Nr. 215 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Zreitag, U. September (954
Oie Lüge vom Eroberungskrieg.
Der englische Minister Balfour hat einmal im Verlaufe des Krieges die Behauptung aufgestellt:
„Die Ursache der Katastrophe ist das Bestehen einer durch Herrschsucht geleiteten Großmacht (nämlich Deutschland) inmitten einer Gemeinschaft von Nationen, welche zu ihrer Verteidigung ungenügend vorbereitet waren."
Die gesamte feindliche Weltpresse behauptete, Deutschland habe stets säbelrasselnd auf seine Ueber« legenheit gepocht, es habe, gestützt auf seine Macht, immer wieder versucht, seinen Willen durchzusetzen und die anderen Staaten zu verge- wattigen, Deutschland wolle die Welt erobern und sich untertan machen; in Gemeinschaft mit Oelterreich-Ungarn habe es im Sommer 1914 de n Krieg mit vollem und klarem Bewußtsein gewollt: der deutsche Mili- t a r i s m u s sei der Störenfried der Welt, er habe das deutsche Volk wie ein Tyrann niedergehalten, sein Geistesleben umnachtet und bedrohe Europa
Welche Beweise führen nun die Gegner Deutschlands ins Feld? Ohne einen vernünftigen Grund, ohne ein Kriegsziel geht doch kein Staat das ge- waltige Wagnis, das mit einem neuzeitlichen Krieg verbunden ist, ein. Man will doch durch einen Krieg etwas erreichen, was man ohne Krieg, also auf friedlichem Wege, nicht erreichen kann. Ein Volk, das nur aus Lust zum Kampf Krieg führt, gibt es heute unter den Kulturvölkern nicht mehr.
Seitdem das Deutsche Reich besteht, hat es i n Europa überhaupt keinen Eroberungs- kriea geführt, und das einzige Gebiet, das Oesterreich-Ungarn sich angegliedert hat, war Bosnien und die Herzegowina, zwei Provinzen, die von Oesterreich auf Grund eines im Jahre 1878 erteil- ten Mandats besetzt wurden und deren Besitz 1908 in Eigentum umgewandelt wurde.
Und wie stand es draußen in derWelt? Haben da die Mittelmächte etwas erobert? 5ßi?r offene Auges die Entwicklung der überseeischen Besitzungen seit der Gründung des Deutschen Reiches verfolgt, der wird feststellen können, daß Deutschland zu denjenigen Staaten gehört, die am wenigsten Ausdehnungspolitik getrieben haben. Hier nehmen England, Frankreich, Rußland, Italien und das kleine Belgien eine ganz andere Stellung ein.
Was Deutschland draußen in der Welt wollte, war Freiheit für seinen Handel, Absatzmöglichkeiten ‘für seine Industrieerzeugnisse, mit einem Wort, den .„Platz an der Sonne", der ihm und der friedlichen «Entwicklung seiner Arbeit zukam. Oesterreich-Un- ignrn aber, dessen Politik wegen seiner geographi- ischen Lage nur eine kontinentale sein konnte, scheidet Ibei dieser Frage überhaupt aus.
Und welche Eroberungs - und V e r g e w a l - vigungsgedanken sollte Deutschland im Jahre 71914 gehabt haben? Dem Eroberungsgedanken muß Doch der Wunsch zu Grunde liegen, einem anderen -Staate etwas wegzunehmen, und dieser Wunsch muß wieder zur Voraussetzung die Notwendigkeit Haben, sich ausdehnen zu müssen. Wenn und soweit $in solcher Wunsch bestand, war er räumlich ledig- ich auf den Erwerb außereuropäischen Kolonial- gebiets gerichtet. Selbst hier aber hat Deutschland mit peinlichster Sorgfalt sich davor gehütet, mit icmden Mächten Jnterössenkonflikte zu bekommen. Hat es doch noch im Jahre des Kriegsausbruchs mit Frankreich und England eine umfassende Der- lländigung angebahnt!
Aber selbst das Vorhandensein eines Eroberungs- Gedankens angenommen, muß doch für den, der er- »bern will, die Möglichkeit, geeignete Ländergebiete i.u erwerben, gegeben sein. Und wo sollten diese Gebiete in Europa liegen, die für eine solche Eroberung durch Deutschland in Frage kommen konnten und die eine Angliederung an Deutschland wün- achenswert erscheinen ließen?
Von den Grenzländern Deutschlands, Dänemark, Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, der
Der persische Dichter Firdousi.
Äon Or. Inst Hesse
Im Oktober wird die persische Regierung anläß- ch der tausendjährigen Wiederkehr des Geburts- nges des Dichters Firdousi eine große Feier veranstalten, in der das Gedächtnis des Schöpfers !ses persischen Nationalepos, des „Schah Nahmeh", gefeiert werden soll lieber der Grabstätte des Dich- ?rs in der nordpersischen Stadt Tus bei Mesched Doirb ein Mausoleum errichtet; es wird eine Aus- »ellung der berühmtesten Manuskripte seiner Werke erfolgen, und gleichzeitig wird ein Orientalisten- | iongreß abgehalten, an dem voraussichtlich mehr <ls hundert der berühmtesten Orientalisten aller r Länder der Erde teilnehmen werden. Man kann dfo sagen, daß die persische Regierung das ihrige ' tut, um das Andenken Firdousis zu ehren, und daß c-n dieser Feier die ganze Welt Anteil nehmen wird.
Wer die Bedeutung Firdousis und feines Werkes kennt, wird das verständlich finden. Denn es ist i iiin Zweifel, daß Firdousis Hauptwerk, das „Schah I Nahmeh", eines der bedeutendsten Werke der Welt- iieratur ist, das sich jedenfalls mit allen großen i Cpen, mit der Ilias, dem Nibelungenlied, und dem i Mahabharata der großen indischen Göttersagen- summlung, messen kann. Ein Riesenwerk von fast feo 000 Versen, enthält es die gesamten alten persl- । figen Heldensagen, bis etwa zum Jahre 1000, und zwar, soweit sich das noch feststellen läßt, überliefe- rungsgetreu. Wir können uns also auf Grund die- sss Werkes ein genaues Bild von der Vorftellungs- rselt des alten Persien machen, haben also zugleich r diesem dichterischen Werke den gesamten alten §Aigenschatz des großen persischen Volkes. In der 2nt hat Firdousi seinem Werke eine Sammlung bar alten persischen Sagen zugrunde gelegt; feine Hauptarbeit bestand darin, der Überlieferung der Engen die schöne dichterische Form und das Ethos In geben. Ein Werk, dessen Größe nicht zu unter- a'ätzen ist, hat doch Firdousi über 35 Jahre an der ! Menbung des „Schah Nahmeh" gearbeitet.
Die Bedeutung seines Werkes ist aber keines- v.gs damit erschöpft, daß man es als eine Samm- !una von Sagen kennzeichnet. Es hat darüber hin- ns In doppelter Hinsicht eine politische und kul- ü-elle Bedeutung gewonnen. Indern Firvoust wählend einer Zeit des Sprachverfalls, in der Persisch iTÖb Arabisch sich M mischen drohten, sein Werk in reinem Persisch möglichst ohne fremde Lehnworte u verfassen bemüht war, ist er der Schöpfer der ieupersischen Sprache geworden. Sein Werk, das .irprünglich wohl im Dialekt seiner Heimat, also l chaus in einer lebendigen Sprache gehallen war,
Schweiz und Rußland kommt kein Land, mit Ausnahme vielleicht der Ostseeprovinzen Rußlands, in Frage. Glaubt jemand, daß zur Eroberung der Ostseeprovinzen Rußlands Millionen Kriegsfreiwillige zu den Fahnen geeilt wären? Niemals! Für einen solchen Krieg hätte sich das deutsche Volk nie und nimmer begeistern können. Und durch die Eroberung von Landesteilen der anderen Grenzländer Deutschlands hätten wir einen höchst unerwünschten Bevölkerungszuwachs erhalten
Und wie stand es nun mit dem Militarismus, den unsere Feinde als den „Störenfried" der Welt bezeichneten? Er sollte die Kultur vernichten und das deutsche Volk zu einem „Kadavergehorsam" erniedrigen. Wie in vielem, so urteilten unsere Feinde auch hier nach dem Schein und nicht nach dem Wesen. Sie glaubten, das deutsche Volk lebe unter dem Eindruck einer Militärherrschaft, die jede freiheitliche, individuelle Regung mit Gewalt unterdrücke. Auch diese Behauptung läßt sich mit wenigen Worten und Ziffern widerlegen.
Wenn gesagt wird, daß unter Militarismus die zwangsweise Einordnung des Volkes unter den militärischen Dienst verstanden wird, so mögen nur zwei Ziffern die Haltlosigkeit auch dieser Behauptung widerlegen. Deutschland hatte vor dem Kriege nur 55 v. H. seiner waffenfähigen Mannschaften militärisch ausgebildet, Frankreich dagegen 85 v. H., worunter aber nur die in Europa Ausgebildeten gemeint sind
Hat dieser angebliche Militarismus, von dem der „edle" Menschenfreund Wilson jenseits des Wassers uns befreien wollte, die Entwicklung des deutschen Volkes gehindert? Sind Wissenschaft, Technik, Handel, Gewerbe, Schulen, soziale Einrichtungen, Hygiene unter dem „verdammungswürdigen" Mili- tarismus in Deutschland etwa verkümmert? Waren andere Staaten, die angeblich nicht unter dem Militarismus litten, Deutschland auf diesen Gebieten soweit überlegen, daß sie in solcher Geringschätzung über die inneren Zustände Deutschlands reden dursten?
Die deutschen Soldaten, die während des Krieges Gelegenheit hatten, mit offenen Augen die Verhält- nisse anderer Staaten kennen zu lernen, die in Belgien, Frankreich, Rußland, Italien waren, könnten über manches berichten, was nicht zu Gunsten von Deutschlands Gegnern ausfiel. Es würde zu weit führen, in diesem Rahmen auf Einzelheiten einzu- gehen.
Wenn man aber militärische Erfolge erzielen will, dann muß man versuchen, neben dem moralischen Uebergewicht der Truppen auch eine zahlenmäßig« Ueberlegenheit über die Gegner zu gewinnen, und es müssen nicht nur die militärischen, sondern auch die diplomatischen und wirtschaftlichen Vorbedin- gungen für eine erfolgreiche Durchführung des Krie- ges gegeben sein. Daß wir weder diplomatisch, noch wirtschaftlich auf den angeblich von uns gewollten Krieg vorbereitet waren, weiß jeder, der den Krieg erlebt hat. Hier sollen aber nur die militärischen Machtverhältnisse Deutschlands und Oesterreich-Ungarns, als der allein bei Kriegsbeginn auf Tod und Leben verbundenen Staaten, zu einander und zu ihren Feinden und den damals Neutralen betrachtet werden
Die militärischen Machtmittel beider Staaten waren schon bei Beginn des Krieges im Vergleich zu den mit Sicherheit als Feinde zu erwartenden Staaten Frankreich, Rußland und England weit unterlegen, und es wäre unverantwortlich geroejen, wenn die Mittelmächte bei dieser Lage einen Eroberungskrieg hätten führen wollen.
Werfen wir nun einmal die Frage auf, welche Grenzlängen beide Länder zu verteidigen hatten, und welche Truppen ihnen zu deren Verteidigung zur Verfügung standen
Das beigefügte Schaubild wird wohl die sinnfällige Antwort auf diese Fragen erteilen, wobei bemerkt wird, daß nur die Luftlinie als Grund- ift trotz feines hohen Alters von 1000 Jahren noch heute lesbar und verständlich, weil eben die persische Sprachbildung immer wieder auf dieses Werk des persischen Nationaldichters zurückgegriffen hat. Nur vereinzelte Worte haben heute ihren Sinn ver- loren. Das ist ein Beispiel für die Lebendigkeit eines Werkes, wie wir es sonst in der Literaturgeschichte nicht kennen, da es kaum sonst in der Welt ein Literatenwerk aus dem Jahre 1000 gibt — das „Schah Nahmeh" ist 1011 vollendet worden — das noch heute ohne Schwierigkeiten lesbar geblieben ist.
Kann man Firdousi also mit Recht als den Schöpfer der neupersischen Sprache bezeichnen, so ist er darüber hinaus zugleich der Schöpfer des persischen Nationalbewußtseins geworden. Man kann mit Fug und Recht behaupten, daß jede Seite des „Schah Nahmeh", des Buches der Könige, nationalen Stolz atmet und das männlich-kriegerische Heldentum persischer Könige preist und Zugleich durch ein Loblied auf Schönheit, edle Gesittung und andere Tugenden zur Nacheiferung anspornt. Das „Schah Nahmeh" ist daher auch zu einer regelrechten Volksdichtung geworden. Noch heute kann man in ganz Persien jeden Beliebigen fragen, um festzustellen, daß es niemanden gibt, der das „Schah Nahmeh" und die in ihm enthaltenen Heldensagen, wenigstens dem Inhalt nach, nicht kennt. Diese Dichtung ist daher in einer beispiellos zu nennenden Weise nationales Besitztum geworden und ist daher in den letzten 90 Jahren der persischen Geschichte immer wieder der geistige Rückhalt gewesen, an dem sich das persische Volk wieder auf- richtete, wenn es von Fremdvölkern bedruckt wurde. Das Beispiel der Ahnen, das als Ueberheferung oft nur von Mund zu Mund weitergegeben wurde, schuf so ein beispielloses Nationalbewußtsem und einen nationalen Stolz, lange bevor es in Europa auch nur etwas Aehnliches gab.
Wenn wir auch die Größe der Dichtung zu ermessen vermögen, so wissen wir doch leider heute nicht genug über den Dichter selbst, um feinen un» gewöhnlichen Lebenslauf verfolgen zu können Was über ihn bekannt ist, ist zum größten Teil erst 400 Jahre nach seinem Tode ausgezeichnet worden und daher fast ebenso sehr Sage wie das Werk selbst. Immerhin wissen wir, daß er mit seinem wirklichen Namen Abul Kasin Mansur gehießen hat, etwa um 934 geboren und um 1020 gestorben ist. Er hat als Dichter an den Höfen verschiedener Für- sten jener Zeit gelebt, vor allem am Hofe des Sui- tuns Mahmud von Gahzni, eines der größten Herrscher des frühen Mittelalters, an dessen Hof reges geistiges Leben herrschte. Im Auftrage dieses großen Herrschers scheint Firdousi sein großes Werk
läge für die Längenberechnung angenommen ist. Deutschland und Oesterreich-Ungarn sind als Teile zweier durch eine gemeinsame Grenze von 1500 Kilometer miteinander verbundene Kreise dargestellt. Die eingesetzten Zahlen beziehen sich aus die Zeit des Kriegsbeginns. Betrachtet man die Mittelmächte als Einheit, dann betrugen die zu verteidigenden Landesgrenzen zusammen 4500 Kilometer, wovon Oesterreich-Ungarn 2970 Kilometer oder 66 v. H. (ohne 920 Kilometer Meeresküsten), Deutschland 1530 Kilometer oder 34 v. H (ohne 1350 Kilometer Meeresküsten) zu verteidigen hatte. Man erkennt also ohne weiteres, wie bedenklich die Lage für die Mittelmächte bei der diplomatischen Konstellation des Jahres 1914 war. Für den Einbruch der russischen Massenheere hatte Deutschland überhaupt keinerlei natürlichen Schutz und Oesterreich erst nach Preisgabe Galiziens in dem Karpathenwall, der aber keine künstlichen Verteidigungsanlagen von irgendwelcher Bedeutung aufwies
Die in dem Schaubild angegebenen Heeres- ftärten und Schiffseinheiten reden ebenfalls eine eindringliche Sprache und sie bedürfen wohl kaum einer näheren Erklärung. Sie stellen die Friedensund Kriegsstärken bei Beginn des Krieges dar und geben rein schematisch an, wieviel Truppen gegen die Feindstaaten und wieviel für den Grenzschutz anzunehmen waren. So konnte z. B. Frankreich seine 4 500 000 Mann nahezu ganz zum Schutze seiner Grenzen gegen Deutschland verwenden, einen
nennenswerten Schutz seiner Küsten brauchte es nicht, da die englische Flotte mithalf, jeden Angriff von der Seeseite abzuwehren. Und da Italien von Anfang an „neutral" blieb, konnte Frankreich seine Truppen von der italienischen Grenze abziehen. Man mag die Zahlen gruppieren, wie man will, sie ergeben an allen Hauptkampffron- ten eine erdrückende Uebermacht unserer Feinde. Nun muß aber berücksichtigt werden, daß während der Dauer des Krieges die Grenzlängen, die namentlich Deutschland zu verteidigen hatte, eine ständige Zunahme erfuhren, einmal durch das Vorschieben der Front nach dem Westen und ferner durch die Hilfeleistung, die wir unseren Bundesbrüdern im Osten, dann in Serbien, Rumänien, Italien, Mazedonien, Mesopotamien, Palästina zuteil werden lassen mußten.
„Ja", so sagten unsere Gegner, „ihr wart trotz dieser ungünstigen Lage die Angreifer und ihr habt durch eure Erfolge bewiesen, daß ihr euch auf den Krieg vorbereitet hattet." Gewiß, der an Zahl lieber- legens wird, wenn alle anderen Verhältnisse gleichgeartet sind, den Sieg davontragen. Deutschland aber hat nach dem Grundsatz Napoleons I. gehandelt, der gesagt hat: „Die Kriegskunst besteht darin, auf dem Punkt, wo man entscheidend angreift, ober selbst von einem Feind entschieden angegriffen wird, mehr Kräfte als der Gegner zu haben, selbst wenn die Gesamtstärke der eiaenen Armee schwächer ist, als die der feindlichen." Unsere militärische Führung
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vollendet zu haben, da er es ihm ausdrücklich widmete. Mahmud soll der Sage nach übrigens auch dem Dichter den Beinamen Firdousi, das heißt „der Paradiesische", gegeben haben. Ob die Sage von dem Undank des Herrschers und von der Flucht des Dichters wahr ist, können wir hingegen nicht beurteilen, so schön als Stoff die Sage auch ist.
Es ist also kein Zweifel, daß die persische Regie- rung mit der Feier dieses Nationalhelden einer Persönlichkeit gedenkt, deren dichterische und menschliche Größe sie zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Weltliteratur rechnen läßt. Und mit besonderem Stolz dürfen wir es verzeichnen, daß an der Erschließung dieses großen Kulturgutes, das in dem „Schah Nahmeh" begründet liegt, in erster Linie Deutsche beteiligt waren. Die erste lieber- setzuna des „Schah Nahmeh" in eine europäische Sprache, ins Französische, erfolgte durch den Deutschen Julius v. M o h l. Der deutsche Dichter Friedrich Rückert hat uns selbst die Schönheiten dieses großen Werkes erschlossen. Der berühmte deutsche rientalift Theodor Nöldecke hat die wissenschaftlichen Grundlagen geschaffen, auf denen heute unser Urteil über dieses große Werk des persischen Nationaldichters beruht. Und auch heute noch ifi Deutschland auf dem Gebiete der Firdousiforschung führend, wie bat bie Namen bef deutschen Jrano- logen zeigen. Die Tausendjahrfeier bes persischen Dichters Firdousi finbet bah er auch in Deutschlanb mit Recht bie Anteilnahme, bie bem größten Dichter bes arischen Dollkes der Perser zukommt.
»Was bin ich ohne Dich?"
Die Antwort auf die im Titel gestellte Frage lautet natürlich: nichts oder so gut wie nichts — die Schlagertext-Autoren drücken sich allerdings erheblich blumiger aus — jedenfalls muß nach dieser Antwort vermutet werden, es handle sich um eine Liebesgeschichte. Auch das; aber nur nebenbei, die Hauptsache ist ein Erlebnis hinter den Kulissen des Films. Hier wird, sozusagen, aus der Schule geplaudert, und zwar, wie man zugeben muß, auf eine originelle und witzige Weise. Da war ein begabter Regisseur am Werk, Arthur Maria R a b e n a 11 heißt er und kommt, wenn wir nicht irren, vom Theater: er hat in Bildschnitt und Klangwirkung eine filmisch sehr hübsche, bewegliche und erheiternde Einkleidung für die Handlung gefunden, die erfreulich außerhalb der ausgefahrenen Lustspiel- Geleise verläuft. (Drehbuch: Carl Echtermayer und Thea von H a r b o u.) Natürlich erleben wir auch hier, obschon mit allerlei neuen Einfällen, wieher mal das Märchen vom großen Glück, aber erstens kommt dergleichen wahrhaftig manchmal
(wenn auch nicht oft) in Wirklichkeit vor, und zwei« tens — die Leute, sie hören es gern. Es wirS außerdem, nicht nur in den großen Rollen, gut gespielt: Betty Bird und Olga Tschechowa, kleine Frau und große Diva; Liebeneiner und Platte, Komponist und Autor mit vielen Plänen und wenig Geld. Sehr angenehm: Westermeier als Direktor. In komischen Chargen: Blondine E b i n g e r und Fita Benkhoff (ein erfrischendes rheinisches Temperament!). Auch sonst noch allerlei bekannte Namen und Gesichter: Schaeffers, de Koma, Fuetterer, Erna Morena, Lissy Arna; die bevölkern mit vielen anderen den Filmball. Die Musik mit dem einprägsamen Leitmotiv stammt von Will M e i f e I. — Im Beiprogramm zu diesem hübschen Film bringt das Lichtspielhaus sehenswerte Bilder von Land und Leuten im Schwarzwald und ein unterhaltsames Varieteprogramm. In der Wochenschau u. a. ein Bildbericht von Schmelings Sieg in Hamburg (für sportlich interessierte Besucher).
Friedrich der Große reist ins Bad.
Das im Weserland gelegene Bad Pyrmont konnte kürzlich ein Jubiläum jahrhundertelangen Bestehens feiern. Dabei stieß man auf die Tatsache eines interessanten Fürstenbesuches, über den in einer alten Kurliste aus dem Jahre 1746 berichtet wird, die einen etwas langatmigen Titel führte: „Speci- fifation der angekommenen Brunnengäste und Fremden so An. 1746 vom 17. May bis in den 3. Juni incL bey den berühmten Gesundbrunnen zu Pyrmont sich eingefunden."
An der Spitze dieser Liste steht „Jhro Königliche Majestät von Preußen" (nämlich Friedrich der Große) und „Jhro Konigl. Hoheiten Prinz Heinrich nebst Jhro Durch!. Herr General-Feld-Marschall Herzog von Holstein-Beck". Dann folgt eine lange Reiye von Generälen, Obristen und Capitainen, von Cammer-Herren, Geheimen Räthen, Kriegs- und Cabinet-Räthen; und auch ein einfacher, titelloser „Herr Quantz", wohlbekannt als Freund und Flötenlehrer Friedrich des Großen, fehlt in dieser illustren Gesellschaft nicht. Auch Pagen, Cammer- Heyducken, Küchenmeister und Köche, Cammer-La- quayen sind neben etlichen 60, nicht namentlich genannten Bedienten in der interessanten Kurliste aufgeführt, die ganz am Schlüsse, hinter einem Apotheker aus Hameln, der „nebst Frau Liebste" kam, noch „Frau Cammerdienerin Hutelle mit Cammermohr Jhro Königl. Hoheit Abtissin von Herford" aufführt. Hinter Titel und Namen dieser Kammerdienerin verbarg sich keine andere als die schönste Frau Berlins, die incognito reisende erste Tänzerin der italienischen Oper, Barbara de Cam- panini, die heute noch berühmte Barberina ...


