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Nr. 207 Erstes Blatt

184. Jahrgang

Mittwoch, 5. September 1934

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Die Stadt des Reichsparieitags begrüßt den Führer.

Nürnberg zum Empfang -er Gäste gerüstet.

DNB. Nürnberg, 4. Sept. (Eigener Draht­bericht unseres Sonderberichterstatters.) Nürnbergs große Tage sind wieder angebrochen. Als aus leich­tem Nebel in den frühen Morgenstunden die stolze Kaiserburg ihre Türme reckte, da lag das bunte Band der Fahnen und Tücher, der Wimpel und Standarten, der golddurchwirkten, smaragdenen Gir­landen wie immer an diesen Feiertagen der Nation über den Straßen. Und doch ist Nürnberg seinem alten Ruf als Hort der Kunst treu geblieben, ja, es hat ihn erst recht in diesem Jahre wieder­gewonnen. Alles, was fremd und aufdringlich die wundervolle Geschlossenheit der alten Stadt zu stören vermochte, was Unkultur und mangelndes Verständ-

Der riesige Adler mit dem Haienkreuz in der Luitpold-Arena.

rts der Nachfahren der unvergänglichen Schönheit Liesen Bauten von Meisterhand, diesen Straßen Lind Plätzen angetan hat, ist ohne Gnade beseitigt. Mit einemmal ist die Kaiserstadt, die sich unter den Zutaten fast verstecken wollte, wieder die herrliche alte und stolze Feste geworden. Ganze Straßenzüge wurden verändert und verbreitert. Der alte Befesti- gungswäll ist in seiner ganzen Schönheit wieder erstanden. Aus der zauberhaft schönen Innenstadt sind alle diemodernen" Zutaten, die amerikanisch­anreißerischen Reklamen, verschwunden. Brunnen und Denkmäler haben ihre Plätze wechseln müssen, wenn sie nicht zum Bild des alten und doch ewig I ungen Nürnberg passen wollten. Und nun erst er­kennt man an den gesäuberten Häuserfronten die unvergängliche Anmut aber auch die unsterbliche Kunst der alten Baumeister, Künstler und Hand­werker wieder.

Vielerorts sind bereits die Bemalungen, wie sie Dor 500 Jahren bestanden, erneuert worden, und getreu diesem alten Stil, der gar kein Stil, sondern inne völkische Eigenart, ein Spiegelbild des Den­kens und Empfindens des fränkischen Volkes war, rft nun auch der Schmuck der damaligen Zeit an- zebracht. Wirkte er im vorigen Jahr noch fremd- irtig, so spürt man diesmal sofort, daß er gar nicht anders sein dürfte. Wieder bieten die Prachtbauten fräs gleiche unvergeßliche Bild, das die Besucher, i)iie nun schon zu Tausenden und aber Tausenden die Straßen füllen, in seinen Bann zieht.

In den Gaststätten und den Straßen hört man nieder alle Mundarten der deutschen Muttersprache. Auffällig stark ist auch die Zahl der ausländischen Besucher, die sich kus eigenem Erleben einen Begriff vom neuen Deutschland machen wollen. Einmütige Bewunde- mng findet der herrliche stilgerechte Schmuck der clksamten Innenstadt. An allen Straßen und Plätzen, 'n den verträumten Jnnenhöfen, in der malerischen !2aiserburg, im Heiliggeisthospital und selbstver- ändlich auch in den alten Kulturstätten Nürn­bergs, im Albrecht-Dürer- und Hans-Sachs-Haus, -Iberall findet man eifrige Photoamateure, die die . nvorstellbar schönen Bilder einzufangen versuchen. Im Frauentorgraben war das Gedränge be­ängstigend. Als sich in den Nachmittagsstunden die 'Ankunft des Führers wie ein Lauffeuer verbreitet hatte, war an ein Durchkommen nicht mehr zu denken.

Die Ankunft des Führers.

Der Führer traf am Dienstag geaen 17.15 Ihr a u f dem Flughafen Nürnberg im Flugzeug ein. In feiner Begleitung befanden sich 5. eichsmmister Dr. Goebbels und die Adjutan- t-'n des Führers Gruppenführer Brückner und Lberführer Schaub. Zur Begrüßung des Führers hatten sich zahlreiche bekannte Persönlichkeiten der 2SDAP. auf dem Flughafen Nürnberg einge- funben. Man sah u. a. Reichsminister Darre, den öhef des Stabes der SA. Lutze, den Reichsführer d--r SS. Himmler, den Stabsleiter der PO. Zir. Ley, Reichsleiter Bormann, Oberführer

Schreck, den Gauleiter Streicher und den Nürnberger Oberbürgermeister Liebel.

Auf der Fahrt zum Flughafen zum Hotel Deutscher Hof" wurde der Führer von einer begeisterten Menschenmenge, die auf dem ganzen viele Kilometer langen Weg Spalier bildete, m i t außerordentlichem Jubel begrüßt. Vor dem HotelDeutscher Hof" war eine Ehrenkom­panie der SS. aufmarschiert. Der Führer begab sich sofort auf sein Zimmer. Als er sich bald dar­auf am Fenster zeigte, begann ein ungeheurer Jubel der Massen.

Nürnbergs Glocken läuten den Parteitag ein.

Punkt 19.30 Uhr strömte in tiefem Ton die größte Nürnberger Glocke, die Friedensglocke, her­über. Unmittelbar darauf setzt auch die ehrwürdige Glocke der Sebaldus-Kirche ein, in die sich die Glocken von St. Lorenz, St. Aegidien und St. Ludwig mischten. Ergriffen standen die Menschen auf den Straßen und Plätzen und lausch­ten dem Geläute, das, wundervoll abgestimmt, die Stunde mit tiefer Feierlichkeit erfüllte. In das

Die schmale Zufahrtsstraße zum Rathaus ist ge­sperrt; Wagen auf Wagen fährt vor. Durch fri­sches Grün führt der Weg vom Portal in den großen R a t h a u s s a a l, der an der Stirnseite auf weißsamtenen Hintergrund die Wappen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und der Stadt Nürnberg auf rotem Tuche trägt. Davor unter einem aus goldenen Bändern gewirkten Bal­dachin sind in Glasschreinen d i e Reichs-In­signien in ihrer wundervollen Nachbildung aufge­baut, während in der Mitte der kostbare Schrein steht, in dem die Insignien in der Spital-Kirche aufgebaut waren. An den Seitenwänden sind die Kandelaber, die natürliche Kerzen tragen, mit fri­schen Blumen umwunden. Zu den drei großen Kronleuchtern, die aus der Meisterhand Behaims stammen, ziehen sich gewaltige Girlanden mit schwe­ren goldenen Früchten. Zwei große Hakenkreuzban­ner sind der ganze Schmuck des Saales, und den­noch wird der Raum in den vollendeten Maßen, im ornamentalen Schmuck der getäfelten Decke und der jahrhundertealten Wandgemälde nach den Ent­würfen Albrecht Dürers, die im Triumphzug Kaiser Maximilian darstellen, wie ein einziges Schmuck­kästchen.

Kurz vor 20 Uhr flammen die Jupiterlampen auf, surren die Tonfilmapparate. Nun erst, in dem blendenden Schein des bleichen Lichtes wird die ganze Schönheit dieses Meisterwerkes alter deutscher Bau- und Raumkunst offenbar, nun erst leuchten die rotweißen Farben Nürnbergs an Ler Stirnseite, das Gold der Insignien im gläsernen Schrein, der matte Schimmer erlesener Stücke aus der Blütezeit des deutschen Handwerks und deutscher Kultur. Während von hohen Balkons durch FanfarenHeil dem Führer" in den Saal geschmettert wird, er­scheint der Reichskanzler mit erhobener Rechten von der Versammlung begrüßt, geleitet von Oberbürgermeister Liebel und dem Franken­führer Streicher, gefolgt von den Reichs- und Staatsministern, Reichsstatthaltern, dem Chef des Stabes und vielen anderen. Die Blütezeit der Stadt Nürnberg ist wieder erstanden zu frohem, bejahen­dem Leben, von dem auch die festliche Hymne er­füllt ist, in die ergreifend von hellen Knabenstimmen das Deutschlandlied verwoben ist. Sodann sprach

Oberbürgermeister Liebel:

Mein Führer! Zum zweiten Male darf Ihnen die altehrwürdige Stadt Nürnberg in diesem denk­würdigen Saal ehrerbietigen Willkommensgruß ent­bieten. Heute gilt unser Willkommensgruß und unser heißer Dank dem Führer und Kanzler der geeinigten deutschen Nation, dem von dem unbändigen Vertrauen des gesamten deut­schen Volkes getragenen Staatsoberhaupt, dem Manne, der als Schöpfer und Führer der nationalsozialistischen Bewegung die unermeßliche Schar seiner getreuen Kämpfer abermals zu einem Reichsparteitag in Nürnberg versammelt.

Jahrhundertealte Ueberlieferuna und feierlich verbriefte Rechte ließen schon vor Zeiten die neu­gewählten Herrscher des versunkenen Heili­gen Römischen Reiches Deutscher Nation ihren er st en Reichstag in der Freien Reichs- stadt Nürnberg halten. Die äußeren Zeichen ihrer Macht und damit deutscher Größe, Pracht und Herrlichkeit dieReichskleinodien wur­den vor mehr als einem halben Jahrtausend der Stadt auf ewige Zeiten urkundlich vermacht. Das alte Reich zerfiel, die Zeichen seiner Größe wurden um sie vor frechem Raub zu schützen versteckt und heimlich aus der Stadt geführt.

Dies geschah in jener Zeit, da man auch in Nürnberg des deutschen Vaterlandes tiefe Erniedri­gung bitter und schmerzlich empfand. Damals wagte es ein aufrechter deutscher Mann, der Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm, als Mahner und Künder deutschen Frechettssehnens eine Schrift zu verbreiten:Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung". In Braunau am Inn an der Grenze zweier deutscher Staaten, mußte dieser wackere Mann dafür als Märtyrer sein Leben las-

Dröhnen der Friedensglocke schmolz der Vierklang des herrlichen St. Ludwigs-Geläutes. Dazwischen ertönten das Silberglöckchen von St. Lorenz, die Sturmglocke der Sebaldus-Kirche und eine Anzahl kleinerer Turmglocken. Es war ein wundersamer Klang, dieser eherne Ruf, der die Feiertage der alten Noris und mit ihnen die stolze Melodie der erfüllten Sehnsucht vieler Jahrtausende, die deutsche Einigkeit und Schicksalsverbundenheit verkündete.

Die Anmarschstraßen zum Rathaus waren schon eine Stunde vor dem Eintreffen des Führers so dicht besetzt, daß der Fahrweg nur mit Mühe durch die Absperrmannschaften und die Polizei freigehalten ""werden konnte. Vor dem Rathaus war je eine Ehrenhundertschaft der preußischen und der bayerischen Landespolizei unter Führung des Majors von Stubenrauch aufmarschiert. Als unmittelbare Vorgesetzte der Hundertschaften waren Polizeigeneral D a l u e g e , der General der preußi­schen Landespolizei Wecke, der General der baye­rischen Landespolizei v. D ö f l a und die beiden Re­gimentskommandeure Oberstleutnant Freiherr von Lichten st ern und Oberstleutnant I a - cobi bei der Ehrenkompanie der Reichswehr eingetreten.

sen. Er fiel als einverstockter Nationalsozialist für sein auch im Unglück heißgeliebtes Vaterland". Schicksalhaft baut sich auf Vergangenem und Ge­genwärtigem die deutsche Zukunft auf. Von dort, wo jener starb, kam uns der Retter, und wir grüßen ihn aus heißem, übervollem Herzen in der Heimatstadt des für Deutschlands Freiheit als Blutzeuge vor 130 Jahren gestorbenen Johann Philipp Palm. Als äußeres Zeichen der Ver­bundenheit, unwandelbarer Treue und Dankbarkeit, die nicht in Worte faßbar ist, lege ich im Namen der Stadt Nürnberg eines der wenigen, durch Not, Verfolgung und Gefahr geretteten vergilbten Stücke, jenes schlichte Büchlein, um dessen Willen Palm einst sein Leben lassen mußte, in Ihre Hände, mein Führer. Daß es in dieser Stunde und in dieser Stadt geschieht, soll ein Be­weis sein dafür, daß wir nie vergessen, wem wir zu danken haben, daß in diesen Tagen in Nürnberg wieder ein anderes neues Deutschland marschiert. Mit dem ganzen deutschen Volk dankt Ihnen, mein Führer, dies erneut und zugleich mit ihrem freudig-stolzen, heißen Willkommensgruß durch mich auch Ihre alte treue deutsche Stadt N ü r n b e r g.

Des Führers Dank.

Der Führer und Reichskanzler dankte, sichtlich er­griffen, mit folgenden Worten:

Herr Oberbürgermeister! Lassen Sie mich Ihnen mein en a u f r i cf) f i g en Dank sagen für den mir soeben bereiteten herzlichen Empfang. Als Füh­rer der Bewegung genüge ich dem Wunsche vieler hunderttausende, die hier zu Gaste sind, wenn ich deren Gefühle mit den meinen verbinde und damit zum Ausdruck bringe. Schöner a l s je zuvor strahlt die alte deutsche Stadt im Glanze der Fah­nen und Standarten des neuen Reiches. Doch der schönste Schmuck sind die leuchtenden Augen von Nürnbergs Frauen und Männern. Bor wenigen Wochen erst hat die Stadt ein so einzigartiges Bekenntnis zum Nationalsozialismus abgelegt, das uns ihre Wahl zum Ort der Reichs­parteitage erst recht mit neuer Freude erfüllt. Des­

halb haben wir alle auch gar nicht die Empfindung, in einer fremden Stadt Fremde zu fein, sondern wir fühlen uns hier heimisch und glück- lich wie im eigenen Haufe. Das fränkische Volk kann mit Stolz von sich sagen, daß es dem schon so frühzeitig in seinem Lande gepflanzten neuen Banner stets in vorbildlicher Treue anhing und darin auch in schlimmen Tagen niemals wan­kend wurde. Das wissen wir, und um so mehr ist daher die Zeit der Reichsparteitage für uns in dieser Stadt nicht nur ein großes geistiges und seelisches Erlebnis, sondern darüber hinaus e i n wahrhaft glückliches Gedenken, eine allen unvergeßliche Woche in einer wunderschönen Stadt. Den besten Dank aber für das, was Nürn­berg in diesen Tagen uns wiedergibt, wird die Be­wegung abstatten, indem sie in hunderttausenden von Zungen im ganzen Deutschen Reiche und weit darüber hinaus erzählen und reden wird vom Ruhme dieser Stadt, von Nürnbergs ein­ziger deutscher Städteherrlichkeit.

Noch einmal schmettern die Fanfaren, dröhnen die Pauken das Lied der Deutschen und den Frei- heitsgesang Horst Wessels; ein Fanfarenmarsch be­schließt die eindrucksvolle Stunde.

Auch bei der Rückfahrt zumDeutschen Hof" be­reiten die Tausende, die die Straßen der Innen­stadt säumten, dem Führer begeisterte Huldigungen.

Dos HotelDeutscher Hof", das Hauptquartier der Reichsleitung der NSDAP, während des Reichs­parteitages 1934, ist, wie bei allen anderen Reichs­parteitagen, wiederum der Mittelpunkt allen Interesses. Es ist bei weitem nicht das größte Hotel Nürnbergs, aber es hat eine gewisse historische Bedeutung. Hier wohnen außer dem Führer und seinen Begleitern der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, fast alle Reichsleiter der NSDAP., darunter der Chef des Stabes Lutze, der Reichsführer der SS. Himmler, der Reichs­pressechef der NSDAP., SS.-Gruppenführer Dr. Dietrich, die Reichsminister Dr. Goebbels und Darrö, der Stabsleiter der PO. Dr. Ley, und viele andere mehr. Links und rechts vor dem Hauptportal stehen ehern und unbeweglich die Ehrenposten der SS. Im Hotel herrscht a u ch i n den späten Abendstunden noch Leben und Treiben. Ordonnanzen gehen ein und aus. Es werden Besprechungen abgehalten. Der Füh­rer liest die letzten Abendzeitungen und gibt An­weisungen. Und die Bevölkerung, die draußen nun schon vom frühen Morgen ab des Führers geharrt hat, und die ihn fast bei jedem Erscheinen am Fenster stürmisch begrüßte und bejubelte, geht nun still nach Hause, um die abendlichen Arbeitsstunden des Führers und seine Nachtruhe nicht zu stören. Um 24 Uhr erlöschen die großen Scheinwerfer, die unter dem strahlenden Sternenhimmel die Alt- Nürnberger Bauten beleuchteten und die wunder­bare Schönheit dieser Stadt auch in den Nachtstun­den offenbar machten.

Deutsche Diplomaten auf dem Reichsparteitag.

Berlin, 4. Sept. (DNB.) Auf Einladung des Führers und Reichskanzlers nehmen neben dem Reichsminister des Auswärtigen Frh. von Neu­rath und dem Staatssekretär von Bülow an dem Reichsparteitag in Nürnberg a l s Ehren­gäste teil: Die deutschen Botschafter in Lon­don, Paris, Rom und Moskau, die deutschen G e- sandten im Haag, .Sofia, Warschau, Bern, Brüs­sel, Budapest und Stockholm sowie deutschen Ge­neralkonsuln in Zürich, Danzig und Mailand.

Ein Fahnenwald am Fraaentorgraben.

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Festlicher Empfang im Rathaus.