Rr. 22 Erster Blatt
M. Jahrgang
Freitag, 26. Januar 1934
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Deutsch-englischer
Wettbewerb im Aorten.
In keinem Teile der Welt stoßen die deutsch-englischen Handelsinteressen so heftig zusammen wie i n den vier nord europäischen Ländern Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland. Man braucht nur daran zu erinnern, daß erst kürzlich durch den Abschluß eines englisch-finnländischen Handelsvertrages, der England eine Vormachtstellung auf dem finnländischen Markte einräumt, die bisher ungestörten deutschfinnländischen Handelsbeziehungen erheblich gefährdet wurden. Ganz ähnlich liegen die Dinge auch auf den übrigen skandinavischen Märkten. Ueberall versuchte England, unter Ausnutzung seiner Stellung als Abnehmer der Erzeugnisse der nordischen Länder, den deutschen Export zurückzudrängen und seinen Waren eine möglichst unangreifbare Vorzugsstellung zu verschaffen. Die wichtigste Waffe in diesem wirtschaftlichen Eroberungsfeldzug Englands ist die Abwertung des Pfundes. Sie oeran- laßte die nordischen Länder, zum Zwecke der Erhaltung ihres Absatzes auf dem englischen Markte ihre Währungen an das Pfund anzu- hängen. Die Folge davon war das Entstehen einer weitgehenden Verknüpfung der nordischen Märkte mit den englischen und demgemäß eine starke Zurückdräng ung der deutschen W a r en auf diesen Märkten.
Es ist nun begreiflicherweise die Frage aufgeworfen worden, ob das Vordringen Englands auf den nordischen Märkten und die handelspolitischen Schädigungen Deutschlands auf diesen Märkten von Dauer sein werden, ob die Entwicklung sich zu Ungunsten Deutschlands fortsetzen wird, oder aber ob sie nur als eine Folge der Pfundabwertung anzusehen ist und daher mit der Stabilisierung der internationalen Währungen die deutsche handelspolitische Stellung in Nordeuropa wieder erstarken wird. Das Statistische Reichsamt, das zu dieser für die deutsche Wirtschaft sehr wichtigen Frage in dem letzten „Dierteljahrsheft für Statistik des Deutschen Reichs" Stellung nimmt, kommt dabei zu dem bemerkenswerten Ergebnis, daß auch in b^zug auf den Rückgang des deutsch-skandinavischen Handelsaustausches der Tiefpunkt nunmehr erreicht und zum mindesten ein Stillstand der Entwicklung zu erwarten ist. Das würde bedeuten, daß Deutschland seine heutige, allerdings erheblich geschwächte Stellung auf den nordischen Märkten behaupten wird, und daß England dort zum mindesten nicht weiter auf Kosten Deutschlands vorzudringen
vermag.
Was die Zurückdrängung der deutschen Ausfuhr noch den nordischen Märkten für die deutsche Exportwirtschaft bedeutet, geht ganz deutlich aus der Tatsache hervor, daß Nordeuropa in den letzten Jahren vor dem Beginn der Weltwirtschaftskrise mehr als 10 v. H. der deutschen Gesamtaus- f u h r ausgenommen hat. Betrachtet man die vier nordischen Märkte als eine Einheit, so sind z.B. im Jahre 1929 auf ihnen zusammen mehr deutsche Waren abgesetzt worden als in den Niederlanden oder in England. Das bedeutet nichts andres, als daß der europäische Norden der beste Kunde der deutschen Exportwirtfchast war Andererseits richtet sich aber auch nach Deutschland cm erheblicher Teil des Exports der mer nordischen Länder/ Im Jahre 1929 hat Deutschland fut 1,37 Milliarden Mark Waren an die vier nordischen Länder verkauft, In den ersten neun Monaten 1933 betrug diese Aussuhr aber nur noch 330 Millionen Mark, was einer Jahreszcher von 440 Millionen Mark entspricht. Di- deutsche Ausfuhr nach Nordeuropa ist also auf ein Drit - zuruckge- aanaen was einen Exportverlust Derchchlands km Betrag' von nahezu 900 Millionen Mark be- deutet. r
Im Gegensatz hierzu hat England feinen Absatz nach den nordischen Zandern relativ -rpebl.ch steigern können. Die englische Kohleverdrängt z. ». auf diesen Märkten immer mehr die deutsche und au die polnische. Englisch- Industrieerzeugnipe konnten insolae der Pfundabwertung billiger als die deutschen angeboten werden, Innerhalb der dani-
Anfuhr stieg zum Beispiel der Anteil Eng-
0 a L o-nnfifdien genau m dem Augenblick be- gunst.n de g sch 9 Goldstandard aufgab ^Nd"'di- skandinavischen Länder ihm auf diesem M-MMM
Schließlich versuchte England ~ den
folg - die Stellung, die sich sem Expo« mwn barung/n allerArtz «SffÄ*
Jnibesonde?e die Wirtschaft
hier weitgehende handelspolitische Bevorzugungen erringen konnte.
Die englischeInitiative in der Abrüstungsfrage.
London, 26. Jan. (DNB. Funkspruch.) „News Chronicle" hält die Wahrscheinlichkeit für gegeben, daß in den nächsten Tagen eine britische Note zur Abrüstungsfrage in Berlin, Rom und Paris überreicht werde. Diese Note werde vielleicht i n Form einesWeißbuchesveröffentlicht werden. Der britische Plan werde u. a. Beseitigung der Probezeit anregen. Ferner werde er dafür eintreten, daß mehr Waffenarten der defensiven in die offensive Kate- g o ri e übernommen und damit zur Z e r ft ö r u n g vorgemerkt werden, um, wie es heißt, „einem zu tarken Aufrüsten Deutschlands bei der Herstellung )er Gleichheit entgegenzuwirken!" Um Frankreich ür seinen Verzicht auf die Probezeit zu entschädigen, würden bestimmte großbritannische Zusicherungen notwendig sein, die darauf hinausliefen, daß man ich an einem Vorgehen gegen die Regierung beteilige, die die Abrüstungsvereinbarung bricht.
„Daily Telegraph" meldet, daß Sir John Simon nächste Woche im Unterhaus mitteilen werde, zu welchen Schlußfolgerungen der Abrüstungsausschuß des Kabinetts auf Grund des diplomatischen Gedankenaustausches der letzten Zeit gekommen ist. Es werde aber nichts darüber ge- agt werden, daß ein neuer Plan ausgearbeitet worden fei. Der Kabinettsausschuß habe bereits vor zwei Wochen dahin entschieden, daß es keinen Zweck habe, wenn Großbritannien im gegenwärtigen Stadium ins Einzelne gehende Vorschläge machen wollte, selbst wenn sie nur allgemeinen Charakter hätten. Der Macdonald-Plan bleibe die Grundlage jeder Abrüstungserörterung. Von einem neuen britischen Plan sei keine Rede. Zweifellos würden schließlich neue britische Vorschläge gemacht werden, um die wesentlichsten deutsch-französischen Meinungsverschiedenheiten zu versöhnen. Diese Vor- chläge würden eine wesentliche Umschmelzung )es ursprünglichen Macdonald-Plans einschließen. Es ei aber unwahrscheinlich, daß sie schon in der nächsten Zeit feste Gestalt erhalten. Vielmehr würden zunächst die britischen Botschafter in Berlin, Rom und Paris in unformellen Besprechungen bei den Regierungen Sondierung en vornehmen. Auf Grund der Ergebnisse dieser Besprechungen werde der Kabinettsausschuß nächste Woche Anregungen formulieren, die eine Brücke zwischen dem 'deutschen und dem ftanzösischen Standpunkt bilden könnten.
Die französische Antwort m Vorbereitung.
Paris, 26. Jan. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Meldung des „Matin" arbeitet man im Quai d'Orsay gegenwärtig die französische Antwort auf die letzte deutsche Denkschrift aus. Der Wortlaut der französischen Erwiderung wird den nächsten Kabinettsrat beschäftigen und möglichst bald nach Berlin abgehen.
Der Pariser Korrespondent der „Times" berichtet, in Paris herrsche jetzt die Ansicht vor, daß das jetzige Stadium der Verhandlungen so schnell wie möglich durch eine Darlegung der französischen Ansichten und durch die Ankündigung, daß weitere Erörterungen in Genf stattfinden müßten, beendet werden sollte. Dies bedeute nicht — so schreibt der Korrespondent weiter — daß die französische Antwort in keinem Punkt Entgegenkommen zeigen werde. Z. B. werde die P r o b e z e i t vielleicht in einer Zeittabelle verschwinden, die sich auf alle Unterzeichner der Konvention beziehe. Die Frage der Mannschaftsstärke werde wahrscheinlich mehr Schwierigkeiten bereiten, besonders nachdem die Frage der französischen Kolonialtruppen in die Debatte geworfen sei. Der entscheidende Punkt werde mog-, licherweise nicht die zahlenmäßige Starke der Reichswehr sein, sondern die Zukunft der SS. und. SA., die die Franzosen trotz aller deutschen Zusicherungen als Soldaten in Betracht zögen. In bie=. sem Zusammenhang würden die Franzosen viel-, leicht erklären, daß ihre Kolonialtruppen selten fürs den Dienst in Frankreich frei seien und andeuten,
daß die innerpolitischen Gründe für das Vorhandensein der SA. und SS. jetzt in der Hauptsache verschwunden seien.
Der Zwang zum Handeln.
Italien gegen eine Rückkehr zu Versailler Methoden.
M a i l a n d, 25. Jan. (DNB.) „Popolo d'Jtalia" schreibt in einem Leitartikel „Gegensätze über den Rhein" zu den deutsch-französischen Meinungsverschiedenheiten über das Abrüstungsproblem u. a., es erscheine notwendig, die sich am Horizont ab- zeichnenden Gefahren darzulegen, für den Fall, daß die beiden Parteien sich auf ihren Standpunkt versteiften. Mancher trete nach einem ergebnislosen Verlauf der direkten Verhandlungen für eine Entschließung in Genf inÄbwesenheit
Berlin, 25. Jan. (DRV.) Der Jahrestag der nationalsozialistischen Revolution soll ohnegrohe Feiern und Festlichkeiten begangen werden. Vei der Wahl am 5. März 1933 hat der Führer vier Jahre Zeit gefordert, um seine großen Reformen durchzuführen. Es war der nationalsozialistischen Regierung trotz aller Fortschritte natürlich nicht möglich, der großen Rot in einem einzigen Jahre Herr zu werden. Unzählige Volksgenossen müssen noch unter den Folgen der liberalistischen Mißwirtschaft leiden. Darum soll die einzige Feier des 3 0. Januar darin bestehen, daß diesen notleidenden Volksgenossen durch eine besondere Zuwendung von Lebensmitteln und kohlen der Kameradschaftsgeist der ganzen deutschen Ration bewiesen wird.
Der nailynale Spendentag soll nicht in Sammelaktionen, sondern in Hilfsaktionen bestehen. Wenn auch die Opferbereiischaft des deutschen Volkes an
Berlin, 25. Jan. (DRV.) Das hauptbureau des Reichstags teilt mit: Am Dienstag, 30. Januar, 15 Uhr, Zusammentritt des Reichstags mit der Tagesordnung: Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung.
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Der Jahrestag des Regierungsantritts der nationalsozialistischen'Bewegung unter dem Reichskanzler Adolf Hitler wird nicht in lauten Festlichkeiten, sondern in zweifacher, aber eindrucksvoller Weise begangen. Das eine ist die soziale Tat durch die Zuweisung von Lebensmittelgutscheinen und Kohlenscheinen für die notleidenden Kreise durch das Winterhilfswerk. Nicht Sammlungen, nicht Feiern in der Öffentlichkeit, sondern Spenden für notleidende Volksgenossen, das ist der Leitgedanke, den Reichsminister Dr. Goebbels in seinem bekannten Aufruf verkündet hat. Die politische Bedeutung des 30. Januar wird sichtbar durch eine Sitzung des Reichstages, der an diesem Tage um 15 Uhr zur Entgegennahme einer Regierungserklärung Zusammentritt. Die Tagung des Reichstags wird zu einem neuen Glied in der Kette werden, die um den Kanzler und das deutsche Volk, vertreten durch seine Abgeordneten, geschlungen ist und die an Festigkeit' gewinnt, je stärker
Deutschlands ein. Diese Methode sei aber wirkungslos und sehr gefährlich. Sie würde nur das Versailler Verfahren wiederholen mit neuen schweren Folgen für Europa. Rom habe demgegenüber schon klar zu verstehen gegeben, daß es diese Methoden einer überlebten Zeit nicht m i t m a ch e. Eine andere Gefahr bestehe darin, daß ein neues Wettrüsten einsetze. In dieser äußerst schwierigen Lage seien es England und Italien, die handeln müßten und handelten, denn sie seien nicht direkt an den Gegensätzen in Zentraleuropa interessiert. Das Schicksal Europas hänge von den Großmächten ab. Ihr Einigsein oder Nichteinigsein entscheide über das Schicksal aller, und die kleinen Staaten sollten in ihrem eigenen Interesse nur wünschen, daß die Großmächte den von Rom aufgezeigten Weg gingen.
diesem Feierlage nicht durch eine allgemeine Sammlung beansprucht wird, so wird doch jeder von uns seinem Dank an den Führer durch irgendein Geschenk oder eine Spende sichtbaren Ausdruck geben wollen. So mancher möchte gern dem Führer sein Liebstes weihen zum Dank für seine ungeheure Leistung. Das ist natürlich nicht durchführbar: denn die Reichskanzlei könnte die Fülle der Gaben nicht fassen.
Dafür aber kann jeder an diesem Tage dem Führer dadurch danken, daß er einem notleidenden Volksgenossen am 3 0. Januar eine besondere Freude bereitet, indem er ihn zum Mittagessen einlädt, mit ihm in ein Theater oder ein Konzert geht oder ihm irgendeine andere Freude bereitet. Wenn sich die Volks- gemeinschast durch solche stillen Feiern noch eltger zusammenschlieht, so wird das der schön st eDank an den Führer sein und gleichzeitig sein Werk weiter fördern.
Führer und Nation um die Ueberroinbung aller inneren und äußeren Schwierigkeiten ringen. Auf der Tagesordnung steht nur, daß die Regierung eine Erklärung abgeben werde. Aber diese Erklärung ist etwas anderes, als man in der Vergangenheit darunter verstand. Sie wird, das darf wohl mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, das letzte Jahr Revue passieren lassen, in ihr wird sich aber der Mut und die Entschlossenheit der Reichsregierung widerspiegeln, das große nationale Aufbauwerk nicht einen Augenblick zu unterbrechen, sondern aus dem Erreichten stets neue Kraft zu schöpfen, um einen Stein auf den anderen zu türmen, bis das Gebäude, wie wir es uns erträumt haben, steht. Kanzler und Volk, längst zu einer unlöslichen Einheit verschmolzen, werden am 30. Januar wieder Schulter an Schulter stehen und allen Neidern und Feinden, wo sie auch immer stehen mögen, zeigen, daß wir nicht müde werden, die gesteckten Ziele zu erreichen, mag man uns auch das tägliche Leben immer wieder verbittern, uns Knüppel zwischen die Beine werfen, uns niederzuhalten suchen. Kanzler und Volk haben im ein» jährigen Kampf die Feuerprobe bestanden, sie werden weiter gemeinsam kämpfen und werden, das wird auch die Tagung am 30. Januar zeugen, durch nichts in ihrem Glauben an eine glücklichere Zukunft des deutschen Volkes zu erschüttern sein.
Die einzige Feier des AO.Zanuar: ein Dank an den Führer.
Der Reichstag Wirt) am 30.3amiar eine Erklärung der Reichsregiernng entgegennehmen.
Aber gerade diese Vormachtstellung, die sich England in Nordeuropa erobert hat, wird früher ober später Ad Wehrkräfte in ben norbischen Landern wachrufen. Es kann nämlich nur der Fall eintreten, daß sich der Handelsaustausch zwischen England und den nordischen Ländern für diese, im Gegensatz zu dem bisherigen Verhältnis passiv gestaltet. In diesem Fall würden England manche der Vorteile, die ihm jetzt sein Einfuhrüberschuß im Handels- und namentlich im D-visenverkehr mit den nordischen Sängern verschosst, wieder verloren gehen. Schon heute zeigen sich ferner Anzeichen dafür, daß die chandelsbeziehunqen zwischen England uiid einzelnen Landern des europäischen Nordens nicht immer so eng und störungsfrei bleiben werden, wie sie es, seit der Errichtung des sog, Sterlingblockes waren. Je mehr Deutschland endlich du r ch d , e Erstarkung seines inneren Marktes mstandge- setzt werden wird, mehr Waren aus den nordeuropäischen Ländern aufzunehmen, desto mehr weiden dort die Strömungen zunehmen die auf eine Wiederoerbesserung der deutsch-nordischen chandelsbe- -leb,innen aerichtet sind. Schon m der Zweiten Halste Ls' ve^ssenen Jahres hat die deutsche Ausfuhr nach ben norbischen Säubern 3umfeir!e” Nückaana mehr teilweise sogar schon wieber eine S^foeruna erfahren. Es spricht viel Wahrscheinlich- FeU bafü'9ba6 ber schärft deutsch-englische Wettbewerb auf ben nordeuropaifchen Markten bem beut-
schen Export künftig wieber günstigere Aussichten bieten wirb, als fie seit ber Pfunbabwertung vor- hanben waren.
Dollfuß in Abhängigkeit von Paris und Prag.
Ungarische Kritik am Austro-Faschismus.
Bub a p e ft, 25. Jan. (DNB.) „Magyarsag" schreibt, Bunbeskanzler Dollfuß sei bestrebt gewesen, zum Schutze gegen bie „alles verschlingenbe" nationalsozialistische Bewegung ben Austra-Fa- schismus ins Leben zu rufen. Das Ergebnis bie» {er Bestrebungen sei, baß Dollfuß in eine Abhängigkeit von Italien, Frankreich unb Englanb geraten sei, unb zwar sei sie berart, baß er j e b e r persönlichen Entschlußkraft beraubt, sich ausschließlich an bie ihm von biesen Großftaa- ten biktierten Vorschriften zu halten habe. Da sich zubem bie Tschechoslowakei an ber Oesterreich vom Völkerbunb gewährten Anleihe beteiligt habe unb ber von ber Tschechoslowakei gewährte Kredit in Höhe von 30 Millionen Schilling jetzt zur Auszahlung gelange, begebe sich Oesterreich in eine noch kritischere französisch-tschechoslowakische Abhängigkeit, als sie bisher bestauben habe. Finauzminister Buresch soll bie
30 Millionen Schilling persönlich in Prag in Empfang nehmen. An ben Krebit seien folgenbe Bebiu- gungen geknüpft: Keine offene Diktatur, kein politischer Einfluß ber Heimwehr, Aufrechterhaltung ber österreichischen Sozialbemo- kratie unb bereu Einfluß auf bie Regierungsgeschäfte, Vermeibung jeber Aktion, bie zu einer Wie- beroereinigung Oesterreichs mit Ungarn führen konnte.
Ein evangelischer Pfarrer in Oesterreich verurteilt.
Innsbruck, 25.Jan. Anläßlich bes Reichsgrün- bungstages fand in ber evangelischen Kirche ein Got- tesbienst statt, bei bem ber burch seine Vorträge auf ber letzten Gießener Tagung des Gustav- Abolf-Vereins auch bei uns in Oberhessen bekannt geworbene Pfarrer Dr. Ludwig Mahnert auf bie Bedeutung des Reichsgründüngstages verwies und im Zusammenhang damit auch die politische Lage tu Oesterreich erörterte. Pfarrer Mahnert wurde daraufhin wegen unerlaubter Tätigkeit im Sinne des Nationalsozialismus zu einer Geldstrafe von 1100 Schilling verurteilt. Außerdem wurde ihm mitgeteUt, baß gegen ihn ein gerichtliches Strafverfahren wegen Aufreizung, Neligionsftörung unb Störung ber öffentlichen Ruhe unb Ordnung eingeleitet worden sei.


