­wölk über den Himmel gleitet, so vergeht das Leben. Und ist auch nur ein einziger Tag in einem Menschenleben ohne Unruhe? Unruhe bringen die Zeitereignisse, Unruhe bringt das Sorgen um die Zukunft, Unruhe bringen die Menschen. Wer mit eigensinnigen, bös­willigen, unbelehrbaren Menschen zu tun hat. kann ein Lied davon singen. Am allermeisten Unruhe macht sich der Mensch selber. Er strebt nach Geld und Ehre, erringt Teilerfolge, bringt sich dabei um seine Ruhe und damit um sein Glück. Der alte Gellert war kein phantasie­voller Dichter, ein trockener Ton war ihm zu eigen, aber er hat die Menschen genau gekannt und sagt in scharfer Erfassung der Wirklichkeit: Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, bald das Geräusche dieser Welt, bald kämpft in sei­nem eignen Herzen ein Feind, der öfter siegt als fällt: bald sinkt er durch des Nächsten Schuld in Kummer und Ungeduld."

Nun tritt der Mensch, der seelisch so organisiert ist, an die Passionsgcschichte heran. Es ist ihm, als trete er in einen großen Dom von der Art, wie man sie in Italien findet. Weihevolle, streng abgemessene Räume, Bilder aller Art an Wänden und Pfeilern, Helles und Dunkles nebeneinander. Menschliche Lei­denschaft, menschliche Sehnsucht kommen in keinem Werke erhabener Dichtkunst so klar zur Darstellung als hier. Fanatische Juden treten auf, sie meinen, für den Glauben ihrer Väter eintreten zu müssen, und kennen in ihrem Hasse feine Grenzen. Rohe Kriegsknechte laufen durcheinander, zusammenge­würfeltes Volk, vielleicht aus Dalmatien, Illyrien, von der Insel Kreta, Landsknechte, die den Krieg nur um der Beute willen führen und denen wahrlich <m einem Menschenleben nichts liegt. Der Politiker Pilatus geht aus dem Kampfe als ein gebrochener Mann hervor. Daneben Gestalten, die das Herz be­wegen. Die Frau des Pilatus, die beim Morgen- -rauen aus ängstlichen Träumen auffährt und ihren Ehemann mahnt:Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten!", die um Jesus klagenden Frauen von Jerusalem, der Bürger Simon von Kyrene, ver­mutlich ein grauhaariger Mann, der das Kreuz tra­gen muß, die Mutter Jesus, die mit gutem Grund dieSchmerzenreicl-e" genannt wird. Inmitten die­ser aller Jesus, der schweigend leidet, seinen Freunden vergibt, im Zusammenbruch nicht an seinem Gott irre wird. Sollte es Herzen geben, die von diesen Ge­stalten. nicht gepackt werden? Johann Sebastian Bach wurde eines Tages an den Hof des Kurfürsten August des Starken berufen, um Orgel zu spielen. 2)a spielte der Tondichter vor der Umgebung, die nur an italienische Opern gewöhnt war, den Choral: Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt -und ihrer Kinder". Als er geendet hatte, verharrten die sonst leichtsinnigen, sittenlosen Menschen in ehr­fürchtigem Schweigen.

Niemand wird von uns verlangen, duß wir in den Wochen, die nun kommen, finsteren Angesichtes «inhergehen und in Sack und Asche Buße tun. Kei­ner aber wird ohne Gewinn bleiben, wenn ihm in den Tagen, da die Frühlingssonne scheint, der lei­dende und sterbende Jesus auf seinem Wege be­gegnet. H. B.

Es ist erreicht!

Das erste schüchterne Grün will sich zeigen, die Stare singen ihr Frühlingslied. Der Winter ist vergangen, neues Leben drängt hervor. 3n diesen Tagen begegnen wir auf der Straße Jüng­lingen und Jungfrauen mit strahlenden Augen unb freudig glänzendem Gesicht. Sie habenihr Maturum gemacht". Sie sind am Ziel.

Es ist erreicht!, mag mancher ausgerufen haben, als er nun endlich frei und ledig der Schule den Rücken kehren konnte. Wir freuen freuen uns mit den jungen Menschen. Es ist ihnen wie dem Bergsteiger, wenn er nach mühevoller Wanderung endlich den Gipfel des Berges, das Ziel, erreicht hat. Run liegt die Welt vor ihm.

Staunend und freudig überrascht schaut er daS, gewaltige Bild. Seine Augen können sich nicht satt sehen an der Herrlichkeit, die ausgebreitet vor ihm liegt.

Gehts den Abiturienten nicht ähnlich? Der erste Gipfel auf dem Lebensweg ist nun er­stiegen. Das Schwierigste, wie viele glauben. Drei­zehn lange Jahre stand dieser Tag vor ihrem Auge, von manchen mit Freuden ersehnt, von vielen mit banger Sorge erwartet. Run ist auch er vorüber. Das Tor des Lebens öffnet sich. Der Zwang der Schule, das ewige Lernen, fällt nun weg. Die lang ersehnte Freiheit winkt. Was wäre das Leben, wenn nicht solche Augen­blicke, in denen alles in goldenem Sonnenlicht vor uns liegt, kommen? Ein Hochgefühl schwellt die Brust und läßt alle Widerlichkeiten des Lebens als nebensächlich, als ganz unbedeutend erscheinen. Man ist ja am Ziel.

Soll man aber nicht auch dankbar der Füh­rer gedenken? Denn auf dem Wege, der oft nicht leicht war, hatte man ja stets Führer zur Seite, genau wie der Gebirgswanderer. der einen gefährlichen Gipfel ersteigen will. Der einheimische Bergführer kennt viele Wege und Stege, weiß über Wetter und Gefahren genau Bescheid und kann beizeiten warnen. Er fühlt schon, ehe andere daran denken, den Schneesturm in den Gliedern, er erkennt die Stellen mit Eis, wo sich eine tiefe ©halte verbirgt, die dem unkundigen Wanderer das Leben kosten könnte. Der Führer kennt auch die schönsten Aussichtspunkte. Er führt seine Be­gleiter hinauf auf Felsenspitzen, von denen sich ein herrl'cher Blick tun läßt auf die Täler und romantische Schluchten, er zeigt ihnen rauschende Wasserfälle und sonnenbestrahlte Eisfelder. All das wäre dem Wanderer entgangen, wenn er keinen Führer gehabt hätte. Genau so war es in der Schule. Auch hier wurden den Jungen und Mädchen Schönheiten erschlossen, auch hier wurden sie hingeführt auf Höhen, von denen man die unendliche Schönheit des Lebens sah. Deshalb dürfen diese Tage nicht hingehen, ohne daß die Jugend mit Dank an ihre Führer denkt.

Wie wir den jungen Bäumchen stützende Pfähle geben, damit sie gut anwachsen und gedeihen können, so wurden auch die Schüler und Sch lerin- nen gestützt. Run ist die Zeit gekommen, wo diese Stühe fällt. Sie stehen allein und sollen nun zeigen, daß sie auch allein weiterleben können. Es werden Stürme und Enttäuschungen kommen, in denen die Jugend beweisen muß. daß sie feste Wurzel gefaßt hat. Aber wer denkt von den jungen Leuten an Stürme und Enttäuschun­gen? Die Jugend muß immer froh jn die Zu­kunft schauen. Riemand hat einen stärkeren und festeren Glauben an die Schönheit des Lebens, als die Jugend. Kommen aber trübe Tage und schlechte Stunden, dann gedenken sie der g e i - stigen Führer, die uns alle immer beglei­ten sollen: unsere Denker und Dichter. Sie allein helfen über viel Schweres hinweg.

Wilhelm Raabe sagt einmal:

Sieh nach den Sternen!

Gib acht auf die Gassen!"

Mit den Füßen fest auf der Erde, den Blick aber nach den Sternen gerichtet, so sollst du, deutsche Jugend, in das Leben schreiten.

M.O.

Zaschinqsausklang in Gießen.

Die Herrschaft Sr. Tollität des närrischen Prinzen Karneval, von der man in un­serer Stadt im Verlause der letzten Wochen ver­hältnismäßig wenig bemerkt hatte, erlebte am gestrigen Faschlngsdienstag einen gewaltigen Auf­trieb und Abschluß mit großem Trara. Bis in die Mittagsstunden war in den Straßen vom Kar­neval so gut wie nichts zu bemerken, aber schon bald nach l Hfjr ging der Trubel los. Im Ver­laufe des Rachmittags wurde das Treiben der maskierten Gesellschaft, bestehend aus der Jugend aller Altersklassen, in der Innenstadt, beson­ders aber im Seltersweg, auf dem Kreuzplatz, in der Mäusburg, auf dem Markt und in der Schulstraße immer toller. Der karnevalistische Zauber nahm bei dem außerordentlich günstigen Wetter einen Umfang an, der weit über das Maß des vorjährigen Fastnachtsdienstags, der allerdings unter der damaligen strengen Kälte litt, hinausging. In allen möglichen Kostümierun­gen, vom verlumptesten LumDenkostüm über den Indianer und Cowboy bis hin zum Kleid der vornehmen Leute", konnte man die maskierten Gestalten in den Straßen herumflihen sehen. Dazu kamen einige originelle karnevalistische Fahrzeuge, die dem Stratzenblld noch eine leben­digere Rote gaben. Von einemKomet"-Wagen schmetterte Musik ihre Weisen in die Straßen, wobei natürlich die verführerischen Klänge des Rarrhalla-Marsches in vielfachen Wiederholun­gen die Masken und Zuschauer ergötzten; auf diesem Wagen wurde sogar ein leibhaftiger und ausgewachsener Affe mitgeführt, auf alle Fälle eine gute Veranschaulichung dessen, was gar manche Karnevalslustige in ausgewachsenster Art vom Faschingsdienstag auf den Aschermittwoch mit herübergenommen haben werden; von einer Büchse mit sauren Heringen als wirksames Kater- Dekämpfungsmittel war auf dem Wagen leider nichts zu sehen. Ein ulkiges Fahrzeug zog und schob eine andere Gruppe von Karnevalsfreu­digen in Gestalt eines ausgedienten Kinderwagens mit einem forschen Mundharmonikaspielenden als Insassen immer wieder durch die Straßen; die Aufmachung dieser Gruppe war ebenfalls recht gelungen und erregte viel Heiterkeit; den armen Kinderwagen konnte man am späten Abend einsam unb verlassen in der Südanlage in der Nähe der Bleichstraße stehen sehen, seine Benutzer hatten ihn einfach dorthinversetzt . Auch ein beschäftigungs­loser Schneeschipper mit einer richtiggehenden Schneeschippe, dem nur das erforderliche Schipp­material fehlte, reizte zum Lachen. Daneben gab noch manche Einzelerscheinung Anlaß zu herzlichem Ergötzen. Daß mit Papierschlangen und Konfetti außerordentlich reichlich gearbeitet wurde, versteht sich von selbst, und der Anblick, den die Straßen boten, bekundete deutlich, daß die närrische Gesell- schäft sich eifrig bemüht hatte, unserer Straßenreini- gung für den Aschermittwoch kräftige Arbeitsmög­lichkeiten zu schaffen. Eine riesige Menschenmenge bevölkerte neben den Masken die Innenstadt; de- sonders stark war der Andrang im Seltersweg, wo man sich zeitweise nur mit größter Mühe einen Durchgang bahnen konnte. Das fröhliche und laute Treiben ging wie man uns verletztet, denn aus eigener Anschauung vermögen wir das nicht zu lagen. die ganze Nacht hindurch, da natürlich auch tn allen Lokalen Hochbetrieb der Karnevalisten war. Erfreulicherweise bekam bei diesem Faschingsaus­klang weder b';e Polizei, noch die Sanitätskolonne Atbeit, da sich das ganze Leben und Treiben in wohlgeordneten Bahnen ab wickelte.

Daten für Donnerstag, 6 März

1475: der italienische Maler unb Dllbhauer Michelangelo Duonarotti In Caprese geboren; 1787: ber Physiker Joseph v. Frauenhofer tn Straubing geboren; 1831: ber Philantrop Friedrich v. Dodelschwingh in Haus Mark in Westfalen geboren; 1867: ber Maler Peter von Cornellus in Berlin gestorben.

Bornotizen.

TageskalenderfürMittwoch. Stadt» theater:Die heilige Flamme", 20 bis 22.15 Uhr. Gießener Lesehalleverein: Ordentliche Mitgliederver­sammlung, 18.15 Uhr, in der Universitätsbibliothek. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Pat und Pata- chon als Kannibalen" undLupino Lane im Sana­torium". Astoria-Lichtspiele:Der Schrecken der Posträuber" unbDolores die Pantherkatze".

Wenn Ihre Empfehlungsanzeige

In der Freitags- oder in der Samstags­nummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll

dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags In der Geschäftsstelle auf

Aus dem S t a b 11he a terbure au wird uns geschrieben: Die heutige Vorstellung Die heilige Flamme" (Gastspiel Auguste Prasch- Grevenberg, Ehrenmitglied des Meininger Lan­destheaters) beginnt um 20 Ahr. Spielleitung Peter F a s s o 11. Die Rolle der Mutter spielt der Gast. Freitag, 7. März, wird der erfolg­reiche SchwankWeekend im Paradies" gegeben. Samstag, 8. März, 15,45 Ahr, Schülervor­stellungWie es euch gefällt". Sonntag, 9. März, 18,30 ilfjr,Der fidele Dauer", Ope­rettengastspiel derFrankfurter Operettengast­spiele".

Der Goethe-Bund hat, wie man uns schreibt, zu seinem nächsten, am kommenden Sams­tag stattfindenden Vortragsabend Dr. Willy Meyer aus Rürnberg eingeladen. Südtirol, Heimat deutscher Sage und Geschichte, deutsches Schicksalsland, seiner Landschaft, seiner Ver­gangenheit und Gegenwart ist der Vortrag ge­widmet. Eine große Reihe Lichtbllder wird den Vortrag ergänzen und beleben. Der Vor­tragsabend findet im Hinblick auf das Konzert des Konzertvcreins bereits am Samstag- abend statt und nicht, wie ursprünglich angeseht, Sonntag. (Siehe heutige Anzeige.)

*

L.A. Von der LandeS-Aniversität Gießen. Der Direktor des Medizinisch-balneo- logischen Aniversitätsinstituts in Bad-Rauheim, Professor Dr. Arthur Weber, wurde zum Mitglied der Kaiserlich Deutschen (Leopoldini- schen) Akademie der Naturforscher in Halle ernannt.

** Don der Technischen Hochschule Darmstadt. Der Senat der Technischen Hoch­schule zu Darmstadt hat dem Beigeordneten Dr. Hamm (Gießen), Mitglied der Gießener Stadtverwaltung, die venia legendi fürStadtwirt­schaft im Städtebau" an der Technischen Hochschule Darmstadt erteilt.

** Evangelisch-kirchliche Persona­lien. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Fritz Schuster zu Nierstein die evan­gelische Pfarrstelle zu Beienheim, Dekanat Fried­berg, übertragen und die Pfarrer Ludwig Schä­fer zu Dorheim (mit 1. Mai 1930) und Fer­dinand Naumann zu Schwickartshausen (mit 1. Juni 1930) auf ihr Nachsuchen und unter An­erkennung ihrer langjährigen treuen Dienste In den Ruhestand versetzt.

Reichsbahnpersonalien. Ernannt: Zum Sekretär: Assistent Ferd. Meckel in Bad- Nauheim und Alfred Keller in Gießen. Versetzt: Assistent Ludwig Amend II. von Gie­ßen nach Großen-Linden, Wilhelm Müller von Stockheim nach Rieder-Wöllstadt, Karl Decher von Renzendorf nach Rixfeld, Bahnhofsaufseher Wilhelm Schmittberger von Eichelsdorf nach Stockheim, Detriebsassistent Karl Meyer von Rieder-Wöllstadt nach Friedberg. In den Ruhestand verseht: Zugführer Friedrich Bork in Gießen, Bahnhofsmeister Wilhelm Henrich in Treis.

"Aus dem Gießener Standesamt s- r e g i st e r. Es verstorben in der Zeit vom 16. bis 28. Februar: 16. Herta Elise Alma Klewih, ohne Beruf, 17 Jahre, Ludwigstr. 1. 16. Maria Schütz, geb. Zecher, 47 Jahre, Lahnstraße 27. 16. Elfriede Frischholz, 2 Jahre alt, Braugasse 2. 16. Philipp Wolf, Schneider, 67 Jahre, Linden­gasse 14. 17. Charlotte Steinhäuser, geb. Klein, 81 Jahre, Wetzlarer Weg 55. 18. Anna Elisabeth Schellhaas, geb. Wicke, 43 Jahre, Rittergasse 17. 18. Karl Schäfer, Vorarbeiter, 55 Jahre, Guten- bergstraße 2. 20. Karl Georg Pitz, 1 Monat, An der Margaretenhütte 84. 20. Karl Richard Max Weise, Kaufmann, 64 Jahre, Frankfurter Str. 149. 20. Gustav Lüddecke, Waffenrevisor a. D., 58 Jahre, Frankfurter Straße 29. 20. Sophie Hardt, geb. Loh, 29 Jahre, Licher Straße 19. 20. Helga Anna Martha Stein, 2 Jahre, Am Kugelberg 54. 22. Carl Stückrath, Fabrikant, 63 Jahre, Aster- weg 47. 23. Friedrich Pascoe, Apotheker, 62 Jahre, Wetzlarer Weg 15. 25. Margot Marie Käthe Echwindt, 2 Wochen, Kaiserallee 14a. 26. Heinrich Rusch, Rentner, 70 Jahre, Kanzlei­berg 5. 26. Ernst Runkel, Rechnungsführer a. D., 85 Jahre, Bleichstraße 16. 28. Ludwig Ranft, Elektrotechniker, 19 Jahre, Reuenweg 27.

* Der Landesverband Hessen des Volksbundes Deutsche Kriegsgrä­berfürsorge kann in diesem Jahre auf ein zehnjähriges Bestehen zurückb icken. Aus diesem Anlaß wird im Laufe des Mörz in der Kunst­halle in Darmstadt eine Ausstellung von Bild­werken unb Modellen der Kriegsgröbcrfürsorge im Ausland stattfinden, insbesondere auch von Friedhöfen in Frankreich, auf denen Angehörige hessischer Truppenteile bestattet sind. Es soll an einzelnen Beispielen gezeigt werden, wie der Volksbund tätig wird, gleichzeitig aber auch ein Bild gegeben werden, was noch zu ge­schehen hat und welche umfangreiche Förde­

rung unb Unterstützung der Gedanke deS Volks- bundeS im Inland noch nötig hat. Die Aus­stellung wird am Samstag, 8. März, eröffnet.

* Prüfung von Lichtspielvorfüh­rern. Eine Prüfung von Lichtspielvorführern findet am 28. März in Darmstadt ftatL Anträge um Zulassung zur Prüfung find bei dem für den Wohnort zuständigen Kreisamt einzureichen.

Oorskirchentagung in Alsfeld.

>* Alsfeld, 3. März. Hier fand im kleinen! Saal des HotelsDeutsches Haus' die 6. Dorf­kirchentagung der Vereinigung der D o rs ki r ch e n f r e u n de für das nörd­liche Oberhessen unter guter Beteiligung von Geistlichen und Lehrern statt.

Die Eröffnungsansprache hielt Pfarrer Luft (Meiches). Rach einleitenden Degrüßungsworten des Vorsitzenden der Vereinigung, Pfarrer Ge­orgi (Ermenrod), folgte der im Mittelpunkt der Tagung stehende Vortrag von Professor D. Cordier (Gießen) überDie Krisis im Erziehungswesen der Zeit und der Volkshochschulgedanke". Der fein durch­dachte Vortrag ging davon aus, unter Hinweis auf Steuerungen zahlreicher bedeutender Päda­gogen, daß der heutigen Crziehungslehre ein festes universales Erziehungsziel fehle. Es fehle die letzte erzieherische Vollmacht, die Verbindung mit dem Gottesglauben. Der Redner forderte für die heutige Erziehungslehre Konzentration an Stelle des Vielerlei. Die Urtümlichkeit im Leben des einzelnen Menschen, dec Familie werde nicht genügend anerkannt. Zu erstreben sie die Er­ziehung aus einer großen Gemeinschaft heraus. Der Volkshochschulgedanke in seiner richtigen Form biete hier geeignete Anknüpfungsmöglich­keiten. Die Volkshochschule habe als letztes Ziel im Auge die Mitarbeit im Gemeinschaftsleben. Der Wille, dem Ganzen zu dienen und seinen Beruf der Volksgemeinschaft zu widmen, sei der Gedanke der Volkshochschule, die letzten Ziele der Arbeit im Sinne des Christentums. In diesem Sinne könne der Volkshochschulgedanke auf daS ganze Erziehungswesen befruchtend einwirken. An den sehr interessanten Vortrag schloß sich eine angeregte Aussprache.

Rach der Mittagspause hielt der Leiter der Heim-Volkshochschule Hohensolms, Dr. Kammer (Hohensolms), einen Vortrag über das Thema Aus der Arbeit der Heimvolkshoch­schule Hohensolms an der Land­jugend". Der Redner verstand es, eine an­schauliche Schilderung des Unterrichts und deS Lehrgangs der Heimvolksschule zu geben, deren Endziel darauf gerichtet ist, das Gentüt äu pflegen und auf das Seelenleben einzuwirken. Es komme weniger darauf an, einen möglichst großen Wis­sensstoff beizubringen, sondern vielmehr auf die Verinnerlichung des Lebens. Der Redner wies dieses Ziel durch einzelne Beispiele aus dem Unterricht in den Heimvolkshochschulen nach. Der Erfolg sei freilich nur auf lange Sicht möglich. Die Heimvolkshochschule solle Den Teilnehmern eine geistige Heimat werden. Dem tief durch­dachten, von warmen Empfindungen für die För­derung des Gemeinschaftsgedankens erfüllten Vortrage folgte eine rege Aussprache, an der sich u. a. Prof. Cordier und Kreisschulrat Rausch (Alsfeld) beteiligten.

Mit Dankesworten an die Erschienenen schloß der Vorsitzende gegen 4,30 Ähr die Tagung.

Gewlnnauszug

5. Klasse 34. Preußisch-EÜbbeustche (260. Preuß.) Klasien-Lollerie

Ohne Gewähr

Nachdruck verboten

21. Ziehungstag 4. März 1930

Auf

jede gezogene Nummer sind zwei

gleich

Hobe

Gewinne gefallen, und zwar je

einer

auf

die Lose gleicher Nummer in den Abteilungen I und II

beiden

ön der heutigen Dormittagszlehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen

2 ®<tolnn« an 5000 M. 23576

12 Gewinne,u 3000 M. 8028 115769 125504

150504 344923 380145

20 »ttoinne »u 2000 M. 28799 204692 225406 276491 296911 298673 312975 333501 354484 386828

42 Gewinn, m 1000 M. 8246 21081 27501 30841 48382 66396 110259 141260 1 75466 186469 201164 214092 231079 280072 293439 323608 331467 337785 361628 366654 375373

106 Gewinn, »u 600 M. 229 695 30818 32101 35203 36325 47059 47864 54845 55440 64301 76766 82571 90086 97874 123259 126889 130091 131961 142062 160263 157798 158918 158948 159691 162651

162828 168253 173139 176962 179111 196479

198687 200968 212608 219848 231572 240731

247512 250691 256634 292258 321027 327363

327875 333622 339248 353386 365202 380042

382104 394047 398649

218 ffroinn, »u 300 on. 10449 17405 21983 24976 25007 28080 28578 30813 32817 36987 41387 44 760 49078 50821 64285 66854 59332 65926 66105 69678 70394 72117 73560 83940 86740 86961 87599 97198 97495 105333 112726 114646 114893 117017 122540 132326 135725 137530 139768

140256 140619 144326 144776 147209 151487

153130 166413 161910 164851 168196 171569

173008 183206 184172 192084 202350 213279

213375 215032 215491 216500 228014 229505

232728 237430 237846 251570 258732 263164

266870 270724 272873 285366 287470 287475

290734 291229 297678 299992 300007 300538

314074 314814 314901 317795 319582 321248

323170 328612 332504 333199 335900 336887

338309 342370 345979 348959 353057 365234

367008 368726 369009 371274 371714 377506

392506 393297 399206 399252

Ön der heutigen Nachmiltaasziehung wurden Gewinn« über 150 M. gezogen

2 an 6000 M. 39236

8»Inn* n- 3000 M. 232526 253821 802162 329110

8 Cetrnnne tu 200U TL 18156 53010 213744

342112

36 Gewinn« in 1000 M 37612 64316 67571 69283 Z3953 94999 105182 161190 190333 196476 225645 275052 280603 288747 354059 384739 389219 396865

72 Gewinn, ,v 600 M. 4846 I 1787 26808 28926 81626 84461 96571 96806 112086 124773 145532 164494 161636 163657 164655 165293 167857

172731 190939 198589 213199 229830 265384

292104 302795 304331 304699 305387 309964

339316 345580 358114 372996 373739 376318

387409

160 «ew.nn, ,n 300 M. 23827 27638 33980 34326 41263 47653 48672 49398 55259 65246 70785 72055 72345 75384 79281 82985 89'33 92268 105066 107686 108886 11'763 1I7053 123801

127877 132386 133047 133698 I33969 135601

136527 139154 146581 166540 15870? I59382

172567 172836 17600? 1764 36 182-186 185207

I86299 204609 208728 209246 209874 226692

228918 24I92C 242178 255230 255426 263744

264689 268607 278084 285009 29'081 297682

30048c 316371 317084 334642 338090 338710

352460 365426 357207 366968 367646 368431

873029 382898 384229

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