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fir. 292 Zweites Blatt

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. iiill vor allem das ganze ungarische Volk um sich smnneln. Sein Ziel ist, die heutige parlamen- tairiirje Grundlage der Regierung zu erweitern und miHhülfe der Wahlrechtsreform neuen jungen (Elllm e n t e n den Einzug in die leitenden Stellen Teilnahme am Regierungsapparat zu ermög- lidttjei Gömbös will eine möglichst breit im Volk DeiEatferte, eigene Regierungspartei schaffen, die abk«c!Seineswegs gleichbedeutend mit der heutigen R^chmngspartei, der Partei der Nationalen Ein-

| 3x Stellung des Ministerpräsidenten Gömbös mH den Ausgangspunkt einer jeden Beurteilung, itobös gehört zu der Mittelklasse, der Gentry, -it Jahrhunderten Ungarn regiert. Männer wie Sporrji), Kallay und viele andere der heute in Ungarn

Ungarns innerpolitische Kraftprobe.

Von unserem v.H-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Budapest, Dezember 1934.

(Eier Autorität in der an sich heterogen zusammen- gifcsen, vielfach legitimistisch eingestellten Regie- rr^iki? Partei ist unumschränkt. Durch eine außer- oiD<llich geschickte Verteilung der maßgebenden

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in der hohen Bürokratie hat jedoch die kleine ©irinpe der Gömbös - Abgeordneten heute den rn!«sgeb enden Einfluß im Staat, wäh- reiWie hohen Verwaltungsposten in den Pro- u il1 n e n fast ausnahmslos mit Anhängern d J \ strafen Bethlen besetzt sind. Die Görn- böisiüruppe in der Regierungspartei bildet somit beih iötoßtrupp in dem Kampfe des Minifterpräfi- dMn um die Erhaltung und den weiteren Ausbau feihe: Machtstellung.

@(-nbö5 ist der Mann der neuen Zeit, ist in in Linie Soldat, denkt militärisch-strategisch

hei|il,i)ein würde.

Iüdiesem Kampfe, den Gömbös hinter den Ku- gjlfieiiin hohem Maße gegen seine eigene Rlleo erungspartei führen muß,ist die Unter» sti ch-g der heutigen oppositionellen Par­tei »ein für i|y unerläßlich geworden. Aus dieser

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ie von Gegensätzen und Spannungen erfüllte ....'apolitische Lage Ungarns ist gegenwärtig völlig )o den ernsten, außenpolitischen Ereignissen über- ich-ttet. Die innere Auseinandersetzung und die Ei itprobe zwischen den einander in den entschei- lewn innenpolitischen Fragen gegenüberstehenden Ißdfonen und Personen-Gruppen ist vorläufig zu» gestellt worden. In großer Einmütigkeit und gi.Hlossenheit sammeln sich sämtliche Kräfte des JaJoes, um den von außen drohenden Gefahren ni.'genzutreten. Wird der heutige außenpolitische ^eihrenpunkt überwunden, so muß über kurz oder in die innenpolitische Auseinandersetzung wieder |p wn Vordergrund rücken. In der inneren Ent- bitfjung Ungarns sind für die nächste Zeit gründ- l'lfl'ibß Entscheidungen unvermeidlich geworden. Es ijsichnt sich daher, die entscheidenden Momente i>eli innenpolitischen Gestaltung einmal herauszu- fielm.

s leckenden, sind aus dieser Schicht ebenfalls her- r^r »gangen. Die innenpolitischen Gegensätze in liw:rn gipfeln heute in den zwei Persönlichkeiten: ( ioi'bös und B e t h l e n. Es find nicht die außen- ' »lljschen Fragen, die diese beiden Männer von- nciiber trennen. In dem großen Kampfe Ungarns »i'jie Wiederherstellung der früheren Machtstellung möioer früheren Grenzen bestehen keine Gegensätze, jtemnere Auseinandersetzung vollzieht sich auf der bra der Machtstellung und des entscheidenden Ein- iifs im Staat. Die Schwierigkeiten liegen für öröös in der eigenen Regierungs- a ie i. Die sogenanntePartei der natio- ain Einheit", die im Parlament von 250 itzin 145 innehat, bildet, obwohl sie die offizielle eci rungspartei ist, für Gömbös keine f e ft e _ t:Stz e. Nur 25 bis 30 der 145 Abgeordneten der riete rungspartei stehen heute bedingungslos hinter ' rrADie große Masse der Abgeordneten der Re- erngspartei folgt uneingeschränkt der Führerschaft |isi°üheren Ministerpräsioenten Graf Bethlen.

P)mle mit der Ente im Herzen.

Von Gorge Gpervogel.

It Jungens haben immer Zeit, wenn nicht gehl* Schule ist, Paule aber hat niemals Zeit, »ilehn besitzt ein Eichhörnchen in einem Käfig mit ßmpab, Thomas züchtet weiße Mäuse, Karel ver- ftdHl roie wunderbarsten Drachen von der Welt zu bci.j. Petra hat ein Rad und einen Onkel Guts- bd^t,r, zu dem sie nachmittags hinfahren kann, P al hingegen, Paule ist arm, er besitzt nichts, bai-r vorweisen könnte, Paule trägt Wäsche, Ober» ljetT)-n unb Kragen aus, er steht an ber Heiß- mnaxH unb trägt bie Gießkanne über bie Bleiche; fei st; Wltern haben eine kleine Wäscherei.

Sonntagnachmittag barf Paule, wenn er nvtii uuf seine kleine Schwester achten muß, zu ben aniLiin Jungen gehen.Mensch, Paule, mit bir istjj Mts anzufangen", sagen bie Jungen.Sieh bijÜnal selber an, wie bu ba herumstehst, sieh bir mm li2in Gesicht an! Du trübes Würstchen! sagen bttIt gingen,bu Träne!"

I ,&is für einen artigen Jungen haben Sie", saifkMie Hausfrauen, wenn sie mit Paules Mutter am bir Heißmangel stehen,wie hilfreich unb fnmlid) er immer ist! Sie haben eine wahre Sfth< an Ihrem Sohn. Ich hingegen, wenn ich an mit ten Jungen denke, nein, ich kann ihn nicht mit bem lehren vergleichen, fo nichtsnutzig und flegelig ist! nainer." ,

^etü-a sieht, wie die Jungens Paule verachten. <51:1 heht auch, daß er gerne anders fein möchte, feüäriunb freier, daß er gar nicht nur immer artig fe ii nag. So labet sie ihn ein, am Sonntag mit ihücz. dem Onkel aufs Gut zu fahren, damit er eir inn I einen ganzen Tag voller Freude und Der- grMcn habe. Petra geht zu Paules Mutter und niiinr ihr die Erlaubnis ab.

Wt ist Paule schüchtern, als aber der Onkel ih in erzählt, wieviel er als Junge in Paules Alter M'icyms zum Frühstück gegessen hat, und als es P lailii gelingt, genau so viel zu essen, wird er schon zullti.llicher, unb als alle immerzu nett zu ihm sinst hm alles zeigen unb erklären, als er soviele Ai lese unb Birnen essen barf, wie er will, unb attlst: enblich sogar reiten barf, reiten auf einem rtiifxim großen Pferbe, ba kann Petra zu sich felillr fagen: nun ist er so, wie ein Junge fein mnui .keck unb frisch, tapfer unb offenherzig.

Sf.7 ber großen Brutmaschine ist er nicht weg- zvilbirgen.Da finb genau solche Eier brin, wie cs<> pn Frühstück gegeben hat? Und bas sollen

Freitag, ?4. Dezember 1934

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Hindenburgs Ruhestätte.

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Ein Modell des Hindenburg-Turmes im Tannenberg-Denkmal, wie er künftig cms- fehen wirb. Wie bas Bilb zeigt, wirb bas große Kreuz, bas jetzt in ber Mitte bes Denkmals steht, dem Turme eingefügt werden. Der Eingang wird monumental ausgeftattet. Zu beiden Seiten werden drei Meter hohe Bronzegeftalten von Soldaten stehen, die das Tor zur Gruft ihres toten Feldherrn bewachen.

Lage heraus ergab sich zwangsläufig die Fühlung­nahme zwischen Gömbös und dem Abgeordneten der oppositionellen Klein-Landwirtepartei Tibor Eckhardt, die in dessen Entsendung als Völkerbund-Vertreter nach Genf im September die­ses Jahres und in den eben abgeschlossenen Rats­verhandlungen zum Ausdruck kam. Gerüchte, daß bereits ein geheimer Pakt zwischen Gömbös und Tibor Eckhardt abgeschlossen worden sei, werden zwar in der Presse dementiert, unleugbar ist jedoch, daß gerade in der Frage der Wahlrechtsreform ein gemeinsames Vorgehen zwischen diesen beiden Männern festzustellen ist.

Ferner ist ein Einvernehmen zwischen Gömbös und der vorn Prälaten Ernst geführten Christ­lich - Nationalen W i r t s ch a f t s p a r t e i im Gange. In dieser inneren Auseinandersetzung spielt die von dem bekannten Reichstagsabgeordne­ten Mecför geführte Kurucen-Bewegung, die ihren Namen von dem Anfang des 18. Jahr­hunderts vom Fürsten Rakocsi, geführten, gegen Habsburg kämpfenden ungarischen Ausständigen er­hallen hat, eine erhebliche Rolle. Die Bewegung, die noch in den Anfängen steckt, ist ausgesprochen antisemitisch, zweifellos von nationalsozialistischem Ideengut weitestgehend beeinflußt und wächst im­mer mehr zu dem Sammelbecken der Jugend auf.

Die Reform des ungarischen Wahl­rechtes ist die entscheidende große Frage, die jetzt

eine Kraftprobe zwischen ben beiben führenben Männern Ungarns unb ben hinter ihnen stehenden Gruppen unvermeidlich gemacht hat. Die Regie­rung beabsichtigt in der letzten Kammersitzuna des Jahres dem Parlament den Wahlrechts-Entwurf vorzulegen. An die Stelle des bisherigen offenen Wahlrechtes, das der behördlichen Willkür Tor und Tür öffnete und der Regierungspartei und damit vor allem der Bethlen-Gruppe in der Regierungs­partei fast sämtliche Mandate sicherte, soll jetzt das geheime Wahlverfahren treten, gleichzeitig da­mit die Erweiterung der staatsrecht- lichen Stellung des Reichsverwesers, dem die heute fehlende Befugnis zur Auflösung des Parlaments und an die Machtbefugnisse eines Souveräns grenzenden Rechte eingeräumt werden sollen. Der frühere Ministerpräsident Graf Stefan Bethlen und die überwiegende Mehrheit der Regierungspartei des Parlaments lehnen diese Pläne ab.

Die entscheidende Figur in dem Gegenkampfe gegen die Pläne des Ministerpräsidenten Gömbös ist der Graf Bethlen. Das große internatio­nale Ansehen, das Bethlen noch heute genießt, und die zehnjährige Dauer seiner Regierungsherrschaft haben ihm zweifellos eine außerordentliche Macht­position im Lande gesichert. Es ist kaum ein grö­ßerer Gegensatz denkbar, als wie er jetzt zwischen Bethlen und Gömbös zutagetritt. Bethlen vertritt

die Grundsätze strengster konservativer Richtung, wurzelt zweifellos mit seinen An­schauungen und Traditionen noch ganz in der Vor­kriegszeit. Trotz unleugbarer großer staatsmänni­scher Befähigung muß Bethlen der Anschluß an die neue Zeit und vor allem der Anschluß an die junge Generation abgesprochen werden. Leiden­schaftslos, kühl überlegen, sarkastisch und ironisch steht Bethlen heute, trotz seiner großen Gefolgschaft in der Regierungspartei allein. Seine zehnjährige Regierungsdauer war trotz der außenpolitischen Er­folge für das Land wenig glücklich. Bethlen hinter­ließ eine völlig zerrüttete Finanzwirtschaft, ernste Korruptionserscheinungen in der Verwaltung unb völlig ungeklärte innere Machtoerhältnisse. Göm­bös unb Bethlen finb natürliche Rivalen, unver­söhnliche Gegner. Heute ist zwischen biesen beiben Männern zunächst eine Art Waffenstillstanb eingetreten. Die außenpolitischen Sorgen bes Lau­bes erforbern, baß innere Kämpfe eingestellt wer­ben. Aber bie Kraftprobe zwischen ihnen kann nur aufgeschoben, niemals aufgehoben werben.

In bem Kampfe um bie Neugestaltung unb bie Macht im Staate liegt heute bie letzte Entscheibung beim Reichsverweser Horthy. Die Stel­lung bes Ministerpräsibenten Gömbös ist heute völlig davon abhängig, ob es ihm gelingt, mit seinem Reformprogramm sich das Vertrauen des Reichsverwesers zu sichern und als deutlichen Be­weis hierfür das Auflösungsdekret der Kammer vorzulegen, falls die Wahlrechtsreform von der Regierungspartei im Parlament abgelehnt wird. Die Stellung des Grafen Bethlen in dem stillen, aber hartnäckigen Kampfe hinter den Ku­lissen ist, taktisch gesehen, wenig günstig. Der um ihn versammelten Gruppe fehlt heute die zugkräf­tige Wahlparole. Es ist undenkbar, das Bethlen heute mit altkonservativen, fast reaktionär anmu- tenben Schlagworten ben Kampf gegen bie Wahl­reform ber Regierung führen kann. Noch ausge­schlossener ist, baß Bethlen in offene Opposition zu bem Reichsverweser Horthy tritt.

Die überragende Perlon des Reichsverwesers steht heute weit über allen innerpolitischen Kämpfen. Er ist der Ausdruck des Lebenswillens und des An­sehens der ganzen Nation geworden. Erhält Gömbös bie Unterstützung des Reichsverwesers, so braucht er die Masse der zur Gefolgschaft Bethlens gehörenden Abgeordneten ber Einheitspartei nicht zu fürchten. Das Volk weiß, baß biefe Abgeorbneten bie Nutz­nießer bes bisherigen Wahlrechts finb unb ihre Opposition gegen bie Regierungsvorlage nur auf bem einen Wunsche beruht, sich bie bisherige Stel­lung im Laube zu erhalten. Gömbös kann, nach Lage ber Dinge, niemals vom Parlament nur von obenher gestürzt werben, nur bann, wenn ber Reichsverwefer ihm fein Vertrauen entziehen follte. Die große Frage ist, ob Graf Betyien offen ben Kampf gegen bie Re­gierung Gömbös aufnehmen will. Mit großem tak­tischen Geschick hat sich Bethlen bisher im Hinter- grunbe gehalten, ohne aber jeboch seinen großen Einfluß auf alle außenpolitischen unb innerpoliti­schen Fragen bes Landes zu verlieren. Völlig un­durchsichtig finb heute bie Pläne bieses zweifellos außerordentlich begabten unb bebeutenben Staats­mannes. Für bie bevorstehende innere Auseinander­setzung wird bie Frage entscheidend sein, ob Bethlen sich auf bie Rolle des einflußreichen Parteiführers beschränken wird, ober ob er von neuem bie ent» scheibende Machtstellung im Staate anstrebt. Die innere Gegnerschaft zwifchen Gömbös und Bethlen, die heute das ganze innerpolitifche Leben Ungarns durchzieht, kann jedoch richtig nur im Rahmen der großen historischen Ideen des staatlichen Neuaufbaus gesehen werden, bie heute in allen Ländern Europas wirksam sind.

Daten für Freitag, 14.Dezember.

1546: ber Astronom Tycho Brahe in Knudstrup geboren (gestorben 1601); 1799: George Washing­ton, Begründer der Unabhängigkeit Norbamerikas, in Mount Vernon gestorben (geboren 1732); 1849: ber Komponist Konradin Kreutzer in Riga gestorben (geboren 1780); 1911: Roalb Amunbsen erreicht ben ©übpol.

Kücken werben? Wer bas glaubt!" sagt Paule. Ich nicht!"

Bitte", sagte Petra unb führt Paule an ein kleines flaches Blechzelt,bas ist eine künstliche Glucke. Sie wirb geheizt, unb unter ihr sitzen bie Kücken, bie gestern unb heute ausgekrochen finb. Sieh sie bir an." Es stimmt.Die ganz kleinen gelblichen unb schwarzen finb Hühnenkücken, bie etwas größeren gelben werben später Enten, unb bie noch größeren unb blasser gelben finb Gänse- göffel."

Jetzt gehe ich nicht eher von hier weg, bis ich gefehen habe, wie aus einem Ei ein Kücken wirb , sagt Paule.

Dann stell bich hierher unb sieh burch bieses Fensterchen", sagt Petra.Vielleicht hast bu Glück. Viel Vergnügen!"

Paule guckt unb guckt. Es ist ganz still in bem kleinen Raum, eine Fliege summt schläfrig, es riecht ein wenig nach Petroleum. Paule wirb mübe, aber auf einmal ist es ihm, als höre er etwas ganz leise piepsen. Paule lauscht, er legt bas Ohr an die Glas­scheibe, wahrhaftig, es piepst in bem Apparat. Der Junge macht bie Blechtüre auf unb betrachtet bie Eier. Er nimmt vorsichtig eins nach bem anberen heraus, horcht baran unb legt sie roieber in bie Fächer. Hier, bieses ist es! Paule trägt bas Ei auf seiner Hanb, er bebt vor Aufregung, unb jetzt, jetzt pickt es in bem Ei, es piepst unb pickt bann roieber zwei-, breimal an bie Schale, unb nun hat das Ei einen feinen Sprung. Soll ich ihm helfen? fragt sich Paule. Wie soll ich das anfangen? Das Kleine darin muß sich zu Tode erschrecken, wenn ich die Schale zerteile. Da, der Sprung wird zum feinen Riß, Paule klemmt den Daumennagel ein, vor­sichtig, vorsichtig, da lost sich die halbe Schale und auf Paules Hand liegt verklebt unb mit geschlosse­nen Augen bas winzige Kücken, ja, ein Enten­kücken, man sieht es am Schnabel unb an ben Füßchen, zwifchen beren Zehen bie Schwimmhäute sitzen.

Das Winzige atmet, Paule fühlt bas kleine Herz klopfen, Paule haucht feinen warmen Atem auf bas Neugeborene, er fühlt nicht, baß ihm vor Freube unb Glück bie hellen Tränen über bie Backen laufen. Unb jetzt schlägt bas Entlein bie Augen auf.

Petra finbet ben Jungen, wie er immerzu unb ohne Aufhören in feine zum Nest aneinanbergeleg- ten Hänbe haucht.

Na, bu Kückenvatcr", sagt Petra gerührt,willst bu bein Kinb nicht unter ben warmen Heizschirm setzen?"

Da finbe ich es ja nicht roieber", sagt Paule erschreckt. : i.. ., .

Wir tun ihm einen kleinen Ring aus ganz feinem Draht um sein Beinchen", erklärt Petra, ganz vorsichtig! Siehst bu, so erkennen wir es immer roieber." Paule kniet nieber unb setzt sein Entenkinb behutsam in bie Wärme. Kaum hat er seine Hänbe zurückgenommen, so steht bas Kleine auf, unb etwas tapperig spaziert es bahin, wo es am wärmsten ist.

Etwas später läuft es schon herum wie alle anberen. Unb nach einer Stunbe sieht Paule, baß es fröhlich am Futterbrett steht und schmaust.

Als Paule abends heimkommt, rennt er sofort in die Küche, wo der Herd noch warm ist. Aus Watte und Heu hebt sich der Kopf des Entenkückens. Es bleibt für die Nacht in der warmen Papp­schachtel auf dem Herde, dessen Glut durch zwei Briketts bis zum Morgen angehalten wird.

Lange vor der Schule, ganz am frühen Morgen läuft Paule los, um Brennesfeln zu suchen. Von einem Groschen Botenlohn kauft er etwas weißen Käse. Einige Eier hat er vom Gute mitbekommen. Er kocht eines, hackt die Brennesfeln und das Ei und vermengt beides mit dem Käse. Ein gesunder, nährender Schmaus für das Entenkind.

Paules kleine Schwester, als er ihr feine Ente zeigt, sagt immerzu nur Oh! vor Entzücken!Nicht anfaffen!" sagt Paule. Da kommt die Mutter, und dahinter der Vater.

Noch am Ende der ersten Schulstunde zittert Paules Herz. Er darf sein Tierkind behalten, aber nur, weil es so klein unb hilflos ist; wenn es Schmutz macht, muß es sofort weg. Unb vom Boten­lohn Futter kaufen, bas gibt es nicht, hat bie Mut­ter gesagt. Er darf es behalten!

Mittags kommt ber Junge mit Heinie, Thomas unb Karel nach Hause.Kann bie benn schwimmen?" fragt Karel.Da ist sie noch zu klein für", sagt Paule,fo ein winziges Ding!"Die können schwimmen, wenn sie eben aus bem Ei gekrochen finb", sagt Heinie.Klar", brummt Thomas,gib einmal eine Schüssel her!"

Paule möchte losheulen, aber er weiß, wenn seine Ente nickt schwimmen kann, ist ihm bie all­gemeine Verachtung gewiß.Mein Kleines", flüstert Paule, währenb das Wasser in die Waschschale strömt,ich bitte dich, schwimme, bitte, zeig ihnen, daß du schwimmen kannst, ich werde meine Hand unter dich hatten, damit du dich sicher fühlst, mein liebes, kleines Entchen!" Er nimmt es auf, es schmiegt sich in seine Hand, die er ganz langsam in das Wasser sinken läßt, da! es rudert mit den Füß­chen, es rudert, es schwimmt, eine wahre Bugwelle zieht hinter sich her! Sieg unb Gloria!Wahr­

haftig!" sagt Heinie, unb alle brei wiegen bewun- bernb ben Kopf.

Ich werbe es", sagt Paule unb schluckt vor Er­griffenheit,ich werde es von früh auf Flugübun­gen machen lassen. Dann kann es laufen, schwim­men, tauchen und fliegen, und das kann kein ande­res Tier!"

Sieg, Sieg, Paule merkt es, bie Jungens sind ganz anbers zu ihm als sonst.Auf Wiebersehen, Paule", sagen sie unb geben ihm bie Hanb.

Zigarren rin Fischnetz.

Ein etwas vorzeitiges Weihnachtsgeschenk eigener Art ist einem Fischer aus Folkestone, ber englischen Hafenstadt an der Straße von Dover, von dem Meeresgott Neptun überreicht worden. Betrübt über bie geringe Ausbeute wollte ber Fischer schon in seine Hütte heimkehren, als er in seinem Netz eine unförmige, schwere Last entbeckte unb einen Blech­kasten an ben Stranb zog. In einiger Entfernung schwamm auf bem Meere ein zweiter Kasten, ben er ebenfalls an Lanb schaffen konnte. Was mochten aber biefe geheimnisvollen Behälter bergen? Der Fischer oerftanbigte bie Zollwächter, unb unter ihren Augen öffnete er bie Kästen, bie insgesamt ein« hunbertundvierzig Kistchen mit je sünfunbzwanzig allerfeinster Havanna - Zigarren enthielten. Sofort würben Mitteilungen an bie übrigen Zollstationen weitergegeben, ob irgenbwo vielleicht ein Schmugg­lerschiff von Zollwächtern verfolgt, seine Labung über Borb geworfen habe. Aber bas Geheimnis ber Zigarrenkistchen konnte bis jetzt noch nicht ge­lüftet werben; der dichte Nebel, der über bem Kanal liegt, hüllt auch bie Herkunft biefer Weihnachtsgabe bes Meeres ein. Vielleicht finb bie Blechbehälter sogar von ber französischen Küste herübergeschwom­men, unb wenn Schmuggler biefe Labung verloren haben, so werben sie sich gewiß nickt melben, um sie wiederzubekommen. So wird also dem Fischer von Folkestone ein guter Bergelohn für ben Fund zugesprochen werben.

Hochschulnachrichten.

Zum orbenttichen Professor ber Anatomie an ber Universität Frankfurt a. M. ist mit Wirkung vom 1. Oktober 1934 an ber nichtbeamtete außer- orbentliche Professor Dr. Wilhelm Pfuhl von ber Universität Greifswalb ernannt worben.

Professor Dr. Julius W i l s e r , Extraordinarius an der Universität Freiburg i. Br., ist zum Ordi­narius für Geologie und Paläontologie an ber Uni- .uerfität Heidelberg berufen worden.