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Oie dritte Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes. VonDr.IoachimGivens,stellv.ÄundesführerderReichsvereinigungehem.Kriegsgefangenere.V.
Berlin, 20. Febr. (DNB.) Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft und der Reichswirtschaftsminister haben auf Grund des Reichs- nährstandgefetzes eine „3. Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes erlaf- sen, in welcher die Einzelheiten über die Eingue- derung von Handel- und Gewerbetreibenden in den Reichsnährstand festgelegt werden. In § 1 wird ein genaues Verzeichnis der B e triebe gegeben, die als Landhand e l, w i e Be - u n d Verarbeitung landwirtschaftliche rEr- z e u g n i s s e im Sinne der Verordnung mzusehen finb. Es handelt sich um 10 Gruppen: Wirtscha t mit Ackerbauerzeupnissen, Biehwirtschast, Brauwirt- chast. Zuckcrwirtjchast, Stärke- und Brantwein- wirtschaft, Fischwirtschast, Fett- und Milchw.rtschast, Lebens- und Genuhmittel, tzolzwirtschast und sonstiger Lebensmitteleinzelhandel
Eine nach dieser Liste begründete Zugehörigkeit zum Reichsnährstand s ch l i e ß t d i e Z u g e Hörigkeit zu anderen Standes- oder Be- rufsvertretungen aus, soweit nicht m den 88 3 und 4 anderes bestimmt ist. Rach § 3 wird bei den Personen, die eines der in der Liste als Be. und Verarbeitung bezeichneten Facher betreiben, die Zugehörigkeit zu den Wlrtschaftsver- bänden und zu den Gliederungen der Industrie und des Handwerks durch ihre Zugehörigkeit zum Reichsnährstand nicht berührt Angelegenheiten, die außerhalb der Aufgaben der Erzeugung, des Absatzes und der Bemessung der Preise und Preisspannen liegen, werden für diese Betriebe von den Organisationen der Industrie un ö d e s Handwerks wahrgenommen. Das Zu-
fammenfallen der Beitragserhebung darf nicht zu einer Erhöhung der Bela st u n g der Unternehmungen führen. Die Ernennung der Führer der Innungen von Bäckern, Schlächtern, Müllern und Konditoren und der übergeordneten fachlichen Gliederungen dieser Handwerkszweige bedarf der Zustimmung des Reichsbauernführers. In weiteren Vorschriften wird festgelegt, daß die Voraussetzungen des § 1 nicht vorliegen, wenn das betreffende Fach lediglich ein unerhebliches Maß des Gesamtbetriebes umfaßt, ferner nicht beim Gast- und Herbergsgewerbe.
Wegen beabsichtigter Brotpreiserhöhung in der Pfalz in Schuhhast genommen.
LPD. Winnweiler (Pfalz), 20. grebr. Auf Weisung der Gauleitung erfolgte hier die Jn- schutzhaftnahme von zehn Bäckermeistern sowie eines Bäckermeisters in Rockenhausen, weil sie den B r o t p r e i s für einen Sechspfundlaib um zehn Pfennig erhöhen wollten. Die Gauleitung vertritt den Standpunkt, daß eine Preiserhöhung des wichtigsten Volksnahrungsmittels bei gleichbleibender Entlohnung der Arbeiter einer unerhörten Sabotage gleichkomme. Im Zusammenhang hiermit wurde auch in Alsenz der.Obermeister der Bezirksbäckerinnuna in Haft genommen, der in seiner leitenden Stellung für die Vorkommnisse mit zur Verantwortung gezogen werden wird.
polen zwischen den Großmächten.
Segen die Unterdrückung der polnischen Minderheiten in Rußland und die Anmaßung des französischen Kapitals inpolen.-Das neue Verhältnis zu Deutschland
Warschau, 20. Febr. (DNB.) Vor führenden Persönlichkeiten des konservativen Lagers des Regierungsblocks in Krakau sprach der Vorsitzende des Auhenausschusses des Sejm, Abg. Fürst R a d z i w i l l, über innen- und außenpolitische Fragen unter besonderer Berücksichtigung der Nachbarstaaten. Polen habe sich stets von der Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten ferngehalten. Dies, sei besonders hinsichtlich Rußland schwer gefallen, zumal „wir wissen und daran denken müssen, daß in diesem fremden Staate über eine Million Polen in materiellem und noch viel furchtbarerem moralischen Elend leben".
Fürst Radziwill kündigte dann an, daß das deutsch-polnische Abkommen noch im Laufe dieser Woche ratifiziert werde. Das Abkommen dürfe in seiner Bedeutung weder unter- noch überschätzt werden. Durch seine Unterzeichnung seien natürlich die Gegensätze noch nicht beseitigt worden. Es sei jedoch dadurch eine andere E i n st e l l u n g in den deutsch-polnischen Beziehungen herbeigeführt worden. Das zehnjährige Abkommen habe den großen Mut des
Reichskanzlers Hitler bewiesen, der beim Gegner Sympathie und Hochachtung Hervorrufe. Die durch den Reichstag angenommene Reichsreform habe ein neues Deutschland geschaffen, was wiederum als Anzeichen dafür zu werten sei, daß die Politik des neuen Reiches unter der Führung Adolf Hitlers andere Wege gewählt habe, als das frühere Deutschland, das durch das Preußen der Junker und durch die hohenzollernfche Hausidee vertreten gewesen sei.
In längeren Ausführungen widerlegte Radziwill die abfällige französische Kritik an der polnischen Politik. Radziwill führte ferner Klage gegen die unloyale Politik des französischen Kapitals in Polen, die zahlreiche Schwierigkeiten verursache Desgleichen erhob er bittere Vorwürfe gegen französische Politiker, die in Polen ein Hindernis und eine Beunruhigung erblicken möchten. Polen werde alles tun, um die Beziehungen so günstig wie möglich zu gestalten. Der Redner vertrat schließlich die Meinung, daß andere Staaten an der Unabhängigkeit Oesterreichs in stärkerem Maße interessiert seien als Polen.
Reue Sinngebung der Politik.
Ein Vortrag des Neich-pressechefs der NSDAP. Or. Dietrich über nationalsozialistische Politik.
Berlin, 20. Febr. (DNB.) Die Neue Aula der Berliner Universität, in der der Reichspressechef der NSDAP., SS.-Gruppenführer Dr. Dietrich am Dienstagabend über das Thema „Neue Sinngebung der Politik" sprach, war überfüllt. Zu Beginn bet Veranstaltung begrüßte der Präsident der Deutschen Hochschule für Politik Dr. Meyer-Benneckenstein die zahlreich erschienenen Dozenten der Berliner Hochschulen. Als Vertreter des Führers begrüßte er den Adjutanten des Führers SA.-Gruppenführer Brückner.
Dr. Dietrich
führte dann u. a. aus: Das erschütternde Erlebnis des Weltkrieges für alle bewußt Lebenden war der Zusammenbruch der Hegemonie des Gei st es, das Versagen der Kräfte, denen man bis dahin gestaltenden Einfluß auf alle Dinge dieses Lebens zugeschrieben hatte. Die Generation, die im Schützengraben die Umwertung aller Werte erlebte, fand zwar gefühlsmäßig den neuen Weg, aber sie war so verbildet, so überladen mit falschen Vorstellungen, daß sie ihn nicht zu erkennen vermochte. An der Wissenschaft hatte sie keine Hilfe, denn auch die hatte längst den gesunden Boden verlassen, sprach ihre eigene Sprache, lebte ein eigenes, vom Volke getrenntes Leben in unwirklicher, blasser, schemenhafter Höhenluft. Ihr Leben waren Systeme und Ismen; das bluterfüllte wirkliche Dasein leugnete sie ab und, obwohl sich die Erkenntnis durch die harten Realitäten mehren mußte, fand sie den Boden nicht wieder, lief auf den Krücken ihrer konstruierten Gebilde hilf- und ratlos nebenher. —
Die Träger der neuen Lehre aber lebten bereits in einer ganz anderen Welt der Vorstellungen, sie hatten um ihre Ideen zu kämpfen und konnten sich um die nicht kümmern, die teils mit, teils ohne Schuld zu den ewig Gestrigen gehörten. Wer das Gedankengut des Nationalsozialismus erfühlen und erfassen wird, muß rücksichtslos mit allen überlebten Anschauungen und Begriffen brechen und sich innerlich völlig umstellen.
Die Politik ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst, aber sie ist nicht die Kunst des Möglichen — das falsch verstandene Dort des Altreichskanzlers ist zum Freibrief jener Art politischer Cntschlußlosigkeit der Nichtskönner und der Kompromißler geworden —, sie ist für den Nationalsozialismus geradezu umgekehrt die Kun st, das unmöglich Erscheinende möglich zu machen. Nach ihm sind wahre Politiker Seher und Propheten ihres Volkes, die nach den Sternen greifen, wenn es ihnen gelingt, dieses Volk willensmähig zu einem Block zu organisieren.
Das Gesetz des Willens ist eine der fundamentalsten Erkenntnisse, die der Nationalsozialismus dem deutschen Volke gebracht hat. Und d i e Macht des Willens, geboren aus dem Willen leines einzelnen, erweckt in Millionen Herzen und Verschmolzen zur geschlossenen Volksgemeinschaft, ist
das letzte Geheimnis der nationalsozialistischen Bewegung. Als höchsten Wertmaßstab setzt der Nationalsozialismus das Volk als einzig reale und organisch gewachsene Ganzheit ein. Der Nationalsozialismus ist feine politische Herrschaftsform, die sich abstrakt lehren läßt, sondern die Weltanschauungdesdeutschen Volkes schlecht- h i n und als Staatsform keine Diktatur im Sinne eines aufgezwungenen Despotismus, sondern eine ganz neue Form nationaler Demokratie, in der der oberste Führer der Vollstrecker des immanenten Willens zur Selbstbehauptung ist, der jedem Volke blutmäßig innewohnt. Eines der wesentlichsten Prinzipien des Nationalsozialismus ist das Gesetz der Homogenität von Volk, Staat und Führung. Das lebendige Bindeglied ist die Partei, die alle Lebensfunktionen staatlichen Gemeinschaftslebens in sich selbst entwickelt hat, die die politische Lebensform und Kraftquelle der Nation zugleich ist und die Einheit von Volk und Staat verbirgt.
Der Führer selbst hat gesagt, daß die nationalsozialistische Partei als der Sauerteig der weltanschaulichen Durchdringung und Durchknetung unseres Volkes zugleich auch die Institution ist, die als fest gegründete Führungs- Hierarchie den nationalsozialistischen Staat für fernste Zeit gewährleistet. Die Führerfolge wird für alle Zukunft aus der nicht weniger zeitlosen Hierarchie der Partei erwachsen.
Um eine Krone zu erben, sagt Adolf Hitler, muß man Erstgeborener sein, um eine Krone zu erwerben, ist es notwendig, Auserwählter zu fein. Wenn Stillstand Rückschritt und Vergreisung Tod bedeutet, wird sich die nationalsozialistische Führer- auslese nach Grundsätzen vollziehen, die die nachfolgenden Geschlechter unaufhörlich zu lebendigem Einsatz zwingen. Der ewige Strom der Jugend wird in ihren Reihen nicht stocken, er wird zu allen Zeiten das Tor Aur Führung offen finden, über dem das Wort „L e i st u n g" geschrieben steht. Er wird als Staat die Revolution von innen heraus überwinden, indem er ihre Ursachen beseitigt und ihre Führung für alle Zeiten organisch und unlösbar mit dem Leben Der Nation verbindet.
Meine politische Nachrichten.
Die politische Polizei teilt mit: Oberbürger- meister Dr. Weegmann (Bamberg) mußte am Dienstagvormittag in Schutzhaft genommen werden, weil er einen Gauleiter der NSDAP, beleidigt hatte.
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Im Reichsmini st erium des Innern sind der preußische Regierungspräsident Dr. N i - c o l a i und der Ministerialrat Dr. G ü t t zu Ministerialdirektoren ernannt, gleichzeitig ist der Mi- nisterialdirektor Gotthainer in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Dr. Nicolai ist mit der Leitung der politischen Abteilung, Dr. Gütt mit der Leitung der Gesundheitsabteilung betraut worden.
W'eder einmal wird unserem Volke das Todesopfer unserer 2 000 000 im Weltkriege gefallenen Soldaten ins Bewußtsein aerufen, gedenken wir unserer Helden, die in den Kämpfen zu Lande, zu Wasser und in der Luft ihr Leben für die Heimat dahingaben. Allzu selten aber hört man etwas von dem Opfer der über 150000 Toten der Armee hinter Stackeidraht, die in den Kriegsgefangenenlagern elend zu Grunde gingen. Sie ruhen unter Eis und Schnee im fernen Sibirien, im heißen Sande Nordafrikas, in Frankreich, England, Rußland, Rumänien, ja fast in allen Ländern der Welt, wohin immer ein tragisches Soldatenschicksal Kämpfer für Deutschlands Bestand und Freiheit führte.
Waren denn auch sie Helden? War es nicht unrühmlich, in Feindeshand zu fallen? Rühmlos war olches Schicksal wohl, aber es wurde heroisch getragen. Davon zeugen all die Bücher, welche in den letzten Jahren unserem Volke die Augen geöffnet haben über das Los der fast 1000 000 deutscher Soldaten, die im Weltkrieg in Gefangenschaft gerieten.
Sie waren Frontsoldaten, denn an bet Front, nicht in der Etappe, kam man in Gefangen- chaft. Es waren meist nicht die schlechtesten Sol- )aten, denen solches Schicksal zuteil wurde. Wer bis zum letzten Augenblick die Stellung hielt, oder durch Verwundung unfähig wurde, sich noch zu wehren, geriet am ehesten m Gefahr, in Feindeshand zu fallen.
Zu vielen Taufenden wurden die Kriegsgefangenen das Opfer einer oft menschenunwürdigen und haßerfüllten Behandlung durch, den Feind; sie wurden das Opfer von Hunger und Seuchen, von drückender Fronarbeit und größten Entbehrungen.
Die Verluste der Armee hinter Stacheldraht waren nicht geringer als die Verluste des gesamten, in Waffen stehenden Heeres, denn mehr als 15 Prozent der Kriegsgefangenen kehrten nicht heim. In Rußland-Sibirien ereilte 40 Prozent der Kriegsgefangenen der Tod, in Serbien und Rumänien war es ähnlich. In Sibirien starben im Winter 1914/15 im Lager Nowo-Nikolajewsk 4500 von 8600 Kameraden; in Totzkoje gingen im Winter 1915/16 von 25 000 Kriegsgefangenen 17 000 zu Grunde; in Sipote (Rumänien) blieben im Winter 1916/17 von rund 4000 kriegsgefangenen Deutschen nur 187 über. Kein Mensch, der nicht dabei war, kann ermessen,
welch unsagbares Leid jene deutschen Soldaten der Armee hinter Stacheldraht ertragen mußten, wie furchtbar schwer dieses Massensterben in den Kriegsgefangenenlagern war, wie bitter es war, fern der Heimat, umgeben von dem Haß eines feindlichen Volkes, das Leben zu lassen.
Auch sie fielen im Kampf für Deutschland, einem Kampf ohne Waffen, d. h. ohne Bajonette und Kanonen, einem Kampf, in dem Haltung, Charakter und seelische Stärke den Ausschlag gaben. Denn sie trugen alles Leid nur um Deutschlands willen, nur weil sie Deutsche waren; und wie sie es trugen, das gab auch dem feindlichen Volke einen Begriff von deutscher Wesensart und zerstörte in Tausenden und aber Tausenden verhetzter Angehörigen der feindlichen Völker die Lüge von den deutschen Barbaren und Hunnen, die angeblich den Krieg entfesselt hatten. So waren die Kriegs- gefangenen die ersten Kämpfer gegen die Kriegsschuldlüge und alle, die jenseits der Fronten als Kriegsgefangene fielen, gaben ihr Leben für Volk und Heimat und Deutschlands Ehre gerade wie die an der Front.
Noch wird die Erinnerung an den Opfertod gepflegt von den Kameraden, die mit ihnen das Schicksal der Kriegsgefangenen trugen und ihr Vermächtnis durch 14 Jahre feit dem Zusammenbruch hineingetragen haben in das neue Deutschland unter dem Geleitwort: „Durch Erneuerung $ur Freiheit". Ihr Opfer wird aber nur dann nicht vergeblich sein, die Erinnerung an das Leiden und Sterben der Armee hinter Stacheldraht wird nur dann in unserem Volke nicht verlöschen, wenn auch die Jugend etwas erfährt von ihrem Schicksal und das Gedächtnis jener Toten hinüberträgt in kommende Generationen.
Jene Kameraden, die in Rußland und Sibirien erlebten, wie ein Volk zusammenbrach, weil seine führende Schicht sittenlos und volksfremd geworden war, und jene Kameraden, die in französischer Gefangenschaft die Hohlheit und Lügenhaftigkeit westlicher äußerer Zivilisation erkannten, sie starben alle im festen Glauben an die Zukunft unseres Volkes, das immer bestehen wird, wenn es sich selbst getreu bleibt und einig ist. Von ihren Gräbern in aller Welt bringt eine Mahnung zu uns, die Edwin Erich D w i n g e r in die Worte kleidete: „Es gibt kein Schicksal, so hart und grausam es auch sein mag, es gäbe denn Menschen, die es überwinden und gestalten."
Wieder strenger Winter in AGA.
Riesige Schneefälle und scharfe Kälte.—Zahlreiche Todesopfer.
Neuyork, 20. Febr. (DNB.) In großen Gebieten der Vereinigten Staaten ist in der vergangenen Nacht so viel Schnee gefallen, wie es zu dieser Jahreszeit während der letzten 30 Jahre nicht mehr der Fall gewesen ist. Die Börse in Neuyork und zahlreiche andere Gebäude konnten erst mit großer Verspätung ihre Pforten öffnen. Etwa eine halbe Million Menschen, die in der Umgebung von Neuyork wohnen, konnten heute nicht in die Stadt hineinkommen, da der Eisenbahnverkehr stockte. Wie aus den verschiedensten Teilen des Landes gemeldet wird, haben die Züge große Verspätungen. Aus Philadelphia wird berichtet, daß mehrfach Straßenbahnen entgleist sind. Im Staate Maryland sind mehrere elektrische Kabel zerstört worden. Eine Laterne an der Säulenhalle des Weißen Hauses, die einen Wert von 1000 Dollars hat, ist umgeworfen worden. In zahlreichen Städten müssen die Bewohner riesige Eiszapfen von Türen und Fenstern entfernen, da sonst für die Vorübergehenden Lebensgefahr besteht.
Die plötzliche Wieoerkehr winterlichen Wetters hat nicht nur den gesamten Verkehr lahmgelegt, sondern auch zahlreiche Verluste an Menschenleben im Gefolge gehabt. So brach in einem Feierabendheim in Brookville (Pennsylva- nien), das für die Angehörigen von früheren Kriegsteilnehmern errichtet worden war, ein Brand aus, der mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Sämtliche Löschversuche scheiterten, da die Hydranten eingefroren waren. Zehn Frauen, Angehörige von Kriegsteilnehmern, sind bei lebendigem Leibe verbrannt.
Aus vielen anderen Orten werden zahlreiche Todesfälle durch Erfrieren gemeldet. In dem
Staat Connecticut und auf Cona Island erreichten die Schneeverwehungen teilweise eine Höhe von über Drei Metern, so daß jeder Kraftwagenverkehr unmöglich wurde. Der Eisenbahnverkehr zwischen Boston und Neuyork mußte eingestellt werden. In Neuyork wurden 35 000 Mann zum Schneeräumen eingestellt. Man schätzt die Kosten, die der Stadt Neuyork durch den Schneefall entstehen, auf etwa zwei Millionen Dollar. Man rechnet mit einem scharfen Temperaturrückgang, obwohl die Wetterberichte ursprünglich für Mittwoch wärmeres Wetter vorausgesagt hatten.
Der furchtbare Schneesturm, der an der Nordostküste der Vereinigten Staaten herrscht, hat dazu geführt, daß in Bost o n die Vollstreckung von drei Todesurteilen um mehrere Stunden verschoben werden mußte. Der Henker war durch Schnee aufgehalten worden. Der Gouverneur des Gefängnisses, in dem die Verurteilten ihre letzte Stunde warteten, sah sich daher genötigt, die Hinrichtung aufzuschieben.
Seit Montagabend ist nicht ein einziger Eisenbahnzug aus Boston in Neuyork eingetroffen und viele Züge liegen unterwegs fest. Aus hoher See sind viele Schiffe in Schwierigkeiten geraten. Der Fischdampfer „Georgetown" treibt bei schwerer See mit betriebsunfähig gewordenen Maschinen 300 Kilometer von Boston. In Neuyork herrscht völliges Chaos. Ein scharfer Nordost brachte den Schnee zum Gefrieren und machte Straßen und Wege kaum passierbar. In Philadelphia entgleisten 20 Straßenbahnwagen, vier tödlich verlaufene Kraftwagenunfälle waren die Folgen der verschneiten und vereisten Straßen.
Ans aller Wett.
Die Frankfurter Universität bleibt erhalten.
Entgegen umlaufenden Gerüchten, die von der Auflösung der Frankfurter Universität wissen wollten, wird von zuständiger Stelle mit- geteilt, daß nunmehr der endgültige Beschluß der zuständigen Behörden vorliegt, daß die Frankfurter Universität nicht nur erhalten bleibt, sondern als vorbildliche nationalsoziali st ische Hochschule weiter ausgebaut wird. Dementsprechend werden in der nächsten Zeit die nötigen Berufungen erfolgen.
Ein Pfarrer in Schutzhaft.
Das Bezirksamt Bad Aibling teilt mit: Pfarrer Bergmeier von Großkarolinenfeld wurde auf Anordnung des Sonderkommissars bei der Regierung von Oberbayern in Schutzhaft genommen, weil in der von ihm herausgegebenen Beilage zum „Aiblinger Tageblatt" ein Aufsatz des Michael H j r s ch v o g e I erschienen ist, in dem dieser bei der Schilderung seiner Kriegserlebnisse sich in kränkenden Schilderungen der Offiziere der alten Armee ergeht. Die Herausgabe der Beilage wurde auf die Dauer von vier Wochen untersagt.
Generaldirektor Professor Baute f.
Generaldirektor Professor Dr. Hans Friedrich B o n t e, der vor einigen Tagen wegen Devisenschiebung und Steuerhinterziehung dem Heidelberger Amtsgefängnis zugeführt worden war, ist jetzt dort an einem Schlaganfall gestorben.
IHif dem Kopf die Türklinke abgerissen.
Zu einem schweren V e r k e h r s u n f a l l, der ein Menschenleben forderte, kam es in einer Kurve am steilen Godesberg bei Ottweiler (Saar). Der Straßenarbeiter Alois Riehl fuhr mit dem Fahrrad auf der linken Straßenseite durch die steile Kurve den Weg hinunter. In demselben Augenblick kam ihm der Lieferwagen einer Metzgerei aus Ottweiler entgegen, der vorschriftsmäßig die rechte Straßenseite benutzte. Der Radfahrer konnte weder ausweichen, noch im Augenblick seine Geschwindig
keit herabmindern. Infolgedessen sauste er gegen das Auto und schlug so unglücklich mit dem Kopf gegen eine Türklinke, daß diese abgerissen wurde. Dem Unglücklichen wurde der Schädel zertrümmert; er war auf der Stelle tot.
Neun Tote, dreißig Schwerverletzte bei einem Zugzusammenstoh in Spanien.
Wie Havas aus Sevilla berichtet, ist am Dienstag früh bei Villanueva de la Reina in der Provinz Cordoba ein Sonderzug, in dem sich 1900 Zuschauer der am Sonntag in Madrid veranstalteten Fußballwettspiele auf der Heimreise befanden, mit dem O-Zug Madrid—Sevilla zusammen- gestoßen. Neun Tote und 30 Schwerverletzte wurden bis jetzt geborgen.
Wettervoraussage.
Um die Nordseite des konstanten Hochdruckgebiets im Westen bewegen sich fortgesetzt Störungen, die milde ozeanische Luft mit sich führen. Eine neue Warmluftwelle bringt östlich vor und wird auch bei uns wechselhaftes und verhältnismäßig mildes Wetter bringen. Dabei dürften vereinzelt auch leichte Regenfälle niedergehen.
Aussichten für Donnerstag: Wechselnd-bewölkt mit Aufheiterung, etwas milder, einzelne leichte Niederschläge.
Lufttemperaturen am 20. Februar: mittags 5,1 Grad Celsius, abends 5,5 Grad; am 21. Februar: morgens 5 Grad. Maximum 5,5 Grad, Minimum 3,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. Februar: abends 2,3 Grad; am 21. Februar: morgens 2,4 Grad Celsius .— Niederschläge 0,8 mm.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theoder Kümmel. DA. 1.34: 11 700. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.


