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Schluß -er Plädoyers im Leipziger Hochverratsprozeß.

Leipzig, 2. Oft. (WLD.) Der achte Q3er- Handlungstag im Hochverratsprozeß gegen die Lllmer Reichswehrofsiziere brachte den Schluß der Plädoyers. Rechtsanwalt Dr. ©ad kommt zu dem Ergebnis, daß von den Angeklagten nichts getan worden sei, was den Tatbestand der Anklage erfülle. In seiner Replik weist dann Reichsanwalt Dr. Rage! darauf hin, daß ihm fcrngelegen habe, etwa den Inhalt der Protokolle ungebührlich auswerten zu wol­len, aber auch die Hauptverhandlung habe aus­reichendes Belastungsmaterial ergeben, von dem ein erheblicher Teil nicht einmal in den Pro- tokoNen enthalten sei. Seines Erachtens sei der klare juristische Beweis für das Bestehen einer Verbindung zwischen den Angeklagten und der RSDAP. geführt. Daß die Angeklagten mit ihrer Werbetätigkeit über das bloße Debattie­ren. Theoretisieren und Erforschen einer Stim­mung hinausgegangen seien, bedürfe keiner wei­teren Ausführung. Cs sei also nicht bloß ein Luftgebilde von ihm aufgebaut worden, wie das von der Verteidigung dargestellt worden sei.

Der Reichsanwalt schließt: Auch ein Hochverrat bleibt ein Hochverrat, selbst wenn er aus edlen Motiven erfolgt ist. Kurz gesagt, sollten das Reichswehrministerium, die Reichsregierung und das ganze deutsche Volk nach der Pfeife der Leutnants tanzen. (Im Zuhörerraum brechen Mißsailenskundgebungen aus, die der Vorsitzende energi.ch rügt.) Das braucht sich das deutsche Volk nicht nicht gefallen zu lassen und kann es auch nicht. Der Staat ist nicht nur für Leut­nants oder überhaupt für einen einzelnen Be­rufsstand da, sonl^rn für das ganze deutsche Volk.

Rechtsanwalt Dr. Sad wendet sich erregt gegen die Ausführungen des Reichsanwalts, dem er Verkennung des Tatbestandes in subjektiver und objektiver Hinsicht vorwirft, auch müsse er betonen, daß für das hohe beantragte Straßmah sich aus der Rechtsprechung des Reichsgerichts kein Anhalt ergebe. Rach kurzen Worten des militärischen Verteidigers wurde den Ange­klagten das Schlußwort erteilt. Sie betonten erneut, daß die Ziele lediglich die gewesen seien, die Wehrhaftigkeit ins Volk zu bringen, und be­antragten ihre Freisprechung. Die Verhandlung wurde darauf geschlossen. Die Llrteilsver- kündung ist Samstagvormittag zu er­warten.

Der Stahlhelm in Bayern.

Das Uniformverbot der Münchener Regierung.

München, 2. DEL (IU3 Wie der Bayerische Stahlhelm mitteilt, hat die Polizeidirektion München unter Hinweis auf das Uniformverbot des bayerischen Innenministers die Beteiligung des Stahlhelms in Bundestracht an den B e i f e tz u n g s f e i e r l i ch k e i t e n für den Prinzen Leopold von Bayern in letzter Stunde verboten. Der Bayerische Stahl­helm hat daher an den in Bayern eingetroffenen Reichspräsidenten, sein Ehrenmitglied, ein Telegramm gesandt, in dem das Uniformverbot als um so unpassender bezeichnet wird, als der Stahl­helm in Bayern noch nie irgendwelche Zu­sammenstöße mit Andersdenkenden gehabt habe und mit Polizei und Reichswehr vorher bereits alle Vereinbarungen für Beteiligung einer Abordnung des Stahlhelms an den Feierlichkeiten getroffen ge­wesen seien. In tiefster Empörung über diese Ver­gewaltigung sehe sich der Bayerische Stahlhelm außerstande, sein Ehrenmitglied, den Herrn Reichs­präsidenten, bei diesem Anlaß zu begrüßen. Er ent­biete daher telegraphisch ehrerbietigen Gruß und Front Heil.

Die Deutsche Staatspartei.

Berlin, 2. Oft. Innerhalb der Deutschen Staatspartei steht eine grundsätzliche Ausein­andersetzung bevor. In volksnationalen Kreisen hat es Aufsehen erregt, daß der staatsparteiliche Reichstagsabgeordnete Dr. Reinhold, der ehe­malige Reichsfinanzminister und ZÄtungsverleger in Leipzig, Chefredakteur derBossischen Zei­tung" und gleichzeitig Mitglied des Llll- steinschen Aufsichtsrats geworden ist. Außerdem ist man empört darüber, daß der staatsparteiliche Abgeordnete Dr. Stolper, der Herausgeber desDeutschen Volkswirts", sich für die Ansiedlung des tschechischen Schuhkönigs Bata in Deutschland einsetzte. In diesem Zu­sammenhang ist das Wort vom wirtschaftlichen Landesverrat gefallen. Die Auseinandersetzungen sind nach einer Meldung desBerliner Tage­blatts", bereits Gegenstand einer Führer- besprechung gewesen. Sie werden in der nächsten Woche voraussichtlich den Haupt- aktivnsausschuß der Partei beschäftigen, der am Dienstag zusammen treten soll.

Knegshehe in polen.

Delirium im Pilsudski-Lager.

Marschau, 3. Ott. (TU.) Welches Ausmaß das in der letzten Zeit auch von Blättern und Persönlichkeiten des Regierungslagers betriebene Kesseltreiben gegen alles Deutsche angenommen haL beweist das letzte Heft derMocarstwvwiec", das Hauptorgan der Pilsudskischen Organisation, genanntMacht-Liga Polen". In diesem Heft wird erklärt, daß der Krieg zwischen Deutschland und Polen unvermeid­lich sei und unmittelbar bevor st ehe. Wörtlich heißt es weiter:Das gegenwärtige Geschlecht ist dazu berufen, den Ramen Grunwald (Tannenberg) in der polnischen Geschichte zu verewigen, d. h., daß durch die Riederlage Ger­maniens die Macht des Preußentums zerstört werden muß. Unser Ideal ist, Polen im Westen mit de r Oder und der Reisse abzuschließen und ganz Ostpreußen Polen einzuverleiben. Daß das erreicht wird, ist in diesem Augenblid die große Aufgabe des polnischen Volkes. Mit dem Kriege gegen Deutschland werden wir die Welt in Erstaunen sehen. Es werden ungewöhnliche und jedes mensch­liche Ermessen übersteigende Blutopfer notwendig sein, um die Schande der Erniedrigung, die uns die Deutschen zufügten, wegzuwaschen. Den Mit­gliedern der Machtliga muh es Pflicht Jein, in die polnische Armee einen unerbittlichen, bis zum Fanatismus opferbereiten und bis zur Grausam­keit gehenden Kampfgeist hineinzutrcrgen."

Das Frühstück in Dar-le-Duc.

Kommt ein Kurswechsel in Frankreich?

Poincarö hat die Absicht, aus seiner poli­tischen Reserve herauszutreten. Er hat am letz­ten Sonntag eine Rede gehalten, die den Mi­nisterpräsidenten T a r ö i e u stark beunruhigte, die aber besonders auf Briand zuge- spitzt war. Das hat zunächst den Außenmini­ster veranlaßt, in Genf die Rolle eines Lieber» Nationalisten zu spielen und jede Abrüstung strikte abzulehnen. Herr Tardieu hat sich aber beeilt, gemeinsam mit dem Kriegsminister Magi- not,, Poincare in Bar-le-Duc einen Früh- stücksbesuch abzustatten. Was bei dieser Be­sprechung herausgesprungen ist, weiß man nicht. Zeitungen, die gut unterrichtet fein wollen, glau­ben aber, daß Tardieu die Tage seines Kabi­netts für gezählt hält und daß er bei der näch­sten Gelegenheit durch die Kammer gestürzt wird. Er will offenbar nun so vorgehen, daß er sich bie Freundschaft Poincares sichert und Briand fallen läßt, um, wenn es notwendig ist, sein Kabinett umzubilden und Poincare die Ministerpräsidentschaft zu übSr- lassen.

Pressevertretern, die ihn über seine Reise nach Bar-le-Duc befragten, erklärte Tardieu, daß er nur seine bei seiner Abreise abgegebenen Erklä­rungen über den streng privaten Cha­rakter des Frühstüds, das er gemeinsam mit Herrn' und Frau Poincarö und Kriegsminister Maginot eingenommen habe, bestätigen könne. Die politischen Folgen, die gewisse Zeitungen in

dieser Unterredung sähen, nämlich eine Um- bilbung des Kabinetts oder irgendwel­cher politischer Kurswechsel, seien vollkom­men falsch. Der morgige Ministerrat werde noch nicht den Zeitpunkt für den Zusammentritt des Parlaments, der frühestens am 28. Oktober erfolgen werde, sestsehen, sondern zum großen Teil dem außenpolitischen Expose ge­widmet sein werde, das Briand über den Ver­lauf der Völkerbundstagungen erstatten würde.

Briand und Handelsminister F l a n b i n sind gestern aus Genf wieder in Paris eingetroffen. Als Briand aus dem Zuge stieg, trat plötzlich ein Mann auf ihn zu und machte ihm laute Vorwürfe, er führe den Krieg mit Deutschland wieder her­bei. Es handelte sich um einen 36 Iahre alten, zu 65 Prozent kriegsbeschädigten Ar­chitekten. Er wurde fest genommen, während Briand ausrief:Das konnte gar nicht anders kommen!" Der Architekt hat, wie sich aus einer bei ihm gefundenen Fahrkarte ergab, denselben Zug von Genf nach Paris benutzt wie Briand. Als Briand in Paris den Lyoner Bahnhof verließ, hatte sich dort eine Anzahl Ca­melots du R o i (Mitglieder der radikalen, royalistischen Rechten) versammelt, um eine Kundgebung gegen Briand zu ver­anstalten. Die Polizei schritt ein und verhaf­tete mehrere von ihnen.

Die Neuwahlen in Oesterreich.

Kampf zwischen Christlich-Sozialen und Sozialdemokraten. Oie Stellung der Heimwehren. Gründet Schober eine eigene Partei?

Die C h r i st l i ch s o z i a l e n haben nicht nur die Abhalfterung Schobers durchgesetzt, sie haben auch erreicht, daß Neuwahlen zum Parlament ausgeschrieben worden sind, und daß ihnen in den wichtigen Wochen der Wahlvor- bcreitung der gesamte Regierungsapparat unum­schränkt <jur Verfügung steht. Sie haben zwar einige Portefeuilles an die Heimwehren abgeben müssen, aber die beiden Heimwehrminister dürften dem Ministerpräsidenten Vaugoin ebensowenig wie seinem Außenminister Seipel irgendwelche Schwierigkeiten machen, da sie mit der Christlich­sozialen Partei übereinstimmen und zunächst nur das eine Ziel im Auge haben, einen betont antisozial! st ischen Wahlfeldzug in die Wege zu leiten.

Tatsächlich wird der Wahlkampf in der Haupt- fache auch nur zwischen den Christlichsozialen und der Sozialdemokratie ausgetragen werden. Beide haben sich heftigste Fehde angesagt, beide werden versuchen, aus dem Heer der Nichtwähler möglichst große Teile zu gewinnen und an die Wahlurne heranzubringen. Irgendwelche Voraussagen über den Ausgang der Wahlen lassen sich natürlich nicht machen. In der österreichischen Wählerschaft herrscht eine starke Verstimmung über die Art, wie man den als NatioNalhelden gefeierten Schober beseitigt hat. Aber auch die Sozialdemokraten sind wegen ihrer Sünden in der Vergangenheit durch­aus nicht beliebt. Um nun zu verhindern, daß ver­

ärgerte Teile des Bürgertums beiseite bleiben, hat dieHeimwehr eine eigene Partei g e - gründet, die sicherlich einen beträchtlichen Zu­lauf erhalten wird. Es find übrigens Bestrebungen im Gange, noch eine Mittelpartei zu schaf- feil, an deren Spitze man Schober stellen wird. Man hofft, durch das Vorschicken Schobers von vornherein dieser Partei eine starke Gefolgschaft sichern zu können.

Ein Ausruf der Heimwehreu.

Wien, 3. Dkt. (TU.) Die Bundesführung der Heimwehroerbände hat einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. heißt: Wenn die Heimwehr ihre Hand ans Ruder der Regierung gelegt habe, dann sei das nicht geschehen, um die Christlich-Soziale Partei zu stärken, sondern um das Steuer für die Heim wehr fest zuhalten mit dem eisernen Entschluß, es sich auch durch eine rote Mehrheit nicht aus der Hand winden zu lassen. Die Anhänger der Heimwehr würden alsHeimatblock" unabhän­gig von jeder politischen Partei in allen Bundesländern in den Wahlkampf treten. Heute stehe die Heimwehr in der Regierung, morgen müsse der Heimatblock das Parlament erobern, um aus den Trümmern des parteipolitischen Parla­mentarismus einen neuen Staat, den Heimwehrftaat, auszubauen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichskanzler hat in einem Schrei­ben an die Gattin des verstorbenen Reichs- außenministers Dr. Stresemann des heutigen Todestages gedacht und zugleich im Ramen der Reichsregierung zum Ausdruck ge­bracht, in wie großer Verehrung das Reichs­kabinett seiner gedenkt. Auch Reichsaußenmini­ster Dr. C u r t i u s hat an Frau Stresemann von Genf aus ein in warmen Worten gehal­tenes Gedenktelegramm gerichtet.

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Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun hat an den Reichspräsidenten in Dietramszell folgendes Telegramm gerichtet: Zum 83. Geburts­tage sende ich Ihnen, Herr Reichspräsident, zugleich im Namen des preußischen Staatsministeriums, herzlichste Glückwünsche und aufrichtigste Wünsche für ferneres Wohlergehen.

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Reichsaußenminister Dr. Curtius hat mit dem fahrplanmäßigen Berliner Nachtschnellzug Genf verlassen, um nach Berlin zurückzukehren. Zur Verabschiedung waren der deutsche Gesandte in Bern Dr. Müller und Untergeneralsekretär Dufour« FSronce erschienen.

Der deutsche Botschafter in London, Sthamer, und seine Gattin fuhren Donnerstag nach Hamburg ab. Zum Abschied hatten sich offizielle Vertreter, sowie Freunde des Botschafters am Bahnhof ein­gefunden. So sah man u. a. Sir Austen Cham­berlain, den französischen und amerikanischen Botschafter, den österreichischen Gesandten, die Ge­sandten von Norwegen, Schweden, Ungarn, ferner die Mitglieder der deutschen Botschaft, sowie Sir Maurice de Bunsen. Für den - Außenminister war Mr. Monk am Bahnhof erschienen. Der König und die Königin hatten den Marschall des diplomatischen Korps, Generalmajor Sir John Hanbury-Williams, als Vertreter entsandt, der eine Abschiedskundgebung des Königs über­brachte.

Das Reichswehrmini st erium hat gegen den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Künstler Strafantrag gestellt, weil Künstler behauptet hat, bei einer Besprechung zwischen dem sowjetrussifchen Militärattache und Reichs­wehroffizieren sei der kommunistische Wahlaufruf fertiggestellt worden.

Am 8. Oktober findet in Frankfurt eine Tagung des Landesvorstandes der Hessischen Demokra­tischen Partei statt. Im Mittelpunkt der Bera­tungen steht das Verhältnis der Demokratischen Partei zur Staatspartei.

Der Berliner Oberbürgermeister Böß hat nun­mehr wegen Dienstunfähigkeit seine Versetzung in den Ruhestand zum l.Rovember d. I. beantragt. Falls diesem Antrag entsprochen wird, wird der Oberbürgermeister noch bis zum 31.0k- tobet 1930 Gehalt, von da ab Ruhegehalt be­ziehen.

Der frühere König Georg von Grie­chenland erklärt in eiper Mitteilung an die Presse, er sei stets davon überzeugt gewesen, daß das griechische Volk ihn früher oder später nach Athen zurückberufen werde. Er werde weder Besiegte noch Sieger kennen. Seim 'icht als König fei es, die nationale Einig­leit herbeizuführen.

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Auf den bisherigen englischen Zoll­inspektor in Tientsin, Simpson, wurde durch einen Chinesen ein Revolveranschlag verübt. Die Kugel verletzte das Rückenmark. Der Attentäter entkam in einem Auto. Simpson war gegen den Willen Nankings von der chinesi­schen Rordregierung als Zollinspektor in Tientsin eingesetzt worden.

In Weihaiwei, dem bisherigen englischen Flottenstützpunkt in China, wurde bei Dämme­rung die englische Flagge herunter­geholt. An ihre Stelle tritt die chinesische Fahne. Hiermit ist die 32jährige Besetzung dieses Hafens durch England beendet.

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Das australische Kabinett hat zur Ausgleichung des Staatshaushalts beschlossen, neben einer Erhöhung der Erbschasts» und Ein­kommensteuer die Einnahmen der Abgeordneten um 10 v. H., der Minister um 15 v. H. und der Beamten um 2,5 bis 12,5 v. H. zu kürzen.

Aus aller Welt.

Eröffnung der neuen Berliner Museen.

Berlin, 2. Dkt. (WTB.) Heute mittag fand in Gegenwart zahlreicher Gäste die feierliche Eröffnung der drei neuen Museen des Pergamon-, des Deutschen und des Vorderasiatischen Museums statt. Vor dem Pergamonaltar führte der Generaldirektor der staatlichen Museen, Geheim­rat Prof. Dr. Waetzoldt in seiner Begrüßungs­ansprache u. a. aus:Wir stehen im Herzen der neuen Baukunst. Von diesem architektonischen Mittel­punkt aus entfaltet sich die Trilogie der Baukunst: Hier in drei Sälen des Pergamon-Museums, dort im Norden durch zwei Stockwerke des Deutschen Museums und im Süden vorläufig nur in einem Stockwerk das Vorderasiatische Museum. Dieser Altar, an dessen Stufen wir stehen, ist als Dantes» monument errichtet worden. Mit besonderem Schmerze empfinden wir, daß weder Messel noch Wilhelm von Bode die Vollendung erleben durften. Die Augen der gebildeten Welt sind in dieser Stunde auf diesen Raum gerichtet. Wenn wir nach einer Inschrift zu diesem Bau suchten, so ließe sich wohl kaum eine bessere finden als die von LudwigTieck: Dem Gotte der bildenden Künste ein Denkmal des Friedens". Darauf hielt Kullusminister Dr. Grimme eine kurze Ansprache, in der er u. a. der Männer gedachte, denen wir diese Schöpfung zu danken haben, dem Finanzminister für die Bereit­stellung der Gelder, den Herren Geheimrat Waet­zoldt, Geheimrat Wiegand, Friedländer und D e m m l e r, dem preußischen Parlament und der Presse.

Schweres Grubenunglück in Millelengland.

Einem schweren Unglück auf dem Grove-Bergwerk in Brownhills (Grafschaft Stafsord) fielen 14Berg- arbeit er zum Opfer. Die Stollen waren voll von Kohlenoxydgas. Aus den benachbarten Rettungsstationen wurden Mannschaften mit Ret­tungsapparaten nach der Unglücksstelle entsandt. Da die Schachtanlagen jedoch zum großen Teil e i n g e st ü r z t sind, gestalteten sich die Rettungs- arbeiten außerordentlich schwierig. Erst nach 13 Stunden konnten die ersten fünf Leichen geborgen werden. Bis Donnerstag abend konnten 12 Todesopfer geborgen werden. Zwei von ihnen konnten infolge der furchtbaren Zerstümmelungen nicht identifiziert werden. Die Rettungs- arbeiten werden fieberhaft fortgesetzt. Der erste, der das Unglück entdeckte, war ein Heizer, der gegen 20 Uhr zur Nachtschicht eingefahren war und gegen Mitternacht in einem flachen Stollen die ersten An­zeichen der Explosion entdeckte. Die Unglücksstelle lag in einer Entfernung von etwa 2000 Meter vom Hauptschacht. Die Rettungsarbeiten dauerten die ganze Nacht an, während die Angehörigen an dem Ausgang der Grube in ängstlicher Spannung war-1 teten. Von den ums Leben gekommenen Gruben­arbeitern waren nur zwei nicht verheiratet.

Schwerer Unfall auf einer Bahnstrecke.

Bei der Durchfahrt des Schnellzuges 175, FriedrichshafenStuttgart, durch die Bahn-, ftation Ummendorf, ereignete sich ein schweres ilnglüd. Bahnarbeiter, die auf der Strecke m i t einer schweren Motorwalze beschäftigt waren, liehen diese beim Herannahen des Schnell­zuges stehen. Da die Walze zu -inejt in dasl Gleis hinüberragte, wurde sie von der Lokomo­tive gerammt und beiseite geschleudert. Hierbei wurden zwei Arbeiter tödlich und zwei weitere schwer verletzt.

Anschlag auf den Vizepräsidenten der preußischen Bau- und Finanzdirektion.

Auf den Vizepräsidenten Kühne der Preußischen Bau- und Finanzdirektion ist in seinem Amts- zimmer ein Mordanschlag verübt worden. Die Täterin, eine Frau Bache, konnte noch im letz- ten Augenblick an der Ausführung ihres Vorhabens gehindert werden. Frau Bache ist die Gattin eines Baumeisters, der früher Aufträge für die Preußische Bau- und Finanzdirektion ausgeführt hat. Aus bestimmten Gründen wurden Bache vor einiger Zeit die Aufträge entzogen. Es knüpfte sich daran eine Reihe von Beleidigungs­prozessen gegen Frau Bache. In einem unbeobachte­ten Augenblick gelang es Frau Bache, Einlaß in das Gebäude und in das Amtszimmer des Vizepräfi- denten zu finden. Sie zog eine Pistole uni) legte auf Kühne an. Ein im Zimmer anwesen­der Verwandter des Vizepräsidenten konnte noch Sm letzten Augenblick der Frau die Waffe aus der Hand schlagen. Frau Bache wurde dem herbei- gerufenen UeberfaUfommanbd übergeben und zum Polizeipräsidium gebracht. Anscheinend handelt es sich aber um einen Racheakt.

kriegsgefcmgenenhelmkehr aus Rußland.

Rach einer Mitteilung der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener kehrte dieser Tage der ehemalige deutsche Kriegsgefangene Thomas K o b i o 1 k a aus Sibirien in seine vberfchle- sische Heimat zurück. Kobiolka war 1915 in russische Gefangenschaft geraten, wurde nach Sibirien verschickt, kam dort auf Land­arbeit, heiratete in den Wirren des Bür­gerkrieges und hatte sich selbst eine kleine Bauernwirtschaft geschaffen. Die Llngunst der wirtschaftlichen Verhältnisse veranlaßten ihn jetzt, mit Frau und drei Kindern in die Heimat zurückzukehren. Kobiolka stand feit vielen Iähren mit feinen Angehörigen in Deutsch­land in Verbindung und bestätigt die Auffassung, daß sich in Rußland und Sibirien nur noch solche ehemalige Kriegsgefangene befinden, die freiwillig dort zurückgeblieben sind.

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Das Hochdruckgebiet ist unter weiterer Kräf­tigung vollständig auf den Kontinent gewandert. Wohl beginnt es schon, sich mehr nach Osten auszubreiten, aber dennochi bleibt sein Einfluß bestimmend für die Wetterlage.

Aussichten für Samstag: Stellenweise dunstig, tagsüber aufheiternd und schwach be­wölkt, trocken, weiterhin stärkere Temperatur­gegensätze zwischen Tag und Rächt, im ganzen etwas wärmer.

Aussichten für Sonntag: Abflauen der Temperaturgegensätze, dunstig und bewölkt mit Aufheiterung, trocken.

Lufttemperaturen am 2. Oktober: mittags 12,7 Grad Celsius, abends 6,4 Grad: am 3. Oktober: mor­gens 2,8 Grad. Maximum 12,8 Grad, Minimum 0,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe nm 2. Oktober: abends 13,4 Grad: am 3. Oktober: morgens 8,5 Grad. Sonnenfcheindauer 9X Std»