Nr. 70 Dritter Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Freitag, 23. März (934
Der Komponist Franz Schreker t-
Trauerfeier für Rektor Kling
und
Der Präsident der Reichsbahndirektion Frankfurt im Gießener Vahnhos.
Gestern nachmittag fand auf dem Neuen Friedhof unter außerordentlich starker Beteiligung die Trauerfeier für Rektor Georg Kling statt. Schon lange vor Beginn der Feier war die Trauergemeinde so groß, daß nur ein kleiner Teil die Möglichkeit fand, der kirchlichen Feier in der Kapelle beizuwohnen und sich damit begnügen mußte, an der kameradschaftlichen Abschiedsfeier im Vorhof der Kapelle teilzunehmen. Vom Stahlhelm war ein Sturm mit der Fahne und einer Gewehrsektion erschienen, die Turnerschaft war mit der Fahne in ansehnlicher Stärke zugegen, das gleiche ist von der Sängeroereinigung „Liederkranz-Heiter- keit" zu berichten. Daneben waren noch viele Leidtragende aus den Kollegen-, Freundes- und Bekanntenkreise des Heimgegangenen, ferner feine Schulklasse anwesend.
Bei der kirchlichen Trauerfeier in der Kapelle nahmen die Fahnenabteilungen des Stahlhelm, der Turner und der Sänger zu beiden Seiten des Sarges Aufstellung, die Ehrenwache am Sarge stellte der Stahlhelm. Pfarrassistent Balz hielt die Gedenkrede auf Grund des Bibelwortes „Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden". Er schilderte den Heimgegangenen als einen guten Schulmann und Kollegen, väterlichen Freund und Förderer seiner Schüler, aufrechten deutschen Mann von unwandelbarer nationaler Gesinnung, hingebungsvollen Freund der guten Aufbauarbeit im deutschen Turnen und im Gesang, treuen und frommen Christen, guten Hausvater und arbeitsfrohen Förderer des Wohls der Allgemeinheit.
Bei der anschließenden kameradschaftlichen Trauerfeier im Vorhof der Kapelle hatten der Stahlhelm, die Turner und die Sänger an den beiden Längsseiten Aufstellung genommen, während die übrige Trauergemeinde sich dahinter gruppierte. Der Sarg war in der Mitte des Vorhofes, beiderseits von den Fahnenabordnungen begleitet, aufgestellt. Nach einem Chorgesang der Sängervereinigung „Lieder- kranz-Heiterkeit" sprach zuerst Schulrat N e b e l i n g als Vertreter des Kreisschulamts Gießen und des N'S.-Lehrerbundes, der den Entschlafenen als treuen und pflichtbewußten Lehrer und Beamten, sowie als guten Kameraden rühmte. Als Vertreter des Lehrerkollegiums der Pestalozzischule widmete Rektor Kaufmann dem Heimgegangenen Kollegen und warmherzigen Jugenderzieher herzliche Worte des dankbaren Gedenkens, wobei er die Schlichtheit und Aufrichtigkeit, das offene, gerade Wesen und die echt deutsche Gesinnung des Entschlafenen, aber auch seine große Liebe zur deutschen Jugend in eindrucksvollen Worten hervorhob. Der Name des Entschlafenen werde für alle Zeiten mit der Pestalozzischule
Während der Besichtigung. Im Vordergrund (Heller Mantel) der Präsident der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. Dr.-Jng. Steuernagel.
O-ean". — Vortragsvereinigung (Goethebund, Kaufmännischer Verein, Gewerbeverein) 20 Uhr in der Neuen Aula: Vortragsabend. — 20 Uhr, Alte Friedhofskapelle: Musikalische Passionsandacht.
— Aus dem Stadttheaterbüro. Morgen, Samstagabend, Deutsche Bühne, Reihe 2, mit dem Lustspiel „Schneider Wibbel" von Hans Muller- Schlösser. (Siehe heutige Anzeige.)
— D i e Vortragsvereinigung (Goethe- Bund, Kaufm. Verein, Gewerbe-Verein) lädt im heutigen Anzeigenteil nochmals zu dem heute abend statt indenden heiteren Vortragsabend „Zwei Stundet der Freude" des bekannten Vortragsmeisters Emil Kühne ein. (Siehe Anzeige.)
— Der Ob st- und Gartenbauverein Gießen veranstaltet am kommenden Sonntag im Hörsaal des Landwirtschaftlichen Instituts einen Vortrag. Dr. T e m p e l, der Vorsteher der Hauptstelle für Pflanzenschutz, spricht über das Thema: „Schädlingsbekämpfung im Obst- und Gartenbau . (Siehe heutige Anzeige!)*
** Verlegung des Kreisveterinäramtes. Die Polizeidirektion teilt mit, daß das Kreisveterinäramt Gießen vom 29. März ab sich im Hause Alicenstraße 18 befindet
** Sonntags-Rückfahrkarten zum Palmsonntag. Zu B-,uchsfahrten am Palm- fonntag werden von allen Bahnhöfen der Reichs-
erhielt, leitete jahrelang die Staatliche Hochschule für Musik in Berlin. Schreker gehörte als einer der Bahnbrecher der sogenannten atonalen Musik nicht nur zu den bekanntesten, sondern auch zu den umstrittensten Komponisten unserer Zeit. Von seinen Opern sind „Der ferne Klang", „Die Gezeichneten , „Die Schatzgräber", „Jrrelohe", „Der singende Teufel", „Christophorus" und „Der Schmied von Gent" besonders bekannt geworden und über viele deutsche und ausländische Bühnen gegangen. Auch als Musikpädagoge hat Schreker einen weitreichenden Einfluß ausgeübt. 1932 legte er die Leitung der Hochschule für Musik in Berlin, die er seit 1920 leitete, nieder und übernahm auf eigenen Wunsch eine Meisterschule für musikalische Komposition bei der Preußischen Akademie der Künste. Unzufriedenheit des Lehrkörpers mit seiner Geschäftsführung war der Grund zu seinem Schritt. Um nur seiner künstlerischen Arbeit leben zu können, überließ er seit Jahren die Geschäfte seinem Stellvertreter, Professor Schünemann, der dann auch sein Nachfolger wurde. Schreker war mit der Opernsängerin Maria Binder-Schreker verheiratet, die eine Interpretin seiner Kompositionen ist.
Aufenthalts-, die Speiseräume und die Schlafgelegenheiten auch jener Arbeiter, die auf vorgeschobensten Posten Dienst tun müssen, einer sorgfältigen Betrachtung unterzogen.
Nach Verabschiedung von den Amtsvorstehern und den Betriebsvertretern setzten die Frankfurter Herren nach kurzer Mittagspause die Fahrt nach Wetzlar fort. Weitere Besichtigungen sind in Weilburg und in Limburg vorgesehen.
Der bekannte Komponist Franz Schreker ist in Berlin am Vorabend seines 56. Geburtstages nach langer Krankheit an einem Schlaganfall g e st o r- den. Schreker, der am 23. März 1878 als Kind österreichischer Eltern in Monaco geboren wurde
' in Wien seine erste musikalische Ausbildung
bahn nach den Orten im Umkreis von 75 Kilometer des Ausgabebahnhofes Sonntags-Rückfahrkarten verabfolgt. Die Sonntagskarten gelten zur Hinfahrt von Samstag, 24. März, 0 Uhr, bis Sonntag, 25. März, 24 Uhr, zur Rückfahrt von Samstag, 24. März, von 12 Uhr ab, bis Montag, 26. März, 12 Uhr.
** Regimentsfeier der ehemaligen 168er und der Feldformationen. Anläßlich der 20. Wiederkehr des Tages der Feuertaufe des ehemaligen Infanterie-Regiments 168 planen die Regimentsvereinigungen und die Feldformationen für den 14. und 15. Juli eine Regiments-Gedächtnis- und Wiedersehensfeier in Butzbach. Die vorbereitenden Arbeiten find im Gange.
** Der VWA. (Berufsgemeinschaft der weiblichen Ange st eilten) hatte für Dienstagabend zu einer musikalischen Frühlingsfeier im Singsaal des Realgymnasiums eingeladen. Die Konzertsängerin Fräulein Käte Gärtner und Herr Pianist Hahn hatten sich — wie man uns berichtet — in liebenswürdiger Weise für den Abend zur Verfügung gestellt, wodurch der volle Erfolg der Veranstaltung von vornherein gesichert war. Es waren schöne Feierstunden, die die Zuhörer mit den beiden Künstlern verleben durften. Herr Hahn, dessen glänzende Technik und feiner Vortrag in Gießen längst bekannt sind, leitete den Abend ein mit der Toccata und Fuge von Bach-
Tausig und erfreute im weiteren Verlaufe des Abends die Zuhörer mit einem Impromptu von Schubert und der Polacca von Weber. Reicher Beifall dankte dem Künstler für seine glänzenden Darbietungen. Die Vorsitzende des VWA., Fräulein Gross art, hielt eine kurze Ansprache, in der sie rückblickend auf den Frühlingsanfang des vergangenen Jahres und die Erfolge der Hitler- regierung hinwies und dem Wunsche Ausdruck gab, daß alle Anwesenden von der Frühlingsfeier die frohe Zuversicht mitnehmen möchten: nun muß sich alles, alles zum Guten wenden. Fräulein Käte Gärtner, die über eine selten umfangreiche Altstimme verfügt) gewann durch ihren seelenvollen Vortrag die Herzen aller Zuhörer. Lieder von Schuhmann und Schubert sang sie ebenso meisterhaft wie die Wiener Lieder „Nun blühen im Prater die Rosen" und „Wien wird erst schön bei Nacht". Zwei Volkslieder von Hildach schenkte sie den Zuhörern für den reichen Beifall, der ihr gespendet wurde. Mit innigem Verständnis begleitete Herr Hahn die Lieder am Flügel. Zwei Frühlingsgedichte, versaßt und vorgetragen von Fräulein G r o s s a r t, und zwei deutsche Tänze, getanzt von Mitgliedern der Jugendgruppe des VWA., paßten schön in das Programm des Abends. Zum Schluß wurde mit einem dreifachen Sieg-Heil in Dankbarkeit des Führers gedacht, und alle verließen den Saal in froher Stimmung.
innig verbunden bleiben. Ein Schüler des Heimgegangenen brachte sodann dem verewigten Lehrer den letzten Gruß seiner Klasse dar. Im Anschluß an einen weiteren Choralgesang der Sängerschaft sprach der Sängerführer Amtsgehilfe Koch (Gießen) namens der Vereinigung „Liederkranz-Heiter- keit" herzliche Worte des Abschieds von dem in 40jähriger Sängerschaft und in 15jähriger Vorsitzendenarbeit reich bewährten Sangesbruder. Der zweite Führer des Männerturnoereins, Kaufmann Willy Georg, brachte dem verewigten Turnbruder und langjährigen ersten Sprecher des Vereins unter dankbarer Würdigung seiner großen Verdienste den letzten Gruß seiner Turnbrüder dar, ferner widmeten als Turnervertreter der Gauoberturnwart Reallehrer Paul (Gießen) im Namen des 12. Gaues Nordhessen, der Führer des 8. Kreises Lahn-Dill, Bankbeamter Karl D a u p e r t (Wie- seck), und der Führer des Turnvereins von 1846, Kaufmann R e i n i n g, dem Heimgegangenen Turnbruder und Turnerführer herzliche Worte treuen Gedenkens und aufrichtiger Dankbarkeit für sein außerordentlich arbeitsreiches und fruchtbares Wirken zum Wohle der deutschen Turnsache. Universitätsprofessor Dr. B ü r k e r sprach herzliche Worte des Gedenkens im Namen der Altersvereinigung von 1872, die Georg Kling gegründet hatte. Anschließend sprach ein Vertreter des Gesangvereins „Liederkranz" in Nieder-Weisel, dem der Verstorbene aus seiner früheren Lehrerzeit in Nieder-Weisel als Ehrenmitglied angehörte. Der Stenographenführer, Kaufmann Kuhl (Gießen) gab dem treuen Gedenken und der Dankbarkeit der Gießener Stenographen für den verewigten Kunstfreund und uneigennützigen Lehrer der Stenographie Ausdruck. Der Ortsgruppenführer des Stahlhelm, Oberstleutnant a. D. Loppe, rühmte den Heimgegangenen als aufrechten Bekenner und Verfechter der deutschnationalen Gesinnung, treuen Soldaten und guten Kameraden, dem die Gewehrsektion des Stahlhelm drei Ehrensalven über den Sarg als letzten Gruß darbrachte. Ministerpräsident a. D. Professor Dr. Werner nahm als letzter Sprecher mit eindrucksvollen Worten Abschied von dem langjährigen politischen Freunde, eifrigen Vorkämpfer und Mitstreiter für den völkischen Gedanken, aufrechten deutschen Manne und standhaften treuen Menschen, dem ein dankbares Gedenken aller guten Deutschen für immer gesichert sei.
Hierauf wurde der Sarg unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden, gespielt von der Stahlhelmkapelle, in das Krematorium der Friedhofskapelle gebracht, wo heute die Einäscherung stattfindet.
Gestern vormittag traf im Sonderwagen der Präsident der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M., Dr.-Jng. Steuernagel im Gießener Bahnhof ein. In seiner Begleitung befanden sich Vertreter der Deutschen Arbeitsfront, sowie Mitglieder der Reichsbahn-Verwaltung. Der Besuch diente dem Zweck, die sozialen, hygienischen und sanitären Anlagen im Gießener Bahnhof zu besichtigen, sowie Wünsche und Beschwerden, Anregungen für mögliche Verbesserungen usw. entgegenzunehmen. An der Besichtigung nahmen folgende Herren teil: der Präsident der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. Dr.-Jng. S t e u e r n a g e l, der stellvertretende Gaubetriebszellenleiter Pg. Wagner, der Bezirks leiter des Deutschen Arbeiteroerbandes der öffentlichen Betriebe Gauinspektor Pg. Goebel, der Adjutant des Gaubetriebszellenleiters Pg. Ginkel, der Bezirksfachschaftsleiter „Reichsbahn" für Hessen und Hessen-Nassau der Deutschen Arbeitsfront Pg. I a m i n ; die Bezirksbetriebsräte bei der RBD. Frankfurt a. M. D i e ß n e r und Höhn; der Beauftragte des Führerstabes bei der Reichsbahndirektion Reichsbahnrat Pg. Krug; die Reichsbahnräte Nierstein und N i e d e r st r ä ß e r ; der Bezirksfachschaftsleiter bei der Reichsbahn Pg. Weber; der Pressebeirat bei der RBD. Lebeau und Dr. Koch, als Vertreter des Treuhänders der Arbeit Dr. Lüer. Don der Leitung der Deutschen Arbeitsfront in Gießen nahmen Kreisbetriebszellenleiter Pg. Wagner, der stellvertretende Kreisbetriebszellenleiter Pg. Hahn, der Verbandskreisleiter der öffentlichen Betriebe Pq Wehrum und der Kreisfachfchaftswart und Betriebsrat Schädlich teil. Von der Reichsbahnverwaltung in Gießen waren die Amtsvorsteher der einzelnen Dienststellen, ferner die Betriebsvertreter der Dienststellen zugegen.
Die Besichtigung war sehr eingehend. In der Aus prache wurden die bestehenden Verhältnisse beurteilt und gleichzeitig der Versuch gemacht, Mittel und Wege zu finden, wie verschiedenen Unzulänglichkeiten abzuhelfen ist. Besonders erfreulich war es, daß die Teilnehmer der Besichtigung auch die
9eam M^MSrz hat die Ortsgruppe Gießen des R-ichsluftichutzbundes mit zwei neuen Schu ungs- turfen für Lustschutzhauswarte im zivilen Lustschutz beaannen Dabei wurde sestgestellt. daß e,n erheblicher der von der Pvlizeidirektwn bestimmten Luitickukhauswarte diesen Kursen trotz Einladung
LN äüäs? i" S!7 ASS« soll die hiesige Bevölkerung in den notwendigsten
Vernicht vorsorg t, t st nicht 9 e f cy u g r Wir" f°rdek?de-h°lb'Nochmals alle diesenigen Pionen aus die von der Palizeidirektion als Lu 1- schutzhauswarte bestimmt sind, d.ese lehrreichen Kurse zu besuchen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Stadttheater, 20 bis 22 Uhr: „Hokuspokus . — fpielhaus Gießen, Bahnhofstraße: „Hans Westmar . — Astoria-Lichtspiele, Soltersweg: „Hotel auf dem
Schwurgericht Gießen.
Unter dem Vorsitz von Landgerichtsrat Heid verhandelte das Oberhessische Schwurgericht gestern gegen den 35jährigen Rudolf Philippi von Trais-Horloff, dem die Anklage Totschlag, begangen an seiner Ehefrau, zum Vorwurf machte.
Der Angeklagte lebte seit längerer Zeit in den unglücklichsten ehelichen Verhältnissen, die dadurch bedingt waren, daß sich seine Ehefrau mit einem verheirateten Manne aus Trais-Horloff abgab. Die Eheleute lebten, da die Gegensätze zwischen beiden immer größer wurden, getrennt. Am 8. August 1933, am Tage vor der Tat, wurde auf Veranlassung des Angeklagten eine Versöhnung herbeigeführt. Die Eheleute begaben sich darauf mit ihren Kindern in ihre Wohnung. Am folgenden Morgen kam es wieder zu gegenseitigen Vorwürfen, wobei der Angeklagte zum Rasiermesser griff. Während einer sich anschließenden Balgerei wurde die Ehefrau verletzt. Sie sprang hilserufend an das Fenster. Der Angeklagte holte sie zurück und brachte ihr eine ganze Anzahl Schnittwunden in der Hals- aegend bei, die den Tod herbeiführten. Als der Angeklagte die Folgen seines Tuns sah, brachte er der Frau aus einem Revolver noch einen Schuß in die Schläfe bei.
Die umfangreiche Beweisaufnahme — es wurden etwa 15 Zeugen und zwei Sachverständige gehört — hatte das einheitliche Ergebnis, daß es sich bei dem Angeklagten um einen fleißigen friedfertigen Familienvater handelte, der, gereizt durch das verbrecherische Verhalten seiner Frau, sich zu der Tat hatte hinreißen lassen. Die Sachverständigen schilderten den Angeklagten als einen erblich belasteten Psychopathen, dessen Konstitution mildernde Umstände gemäß § 51 Abs. 2 RStGB. beanspruche.
Der Vertreter der Anklage,, Staatsanwalt Dr. Finke, beantragte unter Annahme mildernder Umstände, jedoch die Schwere der Tat berücksichtigend, eine Gefängnis st rafe von 5 Jahren, Einziehung des Rasiermessers und des Revolvers. Die Anrechnung der Untersuchungshaft stellte er dem Gericht anheim.
Nach etwa einstündiger Beratung erkannte das Gericht wegen Verbrechens im Sinne der §§ 212, 213, 51 Abs. 2 RStGB. auf drei Jahre Ge« fängnis unter Anrechnung von sieben Monaten Untersuchungshaft und' Einziehung obiger Gegenstände.
Am Samstag, 24. März, wird ab 14 Uhr in ' der Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, an jede aus . dem Winterhilfswerk unterstützungsberechtlgte Familie aus der Ortsgruppe Süd 1 Laib Brot gegen Zahlung von 10 Pf., sowie verschiedene andere Lebensmittel ausgegeben.
Gez.: Z ö l l, stellv. Ortsgruppenwalter.
Kundgebung der RS.-Hago.
Die Kreisamtsleitung der NS.-Hago (GHG.) Gießen veranstaltet am heutigen Freitag, 23. Marz, 20 Uhr, auf der Liebiashöhe eine große öffentliche Kundgebung von Handwerk und Handel. Pg. Dr. Röder- Gießen ist Redner des Abends. — Die Ortsgruppen haben mit ihren Fahnen eine Viertelstunde vor Beginn zu erscheinen.
NSLB., Kreis Gießen.
Bdr.: Monatsbeiträge.
1. Die Mitgliedschaft bei anderen NS.-Organisa- tionen (einschl. SU.) hat keine Ermäßigung des NSLB.-Beitrags zu Folge.
2. Ab 1. April zahlen Ruheständler den vollen Beitrag. Um etwaige Härten zu vermeiden, kann eine Ermäßigung auf die Hälfte erfolgen, wenn besondere Verhältnisse vorliegen oder das monatliche Einkommen unter 200 Mark liegt. Dem Kreisobmann ist dann in jedem Fall ein Gesuch vorzu- leqen.
Betr.: Zugehörigkeit zu Logen.
Frühere Mitglieder von Freimaurerlogen oder ähnlicher Organisationen (z, B. Ludewig zur Treue" „Druidenorden", „Schlaraffia u. a.) und Angehörige der aus ihnen hervorgegangenen Nachfolgeorganisationen, haben umgehend anzugeben, wie lange und bis wann sie diesen Organisationen anqehört haben. Die Angaben sind unterschriftlich zu bestätigen. Das Verschweigen der Angaben oder unrichtige Angaben haben den Ausschluß aus dem NSLB.' zur Folge.
Achtung Lustschuhhauswarte!
Die Polizeidirektion Gießen teilt !°l-
Aus der provinzialhauptstadt.
OaS Bild der deutschen Heimat.
Das Bild der deutschen Heimat hat sich in den jüngsten Jahren außerordentlich verändert — und niemand hat es recht gemerkt. Gutes ist dabei nicht . herausgekommen, eben weil rechte Baugesinnung und Gemeinsinn fehlten. Am sinnfälligsten zeugen dafür die wilden Kleinsiedlungen im umkreis der großen Städte. n. .
Dem Heimatschutz liegt mit in erster Lime am Herzen, daß das verschandelte Bild des Vaterlandes in seinen charaktervollen, mannigfaltigen Gestaltungen wieder allmählich gereinigt wird. Dieses Bild tat in allen seinen Zügen wohl, weil die Maßnahmen des Urbarmachens und Bewirtschaftens, des Siedelns und Verkehrswege-Schaffens sinnvolles Landesplanen war, ohne daß diese Parole jemals im Großen ausgegeben zu werden brauchte. Was aber bildmäßig wohltut, ist organisch empfunden und organisch gehandelt, d. h. nach ungeschriebenen, instinktmäßig erfühlten oder nach verbrieften, bewußt bedachten Gesetzen — nach Gesetzen, die der Mensch aus seinem Ahnen und Erkennen der Gesetzmäßigkeiten der Natur herzuleiten sich bemüht hat. Er selbst ist ja Teil dieser Natur und wurde genügend gestraft, wenn er sich durch sein Handeln in Widerspruch zu ihr setzte. Aus diesen ursächlichen Zusammenhängen ergibt sich, daß die Arbeit des Heimatschutzes an der Heimat ohne weiteres auch Dienst am deutschen Menschen und am deutschen Volk ist, sich damit also ganz von selbst den volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten unterwirft. Diese stets zu erkennen, geschweige denn anzuerkennen, fiel Wirtschastsgruppen und berufsständischen Vertretungen in den Zeiten des Liberalismus und Kapitalismus natürlich außerordentlich schwer.
Es ist Aufgabe des Heimatschutzes, das Miteinander aller berufenen fachlichen Kräfte beim Entstehen des neuen großen Siedlungswerkes mitzubetreiben. Bislang war er hierbei Sachwalter einer verhältnismäßig kleinen, von vielen mißverstandenen und bekämpften Gemeinde. Das ist aber anders geworden, seitdem vor kurzem der Millionen deutscher Volksgenossen umfassende „Reichsbund Volkstum und Heimat" gebildet wurde. Dieser ist berufen, eine gewaltige Volkstumsbewegung in Marsch setzen zu helfen auf das Ziel einer in jeder Hinsicht fachlichen und guten deutschen Heimatgestaltung.
Winterhilfswerk
des deutschen Volkes 1933/34.
Kreisführung Gießen.
Velr.: Eiersammlung.
Gemäß meinem Rundschreiben vom 20. März sind die gesammelten Eier an den bezeichneten Sammelpunkten (Gießen, Hungen und Grünberg) bis spätestens Freitag, 2 3. März, 18 Uhr, abzuliefern, da die Autos von Frankfurt am Samstagvormittag die Lier an den vorerwähnten Sammelstellen abhoten werden.
heil Hitler!
Gez.: Mo Haupt, Kreisgeschäftsführer des WHM.
Ortsgruppe Gießen-Güd.
Betrifft: Lebensmittelausgabe.
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