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Nr. 68 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, A. März

Das Wunderwerk im märkischen Sand.

Sinnbild deutschen Schaffensgeistes. Ein Gespräch mit den Erbauern des Schiffshebewerkes Niederfinow.

Von Ernst Wesner.

Zwischen dem Großen Hauptquartier der Arbeit am Schiffshebewerk in Niederfinow und der Baustelle flitzen die Wagen hin und her. Von Eberswalde aus wurden die ersten Anord­nungen für den Bau dieser Riesenmaschine getrof- en, von hier aus ergehen auch die letzten Befehle. Bis nach Niederfinow ist es für den Kraftwagen nur ein kurzer Weg; so konnte dieser eisenbahntech­nisch ungemein günstige Platz zur Mitarbeit heran­gezogen werden, um das Bauwerk im Odertal fertigzustellen. Denn was sich sonst an Bahngleisen und anderen Zufahrtswegen in der märkischen Heide fand, war doch abgesehen vom Hohenzollern- kanal diesen Anforderungen nicht gewachsen, die gestellt werden mußten, um mit fast 20 0 00 Tonnen Stahl ein ganzes Bauwerk von Ma­terialien hierher zu befördern. Alle Bahnhöfe der Umgegend mußten als Ladeplätze herangezogen werden.

Wir treten hinter dem Werk zurück."

Dies Schiffshebewerk, das vom 21. März ab in den Dienst der Schiffahrt eingestellt wird, hat über­all mehr Kräfte erfordert, als eine Einheit her­geben konnte. Nicht eine Derkehrsstrecke reichte aus, es mußten viele davon herangezogen werden. Nicht eine Baufirma allein konnte die Bauarbeit bewältigen, es mußten viele Werke, über ganz Deutschland verteilt, eingesetzt werden, um diesen Bau durchzuführen. Und nicht ein einziger Mann allein kann sich rühmen,der" Erbauer des Schiffsfahrstuhls von Niederfinow zu fein in gemeinsamer Zusammenarbeit erstanden die Pläne, gemeinsam wurden sie durchgeführt. Einer war alsErster unter Gleichen" an die Spitze ge­stellt, und den suchen wir auf, um von ihm zu hören, was geleistet worden ist, und was das fertige Werk für Deutschlands Wirtschaft bedeuten wird.

Vor allem eins: Wir alle, die wir in Nieder­finow durch Jahre tätig gewesen sind, treten hinter dem Werk zurück. Keiner unter uns könnte von sich sagen, er hätte das Schiffshebewerk erbaut, jeder von uns gab fein Bestes, und nur so konnte es gelingen, diese Mammutmaschine betriebsfähig in den märkischen Sand zu stellen. Unsere Aufgabe ist gelungen, wie die Probehebungen gezeigt haben. Nun scheiden wir von Niederfinow, treten wieder - ein in die Front der Namenlosen, die im Dienste Deutschlands gewirkt haben und weiterzuwirken ^be­reit sind. Darauf will ich hinaus, wenn ich Sie bitte, uns als Gesamtheit zu befragen. Wir können den jüngsten Handlanger, der Erde karrt, zu unserem Gespräch hinzuziehen er hat zu seinem Teil genau soviel geleistet wie wir, die wir dem Reichsoerkehrsministerium gegenüber die Verantwortung zu tragen haben."

Kahrstuhl für Schiffe.

Es ist doch ungewöhnlich, daß für eine so bedeu­tungsvolle Aufgabe, die in der ganzen Welt Auf­sehen erregt hat und die vielen fremdländischen Besucher da unten am Werk beweisen es immer noch Interesse erheischt, kein einzelner heroortritt, um den verdienten Dank des deutschen Volkes hin­zunehmen. Wie hat sich diese Eigenart ergeben?"

Die Aufgabe selbst schrieb uns das vor. Denn der Gedanke, einen Fahrstuhl zu errichten, um mit ihm Schiffe über bedeutende Höhen­unterschiede Hinwegzubringen, ist in der Vergangenheit bereits schon öfters überlegt und in gewissen Ausmaßen auch verwirklicht worden. Ganz falsch wäre es, von uns so zu sprechen, als hätten wir die Art der Schiffshebung als etwas Neues entdeckt. Sie müssen sich einmal um die Ge­schichte der Binnenschiffahrt kümmern; sie ist wahr­scheinlich noch viel interessanter als die Geschichte unseres Hebewerkes in Niederfinow."

Wollen Sie uns blutigen Laien nicht aus der historischen Entwicklung heraus die Grundgedanken des neuen Werkes entwickeln? Vielleicht ist das die beste Lösung, um die besonderen Aufgaben von Niederfinow ganz zu verstehen. Dem Techniker wird es leicht sein, die hier durch eine Vielfalt von Erfindungen und Verbesserungen zur reibungs­losen Betätigung gebrachten Prinzipien zu erfassen die Mehrzahl unter uns weiß jedoch meist nicht mehr von den besonderen physikalischen Vorbedin­gungen, als daß das Wasser durchaus keine Nei­gung bezeigt, bergauf zu fließen."

Schon Karl der Große . . .

Da müssen wir in Deutschland gleich bis zu Karl dem Großen zurückgehen. Dem- erschien es sinnlos, daß zwischen Rhein und Donau keine unmittelbare Verbindung bestände. Deswegen ließ er die schmälste Landbrücke zwischen den beiden Strömen aufsuchen, und dort wurde mit der Ausschachtung des Kanals begonnen. Der Winter unterbrach die Arbeiten; im nächsten Frühjahr hatte aber der Kaiser wohl seinen Kanal vergessen, und es wurde niemals mehr daran gearbeitet. Bei Treuchtlingen ist der Graben von 2000 Schritt noch heute einiger­maßen deutlich zu erkennen. Diefossa Carolinen- sis gilt uns als erster deutscher Versuch eines Kanalbaues. Karl der Große sollte heilfroh sein, daß er nie die Vollendung des Plans erlebt hat. Er wäre höchst unzufrieden gewesen, denn kein Mensch hatte damals bedacht, daß die Flußlaufe in verschiedener Höhe liegen. Vorrich­tungen zum Ausgleich kannte man noch nicht; der Schiffahrt wäre also gar nicht geholfen worden. Erft spätere Generationen haben die Schleuse erfunden, und auch der Entwicklungsgang dieses Hilfsgeräts ist so ungemein interessant und viel­seitig, daß wir viel davon erzählen müßten. Lassen Sie uns nur das Wichtigste streifen: Von der Stau- schleufe, die das Wasser eines seichten Flusses staut und in dem Augenblick freigibt, da ein Schiff den wasserarmen Abschnitt zu durchfahren hat, bis zur Kammerschleuse, die theoretisch in der Lage ist, jeden Höhenunterschied zwischen zwei verschiedenen Wasserständen auszugleichen, führten die Erkennt­nisse vieler Jahrhunderte, noch mehr Generationen. Schleusentreppen gaben ebenso wie Schiffseisen- bahnen bei der Bewältigung verhältnismäßig ge­ringer Höhenunterschiede geeignete Hilfsmittel ab. Doch eine Differenz der Wasserspiegel von 36 Meier zu beheben, wie das hier am

Hohenzollernkanal nötig ist, erfordert ganz beson­dere Ueberlegungen."

Aber der Hohenzollernkanal besteht doch schon seit 1914 und ist solange sehr gut befahrbar ge­wesen!"

Das Verkehrsproblem.

Richtig. Als man diesen Großschiffahrtsweg er­baute, stand man vor der gleichen Aufgabe wie wir, als wir mit dem Bau begannen. Damals ent­schloß man sich, diesen Höhenunterschied dadurch zu überbrücken, daß man hier bei Niederfinow vier Kammerschleusen modernster Bauart hintereinander errichtete. Jede hebt oder senkt das Schiff um neun Meter, in gut zwei Stunden ist die Arbeit getan. Aber diese Schleuseneinrichtung erwies sich nicht dem heutigen Verkehr gegenüber gewachsen. Fragen Sie irgend einen Schisser, der den Hohenzollern­kanal öfter befährt. Er wird gräßlich fluchen, wenn er Ihnen davon berichtet, daß er schon zwei oder drei, ja noch mehr Tage bei Niederfinow gelegen hat, ehe er durchgeschleust wurde.

Eine parallele Schleusenanlage hätte also nur die Aufenthaltsdauer unwesentlich gekürzt, wäre überdies unglaublich teuer geworden, weil der Bau­grund hier besonders schlecht ist. Allein die Aus­gaben für die Sicherung des Untergrundes hätten Kosten verursacht, die von den Kanalbenutzern nie wieder hereingebracht werden könnten.

Es galt also, eine Vorrichtung zu finden, die in kürzester Frist ein Schiff um 36 Meter hob oder senkte und die dazu nur einen verhält­nismäßig geringen Raum einnahm, damit die Kosten für die Sicherung des Baugrundes erträg­lich blieben. So kamen wir bei den Vorarbeiten, die sich von 1918 bis 1926 hinzogen, zu der Er­kenntnis, daß ein Fahrstuhl von allerdings riesen­haften Ausmaßen das rechte Mittel wäre, um schnell zum Ziele zu gelangen. Daß wir bei der Verwirklichung der Absicht zum größten Schiffs­hebewerk gelangten, das die Welt kennt, ist ganz zufällig gekommen; die Aufgabe erforderte von uns etwas Großes und Neues, und daher schufen wir es."

Das klingt wieder so selbstverständlich, daß wir beinahe allen Respekt vor Ihrer Leistung verlieren.

So mit dem Plänemachen und Ausführen wird es doch nicht abgegangen fein?"

Die größte Maschine der Wett.

Nein, aber die Sorgen und Nöte, die uns durch viele Jahre beschäftigten, haben wir gründlich ver­gessen durch die Freude am täglich fortschreitenden Werk. Es wurde auf ideale Weise zusammen- gearbeitet. In den ersten Jahren nach der Er­öffnung des Großschiffahrtsweges war zunächst die deutsche Industrie dabei, eine neue Lösung zur Be­wältigung der Höhenunterschiede zu finden. Es sind dabei Konstruktionen erdacht worden, die vielleicht in der Zukunft noch «tnmal bei anderen Gelegen­heiten Aufsehen erregen und die Bewunderung der ganzen Welt Hervorrufen werden. Ihre Ausführung scheiterte an den verhältnismäßig knappen Mitteln, die Deutschland dafür bereitstellen konnte. So unter­nahm das Reichsverkehrsministerium von sich aus den Versuch, den rechten Plan für das Hebewerk zu finden. Es gelang, und von 1926 bis heute haben wir an feiner Verwirklichung gearbeitet. Sie sehen nicht nur einen Riesenbau, der mit ins­gesamt 65 Meter Höhe die Oderniederung beherrscht, Sie werden hier auch mit der größ - ten Maschine der Welt bekannt.

Uni) daraus will ich hinaus, um Ihnen etwas von den Schwierigkeiten zu erzählen, die wir zu überwinden hatten. Es galt ja nicht nur, ein gigantisches Bauwerk zu errichten das haben andere Leute schon viel besser besorgt. Wir mußten vielmehr eine Maschine ersinnen, die in der Lage ist, eine Gesamtlast von 2400 Tonnen völlig gefahrlos und erschütterungsfrei zu heben und zu senken. Ein 1000-Tonnen-Kahn mußte im wassergefüllten Trog in die Höhe fahren oder in die Tiefe gesenkt werden und zwar in einem Ge­rüst, das trotz ungewöhnlicher Ausmaße so genau zu arbeiten hatte, daß jede Millimeter-Differenz sofort ausgeglichen wurde. Soviel haben Sie doch aus der Physik behalten, daß Wärme das Eisen ausdehnt, Kälte es zusammenzieht. Bei dieser Stahl­menge, die hier verarbeitet worden ist, gibt das schon erhebliche Abweichungen, die sorgfältig er­rechnet werden mußten. Sie wissen von der Ge­walt des Windes, der so große Bauwerke ganz gehörig beutelt und schüttelt auch diese Schwankungen mußten ausgeglichen werden. Wir hatten um ein weiteres Beispiel zu nennen bei der Konstruktion zu errechnen, daß sich das Bauwerk trotz der vorzüglichen Gründung auf Beton in dem Augenblick um genau 17 Milli­meter senken würde, da der Wassertrog mit der Last eingehängt würde auch diese Abweichung mußte ausgeglichen werden. 17 Millimeter? Das klingt lächerlich, wenn man vor dem himmelhohen

Schweres SprengstofflinM in Südslawien.

Einsturz einer Felswand. 60 Arbeiter verschüttet. Bisher 4 Tote und 18 Verletzte geborgen.

B e I g r a b, 20. März. (DBB.) wie diepraroba meldet, hat sich am Dienstag in einem Steinbruch bei Prischtina ein furchtbares Spreng ff off- Unglück zugetragen. Eine ungeheure Felswand ist, dem Blatt zufolge, bei den Sprengarbeiten infolge einer Fehlzündung in Trümmer gegangen und hat etwa 60 Arbeiter verschüttet, von denen bis jetzt nur sechs mit schwerenknochen- b r ü ch e n geborgen werden konnten. Bei den übri­gen müsse man jede Hoffnung auf Rettung aufgeben, da die Massen der Felsblöcke so hoch über den ver­schütteten lägen, daß für ihre Beseitigung mehrere Tage erforderlich seien. 3n Prischtina, wo die mei­sten Arbeiter ihre Familien haben, herrsche Panik. Die Frauen und Kinder der Verschütteten seien an die Unfallstelle geeilt, wo sich herzzerreißende Szenen abspielten.

Die Ursache des Unglücks, so meldet das Blatt weiter, sei noch nicht genau festgestellt. Es werde aber darauf hingewiesen, daß in dem Steinbruch zu wenig Fachleute gearbeitet hätten. Der leitende In­genieur sei auf Urlaub gewesen und habe sich

Aus aller Wett.

Sechzehn Wintersportlerinnen zugleich abgestürzt... und unverletzt geblieben

Von den nördlich der Brecherspitze bei Schliersee gelegenen Ankl-Almen aus wurde/ wie dieMNN." berichten, ein aufregender Vorfall beobach­tet. 16 Touristinnen, die eine Fußtour auf den Brecherspitzgipfel unternahmen, marschierten im tiefen Schnee auf dem Brecherspitzgrat zum Ankl- sattel, eine Tour, die sonst im Winter nicht ge­macht wird. Die Gruppe hatte bereits den schwie­rigsten Teil des Grates hinter sich und kam nun auf einen Hang, der so stark geneigt ist, daß sie sich hinunterrutschen ließen. Die erste der Alpinistin­nen konnte nicht sehen, daß sich der Hang unten noch stärker neigt und dann in einen reinen Fels­sturz übergeht. Das letzte steile Stück von 12 bis 15 Meter sausten nun die sechzehn Touristinnen eine nach der anderen sich überschlagend und um Hilfe schreiend hinunter. Sie folgten so dicht aufeinander, daß einmal vier von ihnen zugleich in der Luft waren. Unten lagen sie auf einem Knäuel bei­sammen. Nicht nur, daß sich keine der Touri­stinnen verletzt hatte, ist ein merkwürdiger Glücksfall, sondern vor allem auch, daß die Ge­sellschaft zufällig jene Abrutschstelle gefunden hatte, die in der etwa 100 Meter breiten brüchigen Fels­wand die einzige ist, die durch ein zusammenhängen­des Schneeband von oben nach unten verbunden ist und nur eine Breite von wenigen Meter hat. Wäre die Gruppe nur wenige Meter weiter rechts oder links abgestürzt, so wäre ein schweres Unglück entstanden.

holländischer Student

beim Wintersport tödlich verunglückt.

Drei Studenten der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, zwei Polen und der 19jährige Holländer Johann Siegfried Nikolaus Wolfer, widmeten sich auf dem Weißberg im Kanton Gla­rus dem Wintersport. An einem der letzten Tage unternahm Wolfer angesichts des prächtigen Wet­ters. lediglich mit einer Badehose bekleidet, eine Tour auf den Guldenstock, wurde aber auf dem Rückweg von einem hereinbrechenden Unwetter überrascht. Eine Rettungskolonne mußte des Un-

durch einen nur mangelhaft ausgebildeten Berg­führer vertreten lassen. In Belgrad bildet die Kata­strophe das Tagesgespräch. Es wird besonders dar­auf hingewiesen, daß der Steinbruch der französi­schen Firma Batignolle gehört, die die Eisen­bahnstrecke PrischtinaPetsch baut. Die Firma Bati­gnolle steht bekanntlich im Mittelpunkt der Anschul­digungen, die der ehemalige Verkehrsminifter S t a = nitsch gegen den gegenwärtigen Verkehrsminister R a d e w i j e t s ch erhob, und in denen er trotz des Dementis der Regierung behauptete, daß der Staat zugunsten der französischen Firma um 5 0 Mil­lionen Mark geschädigt worden sei. Ferner weist man darauf hin, daß die Firma Batignolle beim Bau der Savebrücke BelgradSemlin vor drei Jahren infolge ungenügender Schutzvorrichtun­gen die Schuld daran trug, daß mehrere Arbeiter ertranken.

Von amtlicher Seite wird das von derPrawda" geschilderte Ausmaß der Katastrophe b e ft r i 11 e n. Von zuständiger Stelle wird die Zahl der Toten mit vier, die der Schwerverletzten ebenfalls mit vier und die der Leichtverletzten mit vierzehn angegeben.

wetters wegen unverrichteter Dinge zurückkehren. Nunmehr konnte die Leiche Wolfers geborgen werden.

Die Mörder des SA.-Mannes Holger hingerichtet.

Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Die Mörder des SA.-Mannes folger, Fritz Lange und Walter Siedelmann aus Schu- ditten, die durch das Urteil des Schwurgerichtes in Königsberg am 7. September v. H. wegen gemein­schaftlichen Mordes zum Tode verurteilt wor­den waren, find in Königsberg hingerichtet worden. Die beiden hatten in der Nacht vom 9. zum 10. Juli 1933 auf zwei SA.-Männer einen sorgfältig und planmäßig vorbereiteten Angriff unternommen und dabei den SA.-Mann Hölger durch einen heimtückischen und hinterhältigen Schuß aus nächster Nähe getötet. Der preußische Minister­präsident hat mit Rücksicht auf die Schwere der Mordtat von seinem Begnadigungsrecht keinen Ge­brauch gemacht.

Zwei Todesurteile wegen des Moskauer Eisenbahnunglücks.

In dem Prozeß gegen die Schuldigen des Eisenbahnunglücks, das am 4. März bei Moskau den Verlust von mehreren Menschenleben zur Folge hatte, ist nunmehr das Urteil gefällt worden. Der Maschinist Fedjunin und sein Ge­hilfe T s ch i k o w wurden zum Tode durch Er­schießen, drei weitere Angeklagte zu verschiedenen Freiheitsstrafen verurteilt.

Schwere Gefängnisstrafen für die peterskirchen- attentäter in Rom.

In Rom wurde von dem Sondergericht zum Schutze des Staates das Urteil gegen die Bom­benattentäter von der Peterskirche gefällt. Die Angeklagten Bucciglioni, Re­nato und Claudio C i a n c i wurden wegen terror- ristifcher Tätigkeit gegen den Staat verurteilt und zwar die beiden ersteren zu je 3 0 Jahren Ge­fängnis, der 18jährige Claudio Cianca unter An­nahme mildernder Umstände zu 17 Jahren Ge­fängnis. Der Chemiestudent C a p a s f o, der das Rezept für eine Giftgasbombe geliefert hatte, wurde freigesprochen, da er von der Verwendung nichts ge=

Bauwerk steht. Aber denken Sie daran, es ist eine Maschine! 17 Millimeter sind unendlich viel, wenn dadurch etwa ein Rad nicht ins andere greifen kann.

Sicherheit zuerst!

Schließlich aber gilt auch auf den Wasserstraßen, was uns für den Eisenbahnverkehr richtunggebend gewesen ist. Sicherheit zuerst! Wir mußten ein System von Sicherungen einbauen, das die unmöglichsten Vorfälle berücksichtigte. Zwei Mann können zwar das Schiffshebewerk allein bedienen; aber es mußte auch möglich gemacht werden, den Hub automatisch durchzuführen. Schwankungen waren auszugleichen, wenn im Augenblick des Hubs zufällig ein Orkan einsetzte. Schließlich denkbar wäre sogar der Fall, daß ein Dampfer im Trog eine Kesfelexplosion erlitte und dabei die Haut des Trogs zerreißen würde. Auch dagegen war das Hebewerk zu sichern. Wir bedachten alles an Unglücksfällen, was sich bisher ereignet hatte. Und wir sind sogar zu An­nahmen gekommen, die erst ein zukünstiger Ver­kehr eintreten lassen könnte. Alles das, um unser Werk zu sichern."

Sie glauben also, daß das Schiffshebewerk von Niederfinow nicht so rasch von den Verkehrs­anforderungen überholt sein könnte."

Die Technik bringt Überraschungen genug. Die Erfinder sind immer bemüht, uns mit neuen Kräftewirkungen bekanntzumachen. Was wir heute als zu phantastisch ablehnen, kann morgen schon alltäglich geworden sein. Aber wir denken, daß wir alle die Gedanken, die sozusagen ,in der Luft liegen', mit verarbeitet haben. Niederfinow wird ein modernes Werk bleiben, weil es auf zukünftige Verhältnisse berechnet und eingerichtet ist. Schon dieser Bau stellt eine erhebliche Summe von Er­findungen dar, die in aller Stille von unseren Er­findern gemacht wurden dabei war nichts Zu­fälliges. Wir stellten die Aufgabe und die deutschen Techniker lösten sie. Was sich bewährte und was ist dabei an Versuchen unternommen worden! , wurde mitbenutzt. Wir stellen nichts in den Vordergrund. Das ganze Werk allein ist jene Groß­tat deutscher Technik', von der Sie sprachen. Wir haben sie geleistet und verbrauchten dafür rund 27,7 Millionen Mark, die allerdings zum größten Teil aus Löhnen bestehen. Wissenschaft und Technik haben zusammen das Werk geschaffen. Das sind die einzigen Namen, die ich Ihnen nennen will. Wir treten hinter unser Werk zurück mit dem Wunsch, daß das Schiffshebewerk Niederfinow dazu beitragen werde, daß deutsche Schiffahrt, deutscher Handel, deutsche Wirtschaft recht bald den neuen Aufschwung nehmen, der allein Volksgenossen Lohn und Brot bringt."

wußt hatte. Die Verteidigung hatte versucht, die staatfeindliche Betätigung dadurch abzuschwächen, daß sie sie als nicht auf italienischem, sondern auf vatikanischem und damit ausländischem Boden geschehen hinstellte. Nach Ansicht der Verteidigung lag nur ein gewöhnliches Bombenattentat vor, das keine großen Wirkungen gehabt hätte. Das Gericht wies jedoch die Ansicht der Verteidigung zurück.

Ein Volksschädling ins Konzentrationslager gebracht.

Ein Fleischermeister aus Altenburg (Thür.) wurde in das Konzentrationslager gebracht, weil er Wurstwaren, die er auf Gutscheine des Win­terhilfswerkes an die unbemittelte Bevölke­rung abzugeben hatte, in minderwertiger Beschaffenheit herstellte. Er hat sich durch seine ver­werfliche Handlungsweise als Volksschädling übler Art gekennzeichnet. Das thüringische Ministerium des Innern gibt bekannt, daß es in Zukunft gegen derartige Volksschädlinge mit den strengsten Maß­nahmen vorgehen werde.

Ein alter Fährmann im Rhein ertrunken.

Wie aus St. Goarsharsen gemeldet wird, er­eignete sich auf dem Rhein bei Wellmich ein U n - glück, das ein Menschenleben forderte. Der 75jäh- rige Fährmann Schweikert von Wellmich und sein Begleiter S p i tz l a y fuhren mit einem Kahn an ein zu Berg fahrendes Lastschiff heran. Dabei wurde der Kahn von einer Sturzwelle umgewor­fen, und beide Insassen fielen ins Wasser. Spitzlay versuchte mit dem Fährmann schwimmend das Schiff zu erreichen, doch verließen ihn die Kräfte, und er mußte Schweikert loslassen. Die Besatzung des Schiffes fuhr Spitzlay zu Hilfe, der in völlig erschöpftem Zustand gerettet werden konnte. Schwei­kert war inzwischen schon abgetrieben. Seine Leiche wurde später gelänget.

Der englische General worlley gestorben. Erinnerung an dieDaily Telegraph"-2lstäre. Der englische Generalmajor Montague Wort- l e y ist im Alter von 76 Jahren in Tanger ver­st o r b e n. Er war seinerzeit an dem Zustande­kommen der Unterredung mit dem ehemaligen Kai­ser beteiligt, das 1908 imDaily Telegraph" veröffentlicht wurde und wegen der darin ent­haltenen Steuerungen über die deutsch-englischen Beziehungen peinliches Aufsehen erregte. Wortley hatte zwar den Entwurf der Veröffentlichung dem Kaiser zur Nachprüfung übersandt, aber diese Nach­prüfung war in Berlin unterblieben.

Germanischer Goldschatz in Ungarn gefunden.

In der Nähe von Szegedin ist bei Nagyszekso ein wertvoller Fund aus der Germanen­zeit gemacht worden. Ein Bauer stieß beim Pflügen in einer Tiefe von ungefähr 40 Zenti­meter auf einen harten Gegenstand. Zu seinem Erstaunen förderte er jedoch statt eines vermeint­lichen Steines Gefäße und Schmuckstücke aus purem Golde zutage. Den bisherigen Feststellungen nach handelt es sich um Goldarbeiten aus dem 6. Jahryundert, aus der Zeit, in der die Gepiden in Ungarn saßen. Daß es sich um Gegen­stände germanischen Ursprunges handelt, beweisen die altgermanischen Runenzeichen auf den Gefäßen. Besonders wertvoll ist ein 307 Gramm schwerer Goldbecher aus ungefähr 90- bis 92prozentigem Gold. Die gefundenen Gegenstände wiegen ins­gesamt 400 Gramm. Da man weitere Schätze ver­mutet, sind systematische Grabungen eingeleitet worden. Die Gegenstände sind in das ungarische Nationalmuseum nach Budapest aebracht worden, wo man die Runen entziffern will.

Korruption in Moskau. 20 000 Lebensmittelkarten gestohlen.

Wie aus Moskau gemeldet wird, sind 20 000 Lebensmittelkarten gestohlen worden, die von ungetreuen Beamten an Privatpersonen verkauft wurden. Die OGPU. hat 40 Mitarbeiter von Lebensmittelorganisationen in Haft genom­men, die an diesen unsauberen Geschäften beteiligt waren.