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Eingehend und mit deutlicher Kritik erörtert der Bericht die Masseneinsprüche, die von den beiden separat! st iscken Organisationen Einheitsfront" undArbeitsgemeinschaft" gegen die Eintragungen in die Wählerliste erhoben wor­den sind. Außerdem wird erklärt, die Abstimmungs­kommission habe bei verschiedenen Gelegenheiten feststellen können, daß die örtlichen Behör­de n in ihrer Mehrzahl offenkundig Sym­pathien für die Deutsche Front hätten, daß ihre Arbeit in technischer Hinsicht aber nichts­destoweniger korrekt und gewissenhaft gewesen sei. Es müsse auch festgestellt werden, daß dort, wo mehrfache Eintragungen der­selben Personen vorgekommen seien, diese Personen selbst in vielen Fällen die Berichtigung der L i st e n verlangt hätten.

Hinsichtlich des Ganges des Abstimmungsfeld- zuges wird u. a. erwähnt, daß wiederholt der Wunsch an die Abstimmungskommission herange­bracht worden sei, das Recht zum öffent­lichen Auftreten in Waylversammlun- gen auf die Abstimmungsberechtigten zu beschränken. Die Abstlmmungskommission habe nicht geglaubt, diesem Wunsche entsprechen zu können, schon aus dem formalen Grunde, da nach den Bestimmungen der Abstimmungsordnung die Abstimmungsberechtigung jedes einzelnen erst am 17. Dezember endgültig feststehe. Auch habe die Kommission die Tatsache berücksichtigen wollen, daß eine derartige Beschränkung die Redefreiheit zahl­reicher Personen beeinträchtigen würde, die zwar nicht abstimmten, aber doch sehr wichtige Interessen an der Zukunft des Saargebietes hätten.

In einem Ergänzungsbericht wird die bereits be­kannte Aufstellung über die zahlenmäßige Be­deutung und die Art der Erledigung der Einsprüche gegen die Abstimmungslisten mitgeteilt. Es geht daraus insbesondere hervor, daß von den über 46000 Einsprüchen gegen die Eintragung von Stimmberechtigten nur 7200 begründet waren.

Wichtig für Saarabstimmungsberech­tigte, deren Eintragung in die Ab­stimmungslisten noch nicht feststeht.

Berlin, 16. Mod. (BJIB.) Der Bund der Saar vereine teilt mit:

Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweifen, daß die Rekurse gegen die Entscheidung eines Kreisbüros auf den amtlichen, von der Abstimmungskommiffion herausgegebenen weißen Formularen einzulegen find. Diese müssen au das sorgfältig st e ausgefüllt werden. Der Abstimmungsberechtigte läuft sonst Gefahr, daß der Rekurs wegen formeller Mängel ver­worfen wird. Wem ein solches Formular nicht zugegangen ist, wende sich an den Vertrauensmann, die Ortsgruppe oder die Geschäftsstelle des Bundes der Saarvereine, Berlin SW 11, Slrefemannstr. 42. Die genannten Stellen sind auch bei der Ausfüllung der Formulare behilfich.

Eröffnung des britischen Parlaments.

Oie Preisüberwachung wird zentralisiert.

Eine Anordnung des Reichskommiffars Or. Gördeler.

Berlin, 20. Nov. (DNB.) Der Reickskommissar für Preisüberwachung hat bestimmt, daß Preise, Preisspannen oder Zuschläge aller Art in Zukunft iur noch durch den Reichskomm i s sar für Preisüberwachung festgesetzt werden. Allen anderen Stellen wird jegliche Preisfestsetzung verboten. Soweit Preise nur begrenzte räumliche Auswirkun­gen haben, kann die Festsetzung im Einver­ständnis mit dem Reichskommissar auch durch die obersten Landesbehörden erfolgen. Die Befua- nisse zur Schließung von Betrieben steht auch den Regierungspräsidenten zu. Künftig sind auch Ordnungsstrafen gegen Unternehmungen, in deren Geschäftsbetrieb eine Zuwiderhandlung be­gangen worden ist oder gegen die schuldigen Per­sonen bis zu 1000 RM. für jeden Fall der Zu­widerhandlung vorgesehen. Die Preisüberwachungs­behörden find vom Reichskommissar gebeten wor­den, bei der Preisüberwachung mit den Gau- und Kreisleitern der NSDAP. Füh­lung zu halten. An die Gau- und Kreisleiter hat der Reichskommissar die Bitte gerichtet, b e - stimmte Amtsleiter zu bezeichnen, deren Aufgabe es ist, die bei den Gau- und Kreisleitun­gen etwa eingehenden Beschwerden zu sammeln und nach Sichtung der nächsten zuständigen Heber* wachungsbehörde der allgemeinen Landesverwal- tung zuzuleiten. Der Reichskommissar für Preis­überwachung hat die zuständigen Stellen angewie­sen, dafür Sorge zu tragen, daß irgendwelche

Einzelaktionen auf dem Gebiete der Brei«, festsetzung nicht mehr stattfinden.

Anmeldepflicht von Preisbindungen.

Berlin, 20. Nov. (DNB.) Um eine Nach, Prüfung darüber zu ermöglichen, ob Preisbindungen aller Art mit dem Wohle des Volksganzen in. Uebereinftimmung stehen, wird verordnet: All« Festsetzungen, Verabredungen oder Empfehlungen von Preisen, Mindestver- arbeitungsspannen, Mindesthandelsspannen, Höchst- Nachlässen oder Mindestzuschlägen im inländischen Geschäftsverkehr für lebenswichtigeGegen- stände des täglichen Bedarfs oder lebens»] wichtige Lei st ungen zur Befriedigung des täg­lichen Bedarfs, die a) seit dem 1. Juni 1933 neu vor genommen oder b) seit dem 1. Juni 1933 zum Nachteile des Abnehmers verändert wor­den sind, müssen bis zum 15. Dezember 1934 b ei dem Reichskommissar für Preisüber­wachung, Berlin W 9, Voß-Straße 8, a n g e, meldet werden. Ausgenommen find lediglich Fälle, in denen frühere Preisbindungen unverändert verlängert worden sind. Preisbindungen aller Art, die a) auf Grund des Gesetzes über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes und der dazu ergangenen Verordnungen getroffen wor­den sind, b) der Regelung des Reichskultur- kam m e r g e s e tz e s unterliegen, werden von dem Reichsnährstand und von der Reichskulturkammer unmittelbar dem Reichskommissar für Preis­überwachung angezeigt.

Oie Verstärkung der Rüstungen Englands.

London, 20. Nov. (DNB.) Der Beginn der neuen Pprlamentstagung am Dienstagabend stand im Zeichen dichten Nebels. Sogar die Pro­zession des Königs und der Königin vom Bucking­ham-Palace nach dem Oberhaus zur Verlesung der Thronrede mußte abgesagt werden. Statt dessen fuhr das Königspaar zum ersten Mal in einer Limousine zum Parlamentsgebäude, und zwar auf Befehl des Königs recht langsam, damit die große Menschenmenge, die seit Stunden auf der Straße auf die Goldene Staatskarosse und Leibgardebedeckung gewartet hatte, nicht allzu sehr enttäuscht wurde.

Nach der Verlesung der Thronrede durch den Kö­nig begann die Ausspracke über die Antwortadresse. Im Unterhaus benutzte der Führer der Opposition Lansbury die Gelegenheit, um dem schärfsten Gegner der Regierung in der Frage der indi­schen Verfassungsreform, Churchill, rund­weg zu erklären, daß die Arbeiterpartei zwar ver­suchen werde, die Regierungsvorlage im Sinne der Opposition abzuändern, daß sie aber nichts tun werde, umauch nur den geringsten Fortschritt Indiens auf dem Wege zur Selbstregierung zu hemmen." Lansbury bedauerte die erhöhten Rüstungsausgaben Englands und betonte, daß der nächste Krieg das Ende der Zivilisation bedeuten würde. Es wird über Pakte gegen eine große Nation, gegen Deutschland, geredet. Man hat diese Nation bereits in den Staub gestoßen und sie zerschmettert, wie keine andere moderne Macht je zerschmettert worden ist. Für die gegenwärtige Lage sind die Friedensver­träge in hohem Maße verantwortlich. Man muß sich fragen, ob es nicht an der Zeit sei, einen Plan auszuarbeiten, der es den Staatsmännern der Welt ermöglicht, aus dem gegenwärtigen Wirrwarr einen vernünftigen Ausweg zu finden, statt daß Deutschland und Frankreich gegeneinander rüsten und Großbritannien wer weiß gegen wen fein Kriegsmaterial verstärkt.

Ministerpräsident Macdonald gab zu, daß die gegenwärtige politische Lage unsicher geworden sei. Trotzdem werde die englische Regierung ihren Einfluß dahin geltend machen, daß die Schwierigkeiten a u f friedlichem Wege gelöst werden.Die Lage der Abrüstungskonferenz ist nicht allzu hoffnungs­voll. Wir sind entschlossen, noch etwas wesentliches aus den Beratungen herauszuschlagen. Inzwischen müssen wir uns mit der Verteidigung un­seres Reiches befassen.Wir haben der Welt bewiesen, daß unsere Rüstungen keinen angriffs­

mäßigen Charakter tragen. Wenn sie o er ft ar ft werden müssen, so geschieht dies nur, weil die Be­dürfnisse der Nation diese Rüstungen erforderlich machen.

Churchill hat einen Abänderungsantrag zur Antwortadresse eingebracht, der besagt, daß die Stärke der nationalen Verteidigungskräfte, insbe­sondere in der Luft nicht ausreichen, um den Frieden, die Sicherheit und die Freiheit der briti­schen Untertanen zu gewährleisten

Englands Grenze liegt am Mein."

Der holländische Gesandte bei Baldwin.

Haag, 20. Nov. (DNB.) In der Zweiten Kam­mer erklärte Außenminister de Graeff, der nie­derländische Gesandte in London habe sich bei einem zufälligen Zusammentreffen mit Baldwin von diesem eine Auslegung der aufsehenerregenden Erklärung über dieHinausschiebung der englischen Grenze bis zum Rhein" geben lassen. Baldwin habe dargelegt, daß er nichts anderes zum Ausdruck habe bringen wollen, als daß weg en der Über­schnellen Entwicklung des Luftver­kehrs Warnungen vor einem bevorstehenden Luft­angriff auf das englische Jnselreich bereits dann ergehen müßten, wenn die Flugzeuge am Rhein signalisiert würden, und nicht erst dann, wenn sie bereits bis zur englischen Grenze gelangt seien. Er habe jedoch keineswegs damit sagen wol­len, daß mit Holland oder mit einem anderen Lande eine enge Zusammenarbeit zwecks Anlegung englischer Militärflugplätze außerhalb des englischen Gebiets stattfinden müsse.

Außenminister de Graeff betonte, daß er dieser Auslegung nichts hinzuzufügen habe. Dennoch wolle er im Hinblick auf dieebenso unsinnigen wie hart­näckigen Gerüchte" über militärische Vereinbarun­gen zwischen Holland und anderen Ländern noch­mals nachdrücklich feststellen, daß Holland nie­mals seine traditionelleUnabhängig- keitspolitik preisgeben werde, und daß, es einen Trugschluß bedeute, wenn man annehmen wollte, daß über holländisches Gebiet zum Zwecke der Verteidigung eines anderen Staates verfügt werden könnte. Holland wünsche nicht, in das Fahrwasserirgendeineseuropäischen Staates ober einer bestimmten Staatengruppe zu geraten.

Oesterreich fordert Gleichberechtigung.

Eine kurze Gihung des Präsidiums der Abrüstungskonferenz.

Genf, 20. Nov. (DNB.) Das Präsidium der Abrüstungskonferenz ist unter dem Vorsitz Hendersons unter Ausschluß der Öf­fentlichkeit zu seiner Tagung zusammengetreten. Henderson begann mit einem kurzen Nachruf für König Alexander, Barthou und Dollfuß. Dann erinnerte Henderson an seine Vorschläge vom 5. November. Falls das Präsidium feinen Vorschlägen zustimme, werde er sich mit den Vorsitzenden der Ausschüsse für Waffenhandel, für Offenlegung der Wehrhaushalte und für allgemeine Bestimmungen in Verbindung setzen, um den Zeitpunkt festzulegen, zu dem ihre Arbeiten wieder aufgenommen werden können. Er werde ihnen dafür Mitte Januar vorschlagen. Das Präsidium werde sich später mit den Berichten dieser Ausschüsse zu befassen haben, um ein endgültiges Abkommen auszuarbeiten, das dann dem Hauptausschuß unterbreitet werden müsse.

Der amerikanische Vertreter Wilson kündigte die Vorlage eines Entwurfes zur Regelung des Waffenhandels und der Waffenherftellung an.

Es soll ein autonomer Sondervertrag über Waffenherstellung und Waffenhandel abgeschlossen werden, ohne Rücksicht auf ein später abzuschließen­des allgemeines Abkommen. Der amerikanische Ent­wurf sieht ein System der Kontrolle für die Waffenherstellung und den Waffenhandel i n d e n betreffenden Ländern selb st vor, ver­stärkt durch eine zweite Kontrolle, die von Genf selb st ausgeübt wird. Hierfür soll der zu bildende ständige Abrüstungsausschuß zuständig sein. Ein Unterschied zwischen staatlicher und privater Waffenherstellung wird nicht gemacht. Schließlich sehen die amerikanischen Vorschläge noch die Veröffentlichung aller Wehrhaus- halte vor. Die Arbeit der ständigen Abrüstungs- kommission soll sich nicht nur auf die Kontrolle der Waffenherstellung und des Waffenhandels be­schränken. Er würde die Aufgabe haben, alle Aus­künfte, die er erhalte, zu sammeln, zu prüfen und zu veröffentlichen und, soweit möglich, auch Fragen an die Regierungen zu stellen.

Der Vertreter Oesterreichs, Baron Pflügt, er­klärte, keinem Abrüstungsabkommen zusllmmen zu können, ehe nicht auch Oesterreich die Gleich­berechtigung wenigstens hinsichtlich der Ver­teidigungswaffen erhalten habe.

Das Scheitern der Konferenz würde eine Gefahr für den Frieden bedeuten. Dieser Lage müsse Oe st erreich Rechnung tragen. Oesterreich befinde sich gegenwärtig jeder Sicherheit be­raubt gegenüber von Rüstungen, die sich noch vermehrten. Oesterreich müsse seine Unabhängigkeit verteidigen. Kein anderer Staat habe ihm bisher noch gezeigt, wie man in dieser Lage stark bleiben könne, ohne geeignete Mittel und ohne Gleich­berechtigung hinsichtlich der Verteidigungs­kräfte.

Der britische Lordsiegelbewahrer Eden billigte die Vorschläge Hendersons und auch die angekündig­ten amerikanischen Vorschläge. Der italienische Delegierte Marchese di Soragna erinnerte daran, daß die italienische Delegation sich am 8. Juni der Stimme enthalten habe. Seitdem habe sich nichts ereignet, das Veranlassung biete, diese Haltung Italiens zu ändern. Er lege Wert barauf, die Entschlußfreiheit seiner Regie­rung im Hinblick auf die vorgeschlagenen Teilab­kommen vorzubehalten. Den Nutzen einer ständigen Abrüstungskommission könne er nicht einsehen. Der Vertreter Frankreichs M a s s i g l i erklärte, daß die drei Fragen zusammengehören, auf deren Lö­sung die französische Delegation immer bestanden habe. Er stimme daher den Vorschlägen des Präsi- deuten zu. Litwinow erklärte, die Freund­schaft zwischen Sowjetrußland und Frankreich sei ein Grundstein des Weltfriedens. Rußland könne den Vorschlägen der Amerikaner ohne weiteres zuftim- men, da feine Waffenherstellung öffentlich und ge­regelt sei. Könne man aber ohne Universalität auf diesem Weae bleiben? Er habe deshalb vorgeschla- gen, einen Organismus zu schaffen, der sich nicht nur mit Abrüstung befasse, sondern auch mit der S i * ch e r h e i t. Die Gründung einer ständigen Abrü- stungskonferenz und die eines Organismus für Si­

cherheit und Frieden dürfe nicht getrennt von ein­ander behandelt werden.

Das Präsidium beschloß, denAusschuß für ver­schiedene Bestimmungen" sowohl mit der Frage der Errichtung eines ständigen Abrüstungsausschusses entsprechend dem Vorschlag Hendersons, wie auch mit dem Vorschläge Litwinows zu befassen. Gleich­zeitig wurden alle übrigen Vorschläge Hendersons angenommen. Die Tagung des Präsidiums der Abrüstungskonferenz hat damit bereits ihr Ende gefunden.

OreieinhalbMittiarden Francs für die Modernisierung der französischen Luftflotte.

Paris, 22. Nov. (DNB.) Luftfahrtminister Ge­neral D 6 n a i n teilte dem Luftfahrtausschuß der Kammer mit, daß er von den ihm für den Wieder­aufbau des französischen Flugwesens zur Verfügung gestellten 980 Millionen Francs bisher 5 0 0 Millionen ausgegeben habe. Für die rest­lose Modernisierung der Luftflotte seien dreieinhalb Milliarden Francs not­wendig, abgesehen von den laufenden Haushalts­ausgaben. Verhandlungen seien zwischen England, den Vereinigten Staaten und Frankreich wegen ver­schiedener Ozeanin-seln im Gange, auf denen man Stützpunkte für den Transozeanver­kehr errichten wolle.

DerPetit partfien schreibt: D6nain habe mit Nachdruck die phanta st ischen Gerüchte über die angebliche deutsche 2111- litärluf tf ahrt dementiert. Er habe erklärt, daß Deutschland vor 1934 überhaupt über keine Militär­luftfahrt verfügt habe. Die Uebernahme des Luftfahrtmlnisteriums durch General Gö­ring habe der deutschen Luftfahrt zwar neuen Auftrieb gegeben, aber es sei übertrie­ben, zu behaupten, Deutschland verfüge über Tausende und Abertausende von Flugzeugen.

General Dsnain versicherte sodann, daß er die französische Luftfahrt in sehr kurzer Zeit technisch auf die gleiche Höhe bringen werde wie die deutsche, wenn man ihm di e notwendigen Kredite gewährte. Der Ausschuß bewilligte dann für die Modernisierung der französischen Mili­tärluftfahrt 3,5 Milliarden Franken auf drei Jahre verteilt. Dazu kommen die jährlichen Haushaltsausgaben für das Luftfahrt- minifterium in Höhe von 2,5 Milliarden Franken. Der Ausschuß hat beschlossen, die für den laufenden Haushalt nicht verbrauchten Mittel in Höhe von etwa 450 Millionen Franken auf den kommen­den Haushalt zu Überschreiben.

Oer Ehaco-Konflikt vor dem Völkerbund.

Paraguay lehnt den neuen Vermittlungs- Vorschlag ab.

Genf, 20. Nov. (DNB.) Die außerordentliche Völkerbundsversammlung, die zur weiteren Behand­lung des Chaco-Konfliktes einberufen wurde, ist Dienstag nachmittag unter starkem An­drang von Publikum und Presse im Gebäude des Völkerbundssekretariats zusammengetreten. Der vorläufige Präsident, der tschechoslowakische Außen­minister Dr. B e n e s ch, widmete den beiden Opfern )es Marseiller Attentats einen Nachruf. Der süd- lawische Außenminister Jeftitsch sprach wenige Worte des Dankes. Der französische Außenminister Laval rühmte König Alexander als Soldat und gleichzeitig als Friedensfürsten. Er werde sich be­mühen, Dem Beispiele Barthous zu folgen, sein Merk fortzusetzen und die Zusammenarbeit mit allen hier versammelten Staaten weiterzuführen. Die drei Gedächtnisreden enthielten keinerlei politische An- pielungen.

Zum C h a c o - K o n f l i k t stellte Benesch dann est, daß alle bisherigen Schlichtungsbemühungen gescheitert seien, und daß die Versammlung mit der Annahme der vorgesehenen Empfehlungen den beiden Parteien die Möglichkeit gebe, wieder a u f d e n R e ch tsboden desVölkerbunds- Paktes zurückzukehren. Zur Herstellung einer günstigen Atmosphäre sei die E i n st e l l u n g der Feindseligkeiten und die Schaffung einer kontrollierten neutralen Zone unbe­dingt notwendig.

Der Präsident von Paraguay erklärte dem Havas-Dertreter in Asuncion, die Vorschläge des Chaco-Ausschusses beruhten auf falschen Voraussetzungen. Es sei unmöglich, die Truppen um 50 Kilometer zurückzuziehen, denn sie müßten da stehen bleiben, wo Möglichkeiten ür ihre Versorgung mit Lebensmit- te In und besonders mit Wasser beständen. Pa­raguay habe deshalb auch die Forderungen des

Völkerbundes abgelehnt und seinem Vertreter in Genf entsprechende Anweisungen gegeben.

Eüdslawienö Aktion in Genf.

Genf, 21.Nov. (DNB.) Wie verlautet, ist bei den Besprechungen zwischen der Kleinen En« tente und Laval vereinbart worden, die süd­slawische Denkschrift zum Marseiller Mord am Donnerstag dem Völkerbund zu überreichen. Südslawien wird beantragen, di« Frage derpolitischen Veranwortlichkeiten" Des An­schlages auf d i e Tagesordnung einer der nächsten Tagungen des Völker­bundsrates zu fetzen. Diesem Anträge muß nach der Völkerbundssatzung ohne weiteres, ins­besondere ohne vorherige Aussprache, stattgegeben werden. Eine Erörterung der ganzen Angelegenheit ist daher erstfürIanuar nächsten Jahres zu erwarten. Der Wortlaui der südslawischen Denkschrift soll in einigen Tagen veröffentlicht werden.

Ein Marsch auf Washington?

Der Plan eines Militärputsches zur Errichtung einer Diktatur in USA. Neuyork, 21. Nov. (DNB.) Die Ev erring Post hat Berichte über einen angeblichen Putsch» p l a n veröffentlicht. Es handelt sich um einen Mi­litärputsch, der zur E r i ch t u n g einer Dikta­tur inWashmgton führen sollte. Danach soll der Mitinhaber einer bekannten Neuyorker Makler­firma Gerald MacGuire im Austrage einiger reicher Bankiers an den früheren Oberbefehlshaber des Marinekorps General Butler herangetreter fern, um ihn zur Hebernahme der Leitung des Putfches zu veranlassen. Butler sollte nach bent Plan mit einem Heer von Kriegsvete­ranen nach Washington marschiere^ die Regierung zum Rücktritt zwingen und eine faschistische Militärdiktatur errichten

General Butler hat, da er die Pläne ablebnte sofort die Behörden v e r st ä n d i g t. Die Unter-' suchungskommission des Senats hat sich bereits mit der Angelegenheit beschäftigt. General Butler hat erklärt, daß man ihm drei Millionen Dos- lar versprochen habe, falls er den Marsch auf Washington durchführen würde. Der Vorsitzende : Dickstein kündigte an, daß in den weiteren Ver­handlungen noch bekanntere Namen als der Butlm im Zusammenhang mit dem Putsch genannt roeröm würden. Gerald MacGuire be ft reitet energisch, an Butler mit dem genannten Vorschlag herange- treten zu sein.

Mißbrauch des Afylrechts.

Schweizer Blätter gegeu Erika MannS Züricher Kabarett.

Bern, 20.Nov. DasBerner Tageblatt" be- schästigte sich mit Züricher Kundgebungen gegen Erika Manns KabarettPfeffer­mühle" und mit der Aufführung des Tendenz- stückesProfessor Mannheim" im Zü­richer Schauspielhaus und sagt: Die Pfeffermühle" ist ein ausgesprochenes Emigran­tentheater von künstlerischer Bedeutung, das aber die künstlerischen Qualitäten seiner Mitglieder mißbraucht, um Zustände im Lande ihrer Herkunft auf das gehässigste z u per­siflieren. Darin sieht der objektiv empfindende Schweizer einen Mißbrauch des Asylrech- t e 5 und neigt der Auffassung zu, daß er sich nicht als geistige Nahrung zu bieten lassen braucht, was das Nachbarland aus irgendwelcher Heberlegung über die Grenze spuckt. Ein Züricher Schaulspiel- theater hat sich feit dem Hmschwung in Deutsch­land zu einem besonderen Tendenztheater ausgebildet und bringt am laufenden Band Stücke, die der Hetze gegen unseren nördliche» Nachbar st aat bienen. Gegen alle biese in' ferem ßanbe zuminbesten unangebrachte auslir dische Miesmacherei hat sich keine einzige BelM gewanbt. Auslänbischen Schauspielern wirb weitestgehender Weise Betätigungsmöglichkeit ge- boten, berweil unsere schweizerischen Künstler stein- peln müssen. Unb je gepfefferter ihre Darbietungen sind, um so größere Scharen laufen ihnen zu. Auch die Kunst kann zur politischen Dirne erniedrigt werden. Im übrigen möchten wir solche ausländische Kunst dorthin verwiesen sehen, wo sie einzig an­gebracht ist, ins hemmungslose Reich der Respekt­losigkeit Sowjetrußlands.

Die Neue Basler Zeitung schreibt: Man begreife ohne weiteres, daß die nationalge- sinnte Jugend gegen die in ein künstlerisches Gewand gekleidete und von unseren Behörden ge» duldete Hetze der Emigranten gegen ihr einstiges Vaterland demonstrierte. Das Kabarett treibe immer unoerhüllter politische Agitation gegen das nationalsozialistische Deutschland und gebe den Haßgefühlen der deutschen Emigranten immer hemmungsloser im schweizerischen Gastland Ausdruck. Es wäre nunmehr an der Zeit, daß D Bundesbehörden der agitatorischen Tätigkeit D6w