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D rch eine Gerichtsverhandlung, über die Pa­ri! r Zeitungen berichten, erfuhren die Pariser zu ihe Belustigung, daß es noch Gespenster in der s. Dldiopole gebe. Zwei schwere Jungens hatten aus- j silmdschastet, daß eine vornehme Villa auf den ItaTnps-Elysees in einer bestimmten Nacht fast un- IbMtzt sein werde. Als diese Nacht angebrochen mt schlichen sie durch den Garten zur Villa, schlu- i a»in Kellerfenster ein und drangen, ohne beson- l kc. leise aufzutreten, in die Wohnung, wo sie r ich. Kostbarkeiten suchten. Durch das Geräusch, das tli Linbrecher verursachten, wurde die Dame des j )cu$5, die früh schlafen gegangen war, aufgeweckt, (s-war sich bald gewiß, daß es sich nur um Ein- bicter handeln könne, aber ihr Mann kam erst am rikhten Tage von der Reise zurück, ihr Mädchen hißt« Ausgang erhalten, der Gärtner hatte sich zu s iir schwerkranken Mutter begeben, und der Die- rie- Mtte Urlaub. So war sie allein auf sich an- gigai-fen. Das wußten offenbar auch die Einbrecher, dch uan5 ungeniert die Schränke und Kommoden a Ursachen und sich dabei unterhielten. Die Frau b ei Hauses besaß zwar einen kleinen eleganten gi^-tioer, doch traute sie der Waffe nicht recht, auch früi^ete sie, daß die Einbrecher sie ihr entwinden uin egen sie benutzen könnten. Um Hilfe zu schreien, sch? in der menschenleeren Gegend aussichtslos.

kam sie auf eine Idee, die sie sofort in

Geschichten aus aller Welt.

Sanfte Ansprache ans Auw.

(ns) Tokio.

Es gibt drei Möglichkeiten, um den schlechten und bisen Autofahrern das Handwerk zu legen. Ent- Mder man redet ihnen gut zu oder man straft sie wuchtig. Oder man verbietet ihnen das Autofahren üierhaupt.

Japan ist erst bei Etappe eins angelangt. Es stellt üerall große Tafeln auf mit weithin sichtbaren Sprüchen, die wirklich ans Herz gehen und etwa sl lauten:

Oh, du Automobil du bist groß und mächtig uub prachtvoll. Du hast Kraft und Stärke und Schönheit. Aber mißbrauche die negativen Seiten d-ser Eigenschaften nicht. Hab Mitleid mit denen, b- nid)t in der Lage sind, mit dir in Wettbewerb ji treten. Als da sind: Hunde, Pferde und Fuß- ginger.

schütze die Hunde vor deinen Rädern. Erschrecke di Pferde nicht mit deinem Hupen. Schone die tz.ßganger, denn sie haben vielleicht morgen auch

Ieht so etwas nicht zu Herzen? Gewiß, gewiß, - nur als man einen Automobilisten fragte, ob

sich denn das nicht zu Herzen genommen habe, fliianb er: nein, er habe keine Zeit gehabt, das in 80-Kilometertempo zu lesen. Und so lasen es d-,n nur die Pferde, die Hunde und die Fuß- (jciger ...

Der Mann mit den 51 Bräuten.

,(un) Port Said.

TinenMann mit den drei Frauen" gab es ein» Ml auf der Operettenbühne, und auch im wirk- lian Leben sollen manchmal Mannsbilder herum- lalen, die sich mit einer Lebensgefährtin nicht be° gtiigen, sondern sich mehrere leisten. Daß sich aber eir unverheirateter Jüngling gleichzeitig nicht we- mier als 51 Damen verspricht, ist auch dann ein R5ord, wenn der Betreffende als Matrose ständig

große Welt bereist! Und noch einzigartiger ist bfe Fall, wenn man hinzunimmt, daß der jetzt in eir*m Port Saider Krankenhaus verstorbene Bi- gslmisten-Häuptling vom Scheitel bis zur Sohle, jtg richtiger: vom Hals bis zu den Fingern töv'wiert war. Er trug die mehr oder minder ge- lirgenen Abbildungen aller einundfünfzig Herz- Llinliebsten auf dem Körper: Chinesinnen, japa- itige Teemädels, Inderinnen, Damen aus Mada- gcBar, aus Brasilien, Rußland und aus zahlrri- ip anderen Ländern der Welt.

Eine Woche Urlaub ein Kuh vierzehn Tage Gefängnis.

(th) Neuyork.

.'er amerikanische Seekadett Thomas Wilson von bei Seefahrtschule in Annapolis ist kürzlich zu vier­teln Tagen strengen Arrestes verurteilt worden. Et will an und für sich, auch bei einem Kadetten, tidät allzuviel oder etwas Besonderes besagen, fern nicht der Grund zu dieser Strafe etwas ab- Im erlich wäre: Wilson, der eine Woche Urlaub lots, verabschiedete sich nämlich, als er wieder zu eir-r Schule zurückfahren wollte, auf dem Bahn- |«s von Washington von seiner hübschen jungen Brent mit einem derartigen langen Kusse, daß ii ne der Mitpassagiere seines Zuges, vor allem linigo ältere Herren, Anstoß daran nahmen und tin feststellen ließen. Das Militärgericht gab dieser lEtyroerbe statt, und nun muß der verliebte Ka- i Mh vierzehn Tage lang in einer verdunkelten ®a= litt der abgetakelten BriggReina Mercedes" ] MrIfeine Leidenschaftlichkeit büßen. In der Urteils» k?c ündung wurde nachdrücklichst betont, daß ein I Raiaett sich gerade beim Küssen äußerster Dis­kwon zu befleißigen habe ...

Bärenjagd

>irch die Zoos von Britisch-Columbia.

(ns) Vancouver (Britisch-Columbia).

ugden auf Grizlybären sind selten geworden; voimds, wenn sie sich in einem Rahmen bewegen ®i diesem: der frühere Polizeichef von Bedford-

Donald Gandarpower, hastet von einem Zoo jur anderen und von einem Tierpark in den jiiciften. Ohne Gewehr zwar, aber dennoch als- gtnauf der Pirsch nach Grizlybären.

: ins ist eine kornische Geschichte. Erjagt" närn- Ihsiür einen Freund, den jetzt 90 Jahre alten Sir itort Hudson Borwick, einen Sonderling, der in i M-land seine letzten Tage verbringt.

jv'nn Jahre 1900 war Borwick in Britisch-Columbia ! I't schoß im Hinterland eine Bärin, von der er Illi; wußte, daß sie sieben Junge hatte. Als der iiicT die kleinen Bären entdeckte, ließ er sie dem it d jtgelegenen Zoo übereignen, der sie dann zum 'Li. weitergab an andere zoologische Institute.

lltzt auf einmal interessiert sich nach 34 Jahren 1X: i alte Borwick für das Schicksal dieser Bären.

iiat deshalb seinem noch jüngeren Freund eine jjfcl» finanziert und ihn beauftragt, genau nach den !ten Ausschau zu halten. Kein leichtes Stück Nid it, denn Borwick hat vergessen, wie der Tier- jic:l hieß, dem er die kleinen Bären schenkte. So 6 dort sich also die Bärenjagd von Britisch-Colum- k>v.Jn England aber wartet ein alter Sonderling ('pmnt auf den Gesundheitsbericht über eine yof- fMilch recht zahlreiche Grizlybären-Familie ...

Das Gespenst.

DZD. Paris.

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

5amrtag/. Dezember Ml

Oberhefsen.

Ein guter Fang.

*Lang°Gons, 30. Nov. In der Nacht zum Freitag wurden in unserem Orte zwei E i n bruchsdiebstähle ausgeführt. In der Wirt­schaft von Hebbel am Bahnhof wurden etwa 30 Pfund Wurst und außerdem zwei Flaschen Kognak gestohlen, in der Weinhandlung und Weinstube Bopp hieß der Dieb vier Flaschen Kognak und 16 Flaschen Wein mitgehen. Die Gendarmerie, die sich sofort mit der Angelegenheit beschäftigte, konnte drei Personen fest nehmen und in das Amtsgericht Gießen einliefern. Der mutmaßliche Haupttäter ist ein 18jähriger hiesiger junger Mann, der bereits vorbestraft ist und schon einmal in einer Erziehungsanstalt untergebracht war. Der zweite Feftgenommene ist ebenfalls ein gebürtiger Lang-Gönser, der gegenwärtig außerhalb wohnhaft ist. Außerdem wurde die Inhaberin einer Gaststätte festgenommen, die wahrscheinlich um das Vorhaben der jungen Leute wußte.

Landkreis Gießen.

$ Alten-Buseck, 30. Nov. Gestern abend fand in dem mit zahlreichen Hakenkreuzfahnen ge­schmückten Saale von Philipp Einhäuser eine öffentliche Versammlung der NSDAP., Ortsgruppe Alten-Buseck, statt. Hierzu hatten sich außer den Mitgliedern der Partei und den Gliederungen zahl­reiche Einwohner aus den Nachbargemeinden Trohe und Rödgen eingefunden. Unter den Klängen der SA.-Kapelle Großen-Buseck erfolgte der Einmarsch von SA. und BdM. Nach herzlichen Begrüßungs­worten durch den Ortsgruppenleiter Freund und nach dem gemeinschaftlichen Gesang des Liedes Volk ans Gewehr" sprach Pg. Klostermann über aktuelle Tagesfragen. Er beschäftigte sich zu­nächst mit der von dem Nationalsozialismus ge- leisteten Arbeit, die sich auf allen Gebieten zum Nutzen des gesamten schaffenden deutschen Volkes auswirke. Die Partei selbst sei der geiftge Impuls, der das Leben in Deutschland bestimme. Er hob besonders hervor, daß durch die Stabilisierung der Preise für landwirtschaftliche Produkte und durch den Vollstreckungsschutz der Landwirtschaft geordnete und stabile Verhältnisse geschaffen seien. Zum Schluß appellierte der Redner an alle Volksgenossen, für das Winterhilfswerk eine offene Hand zu haben und unseren Führer bei seinem großen Werk zu unerstützen. Der Redner schloß seine allgemein ver­ständlichen mit Humor gewürzten Ausführungen, die den lebhaften Beifall der Versammlung fanden, mit dem dreifachenSieg-Heil!" auf unseren Führer. Ortsgruppenleiter Freund dankte für den vor­züglichen Vortrag. Mit dem Gesang des Horst- Wessel-Liedes wurde die Versammlung geschlossen. Die SA.-Kapelle unterhielt noch geraume Zeit mit guter Musik.

* Lollar, 30. Nov. In dem gestrigen Bericht über die Feier der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude hat sich ein unliebsamer Fehler eingeschlichen. Der Ortsgruppenführer heißt Pg. Bromacher.

-Q: Harbach, 28. Nov. Anläßlich des Jubi­läums der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" hatte sich die hiesige NSBO. im Partei- lokal Herzberger eingefunden. Man hörte voll Spannung die Uebertragung aus Berlin. Anschlie­ßend fand Tanz statt. Die Dorfjugend verbrachte beim Klange der volkstümlichen Ziehharmonika einige schöne Stunden. Seit etwa acht Tagen ist in in dem hiesigen Gemeinde- und Staatswald das Holzmachen rege im Gange. Infolgedessen ist unsere Gemeinde frei von Arbeitslosen. Sogar ver­schiedenen Kleinbauern ist es ermöglicht worden, für einige Wochen lohnenden Nebenverdienst zu finden. Gegenwärtig sind fünf Rotten beschäftigt. Wie man hört, soll in diesem Jahre ein prozentual höherer Holzeinschlag als im Vorjahre vorgenom­men werden, um einerseits eine größere Einnahme zu erzielen und anderseits eine längere Arbeits­dauer zu gewährleisten. Darüber ist man in Ar­beiterkreisen sehr erfreut, zumal sich hier in der industriearmen Gegend nur sehr geringe Verdienst­möglichkeiten bieten.

* Queckborn, 1. Dez. Johann Heinrich Al­bert von hier wurde zum Beigeordneten unserer Gemeinde ernannt.

(D Grüningen, 30. Nov. Die Orts­gruppe der NSDAP, versammelte sich, bei guter Beteiligung sämtlicher Formationen im Saale des Gasthauses Fay. Ortsgruppenleiter M a r st e 1- l e r eröffnete die Versammlung und gab in kur­zen Zügen einen Ueberblid, von der Durchführung des Winterhilfswerkes in der hiesigen Gemeinde, und forderte sämtliche Anwesende auf, an dem großen sozialen Werk mitzuhelfen. Niemand darf sich der in Stadt und Land bewiesenen Opferfrcudigkeit ent­ziehen. Nur wenn jeder Deutsche im Geiste der bedingungslosen Hilfsbereitschaft spende, dann könne dieses Werk vollendet werden. Wer verdiene, habe derer zu gedenken, die ihn wieder verdienen ließen. Weiterhin gab Ortsgruppenleiter Marsteller einen Rückblick über die abgehaltene Fahnenweihe. Am 2. Dezember wird in Dorf-Gill eine Frauen- Versammlung stattfinden, in welcher Pg. Hopfen­müller sprechen wird. Mit dem dreifachenSieg- Heil!" auf den Führer wurde die Versammlung ge­schlossen.

oo Langsdorf, 30. Nov. Unserer Gemeinde wurde eine große Freude zuteil: der Führerund Reichskanzler übersandte dem Gemeinderat ein eigenhändig unterzeichnetes Schreiben, in dem er das ihm im Vorjahr verliehene Ehrenbür- gerrecht dankend annimmt und die besten Glück­wünsche für das Blühen und Gedeihen Langsdorfs ausspricht. Besonders sympathisch berührt die große Schlichtheit des -Briefes in Form und Inhalt. Die Ortsgruppe der NSDAP, veranstaltete im Rathaussaale einen wohlgelungenen Abend für das Auslandsdeutschtum. Nach Begrüßung durch den Zellenleiter ergriff Dentist Weiß von Hungen das Wort zu einem mehr als zweistündigen Vortrag über die Deutschen in Siebenbürgen. Da er selbst Sachse aus Mediasch ist, konnte er aus reicher Er­fahrung schöpfen. Don zahlreichen Bildern unter­stützt, erzählte er von dem schweren, 700jährigen Kampf der dortigen Deutschen in Vergangenheit und Gegenwart mit den sie umgebenden fremden Volks- tümern. Die ganze Tiefe deutschen Wesens und die sieghafte Kraft deutscher Geisteskultur leuchtete auf, zumal gegenüber den mit tiefer stehenden anders­artigen Kulturen. Herr Weiß erwirbt sich mit diesen Vorträgen ganz gewiß ein dankenswertes Verdienst um seine siebenbürgische Heimat.

> Nonnenroth, 29. Nov. Auch in unserer Gemeinde wurde am vergangenen «Sonntag in würdiger Form der Toten gedacht. Das Familien­leben stand schon tagelang vorher im Zeichen des Totensonntags. In fast allen Häusern wurden

die Tat umsetzte. Sie hüllte sich in das Bettlaken und schritt feierlich durch den vom Mond beleuch­teten Korridor. Die Einbrecher wollten gerade die Treppe hinaufgehen, um auch die oberen Räume der Villa zu durchsuchen, als sie die weiße- Gestalt erblickten. Sie, die jedem Menschen sofort mit der Waffe in der Hand entgegengetreten wären, er­schraken vor der weißen Gestalt, die sie für ein Gespenst hielten. Sie ließen ihre Laterne und ge­stohlenen Sachen fallen und rannten entsetzt aus dem Hause. Das Pech wollte dazu noch, daß sie, als sie über den Gartenzaun fliegen, von einer Polizeipatrouille bemerkt und in Empfang genom­men wurden ...

Amtsschimmels Ehrenrettung.

() London.

Vor etwa zwei Jahren verstarb in Melksharn ein wohlhabender Bürger namens Ludlow Bruges. Er vermachte sein Vermögen, bestehend aus Wert­papieren, dem städtischen Krankenhaus. Die Erb­schaft bestand aber nicht nur aus Bargeld, sondern aus - Wertpapieren, etwa in Höhe von 100 000 Pfund. Obwohl es sich umgute", d. h. sichere und solide Aktien handelte, weigerte sich die «Spitals» mal hing zunächst, diese zu verkaufen. Sie meinte, eine städtische Dienststelle habe sich nicht mitBör- senmanövern" zu beschäftigen. Endlich kam ein neuer Direktor, der die Meinung vertrat, gelegent­lich könne man auch etwaszu Fuß", d. h. ohne den Amtsschimm-ll, erledigen. Er ließ die Papiere verkaufen, und siehe da, ihr Kurs hatte sich in der

Zwischenzeit beinahe verdoppelt: Man erhielt statt 100 000 genau 195 000 Pfund in bar ausgezahlt! Immerhin eine «Summe, die ein Krankenhaus ganz gut gebrauchen kann.

Schreckliche Folgen einer Prophezeiung.

(a. d.) Mailan d.

Signora Ulrica in Mailand steht im Rufe, eine Wahrsagerin zu sein. Kürzlich besuchte ein Kaufmann sie, der Zweifel über die Treue seiner Ehehälfte im Busen nährte, seit ein Bekannter ihm anvertraute, er habe sie in Begleitung eines jungen Mannes auf dem Domplatz gesehen. «Signora Ulrica rief den König der Hölle an, was 20 Lire kostete, dann legte sie die Karten und behauptete, klar in der Ange­legenheit zu sehen: sie riet ihrem Klienten, unver­züglich nach Hause zu eilen, da werde er des Rät­sels Lösung finden ...

Tatsächlich der verstörte Ehegatte fand seine Frau in Gesellschaft des ihm beschriebenen jungen Mannes! Ohne überhaupt eine Erklärung abzu­warten, versetzte er ihm eine gehörige Tracht Prü­gel. Und erst auf der nächsten Polizeiwache kam der Bedauernswerte zu Wort: er sei Reisender in seidenen Bettdecken und habe der jungen Frau eine solche auf Ratenzahlung verkauft. Nun sei er er­schienen, um die fällige Rate einzukassieren.

Er hatte auch in der Tat tüchtig einkassiert, wenn auch etwas anderes, als er erwartet hatte. Der Ehemann ließ sich übrigens versöhnen, und als Entschädigung erstand er sogar eine zweite seidene Decke für das Ehebett.

Ursula schreibt aus Christkind...

Ja, das ist nun so in diesen Wochen: eines Mittags kommt der Vater nach Hause, hat den Kopf voll mit schwierigen und ernsthaften Gedanken und ist ganz erstaunt, auf seinem Schreibtisch zwi­schen allerhand wichtiger und unwichtiger, aber jedenfalls geschäftlicher Post einen Brief vorzu­finden, der entschieden nicht für ihn bestimmt ist, denn auf dem Umschlag steht in großen und etwas zittrigen Buchstaben, so wie man sie ungefähr in der zweiten Klasse zu malen pflegt: An das Christkind, im Himmel. Punkt. Der Punkt scheint ein Klecks zu sein, aber soviel wird dem

tag ausgedacht hat in ihrem kleinen Herzen und Gemüt. Der Vater, mit großen Augen den etwas krakeligen Sütterlinbuchstaben folgend, lieft ja nun auch allerhand, was offenbar nicht bloß allein für das Christkind zu wissen wichtig und nützlich ist, als zum Beispiel, daß dem armen Bullyhund leider, leider schon vor einiger Zeit das linke Schlappohr abgegangen ist, was der gute Onkel Doktor bis heute noch nicht wieder heilzumachen imstande war. Daß ferner Ursulas Puppenwägelchen sehr drin­gend eines neuen Verdecks bedürfe, sintemalen das alte beklagenswerterweise nicht nur entsetzlich

erstaunten Vater in seinen ernsthaften und vorerst gar nicht himmlichen Gedanken klar, daß dies un­fehlbar bie Handschrift seiner kleinen Tochter Ursula ist, und daß außerdem der Brief mit der postalisch so überaus klaren Anschrift nicht von ungefähr auf seinen Schreibtisch gekommen fein kann... Er nimmt also den Schrieb, dreht ihn hin und her, beschnuppert ihn auch mal und guckt sich um; aber Ursula, die ihm vorhin mit einem so verschmitzten und geheimnisvollen Gesichtet die Tür aufgemacht hat, als er nach Hause kam, ist einstweilen unsichtbar und hat sich ins Kinderzimmer oder zu Mutti in die Küche gemacht, um den Vater bei dieser unver­muteten und weihevollen ersten Begegnung mit den himmlischen Mächten diskret allein zu lassen .. Na, der Vater ist ja inzwischen ein bißchen nachdenklich geworden; er hat sich auf seinen Stuhl gesetzt, und es ist ihm auf einmal und gewissermaßen greifbar eingefallen, daß so in vier Wochen, schlecht gerech­net, Weihnachten sein muß. Wer hätte das gedacht. Und siehe, dieser Brief hier ist nicht mal zugeklebt; an Spucke pflegt es, mit Verlaub, seiner Tochter Ursula sonst nicht zu mangeln, also steckt am Ende was dahinter, und der gute Vater macht sich nun wahrhaftig kein Gewissen daraus (wegen Verletzung des Briefgeheimnisses und solchen Sachen) das Schreiben behutsam zu öffnen. Sieh mal einer an: Gießen", steht da,den soundsovielten...", schon und gut, aber dann heißt es gleich, wo sonst meist Sehr geehrter Herr" steht:Siebes Christkind!" Und dann ist da alles zusammengetragen und ver­trauensvoll abgeladen worden, was die Tochter Ursula sich so seit ihrem letzten (siebten) Geburts-

Aufn.: E. Hase.

schmutzig, sondern sogar ziemlich kaputt sei. (Und auch dieser Schaden ist nicht etwa erst von gestern!) Ja, und dann hat doch die kleine Ursula neulich auf dem Heimweg in einem bestimmten Schau­fenster so ein süßes Baby im Körbchen gesehen, ein ganz winziges, klitzekleines, aber mitzuen" Augen und mit einem richtigen Milchfläschchen und alles ganz in Rosa... Ursula ist schon viele Nach­mittage daran vorbeigegangen und hat geguckt und sich davon überzeugt, ob es nicht am Ende vom Christkind schon abgeholt wäre, denn es könnte ja doch immerhin möglich sein, obwohl eigentlich nicht ganz auszudenken, daß ein anderes kleines Mäd­chen, vielleicht sogar eins aus Ursulas Klasse, eben­falls seine Augen begehrlich auf dieses süße Rosa­baby geworfen hätte, nicht wahr?... Ja, das alles liest der Vater mit Staunen und auch mit einem kleinen, gerührten LächelnViele Grüße" lieft er zum Schluß,Deine Ursula". (Punkt.) Da macht der Vater, der inzwischen Ursulas Stimme von der Küche her sich nähern hörte, den Brief behutsam wieder zu und steckt ihn, ohne dies für Unter­schlagung zu halten, in die Brusttasche, links überm Herzen, und beschließt, mit einem ebenso ver­schmitzten und geheimnisvollen Lächeln (wie Ursula vorhin) sich zu Tisch zu setzen und so zu tun, als ob er außer etlichen Geschäftsbriefen rein,gar nichts auf feinem Schreibtisch vorgefunden hätte. Hernach aber, wenn die kleine Ursula sich wieder davon- gemacht hat, wird er ja wohl mit Mutti über die zweckmäßige Weiterbeförderung des himmlischen Schriftstückes ein ernstes Wort reden müssen.

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