ür. 71 vierter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberWen)
5am5tag,24.Mr;M4
Dafür, daß uns die Stunden nach Beendigung der Aufnahmen am Spätnachmittag nicht gar zu lang vorkamen, sorgten ganze Scharen stechlustiger Malariamücken, die Tag für Tag über uns herfielen. Wochenlangem geduldigem Ausharren der Kameraleute gelang es so, bisher einzigdastehende Natururkunden in Bild und Ton von dem Leben eines der schönsten und wohl scheuesten Vogels der Kolonie, des Löfflers, und anderer gefiederter Sumpfbewohner einzufangen.
Mit der Ausbeute für einen neuen Vogelfilm konnten wir voll zufrieden fein. Noch fehlten aber die Aufnahmen von Gemsen und Steinböcken. Wer je Hochgebirgstouren unternommen hat, weiß aus eigener Erfahrung, daß Gemsen und Steinbocke, diese tierischen Kletterkünstler, das scheueste Wild darstellen, das Europa überhaupt besitzt. Interessante Dogelaufnahmen am Nest sind schon schwer, der Vogel ist doch aber immerhin wenigstens durch seine Eier oder Jungen im Nest an einen festen Punkt gebunden. Selbst wenn durch eine Unvorsichtigkeit Der Filmleute der Vogel mal auf die Kameraarbeit aufmerksam wird, so kann man ihn durch besondere Vorsicht in vielen Fällen doch wieder dazu bekommen, zum Nest zurückzukehren, da die Liebe zur Brut besonders stark ausgebildet ist.
Auch das Wild hat bestimmte Wechsel, die beim morgendlichen oder abendlichen Auf- oder Abstieg bevorzugt werden. Passiert aber hier den Kameraleuten einmal das Malheur, von den Tieren erspäht zu werden, so ist es mit ziemlicher Sicherheit in diesem Revier für immer aus. Gemsen und Steinböcke sind ja nicht wie der Vogel an einen bestimmten Platz gebunden, sie verlegen ihren „Einstieg" und ihre Aesungsplätze einfach mehrere hundert Meter, wenn nicht mehrere Kilometer, weit fort.
So ist denn das, was die Kameraleute M a h l a und S u ch n e r in den Karawanken in Slowenien und dem königlichen Jagdgebiet der Diva Grabo- viya in der Herzegowina auf der Filmjagd auf Gemsen und Steinböcke erreicht haben, nicht hoch genug anzuerkennen. Nicht nur der Jäger und lierfreunb, sondern auch die Kinobesucher der ganzen Welt werden an diesen einzigartigen Wildaufnahmen ihre Freude haben. Nur die wenigsten ahnen freilich, welche wochenlangen Entbehrungen und Gefahren überstanden werden mußten, um für zehn Minuten dem Kinobesucher das Alpenwild in freier Natur so groß vor Augen zu führen, wie' es selbst der Waidmann nur in den seltensten Fällen zu Gesicht bekommt.
Aus der Wett des Ulms
Wiegenlied."
der
ihea Wieck
Ein tüchtiger Schnittmeister vermag sogar durch geschickte Aneinanderfügung der einzelnen Abschnitte
Man nehme fünfzehn Meter Wolken, dreißig Meter Brückenübergänge, zweiundzwanzig Meter Straßenbiegungen, achtzehn Meter eines erregten Mannes am Steuer eines Krankenwagens, dazu noch fünfzehn Meter eines Insassen dieses Wagens, der während der Fahrt heftig hin und her geworfen wird. Man schüttle diese Ingredienzen mit dramaturgischem Geschick durcheinander und ordne sie dann zu einer dynamischen Reihenfolge. Das Ergebnis wird eine atemraubende Filmszene der abenteuerlichen Entführung eines absolut nicht kranken Mannes in einem Krankenwagen fein, das winzige Bruchstück eines Filmgeschehens, dessen Einzelteile zu beliebigen Zeiten, an beliebigen Orten ausgenommen worden sind, ohne jedwede Rücksicht aus chronologische Reihenfolge, einzig nach Maßgabe der technischen Zweckmäßigkeit. Man bedenke, daß nach dem gleichen Verfahren und unter den gleichen Ver- hältnissei! die etwa achthundert Einstellungen oder Teilszenen aufgenommen und zusammengesetzt werden, in die ein ganzer Filmstoff zergliedert ist, und schon gewinnt man dadurch eine gewisse Vorstellung von der Arbeit des Schnittmeisters beim Film.
B r a u s e w e t t e r , Frank, Loos, Zesch- Ballot, Fink, Leibelt, Legal, Püttjer und B e h m e r werden von Wegener zu einem wirklichen Ensemble zusammengefaßt. Der Erfolg ist groß und echt. Man geht um ein Erlebnis reicher nach Hause.
s ch n i t t e s dient.
Diese Arbeit vollzieht sich an einem sogenannten Abhörtisch, der mit einer Art Grammophon zur Verfolgung des akustischen Teils und mit einer Abrollvorrichtung versehen ist, die, motorisch betrieben, Ton- und Bildband synchronisch laufen läßt.
Eine besondere, oft schwere, doch immer wichtige Aufgabe hatten die Wochenschauen auf dem Gebiet der Arbeitsbeschaffung zu lösen. Es war ja nicht damit getan, einen ersten Spatenstich, eine Einweihungs- rebe, ein Stück Oedland, das einmal fruchtbarer Acker werden sollte, zu filmen. Hier galt es besonders, den Geist, die Idee zu erfassen. Die Operateure versuchten das Gesicht des deutschen Arbeiters, der endlich von der Erwerbslosigkeit erlöst ist, den geschlossenen Marschtritt der spatentragenden Kolonnen, die Köpfe alter, mühebeladener Männer neben jungen, lebensfreudigen Menschen festzuhalten, wie es vor allem in Frankfurt bei dem Baubeginn der ersten Reichsautobahn gelungen ist. Oder das Thema mußte erweitert und umfassender gestaltet werden, um zu zeigen, wie Industriezweige durch diesen einen Bauplan Antrieb erhielten. Beispiel: der Bau der Wasserleitung vom Harz nach Bremen.
Neben den Bildern vom Aufbau des neuen Reiches soll in der Wochenschau auch weiter das unterhaltende Bild, der Humor, der Sport gedeihen, denn der menschliche Geist verlangt nach Entspannung. Er ist später um so aufnahmefähiger für die großen entscheidenden Fragen, die heute das ganze Volk bewegen.
denen er kaum dreitausend Meter für die Länge eines normalen abendfüllenden Films wählen, herausschneiden und zusammensetzen soll.
So kann der Schnittmeister beim Film mit einem geschickten Mosaikkünstler verglichen werden, der die unzähligen bunten Steinchen einer Mosaikplatte derart abzuschleifen, zu ordnen und zusammenzu- fügen hat, bis die künstlerische, harmonische und dynamische Wirkung des ihm anoertrauten Werkes vollauf erreicht ist. Paset*.
Gerhart Hauptmanns schon im stummen Film. sessenheit, sein Ringen gegen die Verständnislosig- gesehen und kann sich dem Eindruck nicht entziehen, | feit von Jndustrieleuten und Bonzen. Er kennt sich
kommt. Langsam —
und jetzt erlebt Hannele das Wunder: es kommt in den Himmel. Dabei stehen alle Märchen auf. Sie selbst liegt in seidenen Gewändern in einem gläsernen Sarg und wird von den sieben Zwergen getragen. Hansel und Gretel, Rotkäppchen und Frau Holle säumen den letzten Pfad. Dann tuen sich die Himmelstüren auf. Man hat die Traumdichtung
Umwege über die Kopieranstalt erhält, so zusam- menzufügen hat, daß jede Szene in dem für den Film erforderlichen Tempo verläuft.
Während der Atelierarbeit bzw. der Freiaufnahmen erhält der Schnittmeister die einzelnen Filmstreifen, die nach und nach aufgenommen find. Diese
Schwanken der Stimme. Sie lüftet nur ein wenig Öen Schleier, der über dem Schicksal von Menschen ausgebreitet liegt. Diese Kargheit des Spiels weht uns'an wie der Wind ihrer skandinavischen Heimat, ohne Schwüle und ohne Uederschwang. Das Publikum hat für die Echtheit der Leidenschaft und den Adel der Seele eine feine Witterung; es findet in der Abkehr von der großen Geste den Geist unserer Zeit wieder, die des Lärms und Prunks überdrüssig ist, die aber auch den Alltag und die kleine Begebenheit hinausgehoben wissen will in den weiten Raum der Weltgeschichte. kb.
Berllner Filmpremie en.
„Der schwarze Walfisch/'
Man hat aus einer kleinen Novelle einen Film herausgearbeitet, der allen Anforderungen eines guten Volksstückes gerecht wird. Erstaunlich ist, daß man diese Gattung nicht viel mehr pflegt, denn wo sie mit dem Publikum in Berührung kommt, findet sie bereitwilligst Aufnahme. Fritz Wendhausen hat eine Regieleistung geliefert. Er verstand auch da, wo im' Manuskript Längen auftauchen, die Spannung zu halten und für Tempo zu sorgen. In einer kleinen Hafenstadt verliebten sich zwei junge Menfchen ineinander. Das Mädchen bekommt ein Kind, während der Junge bereits seiner Sehnsucht nach Der Ferne gefolgt ist. Hannings spielt den Vater dieses Davongelaufenen, er zeigt sich m seiner ganzen Größe als Darsteller eines menschlich-warmen, erdnahen Charakters. Das Mädchen w-rd von einem gütigen, älteren Mann geheiratet. Wie der ehemals Geliebte zurückkehrt und den Ehefrieden bedrohen will, setzt sich der Vater mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit gegen ihn ein, vowohl er ihn liebt. Das Mädchen spielt Angelika S a 11 o k e r , die ein erstaunlich ausdrucksvolles Gesicht und starke Empfindungskraft mitbringt. Es ist schwer, an Jannings Seite zu stehen und nicht zum Schatten zu werden. Diese Frau zwingt es. Ihr Partner ist schlicht und frei von unnatürlichen Gesten. Der Erfolg ist groß und echt. Der „schwarze Walfisch" wird überall, in Stadt und Land, interessieren; er zeigt ein Stück Leben, wie es wirklich ist.
unter Umständen aus einem schwachen Film etwas recht Brauchbares zu machen, genau so wie unter seinen Händen selbst die beste Regiearbeit verderben kann. Auch im Kleberaum, der eigentlichen Werkstatt des Schnittmeisters, hört die für j den Tonfilm charakteristische Kollektivarbeit nicht ! auf. Hier wird der Schnittmeister vielmehr vom Regisseur und vom Komponisten in seiner Tätigkeit unterstützt, auf daß die schöpferischen Realifie-
Der MsAMsller im Kleberaum
Kleine Plauderei aus der Werkstatt des Film-Schnittmeisters.
Oie Wochenschau im neuen Deutschland.
Die Wochenschau war niemals nur eine Schau der Woche, eine mehr oder weniger zufällige Anhäufung von Ereignissen in gedrängter Wochenübersicht. Die Hersteller des aktuellen Beiprogramms wußten, daß ein wenig Humor, ein wenig Sensation, ein kleiner liebenswürdiger Tierbilderbogen das Publikum zwischen den oft trockenen Begebenheiten des Tages erquickt. So entstand zuweilen ein buntes Magazin, reichlich roeri entfernt vom eigentlichen Sinn der Wochenschau, ohne bestimmte Linie und Zielsetzung.
Dieser Zweck — an sich zu loben, wenn man die Wochenschau lediglich als leichten Unterhaltungsteil wertet — trat mit dem Erwachen und Erstarken des nationalen Gedankens in den Hintergrund. Die Wochenschau wurde, wie die politische Zeitung, eine wichtige Waffe im Kampf um ein neues Deutsch- land. Betrachten wir das Inhaltsverzeichnis der Ufatonwoche der letzten Jahre, so ist ein auffälliges Anwachsen politischer und kulturpolitischer Bilder festzustellen.
Die meisten Aufnahmereisen der Ufatonwoche wurden nach einem ganz bestimmten Plan angelegt, es wurde mit wahrer Entdeckersreude eine Landschaft nach der anderen im weiten Deutschen Reich nach alten Sitten und Bräuchen, nach Stam- meseigenheiten und Charakterköpfen abgesucht, selbst wenn man hierbei zuweilen dem Kulturfilm ms Gehege kam. Gewiß, es liegt noch vieles brach auf diesem Gebiet. Volkstum ist unerschöpflich und ewig neuschöpfend, und es gibt noch manchen ungehobenen Schatz. Die hier getane Arbeit geschah planmäßig, und die Zusammensetzung der Wochenschau wurde mehr und mehr dem Zufälligen entzogen. Bei allen großen Kundgebungen des Jahres 1933, bei wichtigen Reden des Führers und seiner Minister, bei' den gewaltigen Aeußerungen deutschen Volkswillens am 1. Mai, in Nürnberg, auf dem Bückeberg, überall wurden die Kameraleute und Tonmeister der Wochenschauen angesetzt.
königlichen Jagdgebieten mit unserer Filmkamera zu jagen, obwohl wir kein Hehl daraus machten, daß wir „sechs Mann hoch" mit sehr viel Gepäck erscheinen würden. Da wir erstmalig auch eine Tonapparatur mit hatten, war die Menge unseres Filmgepäcks auf 58 Kisten mit 3800 Kilo angewachsen.
Zuerst ging es in das Vogelgebiet der Obedska Bara, das königliche Jagdgebiet an den Altwässern der Save, etwa 100 Kilometer südwestlich von Belgrad, in dem seit Jahren auf höchsten Befehl kein Schuß mehr gefallen ist. Unser Aufnahmebereich entpuppte sich als ein etwa 15 Kilometer langes und 500 Meter breites Sumpfgebiet, das durch feine Grundlosigkeit und ein schier undurchdringliches, viele Meter hohes Weidendickicht ein Herankommen zu den Nestern überhaupt unmöglich machte. Vom Lande aus war kein Einblick in die Vogelkolonie zu erhalten, weil dieses Gebiet Jugoslawiens eine einzige weite Ebene darftellt. Durch das Entgegenkommen des Kriegsministeriums konnten wir vom benachbarten Militärflugplatz Zemun aus einen Erkundungsflug unternehmen, bei dem mein Kameramann Stanke gleich gut- gelungene Luftbilder von Belgrad, den Savewindungen und dem Vogelparadies kurbeln konnte.
Nachdem wir so von der Luft aus ausgekundschaftet hatten, von welchen Stellen wir am besten zur Hauptkolonie vorstoßen konnten, hieß es zunächst, mehrere hundert Meter weit mit Säge und Beil unter Wasser die hohen Weidensträucher abzuschneiden, um eine schmale Fahrrinne bis zu den Nestern zu gewinnen. Um die Telekamera mit den beiden Kameraleuten M a h l a und S u ch n e r und dem Tonmeister Braun mit seinen sechs schweren Tonkoffern möglichst dicht an unsere tierischen Stars heranoringen zu können, wurde ein schwimmender Ponton aus mehreren Booten mit zwei Etagen errichtet, in dessen oberem Stockwerk die eigentlichen Kamerajäger Platz fanden, während der „Ton" sich mit der Beletage begnügen mußte. Beide Stockwerke waren natürlich dicht mit Rohr verkleidet, um die Filmleute den Blicken der Vögel zu entziehen.
Um 3 Uhr wurde es hell, so hieß es also wochenlang um 2 Uhr aufzustehen, damit wir alle pünktlich vor dem Erwachen der Vogelwelt im schützenden Aufnahmeponton waren. Dunkel wurde es erst nach 20 Uhr. Um die brütenden Vögel nicht für immer zu verscheuchen, durften wir bis 21 Uhr, auf kleinstem Platz zusammenqekauert, ausharren und dann erst so leise wie möglich in den Fahrrinnen zu unserer Unterkunftshütte zurückfahren,
Für den Feinschnitt wird der Film nochmals vorgeführt, wobei die erforderlichen Verbesserungen, Bilderumstellungen„Kürzungen usw. nach Maßgabe der laufenden Nummern, die noch immer im Grobschnitt die einzelnen Szenen bezeichnen, aufnotiert werden. Am Abhörtisch erfolgt dann die weitere Bearbeitung an Hand der Aufzeichnungen. Der Schnittmeister ordnet, schneidet, stellt Bilder um, die Kleberin klebt die Filmstreifen aneinander. Die M u ft e r f o p i e ist nun fertig und wandert zusammen mit dem ungeschnittenen Negativ 3ur Kopieranstalt. Hier wird das Negativ nach der Muster- kopie zurechtgemacht, und die Massenabzüge für den Verleih können nunmehr hergestellt werden. |
In der Regel wohnt der Schnittmeister sämtlichen Ausnahmen bei, sei es als Beobachter ober auch als Regieassistent. Dadurch wird er, noch bevor er an sein eigentliches Werk herangeht, in die Lage versetzt, sich mit dem Filmstoff und den Realisierungsabsichten des Spielleiters vertraut zu machen. Unter seinen Augen werden etwa dreißigtausend Meter Negativ belichtet, von
Filmkamera im Tierparadies.
Don Dr. Ulrich K. T Schulz,
Leiter der Jugoslawien-Expedition der Ufa.
Wenn wir im Winter eines jeden Jahres auf der Suche nach einem neuen Land für unsere alljährlichen Kulturfilrnexpeditivnen sind, so ist es für uns stets eine der wichtigsten Fragen: Gibt es dort auch Gelegenheit, eine Reihe interessanter Tier- filme herzustellen?! Es wird nämlich — das müssen wir ganz offen gestehen — immer schwerer, noch Gebiete in Europa ausfindig zu machen, die in landschaftlich neuartiger Umgebung uns die Möglichkeit zur Kamerajagd auf seltene Tiere bieten.
Mit nicht allzu großen Hoffnungen unternahm ich eine mehrwöchige Informationsreise durch Jugoslawien. Vom sonstigen Balkan her waren wir es gewohnt, daß trotz vorhandener Jagdgesetze eigentlich jedes Tier vogelfrei ist, daß jeder Bauer und Fischer schießen kann, soviel ihm nur vor seine Flinte kommt. Aus der zoologischen und weidmännischen Literatur war mir bekannt, daß in bestimmten Gebieten der ehemaligen Donaumonarchie sowohl für Gems- und Steinwild als auch für seltene Vertreter der Vogelwelt wahre Tierparadiese vorhanden sind.
Wie sah es nun in diesen seit 1918 zu dem Vereinigten -rönigreich der Serben, Kroaten und Slowenen gekommenen Gebieten aus? Ich n-uß offen gestehen. Daß wir in jeder Beziehung aufs angenehmste enttäuscht waren. In erster Linie ist dies König Alexander von Jugoslawien zu verdanken, der die wichtigsten Tierparadiese zu königlichen Jagdgebieten erklären ließ und dank seiner tüchtigen Hofjagddirektion in Belgrad die besonders gefährdeten Gebiete wie Heiligtümer schützen laßt. Der Filmfreundlichkeit dieses Monarchen war es auch zu verdanken, daß wir ohne große Schwierigkeiten die Erlaubnis bekamen, in den schönsten
Greia Garbo.
Die nordische Königin des Ulms.
' Im Reich des Films dreht sich das Glücksrad vielleicht noch schneller als sonst im Leben. Glanzvollem Aufstieg folgen in schnellem Wechsel Gnh thronung und Vergessen. Wo die Menge eben noch mit rauschendem Beifall nicht sparte, ist sie jetzt gleichgültig. Wir haben Filmgrößen wie Kometen auftauchen sehen, die schon nach einigen wenigen Jahren hinter dem Horizont versanken. Der Stern der Greta Garbo aber steigt höher und höher und macht manchen Zweifel, der in der letzten Zeit — besonders nach den „Menschen im Hotel" __laut geworden sein mag, verstummen. Schon erscheint es den Zeitschriften als eine Plattheit, den Namen der großen Schauspielerin unter ihre Bilder ,u etzen: man kennt sie überall. Und doch ist sie stiller als die meisten ihrer Kollegen und Kolleginnen. Sie. versucht, sich scheu den Fallen der rasenden Reporter aller Erdteile zu entziehen Von ihr hören wir nicht die laute Reklametrommel, mit der manche Filmgrößen zweiter und dritter Ordnung auf den Straßen nach Ruhm und Anerkennung rufen Nun — vernehmen wir die Spötter — das ist ja gerade der Gipfel raffinierter Reklame eine Wichtigtuerei mit dem Geheimnis! Diese Menschen können nicht einsehen, daß nach „dem grellen ßid)t der Jupiterlampen und dem Rausch der Massen- begeifterunq ein kleines Stück schlichter Welt und ein bißchen Stille bereit fein müssen, damit neue Kratt 3U echtem Erlebnis wächst.
Ä Greta Garbo feiert jetzt mit ihrer „K o n l g i n C h r i ft i n e" in London beispiellose Triumphe. Gewiß, die Rolle dieser irrlichternden Schweden- köniain kommt ihrem Wesen entgegen Das sagt ade/nichts über die Kunst derGarbo. Wie lost sich das Rätsel ihres Erfolges? Man hat mit aller Beachtung des Unterschiedes zwischen Buhne und s^ilm den Vergleich mit her Eleonore Düse gewagt. Greta Garbo hat nicht die Gewalt des großen Pathos und die Magie des leidenschaftr chen ÄusbLchs in Schmerz und Freud-'Wie eine Maske wirkt dieses Gesicht auf den ersten Anbli . was sich hinter ihm abspielt, Dauben wir mehr zu ahnen als zu sehen; wie die feinen blauerAed r- chen hinter einer Haut von mattem Alabaster verraten sie nur verhalten den wilden Kreislauf d Blutes. Die große Schwedin besitzt das ldeheimn der Andeutung mit der kleinen Geste, *lncm kaum bemerkbaren Runzeln der Stirn, als obnur ein Schatten darüber binqinqe, und einem iei|.n
wesen fort.
Gewöhnlich. versucht man drüben, einen Typ umzuwandeln. Aus einer Dame wird ein Vamp, aus einem Girl eine ernsthafte Frau usw Hier hat man die einmal beschrittene Bahn beibehalten und Frau Wieck wieder die mütterlich empfindende reine Frau spielen lassen.
Es geschieht eigentlich wenig. Ein Dorfmädchen geht ins Kloster und bringt einen Teil seines Lebens dort als Betreuerin eines Findelkindes zu. Aber die Schönheit dieses Gesichts, Lächeln und Augenausdruck halten den Beschauer völlig gefangen' Wunderbar, wenn sie sich zu dem Kinde neigt, das sie liebt, und dann später, wenn der Mann in ihr Leben kommt und es erfüllt.
Die übrigen- Schauspieler sind nur zum Teil gut. Das Liebespaar ein wenig blaß, dafür ist die heitere Partie ausgezeichnet.
Kostbare spanische Bauten untermalen den Film wirkungsvoll. Photographie und Bildwirkung sind vorbildlich geglückt. Das Publikum ist begeistert und freut sich, einen seiner Lieblinge wieder zu sehen. Trotzdem märe zu wünschen, daß man Dorothea Wieck bald einmal wieder vor andere Aufgaben stellt, denn hier ist ihre starke Begabung noch lange nicht erschöpft.
„Hanneles Himmelfahrt."
aus in diesem Leben. Er hat oft genug selber darin gestanden und scheut vor keiner Ehrlichkeit zurück. Karl Ludwig Diehl Ist der geldgebende Sportsmann. Dieser ausgezeichnete Darsteller besitzt soviel männliche Vornehmheit, daß er auch in der um sympthischen Rolle noch sympathisch bleibt. Jessie V i h r o g ist die launenhafte Primadonna. Ihre Komik ist von schlagender Wirkung. Doch sollte sie eine Nuance weniger geben, das wäre noch mehr. Käthe von Nagy steht als leuchtender Stern in dem Ensemble. Hier müssen wir noch einmal dem Regisseur Wegener danken, daß er es fertig brachte, diese begabte Frau aus dem oberflächlichen Operettenstil ihrer ersten Filme zu erlösen. Ihr Spiel ist von einer menschlichen und fraulichen Wärme, die ungemein wohltuend ist. Immer bleibt sie sparsam im Ausdruck und in der Geste.
Filmstreifen werden von seiner Afsistentin, Kleberin, in der Reihenfolge aussortiert, die das Drehbuch vorschreibt, d. h. jeder Filmstreifen (Ton und Bild getrennt) trägt, photographisch bzw. akustisch ausgenommen, die laufende Nummer der Szenenfolge. Und da jede in der Regel mehrmals ausgenommen wird, so erhält der Schnittmeister sämtliche Aufnahmen jeder einzelnen Einstellung zur Verarbeitung. Aus diesem Material entsteht das erste Negativ, dessen Kopie den beteiligten Mitarbeitern vorgeführt wird zwecks Sichtung und Auswahl der bestgelungenen Aufnahmen. Nach dieser Sichtung entsteht das zweite Negativ mit entsprechender Kopie, an der die eigentliche dramaturgische Arbeit des Schnittmeisters mit Bildumstellungen, Kürzungen, Ergänzungen usw. beginnt, bis 3ur Fertigstellung des sog. Grobschnittes, d. h. der Arbeitsphase, die zur Vorbereitung des Fein-
daß die Wirkung damals stärker war Die Besetzung der Hannele-Rolle ist ein Fehlgriff. Dieses blonde. Mädchen, Inge Landgut, ist das strahlende Leben. Sie hat' so gar nichts von einem verhärmten Proletarierkind, dem die Todessehnsucht schon aus den flackernden Augen leuchtet. Klein-Rogge als Vater war gut. Käthe Haack spielt die gütige Schwester und ist unter dieser Regie etwas verweichlicht worden Ueberhaupt glaubt man Tragik öfters durch Sentimentalität ersetzen zu können. Frau von Harbou zeichnet für diesen Film verantwortlich. Sie ist wie immer, Meisterin in der Beherrschung von Äußerlichkeiten.
„Die Freundin eines grohen Mannes."
Paul Wegener führt die Regle. Eigentlich sollte man diesen Worten nichts hinzufügen. Wer ihn kennt, wer seine Filme kennt, die er vor zehn, zwölf Jahren gedreht hat, der weiß, daß in diesem Menschen unerhörte künstlerische Energien lebendig sind. „Die Freundin eines großen Mannes" ist der Titel eines bekannten Theaterstückes. Wegener wählt das Milieu des Kleinstadt-Theaters. Er zeigt seinen Kampf um das Dafein, seine fanatische Kunstbe-
Ein Kind will sich in einem Eisloch ertränken, wird gerettet und von lieben Menschen der kleinen u UUD vlc
Dorfgemeinde gepflegt. In seinen ynebertraumen rimqsabsichten Zu voller Geltung gelangen, durchlebt es alle Schrecken, die es in den Tod trei- u 1 ' 0
ben wollten: der immer betrunkene, brutale Vater, der es mißhandelt, wo es ihm nur unter die Augen >
Bei dem Schnitt und der Zusaminensetzung eines mn ,nm nur unier ttuueH, ^Urns spielt der Schnittmeister sozusagen die Rolle verklären sich die Traumbilder,' eines Dramaturgen der die einzelnen Abschnitte, ■ - die er aus Atelier- ober Außenaufnahmen auf dem
Man muß sich diesen Film ansehen, um Doro-1 ~ ' spielen zu sehen. Ihr erster großer
Erfolg in „Mädchen in Uniform" trug ihren Namen über Deutschlands Grenzen hinaus: Amerika horchte auf und holte uns dieses holde Menschen-


