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Nr »40 Erster Blatt

184. Jahrgang

Dienstag, 19. Juni 1934

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Grmmersonnenwenve im Gau Hesien-Naffau.

Die Landesflelle Hessen-Nassau des Reichsministe­riums für Volksausklärung und Propaganda gibt folgende Anordnung bekannt:

3n allen Kreisen des Gaues Hessen-Nassau wer­den in der Nacht vom 2 3. auf 2 4. Juni die Sonnwendseuer lodern. Außerdem sind zwei große zentrale Sonnenwendfeiern vor­gesehen. Die Kreise Groh-Frankfurl, Main-Taunus und Oberiaunus werden die Sonnenwende a u f dem Gipfel des Feldberges begehen, l^in einmaliges, unerhört schönes Erlebnis werden die Teilnehmer an der Sonnenwendfeier in Auer­bach a. d. B. haben. In der Nacht vom 23. auf 24. Juni, etwa gegen 23.30 Uhr, wird unter der Be­leuchtung von Hunderten von Pechfackeln auf der Auerbacher Freilichtbühne als Auftakt der Sonnen­wendfeier das bekannte FreiheitsdramaAlle gegen Einen Einer für Alle" gegeben werden. In diesem Drama ist in äußerst wirkungs­voller Weife die nationale Erhebung und der Frei­heitskampf des schwedischen Volkes gestaltet worden. Nicht ohne Grund wurde auf den Wunsch des Führers die Uraufführung dieses Dramas am 9. November in München vorgenommen. Seitdem hat das Werk einen wahren Ziegeszug über alle deutschen Bühnen angetreten, und es ist einer An­regung unseres Gauleiters Sprenger zu verdanken, daß es in Auerbach auch für die Freilichtbühne ent­deckt wurde. Die Aufführung anläßlich der Zonnen- wendfeier wird nochmals eine einzigartige künstle­rische Steigerung erfahren. Für die Massenszenen werden für die Nachtvorstellung am Sonnenwend­tag beispielsweise mehr als 700 Menschen aufge­boten werden. Schon jetzt ist eine außerordentlich starke Nachfrage nach Karten für diese ein­zigartige Feier vorhanden. Vereine, verbände und Formationen, die noch Gelegenheit haben wollen, an dieser Sonnenwendfeier in Auerbach teilzuneh­men, wenden sich daher umgehend an die Bürger­meisterei in Bensheim an der Bergstraße. Die Karlen werden im Vorverkauf zu einem Linheils- preis von 1 Mark ausgegeben. Karten an der Abendkasse wesentlich teurer.

I. A.: gez. Müller-Scheld, Gaupropagandaleiter.

Das TraasfermoraioriMi.

Noch bevor die deutsche Transfernote der eng­lischen Regierung bekannt war, hat in einer etwas merkwürdigen Art der englische Schatzsekretär Meville Chamberlain im Unterhaus ange­kündigt, seine Regierung wolle ein deutsch-englisches Clearing-Haus errichten. Am Morgen hatte das Regierungsblatt, dieTimes", einen Artikel zur Einstellung des deutschen Bartransfers ver­öffentlicht, der sich nur durch Leidenschaftlichkeit, aber nicht durch Erfassung der wirklichen Lage aus- zeichnete. Die Drohung des britischen Schatzkanzlers mit Zwangsabrechnung ist in der City, wo immer­hin die erfahrensten Finanzmänner sitzen, mit Reckt sehr skeptisch ausgenommen.worden. Die USA. haben die deutsche Zwangslage insofern begriffen, als ihre Presse den Transferaufschub dahin aus­wertet, die Neichsregierung sei gewillt, die Mark­stabilität zu erhalten und eine Markabwertung zu vermeiden. Das trifft ins Schwarze, aber Mr. Chamberlain hat sich, wie man auch in City-Kreisen weiß, daneben bewegt. England steht erst an der vierten Stelle unsrer Auslandsgläubiger, vor ihm rangieren die USA., Holland und die Schweiz. Während der Kapitaldienst bis zum 30. September 1934 für die USA., Holland und die Schweiz insgesamt 716 Millionen ausmacht, der Zinsendienst insgesamt 545 Millionen, entfallen auf England 107 bzw. 85 Millionen Mark, für Frank­reich 42 bzw. 36 Millionen. Wenn sich England am entrüstetsten zeigt, dann ist das immerhin merk­würdig bei einer Nation, die selber ihren Schuld­verpflichtungen gegenüber den USA. nicht nach­kommt, obgleich sie dazu durch ihr Gold- und Devisenpolster in der Lage wäre, während Deutsch- fcyib dieses Polster nicht besitzt. Zudem ist der eng­lische Außenhandel aktiv, der deutsche passiv.

Eine Zwangsmaßnahme des Gläubigerlandes England könnte sich nur darauf gründen, daß im Handelsverkehr mit Deutschland England etwas zum Zugreifen in der Hand hat. Nun war im Vorjahr mit der englischen Insel unser Außenhandel mit 167 Millionen Mark aktiv, aus den Dominions be­zogen wir aber für 150 Millionen Mark mehr Waren, als wir dorthin absetzten. England verwies zwar darauf, die Dominions seien selbständige Wirt­schaftsgebiete, das widerspricht aber den Beschlüssen der Londoner Regierung und der Dominions in Ottawa. Mit dem gesamten britischen Wirtschafts­imperium war also im Vorjahre unser Außenhan­del nur um 17 Millionen Mark aktiv, heute wird er passiv fein. Der Möglichkeit eines Clearing liegt also kein zureichender Grund unter. Daß eine Zwangsmaßnahme und eine Beschlag­nahme des Guthabens deutscher Kaufleute zudeut- schen Gegenmaßnahmen führen würde, liegt auf der Hand. Wir setzen nichts mehr im bri­tischen Wirtschaftsgebiet ab, aber wir wären auch dessen Kunde nicht mehr, um so mehr, als wir die daher bezogenen Rohstoffe auch anderswoher beziehen können, da in keinem ein-

Die Kleine Entente ein Block der politischen Beharrung.

Hemmschuh der neuen Zeit.Lieber Krieg als Revision."Frankreichs Bundnispolitik.

Die Kleine Entente gegen den Rewsionismus.

Eine Kriegsrede Tituleskus.

Bukarest, 18. Juni. (DNB.) Der rumänische Außenminister T i t u l e s c u hielt bei einem Essen zu Ehren der Pressekonferenz der Kleinen Entente eine Ansprache, die auch offenkundig program­matischen Charakter für die politischen Besprechun­gen der Jahreskonferenz der Kleinen Entente trug. Als Hauptpunkte erwähnte er den Revisionis­mus, den Viererpakt und die Protokolle von Rom. Die Sprache des rumänischen Außen­ministers war sehr heftig, vor allem dort, wo er sich gegen denvon Ungarn gemeinsam mit Italien betriebenen Revisionismus" wandte. Diese Stelle feiner Rede schloß er mit den Wor­ten:Wir wollen lieber den Krieg, als einen erniedrigenden Friede n." Bei der Einladung an die Kleine Entente zur Teilnahme an den Protokollen von Rom sei nie­mals genau angegeben worden, in welcher Weise diese Teilnahme erfolgen solle, weswegen auch die Staaten der Kleinen Entente sich bisher zurück­gehalten hätten.

heute beginnen die Besprechungen der Kleinen Entente. Außer der in der Ansprache Titulescus erwähnten Punkte werden zweifellos auch die A b - rüstungsfrage und die Frage der Norma­lisierung der Beziehungen mit Sow­ie t r u ß l a n d Gegenstand der Besprechungen bil­den. Man erwartet, daß Außenminister Jef- titsch mitteilen wird, ob sich I u g o s l a w i e n zu dem tschechoslowakisch-russischen und dem rumänisch- russischen Briefwechsel über die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen a n s ch l i e ß t.

Ungarns Antwort.

B u d a p e st, 18. Juni. (DNB.-Funkspruch.) In Bödenburg hielt Ministerpräsident G ö m b ö s eine Rede, in der gegenüber der Tendenz der kleinen Entente Ungarn wirtschaftlich zu schwächen, weil ein geschwächtes Ungarn sich mit seiner jetzigen Lage abfinden würde, sich auf den Standpunkt stellte, daß Ungarn nicht gewillt sei, feine Unab­hängigkeit und seine Ziele gegen ein Linsengericht zu verkaufen, heute könne sich der ungarische Mi- nifterpräfibent mit Ruhe bie schön formulierten, aber gewöynlich blinb einseitige Vorschläge Titu­lescus u n b Benefchs anhören:Bleibt ihr Ungarn in eurem zerstümmelten Zuftanb unb wir werben gute Freunbe fein." Meine Antwort, sagte ber Ministerpräsident, ist: Gebt uns Revi­sion, bann setzen wir uns an ben grünen Tisch, um zu verhanbeln. Ungarn bietet Frieben an unb sucht Freunbe, aber immer mit ber Bedingung ber vollen Gleichberechtigung. Der Ministerpräsibent er­klärte weiter, er habe schon vor mehreren Jahren betont, baß sich bas Schicksal Europas in ber Achse Berlin Rom entscheiden werbe. Wenn Deutschlanb unb Italien sich in ber Frage ber Außenpolitik oerftänbigten, wenn sie bie zwischen ihnen bestehenben Gegensätze in ber österreichischen

Frage austilgten, unb wie zu ersehen hätten sich biefe Gegensätze ausgeglichen, bann müsse Un­garn barüber seine Entscheidung treffen, welche Stellung es einzunehmen habe. Der Ministerprä- fibent sagte wörtlich: -Ich meinerseits habe biefe Frage schon im voraus entziehen, benn meine Reisen nach Berlin unb Rom Haden keinem anberen Ziel gegolten als ber Kräfti­gung ber Freunbschaft mit biefen bei» ben Na^ione n."

Barthou auf der Ba kaureife

Wird in Wien Station gemacht werden?

Paris, 18. Juni. (DNB.) Außenminister B a r - t h o u ist am Montagadenb mit bem Orientexpreß nach Bukarest abgereist. Er wirb begleitet

von seinem Kabinettschef unb bem rumänischen Ge­sandten in Paris

Barthou wirb sich auf seiner Durchreise nach bem Balkan am Dienstag kurze Zeit in Wien auf- halten. Ein amtlicher Besuch bei ber österreichi­schen Negierung ist nicht vorgesehen. Doch steht noch nicht fest, ob Bundeskanzler Dr. Dollfuß wäh­ren!) ber Durchreise Barthou in seinem Salon­wagen einen Besuch absta11en wirb. In politischen Kreisen wird angenommen, baß im Hin­blick auf bie Zusammenkunft von Venebig eine Füh­lungnahme zwischen Barthou unb Dollfuß stattfin» ben werbe. Da ber Bunbeskanzler sich am Montag­nachmittag im Flugzeug zu einem zweiten Besuch ber ungarischen Regierung nach B u b a p e st be­geben hat, wirb bie Entscheidung hierüber erst in den Vormittagsstunden des Dienstag fallen.

Schwere Straßenkämpfe in Toulouse.

Kommunisten bauen Barrikaden. Mit Brandfakeln gegen die Polizei.

Paris. 19. Juni. (DNB.Funkfpcuch.) In Tou­louse kam es zu blutigen Ztraßenkämpfen zwischen Kommunisten unb der Polizei. Den Anlaß gab eine Versammlung der patriotischen Jugenb unter Füh­rung der Abgeordneten T a i t t i n g e r unb 5 c a - pini. Die Kommunisten wollten eine Gegenkunb- gebung abhalten unb versuchten, in das Versamm­lungslokal einzubringen, würben aber von ber Po­lizei baran gehindert. Die Fensterscheiben sämtlicher Geschäfte würben zertrümmert, bie Auslagen aus- geraubt, Autos umgeworfen unb angezünbet unb mehrer Benzintanks in Vranb gesteckt. Es gelang

ben Demonstranten, zwei große Benzintankwagen umzuwerfen unb ebenfalls anzuzünben. Von bie,en brennenben Tankwagen warfen bie Demonstranten mit Branbfackeln nach ben Polizei- b e a m ke n. In ben späten Nachtstunben gelang es ben Marxisten, einen ber hauptplähe ber Ztabt i n tiefes Dunkel zu hüllen unb B a r r i k a - b e n zu errichten. Die Polizei würbe mit Steinen unb Revolverschüfsen empfangen. Bis gegen 1 Uhr zählte man bereits 40 Verletzte auf beiben Seiten. 20 Verhaftungen finb vorgenommen worben.

Ein neuerFall Tetzner"?

Fuldaer Versicherungsbetrüger nach sechs Jahren verhaftet.

Vor fechs Jahren verschwand in Futba unter ge­heimnisvollen Umständen der verheiratete Heinrich A l b e r d i n g. Seine Frau erhielt nach einigen Wochen einen Brief, der zwar keine Unterschrift trug, aber in der Handschrift Alberdings abgefaßt war. Der Inhalt lautete: ..Bin in h ö ch st e r Not, werde entführt!" Nach diesem Brief hörte man nichts mehr von Alberding, dessen Ver­schwinden in Fulda und der gesamten Umgebung größtes Aufsehen erregt hatte. Nach sechs Mona­ten endlich fand man im Thüringer Wald die Leiche eines Mannes, der beide Beine abge­schlagen, die Schädeldecke zertrümmert waren, und die außerdem mit Benzin übergossen war. Die Leiche, die unter einem Laubhaufen verborgen lag, war schon stark in Verwesung übergegangen. Nach Trauring und Brieftasche des Token nahm die Polizei damals an, daß es sich um den verschwun­denen Alberding handele. Kurze Zeit nach diesem

Fund forderte die Frau Alberdings bei einer Ver­sicherungsgesellschaft die Auszahlung der Lebensversicherung ihres Mannes i n höhe von 2 5 0 0 0 Mark an. Die Versiche­rung weigerte sich damals, die Versicherungs­summe auszuzahlen. Nach kurzer Zeit konnte die Polizei fesistellen, daß die gefundene Leiche tat­sächlich nicht mit Alberding identisch war. Trotzdem gegen Alberding sofort ein Steck­brief erlassen worden war, gelang es jahrelang nicht, seiner habhaft zu werden. Jetzt wurde nun plötzlich in Fulda bekannt, daß Alberding nach nahezu sechs Jahren in der Wohnung seiner Frau verhaftet worden sei. Wie wir von der Polizei Fulda erfahren, ist Alberding am Abend gesehen worden, wie er die Wohnung seiner Frau betrat. Durch diesen Zufall gelang es, den jahrelang ge­suchten Verbrecher endlich zu verhaften.

zigen Fall, nicht einmal für Kautschuk, England ein Rohstoffmonopol mehr besitzt. Die Drohung Cham­berlains findet sachlich keinerlei Berechtigung um so mehr, als Deutschland ja nicht zahlungsunwillig ist, sondern lediglich die technische Unmöglich­keit vorliegt, die Reichsmarkbeträge in Devisen zu verwandeln. Alle Kritik bewegt sich vom Kernproblem ab, wenn sie nicht den positiven Vor­schlag enthält, wie Deutschland das Kunststück fer­tigbringen soll, in Devisen zu zahlen, ohne Devisen zu besitzen. Ferner muß doch festgestellt werden, daß wir heute für die Dawes-Anleihe im Durchschnitt 9,8 Prozent, für die Poung-Anleihe 9 Prozent zah­len sollen, das sind Zinssätze, die, gemessen am internationalen Zinsniveau, geradezu wucherisch sind.

Die Note der deutschen Reichsregierung hat nicht nur noch einmal einen Ueberblick über die Gesamt­lage gegeben, sondern auch darauf verwiesen, daß tatsächlich ein erheblicher Teil der deutschen Aus- landverschuldung, rund die Hälfte, in Form von Tributen, also als rein politische Schul­dentilgung, ins Ausland wieder zurückfloß und der deutschen Volkswirtschaft gar nicht zugute kam. Die Anleihegläubiger haben seit 1924 bis 1932 durchschnittlich 8 bis 10 Prozent Zinsen und ferner die fälligen Ratenzahlungen erhalten. Schon damals lag dieser Zinssatz um das Drei- bis Vierfache höher als die Gläubiger bei Kapitalanlage im eigenen Lande erhalten hätten: sie hatten also schon darin eine große Risikoprämie einkalkuliert und waren sich des eingegangenen Risikos wohl be­wußt. Ferner ist es Tatsache, daß bei der Prosperity nicht nur in den USA. zur Zeit, da Deutschland die Anleihen aufnahm, in den Gläubigerländern ein nicht unterzubringender Kapitalüberfluß vorhanden war und die Finanz diesen Ueberfluß allen möglichen deutschen Gruppen in Form von Anleihen geradezu aufdrängte.

Die jetzige deutsche Regierung hat sich nicht ge­weigert, obgleich sie mit dem System der damaligen Anleihepolitik nicht das Geringste zu tun hat, die Verpflichtungen zu übernehmen. Aber die S i ch e- rung der Reicksmark ist das Primäre. Wir können nicht Deutschland einem wirtschaftlichen Chaos ausliefern und uns in den Schlund einer

Währungsabwertung stürzen nur, damit Die Aus­landsgläubiger ihre übermäßig hohen Zinsen ein-- stecken. Die englische und französische Regierung haben die Nichtbezahlung ihrer Schulden an die USA. ebenso wie die italienische damit begründet, sie dürften nicht durch eine solche Transferierung die Lebensinteressen ihrer Nationalwirtschaften ver­leugnen; sie haben auf die technische Unmöglichkeit hingewiesen, die bekanntlich für Deutschland in der Transferfrage in weitaus stärkerem Maße vorliegt. Gegenüber dieser harten Wirklichkeit sollte doch eigentlich eine sachliche Betrachtungs­weise nützlicher sein, als aus dem Glashause her­aus Steine gegen Deutschland zu schleudern.

Wirtschaftliche Leistungen sind nur durch wirt­schaftliche Mittel zu Erfüllen. Der verhängnisvolle Kreislauf der Zerrüttung des internationalen Güter­austausches durch den Kampf gegen die Produkte deutscher Arbeit auf den Auslandmärkten, der Unsinn, von Deutschland unerschwingliche Tribute zu verlangen, ist nicht von uns begonnen worden. Wenn die langerwartete Unfähigkeit Deutschlands, zu transferieren, die Gegenseite in größere Ent­rüstung setzt als die Tatsache, daß sie, obgleich wohl­habender als wir, selbst nicht zahlt, bann muß um so schärfer das Kernproblem beleuchtet werden, das daraus entstand, daß die Gläubigerländer Deutsch­lands durch ihre Wirtschaftspolitik Deutschland die Möglichkeit nahmen, seine Gläubiger in diesen Ländern zu befriedigen, wie es viele Jahre hindurch unter großen deutschen Opfern geschehen ist.

Ribbentrops Fühlungnahme in Paris.

Paris, 18. Juni. (DNB.) Nach einer halbamt­lichen Verlautbarung ist der deutsche Beauf­tragte für Abrüstungsfragen non Ribbentrop, der am Samstag mit Außen­minister Barthou zusammengekommen war, Montag um 18.30 Uhr von Ministerpräsident Doo­rn e r g u e empfangen worden.

Französische Heeresverstärkung durch die Hintertür?

Druck auf die Erwerbslosen.

Paris, 19. Juni (DNB.-Funkspruch). Der mar­xistischePopulaire spricht von angeblichen Ab­sichten der französischen Regierung, auf Um­wegen zu einer Erhöhung der jetzigen Effektivstärke des Heeres zu gelangen, ohne gezwungen zu fein, eine Verlängerung der Dienstzeit vorzunehmen, die im In- und Ausland ungünstige Auswirkungen haben könne. Das Blatt behauptet, daß man in verschiedenen Kreisen des Generalstabes mit dem Gedanken spiele, der Regierung vorzuschlagen, die Arbeitslosen- u n t e r st ü h u n g für alle französischen Staats­angehörigen unter 30 Jahren fortfallen zu lassen. Auf diese Weise zwinge man gewisser­maßen die Arbeitslosen, sich für den Militär- dienst anwerben zu lassen, weil sie sonst keine Möglichkeit hatten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Verbot einer ungarischen Zeitung wegen deutschfeindlicher Einstellung.

Budapest, 18. Juni. (DNB.) Die ungarische Regierung hat das Erscheinen der Stuhlweißen­burger TageszeitungF e h e r v a r" mit sofortiger Wirkung und für immer verboten. Das katho­lische legitimistische Blatt, das von dem katholischen Bischof von Stuhlweißenburg herausgegeben wurde und als Organ der Christlich-Sozialen Partei galt, hat in der letzten Zeit wiederholt heftige Angriffe gegen Deutschland gerichtet und u. a. den preußischen Ministerpräsi­denten abfällig kritisiert. Der Bischof will im Ober- hcms eine Anfrage wegen Freigabe des Erscheinens einbringen. Von zuständiger Seite verlautet indes, daß die ungarische Regierung auf keinen Fall das Wiedererscheinen des Blattes gestatten wird.