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m. 21 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, L Sebruar 1934

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Mchkiche Totenfeier für Hans Eberhard Mikowfti

Aufhebung von Ortsbürger

der

Aus der Provinzialhauptstadt

mit dem Unterton des Bedauerns, daß so viel ur-

Mütter die NSV. kämpst für Euch!

Werdet Mitglieder der 7ISV.

Memel am 30. Januar, ungefähr um 13 Uhr, folgenden Funkspruch aufgefangen haben:

. spricht Stratosphärenballon, mitteilt dies ... Ballon geriet in Zone Niederschläge, vereiste. Wir befinden uns auswegloser Lage .. Eisbedeckt fallen wir ... Zweien meiner Genoßen ist sehr übel..."

Das Telegraphenbüro bemerkt, daß diese Mit­teilung noch einer aufmerksamen Prüfung bedürfe. Der Untersuchungsausschuß ist nach dem Ort der Katastrophe abgereist. Ueber die Ursache des Un­glücks wird angenommen, daß der Ballon durch starke Luftströmungen aus der Moskauer Gegend fortgetragen worden und in großer Höhe in über­aus schlechte atmosphärische Verhältnisse geraten ist.

In der jetzigen Maitowskistraße, der früheren Wallstraße in Charlottenburg, in der am Tage der nationalen Erhebung der Sturmführer M a i k o w s k i und der Polizeiwachtmeister Z a u- r i tz den Kugeln der Kommunisten zum Opfer fielen, fand am Dienstagabend eine nächtliche Gedächtnisfeier statt, bei der Stabschef Röhm eine Ansprache hielt.

verstärken würde. Die Gymnastik aber möchte dem Menschen spürbar machen, wie sich der Körper von Natur aus zu verhalten hat, um eine solche Hebung zweckentsprechend auszuführen. Den Sinn einer Sache wird ein Lehrer aber nie durch Einreden auf den Schüler klar machen können. Nein, der Ler­nende wird sich selbständig durch Ausprobieren, durch Erfühlen des Vorganges über den Sinn

der auszuführenden Aufgabe klar werden müssen. Die Natürlichkeit einer Bewegung wird er als leicht, gesund, kraft- und nervenstärkend empfinden. Er wird sich aus Ueberzeugung bemühen, seinen Kör­per natürlich zu handhaben. Ja, er trägt von da ab die Verantwortung für die Wiedergesundung seines Körpers, die nur er sich erarbeiten kann; kein Lehrer kann sie ihm anerziehen: denn sie steht im Zusammenhang mit feinem geistigen Menschen, sei­ner Erkenntnis, feinem Wollen. Diese natürliche Körperbeherrschung bedingt auch das Zurückfinden zu den geistigen Eigenkräften des Menschen. Was vorher durch Unselbständigkeit, durch Minderwertig­keitsempfinden verschüttet war, wird nach und nach durch Mut, Aufgaben selbständig gegenüber zu tre­ten, auch im täglichen Leben feine Auswirkung haben.

Sv gesehen, ist Gymnastik nicht mehr eine Luxusbeschäftigung Wohlgestellter, sondern sie ge­hört mitten hinein in unser heutiges Leben des Kampfes, wo es gilt, wieder Liebe zur Arbeit, Mut zum selbständigen, sinnvollen Handeln zu wecken.

Gymnastik als Lebenshilfe.

Es wurde in den verflossenen Jahren so viel vom schöpferischen Kinde geredet und geschrieben, immer

linie MoskauKazan. Anscheinend ist die Gondel vom Ballon abgerissen und zu Boden gestürzt.

Wie das Unglück geschah.

Moskau, 31. Jan. (DNB.) In der heutigen Sitzung des Kommunistischen Parteikongresses der Sowjetunion machte der erste Sekretär im Bundes­hauptvollzugsausschuß Ienukidse über den Absturz des Stratosphärenballons folgende Mit­teilungen:

nutzen am Attmendqut.

Ein neues hessisches Gesetz.

LPD. D a r rn st a d t. 31. Jan. Der Fortgang

gesehenen bedarf. Hier liegt der Anfang zu Minder­wertigkeitsgefühlen.

Die Gymnastik möchte den Menschen zu einer Kraftquelle zurückführen: der Körper ist uns hier­bei Mittel zum Zweck. In stiller selbständiger Arbeit versuchen wir, seine durch den Verstandeswillen seit langem mißbrauchten Lebensäußerungen wieder in die rechte Wirkung treten zu lassen. Beachten wir beispielsweise den Vorgang einer Kniebeuge. Wir könnten, um unsere Beinmuskulatur zu kräf­tigen, eine Reihe Kniebeugen ausführen, ohne Fühlung zu den naturbebingten Lebensäuße­rungen genommeji zu haben, d. h. die Knie- und Fußgelenke würden nicht in ihrer Zwangsläufigkeit zueinander stehen, sondern sie befänden sich in einer fälschlichen Verschiebung zu einander, wodurch jede Kniebeuge die Fehlerhaftigkeit der Muskelzüge nur

Arbeiten in Durchführung des Meliorations- arbeits- und S i e d l u n g s p r o g r a m m s erforderte dringend eine den Zeitverhälnifsen ent­sprechende gesetzliche Regelung dahingehend, daß eine Aufhebungsmöglichkeit be st ehender Ortsbürgerrechte am Allmendgut ge­schaffen wurde. Die Bewirtschaftung der als All­mendfelder ausgewiesenen Grundstücke war häufig mit den heutigen Anschauungen über eine intensive Wirtschaftsführung nicht mehr zu vereinbaren. Die Regelung des Ortsbürgernutzens am Allmendgut trug den nationalsozialistischen Anschauungen über die Nutzung von Grund und Boden und den heuti­gen Wirtschaftsverhältnissen nicht mehr Rechnung. Ein hessisches Gesetz vom 27. Januar sieht an Stelle einer Ablösung von Ortsbürgerrechten am Allmend-

20600 Meter!

TU o s f a u , 30. 3 an. (DNB.) Der russische Stra­tosphärenballon »Hssoaviachim" erreichte bei seinem Aufstieg am Dienstag in zwei Stunden und 38 Minuten eine höhe von 20600 Me­te r. Er hat damit einen Weltrekord aufge­stellt. Die Ballonhülle hat einen Rauminhalt von 24 090 Kubikmeter und die kugelförmige Gondel einen solchen von 6,5 Kubikmeter bei einem Durch­messer von 2,40 Meter. Die Gondel hat drei Seiten­fenster und unten ein besonderes Fenster für Licht­bildaufnahmen und Beobachtungen. 3n der Gondel sind Instrumente zur Erforschung der Stratosphäre eingebaut Der Ballon wurde geführt von dem Ingenieur Pawel Fedossejenko, der der Zivilluftflotte angehört und im 36. Lebensjahre steht. An dem Fluge nahm ferner teil Ingenieur Dassenko, der ein Sachverständiger auf dem Gebiete der Aerologie ist, und ein weiterer Be­gleiter. Um 9.56 Uhr Moskauer Zeit meldete der Ballon, daß er 15 000 Meter höhe erreicht habe. 18 Minuten später war der Ballon bereits weitere 4000 Meter gestiegen.

Nachdem man eine Zeitlang über das Schicksal der Stratosphärenflieger im Ungewissen war Gerüchte sprachen teils von einem tödlichen Absturz, teils von einer Landung des Ballons in der Nacht zum Mittwoch liegt nunmehr eine Reutermel­dung aus Moskau vor, wonach die drei Insassen des Stratosphärenballons in der Gondel tot auf- gefunden worden sind. Die Fundstelle befindet

t e n Fliegern wurde aufgefunden. Nach Bekun­dungen von Augenzeugen ergab sich folgendes Bild der Katastrophe: Beim Absturz loste sich plötzlich die Hülle des Ballons, wobei zwei laute Explo­sionen zu vernehmen waren. Die Leichen der drei verunglückten Stratosphärenflieger wurden in der Gondel liegend aufgefunden. Einer davon ist bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Sämtliche Geräte und Gegenstände in der Gondel sind zertrümmert.

Letzter Funksprucv

Moskau,!. Febr. (DNB- Funkspruch.) Von dem verunglückten russischen Stratosphärenballon will, wie die Nachrichtenagentur der Telegraphenunion mitteilt, ein Radioamateur in der Umgebung von

rnu UcTTi urueriun ues zjeuuuvrns, uuß jo uiei ur- sich in der Nähe des Dorfes Potiufky an der Bahn- sprüngliche Kraft des jungen Menschen durch me= ..... - ' chanisches Lernen, Nachahmen, Künstelei und

Gliilk und Ende ruUcher Strniosphärenflieger

Tödlicher Absturz nach Erreichung des Höhenweltrekordes.

Krampf verschüttet würden und somit der von Na­tur aus bestehende Reichtum des Menschen an Schaf­fens- und Kampfesfreude erstürbe. Wie ist es mög­lich, daß solch reiche Quellen zugedeckt werden, so daß meist nur kleine getrübte Rinnsale aus ihnen heraussickern, die allzu oft als nervöse, quälende krankhafte Erscheinungen zu Tage treten. Der Grund zu dieser Verarmung liegt oft in der Beeinträchti­gung der selbständigen Entwicklung, die meist schon beim kleinen Kinde einsetzt. Der allzu ängstliche und verzärtelnde Pfleger mochte in falsch verstandener

gut deren Aufhebung durch den Staatsminister In einer Kann- Vorschrift vor. Soweit die Aufhebung erfolgt, erloschen die Nutzungsrechte der Berechtigten am Allmendgut. Den Berechtigten steht ein Anspruch auf eine Entschädigung nicht zu. Ueber die Ver­wendung des durch die Aufhebung von Nutzungs­rechten freigewordenen Allmendguts dürfen die Ge­meinden nur nach Weisung des Staatsministers, ober der von ihm beauftragten Stellen verfügen. Die Verwendung kann in Richtlinien des Staatsmi­nisters des Näheren geregelt werden, wobei auf die wirtschaftlichen und sozialen Bedürfnisse der durch Aufhebung der Nutzungsrechte Betroffenen Rücksicht zu nehmen ist. Grundsätzlich soll das frei» gewordene Land abzüglich eines nicht unter ein Fünftel betragenden Teiles, über den die Gemeinde selbst verfügen kann, zur Aufrundung von Ackernahrungen, gegebenenfalls sonstigen Be­reitstellung von Siedlungsgelände Ver­wendung finden. Der der Gemeinde zur selbständi­gen Verwendung überlassene Teil des freigeworde­nen Landes fetzt die Gemeinde in die Lage, be» dürftigen Ortsbürgern Grundstücke kostenlos oder gegen geringes Entgelt zu überlassen.

Neue hessische Gesetze.

LPD. Darmstadt, 31. Jan. Das Hessische Re- gierungsblatt Nr. 3 vom 29. Januar enthält u. a.: Gesetz über Aufhebung von Ortsbürgernutzen am Allmendgut: Aenderung des Versicherungsgesetzes für gemeindliche Beamte; Waldbereinigungsgesetz; Gesetz über die Bildung eines Forstbeirats. Regie­rungsblatt Nr. 4 vom 30. Januar: Gesetz über die Auseinandersetzung zwischen dem Volksstaat Hessen und dem vormals in Hessen regierenden Fürsten­haus; Gesek über Ausnahme von Anleihen für Ar- | beitsbeschafsungsmaßnahmen.

m .. ... 1E. on n, . x Liebe dem Kinde alle Schwierigkeiten und Kämpfe

Gestern zwischen IS 30 Uhr und1^Uhr sturzte , Dorentl)a[t beraubt es somit seines natürlichen d^e losgeloste Gondel des Strawspharenballons ^deck s- und selbstoerstSndiqen Tätiqkeitsdran- Oßaamachimi in der Nahe des Dorfes Pot'uski, macht aus ihm einen abhängigen M-nfch-n, Kilometer südlich von der Station hinein eigenen -Wagemut nicht mehr traut san! Kadosch der Bahnlinie^Moskau-Kazani ab. Beim ^ immcr » Rates des von ihm als klüger An- Aufprall loste sich die Ballonhülle und flog davon. - - - -..... -- -

Die Gondel mit den drei tödlich verungluck-

ter, wie ihn die Allgemeinheit zu sehen gewohnt ist, stellt sich Liliencron in einemSchmierrock vor mit oldurchtränkten wallenden Haaren, angekränkeltem Hemde, viertes Stockwerk pp., die Augen im Wahn­sinn rollend pp.". Er bekennt sich mit bewußtem Stolz zu seinen dickenBurgunderbacken" und seinem Bierbrauer-, Rittmeister- und Gutsbesitzergesicht".

Diese Haltung, in der die Selbstironie eine große Rolle spielt, ist für die Persönlichkeit und das Lebens­werk Liliencrons äußerst bezeichnend. In diesem Sinne ist er ein Mensch, dem das Leben mitsamt seinen Himmeln und Hollen, das Mittendrinstehen in den Dingen, das Mitmachen und Erleben der Inbegriff höchster Menschenseligkeit war. Er schwang den Säbel mit einer hinreißenden Gebärde, und alles, was er schrieb, war erfüllt von einer Un­mittelbarkeit und Gegenwartsnähe, die nur einer empfinden konnte, der mit beiden Füßen fest im Ge­schehen stand. Liliencron war eine ausgesprochene Herrennatur, ein ewiger Kämpfer, ein Mensch von elementarer Triebhaftigkeit. Wer ihn nur flüchtig kannte, mochte ihn für einen skrupellosen Schwere­nöter und leichtsinnigen Schuldenmacher halten, für einen flotten, lebenslustigen Offizier, der das Glück bedenkenlos in die Arme schloß, ohne sich viel um die Zukunft zu kümmern. Nur die, die in die Hinter­gründe dieses Lebens schauen durften, wußten, daß der Schuldenbarvn und Grandseigneur in Wirklich­keit ein einsamer Mann war, der eine feine, emp­findsame Seele hatte.

£iliencron.

Dichter, Baron Offizier.

Dor fünfzig Jahren hat Detlev von Lilien­cron seine berühmtenAdjutanten- ritte" erscheinen lassen. Dieses Buch ist in seiner menschlichen Frische und ursprünglichen Straft als das Werk eines temperamentvollen und genialen Draufgängers gerade für unsere Zeit der nationalen Erhebung von besonderem Wert.

Die Gestalt Liliencrons hat nichts von ihrer un­geheuren Vitalität verloren. Sein Leben ist gerade für unsere Zeit von symbolhafter Bedeutung. Er liebte seine Heimat Schleswig-Holstein, dasLänd­chen der roten Grütze", wie er selbst scherzt, mit einer männlichen, blutvollen Inbrunst und wurde von der mächtigen geschichtlich-politischen Schwerkraft Preu­ßens unwiderstehlich angezogen. Aus einer leiden­schaftlichen vaterländischen Begeisterung wurde Lilien­cron zum unsterblichen Dichter der preußisch-deut­schen Einigungskrieqe von 1866 und 1870/71. Das große Zeitalter Kaiser Wilhelms I. bildet den Ge­fühlsraum seiner Schöpfungen.

Nach Besuch der Erfurter Realschule bestand Liliencron im Jahre 1863 die Fähnrichsprüfung und wurde 1865 Leutnant. Er hat während seiner zehn­jährigen Laufbahn als Offizier siebzehn Garnisonen in den verschiedensten preußischen Provinzen lennen- gelernt und 1863 auch die Erhebung in Polen mit- erlebt. Llli-ncron war im Gegensatz zu manchen ande­ren Schriftstellern seiner Zeit nicht ein phrasenhafter Schreibtischpatriot, sondern mit Leib und Seele Soldat, der als junger Offizier in den Kriegen von 1866 und 1870/71 wiederholt verwundet wurde. Das -.....Wider-

Am Schlößchen ging es bunt her. Wie zwei auf­einander gegangene wütende Messerhelden rangen bie beiden Gegner. Ein kleiner General mit golöner Brille und ganz kurz geschorenen schneeweißen Haaren führte hier und suchte den Feind auf alle mögliche Weise zu verdrängen. Als ich ihn traf, riß sein Pferd mit hochgestrecktem Hals an einem Buchenzweig. In stark ausgeprägtem thüringischen Dialekt zog er den Zügel nervös zurück mit den Worten- Ei, tu Luder". Mich sprudelte er heftig an als ich ihm meinen Auftrag kundgab: Er sende alle halbe Stunde über den Weitergang des Ge­fechtes Bericht an Seine Exzellenz. Und als wenn er plötzlich höchst ärgerlich geworden ser rief er:Ei, da woll'n mer doch ämal de Ludersch an n Kopp nährn'". Damit sprengte er auf einen yabnentrager -u entriß ihm das heilige Zeichen und schwenkte es hoch hin und her. Alle Trommeln und Horner ließ er zum Angriff schlagen und blasen und ging so zum l7tz,en Sturm Üb-r, Ich blieb an einer Seite, um Gewißheit über den Ausgang zu erlangen Kem Blei traf uns oder unsere Pferde. Und umflattert von der Sahne, die der tollkühne kleine Genera, noch immer im steten Vorwärts über feinem Kops hm und her schwang, ritt ich in den Hollenrachen hinein.

In dieser Schilderung liegt der ganze Lilien - cron. Für ihn ist der abenteuerliche wilde ver­wegene Kamps eine Lebensnotwendigkett, ohne d,e er nicht sein kann. So wie er m s-w°n .,Adiu- t a n t - n r i t t e n" in einer bezaubernd srischen und plastischen Art die gefährlichsten Szenen MteUl, so ist sein gesamtes Leben vom Anfang bis zum Ende ein einziges Kriegführem Es 'st ichwer zu sagen, wo bei Liliencron der Humor anfaagt und der Ernst aufhört. Für ihn war das Leben immer eine ungebrochene Einheit, und o vielseitig und un­ergründlich wie das Leben war ,m ^unde er selbst. Wer ihm zum erstenmal begegnete, hatte Nicht den Eindruck, einen Lnriker vor sich Zu sehen. Er selbst schreibt einmal.Es ist geradezu mem Stolz, daß ich fcir «tnon Altwarenhändler gehalten werde. Der ron uno iö/u/m luieurivuu felhnnfp" haft man ihn für einen Dichter halten Leben Liliencrons ist die eindrucksvollste könnte/war ihm unerträglich. Einen wirklichen Dich- I legung der Annahme, daß sich Soldaten-'und Kunst-

lerberuf gegenseitig ausschließen. Er war Zeit seines r Lebens ein idealistisch gesinnter Realist, ein Mann, in dessen Brust die Wirklichkeit des Lebens und die Traumwelt seiner Gedanken zu einer unlösbaren Einheit verschmolzen.

Das entscheidende Erlebnis Liliencrons war der Krieg. Alles, was er geschrieben hat, ist von diesem Erlebnis wesentlich beeinflußt worden. In Lilien­cron verbindet sich das Kriegerische und Menschliche, das Gemütvolle und Abenteuerhafte, Vaterlandsliebe und eine fast animalische Lebensfreude zu einem un­teilbaren Ganzen. Er ist einer der prachtvollsten deutschen Männerchpen, einer, der sich nie unter­kriegen ließ, der die härtesten Entbehrungen lachend ertrug, angekurbelt von einer naiven, unen'chopf- lichen Lebenskraft, mit allen Nerven und Sinnen den Geheimnissen der Welt aufgeschlossen. Ein Nach­fahre dänischer Barone, mit normannischem und portugiesischem Blut in den Adern. Der Schöpfer der . Adjutantenritte", dieser meisterhaft geschriebenen Kamvfszenen, in denen ein wundervoller Humor die ernsteste Tragik verklärt, gehört in seiner beispiel­losen, überfdjäumenben Urwüchsigkeit und seinem furchtlosen Draufgängertum zu den liebenswertesten Gestalten der deutschen Literatur.

Wie siebt der neue Zepp aus?

Das neue LuftschiffL Z 1 2 9", das in der großen Montagehalle der Friedrichshafener Werft zur Zeit im Bau ist, wird wiederum ein Verkehrsluftschiff für die Beförderung von Fahrgästen, von Post und Fracht über lange, besonders transatlantische Strecken sein. Die Höchstgeschwindigkeit des Schif­fes wird etwa 135 Stundenkilometer betragen. Seine Kroße beträgt 190000 Kubikmeter Nenngasvolumen. Der Schiffskörper, desien größte Länge 248 Meter und dessen größter Durchmesser 41,2 Meter beträgt, hat Stromlinienform. Er wird in der bewährten Bauart aus verspannten Hauptringen, unverspann­ten, zwischen den Hauptringen ungeordneten Hilss- ringen und ßängsträgern bestehen. Als Baustoff für das Gerippe dient eine besonders feste Spezial- Duralumin-Legierung. Die Maschinenanlage, Die­selmotoren, wird eine Marimalleistung von 4400 PS aufweisen. Der Betriebsstoffvorrat von etwa 60 000 Kilogramm Schweröl ist im Kielgerät unter» gebracht und leicht zugänglich. Im Bugteil ist die Führergondel angebaut, die ähnlich wie beimGraf Zeppelin" Steuer-, Führer- und Navigationsraum enthält. Oberhalb der Führergondel befindet sich die Funkkabine.

Unter den verschiedenen Neuerungen desLZ 129* ist die neuartige Anlage der Fahrgasträume zu er­mähnen.LZ 129" wird zwei große Gruppen von Ausenthattsräumen mit Wandelgängen und ferner

25 Schlafkabinen mit insgesamt 50 Bettplätzen er­halten, was eine Verdoppelung gegenüber den bis­herigen bedeutet. In einem besonders gesicherten Raum kann auch geraucht werden. Insgesamt neh­men die Fahrgasträume eine Grundfläche von 400 Quadratmeter ein. Sie sind auf zwei übereinander­liegenden Decks angeordnet. Ein oberes Hauptdeck enthält auf der einen Seite den großen Speisesaal, auf der anderen eine Halle und ein Schreib- und Lesezimmer sowie die Wandelgänge mit den langen Fensterfluchten. Zwischen diesen Tagesräumen sind auf dem oberen Deck die Schlafkabinen untergebracht. Das kleinere Unterdeck enthält die Nebenräume, das Schiffsbüro und die Rauchkabine.

Die Ausstattung der Räume wird in allem sehr zweckmäßig gehalten sein, jeglicher unnötige Luxus wird streng vermieden. Sämtliche Räume erhalten künstliche Belüftung und eine Luftheizung. Die Be­leuchtung ist elekttisch, ebenso die Heizungsanlage für die Küche. Die elektrische Zentrale befindet sich in einem gegen das Schiff sicher abgeschlossenen Raum im Mittelschiffsteil. Die Räume für die Be­satzung sind innerhalb des Schiffskörpers ange- ordnet.

Das Schiffsgerippe ist nach dem Bug zu schon weitgehend fertiggestellt. In den nächsten Monaten wird das Heck mit dem Leitwerk gebaut. Auch die Gerippearbeiten für den Fahrgastraumaufbau sind schon weit vorgeschritten. Die Bauarbeiten gehen gut voran, so daß das Schiff im Jahre 1934 fer­tiggestellt sein wird.

6od)fd»ulnochrid>fen.

Der ordentliche Professor für romanische Philo­logie an der Universität Berlin, Dr. Ernst G a» mil lscheg hat einen Ruf auf den planmäßigen Lehrstuhl für romanische Sprachwissenschaft an der Universität Heidelberg erhalten.

Der o. Professor Dr. Johannes Heckel von der Universität Bonn erhielt einen Ruf auf den durch den Tod von Prof. Dr. Rothenbücher frei ge­wordenen Lehrstuhl für Kirchenrecht, Staatsrecht und Gesellschaftslehre an der Universität München.

In der Medizinffchen Fakultät der Universität München sind, wie kürzlich gemeldet, durch die Emeritierung von Professor Dr. Friedrich von M ü 11 e r und durch das Ableben von Professor Dr. Ernst v. Romberg die Ordinariate für innere Medizin und medizinische Klinik frei geworden- diese Lehrstühle wurden setzt den Professoren Dr. Alfred S ch i 11 e n h e l m von der Universität Kiel und Dr. Wilhelm Stepp von der Universität Br es- lau angeboten.