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Oeuischland wartet auf Antwort.

Reichsminister Or. Goebbels spricht in Warschau über die deutsche Bereitschaft an der Wiederherstellung einer wahren Kriedensordnung in Europa.

Herzlicher Empfang in Warschau.

Großes Interesse aller Bevölkerungskreise.

Berlin, 13. Juni. (DNB.) Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goeb­bels, ist mit -em FlugzeugGeneralfeldmarschall von Hindenburg", einer Einlaidung der Jntellek- tuellen-Union folgend, nach Warschau geflogen. In seiner Begleitung befanden sich u. a. fein per­sönlicher Referent Ministerialrat Hanke, Prinz Schaumburg-Lippe, der stellvertretende Pressechef der Reichsregierung, Ministerialrat Dr. Jahncke, der Führer des Reichsverbandes der Deutschen Presse, Gruppenführer Weiß, mehrere deutsche Journalisten und Graf Dembinski von der Polnischen Telegraphenagentur. Zur Verabschie­dung hatten sich außer Frau Goebbels der polnische Gesandte in Berlin, L i p s k i, mit anderen Herren der Gesandtschaft sowie Ministerialdirektor Meyer vom Auswärtigen Amt eingefunden.

Dr. Goebbels ist nach etwa dreistündigem Flug um 15.20 Uhr auf dem Warschauer Flughafen ge­landet. Der deutsche Gesandte von Moltke mit den Mitgliedern der Gesandtschaft, Vertreter der polnischen Regierung und der Warschauer Behör­den sowie polnische und deutsche Pressevertreter begrüßten den Minister, der in der Deutschen Ge­sandtschaft Aufenthalt nahm. Die Straße, in der sich die Deutsche Gesandschaft befindet, ist das Ziel zahl­reicher Neugieriger, die von den Balkons und an­deren günstigen Plätzen aus den deutschen Minister sehen möchten.

Eine infereffierte Zuhörerschaft.

Tausende tonnten keinen Einlaß bekommen.

Der Vortrag des Ministers im Saale des War­schauer Bürgerclubs begann gegen 18 Uhr. In fei­ner Begleitung befanden sich Ministerpräsident Koz­lowski, Außenminister B e cf, Vizeaußenminister Szembeck, der deutsche Gesandte von Moltke, der Vorsitzende der Jntellektuellen-Union, Professor Zielinski, als Gastgeber. Unter den zahlreichen Gästen sah man Innenminister Pieracki, hervorra­gende Vertreter des Regierungsblocks vom Sejm und Senat mit Ober Slawek an der Spitze. Außer­dem sah man fast sämtliche Botschafter mit Aus­nahme des sowjetrussischen, alle Gesandten mit ihren Beamten und Militärattaches. Die deutsche Gesandt­schaft war vollzählig erschienen. Dor dem Gebäude des Bürgerclubs hatte sich eine große Men- s ch e nm e n g e angefammelt; die Zufahrtsstraßen zum Gebäude waren mit Automobilen dicht besetzt. Ein besonderes Polizeiaufgebot mußte für Ordnung sorgen. Der Saal selbst war mit der polnischen Nationalflagge und den beiden Fahnen des Reiches geschmückt. An der der Einganastür gegenüberlie­genden Seite hatten eine große Anzahl von Photo­graphen Aufstellung genommen.

Professor Zielinski

richtete an die Anwesenden einige Worte in polni­scher Sprache. Er wies auf den Zweck der Reise des Reichspropagandaministers hin, den er als einen der hervorragendsten Vertreter des neuen Deutsch­land bezeichnete. Sodann richtete Professor Zie­linski an Dr. Goebbels persönlich einige Worte in deutscher Sprache und schilderte das allgemeine große Interesse, das der Besuch des Ministers in Warschau ausgelöst habe. Es seien ihm eine un­geheure Anzahl von Briefen und Tele­grammen zugegangen, in denen er um Ein­laßkarten gebeten wurde. Mit Rücksicht auf den bestehenden Raummangel habe er jedoch Tau­sende von Bittstellern zurückweisen müssen. Professor Zielinski, dessen Ausführungen mit starkem Beifall begleitet wurden, bat sodann Dr. Goebbels das Wort zu ergreifen. Als der Reichsminister das Red­nerpult betrat, steigerte sich der Beifall zu einer wahren Huldigung. Unter allgemeiner Spannung begann Dr. Goebbels sodann seine Rede.

Or. Goebbels spricht:

Eure Exzellenzen!

Meine Damen und Herren!

Das Reich ist mit der Idee des Nationalsozialis­mus eine so enge form- und finngebundene Ver­flechtung eingegangen, daß beide nur in einem und das eine ohne das andere nicht mehr denkbar erscheinen. Denn der Nationalsozialismus ist eine typisch deutsche Er­scheinung, gebunden an deutsche Charakter- und Blutseigenart, an deutsche Geschichte, hervorsteigend aus der Vergangenheit, die Gegenwart gestaltend und in die Zukunft hineinweisend. Nichts wäre irrtümlicher als anzunehmen, der Nationalsozialis­mus als geistige Erscheinungsform sei von dem Ehrgeiz besessen, das Feld seiner Tätigkeit über die Grenzen des Reiches hinaus zu verlegen und über den von den politischen Gegebenheiten gezogenen Rahmen eine geistige Expansionspolitik zu betreiben. Er begnügt sich bewußt mit der Lösung der Auf­gaben, die ihm im Reich nach innen und nach außen gestellt sind.

Der Minister setzte sich dann mit dem Wesen der nationalsozialistischen Revolution, ihrer Dynamik, ihren Methoden und ihrem Ergebnis auseinander. Er hob dabei hervor, daß es in Deutschland nie­mals eine Regierung gegeben habe, die sich so wie die nationalsozialistische auf ihre Ueberein» ftimmung mit den breiten Volks- massen berufen konnte, was durch die 92pro- zentige Mehrheit, die bei den Wahlen am 12. No­vember 1933 erzielt wurde, unterstrichen werde. Der Minister fuhr fort: Das muß betont werden, um eine Verständigungsmöglichkeit zwischen dem neuen autoritären Deutschland und seiner vielfach demokratischen Umwelt zu schaffen. Volk und Regierung in Deutschland sind eins. Der moderne Staatsaufbau in Deutschland ist eine Art veredelter Demokratie, in der kraft Mandates des Volkes autoritär regiert wird, ohne daß die Möglichkeit gegeben ist, durch parlamentarische Zwischenschaltungen den Willen des Volkes nach oben hin zu verfälschen und unfruchtbar zu machen.

Der Sinn der Revolution, die wir gemacht haben, ist die Volkwerdung der deut­schen Ration. Ihr ausgesprochenster Eha- rakterzug liegt imWillensmahigen. Sie war ein Aufstand der Entschlossenheit gegen die politische Erschlaffung. 2Uit Vertrauen und fester Zuversicht schaut das deutsche Volk heute in seine Zukunft. An die Stelle einer zermürben­den Schlaffheit, die vor dem Ernst des Lebens

kapitulierte, die ihn nicht wahr haben wollte oder vor ihm flüchtete, trat jene heroische Lebensauffassung, die heute ganz Deutschland durchdringt, die den Bauern begleitet, wenn er die Pflugschar durch die Ackerschollen zieht, die dem Arbeiter Sinn und höheren Zweck seines schweren Daseins­kampfes zurückgegeben hat, die den Arbeits­losen nicht verzweifeln läßt und die das grandiose Werk des deutschen Wiederaufbaues mit einem männlich anmutenden Rhythmus er­füllt. Das wirkt sich auch, selbst für das Auge des flüchtigen Beobachters sichtbar, auf dem Gebiete der Wirtschaft aus. Die Klas­sengegensätze, die Deutschland ehedem zerrissen und jede politische Formung seines Lebens­willens unmöglich machten, sind überwunden und haben dem Begriff einer in sich geeinten schaffenden Volksgemeinschaft Platz machen müssen. Die Ration hat sich in nüchterner Ent­schlossenheit an ihre Arbeit gemacht. Die Illu­sion, daß, wo die Rot am größten, auch die Hilfe am nächsten sei, ist der lleberzeugung ge­wichen, daß Deutschlands Schicksal nur in sei­nem eigenen Lebens- und Geslaltungswillen liegt.

Wie tief und ehrlich die Sorge ist, die das neue Deutschland dem Geistigschaffenden ent­gegenbringt, das beweisen kulturelle Großtaten wie die Gründung der Reichskulturkammer, der Bau des Hauses der Deutschen Kunst, die umfas­senden Baupläne für Berlin und München, die großzügige Uebernahme einer Reihe repräsenta­tiver Theater in die Hand des Staates, das neue Schriftleiter- und Theatergesetz, die tatkräftige Für­sorge, die die nationalsozialistische Regierung dem Film angedeihen läßt, um nur einiges zu nennen. Das alles sind Beweise einer Vergeistigung auch unseres politischen Lebens, die in der deutschen Vergangenheit sowohl vor als auch nach dem Kriege ihresgleichen suchen. Das Volk «tber hat ein Recht zu verlangen, daß, wenn der Mann von der Straße in ehernem Zwang an die ewigen Ge­setze seines nationalen Daseins gebunden ist, der geistige Mensch aus Pflicht und Verantwortung diese Gesetze auch seinerseits anerkennt und zur Richtschnur seines Lebens und Handelns macht. Das bedeutet nicht, daß der Nationalsozialismus die Absicht hätte, den geistigen Menschen unter seine parteimäßige Bevormundung zu stellen. Wir wissen zu gut, daß wir ihm damit Zwangsgesetze aufzwingen würden, die sehr bald den schöpferi­schen Genius ersticken und das organische Wachs­tum künstlerischen Schaffens zum Erliegen bringen müßten.

Volkwerdung der Nation

kein Vorwurf hat uns fo tief zu treffen ver­mocht wie der, daß der Rationalsozialismus geistige Barbarei sei und am Ende zur Ver­nichtung des kulturellen Lebens des deutschen Volkes führen müsse. Wir haben die f ch ö p - ferifchen Kräfte der Ration wie­der freigelegt. Sie können sich jetzt un­gehindert entfalten und reiche Früchte tragen

am Baume eines neuerstandenen Volkstums.

In Gegensatz hierzu stellte Dr. Goebbels die anarchischen und chaotischen Kräfte des Marxis­mus und des Kommunismus. Wenn man, so sagte er, die asozialen Träger dieser Bestrebun­gen aus der Gemeinschaft des Volkes ausschloß und sie in Konzentrationslagern wieder zu brauch­baren Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft zu erziehen versuchte, so war das ein Akt der Not­wehr, der im Hinblick auf die Größe der akuten Gefahr doch noch mit den humansten Mitteln durch­geführt wurde.

Der Minister beschäftigte sich anschließend mit der Judenfrage. Man vergegenwärtige sich, so erklärte er, daß vor unserer Machtübernahme

die Juden in Deutschland das ganze geistige Leben maßgeblich beeinflußten, daß sie über den Großteil des im Lande investierten mobilen und immobilen Kapitals verfügten, daß sie Presse, Literatur, Bühne und Film absolut und uneingeschränkt in der Hand hatten, daß sie in großen Städten, wie beispielsweise Berlin, manchmal 75 Prozent des gesamten Aerzte- und Juristenstandes stellten, daß sie durch übermäßige Zinsforderungen die Land­wirtschaft an den Rand des Ruins brachten, daß sie die öffentliche Meinung machten, die Börse maß­geblich beeinflußten, das Parlament und seine Par­teien unter ihrer Obhut hatten, dabei nur 0,9 Pro­zent der Bevölkerung waren, und man wird ver­stehen, daß die Gegenwehr dagegen geradezu zwangsläufig war.

Auch in Bezug auf das jüdische Problem haben wir bie Wahrheit nicht zu scheuen. Wir möch­ten aber wünschen und hoffen, - -er ehrliche Kampf um -ie Wahrheit nicht von vornherein ver­giftet wird -urch Gräuelmärchen und manchmal fast grotesk anmutende Emigrantenlügen, die einer ob­jektiven Prüfung nicht im mindesten Stand zu hal­ten vermögen.

Am auf der Grundlage gegenseitigen Ver- stauduisses der Völker gibt es eine euro­päische Zusammenarbeit.

Der Rationalfozialismus hat keine inter­nationale Sendung im aggressi­ven Sinne zu erfüllen. Wir respektieren die Eigenart jedes Volkes und glauben, daß nur auf der Basis eines solchen Verständnisses eine dauerhafte europäische Zusammenarbeit ge­währleistet werden kann. Damit ist auch unserer festen Reberzeugung nach der Weltfrieden am besten gesichert. Wir jungen Deutschen sind von der Erkenntnis durchdrungen, daß es in Europa kein Problem gibt, das einen Krieg erforderlich machen könnte. Wir find kein säbelrasselndes Er­oberungsgeschlecht: wir halten es geradezu für verbrecherisch, zu glauben, daß die Schäden des vergangenen Krieges, die durch fünfzehnjährige Friedensarbeit noch nicht beseitigt werden konn­ten, etwa durch einen neuen Krieg behoben werden mühten.

Die Verständigung mit Polen, vor dessen aeschätzten Vertretern zu reden ich heute die Ehre habe, ist ein Beweis dafür, daß es Hitler und feiner Regierung ernst ist mit einer auf weite Sicht betrie­benen Versöhnung der Völker und einer Ueberbrücfung der Gegensätze, die Europa nahe an den Rand des Zusammenbruchs ge­trieben haben. Auch unser Austritt aus -em Völker­bund und das Verlassen der Abrüstungskonferenz stand zu dieser Bereitschaft nicht im Gegensatz. Ver­handeln und arbeiten kann eine ehrliebende Nation nur mit Mächten, die ihr ihre Ehre lassen und den Stand gleicher Berechtigung einräumen. Die Ehre ist ein Faktor im internatio­nalen Dölkerleben, der nicht nach Belieben zu- oder abgesprochen werden kann. Und es ist nur ein Be­weis für die Aufrichtigkeit, mit der wir die Ehre und den nationalen Lebenswillen anderer Völker achten, wenn wir unsere Ehre und unseren natio­nalen Lebenswillen von anderen Völkern in gleicher Weise geachtet wissen wollen. Verdient ein Volk, das nach einem verlorenen Kriege und schwersten Er­schütterungen moralischer, wirtschaftlicher und poli­tischer Art sich wieder auf seine eigene Kraft be­sinnt, in einer Riesenanstrenguna den Verfall auf­zuhalten versucht, kein Opfer scheut, um seinen eigenen Haushalt in Ordnung zu bringen, und es dabei weder an Mut noch an Fleiß fehlen läßt, die Verachtung und die abweisende Kälte -er übrigen Welt?

Muß nicht vielmehr diese übrige Welt jeden Ver­such begrüßen, der mit neuartigen Methoden an die Lösung der großen Zeitprobleme herangeht?

Die Welt wird die Antwort auf diese Fragen nicht schuldig bleiben dürfen. Deutschland wartet auf diese Antwort; und mit ihm warten alle Völker, die, der Phrase und des Zankes müde, von ihren Staatsmännern mit Recht verlangen, daß dem so maßlos ge­quälten, aus tausend Wunden blutenden euro­päischen Erdteil endlich seine innere Ord­nung und der von allen so heiß ersehnte

Frieden zurückgegeben wird. Was Deutsch­land betrifft, so ist es bereit, aus f i e f - ster Ueberzeugung an diesem edlen Werke mitzuarbeiten. Immer noch hält es seinen ehemaligen Feinden, von denen es nur wünschen kann, daß sie einmal seine Freunde werden mögen, die offene Hand ent­gegen. Die Welt fragt voll banger Besorgnis:

Wann wird in diese Hand eingeschlagen?

Begeisterte Aufnahme des Vorirags.

Glückwünsche der Regierungsvertreter.

Der Vortrag von Dr. Goebbels wurde von der Zuhörerschaft mit größter Spannung und Aufmerksamkeit verfolgt. Als Dr. Goebbels auf die Judenfrage einzugehen begann, aing eine merkliche Bewegung durch den Saal. Auf den ge­spannten Gesichtern konnte man den Wunsch ab­lesen, es möge ihnen ja nur kein Wort Dr. Goeb­bels' entgehen. Eine ähnliche Bewegung bemerkte man auch an der Stelle des Vortrages, als Dr. Goebbels auf das deutsch-polnische Verhältnis zu sprechen kam. Als Dr. Goebbels seinen Vortrag beendet hatte, erhoben sich die Anwesenden und spendeten dem Minister langandauernden, brau­senden Beifall, der nur unterbrochen wurde, als Professor Zielinski dem Reichspropaganda­minister mit warmen und herzlichen Worten seinen Dank für den wundervollen und packenden Vor­trag aussprach. Er sagte in seiner kurzen An­sprache, er habe sich gefreut, den begeisterten und begeisternden Redner kennenzulernen. Professor Zielinski schloß seine Worte mit dem Goethe- spruch:Vom Wundermann hat man Euch oft schon erzählt, nur hat die Bestätigung jedem ge­fehlt; die habt Ihr nun köstlich in Händen!" Während Professor Zielinski sprach, hielt er die Hand Dr. Goebbels in seiner Rechten und schüt­telte sie in offensichtlicher Rührung. Sofort nach dieser kurzen Ansprache setzte der Beifall von neuem ein. Als Dr. Goebbels das Podium verließ und sich in den anschließenden Saal begab, wurde er von den dort versammelten Vertretern der Regie­rung und von Ministerpräsident Kozlowski, Außenminister Beck und anderen Herren herzlich beglückwünscht.

Wieder kommunistische Ausschreitungen in Süd-Krankreich.

Paris, 14. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Prä­sident der VereinigungF e u e r t r e u z", Oberst d e la Rocque, sprach am Mittwoch in einer von über 1500 Personen besuchten Versammlung in Cannes. Die Marxisten hatten zu einer Gegen- kundgebung aufgerufen, die aber nur von etwa 500 Personen besucht war. Nach Schluß der Ver­sammlung mußte -ie Polizei, die durch Gendarme­rie verstärkt worden war, eingreifen. Die Kommu­nisten roarfen mit Steinen und mit bren­nenden Petroleumflaschen. Außerdem

hatten sie auf der Straße eine Barrikade errich­tet, die im Sturm genommen werden mußte. Der Polizeikommissar und mehrere Beamte erlitten Brandwunden. Der Sachschaden ist groß. Diele Fensterscheiben wurden eingeworfen, auch Mauern eingerissen. 30 Personen wurden verhaftet. Um Mit­ternacht mar die Ruhe wieder hergestellt.

Landeskirchentag in Kassel.

Keine Zweidrittelmehrheit für Aenderung der Kirchenverfassung.

Kassel, 13. Juni. (LPD.) In der im Stadt­oerordnetensitzungssaal des Rathauses adgehaltenen Sitzung des Landeskirchentages wurde der Zusammenschluß der Landeskirchen Hessen-Kassel und Waldeck nach längerer Aussprache mit allen gegen eine Stimme unter dem NamenLandeskirche Kurhessen-Waldeck" de sch los- s e n. Auf die zweite Lesung wurde verzichtet. Die dann nach längerer Debatte erfolgende namentliche Abstimmung über den zunächst zurückgesetzten ersten Punkt der TagesordnungAenderung der Kirchenverfassung" brachte nicht die für eine Aenderung erforderliche Zweidrit­telmehrheit. Eine unter Führung von Pfarrer Dr. Ritter (Marburg) stehende Gruppe erklärte, aus personellen Gründen dem Bischofsgesetz nicht zustimmen zu können. Während die einstweilige Kirchenregierung in Uebereinftimmung mit der von Pfarrer Dr. Ritter geführten Gruppe an der Kandidatur des Oberkirchenrats D. Mer- czins für -as Amt -es Landesbischofs festhielt und zu der von den Deutschen Christen aufgestellten Kandidatur von Pfarrer T h e y s (Kassel) erklärte, daß sie geeignet sei, Unruhe in das evangelische Kirchenvolk hineinzutragen, wiesen die Vertreter der Deutschen Christen diese Darlegungen entschie­den zurück und blieben bei ihrer Kandidatur, in­dem sie n a m e n t l i ch e A b st i m m u n g über -as vorliegende Bischofsgesetz verlangten. Bei der Ab» ftimmung über das Gesetz wurden 30 Stimmen da» für und 27 dagegen abgegeben, so daß die ver­fassungsmäßig notwendige Zweidrittel-Mehrheit nicht erreicht worden war. Daraufhin erklärten die Vertreter der Deutschen Christen, daß sie an weiteren Verhandlungen des Landeskirchentages uninteressiert seien. Sie verließen den Verhand­lungssaal und führten dadurch die Beschluß« Unfähigkeit des Kirchentages herbei. Wie das nationalsozialistische Parteiblatt, dieKurhessische Landeszeitung" erfährt, haben die nationalsozialisti­schen Mitglieder des Landeskirchentages bei der einstweiligen Kirchenregierung einen neuen A n - trag auf (Einberufung des Landes­kirchentages gestellt, der voraussichtlich in der nächsten Woche wieder tagen wird.

Plan für eine Thingstätte in der Rhön.

EineBurg der Thüringer alten Garde".

Weimar, 14. Juni. (DNB.) Der thüringische Ministerpräsident Marschler machte der Presse auf einer Besichtigungsreise nach der thüringischen Rhön Mitteilung von einem Plan, auf der Katzen st einhut bei Zella in der Rhön auf staatseigenem Gelände eine Thingstä11e zu errichten, deren Kern die aus Basaltfindlingen zu errichtendeBurg der alten Garde" bilden wird. In einem Gebäude mit etwa 100 Zimmern sollen die ältesten thüringischen Parteigenossen ihren Erholungsurlaub verbringen können. Das Gelände für die Thingftätte soll dieser Gemeinschaft der tausend ältesten thüringischen Parteigenossen i n Erbpacht übergeben werden. Neben diesem Ge­bäude soll ein Internat erstehen, in dem die Kinder der ältesten Parteigenossen nach national­sozialistischen Grundsätzen erzogen werden. Um das Burggebäude soll sich ein Kranz von Wirt­schaftsanlagen ziehen, die nach Art des Kreuzberghauses dem Wanderer Zuflucht bieten sollen. Die zur Verpflegung benötigten Lebens­rnittel sollen am Ort selbst erzeugt werden. So soll u. a. ein Viehbestand von 50 bis 60 Stück ausgesuchter Tiere gehalten werden als Stamm für ein den örtlichen Verhältnissen ange­paßtes Rhön-Rind. Eine weitere Neuschöpfung soll die erste thüringische Rhön-Brauerei fein. Die Finanzierung des Planes soll ohne Mit­hilfe des Staates bereits gesichert fein.

NS.-Kutturgemeinde.-'

Berlin, 13. Juni. (DNB.) Der Beauftragte des Führers für -ie Ueberwachung -er weltanschau­lichen Schulung -er Partei, Alfred Rosenberg, hat angeordnet, - -er Kampf-und für deutsche Kultur mit den ihm korporativ an­geschlossenen Verbän-en und der Reichsver- band Deutsche Bühne zu einer Organisation vereinigt werden. Diese Organisation führt künftig den NamenNationalsozialistische Kultur- gemeinde". Zum Leiter -erNS.-Kutturgemeinde" wird Pg. Dr. Walter Stang ernannt. DieNS.- Kulturgemeinde" tritt korpevschaftlick in die Orga­nisationKraft durch Freude^ ein.

Kunst und Wissenschaft.

Oer Dichter Theodor Däubler f.

Der Dichter Theodor Däubler ist in St. Bla» fien im Schwarzwald a e ft o r b e n ; er ift 58 Jahre alt geroorbeh. Däubler, am 17. August 1876 in TriestDgeboren, wurde in Deutschland zur Zeit der Hochblüte des Expressionismus bekannt. Sein erstes und bedeutendstes Werk war das EposDas Nord­licht". In diesem, wie in den folgenden Büchern Der sternhelle Weg",Das Sternenkind",Hespe' rien" sowie in seinerHymne an Italien" offenbart sich ein tiefes lyrisches Empfinden. 1921 begann ein fünfjähriger Aufenthalt des Dichters in Griechen­land und damit eine ganz neue Phase feiner Well' anschaunug und feines dichterischen Schaffens. Die klassisch zu nennenden SchriftenSparta" undDer Berg Athos" waren die Früchte dieser griechischen Reise. Däubler hat, wie man sich erinnern wird, vor längerer Zeit im Gießener Goethe-Bund ge' sprachen.

Uraufführung am hessischen Landcsiheater.

Am Hessischen Landestheater in Darmstadt wird dieser Tage die komische OperDas Wahr* Zeichen" von Bodo Wolf uraufgeführt. Das Textbuch schrieb Eugen R i 11 e l b u s ch. Mit der Inszenierung desWahrzeichens" wird sich Gene« ralintenbant Dr. Prasch, der bekanntlich aus der Leitung des Hessischen Landestheaters ausscheidel, als Regisseur verabschieden.

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