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Arbeitsbeschaffung durch die Reichsbahn
Sie berechtigt zu wiederholter Einreise tn das Saargebiet, innerhalb des in dem Genehmigungsvermerk bezeichneten Zeitraums. Personen, denen die Genehmigung zum vorübergehenden Aufenthalt tni Saargebiet schon jetzt erteilt ist, müssen die Genehmigung vor dem 27. Dezember 1934 erneuern, bie erneuerte Genehmigung berechtigt sie zu wiederholter Ein- und Ausreise in das Saargebiet.
Mit Geldstrafe bis zu 750 Franken oder mit entsprechender Haft wird bestraft, wer diesen Bestimmungen zuwiderhandelt. Die Gebühr für die Einreisegenehmigung beträgt 20 Franken, die Gebühr für erneuerte Genehmigung 2 Franken. Die Gebühr kann in begründeten Fällen, insbesondere bei Bedürftigkeit der einreisenden Personen, falls ein dringlicher Anlaß zur Einreise besteht, erlassen werden.
b) einer Einreisegenehmigung bedürfen dagegen nicht: 1. außerhalb des Saargebiets wohnende abstimmungsberechtigte Personen. Für sie genügt der von der Abstimmungskommission ausgestellte Abstimmungsausweis in Verbindung mit dem Reisepaß. 2. Personen, die im Besitz eines saarländischen Reisepasses oder eines saarländischen Personenausweises sind. 3. Personen, die die auf Grund der Verordnung der Regierungskommission vom 27. Januar 1932, betreffend die Arbeitszentral- stelle für das Saargebiet ausgestellten Legitima- tionskarten sowie die Grenzausweise gemäß Protokolle über die Gebrauchsrechte an der saarländischfranzösischen Grenze vom 13. November 1926 besitzen.
Weihnachtsfeiern der NSDAP, in Gießen.
Die Ortsgruppe Gießen-Nord veranstaltet am morgigen Sonntag um 18 Uhr auf dem Landgraf-Philipp-Platz eine öffentliche Weihnachtsfeier, bei der der Musikzug der SA.-Standarte 116 mitwirken wird.
Die Ortsgruppe G i e ß e n - O st begeht eine gleiche Feier am morgigen Sonntag von 17 Uhr ab vor der Volkshalle, bei ungünstiger Witterung wird die Feier in der Liebigshöhe stattfinden.
Die Ortsgruppe G i e ß e n - S ü d begeht ihre Volksweihnachtsfeier am morgigen Sonntag um 16 Uhr vor der alten Klinik in der Liebigstraße, in Verbindung damit findet eine Bescherung der Hilfsbedürftigen statt.
Die Ortsgruppe Gießen-Mitte veranstaltet um 18 Uhr an der Ecke Plockstrahe-Johannesstraße ihre öffentliche Weihnachtsfeier.
Zu allen Feiern sind alle Volksgenossen herzlich eingeladen.
Der Dienst der Reichspost
an den Weihnachtsfeiertacien.
Für die Weihnachtsfeiertage sind bei der Reichspost folgende Dienstzeiten festgesetzt:
Der Schalterdienst vollzieht sich am Sonntag (4.Advent) wie an Sonntagen, außerdem ist die Annahme von Paketen in der Zeit von 14 bis 19 Uhr beim Postamt in der Bahnhofstraße vorgesehen. Am Montag (Heiligabend) findet Schalterdienst bis 16 Uhr wie werktags statt, ab 16 Uhr können nur noch Telegramme und Gespräche entgegengenommen werden. Am Dienstag (1. Feiertag) und am Mittwoch (2. Feiertag) vollzieht sich der Schalter- dienst wie an Sonntagen.
Die Br iefkastenleerung erfolgt am Sonntag wie üblich, am Montag wie an Werktagen, nur fallen die beiden letzten Leerungen aus. Am Dienstag und Mittwoch erfolgt die Leerung der Briefkästen wie an Sonntagen. Für Dienstagvormittag ist eine Frühleerung um 5.45 Uhr vorgesehen.
Die Ortsbriefzustellung erfolgt am Sonntag wie üblich, am Montag wie werktags, am Dienstag wie Sonntags und fällt am Mittwoch aus.
Die Ortsgeldzustellung fällt am Sonntag, am Dienstag und am Mittwoch aus. Am Montag geschieht sie wie an Werktagen.
Je eine Ortspaketzustellung sind vorgesehen am Sonntag, am Montag und am Dienstag, am Mittwoch findet keine Paketzustellung statt.
Im Verlaufe des Jahres 1934 hat die Reichsbahnverwaltung durch die Reichsbahn-Betriebsämter in Gießen für deren Amtsbereich wiederum, wie schon im Vorjahre, große Geldmittel für die Zwecke der Arbeitsbeschaffung und der Verbesserung der Bahnanlagen zur Verfügung gestellt. Wie wir auf Anfrage an der zuständigen Stelle hören, beläuft sich
die Gesamtsumme der vom Reichsbahnbetriebsamt I in diesem Jahre verausgabten Gelder, die der Arbeit und der Wirtschaft in der engeren Heimat zuflossen, auf rund 1 100 000 Mark.
Die Aufwendungen in dieser Höhe entsprechen un- aesähr den Ausgaben des Vorjahres für den gleichen Zweck.
Von dem Gesamtbetrag wurden für laufende Unterhaltungs arbeiten etwa 100 000 Mk. ausgegeben, auf Grund von besonderen Bewilligungen für Unterhaltungs- und Erneuerungsarbeiten, sowie für Neubauten wurde für Material und Arbeitslöhne im ganzen rund eine Million Mark aufgewendet.
Von den größeren Bauausführungen im Bereich des Reichsbahn-Betriebsamts I — der Bezirk umfaßt die Strecken Niederwalgern bis vor Nauheim, Gießen—Burg- und Nieder-Gemünden, Lollar— Grimberg, Gießen mit Bergwerkswald—Dutenhofen, Gießen bis kurz hinter die Fabrik von Gail, Niederwalgern—Herborn — feien folgende hervorgehoben:
Arbeiten in Gießen:
Umbau- und Unterhaltungsarbeiten am Verwaltungsgebäude der Betriebswerkstätte mit einem Aufwand von 6000 Mark, Umbau der Rampen an der Güterhalle, Kosten 9000 Mark, Umbau im Lokomotivschuppen 22 000 Mark, Einbau einer neuen Drehscheibe auf dem Bahnhof Gießen 70 000 Mark, Umbau der Bahnunterführung in Richtung Wetzlar kurz vor Klein-Linden 100 000 Mark, Erneuerung der Zufuhrstraßen zum Bahnhof Gießen 5000 Mark, Wasserleitungsbauten rund 30 000 Mark, Fertigstellung des elektrischen Betriebs des neuen Stellwerks im Oberhessifcken Bahnhof 10 000 Mark, Verbesserung von Fayrstraßen (Weichen usw.) 5000 Mark. Für Instandsetzung von Beamten- und Arbeiteraufenthaltsräumen wurden etwa 8000 Mark aufgewandt.
Die Land Zustellung geschieht am Sonntag wie üblich, am Montag wie werktags, für Dienstag ist die Zustellung von Zeitungen, Briefsendungen und Paketen vorgesehen. Am Mittwoch fällt die Zustellung aus.
Die Verzollung der Weihnachtspakete kann am Sonntag und am Dienstag von 9 bis 11 Uhr erfolgen; am Montag wie an Werktagen. Am Mittwoch werden keine Verzollungen vorgenommen.
Der Theaterspielplan bis Silvester.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Sonntag, 23. Dezember, 15 Uhr, das entzückende Weihnachtsmärchen „Peterchens Mondfahrt" von Bassewitz; 19.15 Uhr die Walzeroperette: „Alt Wien" von Lanner, Leitung: „Wrede-Cuj6- B ä u l k e.
Dienstag, 25. Dezember, 19 Uhr, zum letzten Male, die romantische Oper „Der Freischütz", von C. M. von Weber in der Inszenierung und Besetzung der Erstaufführung mit Generalmusikdirektor Stöver, Bad-Nauheim, als Gast am Dirigentenpult.
Mittwoch, 26. Dezember (2. Weihnachtstag), 15 Uhr, Wiederholung der Operette „Das Land des Lächelns", von Lehar und Maria Perry und Heinz W e i - s e r sowie Hansi S a l z m a n n in den Hauptrollen; 19 Uhr, auf vielseitigen Wunsch und auf Grund der Nachfrage, die romantische Operette „Der Zigeunerbaron", von Johann Strauß, in der Besetzung der Eröffnungsvorstellung.
Donnerstag, 27. Dezember, 16 Uhr, das Weih-
Arbeiten auf dem Lande.
Von den Arbeiten auf den Strecken außerhalb von Gießen feien folgende verzeichnet: Errichtung einer neuenWegüberfuhrung bei Kirchgöns, Kosten 35 000 Mk., Ausbau des Bahnwärterhauses Friedel- Hausen 3700 Mk., Verstärkung der Widerlager im Personentunnel in Lollar 4000 Mk., Errichtung eines Nebengebäudes auf Bahnhof Weidenhaufen 4000 Mk., Uebersichtlichmachung von Wegübergän- aen auf der Strecke Niederwalgern — Herborn 9000 Mk., Verbesserungen auf der Strecke Gießen — Rödgen 5000 Mk., Verbesserung des lichten Raumprofils auf den Strecken 11 000 Mk., Instandsetzung von kleinen Brücken, Durchlässen usw. 5000 Mk.
Besonders sei erwähnt, daß für die laufende Unterhaltung und Verbesserung an den Gleisen und Weichenanlagen in diesem Jahre rund 480 000 Mk. aufgewendet wurden.
An Schotter aus oberhessischen Steinbrüchen wurden rund 27 000 Tonnen für die Gleisunterhaltung bezogen, ferner wurden rund 660 Tonnen Zement verbraucht.
Es ist erfreulich, daß die Reichsbahn an ihrem Teile so wirksam beiträgt zur Beschaffung von Arbeit und damit zur Wiederbelebung der Wirtschaft.
Das Reichsbahn-Delriebsamt II — zuständig für die Strecken kurz hinter der Gailfchen Fabrik bis kurz vor Gelnhausen, Friedberg — Hungen—Mucke, Friedberg—Nidda—Scholten — hat im Jahre 1934 für die Unterhaltungsund Erneuerungsarbeiten eine Gefamtfumme von rund 250 000 Mk. ausgegeben.
Davon entfallen auf kleinere Unterhaltungsarbeiten rund 50 000 Mk. Im einzelnen wurden u. a. an Arbeiten durchgeführt: Umbau der Drehscheibe in Nidda 20 000 Mk., Pflasterung der Laderampe in Lich 4000 Mk., Umbau der Wetterbrücke bei Lich 10 500 Mk., Umbau der Niddabrücke bei Nidda 15 000 Mk., Umbau des Befehlsft.ellwerks in Nidda 4 000 Mk., Sichtverbesserungen der Wegübergänge auf den Strecken 8000 Mk.
Für die Unterhaltung und Verbesserung des Oberbaues und der Weichen wurden insgesamt rund 150 000 Mk. ausgegeben.
An Schotter wurden 6500 Tonnen aus oberhessischen Werken bezogen.
nachtsmärchen: „Peterchens Mondfahrt", von Bassewitz.
Freitag, 28. Dezember, Karl Ludwig Lindt als Autor, Regisseur und Schauspieler: „Parole: Heiraten!".
Samstag, 29. Dezember, 16 Uhr: „Peterchens Mondfahrt", das Weihnachtsmärchen, von Baffe- witz.
Sonntag, 30. Dezember, 15 Uhr: „Peterchens Mondfahrt"; 19.15 Uhr: „Das Land des Lächelns".
Am Montag, 31. Dezember, traditionelle Silvestervorstellung mit Einlagen und Ueberraschungen, Erstaufführung der Biedermeier-Posse mit Gesang und Tanz: „Die vier Schlaumeier", von Walter W. Goetze; Leitung dieser Jahresabschluß-Dorstellung: Hub-CujS-Bäulke. Mit Rücksicht auf den Tag Anfang 20.30 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.
Die Steuerkarten.
Die Stadtverwaltung weist in der heutigen Bekanntmachung darauf hin, daß die Steuerkarten für das Jahr 1935 zugestellt worden sind. Arbeitslose Personen wollen die Steuerkarten sorgfältig aufbewahren, da die Ausstellung einer neuen Karte nur gegen Zahlung von 1 RM. erfolgt. Aus Seite 4 der Steuerkarte ergeben sich die Bestimmungen Über die Höhe der Bürgersteuer. Die Anforderung der Bürgersteuer gilt mit der Zustellung der Steuerkarte als bewirkt.
Das Gailsche Spritzenhaus in der Neustadt verkauft.
Von dem Kommando der Freiwilligen ql, Feuerwehr wird uns geschrieben:
Das Spritzengebäude mit dem Hofe der % ligen Gailfchen Feuerwehr in der Neustadt^ über der früheren Gailfchen labatfabrif kurzem in den Besitz der Fa. I. B. Häuf'/' gegangen.
Das vor dem Kriege vom Haufe Gail o- modernste erbaute Spritzenhaus diente berr* Gailfchen Feuerwehr über 20 Jahre als kunft für ihre Gerätschaften. Der große jj? für das Exerzieren vorzüglich geeignet. 1
Durch die ungünstigen wirtschaftlichen msse der letzten Jahre ist es dem Protei Wehr, der für die alleinige Unterhaltung. wörtlich ist, nicht mehr länger möglich / das große Anwesen zu hallen.
Es sei an dieser Stelle ausdrücklich bara»; gewiesen, daß die Freiw. Gailsche Feuerwek- Fabrikfeuerwehr, sondern eine der Behörde stellte freiwillige Wehr ist, die der Allgem' dient, wie sie es auch immer bewiesen wurde im Jahre 1855 von dem damaligen'!! fabrikanten Gail aus Gießener Bürgern 41 det und von dem jeweiligen Chef des Hach-I unterhalten. Durch dieses in Deutschland noch dastehende Wohltätigkeitswerk blieb der heit und insbesondere dem Gießener Steu^' im Laufe der letzten acht Jahrzehnte die Z düng ungeheuerer Summen für das fouc'1 wesen erspart; außerdem kam das segensreich.u ken der Wehr der Bevölkerung zugute.
Die übergroße Opfertätigkeit für die All<w heit wurde behördlicherseits dadurch geehn. dem Chef der Wehr, Herrn Dr. jur. Georg ß' im Jahre 1930 anläßlich des 75jährigen Befe, der Wehr, das Hessische Feuerwehrkreuz überli wurde.
Und gerade jetzt, in einer Zeit, da bas naü-1 sozialistische Wort „Gemeinnutz geht vor (FiflfnJ. im Volke durch die Lehre Adolf Hitlers Derll4' gefunden hat, muß dieses moderne Spritzt der Allgemeinheit verlorengehen. Dies foniör Freiw. Gailsche Feuerwehr nicht abroenben. der Feuerwehrleute für die ideale Sache unter der Führung ihres Kommandanten derselbe.
Am heutigen Samstag, 22. D ezembe: , 16 Uhr, wird die Wehr zum letzten Male ih» , vom Spritzenhaus in der Neustadt verbring/' ihre Gerätschaften in eine vorläufige Untcrfir stätte, die sie in dem ftüheren Maschinenrom L Oberhessischen Eisenbahnwerkställe ((BroMkr: gefunden hat, unterzubringen. Es wird für , schwer sein, zumal sich die Pflichten der tW:4 leute infolge aktiver Betätigung für ben Mte verdoppelt haben.
Die Gießener Bevölkerung wird bitftn M. im Feuerlöschwesen sehr bedauern und iur ! weitere segensreiche Wirken für die Allgemein- der Freiw. Gailfchen Feuerwehr alles 8.. wünschen.
Neue Schülerzüge.
Durch die Verlängerung der Schulzeiten m!! Wochentagen von Montag bis Frellag hatten n ür die Rückfahrt der auswärtigen Schüler an i Gießener höheren und Fachschulen Schwierig^ ■ ergeben, da die Züge, die die Schüler seither: Rückfahrt benutzten vor dem neuen Schr.? 1 lagen. Die Schüler waren gezwungen, längen in Gießen auf die später liegenden Züge : ten. Den Bemühungen der Ellernschaft uni f Schulen in Verbindung mit der Reichsbahn nunmehr gelungen, hier Abhilfe zu schaffen.'." ab 7. Januar 1935 zwei neue Züge und M Gießen nach Niederwalgern und Butzbach ein. werden.
Der Zug nach Niederwalgern!'" genden Fahrplan (Pz. 787): Gießen ab 133*
Dos Wemiü m 6m.
Roman von Rainer Melden
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme°Verlag, Halle (S.)
22 Fortsetzung Nachdruck oerbotenl
„3a — sind Sie denn nicht in den Turm hereingekommen, Mac Lean? Ich habe doch den Alten und seine Viecher lange genug festgehalten."
Mac Lean lachte:
„Ich bin ja schon wieder heraus, Donnell!"
„Und der Inspektor dachte, Sie brauchen zwölf Stunden!" platzte Bob dazwischen.
„Zwölf Stunden?" Mac Leans eben noch so vergnügtes Gesicht bekam einen eisernen Ausdruck:
„In zwölf Stunden hoffe ich schon weiter zu sein, mein lieber Donnell!"
11. Kapitel.
Das Sanatorium des Professors Gershwin lag nahe von Croydon, inmitten ausgedehnter Parkanlagen. Man konnte es von der Bahnstation aus deutlich sehen. Es war die größte Anstalt dieser Art in Mittelengland. Professor Gershwin nannte seine Anstalt gern „Sanatorium". Der Name war bedeutend angenehmer als die Bezeichnung „Irrenanstalt". Im Volksmunde aber hieß dieses große, durch hohe Gitter gesicherte Gebäude nur das „Verrücktenhaus".
Es war vormittags. Professor Gershwin hatte seine Besuchsrunde auf den verschiedenen Kranken- stationen zusammen mit seinem Assistenten gemacht. Nun saß er in seinem Arbeitszimmer und sah die Krankenjournale durch. Es waren ein paar Fälle, die als gebessert zur Entlassung vornotiert waren. Andere, bei denen man den Angehörigen keinerlei Hoffnungen machen konnte.
Der Krankenhausbetrieb Gershwins gliederte sich in zwei Abteilungen: einmal hatte er eine allgemeine Irrenanstalt, die unter behördlicher Aufsicht stand und unbemittelte Kranke aus Mittelengland aufnahm. Davon gesondert hatte er ein schloßähnliches Gebäude in einem besonderen Park. Dieses Gebäude, mit allem Komfort und Luxus ausgestattet, diente der Unterbringung von Privatpatienten. Hier waren meist Kranke, deren Angehörige sich die Unterbringung der Patienten in einer teuren Privatheilanstalt leisten konnten.
Professor Gershwin wurde mitten in seiner Arbeit durch einen Telephonanruf unterbrochen.
„Herr Professor, Sie werden aus London verlangt! meldete die Telephonzentrale unten.
Gershwin hob den Hörer ab:
„Hallo! Hier spricht Professor Gershwin. Herr Baronet of Chaminade? Bitte, womit kann ich Ihnen dienen?" Professor Gershwins Ton wurde
respektvoll. Er kannte den Namen des Baronets of Chaminade als den eines der reichsten Grundbesitzer im Norden Englands.
„Herr Professor, haben Sie in Ihrer Privatanstalt Platz für einen Neffen vor mir? Der junge Mann ist als Waise bei mir erzogen und macht mir nun große Sorgen."
„Was ist mit ihm, Baronet?"
„Er hat seit einiger Zeit begonnen, zu trinken und hat in der Trunkenheit vor ein paar Tagen einen üblen Raufhandel in London Docks gehabt. Wäre nicht im letzten Augenblick einer der Patrouille gehenden Bobbies hinzugekommen, wäre der Junge mir totgeschlagen worden. Ich habe schon seit Monaten versucht, ihn von diesem schändlichen Laster der Trunksucht abzubringen, aber leider ohne Erfolg. Ich möchte ihn nur für einige Zeit in Ihre Anstalt bringen. Vielleicht, daß Sie eine Entziehungskur mit ihm machen können. Auf jeden Fall sollen Sie ihn einmal beobachten. Ich habe von Ihren Erfolgen schon so viel gehört, daß ich niemandem den Jungen lieber anvertrauen möchte."
„Ich will mich gern des Falles annehmen, Baronet. Wann soll der junge Mann kommen? Je eher, desto besser! Denn es ist anzunehmen, daß er in der Freiheit sofort wieder rückfällig werden wird."
„Wenn es Ihnen recht ist, schicke ich meinen Neffen in Begleitung mit meinem Auto. Es kann in etwa vier Stunden bei Ihnen sein. Werden Sie bis dahin ein Zimmer bereit haben können, Professor?"
„Selbstverständlich, Baronet."
„Sehr gut. Ich möchte Ihnen noch sagen, Professor, daß ich bezüglich des Preises von vornher- ein mit allem einverstanden bin. Der Junge ist mir ans Herz gewachsen, und ich bin tief betrübt ob seiner Unmäßigkeit. Er soll bei Ihnen nichts entbehren. Es wird mir verdammt schwer, ihn in eine Anstalt zu geben. Doch es scheint mir das letzte Mittel zu sein, ihn von feinem Laster zu heilen und für die menschliche Gesellschaft zu retten."
Fünf Stunden später fuhr ein elegantes, graues Tourenauto vor dem Privatsanatorium Gershwins vor. Ihm entstiegen zwei Diener in dunkelgrüner Livree, die in ihrer Mitte einen jungen Mann führten. Dieser junge Mann hatte anliegende schwarze Haare und eine Hornbrille, hinter der ein Paar, leere, glasige Augen starrten. Der junge Mensch ging taumelnd. Er mußte sich auf feine Begleiter stutzen und lallte unverständliche Worte vor sich hin.
„Wir sind angelangt", sagte der eine Diener zu dem Pförtner, der ihnen entgegentrat. „Melden Sie bitte den jungen Baronet of Chaminade."
Der betrunkene junge Mensch versuchte sich aufzurichten. „Melden Sie, ja, hm — melden Sie",
lallte er, „den Baron Chaminade. James", wandte er sich blöde lachend an einen der Diener, „k—komisch! Bin ich nun der Baron Chaminade ober bin ich's n—nicht?"
Plötzlich fing er an zu meinen.
„Oh, wäre ich doch nicht so ein L—lumpenkerl! Warum laßt ihr m—mich immer trinken? Ich b—b—efehle euch, d—daß ihr mich nicht mehr saufen laßt"
Er versuchte sich aufzurichten, vorwärtszugehen, aber er stieß mit dem Kopf gegen den Türpfosten. Wären die Diener nicht herzugesprungen, wäre er gefallen.
Der Portier drückte auf eine Klingel. Sofort kamen aus einem Zimmer zu ebener Erde zwei Krankenwärter.
Der Trunkene breitete die Arme aus.
„W—willkommen, meine Sieben", sagte er fjalb lachend, halb schluchzend, und wollte einen der Krankenwärter umarmen.
„Willkomen, willkommen, Mylord", sagte der Wärter und nahm ihn sanft bei den Armen' „Kommen Sie nun hier herein, bitte!"
Mit aller Mühe gelang es, den völlig Betrunkenen in das Sprechzimmer Professor Gershwins zu bringen, der bereits durch das Haustelephon von der Ankunft des Patienten benachrichtigt worden war. Er stand mit zwei Assistenten bereits im Zimmer. Mit einem Blick übersah er den Zustand des jungen Baronets.
„Ins Bett stecken, Beruhigungsmittel geben", sagte er halblaut zu dem Assistenten. „Rausch aus= schlafen lassen. Dann werden wir mit der Entziehungskur beginnen."
Laut aber sagte er, auf den jungen Mann zu- gehend:
,Herzlich willkommen, Baronet. Ich freue mich, daß Sie uns ein paar Tage besuchen wollen."
„Ich — ich freue mich auch, mein guter Junge", sagte lachend und torkelnd der junge Baronet. „Ein sch—schönes Zimmer haben Sie hier. Soll ich das b—bewohnen?"
Er sah sich mit einem Blick um. Seine Augen blieben auf dem Schreibtisch haften.
„Nein, das nicht", meinte der Professor lächelnd, „aber ein viel schöneres". Dann gab er den Krankenwärtern einen Wink. Er brauchte die Leute nicht. Dieser Junge war zwar betrunken, aber ungefährlich.
Die Krankenwärter verschwanden, und auch die Assistenzärzte entfernten sich.
„Kommen Sie, Baronet, ich bringe Sie selbst in Ihre Räume hinüber. Ich hoffe. Sie werden Ihnen gefallen."
„Das h—hoffe ich auch, mein guter, alter Junge." Der junge Baronet schlug den Professor freundschaftlich auf die Schulter. „Aber b—bitte — nach Ihnen/
Er zögerte an der Tür.
„Nein, bitte, ich bin hier zu Hause", W bt Professor, der als Irrenarzt niemals eint* । ken hinter sich aus dem Zimmer gehen IG , ,
„Aber i—ich bin gut erzogen, Herr ProM sagte plötzlich der junge Baronet mit einer »>■' rnännischen Verbeugung.
„Also bitte keine Geschichten!" Professor & shwin nahm jetzt seinen scharfen Ton zu M dem er gegen unbotmäßige und eigenR- Kranke vorzugehen pflegte. „Gehen Sie jetzt, $' ronet, sonst ..." _
Er griff nach dem Arm des Baronets, olr vo ' er ihn herausziehen. k
Da kam ein heiseres Gurgeln aus der »ehle" ' Betrunkenen. „W—was, Sie w—wollen miffl c fassen?" brüllte er. Seine Augen rollten wie in W' Wahnsinnsanfall. Ehe Professor Gershwin es - versah, hatte er einen furchtbaren Stoß por Brust bekommen. Rückwärts taumelte er OJ -■ Schon krachte die Tür hinter ihm zu. ®er • t wurde vorgeschoben, der Schlüssel zweim« Schloß gedreht. Professor Gershwin saß aus - Fußboden draußen vor der verschlosst""
chielt sich seine schmerzende Brust. unj.
Da drinnen ging ein wahnsinniges ©nj f <u t Johlen los. Der Betrunkene pfiff g"ll un . ( ein paar Gassenhauer. Dann schrie er ""v ' liche Worte. Dazwischen krachten W*el , Fußboden. Ein Tisch schien umgeworstn j den. Es klirrte. Das war wohl die Lampe. Professor Gershwin voll Entsetzen. Da schien die Hölle los! . |r<
Von dem Lärm herbeigerufen, erschien 1. .. der Asststenzärte aus einem der 3imme,L / 5? fassungslos auf feinen Chef, der noch auf den faß und die Hände vor die Brust h'c „Um Gottes willen, Herr Professor —■ dem Taumelndey auf —, „was ist denn fchehen?" jtt^ >
„Da drin ..." Gershwin wies mu , Hand auf dee verschlossene Tür. „Da orr Sie — der Baronet!" „iAt ur!i:':
Der Assistenzarzt konnte ein Lächeln n>°) drücken.
„Ach so, der Ungefährliche", sagte er.
Gershwin fuhr wütend herum: if ®r
„Reden Sie nicht! Sehen Sie lieber' z - ihn ruhig kriegen. Man muß ihn jjtri „Da müssen mir wohl die Tür auf jßärW Professor", meinte -einer der herberg" ,(fr siii' „Anders kommen wär nicht ran. Dre t • ja auch vergittert." __ beobacht'.
„Zwei Mann vor die Fenster gr6rfe u">< agte der Professor. ,F)ie anderen h brechen die Tür auf/ den W
Er selbst lief mit zitternden Knien durch
ridor ums Haus herun^. .
(Fortsetzung folgt!-


