Nr. 204 Lrfter Blatt
180. Jahrgang
Dienstag, 2. September 1950
Erich« >Ki loglich.autzer 5oentags und 5tiertags Beilagen;
Die Illustriert« Gießener Familienblättei
Heimat im Bild Die Scholle
Olenats Bejugiprels: 2.20 Reichsmark und 30 Beichsptennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.
zemfprechanfchlüße ■nterSammelnuinmer‘2251. Änfdjrift für Drahtnachrichten Mnjelger Gieße».
poßfche«»»!»:
Srenffurtam Main 11886.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Vrvck und Verlag: vrLhl'fche Universitülr-Vuch. und SletudruSerei R. Lange in Sieben. Zchristleitung und Seschäftrstelle: Zchtlffttaße 7.
Snnabme nr Snjetge» für die lagrsnumtner Di» zum Nachmittag vorher.
Dreis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breit« örtlich 8, au»wärt» 10 Neich»pfennig, für Ne« Klamean,eigen von 70mra Breil« 35 Reichspfennig, Plotzvorfchrift 20’ mehr.
Chefredakteur
Di Jnebr. Wilh. Lange. Berantwonlich für Dolmh Dr. Fr. Wilh. Canq«; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für >«n Anzeigenteil Mas Rillet, färnthd) in ®iefien.
Die Voraussetzungen der Außenpolitik.
Reichsminister Trevira nus hat in Äonig*- berg Erläuterungen zu feiner außenpolitischen Gattung gegeben, die der ernsten Beachtung wert find Er hat dabei bekannt, daß er ein innerlicher Gegner zahlreicher Bindungen fei. die unsere Außenpolitik in den lebten Jahren auf sich genommen habe, dah er aber im übrigen mit dem Kabinett völlig darüber einig fei, im jetzigen Augenblick vor einem internationalen Forum, also etwa in Gens, eine Revision der Verträge nicht zur Sprache zu bringen Denn, so fuhr Treviranus fort, man soll den Polen in Genf nicht schon jetzt die Gelegenheit geben. daS Problem der Ostqrenze aufzurollen und abzudrehen. Der Zeitpunkt einer Aktion zugunsten der Revision der unhaltbaren Friedensverträge könne erst dann bestimmt werden, wenn die innere Stärke unseresDol- kes uns di« Gewißheit gibt, daß wir Atem- kräfte genug haben, um einen solchen Anspruch auch durchzuhalten
Dieser Zusammenhang zwilchen Innenpolitik und Außenpolitik wird leider bei unS in Deutschland allzu häufig verkannt. GS gibt viele Kreise, die deS Glaubens sind, man könne grob« politische Erfolge erzielen, auch wenn der Staat im Inneren schwach sei Dieser Irrglaube hat sich schon wiederholt bitter gerächt. Ein« wirkliche Einheitsfront in außenpolitischen Fragen konnte bisher niemals zustande gebracht werden, weil in Deutschland di« Auslassungen über di« Möglichkeiten und die Notwendigkeiten der Außenpolitik gar zu verschieden sind
WaS unS jetzt not tut. ist die einmütige Haltung deS ganzen Volkes gegenüber den nächsten politischen Schicksalsfragen im O ft e n. Immer weitere Kreife deS Volkes haben inzwischen begriffen, daß innenpolitisch und außenpolitisch die großen Ausgaben jetzt im Osten liegen. Sinnfälliger kann der Zusammenhang zwischen Innenpolitik und Außenpolitik eigentlich nicht mehr werden. Wenn eS unS gelingt, die Äräfte deS Volkes auf diese große Probleme zu konzentrieren, ihm in Innenpolitik und Außenpolitik wieder Ziele zu weisen, für die daS ganze Volk zu kämpfen bereit ist, dann erst werden wir den tiefsten Punkt nach dem Zusammenbruch deS IahreS 1918 überwunden haben. Bevor aber di« Forderung einer starken Führung im Inneren nicht durchgeseyt ist, so lange der Staat noch durch seine eigenen politischen Unzulänglichkeiten in der Entlastung seiner besten Kralle gehemmt wird, kann kein« Ostpolitik wirkliche Ersolge Heimbringen.
Treviranus contra poincare.
Ter Meinungsaustausch int Urteil der „volonte".
Paris, 2. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die radikale Zeitung .Dolontö" beschäftigt sich mit dem Artikelduell Poincare-Treviranus. DaS Blatt schreibt, daS Dokument TreviranuS' sei ausgezeichnet und sehr vernünftig. Der junge deutsche Staatsmann scheine die derzeitigen Realitäten des internationalen LebenS bei weitem besser begriffen zu haben als der alte lothringisch« Staatsmann. Trevi- ranus wisse mit einem Taktgefühl zu sprechen, das- die Ausrichtigkeit nicht auSschlteße. Poin- car« habe einen Artikel geschrieben, dessen juristische Haarspalterei doch nicht die Unrichtigkeit der ausgesührten Tatsachen verdecken könne. Frankreich habe Deutschland keine Konzessionen gemacht, denn jede französische Geste zugunsten Deutschlands sei nurim Austausch gegen deutsche Gesten oder Garantien erfolgt, deren Bedeutung für Frankreich groß gewesen sei. Treviranus habe leichtes Spiel gehabt, als er Poincar« hieran erinnerte. TreviranuS weis« auch daraus hin, daß d i e Vertrage für Europa geschaffen seien, nicht Europa für die Verträge TreviranuS. der dank seiner Jugend die Zukunft begreife, gebe hier eine elementare Wahrheit wieder Möge man doch in Frankreich so ehrlich, mutig und weitblickend sein, daS anzu- crfcnnen.
Oer konservative Wahlvorschlag für Hessen-Nassau.
Frankfurt a. M., 1. Sept. (WSR. | Die Konservative Dolkspartei hat für den Wahlkreis 19 (Hesscn-Rassau) folgenden Wahlvor'chlag auf- gestellt: Universitätsprvsessor Dr. Otto Hoetzsch (Berlin), Syndikus Dr. Lanz (Wiesbaden), kaufmännischer Angestellter Krohn (Frankfurt Main-Ricderrad). Landrat Schwebe! (Marburg!, Regierungsassessor Hüter- Leer (Oft- friesland), Regierungsrat Dr. Heinrichs (Kassel). Frau Kalber la (Hohemark bei Oberursel). Eisenbahner Kirchner (Langenselbold), Prokurist Henhschel (Großalmerode). Direktor Dr. v. Gündell (Kassel), "Rechtsanwalt und Rotar Grämlich (Frankfurt a. UL).
Geheimrat Hugenberg erkrankt.
Bochum, 1. Sept. (WTB.) Etwa 3200 Personen wollten in Bochum den Führer der Dcutfchnatio- nalcn Dolkspartei, Geheimrat Hugenberg, in einer Wahlrede hören. Es kam jedoch nicht zu der erwarteten Rede. Rach einer längeren Verzögerung erklärte der Vorsitzende des Kreisvereins Bochum, Geheimrat Hugenberg sei zwar in Bochum eingetroffen, fei aber wegen einer Erkrankung am Reden verhindert.
Oie Reichsregierung im Wahlkampf.
Deutschland
und die Wirtschaftslage.
.Reichskanzler Tr. Brüning in vülheim.
Mülheim a. d. R., 1. Sept. Reichskanzler Dr, Brüning erklärte in einer Kundgebung des Zentrums, jetzt komme eS darauf an, daß das deutsche Volk, die deutsche Demokratie in der Lage sei, die sinanzpolitische Freiheit auch zum Wohle des deutschen Volkes, der deutschen Wirtschaft und deS deutschen Vaterlandes auSzunuyen. Die deutsche Wirtschaftslage sei durchaus nicht so ungünstig, wie sie von Zweckpefsimisten bärgeftcllt werde. Deutschland könne durch die Senkung der Rohstosfpreife nur gewinnen, da eS ein Land hochentwickelter industrieller 3er- edelungswirtschaft fei. Die deutsch« Aan- delSbilanz weis« die Konsequenzen dieser Snt- wicOuna bereits auf. Deutschland habe in den letzten Monaten einen Ausfuhrüberschuß gehabt, wie er noch nicht zu beobachten gewesen fei. Deutschland gäbe die Reparationen in den letzten Monaten nicht mehr allein aus den neuen Anleihen bezahlt, sondern zu60 Prozent aus dem reinen Auss uhrüber s chuh bezahlen tonnen. Mit den Worten .nicht Katastrophen und Experimente, sondern Ordnung. nicht Phrasen und Versprechungen, sondern Wahrheit, da- ist die Parole des 14. September", schloß der Reichskanzler.
Die Rettung der Landwittschast-
Reichtzernährungsintnister Lchiele in Äid.
Kiel. 1. Sept. (TU.) Aus einer Kundgebung deS SchleSwig-Holsteinischen Land- und Bauernbundes machte Retchsemährungminister Schiele grundsätzliche Ausführungen zur Landwirtschaftspolitik. Auf dem Wege zur Rettung der Landwirtschaft. so führte er u. a. auS, türmen sich drei Hindernisse auf, die nur in gemeinsamer Arbeit vom Staat und Berufsstand überwunden werden können. Die Erschütterung unserer heimischen Märkte durch das Anbringen der internationalen landwirtschaftL lieber- erzeugung. zweiten- die Festlegung toirt» schallsicher LandwirtschastSzölle von unzureichender Höhe in langfristigen Handelsverträgen und die Desorganisation der Erzeugung und Absatzverhä11n i s se im eigenen Lande. Die internationale ileber- erzeugung erstreckt sich keineswegs nur auf (Betreibe und Zucker; wir stehen vielmehr mitten in einer internationalen KrisiS der Diehwirtfchaft und deS Gartenbaues. Die oft überraschend kommenden Preisstürze am Geldmarkt lassen sich nur mit Erfolg abwehren, wenn wir zu einer autonomen Festsetzung unserer Landwirtsch af ts- z ö 11 c durch die Regierung ohne Einschaltung des langwierigen parlamentarischen GesetzgcbungS- wegeS gelangen. Deshalb muß es die Ausgabe der Landwirtschaftspolitik sein, di« Zollbindungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu beseitigen, die gerade noch auf dem Gebiete der Diehwirtfchaft sowie des Wein- und Gartenbaues in besonders großem Umfange vorhanden sind. Den immer zahlreicher werdenden Wünschen, die auf Systemänderung unserer Handelspolitik gerichtet sind, stimme ich im Grundsatz zu. Ich habe von jeher die Auffassung vertreten, daß das Prinzip der Meistbegünstigung in Verbindung mit festen Tarifabreden für unS höchst bedenklich ist. da wir uns für Landwirtschaft und Industrie in einer Zeit der internationalen Überproduktion, des internationalen Protektionismus und des internationalen Dumpings bereits befinden und ihr noch mehr entgegengehen. Wir müssen die bestehenden Mängel konsequent und mit aller Energie auSzumerzen suchen. Der Minister wies darauf hin, daß aber Zölle allein nicht helfen könnten, diese vielmehr ergänzt werden müßten durch organisatorische Maßnahmen zur Ordnung unserer Produktion und Abfatzverhältnisse im Innern. Allerdings könne man Absatzorganisationen nicht aus dem Boden stampfen, sondern eS bedürfe einer ruhigen, aber stetigen Entwicklung. Das Landvolk müsse die politische Macht ergreifen, wo sie sich ihm biete.
Die Voraussetzungen her Sozialpolitik.
Rcichsarbeitsminister Tr. Ltegerwald in Tuisburg
Duisburg, 1. Sept. (WTB.) Auf einer Wahl- hmbgebung der Zentrumspartei sprach nach mit stürmischem Beifall aufgenommenen Begrüßung»- Worten des Reichskanzlers Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwaid über wirtschafts. und sozialpolitische Fragen. Wir betreiben seit mehr als 50 Jahren Sozialpolitik und streiten uns gegenseitig darüber, was Sozialpolitik ist. Das Kernstück der Sozial- Politik in den nächsten Jahren ist nicht etwa die Kranken- und Invalidenversicherung, sondern d i e Arbeitslosenfrage. In der Mittelbeschaffung für die Arbeitslosen ist in den letzten Monaten so viel geschehen, wie noch zu keiner Zeit vorher. An die eigentliche Arbeitslosenfrage kommen wir fundamental nur heran durch eine nüchterne, planmäßige und organische innere und äußere Wirt- schastspolitik, durch größte Sparsamkeit in allen öffentlichen Körperschaften,
durch Vereinfachung und Verbilligung der Lebensführung, durch Preisabbau, durch Verminderung der produktionshemmenden Steuern, durch das Inord nungbringen der Finanzen im Reich. Ländern und Gemeinden. Diese Ziele find fo klar, daß nur der Mut zur Entschlossenheit aufgebracht werden muh, sie zu verwirklichen. Und bas ist die Hauptfrage Wie gliedern wir die große Armee der Arbeitslosen wieder ein in den Pro duktionsprozeß, und wie unterstützen wir jene denen Arbeit nicht beschafft werden kann, ohne dah dabei Das deuliche Volk im ganzen und mit ihm die gc (amte Arbeiterschaft immer mehr verarmt und verelendet? Das ist für mich wenigstens die Kernfrage der deutschen inneren Politik und somit auch der Wirtschafts- und Sozialpolitik.
Das konservative Programm.
Reichdminister TreviranuS in Mainz
WSR. Mainz, l.Vept. Auf einer Kundgebung der Konservativen Dolkspartei erläuterte Reichsrninistcr für die geräumten Gebiete TreviranuS den Begriff konservativ, wie die neue Partei ihn versteh« und betonte, daß nach den Zeiten der Rot die Dölker nur dann wieder gesund werden, wenn sie sich der Bewahrung unverlierbarer Werte besleißi- gen, wenn sie konservativ sind. Er wieS vor allem auf die Rotwendigkeit hin, sich von den Scheuklappen enger Parteidoktrin zu befreien
und vor der harten Wirklichkeit nicht di« Augen zu verfchließen. Als Ziel stellte der Minister auf; Bereinigung der Vertrage und Bereinigung der öffentlichen Haushalte, da ohne daS zwei'.« das erst« nicht erreicht werden könne. Die Kon- I fcrvative Dolkspartei wolle mit dem Prinzip
ein Ende machen, daß die Ausgaben von Leuten beschlossen werden, die für die Deckung nicht aufzukommen brauchten. Sie wolle das alte Märchen von dem Unterschied der direkten und indirekten Steuer auS der Welt schassen, und sie werde Mittel suchen, der Kapitalflucht durch Wiederherstellung deS Vertrauens in die deutsche Wirtschast Einhalt zu tun. Wir werden mit dem System der unbe- schränkten Zuschüsse auS dem Haushalt an die Arbeitslosenversicherung Schluß machen müssen. Dabei werden wir ohne di« Errichtung von Gesahrcnklaslen nicht auSkommen. Auch die K r a n k e n k a s s« n r e - form toerbc sich als zwingend« Rotwendigkeit ergeben. Eine Herabsetzung der Baustoffkosten und der Baupreise müsse erreicht werden. Das Reformwerk könne nur gedeihen, wenn man d i e alten Parteidoktrinen clnmotte und sich einmal auf den gesunden Instinkt verlasse. ES sei immer gefährlich, wenn man mit dem Parteiverstand gegen den gesunden Menschenverstand operiere. 3n diesem Sinne rief er zu einigem Zusammen stehen im Geist« der Frontkameradschaft auf.
24 Wahlvorschläge zugelaffen.
Wiederum starke Zersplitterung des bürgerlichen Mittelstandes.
Berlin, 1. Sept. (211.) Rach Ablauf der Frist für di« Einreichung der ReichSwahlvor- fchläge hat der ReichSwahlausschuß. der am Montag unter dem Vorsitz deS stellvertretenden Reichswahlleiters tagt«, die Reichs- wahloorschläg« folgender 24 Parteien für zugelassen erklärt
1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands- 2. Deutschnationale Dolkspartei: 3. Deutsche Zentrums Partei: 4 Kommunistische Partei Deutschlands: 5. Deutsch« Dolkspartei: 6. Deutschs SttatSpartei (Deutsche Demokratische Partei, Dolksnationaie Reichsvereinigung und verwandle Gruppen): 7. Reichsparlei des DeutschenMittel stände S (Wirtschaftspartei): 8. Bayrische Dolkspartei: 9. Rationalsozialistisch« Deutsche Arbeiterpartei (Hitlerbewegung): 10. Deutsches Landvolk (Christlich-Rationale Bauemund Landvolkpartei): 11. DoIksrecht spartet (Reichspartei für Dolksrecht und Aufwertung und Christlich-Soziale Reichspartei): 12. Deutsche Bauern Partei: 13. Landbund: 17. Christlich-Sozialer Dv 1 ksdienst t Evangelische Bewegung): 18. Freibund des Handwer ks. Kleinhandels und Gewerbes (Reichsbund des Deutschen Mittelstand«-): 19. Rationale Minde rhett en Deutschlands: 20 Deutsch« Einheitspartei für wahre Volkswirtschaft: 21. Partei gegen den Alkohol: 22. Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenen, Partei der Deutschen Mannschaf
ten einschließlich der Abgesundenen: 23. Unabhängige Sozialdemokra tische Partei Deutschlands: 24. HauS - u. Grundbesitzer: 25. Arbeiterpartei für daS arbeitende und schaffende Dolk: 26. Mieter- und DoikS- recht Partei: 27. Handel. Handwerk, Hausbef itz.
Die vom Reich-innenminister unter den Hummern 14, 15 und 16 vorgesehenen Reichswahlvorschläge fallen auS. da die betreffenden Parteien (Deutsch-Haniwversche Partei, Sächsisches Landvolk und Konservative Dolkspartei) anderen ReichSwahlvorschlägen angeschlossen sind. Sechs Reichswahlvorschläge mußten vom Reichswahlausschuß Aurüdge toiefen werden. Die Parteien „Recht werde Macht", »Kleinbesitzer, Handwerker. Mittelbesitzer'. .Zurück gedrängter Mittelstand und Invaliden" und »DolkSdund deutscher Arbeit" hatten nurReichswahlvorschläge. aber keinen KreiSwahlvorschlag eingereicht. Sine sogenannte.Menschheitspartei", die ebenfalls einen Reichswahlvorschlag eingereicht batte, muhte zurückgewiesen werden, daMängel tn de r List« der Unterschriften für einen Kreiswahlvorschlag festgestellt worden waren. Die »Radikale Deutsche Staatspartei", die einen KreiSwahlvorschlag im Wahlkreis Köln- Aachen eingereicht hatte, konnte für den Reichswahlvorschlag gleichfalls nicht zugelassen werden, da der KreiSwahlvorschlag zum Teil ungültige Unterschriften aufwieS.
Zum Mlktrill des Chefs der Heeresleitung.
Generaloberst Heye gegen die wilden Gerüchte um die
Berlin, 1. Sept. (WIB.) Generaloberst Heye übermittelt der Oesscntlichkeit folgende Erklärung:
Ilm den Gerüchten, die sich um meinen bevorstehenden Rücktritt gebildet haben und die sich allmählich zum Schaden des Reichs- Heeres auswirken, ein Ende zu machen, sehe ich mich zu folgender Erklärung veranlaßt:
1. Anfang Juni des Jahres habe ich aus eigenem Entschluß heraus den Herrn Reichspräsidenten und den Herrn Reichswehrminister um Zustimmung gebeten, nach Abschluß der größten Rahmenübung 1930 mein Abschiedsgesuch einreichen zu dürfen. Diese Zustimmung habe ich erhalten.
2. Den Zeitpunkt meines Ausscheidens aus dem Dienst habe ich daraufhin, den Belangen des Reichs- Heeres entsprechend, llebergabe der Geschäfte usw, auf den 30. November 1930 festgesetzt.
3. Wer, wie ich, über 4 2 Iahre der Armee gedient hat, davon 20 Jahre in schweren und verantwortungsvollen Stellungen in Krieg und Frieden, wird meinen Wunsch verstehen, die Führung des Reichsheeres einer jüngeren Kraft zu überlassen. Mit politischen Fragen hat mein Rücktritt nicht bas geringste zu tun.
4. Ich habe mich über den Rahmen meines Amtes hinaus nie mit Parteipolitik beschäf. tigt und beabsichtige auch zukünftig nicht, dies zu tun. Ich habe stets versucht, lediglich als Soldat, dem das Vaterland weit über allen Parteien steht, meiner Lebensaufgabe, dem Heere zu dienen
5. Für bas, was während meiner Amtszeit als Chef der Heeresleitung von mir unterstellten Offizieren gejagt ober getan wurde, trage ich allein die Verantwortung. Die Seifungsangriffe gegen solche Offiziere sind des
halb fachlich unrichtig und wirken für das Heer schädlich.
6. Ebenso stehe ich dafür ein, daß die Führung des Reichsheeres nach den Richtlinien des Reichswehr- minlfters als dem verantwortlichen Mitglied der Reichsregierung erfolgt ist.
Don einer Sonderpolitik des Heeres oder einzelner Offiziere zu sprechen, kommt deshalb bewußt oder unbewußt einer Irreführung der öffentlichen Meinung gleich.
7. Ich darf erwarten, daß durch diese Erklärung der Zeitungskampf gegen das Reichsheer und einzelne Offiziere abgeschlossen ist, zum mindesten sich nur gegen die Person richten wirb, bic bte Verantwortung trägt, also gegen mich
8. Hierzu darf ich noch folgenbes allgemeines bemerken: Bei meinem Ausscheiben nehme ich als feste Ueberzeugung mit, baß bas Reichsheer in allen seinen Gliedern selbstlos und treu seinen Dien st an Land und Volk ausübt. Wenn diese Tatsache bei öffentlicher sachlicher Kritik mehr alsbishergewürbigt würbe, wäre nicht nur der Armee, sondern auch Den Interessen Des Ganzen besser gebient
(gej.:) Heye, Generaloberst.
Es war höchst« Zeit daß dem unsinnigen Gerede über die Reichswehr ein Ende gemacht wird. Ein Berliner Boulevardblatt hatte am Samstag die Behauptung fertig gebracht daß Generaloberst Heye gar nicht von seinem Posten als Chef der Heeresleitung zurücktreten wolle, sondern daß ihm dieser Schritt von anderer Seite nahegelegt worden set Heye hat diesem intriganten Gerede jetzt durch die oben wiedergegebene Erklärung ein Ziel gesetzt


