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Montag, 3. $cbrnor (030

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Nr. 28 Zweites Blatt

Oie Osireparationen.

Außenpolitische Umschau.

Don Or. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. fR.

Ein Lei! der im Haag zustande gekommenen Beschlüsse interessiert Deutschland nur mittelbar. Das sind die sogenannten O st r e p a r a t i o n e n. Man hot das kaum erwartet, daß dieser Ratten­könig von gegenseitigen Verpflichtungen und Ansprüchen, über den man sich in Südosteuropa jahrelang ergebnislos gestritten hatte, beseitigt werden würde. Es ist geschehen durch die Grob­heit Snowdens und die Geschicklichkeit Loucheurs, und damit ist allerdings in Südosteuropa ein ganzer Schritt zur Konsolidation vorwärts ge­tan. Die Beteiligten sind die Rachsolgesta a - t e n der österreichisch-ungarischen Monarchie und dazu auch Polen. Die Einzelheiten der Eint- gung interessieren in Deutschland nicht. Auch werden diese endgültig erst Anfang Februar in Paris von einem Redaktionskomitee festgesetzt. Aber so viel steht fest, daß auch hier die Repa­rationsfrage endgültig, oder was man so nennt, geregelt ist. Die Türkei kam schon längst dafür nicht mehr in Frage. Bulga­riens Jahreszahlungen sind nun festgesetzt; allerdings erwartet man ein Moratorium für Bulgarien. Ungarns und Oesterreichs Reparationsfraqe ist gleichfalls geordnet. Oester- reich ist bis 1934 ganz frei, ist auch vom Gene­ralpfandrecht befreit und hat erst ab 1968 wieder eine Jahreszahlung zu leisten. Ungarn zahlt bis 1943 jährlich 10 Millionen Goldfranken und danach IS'/e Millionen jährlich.

Richt nur dies ist geregelt, sondern auch die sogenannte Befreiungstaxe, die die Sieger, also die Staaten der Kleinen Entente, zahlen sollten, ferner die Ansprüche bzw. Schul­den aus dem Uebergang der Staats­güter (sog. bicns oedes), aus der Hand der Besiegten in die Hand der Sieger und schließlich die schwierigste und verzwickteste Angelegenheit, die besonders in dem Streite zwischen Ungarn und Rumänien jahrelang den Völkerbund be­schäftigt hat, nämlich die Optantenent­schädigung. Mit dieser Ordnung sind zugleich auch die Südoststaaten in den Voung- plan, denReuen Plan", wie er jetzt heißt, einbezogen und natürlich auch an die Internatio­nale Bant angeschlossen, die auch für Südost­europa Rachso^g:rin der Reparationslommis>ion wird. Mit alledem erhalten die Staaten des Donauraumes die Hände frei für ihre Finanz­politik, für internationale Anleihen, die die meisten von ihnen seit längerem suchen, nament­lich also Oesterreich, Ungarn, Bulgarien, aber auch Rumänien. Wird damit die Kleine En­tente enger oder nicht? Wir glauben das zweite. Sind diese Haager Abkommen, wie Be- nesch sogt, wirklichdie definitive Ergänzung der Pariser Verträge" und denkt niemand auf diesem CRaumc die Pariser Verträge gewaltsam zu an­dern so verliert die Kleine Entente immer mehr Sinn und Zweck. Statt dieses Zusammenhaltes treten dann die natürlichen Entwick­lung s r i ch t u n g e n für die einzelnen Teile im Raume der Donau zwingender heraus. Man braucht nur die Karten anzusehrn, wohin die einzelnen damit immer stärker gewiesen werden.

An den Ostreparationen in diesem Sinne ist auch Polen beteiligt. Polen erhebt An­sprüche an die Reparationen auf Grund Artikel 16 des Versailler Vertrages und hat (Artikel 243 von Versailles und 109 des Vertrages von St. Germain) die Pflicht der Entschöd.gung für den abgetretenen staatlichen Besitz an Deutschland und Oesterreich, im ersteren Falle 2V$ Milliarden Goldmarl. im zweiten P/i Milliarden Gold- fronen. Diese Verpflichtung galt nur der Repa-

Oie Geesloüen der Großmächte.

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Die gegenwärtig in London ta­gende Flottenlonferenz der füns See-Großmächte (Britisches Reich, Vereinigte Staaten von Amerika, Japan, Frankreich, Italien) um der stetig zunehmenden Aufrüstung der einand.r eiseriücht g überwachenden Mächte, wenn auch nur auf einige wenige Jahre, eine Grenze zu sehen. Insbesondere soll die zunehmende Spannung zwischen den beiden mächtigsten Staaten der Erde,

Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika, sowie die Gegensätze zwischen den Vereinigten Staaten und Japan (um die Beherr­schung des Stillen Ozeans) und der Mittelmeer- Streitfragen zwischen Großbritannien und Frank­reich sowie zwischen Frankreich und Italien, ge­mildert werden. Die Washingtoner Flotten-Kon- serenz setzte zwar schon am 6. Februar 1922 Ver­hältniszahlen für die Schlachtschiffe der Groß­mächte fest, indem dem Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika die gleiche Tonnage zugebilligt wurde, ihr Größenverhältnis zur japanischen Flotte sollte wie 5:3, zur franzö­sischen und italienischen Flotte wie 5:1, 75:1,75 sein. Dieses Abkommen betraf jedoch, wie gesagt, nur die Schlachtschiffe, diese größten und teuer­sten Einheiten der Seeflotten, deren militärischer Wert sich im Weltkrieg bekanntlich als sehr zwei­felhaft erwies. Dagegen wurde dem Bau von Kreuzern (abgesehen von einer Höchstgrenze von 10 000 To. pro Schiff), Torpedobooten, Unter­seebooten, Flugzeugmutterschiffen, also eben jenen Schiffsarten, die in einem zukünftigen Kriege eine entscheidende Rolle spielen werden, keine Schran­

ken gesetzt. Infolgedessen nahmen die Seerüstun- gen nach der Washingtoner Konferenz weiter zu, nur wurden statt der Schlachtschiffe die kleineren Einheiten gebaut.

Don 1922 bis 1929 haben die fünf Großmächte 74 Kreuzer gebaut, von denen 57 die in Washing­ton festgesetzte Höchstgrenze für Wasserverdrän­gung und Bestückung erreichte. Insgesamt haben in diesen acht Jahren die fünf Mächte 393 Kriegsschiffe mit 1 675 000 To. gebaut, und zwar:

Schiffe mit gebaut Tonnen

Großbritannien 98 445 000

Vereinigte Staaten von Amerika 35 321 000

Japan 125 387 000

Frankreich 135 315 000

Italien 96 225 000

Die Hauptaufgabe der Londoner Konferenz be­steht darin, die durch diese Rüstungen heraus- beschworene Gefahr eines drohenden Krieges durch allerlei Kompromisse wieder auf einige Jahre zu verschieben.

rationskommission, nicht Deutschland gegenüber. Polen ist weiter gemäß dem Vertrag von St. Germain auch mit einem Anteil an der Defrei- ungstaxe belastet. Und dann sind ja bekanntlich die gegenseitigen staatlichen und privaten Forde­rungen, die Deutschland und Polen aus dem Vertrag von Versailles gegeneinander erheben.

Die letzteren will das Liquidationsab­kommen vom 31. Oktober 1929 aus der Welt schaffen. Cs ist in einem Weißbuche für den ReickBtag veröffentlicht, aber nicht vollständig, weil gerade über den wichtigsten Teil zwischen Deutschland und Polen in Genf noch besonders verhandelt worden Ist und die betreffenden Be­schlüsse noch vertraulich sind. Wieder einmal begreifen wir diese Art der Veröffentlichung von feiten des Auswärtigen Amtes nicht, das das Abkommen unvoll st ä ndig herausgab (von einer Indiskretion ist gar keine Rede, da, wie gesagt, die Veröffentlichung in dem jeder­mann zugänglichen Weißbuche erfolgte) und, weil wesentliches darin fehlt, eine absch«ießende Kritik unmöglich macht.

Die erstgenannten Verpflichtungen aber find, wie die amtliche polnische Telegraphenagentur mitteilt (23. Januar) gleichfalls geordnet durch Vertrag zwischen den alliierten Hauptmächten und Polen auch im Haag. Damit wird Polen von allen Belastungen aus den bei­den Friedensverträgen frei, wie sie eben bezeichnet worden sind. Die Befreiungs­taxe, die dabei auch erlassen wird, sollte für Polen 228 Millionen Fran.en betragen. Außer­dem hat Polen mit Frankreich, England und Ita­lien feine Verbindlichkeiten für den Unterhalt der alliierten Okkupalionslruppen im ober schlesi­schen Abtretungsgebiet geregelt.

Man begreift sehr gut, daß der polnische Außenminister in einer Unterredung an die War­schauer Presse sich mit Befriedigung ge­

äußert hat. Denn dieser Ausgang bedeutet für Polen ein sehr gutes Geschäft! Seine finanziellen Verpflichtungen sind nunmehr endgültig festge­legt. Damit wird die Unsicherheit be­seitigt, die den Anleiheversuchen so große Schwierigkeiten machte, und die Regelung erfolgt von beiden Seiten, von feiten der Alliierten und von Deutichland aus in einer für Polen sehr vorteilhaften Weise. Die finanzielle Befestigung und damit die Verstärkung seines finanziellen und moralischen Kredites und damit wieder seiner internationalen Position ist im Ergebnis der Haager Verabredungen sehr groß. Dem ent­spricht es und ein Ausdruck dafür ist es auch, wenn eben in dieser Zeit die Vereinigten Staa­ten ihre Gesandtschaft in Warschau zu einer Botschaft erheben und der betreffende Antrag im Kongreß das mit dem Hinweis begründete, daß die Beziehungen zuder nunmehr gefestigten und mächtigen Republik Polen" diese Freund­lichkeit rechtfertigten. Polen ist das auch schon so zu Kopf gestiegen, daß es gleich einen Sitz und eine Beteiligung in der Internatio­nalen Dank für sich fordert, als wenn es nun mit den Großmächten und ihren Zentral­notenbanken gleichberechtigt wäre und als wenn nicht die polnische Finanzwirtschaft und dieBank Polski", die in der Internationalen Bank ver­treten sein will, wie die deutsche Reichsbank, unter der bekannten Kontrolle Amerikas, des Herrn Dewey stünden!

Sind die Haager Auseinandersetzungen mit den Ratifikationen vorbei, so treten die Ostfragen für Deutschland hervor. Das ist allge­meines Gefühl in Deutschland. Mit Recht ist darum auch gerade jetzt in der großen Denk­schrift der Landeshauptleute der Ostprovinzen einmal die Ostfrage im ganzen der Ration vor Augen gestellt worden. Aber man wird, wenn diese Dinge behandelt werden, wir meinen

die Oft fragen der Außen polt kl k, nicht unsere eigenen die Wandlung, die -ö e r * stärkung der internationalen Stel­lung Polens spüren, die sich aus dem ganzen Derlaus der Pariser und Haager Verhandlungen ergeben hat, und zwar eigentlich, ohne dav Polen viel dazu getan hat und. wie uns scheint, auch ohne daß die deutschen Sachverständigen und die deutschen Regierungsvertreter das im Ver­laufe dieser Wandlungen gemerkt haben!

Hier laufen die Dinge aus, in London sollen neue Entwicklungen beginnen. Was aus ihnen wird, ist noch gar nicht zu übersehen. Aus diese fällt aus der Feme ein merkwürdiges, kleines Licht. Die Türkei hat mit Rußland am 17 De­zember 1929 einen neuen Vertrag geschlossen, in dem sie sich mit Rußland doch Jo eng wr< bünbet, daß sie ihre diplomatischen Vereinba­rungen von der Z u st i m m u n g M o Stau® abhängig macht. Moskau inrpilichtet sich na­türlich umgekehrt zu dem gleichen., aber die Bindung ist für die Türkei starker und der Vor­teil für Moskau größer. Am 17. Januar sind zwei russische Kriegsschiffe. von Reapel kommend, durch die Meere ng en ins Schwarze Meer eingefahren, fo Die maritime Kraft Rußlands im Schwarzen Meer vermehrend. Wer Bescheid weiß in der orientali­schen Frage, weih, was ein solcher Vorgang be­deutet, auch wenn heute die Bestimmungen über die Durchfahrt andere sind als früher, und Ruß­land auch das heutige Meerengen-2lbkommen nicht anerkannt hat.

Die beiden Vorfälle kennzeichnen eine engere Verbindung zwischen Rußland und Der Türkei, die bei der letzteren ausfälliger ist. Sie ist ein Zeichen der Verstimmung der Türkei gegen Eng­land, von dem die Türkei nach der Verständigung über Mossul 1926 vergeblich irgendwelche Hilfe erwartet hat. Man wundert sich eigentlich, daß die englische Politik dies Gebiet so vernach­lässigte, aber Chamberlain hatte ja auch jeöc Konzeption einer englischen Orientpolitik ver­loren. Cs sind keine großen Aktionen. Die Lon­doner Konferenz fällt deshalb nicht um. Aber es ist ein Vorfall an der Peripherie, der von Interesse ist und für die Moskauer Außenpolitik immerhin ein Erfolg!

Raubüberfall aus ein postaulo.

WSN. F r a n k f u r t a. M., 2. Februar. Das Polizeipräsid um teilt mit: Am Samstag gegen 9 Uhr vormittags wurde das fahrplan- mäßige Post au to auf der Landstraße Hutten Rückers bei Schlüchtern beraubt. Rach Den Angaben des Kraftwagenführers, Der sich ohne Be­gleitung befand, hielten zwei Unbekannte das Postauto unter Vorhaltung von Schußwaffen an. Sie .nahmen Dem Führer Die Schlüssel ab und raubten aus Dem Wagen elf große L e * der loschen, Die sie im naheliegenden Wald auf* schnürten und leerten. Vermißt werden etwa 8000 Mark Bargeld in Papier und Münzen. Das Geld befand sich in leinenen hellgrauen Säckchen, die in elf rotbraunen Ledermappen mit Messing* schiebeverschluß untergebracht waren. Auf diesen Mappen standen die Namen Der Ortschaften Rückers, Schweben, Magdlos, Buchenrod, Kauppen, Haus* wnrz, Weidenau, Reinhards, Hintersteinau, Stork, Höf und Haid in lateinischer Schrift eingepreßt. Außerdem raubten die Täter zwei Wechsel, sowie eine Anzahl Po st - und Zahlungsan­weisungen, welche für Bewohner der vorge­nannten Ortschaften bestimmt waren. Weiter behiel­ten die Räuber einen langen Lederriemen mit vier Schlüsseln für das Postauto, sowie ein schweres Vor­hängeschloß. Dos Schlüsselloch Des Vorhängeschlosses ist mit einer Messingklappe uerDetfbar, Die Den Reichspostadler zeigt. Das geraubte Gut steckten die Täter in einen mitgebrachten Sack.

Der Kraftwagensührer beschreibt Die Täter wie

Es war ein schönes Fest.

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Die Wirkung ermessen!), Ritter erschien in einer ergreifenden Aufmachung als Köchin und pflaumte alle erreichbaren, zum Theater in irgendeiner herz­lichen und tatkräftigen Beziehung stehenden Persön­lichkeiten zärtlich an; es war sehr lustig.

Sollten wir bei dieser und der späteren Auf­zählung jemanden vergessen oder übersehen haben, so bitten wir gleich jetzt in aller Form um Ent­schuldigung und versichern, daß es ohne böse Ab­sicht geschah, wer zählt die Völker, nennt die Namen?

Ziemlich spät war es schon, als nach Dem populären System des Volksentscheides die Drei schönsten Frauen Des Abends ermittelt wurden. Um vier Uhr zwanzig Minuten begann Herr T a n n c r t mit beträchtlichem Stimmaufwand ein Koffer-Grammophon zu versteigern: erstes Gebot: zwanzig Emm; für fünfunDfiebzig, wenn wir recht gehört haben, wurde Der Zuschlag erteilt.

OerSprinubock"-Mensch.

Südafrika ist in neuester Zeit zu einem wich­tigen Fundgebiet für Fossilien Des Urmenschen und Des vorgeschichtlichen Menschen geworden. Unsere Kenntnis der menschlichen Vorgeschichte ist durch manche Funde aus Diesem Gebiet be­reichert worden. So Durch den bei Taungs in der Rähe von Mafeking entdeckten Schädel eines kindlichen Menschenassen, durch denRhodesia- Mann" von Broken Hill, der wohl einer späteren Zeit als der Reandertaler angehört. Durch den Schädel von Boskop und das Skelett von Ol- doway. Bei den letzten beiden Fossilien handelt es sich um echte Menschen, und Das Gleiche ist Der Fall bei Dem neuesten Derartigen FunD, den zertrümmerten Schädel« und S-eletteilen, Die in den Springbock-Fiats im nördlichen Trans- val gesunden wurden. Die Bedeutung dieser Entdeckung, die bei Den ersten Meldungen viel­fach übertrieben wurde, beleuchtet Dr. Hans dB eine r t in einem Aufsatz Der Frankfurter Wochenschrift über Die Fortschritte in Wissen­schaft und Technik »Die Umschau". Auf die

Ferner wurde mit großem Beifall begrüßt und. alsbald wiederholt eine von Herrn Bäulke und seiner Partnerin famos exekutierte Tanz- groteske.

Getanzt wurde überhaupt unermüdlich. Jeder Tanz in Drei Stationen. Die Musik war un­geheuer fleißig. Reueste Schlager gab es,Die Drei Musketiere" aus der Revue,Carolina Moon und sonst allerlei. Einen weiteren Höhepunkt er­reichte die Stimmung beim Dallontanz, einem wirklichen Volksfest von bestrickender Farben­freudigkeit, das man in der Münchener Gegend vermutlich alsHetz" oderGaudi" ansprechen würde. Leider ist es unseren Bemühungen nicht gelungen, die Flasche Burgess und Die Pralinen zu erobern, die als Preise ausgesetzt waren.

Die Zeit bis Halbsechs verging Dann schnell; wie es zu dieser Morgenstunde ausschaute, haben wir oben schon in Kürze angedeutet. Rach einem letzten Mokka zog man leise gähnend von dannen, den Tombolagewinn ans müde Herzchen gedrückt.

Wer von Den Mitgliedern nicht beim Kabarett rnitwirkle, machte sich anDerwärts nützlich, wie zum Beispiel mit Loseoerkaus, Tombolaverwaltung, ame­rikanischer Versteigerung, an Der SektbuDe, am Scho- koladenstanD, am Büfett und am Mokka-Ausschank.

Hier ist wohl auch Gelegenheit, Der unermüd­lichen Tätigkeit des Herrn V o l ck mit besonderer Anerkennung zu gedenken, der sich um Die Vor­bereitung. die technische Organisation und Die geschäftliche Abwicklung des Festes in hingeben­der Arbeit sehr verdient gemacht hat; möch'.en seine Bemühungen den gewünschten Erfolg ha­ben. Die Durchführung ließ nichts zu wünschen übrig, und Der Besuch war entgegen Den an­fänglichen Befürchtungen sehr gut,... zumal wenn man berücksichtigt, Daß noch zu allerlei anderen Veranstaltungen gesellschaftlichen Cha­rakters am gleichen Abend Einladungen er­gangen waren.

Modebericht: hier stock' ich schon; Der Referent muß seine laienhafte Unzuständigkeit auf diesem wandelbaren Gebiet betreten eingestehen und sich auf einige unverbindliche Randbemerkungen be­schränken; was die Herren betrifft, so hatten sie in Der Mehrzahl, faul oder phantasielos, zum Smoking oder Frack ihre Zuflucht genommen. Da braucht man nie etwas zu riskieren. Rur ein wirklich originelles Phantasiekostüm haben wir bemerkt. , f .

Mas Die Damen angeht, so war neben dev Vorliebe für weiße Perücken unD natürlich auch für Hosenrollen verschiedenster Gestalt eine Art von neuartiger Kostüm-Kombination zu be­merken, die, wie wir auf unsere interessierte An­frage von sachverständiger Seite harten, allgemein und vielsagend alsRöntgen-Kleid bezeichnet wird. Bei einiger Phantasie wird sich jedermann Die richtige Vorstellung Davon machen können.

Auf einer lustig bunten Bühne entrollte sich alsbald das Riesen-Sensations-Ueberraschungs-Ka- bareit-Programm derGagita". Hieran beteiligte sich ein stattlicher Teil des darstellenden Personals. Das Ganze ereignete sich als Vortragsfolge einer wahrhaft großzügigen und hochmodernen Parlo-Opto- Phon-Anlage, einer ingeniös erdachten Fernsprech- hellsehapparatur, die alle Völker und Länder Der Erde von Klein-Linden bis Groß-Amerika und von Gießen bis Tokio umspannte. Man unterhielt sich vortrefflich und klatschte kräftig Beifall.

*

Ritter sagte an, Gretel Woelke sang ein Zi- geunerlieb, A r z d o r f und H u b rezitierten und er- zählten Witze, Ilse Jahn spendete ein Lautenlied, Zingel und D o m m i s ch einen Dialog-Sketsch, Linkmann schmetterte herzbewegend das Gagita- Lied auf hinterindisch (nur wer es gehört hat, kann

KoslümbattGagiia".

Als wir so gegen halb sechs Uhr morgens lang­sam Den Heimweg antraten, da war das schone neugelegte Parkett über und über mit Lustschlangen besät, der hohe weiße Plafond mit Luftballons ge­spickt, blau, rot und grün, auf allen Tischen standen und wälzten sich, in den Ecken der Vorplätze türm­ten sich, der vielberedeten, schauderhaften Wirtschafts­lage spottend, Batterien von geleerten Wein- und Seltflaschen, auf Den Galerien faßen Da und Dort etliche zusammengerückte Pärchen, die Tombola war geplündert, aber die unermüdliche Kapelle H u s e- in euer sammelte die tanzwüt'.gen Reste derOagita' - Besucher zu einer Polonaise mit Trompete, Geige, Schlagzeug und Sarophon; man schob sich hin­aus, und draußen regnete es (es kann and) Schnee gewesen sein)... Wann Die letzten Besucher Das Fest verließen, vermögen wir nicht zu sagen: uns lag viel Daran, ins Bett zu steigen...

Schon aus Dieser Impression in vorgerückter Stunde mag man entnehmen, ein wie schönes, gut­besuchtes und stimmungsvolles Fest es gewesen ist. Und wenn nicht ganz Gießen tanzte, was übrigens auf heftige räumliche Schwierigkeiten gestoßen wäre, so bod) halb Gießen oder viertel Gießen, und cs ist herzlich zu hoffen und zu wünschen, daß der edle Zweck dieses Festes, welches Die Mitglieder Des Stadttheaters zugunsten ihrer Wohlfahrtskassen in den Club-Räumen veranstalteten, vollauf erreicht sei. (Man wird ja wohl etwas darüber hören.)

Es begann gegen neun Uhr, Der große Saal, Nebenräume, Galerien und Tanzfläche waren bald bidjt besetzt, und die Stimmung stieg geschwind zum ersten der verschiedenen Höhepunkte des Abends.

In später Stunde belebte sich das ohnehin bunte Bild durch Zuzug von außen: eine Rotte äußerst verkommener Gestalten, von eurem qlcict)« zeitigen Lumpenball entlaufen, mischte sich an­geregt unters tanzende Volk.

Lochschulnachrichten.

Der Marburger Privatdozent Lic. Erich F a s che r hat den Ruf auf den Lehrstuhl Der neutcstamentlichen Wissenschaft an Der Uni­versität Jena als Rachfolger von K. L. Schmidt angenommen.

Professor Dr. Anton Baumstark in Bonn hat den Ruf auf den Lehrstuhl der semitischen Philologie an Der ilniocrfität Münster als Rachfolger von Professor H. Grimme ange­nommen.

Knochen eines riesigen, heute in Afrika aus- gestorbenen Düffels, die in der Rähe der mensch­lichen Reste gesunden wurden, darf man nicht zu großes Gewicht legen, denn eine wirkliche Be­ziehung desSpringbock-Mannes" zu den Büsfel- resten ist nicht nachweisbar, und die Geschichte, daß Der Düffel den ülrmenfchen angegriffen und getötet habe, ist eine mit nichts begründete Fa­belei. Der Schädel, das wichtigste Stück, der aus vielen kleinen Stücken zusammengesetzt werken konnte, gehört einem erwachsenen Manne an: er ist 195 Millimeter lang und etwa 144 Milli­meter breit, kann mit einem Index von rund 74 als langschädelig bezeichnet werden. Die Stirn ist steil ansteigend, Die Augenbrauenwülste sind normal-menschlich; die Augenhöhlen selbst fd;cin- bar schmal, der vordere Zahnbogen nicht vor­stehend, das Kinn mäßig, aber deutlich ent­wickelt. Der ülnterkieferknochen ist derb und ma'- sig, dem Schädel entsprechend. Die Hauptfrage, Die sich an diesen und an die andern Südafrika- Funde knüpft, ist Die, zu welcher Rasse diese vorgeschichtlichen Bewohner Afrikas gehörten. Eigentliche Reger sind es sicher nicht gewesen. Wahrscheinlich handelte es sich um frühzeitige Dorstöße hamiti'cher Rassenelemente, die am Aus­gang Der Eiszeit von Rordafrika nach Süden vordrangen. Hamiti'd)e Elemente scheinen dann immer als Hcrrenichicht über die eigentlichen Reger geherrscht zu haben, so wie es noch heute der Fall ist, und die bekanntesten vorgeschicht­lichen Kunstdenkmäler Südafrikas, die Felszeich­nungen und Skulpturen, wären dann nicht Schöp­fungen der Buschmänner, wie man früher an­nahm, sondern dieser Rasse, deren Kultur den europäischen Formen desAurignac"- oderCro- Magnon-Menschen" entspricht. Als Zeit des Dordringens dieser Menschen nach Südafrika käme die spätere Cro-Magnon-Epoche in Be­tracht, vielleicht die Jahrtausende, die wir bei uns als Racheiszeit bezeichnen. Dieses Problem wird freilich erst durch eine größere Zahl von Skelettfunden aufgehellt werden können, aber der Springbock-Mann" bedeutet immerhin einen wichtigen neuen Beitrag zur Lösung dieser Frage.