Ruf nach der Behörde laut, um diesem ungeheuer« lichen Zustande ein Ende zu bereiten.
Vertreterlag des neu gearündeten Gaues „Chattia-ÄZettertal" des Hess.
Sängerbundes.
Am Sonntag tagte in Nonnenroth km (Saft- Haus „Zum Deutschen Haus" ein durch die Präsidenten des C h a t t i a - und W e t t e r t a l - Sängerbundes berufener De^tretertag zwecks Gründung eines neuen Gaues des Hessischen Sängerbundes. Nachdem der AZettertrnbund seinen Beitritt zum Hessischen Sängerbund beschlossen hatte, war dem Ehattia- bund, der seither zum Gau Giehen-Land gehörte, Gelegenheit gegeben, sich mit diesem zu einem Gau zu vereinigen. Schon rein geographisch gehören beide Bünde zusammen, ganz abgesehen davon, daß nun auch Vereine zusammenkommen, die unter gleichen oder ähnlichen Vorbedingungen arbeiten. Daher erklärten sich die in Nonnenroth erschienenen Vertreter beider Bünde einstimmig mit der Gründung des Gaues „Chattia- W e t t e r t a l" einverstanden. Alsdann schritt
** Obst- und Gartenbauverein Gießen. Am Sonntag «prach Obstbauinspek.or K i l p, Wehlar, im vollbesetzten Saale des Hotel Hopseld über das Thema „Neuzeitliche Maßnahmen im Obst- und Gemüsebau zur Erzeugung besserer Ernten." Dom Obstbau im allgemeinen ausgehend, gab der Vortragende der Befürchtung Ausdruck, daß in den nächsten Jahrzehnten mit einem starken Rückgang in der heimischen Obst- I erzeugung gerechnet werden muh, wenn immer nur die entstandenen Lücken alter Pflanzungen durch Nachpflanzung ergänzt werden. Diese Bäume gehen nach anfänglichem Gedeihen allesamt einem Krüppeldasein entgegen, weil der Boden nach jahrhundertelanger Ausnutzung durch Obstbau baummüde geworden ist und versagt. Darum zum Teil das viele Ungeziefer. Ein volles Viertel des deutschen Obstverbrauches bezahlen wir gegenwärtig an das Ausland, während im Inlands noch riesige Vorräte unverkäuflich lagern. Dieser Tatsache gegenüber lautet die Forderung der Gegenwart: Neuland für Neupflanzungen, beseitigen überständiger Anlagen, besseres Auslichten der Kronen bei tragbaren Obstbäumen, ausreichende Düngung jedes Obstbaumes und entfernen solcher, die diese Ausgabe nicht mehr wert sind, pflegliche Behandlung der Früchte bei und nach der Ernte. Wo die Anwendung von Spritzmitteln auf Schwierigkeiten töht, weil jeder Besitzer gegen die Beschädigung oder Vergiftung der Untertulturen sich wehrt, soll man eine bessere Nindenpflege durchführen. Glatte Ninde und Madenfallen sind ein wirksames Mittel gegen die Obstmade, wie auch viele andere Feinde. Schorfige Bäume sind durchweg zu beseitigen, entweder durch Umpfropsen oder gänzliches Entfernen. An zahlreichen, dem praktischen Leben entlehnten Beispielen wurden von dem Vortragenden die immer wiederkehren- den Fehler, wie auch ihr Vermeiden geschildert, eingehender über die Art und die Anwendung der Düngung bei Obst- und Gemüsezucht gesprochen und betont, daß die Düngung an Obst- bäumen nicht in der Nähe des Stammes, sondern außerhalb der Krontraufe gegeben werden muß. Im Gemüsebau ist neben der Düngung auch auf Kalkung des Bodens Wert zu legen, nm den Wohlgeschmack und den Nährwert der Gemüse zu erhöhen. Der mit lebhaftem Beifall aufgenommene fast zweistündige Vortrag klang in die Mahnung aus, vom Auslande zu lernen, um das Ausland durch Erzeugung erstklassiger Ware schlagen zu können.
*• Der Neichsbahn-Turn- und Sportverein Gießen hielt dieser Tage im Bahnhofshotel seine Jahreshauptversammlung ab. In dienstlicher Verhinderung des l. Vorsitzen- den wurde die Versammlung von dem stellvertretenden Vorsitzenden, Oberbahnhofsvorsteher Heinzelmann geleitet, der zunächst den Geschäftsbericht vom vergangenen Iahre erstattete. | Die Mitgliederzahl des Vereins, die bei der Gründung im November 1928 insgesamt 69 betrug, beläuft sich heute auf 173. Die Turn- und Sportsache des Vereins hat einen erfreulichen Aufschwung genommen, und ein weiterer Aufstieg wird erwartet, sobald in etwa zwei Monaten der Ausbau der Vereins-Turn- urch Sporthalle am Aulweg mit allen neuzeitlichen Einrichtungen sertiggestellt sein wird. Der Rechner, Reichsbahnsekretär E i d m a n n , erstattete den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen 2150 Mk., die Ausgaben 1500 Mk., so daß am Ende des Iahres 1929 ein Kassenbestand von rund 600 Mk. vorhanden war. Rach dem Bericht des Rechnungsprüfers wurde dem Rechner und dem Vorstand Entlastung erteilt. Der Dereinsleitung wurde für die überaus regsame und sorgsame Vereinsführung Dank ausgesprochen.
•• Eine Vereinigung ehern. 13erHu- saren G i e ß e n - W e tz l a r und hingegen d wurde in einer gutbesuchten Versammlung ehemaliger 13er Husaren, die in Dutenhofen stattfand, gegründet. Zum ersten Vorsitzenden wurde Kam. George, Gießen, zum zweiten Vorsitzenden Kam. Schaum, Klein-Linden, zum Schriftführer und Rechner Kam. Kinzenbach, Dorlar, gewählt. Der .Vorsitzende des Vereins ehern. 13er Husaren in Frankfurt a. M., Kam. Häuser, erstattete eingehend Bericht über den 3. Regimentsappell, der vom 7. bis 9. Iuni in Frankfurt a. M. stattfinden wird. Im Anschluß an die geschäftlichen Verhandlungen fand ein gemütliches Beisammensein statt.
stimmend.
Sin schon angegrauter, etwas melancholisch aussehender Herr Lammt mit einer jungen Dame. „Rührend," denke ich, „er sieht so sorgenvoll aus, aber sorgt doch für das Vergnügen des jungen Mädchens." Irren ist menschlich. Nach 5 Minuten sehe ich ihn, anprobierend, in einer roten, goldknöpfigen Weste, mit weiten Hemdärmeln. Ein keckes Hütel mit langer Spielhahnseber wird auf seinen Kopf gestülpt — er sieht in den Spiegel, trifft dort auf ein amüsiertes Lächeln, klatscht mit der Hand auf den Schenkel, ruft „Iuhu", dreht sich um, und schwenkt lachend seinen Hut vor mir. Kleider machen Leute.
Allerdings nicht immer. Dort zieht ein blonder Hüne mit luftgerötetem Vollmondsgesicht erst seinen Mantel, dann den Rock, bann zwei Strickwesten aus und streift dafür ein Prunkgewand über: Maharadfchah! Sucht er seine Lieblingsfrau? Wenn sie ihn in dem gold- strotzenden Rock und dem dämonischen Turban mit Ohrringen sieht und nicht überwältigt ist — dann, ja, dann weiß ich nicht. Ieder Zoll kein Maharadfchah!
Der Ehef dieses Reiches des Scheins fuhrt mich langsam und mit leisen Andeutungen durch die Räume, die nun erst wunderlich zu leben beginnen. Da hängt Don Carlos neben Romeo — Schillersche Verse, italienische Liebesschwüre. Mozartsche Klänge kichern aus Papagenos buntem Federkleid, Anzengrubersche Dauernwesten lachen derb neben dem Biedermeierrock aus Hoffmanns Erzählungen. Eine rotseidene Soutane neben zwei etwas verblichenen, wundervoll gestickten echten Mandarinenkimonos — wo sind die Träger dieser aristokratischen Pracht, die geheimnisvoll von blutigen Boxeraufständen flüstert, von Kaisertum und Harakiri?
In der hnisormkammer hängen (neue) Schill- fche Waffenröcke und friderizianische Monturen neben echten Franzosenröcken, roten Hofen und Käppis, die französische Soldaten in den siebziger Jahren in der Gesangenschaft verschacherten. In der Rüstkammer blecherne Kreuzritterhelme, „büsfel"lederne Landsknechtshauben, Grenadier- müßen der Garde du Corps neben echten deutschen und französischen Stahlhelmen des Weltkrieges. Habent sua fata ... auch Stahlhelme, Floretts, ein messingbeschlagenes Barbarossa- schwert, breit, dekorativ. Blecherne Degen zu vielen Dutzenden — aber ein echter. „Carl, 1820 , steht auf der stumpf gewordenen Klinge in der zierlichen Schrift jener Zeit eingeriht. Wer war „Carl"? Welche Irrwege nahm dies Schwert an seiner Linken? ilnb wer war der elegante Hofmann, dessen Galanteriedegen jetzt vorsichtig aus seiner weichen Lederhülle gezogen und mir gezeigt wird? Eine goldene Krone am Knauf, wundervolle Rokokoarbeit am Griff, schwervergoldetes Silber mit Perlmuttereinlagen. Ein kostbares Familienstück, vielleicht mit heißen Tränen von der verarmten Witwe verkauft? Rostige Morgensterne, gebogene Türkensäbel, Hinterlader, alte Jagdgewehre — ein verborgenes Waffenlager! Gefahr! Gefahr! Licht aus!
Unb im Dunkel liegen bie Räume hinter mir — Prinz Karnevals Reich. Geschichte? Kitsch? Romeo, Don Carlos — so leben wir, so leben wir alle Sage, Unb heute ist heut.
Eva von Massow.
Daten für Donnerstag, 6. Februar.
1864: der Dichter Iohn Henry Mackah in Greenock gefroren; — 1919: Eröffnung der deutsch rn Nationalversammlung in Weimar; — 1929: der Dirigent Siegfried Ochs in Berlin gestorben (gefroren 1858).
Bornotizen
— Tageskalender für Mi11woch. Stadt« theater: „Kyritz-Pyritz", 19.30 bis 22 Uhr — Film« Vorführung „Der Weltkrieg 1914—1918 , 20.15 Uhr, Cafö Leib. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Ra- mona" und „Jennys Bummel durch die Männer ; auf der Bühne der Negertenor Elma Spyglas. — Asioria-Lichtspiele: „Achtung! Doppelgänger! , mit Richard Talmadge.
♦* Aus demGiehenerStandesamts- r e g i ft e r. Cs verstorben in Gießen in bet Zeit vom 16. bis 31. Ianuar: 16. Ian.: Emil Stieb- rich Christian Martin Otto, Rentner, 64 Iahre, Bahnhofstr. 49. 19. Ian.: Erich Werner, Ober- ©renabier, 20 Iahre, Kaiserallee 116. 20. Ian.: Marie Wallbott, geb. Häufer, Witwe, 80 Iahre, Bahnhofstr. 24. Bernhard Hermann Topp, Kaufmann, 18 Iahte, Ärofbotfet Str. 10. Iohannes Weitzel, ' berufslos, 69 Iahte, Goethestr. 68. 21. Ian.: Lorenz Keifet, Lehret i. R., 76 Iahte, Ostanlage 7. Heinrich Steinmüller, Bäcker, 22 Iahte, Mäusfrutg 12. Reinhold Martin Müllet, 9 Monate, Hinter den Schießgärten 22. Georg Fleischmann, 4 Iahte, Roonstr. 6. 22. Ianuar: Elisafretha Keil, geb. Dönges, 45 Iahte, Schul- trahe 3. 23. Ian.: Minna Huhn, Rentnerin, 56 Iahte, Bleichstr. 16. 24. Ian.: Emma Auguste Zinset, geb. Kühne, Witwe, 72 Iahte, Ludwig- trahe 28. Ingefrotg Rupp, 1 Iaht, Am Kugelberg 100. 26. Ian.: Elise Ludwig, berufslos, 68 Iahre, Asterweg 16. 27. Ian.: Wilhelmine Marx, geb. Schmidt, Witwe, 89 Iahre, Wolken- gaffe 18. Heinrich Albert Steinmann, 8 Monate, Rödgener Straße 18. 28. Ian.: Luise Foelling, berufslos, 71 Iahte, Westanlage 10. 29. Januar: Johann Peter Sann, Buchbindetmeistet, 80 Jahre, Bismarckstr. 10. August Marx, Fuhrunternehmer, 53 Iahte, Wolkengasse 18. 30. Jan.: Heinrich Seidewand, ohne Beruf, 76 Iahte, ßanbmann- ttaße 6. Katharine Pfeifet, berufslos, 64 Iahte, Neuen Bäue 15. 31. San.: Karl Neuling, Weiß- bindermeistet, 76 Iahte, Steinstr. 72. Wilhelm Schetmuly, ohne Beruf, 61 Iahte, Dammstr. 42.
♦* Absturz in einem Neubau. Gestern nachmittag stürzte der Elektromonteur Albert Donau von der Firma Schaffstaedt bei dem Neubau des staatlichen Deterinäruntersuchungs- amtes, Marburger Straße, bei Jnstallations- arbeiten im Innern des Gebäudes aus etwa sechs Meter Höhe ab. Der bedauernswerte Mann fiel dabei durch ein Glasdach und trug einen Armbruch und Kopfverletzungen davon. Die Frei- willige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz verbrachte ihn nach der Chirurgischen Klinik. Erfreulicherweise ist das Befinden des Verunglückten nicht lebensgefährlich.
'* Ausgewiesen. Zu bet kürzlich gemeldeten gerichtlichen Bestrafung von Studierenden des Polytechnikums Friedberg wegen Baum- ftevels (die Utbeltäter hatten einer Anzahl junger Däumchen mutwillig die Krone abgebrochen und auch sonstigen Unfug verübt) teilt uns der Jngenieutbund Friedberg mit, daß die betreffenden Studierenden sofort nach Bekannt» werden der Tat, also noch vor ihrer gerichtlichen Verurteilung, aus dem Polytechnikum ausgewiesen wurden.
** Die Zimmermeister - Zwangs- Innung für Stadt- und Landkreis Gießen hielt am Samstagnachmittag im Restaurant „Zum Auerhahn", dahier, eine gutbesuchte Jnnungsversammlung ab. Nach dem von Obermeister Rinker (Nonnenroth) erstatteten Jahresbericht hat die Innung auch im letzten Jahre eine rege Tätigkeit entfaltet. Durch die schlechten Verhältnisse in der gesamten Wirtschaft, insbesondere durch die Kapitalnot, ist die Lage im Zimmer- Handwerk als ungünstig au bezeichnen. Die von der Innung durchgesührten Maßnahmen haben in vielen Fällen zur Minderung der Schwierigkeiten beigetragen. Der von Geschäftsführer $). Kirchner (Gießen) vorgetragene Rechenschaftsbericht zeigt eine Einnahme von 799 Mark, während die Ausgaben 672,31 Mark betragen. Bei den vorgenommenen Wahlen wurde Zimmermeister Weller (Leih- qeftern) neu in den Vorstand gewählt. Syndikus Röhr von der hiesigen Handwerkskammerneben- stelle referierte über allgemeine wirtschaftliche Handwerkerfragen. Zunächst wies der Redner darauf hin, daß wir zur Zeit an dem Ausgang einer zweifel- haften Wirtschaftsentwicklung stünden, die Verhandlungen im Haag hätten sich bis jetzt noch nicht aus- aewirkt. Der Redner behandelte bann eingehend die Frage: „Was wird sich in Zukunft abfpielen und wie müssen wir uns einstellen Er |d)ilberte die derzeitige Lage des Bauhandwerks und sprach von den Aussichten für 1930. Dor der ErMurig von Neubauten müßten alle erforderlichen Mittel sichergestellt werden, damit eine Schädigung der Bauhandwerker unmöglich sei. In bezug auf die Kapitalwirtschaft wies der Redner darauf hm, daß die Kapitalbildung ihren eigenen Weg gemacht habe. Eine Belebung des Kapitalmarktes fei nur durch Selbsthilfe des Handwerks möglich. Der Redner besprach bann noch kurz die Altersfursorge der
— Aus dem Stabttheater-Bureau wirb uns geschrieben: Die Vorstellung „Kyrih- Pyrih" beginnt heute abend um 71/» Uhr. — Freitag findet die Erstaufführung von Wedekinds „Musik" statt. Spielleitung Peter Fassott. Die Rolle der Klara Hühnerwadel spielt Trude Heß. Das Stück wurde von der Intendanz zur Ausführung ausgewählt, weil es jetzt wieder besonders aktuell erscheint. Die Regie ist bestrebt, die musikalische Art, die in der Konzeption des Werkes steckt, zu gestalten und den apostolischen Charakter des Dichters, der mit glühendem Fanatismus das 'Bürgertum angreift, zu betonen. — Sonntag Operettenpremiere „Drei alte Schachteln." — Nächste Premiere: „Wie es euch gefällt", von Shakespeare.
— Der Goethe-Bund labt im gestrigen Anzeigenteil zu einem Kammer-Wusikabenb mit musikwissenschaftlichem Einführungsvortrag ein, zu dem er bas Harlan-Lucas-Duis-Trio aus Freiburg i.Dr. gewonnen hat. Unter bem Titel „Oute Haus- unb Kammermusik auf historischen Instrumenten" w.rb — so schreibt man uns — bas Trio bie reiche Kunst ber Renaissance unb bes Barock bringen und hierbei den Weg von den längst vergessenen Klangwelten zu den bekannteren gehen, geleitet beim Musizieren von dem Geist der alten Musik, der sich aus der Klangart heraus ertasten oder ahnen läßt. Es ist eine in ihrer Art ebenso eigene, wie interessante Veranstaltung zu erwarten. (Siehe An- zeige.)
— Einen „Vortragsabend Rheinischer Humor" veranstaltet die hieftge Ortsgruppe Lei Deut chn: ki na en H ntzlung geh l e Verbandes am morgigen Donnerstagabend im Cafe Leib. Näheres in der gestrigen Anzeige.
— Wohltätigkeitsvorstellung des Vereins „Oberhefs. Damen hei m". Man schreibt uns: Wie wir hören, hat bie Protektoren des Vereins, Frau Fürstin-Witwe zu Solms-Hohensolms-Lich, ihr Erscheinen bei der Vorstellung „Die Eiskönigin" in Aussicht gestellt. — Die letzten Vorbereitungen nehmen einen flotten Fortgang, bie großen unb kleinen Mitwirkenben finb mit Feuereifer bei der Sache, um einem hoffentlich recht zahlreichen Publikum ihr Bestes zu bieten. (Siehe heutige Anzeige.)
StutjioetHoüfung nnö iDteBf Danoiana
Erfahrungen eines Universitätsprofessors.
C ier unterere bedeutendsten Professoren auf dem Gebiet ber inneren Krankheiten berichtet in einer ersten medizinischen Zeitschrift über seine jahrzehntelangen Erfahrungen in Fällen von Stuhloerstopfung. Er empfiehlt ben an berartigen Beschwerben Leibenden längere Zeit hindurch den regelmäßigen Gebrauch eines Abführmittels, wobei er entscheidenden Wert darauf legt, daß das Mittel nur aus pflanzlichen Bestandteilen zusammengesetzt ist. Dieses wird abends eingenommen und führt morgens die gewünschte Wirkung herbei. Dabei gewöhnt sich der Patient nicht etwa an bas Abführmittel, sonbern in-
Aus ber Provinzialhauptstadt.
Gießen, ben 5. Februar 1930.
jm Reiche M Scheins.
Es kommt immer darauf an, Wie man an die Dinge herantritt. Denn sie haben alle hundert Gesichter. Unb sind sehr verschlossen, bie Dinge an sich Aber vor ben beobachtenden oder fragenden Augen werben sie berebt, und erzählen ober antworten. „
Cffiaten Sie z. B. einmal in einem Maskenver- leihgefchäst? Allein schon bie Lust dort ist riechenswert, dieser undefinierbare Hauch von Vergangenheit und „Heute nur", von Sektstimmung, von Flirt und Aschermittwcch, ber über ben Reihen der still dahängenden Kostüme schwebt. Beobachtenswert bie Persönlichkeit des Wa Nenverleihers, der Kaufmann, Künstler, Geschichts- unb Menschenkenner zugleich fein muß — auch etwas Philosoph (Wenn auch unbewußt), ilnb sehens- unb höre n s - wert bie Besucher, die hereinkommen: „Ich möchte ein Kostüm haben." Bis zu diesem nicht gerade überraschenden Ansinnen sind sie alle gleich, vielleicht auch noch bis zu dem begleitenden, etwas verlegenen Lächeln — aber bann!
Der Geschäftsinhaber kennt seine Pappenheimer auf den ersten Blick. Welche Pappenheimer natürlich auch Holcksche Jäger, Kosaken, Cowboys oder Maharadschahs sein können. Von der Frauenwelt heute nur andeutungsweise zu reden; sie stellt den kleinsten Kundenkreis, denn sie kauft sich ein Kostüm in den Geschäften oder ersinnt und arbeitet Eigenes; es braucht ja heutzutage nicht viel zu sein, da außer dem Köpf, auch Hals, Schultern, Arme und Beine „freibleibend" wirken dürfen. Eine 'Ausnahme macht die dicke, unendlich mütterlich, hausfraulich und ländlich derb aussehende Frau mit schwergefüllter Wachstuchtasche, die eben her- einkomnit und „ein flottes Herrenkostüm" fordert, für sich selbst, zu meinem sprachlosem Erstaunen. (Sie fand übrigens Feins, es war räumlich un- flicht ^viel besser erging es bem ebenso vierschrötig, wie schüchternen Jüngling — und er war sehr vierschrötig — der ein Damen-Biedermeierkostüm verlangte. „Wie groß ist die Dame?", „Nee, für mich", grinst er. Das bedienende Fräulein versucht sanft, es ihm auszureden. „So große Taillen haben wir gar nicht, und der weite Rock, Sie werden überall hängenbleiben. Kann es nicht etwas anderes {ein?" Er grinst nur und dreht feinen Hut in den Händen. Ich höre dem einseitigen Gespräch ein Weilchen zu und lasse das langsam erlahmende Fräulein mit dem grinsenden Stummen von Por- tici zurück. Nach einer halben Stunde verläßt er mit einem tarierten Anzug unb rotblauem Riesenschlips grinsend das Geschäft: er war auf den „dummen August" gekommen — ich nickte bei-
Hessischen Handwerkskammer, sowie die geplante Altersversicherung für Handwerker, um bann in einem Ausblick auf die Zukunft auf die Bedeutung der Mitarbeit des Handwerks in öffentlichen Körperschaften hinzuweisen. An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache, in welcher noch eine Reihe onftiger Jnnungsangelegenheiten besprochen wurden-
*• E i ne hessische Ortsgruppe des S ch u hv e r b a n d e s deutscher Schriftsteller. Hm bie Hauptleitung des Verbandes in Berlin xu entlasten unb bie Möglichkeit schnellerer Erledigung ber Anfragen zu schaffen, hat der Derbanbsvorstanb bie Gründung eines ben Freistaat Hessen, die Provinz Hessen- Nassau und Frankfurt a. M. umfassenden Gauverbandes angeregt- Die Vorarbeiten, die längere Zeit in Anspruch nahmen, hatte der Schriftsteller Otto S ch w e r i n in Frankfurt übernommen. Er begrüßte auf ber für Montagabend nach Frankfurt einberufenen Gründungsversammlung die erschienenen Kollegen, berichtete über bas bisher Geleistete und trug das Dersamm- lungsprogramm vor. Bei ber VorstanbsWahl Wurde ber bekannte Frankfurter Schriftsteller Dr. Alfons P a q u e t zum 1. Vorsitzenden, Otto Schwerin zum 2. geschäftsführenden Vorsitzenden gewählt- Von Hessen wurden ber Darmstädter Kasimir Ebs chm ib unb ber Mainzer Dr. Karl Schäfer in den Vorstand gewählt, dem auch eine Dame angehören wirb. Da der Hauptzweck des Schuhverbandes die Wahrung der wirtschaftlichen und geistigen Interessen der Schriftsteller ist, sowie kostenloser Rechtsschutz, muhte ein mit dem Urheberrecht vertrauter und gleichzeitig literarisch eingestellter Jurist zum Syndikus ernannt werden, den man in der Person des Herrn Dr. Salmann fand. Die Aussprache über den Namen des neuen Gauverbandes führte zu bem Ergebnis, ihn „Gau Rhein- Main" zu nennen.
-------- folge der fortgesetzten gleichmäßigen Anregung der in htr Darmtätigkeit an regelmäßigen Stuhlgang. Diese
Lnwireroen in 0er Jl OOG. Erfahrung wird feder bestätigen, der bei Verstopfung WSN. Friedberg, 4. Fefrr. Am vergangenen I die unübertroffenen Apotheker Richard Brandt's Sonntag machte sich zum zweiten Male em g r o • I Schweizerpillen gebraucht. Sie bestehen ausschließlich ßes Fi sch st erben in der Nidda bemerkbar, aus pflanzlichen Auszügen unb Stossen unb enthalten Eine schwarzbraune, übelriechende Flüssigkeit ver- I keine Chemikalien. Ihre prompt und zuverlässig ab- ursachte wieder den Tod ungeheurer Fischmengen. I führende Wirkung erfolgt äußerst mild, ohne Leib- Hausenweise liegen die elend ums Leben gekom- I schmerzen oder sonstige unerwünschte Nebenerschei- menen Tiere an den Ufern. Immer stärker wirb ber l nungen heroorzurufen.
man zur Vorstandswahl. Zum Gaupräsidenten wurde der Präsident des Chattiabundes, Zimmer- meister und Gastwirt Karl Rinker, Nonnenroth, zu dessen Stellvertreter der Präsident des Wettertalbundes, Lehrer Glück, Langsdorf, gewählt. Gauchormeister wurde Lehrer Müller, Nonnenroth; Gaurechner Bürgermstr. Kneipp. Langsdorf; Gauschriftführer Richard Koch, Nonnenroth; dessen Stellvertreter Heinrich Wagner, Birklar. Beisitzer wurden Ludwig G ö - n e r t XIII., Queckborn, und Heinrich H a ub. Trais-Münzenberg. Vorerst soll jeder Bund seine Selbständigkeit behalten, d. h. n'cht zum Besuch von Festen innerhalb des Gaues gezwungen sein. Von einem Gaufest muß auch vorerst Abstand genommen werden, doch soll erstrebt werden, daß in kommenden Jahren verbindliche Gau- veranstaltungen stattfinden. Die Vereine sollen auch dahingehend beschieden werden, daß sie zukünftig nur Feste solcher Vereine besuchen, die Mitglied des Hessischen Sängerbundes finb. Die Tagung zeigte, daß überhaupt wenig Neigungfür bievielen Feste besteht, bie oft wegen ber vielen Storungen gar nicht zur Pflege unb Hebung bes Gesangs freitragen, son- bern lediglich der Stärkung der Vereinskassen dienen. Zur Bestreitung der Gau-Unkosten wurde beschlossen, daß dem Gau die 3 Pfennig Rückvergütung des Hessischen Sängerbundes verbleiben sollen, dazu erhält er pro Mitglied 5 Pfennig, so daß bei einem Jahresbeitrag von 1 Mk. jedem Bund noch pro Mitglied 10 Pfennig verbleiben. Alsdann besprach die Vertreterversammlung die Satzungen des neuen Gaues, die sich im großen und ganzen bestehenden Gausahungen anlehnen, und beauftragte ben ersten Dorsltzenben, biese jebem Verein zuzuleiten. Nach einem Schlußwort bes Herrn Rinker, ber ben Wunsch aussprach, baß ber neue Gau von Bestaub sein unb bem Besten ber Sängersache bienen möchte, unb nach einem Hoch auf bas deutsche Lied, brachte der Gesangverein Nonnenroth noch einige gut ein* studierte Chöre zu Gehör.
Büchertisch.
I — 3n ber Reihe ber 1 Mark-Bücher des Verlages Guibo Hackebeil QI.-®. (Berlin SW 48) sind vier neue Romane erschienen: „D i e Freun- d i n". Don Lisa Barthel-Winkler. Ein Buch voller Spannung und Frische. Es behandelt die seelischen Nöte einer jungen Frau, bie ihren zugrunde gehenden Mann rettet und dadurch seine Liebe toiebergetoinnt. — „Hella Fad - bemrechts Geheimnis". Von Valeska C u f i g. Das harmlose Geheimnis einer Frau, deren Gatte im Ausland Weilt, führt nach dessen Rückkehr zu einer aufregenden Verkettung von Situationen. — „DerBoxer. zwei Frauen und ein P f e i l“. Von Werner Scheff. Die Aufklärung des mysteriösen Verbrechens an einem Meisterboxer bildet den Inhalt des Buches. Scheff Weiß hier bie Spannung von Seite zu Seite zu steigern. — „K a r n e v a l". Von 2 r m - garb Spangenberg. Was baraud entsteht, daß bie Pförtnersfrau bas Zimmer ihres Unter* miet erd in besten Abwesenheit an eine junge, nette Dame vermietet, das schildert dieser flott
I geschriebene Roman. (15/18)
Neue Ullsteinbücher: „Ein Herr in den besten Jahren" hat es nicht leicht, Wenn er sich in ein junges, schönes, modernes und sportbegeistertes Mädchen verliebt, die durchaus nicht aus Mitleid geheiratet Werben Will unb sich mit aller Kraft bemüht, ihre Selbstänbigkeit zu bewahren. Dieses Wechselspiel schi.bert höchst anziehend QI. E. Weirauch. — In dem andern neuen Ullsteinbuch „Ringrose hört eine Stimme" geht es aufregender zu. Es ist ein raffiniert geschriebener Kriminalroman voll höchster Spannungen. Sein CBerfaffer EdenPhi 11- potts ist ein junger englischer Schriftsteller.
— Die neue Skitourenkarte „Qlero- vue" von Oberengadin. (724) Alle, die schon Gelegenheit hatten, im Engadin Winterserien verbringen zu können, wird das Erscheinen ber nach ganz neuen Prinzivien vom kartographischen Qkrlag „Aerovue", Conzett & Huber in Zürich erstellten ©ätourentarte Ofretengabin, Albula-Demina, 1:50 000, freubig begrüßen. Die Karte zeigt schon auf ben ersten Blick die gesamte Gebirgskonstellation des Oberengadins und gibt bem Beschauer eine klare Uebersicht über das I gesamte Skigebiet.


