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Nr. 205 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Montag, 1. September 1950

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Die Illustriert»

Gießener Familienblätter Heimat im Bild

Die Scholle

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2.20 Heid)smarh und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Dichter» Seinen einzelner Dummern

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nltrSammelnummer2251. Anschrift für vrahtnach» richten Anzeiger Oletzen.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr. Friede. HMD). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyeiot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mas Filler, sämtlich in Gießen.

Der Reichskanzler greift in den Wahlkampf ein.

Dr. Brüning spricht in Frankfurt über das Reformwerk des Reichskabinetts.

Frankfurt a. M. 30. Aua. ($M.) 3m überfüllten Saalbau sprach der Reichskanz­ler Dr. Brüning über die Ziele der ReichS- regierung. Sr ging davon aus, dah er an der­selben Stelle vor zirka zroeieinbalb Jahren die Finanzpolitik deS Zentrum- deshalb verteidigen muhte, weil man sie al- falsche Thesaurie- rungSpollilk bezeichnete. Durch diese Politik feilte 1925 die Grundlage gelegt werden, die un- gestattet hätte, in Oie 3ahre der Höchst­leistungen der Reparationen wohlgerüstet hin­einzugehen. Damal- gewannen Phra- f en d t e Lieberhand über die Der- nunft und so kam cS, dah wir nun vor einem; dauernden Defizit stehen.

Vas ist das Resultat, wenn eine Regierung not­wendige Reformen in Rücksicht auf Popularität und Illusionen unterläßt.

AuS dieser Erfahrung sollte man in dem jetzigen Wahlkampf die Lehre ziehen. Unter lautem Beifall erklärte der Redner, dah die Regierung den Weg der Sanierung zu Ende führen wolle und müsse. DS gehe tn Zukunst nicht mehr an, dah die Erledigung der notwendigen Dinge daran scheitere, dah man die Parteiführer nicht unter einen Hut brin­gen könne. Dr. Brüning wie- auf die Rotwen- vigkeit einer Verbindung zwischen Annahme de- VoungplaneS und einer Finanzreform hin: die historische Schuld der Sozialdemokratie werde e- Immer bleiben, dah sie Angst hatte, die Konsequenzen au- der Annahme de- B oungplanc- auf finanziellem Ge­biete zu ziehen. Ersparnisse mühten über- a 11 gemacht werden, in allen Ressort- und in allen Haushalten, wenn In Zukunst von einer Sicherung in irgendeiner Hinsicht gesprochen werden solle.

Vie Regierung beabsichtige einen Jinanjplan oorjulegen, der eine schrittweise Steuersenkung bringt und durch den insbesondere die Real­steuern gesenkt würden, durch die die Jnbuftrie- oor allem in den Grenzgebieten erdrosselt würde.

Deutschland ist Veredelungsland, jedes Herunter- gchen der Preise auf dem Weltmarkt kommt unS ebenso wie die Verbilligung der Geldsäye zugute. Wir müssen das Land sein, das al- erstes aus der Weltwirtschaftskrise gekrästigt hervorgeht. Die Republik sichert man nicht mit Phrasen, sondern nur, wenn man TR u t zur De rantwortung zeigt. (Lauter Beifall.) Sie wir- sich durchsetzen, wenn sich auch um denPreiS der Un Po­pularität diese» DerantwortungSbewuhtsein bei den großen Parteien durchringt. SS gelte, unter allen Umständen dasür zu sorgen, dah eine klare Verantwortlichkeit in der Finanzpolitik in Reich, Ländern und Ge­meinden geschaffen würde im Zusammenhang mit der Rotwendigkeit, in gemeinsamer Arbeit mit den Ländern erhebliche Ersparnisse durch DerwaltungSreformen durchzu­führen.

Das Ziel der Rcichsregierung sei es, auf lange Sicht eine Politik auf all diesen Gebieten nach einem einheitlichen Plan fest zulegen und ihre Durchführung auf eine Reihe Jahre verteilt gesetzlich zu sichern. Das Volk müsse das Ver­trauen haben, dah trotz aller parteipolitischen Verschiebungen eine Kontinuität in der Gesaml- polilik gewahrt bleibe. Sonst würde man von einem Experiment zum andern gleiten: die Auto­rität nicht nur der jeweiligen Regierung, sondern des Systems würde erschüttert werden. Dieses zu verhindern, sei das Ziel der Reichsregierung von Anfang gewesen, imb sie werde bei diesem Ziel verharren.

Die Schwierigkeiten der wirtschaitlichcn Lage bürsten für jede Reichsregierung, nachdem viel au viel in den vergangenen Jahren auigcschoben sei. kein Grund sein, an die Lösung der bren­nendsten Fragen dilatorisch heranzugel)en. Die wahre Entschetdung ginge darum, ob das deut­sche Volk Verständnis und Derantwortlichkcits- gesühl genug auftringen könne für eine Politik. Die. frei von jeder Illusion, nichs an­deres wolle, al- eine dauerhafte und unerschuiter- liche Grundlage für einen wirklichen Wieder­auf stieg deS deutschen Volke- zu schaffen.

Der Reichskan,zler, der zu Beginn seiner Rede schon mit starkem Beifall empfangen worden war. wurde im Verlauf seiner Ausführungen des öfteren durch lebhafte Beifalls­kundgebungen unterbrochen. Eine mi­nutenlange, feiten erlebte Ovation brachte die Versammlung dem Kanzler, als er sich an die 3 u g e n d wandte, die demnächst ihr Schicksal selbst In Pie Hand nehmen solle.

Die Stabilität der Außenpolitik.

Trier, 31. Aug. (WTB.) Aus einer Kundge­bung der Zentrumspartei erklärte Reichskanzler Dr. Brüning u. a.: 3n unterer Antwort auf das Memorandum der französischen Regierung haben wir den festen Willen zur Zusammenarbeit mit allen beteiligten Rationen bekundet, einer Zu­

sammenarbeit, die. wenn sie zu einer wirklich dauernden Stabilisierung der Verhältnisse führen soll, allen LIrf achen der entstandenen Schwierigkeiten zu Leibe gehen muh, mögen diese Ursachen auf wirtschaftlichem oder auf politischem Gebiet liegen. Wir wünschen und hoffen, dah der Wille zur internationalen Koope­ration aus der brennenden Rotlage der Gegen­wart einen neuen starken 3mpuls erhält und dah sich so auch für die Lösung derjenigen Fragen, die gerade für Deutschland lebenswichtig sind, der Weg de- sriedlichen und gerech­ten Au-gleichS der 3 n te re He n eröffne.

Die elementarste Voraussetzung für eine ge­sunde und erfolgreiche Auhenpolitik ist ihre Sta­bilität und ihre Innere Konsequenz, ohne die ein Land wie Deutschland nicht daraus rechnen kann. In der Entwicklung der Internationalen Be­ziehungen seine eigene Stellung zu festigen und ihr Achtung und Dauerhastigkeil zu verschaffen. Das Schicksal unseres Volks in Abenteuer irgend­welcher Art zu verstricken, kann keinem verant­wortlichen deutschen Staatsmann In den Sinn kommen.

3ch sollte denken, dah der Herr Auhenrninister und ich. die wir verfassungsmäßig für die Füh­rung der Auhenpolitik allein verantwort sind, in unseren Personen die Gewähr dafür bieten, dah von solchen Abenteuern keine Rede sein kann.

Wit dem Streben nach Popularität kann einem Volke nicht geholfen werden, und da- 3naussicht» stellen schneller und grober Ersolge bringt unS nicht weiter. 3ede vcrantwortungSbewuhte deutsche Auhenpolitik hat dieMöglichkeiten und Kräfte, die uns zu Gebote stehen, nüchtern abzuschätzen und für die Vertretung unserer 3n- teressen sich einzusetzen. Das Weiterschreiten auf der bisherigen grundsätzlichen Linie unserer Auhenpolitik muh diejenige Stetig leit besetzen, die eS allein ermöglicht, mit Festigkeit und Ener­gie voranzugehen und sich dabei da- notwendige Vertrauen deS 3n- und Au-landes zu erhalten. Bei alledem ist ein- klar. Auch für die Auhen­politik bleibt die erste Dorau-setzung deS Erfolges die Konsolidierung unserer inneren Verhältnisse. Ein zerrisse­nes Deutschland, da- seiner dringendsten inneren Ausgaben nicht Herr wird, vermag auch nach auhen hin nichts und scheidet bei den kommenden groben Entscheidungen als mitbcftimmcnöet Faktor aus. Rur wenn wir von einer gesicherten inneren Grund­lage aus arbeiten, nur wenn die ReichS- rcgicrung nach auben den geschlossenen Willen eines gefestigten deutschen Staate- vertritt, kann es erreicht werden, dab Deutschland im internationalen Leben wieder denjenigen Platz einnimmt, auf den unser Volk einen berechtigten Anspruch hat.

An -ie Partei der Richtwähler!

(Sin beachtenswertes Aufruf der Nichtpolitiler.

Leipzig, 1. Sept. (XU.) 38 hervorragende Per­sönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Literatur veröffentlichen folgenden Aufruf;

Wir wissen, dah viele deutsche Männer und Frauen, deren Urteil Achtung verdient, aus Ab­neigung gegen das poliNsche Getriebe bisher den Dahlen fernblieben. Sie alle haben noch nicht bedacht, dah sie vor einer Rotwendigkeit dieAugen schlossen.

Die Partei der Richtwähler hat dadurch ver­hindert. dah die verontwortungsbewuhten Parteien verstärkt und zu neuen, wirklichen Machlsakloren wurden. Die Folge ist, dah u n - ferer gesamten Politik das Rück­grat mangelt. Lin Reichstag, dem so ge­wichtige Stimmen fehlen, wird nicht als der deutsche Willensausdruck gewertet.

Wir richten den Ruf an die Partei der Richt­wähler: Diesmal greift eins vielen Le­sern sind wir Führer gewesen auf den fernab von aller Politik liegenden kulturellen Gebieten. Mögen uns diese Leser den Glauben schenken,

dah wir keiner Partei das Mort reden. Der Reichstag muh ein neues Gepräge haben, dem die Intelligenz ihren Stem­pel aufdrückt.

Traf von Arco: Geh. Med.-Rat Prof. Dr. A. Bier; Rudolf G. Bin ding: Dr. Elsa von Bonin: Waldemar Bonsels: Ludw. Jinckh: Bruno Frank: Leonhard Frank: Gustav F r c n- s e n; Geh. Rat Leo Frobenius: Paula G r o g ger, Gerhart Hauptmann: Professor Dr. ft. Haushofer, Generalmajor a. D ; Rudolf Her- 30 g; Ricarda Huch: Bernhard fteUermann; Pros. Dr. H. Äonen; Max Liebermann: Heinrich Mann; Thomas Mann: Walter von Molo; Geh. Hof rat Pros. Dr. Hermann Oncken; Alfons Paquet: Geh. Rea.-Rat Prof. Dr. Max Planck; Josef Ponten; Rudolf P r e s b e r; Dr. Ilse Reicke: Heinrich XIV., Erbprinz Reuh; Geh. Hofrat Prof. Dr. F. Sauerbruch; Wilh. von Scholz: Dr. Walter Schönbrunn; Max Slevogt; Prof. Dr. Eduard Spränge r; Fritz von Unruh; Clara Biebig; Geh. Rat Pros. Dr. Karl Böhler; Geh. Reg.Rat Prof. Dr. Hein-- rich Wölfflin; Carl Zuckmayer.

Der Aufmarsch der Parteien.

Die Deuffchnaiionalen.

Lberfohrcn spricht in Frankfurt.

3n einer Wahlversammlung der Deutschnatio­nalen Dolkspartei führte der Vorsitzende der deuifchnationalen Reichstagsfraktion Dr. Ober- fahren etwa folgendes aus: Durch die Aus­nahme eines Reichskredits in Höhe van 2,7 Mil­liarden Mark sei das drohende Wort ,Defizit" einstweilen von der politischen Bühne verschwun­den. Damit ändere sich aber nichts an der kata­strophalen Finanzlage des Reiches. Festgehalten müsse werden, dah trotz einer dreimaligen S teuer- welle eine Sanierung der Reichsfinanzen nicht ge­lungen sei. Zum Vorschlag Hugenbergs zur Ab­wälzung der Reparationsschuld sagte Oberfohren, tote Helfterichs Plan der SchaNung der Rcntenmark zunächst unbeachtet geblieben fei und erst oerwirrlicht wurde, als die Rot am höchsten gestiegen war, so werde auch dieser Plan, der sich auf einer genauen Beobachtung der welt- wirlschastlichen Verhältnis'e aufbaue, totgeschwie­gen oder als unmöglich bezeichnet. Die Deutsch- nationale 'Dolkspartei ziehe nach einer Periode der inneren Auseinandersetzungen neugefeftigt in den Wahlkampk. Riemals komme für sie eine Ein­ordnung in das System der Mitte, das heutige Derelendungssystem, in Frag«. 3hre ßofungliuc: .Fretheitspolitik statt Tributpolitik! Gegen Par­lamentarismus und Demokratie!" So werde sie weiter sein die Partei des stärksten nationalen Willen-, verbunden mit nüchterner, staatspoli­tischer Einstellung.

Der Christlich-soziale Dolksdienst.

Mumm und Vcith iprechen in Berlin.

In einer Wahloersammluna des Christlich sozialen Dolksdienstes sprach der bisherige Reichstagsabge- ordnete Pfarrer D. Mumm über die Ziele der chrisllich-sozialen Bewegung. Er erklärte, die Auf-

fassung, Kirche und Staat hätten nichts miteinander zu tun, fei ebenso gedankenlos wie oberslächlich. Der Christlich.soziale Bolksdienst führe den Kamps gegen den unchristlichen Marxismus und den unchristlichen Mammonismus mit gleicher Entschiedenheit. Die Reichstagswahlen würden über die christIiche Erziehung der Jugend entscheiden. Es gelte, daraus hinzu- wirken, daß alle diejenigen, die bisher tatenlos bei- feite gestanden hätten, sich im Interesse der Zukunft ihrer Kinder zur Stimmabgabe oerpflich. tet fühlten. Der Christlich soziale Bolksdienst werde sich auch im neuen Reichstag füröte Durchfüh­rung des vom Reichspräsidenten auf- ge ft eilten Notprogramms einsetzen. Pfarrer Beith (Frankfurt a. 'M.) stellte in den Mittelpunkt seiner Ausführungen den Gedanken der B o l k s g e m e i n s ch a ft. Er betonte, dah die christ. lich-soziale Bewegung einen neuen Ion in die Politik hineintragen wolle. Der Weg zur Freiheit gehe über die innere Erneuerung des deutschen Volkes, die sich nicht anders vollziehen könne als aus dem Evangelium heraus.

Die Konservative Volkspartei.

Trcviranus und Hoetzfch prcchen in Frantfurt.

3n einer Kundgebung der Konservativen Volks- Partei erllärte Reichsminifter Treviranus, man sei sich im Kabinett darüber einig geworden, dah es für d e dringendsten Ausgaben bet n-chsten Wochen un. Mona:. deWöglichkeit ii er Arbeitsgemeinschaft geben müsse, ocer Deutschland falle in Wirtschaft und Volk aus- einander. Diese notwendigen Reformen würden aber durchgeführt werden, ganz gleich, von welcher Regierung. Es gebe keine Regierung, die es wagen werde, die erlassenen Dotverord- nungen auszuheben und die jetzt begonnenen Re­formen rückgängig zu machen. Aus der Linken gebe es auch Leute, die das bereits einsähen. Der Weg der gegenwärtigen Regierung gehe

in Etappen, von Stufe zu Stufe. Diese stufen­weise Arbeit lasse sich aber nicht bewältigen ohne Steuererhöhungen, die notwendig seien, um die Sctoaltige Schuldenlast abzutragen. Die Arbeits- rsigkeit könne man nicht durch Arbeitsbeschaf­fung allein restlos beseitigen. Wan dürfe sich aber nicht anstecken lassen von jenem Pessimis­mus, dast in unserem Vaterlande nichts mehr möglich sei. Die Konservative Dolkspartei wolle dafür kämpfen, dast biete Welt in Drbnung komme; die Wunbe Im Osten bleibe offen, ob man fie Rarbe ober sonst waS nenne. Da- sei das Letzte und Schwerste, WaS zu losen bleibe.

Professor Dr Hoetzsch bekannte sich bann nachdrücklichst für die Notwendigkeit einer euro­päischen Föderation, um den Frieden in Europa international zu reorganisieren. Bei einem neuen Zusammenstoß der Völker Europa- würde da- tetzte europäische Kulturgut, da- man noch ge­rettet habe, vernichtet werden. Professor Hoetzfch schloß. er glaube an die grobe geistige Kraft dc- deutfchen Volke-, da- mit positiver Kraft fich au- dieser Krise herausarbeiten und den R e - gativiSmuS erfolgreich überwinden werde.

Das Zentrum.

Wirth spricht in Visen.

In einer Wahlkundaebung der Zentrumspartei sprach Reichsminister Dr. Wirfst Die Zentrums- Partei habe dem Drängen der Jugend, heute stärker als je, im politischen Lebenmit Dabeifein. wollen" durchaus Rechnung getragen und Vertreter der ernststrebenden Jugend an sicheren Stellen auf- gestellt. Die Opposition gegen die Politik Brünings sei keine echte Opposition gewesen, sondern nur eine Gruppierung zum Sturze der Regierung. Wie sich die Mehrheitsbildung im neuen Reichstag vollziehen werde, könne heute noch keiner Übersehen. Allen Heißspornen, die glaubten, den Stein der Weifen zu besitzen, werde man das Finanzministerium über- geben, dann würden sie sehr schnell bescheiden wer­den. Die Maßnahmen Stegerwalds auf sozialpoliti­schem Gebiete seien diktiert von der Notwendigkeit, in gewissen Einzelheiten hart zu fein, um das Ganze zu retten. Wenn jemals die Nationalsozia­listen die Hand nach dem deutschen Staate aus- strecken würden, dann würden katholische und cvan- gclischc Christen, konservative Menschen aus allen Lagern, sich wie ein Mann erheben, um diesen An­schlag abzuwehren. Dr. Wirth gab seiner Genug­tuung Ausdruck über die Tatsache, daß die konser- oatioen Menschen des evangelischen Lolksteiles den Weg zum heutigen Staat gefunden hätten. Die Sa­nierung der deutschen Finanzen schreitet fort, und das Arbeitsbeschassungsprogramm bietet Gelegenheit und eine Handhabe zur Behebung der großen Ar­beitslosigkeit. Wir werden am kommenden Etat sehr viel abstreichen, und dann mag der Reichstag ent- scheiden, ob er ihn billigt ober nicht. Die Wirtschafte not wird überwunden werden, das deutsche Bolk wird und muß vorwärts und aufwärts schreiten.

Die Deutsche Volkspartei.

3eedt spricht in Dortmund.

In einer Wahlversammlung der Deutschen Volks- Partei sprach Generaloberst a. D. o. S e e d t Die wichtigsten Ziele feien in der Außenpolitik die Wiederaufrichtung Deutschlands als M a ch t st a a t, d. h. die Wiederherstellung einer ihm feiner Größe nach zukommenden Stellung in der Welt. Einer paneuropäischen Zusammenarbeit werde man sich nicht widersetzen, sondern solange Mitarbeiten, wie Deutschlands äntereffen hierbei ge­wahrt werden. Der Kampf gegen den Vertrag von Versailles und die Befriedigung der deutschen Wünsche sei für die Beruhigung und die Erstarkung des gegenwärtigen Europas so wichtig, daß wir für unfere Beteiligung den Preis der Wiederher­stellung unserer Souveränität fordern müßten. Das Vertrauen zur Führung in der Außen- Politik müfte wiederhergestellt werden, ohne daß man von den Führern verlange, genau vorher zu sagen, wie sie es machen wollen Das Ziel der Außenpolitik bleibe Verständigung, Friede, Zusam- men leb en. Das Zusammenleben bedinge die Wiederherstellung der Macht, um nicht von den anderen beherrscht zu werden und um die deutschen Brüder in der Welt schützen zu können. Im Osten sei das Ziel die Erhaltung des Deutsch- tums Der Korridor sei eine dauernde Be- drohung für Ostpreußen. Mit Italien, dessen Faschismus kein Ausfuhrartikel fei, und mit Ruß. land, das als großer Nachbar unserer Grenzen jederzeit ein Stein im Brett der deutschen Politik bedeute, müßte Deutschland irf Frieden und Freund- schäft leben, auch wenn man ihre außenpolitischen Ziele ablehne.

Oie Deutsche Gtaatspartei.

Hummel und Mahraun sprechen in Magdeburg.

In einer Versammlung der Deutschen Staats­partei sprachen Staatspräsident a. D. Dr. Hum- m e I und Artur Mahraun. Dr. Hummel bezeich­ne als wesentliche Aufgabe der Deutschen Staats­partei eine Neuorganisation des öffent­lichen Lebens in Deutschland durch Sammlung aller verantwortungsbewußten Kräfte. Eine Aende- rting des Wahlrechts solle die technischen Möglich- feiten dafür schaffen.