Nr. AZ Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Mittwoch, \2. September I9ZH
Hessische HO. im Maffenquartier.
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Dlick in ein Lager der PO. des Gaues Hessen-Nassau in einer Turnhalle in Nürnberg während des Reichsparteitages. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
Aus der Provinzialhauptstadt.
Volkskunde.
Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts, nachdem die Geistesbewegung der Romantik auf die Schätze der Sagen, Märchen und Lieder in allen deutschen Gauen hingewiesen und den Sinn für die alten Sitten und Gebräuche neu belebt hatte, gewann die Volkskunde in Deutschland allmählich den Rang eines selbständigen Forschungsfaches. Ihr Altmeister W. H. Niehl hat ihr eine Grundlage gegeben und Mittel und Wege aufgezeigt, die noch der heutigen Forschung als richtunggebend dienen. Sinn und Wesen der Dollkskunde sind aber noch immer zu wenig in die Nation gedrungen, und doch ist keine Wissenschaft so wie sie mit allen Schichten des Volkes verbunden und so sehr auf die Mitarbeit, zum mindesten auf das Verständ iis aller Volksangehörigen angewiesen. Wir alle kommen mit Volkssprache und -Dichtung in Berührung, erfahren von den geheimnisvollen Gestalten des Volksglaubens und der Märchen, sehen um uns die ehrwürdigen Zeichen von Sitte und Brauch und erfreuen uns an den schönen Erzeugnissen handwerklicher Bauernkunst, an der Vielgestaltigkeit der Häuserformen, an gediegen gearbeiteten Geräten und prachtvollen Volkstrachten, wenn diese Quellen in den letzten Jahrzehnten auch immer spärlicher geflossen sind und mancher Großstädter mit ihnen auch nur während seines Ferienaufenthaltes, auf einer Wanderung oder gar nur beim Besuch eines Museums bekannt geworden ist.
Mit all diesen Erscheinungen und Gegenständen hat es die Volkskunde zu tun, und nicht nur mit denen der Vergangenheit, sondern ebenso mit den noch heute in den verschiedenen Volksschichten erhaltenen Gütern und geltenden Vorstellungen, gegen teren Auflösung und Vernichtung gerade jetzt alle Kräfte angespannt werden sollen. Wenn eine Wissenschaft lebensnah und buntfarbig ist, so ist es die Volkskunde: sie ist nicht die Sache blasser Studierzimmer-Weisheit, sondern sie nimmt den ganzen Menschen in Anspruch. Sie verlangt nicht nur die
Arbeit des Hirns, sondern auch das Herz, die Augen und — die Beine, denn der Volkstumsforscher muß hinaus aufs weite Land, in stille Täler, auf entlegene Bergeshöhen und in entlegene Heidegegenden: er muß den Leuten^„aufs Maul schauen", allein geistigen Hochmut ablegen und wieder ein natürlicher Mensch sein unter natürlichen Menschen. Für jeden tut sich in der Volkskunde eine fesselnde Frage auf, für den Freund der Dichtung in Volkslied und Schwank, Sage und Märchen, für den Arzt in den uralten Heilbräuchen des Volkes, von denen viele wieder an das Licht gezogen zu werden verdienen, für den Juristen, der mit dem ursprünglichen Rechtsempfinden der Menschen in Stadt und Land vertraut sein sollte, kurzum für nahezu alle Berufe und ihre Angehörigen, die sich noch nicht neunmalklug Vorkommen, sondern mit offener, Augen und gesunden Sinnen ihre engere Umgebung und die große Welt betrachten. An der Sammeltätigkeit, an der Auffindung alter Quellen und Dokumente kann sich fast jeder beteiligen. Vielleicht findet er sogar in seinem eigenen Haus ein solches vergilbtes Zeugnis vergangener Zeiten oder einen seltsam geformten Gegenstand, den er sonst achtlos weggeworfen hätte. Und manche Lieder und Sprüche gehen von Mund zu Mund, in denen sich alte Poesie und Weisheit offenbart, die vielleicht bald auf ewig verklungen sind, wenn wir Lebenden uns nicht ihrer annehmen und sie bewahren. -
Selbstverständlich soll nicht jeder ein wissenschaftlich gebildeter Volkstumsforscher werden und noch weniger sich dazu berufen fühlen. Wohl aber sollte er sich mit den Grundzügen dieses Wissenschaftszweiges vertraut machen und dann seinen Blick an den Verhältnissen seiner Heimat schulen, im Gespräch mit Bauern und Handwerker, auf seinen sonntäglichen Wanderungen und auf seinen Berufsgängen. Vielleicht wird er dann dem „Heimatverein" seines Ortes oder einem ihm bekannten Fachlehrer manchen wertvollen Hinweis erteilen können. Richt ein neuer Wissensdünkel soll damit herangezüchtet werden, sondern im Gegenteil das
Gefühl für das Schlichte und Echte geweckt und gefördert werden, dessen Spuren wir gerade im Werktags- und Feiertagsleben des einfachen Mannes finden. Und nach wie vor gilt bei diesem Bemühen das Wort des alten Riehl: „Im Volksleben ist nichts klein, was aufs Ganze, auf den geistigen Gehalt des Volkstums zielt".
Reichsbund Volkstum und Heimat.
Ortsring Gießen.
Betr.: Glaubergfahrt.
Der RVH. unternimmt am M i tt w o ch, 19. September, zusammen mit dem NSLB. eine Besichtigungsfahrt zu den vorgeschichtlichen Fundstätten auf dem G l a u b e r g.
Abfahrt ab Gießen: 13.39 Uhr. Rückfahrt ab Stockheim: 18.22 oder 20.32 Uhr. Ermäßigter Fahrpreis: 2,80 Mark.
Meldungen und Fahrgeld bis spätestens 18. September, 12 Uhr, an Dr. Michel, Weserstraße 4, erbeten.
Deutsche Arbeitsfront.
AS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude".
Fahrt zur Samländischen Bernsteinküste.
Am 22. September findet die letzte Bäderfahrt statt. Die Samländische Bernsteinküste ist diesmal das Ziel unserer Urlauber. Roch viel zu wenig bekannt ist dieses schöne Land im deutschen Osten. Ueberaus viel werden die Urlauber auf dieser Fahrt zu sehen bekommen: Tannenberg, das Nationaldenkmal in seiner monumentalen Wucht, und Marienburg, die große Ordensstadt des Ostens.
Am 22. September erfolgt die Abfahrt von Frankfurt a. M., mit einer Uebernachtung in Hohenstein, nach Königsberg Von dort aus werden die Urlauber in den Küstenorten an der Ostsee untergebracht. Jeder einzelne Urlaubsort bietet etwas Besonderes: Pillau an der einzigen Verbindungsstelle des Kuri- schen Haffs mit der Ostsee, Palmnicken mit dem einzigen Bernsteinbergwerk der Welt, Georgenmalde an der Samländischen Steilküste, Kranz, das bekannte Seebad an der Ostsee, und Rositten auf der Kurischen Nehrung. Zum Gold der deutschen Ostsee, zur Bernsteinküste, führt diese Fahrt. Die Urlauber werden Gelegenheit haben, die Bernsteinfischer bei ihrer mühevollen Arbeit zu beobachten.
Die Gesamtkosten für diese schöne Fahrt betragen nur 51 Mark. Die Rückfahrt wird am 30. September, morgens, erfolgen. Auf der Rückfahrt wird Marienburg besichtigt. Uebernachtung erfolgt in Berlin Am Montag, 1. Oktober, abends treffen die Urlauber wieder ein.
Anmeldungen werden bis zum Freitag, 14. September, entgegengenommen.
Bremerhaven mit anschließender Dampferfahrt, Urlauberschiff „Der Deutsche" nach Südengland,
22. bis 30. September 1934. Die Fahrt führt nach Bremerhaven, wobei Gelegenheit zur Besichtigung der Stadt Bremen geboten ist. Weiterfahrt nach Bremen zum Besteigen des Schiffes. Die Fahrt führt über Helgoland, Dover, Cowes, St. Peter Port, Cherbourg und endet in Emden. Rückfahrt nach der Stadtbesichtigung in Emden, Ankunft am 30. September 1934 vormittags. Diese Fahrt ist die letzte Seefahrt der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" für dieses Urlaubsjahr. Die Fahrtkosten betragen 51 Mark. Anmeldungen werden bis zum Freitag, 14. September, entgegengenommen.
Fahrt in den Bayrischen Wald.
Vom 29. September bis 7. Oktober veranstaltet die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" eine Fahrt in den herbstlichen Hochwald des bayerischen Waldes. Die Abfahrt erfolgt am 29. September abends. Rückkehr am 7. Oktober nachmittags. Die Urlauber werden in Zwiesel, am Fuße des Arbers, und in den Orten des bayerischen Hochwaldes untergebracht. Diese Fahrt in den bayerischen Wald mit seinen Wildbächen und seinen freundlichen Menschen wird ihre Anziehungskraft nicht verfehlen. Die Anfahrt
erfolgt über die schöne deutsche Grenzstadt Passau, die Rückfahrt über Regensburg. Zur Besichtigung beider Städte wird selbstverständlich ausreichend Oeit zur Verfügung stehen Die Kosten für diese ahrt betragen nur 31 Mark. Anmeldeschluß hierfür ist der 18. September 1934.
Heimkehr der PO.
Mit einem langen Sonderzug, der heute früh 5.35 Uhr im Gießener Bahnhof eintraf, kehrten die Amtswalter der PO. vom Reichsparteitag in Nürnberg zurück. Der Zug kam über Hungen — L i ch und hatte auch Amtswalter aus den Orten an dieser Strecke mitgebracht, die unterwegs schon ausgestiegen waren. Trotzdem entstieg hier noch eine große Menge von Amtswaltern dem Zuge, die zum Teil mit fahrplanmäßigen Anschlußzügen nach ihren Heimatorten weiterfuhren, im übrigen sich einzeln oder in kleinen Trupps nach ihren hiesigen Wohnungen begaben.
Die Rückkehr der EA.
Es sei noch einmal daran erinnert, daß unsere Gießener SA. heute, Mittwoch, 17.57 Uhr, vom Reichsparteitag in Nürnberg kommend, im Gießener Bahnhof eintrifft.
Vorsicht beim Pilzgenuß!
In der Zeit der Pilzernte werden alljährlich zahlreiche Erkrankungen und Todesfälle durch den Genuß giftiger Pilze verursacht. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um den Genuß selbstgesuchter Pilze. Jedem Pilzsammler kann nicht dringend genug empfohlen werden, nur Pilzarten zu verwenden, die ihm zweifellos als eßbar bekannt sind. Als Pilzkenner, die den Sammlern mit Rat und Auskunft zur Seite stehen, haben sich Universitäts- Gartenbauinspektor i. R. Nehnelt, Gießen, und Rektor Keller, Lollar, zur Verfügung gestellt.
GauletterSprengerm Nürnberg.
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Links: Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger; rechts: Ministerialrat Ringshausen auf dem Reichsparteitag in Nürnberg. — (Aufnahme: Photo- Pfckff.)
Aufgaben der Retchsoper.
Von Kammersänger Wilhelm Rode, Intendant des Deutschen OperndauseslReichs- oper), Berlin.
Die Eröffnung der Reichsoper, der richtunggebende Bedeutung auch für die Opernbühnen im Reiche zukommt, findet am 14. September in Berlin statt.
Die Aufgaben einer Reichsoper, die wegweisend für das musikdramatische Leben des deutschen Volkes sein soll, kann man am besten mit dem Ausspruch unseres Führers Adolf Hitler umreißen: „Mögen sich die deutschen Künstler der Aufgabe bewußt sein, die ihnen die Nation überträgt. Da Torheit und Unrecht die Welt zu beherrschen scheinen, rufen wir sie auf, die stolzeste Verteidigung des deutschen Volkes mit zu übernehmen durch die deutsche Kunst."
Deutsche Kunst also soll im Spielplan der Reichsoper wie aller deutschen Opernbühnen maßgebend sein. Neue Opernwerke von hohem künstlerischen Wert, die über ihre Zeit hinaus erzieherisch in die Zukunft weisen, können bei allem Streben unserer lebenden Dichter und Komponisten nicht mit Gewalt erzwungen werden. Damit soll nicht gesagt werden, daß junge Musiker von Begabung nicht zu Worte kommen dürfen. Freilich, wir wollen an die Worte eines bedeutenden noch unter uns weilenden Komponisten denken: „Warum soll ich schlechte Musik von heute anhören, wenn es ungeheuer viel Musik alter Meister gibt, die ich noch gar nicht kenne?" Und dennoch: Schenkt uns die Zeit neue Meisterschöpfungen, so werde ich als einer der Ersten bereit sein, mich ihrer anzunehmen. Experimente und Kunstwerke nach dem verderblichen Prinzip des l’art pour l’art (Kunst nur um der Kunst willen) dürfen im deutschen Opernwesen selbstverständlich nicht geduldet werden. Andererseits können wir nicht verlangen, daß moderne Komponisten ihre Kunstwerke in Formen schaffen, die dem Stil einer vergangenen Zeitepoche angehören. Handwerkliches Können, urkräftiges Volkstum, ehrliche und echte künstlerische Gesinnung werden bei der Wahl moderner Werke maßgebend sein.
Das Fundament des Spielplans wird der größte deutsche musikdramatische Meister Richard Wagner sein. Wer Wagner kennt, lernt ihn lieben, und wer ihn liebt, empfindet deutsch. Freilich, tiefes Verständnis für das gigantische Werk des Bayreuther Meisters stellt an das Opernpublikum gewaltige, Anforderungen, denen ein Teil der Opernbesucher heute vielleicht noch nicht ganz gewachsen ist. Unsere I
Aufgabe wird darin bestehen, eben diese Volksgenossen zum Verständnis des Wagnerwerkes zu erziehen. Jeder, dem sich die Wagnerwelt zu erschließen beginnt, wird zunächst von irgendeinem Teil des riesigen Ganzen angezogen und gefesselt — sei es der berauschende Orchesterklang, sei es das gewaltige dramatische Geschehen, oder seien es nur die romantischen Bühnenbilder. Durch mustergültige Aufführungen muß und wird die urdeutsche Kunstsphäre Wagners einem unverbildeten Publikum endgültig erschlossen werden.
Neben Wagner sollen auch Beethoven mit seinem einzigen weihevollen Opernwerk „Fidelio" und vor allem Carl Maria von Weber, der Schöpfer der deutschen romantischen Oper, mit liebevoller Pietät gepflegt werden. Man denke dabei an das tiefempfundene Wort Wagners: „Wie muß ich das deutsche Volk lieben, das den „Freischütz" liebt, das noch heute an die Wunder der naivsten Sage glaubt, das noch heute im Mannesalter die süßen, geheimnisvollen Schauer empfindet, die in seiner Jugend ihm das Herz durchbebten!" Herrliche, unvergeßliche Worte, die wir als Gebot für eine wahrhaft deutsche Kunstempfindung uns merken und einprägen sollen.
Von den heute lebenden deutschen Meistern soll Richard Strauß mit seinen beiden charakteristischsten Werken, und zwar „Rosenkavalier" und „Salome" in jedem Opernspielplan festen Fuß fassen. Aber auch die vielumstrittene Oper „Tiefland" des vor kurzem verstorbenen Eugen d ' A l b e r t dürfte nicht fehlen. Matt darf nicht vergessen, daß diese Oper erstens in einem echt oolkhaften Milieu — unter den Bauern der Pyrenäen — spielt, und daß zweitens der ethische Kern, und zwar der Sieg der echten Liebe, die nach außen hin brutale Handlung in einer Weise adelt, die das ganze Werk rechtfertigt.
Es ist selbstverständlich, daß ein richtunggebendes Opernhaus die Verpflichtung hat, neben den großen deutschen Werken auch die künstlerisch wertvollen Opern anderer Nationen zu Gehör zu bringen. Der große italienische Meister V e r d i soll unter den Auländern die zweite Stütze des Spielplans werden. Warum gerade Verdi? Verdi ist der typische Repräsentant der Gattung italienische Oper, die wie jede wahre Kunst im Volkstümlichen wurzelt, und von der man keineswegs verlangen kann, daß sie sich in ihrem Stil etwa dem Wagnerschen Musikdrama nähere. Jedes Volk hat seine eigene Ausdrucksart in der Kunst. Es ist beispielsweise, wie übrigens gerade Richard Wagner feststellt, ein charakteristischer Zug der deutschen Volksmelodie, daß sie weniger in kurzgefügten, flott und sonderlich bewegten Rhythmen, sondern in langatmigen, froh und doch sehnsüchtig geschwellten Zügen sich offen
bart. So ist auch ein deutsches Lied gänzlich ohne harmonischen Vortrag kaum denkbar. Diese „harmonische Melodie" war zunächst die Grundlage der Weberschen Volksoper und ist dann von Wagner zu ungeahnten Möglichkeiten erweitert worden. Die italienische feurige Volksmelodie ist dagegen einstimmig. Verdi schöpft aus dem wahren Volkstum feiner Heimat feine dramatisch beschwingte Melodie, die er von seinen Gestalten — Menschen von Fleisch und Blut — in der edlen Form der^Kantilene singen läßt. Neben Verdi darf wiederum Puccini, der große Meister der Alltagsoper, nicht fehlen, genau so wenig wie etwa B i z e t s „Carmen" und Smetanas „Verkaufte Braut", diese Einzelfälle einer volkhaft-dramatischen Musik.
Die leichtere Kunst soll ihren Ausdruck in den gleichfalls volkstümlichen, wohl unsterblichen Johann - S t r a u ß - Operetten wie „Fledermaus" und „Wiener Blut" finden. Dem Ballett, das als Kunstform an deutschen Opernhäusern sonst einigermaßen vernachlässigt wird, soll eine größere Aufmerksamkeit gewidmet werden. In jeder Oper muß eine Gesangsleistung von allerhöchstem Rang, dank einem Ensemble von erstklassigen Stimmen, erstrebt und erzielt werden.
Das sind die Richtlinien für die Arbeit einer Reichsoper, die wohl auch für die Opernbühnen des Reiches anregend und maßgebend erscheinen.
Mal umgekehrt.
Von Maria Beling.
Es ist im fieben doch stets so, daß junge Mädchen, die brennend gern zum Theater wollen, überängstlich von ihren Eltern davon zurückgehalten werden. Um gegen diese „Härte" einen Ausgleich zu schaffen, ersinnen wohlbeleibte Filmautoren dann meist Filmhandlungen, in denen es für junge Mädchen nichts Leichteres gibt, als auf die Bretter, die die Welt bedeuten, zu gelangen und dort Karriere zu machen.
Aber es kann auch mal umgekehrt fein. Da spiel ich jetzt in dem Europa-Film „(Eine Frau, die weiß, was sie will" die Tochter eines gefeierten Revue- ftars. Und ich kenne nur eine Sehnsucht: auch selbst auf den Brettern zu stehen, umstrahlt vom grellen Licht der Scheinwerfer und umbrandet von Erfolg und nicht endenwollendem Beifall. Aber meine Sehnsucht kann sich nicht erfüllen. Man hält mich fern von dieser zauberischen Welt des Scheins und führt mich in ein klares, nüchternes Leben ohne Kulissen und Schminke.
Grad umgekehrt ist es mir in Wirklichkeit gegangen. Ich hatte überhaupt keinen Kamps zu bestehen, um zum Theater zu dürfen. Ich brauchte
aus meiner Leidenschaft keine Heimlichkeit zu machen. Im Gegenteil, es war für mich geradezu eine Selbstverständlichkeit, nur allein diesen Beruf zu wählen. Denn ich entstamme einer Familie, die bis auf die Urgroßeltern zurück Theatermenschen umfaßt. Mein Urgroßvater war Direktor des Breslauer Lobetheaters, und meine Urgroßmutter wurde von ihm als Schauspielerin entdeckt und herausgestellt. Meine Großeltern waren Schauspieler. Meine Mutter Margarethe Beling-Schäser war in Mannheim und Darmstadt tätig, und mein Vater, der zwar einer alten holländischen Kaufmannsfamilie entstammt, war Heldenbariton und leitete später nacheinander die Theater in Kiel, St. Gallen und Bern.
Was blieb anderes übrig, als daß ich gemeinsam mit meinen beiden Schwellern auch zum Theater ging. Und da ist folgende spaßige Tatsache zu verzeichnen, daß jede von uns Dreien einmal an das Stadttheater von Gießen verpflichtet worden ist, und daß dort jede als Hanner! im „Drei- mäderlhaus" aufgetreten ist. Seitdem nannte man uns das Belingfche Dreimäderlhaus.
Film und Leven: mal umgekehrt!
Zeitschriften.
— Im Septemberheft von „Volk und Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München) weist Professor Schultz auf den reichen Stoff der germanischen Kultur hin, den die Künstler verarbeiten könnten, denn man weiß heute, wie unsere Vorfahren in drei Jahrtausenden wirklich hausten, lebten und gekleidet waren. — Das führt in der Kunst zu der Forderung nach der Darstellung der vollwertigen germanischen Menschen, wie sie W. Willrich mit 25 Bildbeispielen und Gegenbeispielen aus den letzten Jahrzehnten entwickelt. Professor Dr. Dr. Schultze-Naumburg zeigt die Bedeutung der Rasse in der Baukunst und spricht von dem Gesicht, das jedes Haus, Heim oder Zimmer hat. Dieses Gesicht darf nicht rassefremd und kalt blicken, vielmehr müssen Wesen und Gefühl seiner Bewohner aus ihm sprechen. Das Heft enthält neben kleineren Beiträgen aus Rafsenhygiene und Bevölkerungspolitik eine Reihe guter Bilder nordischer Köpfe, die bei dem letzten Preisausschreiben für die wichtigsten deutschen Rassen preisgekrönt wurden.
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Dr. phil. Dr. med. dent. h. c. Georg B 1 essing, der ordentliche Professor der Zahnheilkunde an der Heidelberger Universität, ist auf sein Ansuchen von den Amtspflichten enthoben worden.


