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Ur. 304 Erstes Blatt

Mittwoch, 30. Dezember 1936

186. Jahrgang

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Die schweizerische NeutralMspolttik.

Von unserem S.-Verichierstaiier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Zürich, Dezember 1936.

Erster Grundsatz der schweizerischen Außenpolitik ist die Aufrechterhaltung der dauernden Neutralität. Man möchte sich nicht gerne von der Auffassung trennen, daß die auf dem Wiener Kongreß im Jahre 1815 international (d. h. von Preußen, Oesterreich, Frankreich, Großbritannien, Rußland, Spanien, Portugal und Schweden) anerkannte und verbürgte Neutralität der Eidgenossenschaft heute noch praktisch wirksam ist. Aber inzwischen hoben sich die Verhältnisse doch grundlegend geändert, ganz abgesehen davon, daß inzwischen neue Staaten aufgetreten sind, die bei der Gewährleistung der schweizerischen Neutralität nicht ausgeschaltet wer­den können. Deshalb wurde zunächst großes Ge­wicht auf die Tatsache gelegt, daß d.ie den Welt­krieg beendigenden Friedensverträge die Akte vom 20. November 1815 bestätigen, wobei die neu anerkannte Gewährleistung die Unter­schriften der meisten Staaten aller Weltteile trägt. Andererseits hat sich die Schweiz den Friedens­verträgen nicht angeschlossen sie be­trachtet also z. B. die von Deutschland gekündigte Schiffahrts-Klausel des Versailler Vertrages nur vom Standpunkt eines Rheinuferstaates und man ist geneigt, den tatsächlichen Wert dieser Ver­träge heute stark in Zweifel zu ziehen. Schien denn die Völkerbundssatzung, vor allem in seinem Artikel 10, den mit dem Grundsatz der Neutralität verfolgten Zielen gerecht zu werden, so haben die offensichtlichen Schwächen und die Unzulänglichkeiten der Genfer Einrichtung nur dazu geführt, das Mißtrauen gegen den Völkerbund zu vertiefen. Um so mehr, als die Mitgliedschaft zum Völkerbund nur wieder die Gefahr in sich birgt, daß die Eidgenosfenschaft in internationale Ver­wicklungen hineingezerrt wird, denen sie unbedingt fernbleiben möchte.

Angesichts der geplanten Reform des Völker­bundspaktes werden deshalb Stimmen laut, den vielzitierten Art. 16 so festzulegen, daß die Uni­versalität der Sanktionen vermieden und dafür die Bildung kleinerer Gruppen von Staaten vorgesehen wird, die die Sühnemaßnah­men gegen den Friedensbrecher übernehmen könn­ten. In' diesem Zusammenhänge muß darauf hin- gewiesen werden, daß die gegen Italien verhängten Sanktionen gerade die Schweiz wirtschaftlich und politisch ungleich stärker belasteten, als die beteilig­ten Großmächte. Die Schweiz lehnt unbedingt die Verschärfung des Art. 16 ab, wie sie etwa von Moskau vörgeschlagen wurde. Denn sie ist für Blockbildungen und militärische Beistandsverpflich­tungen ebensowenig zu haben wie für die Illusion der kollektiven Sicherheit, deren Schlagwort vom unteilbaren Frieden" leicht zu der Gefahr des unteilbaren Krieges" führen kann.

Die hier skizzierte Entwicklung mündete in die jetzt unverkennbare Krise der schweizerischen Neu­tralitätspolitik, soweit sie sich auf eine Bürgschaft des Auslandes bzw. des Völkerbundes stützt. Dessen ungeachtet behält die Politik der ewigen Neu­tralität als nationales Dogma ihre bleibende Gültigkeit. Verfassungsrechtlich verankert schreibt sie dem Bundesrat vor:Er wacht für die äußere Sicherheit, für die Behauptung der Unabhängig­keit und Neutralität der Schweiz." (Art. 102, Ziff. 6.) Führen wir ein aktuelles Beispiel an: Bundesrat Motta erklärte in der Sitzung des Ständerates vom 6. Oktober 1936 bei der Besprechung zweier Jnter- vellationen über die Haltung des Bundesrates zu Den Ereignissen in Spanien u. a.: Es war nicht unsere Sache, eine allgemeine Nichteinmischungs­erklärung zu unterzeichnen, weil eine solche Unter­schrift die Auffassung entstehen lassen konnte, als sei unsere Neutralität nur eine gelegentliche, wäh­rend sie dauernd in unserem Wesen verankert ist."

Regierung und Schweizervolk sind indessen zu der Ueberzeugung gelangt, daß der tragende Grund­pfeiler der Neutralitätspolitik gerade in der gegen­wärtigen Zeit eine auf den modernsten Stand der Kriegstechnik gebrachte, alle vorhandenen Möglich­keiten ausschöpfende Militärmacht mit betont devensivem Charakter sein muß.Ob in Zukunft die schweizerische Neutralität beachtet wird, hängt von politischen und militärischen Erwägungen ab. Deren Respektierung wird nicht zuletzt dadurch be­stimmt, wie man im Auslande unsere Armee einschätz t." So hat vor wenigen Wochen ein hoher Offizier des Schweizerheeres die Lage ge­kennzeichnet. Die Folge ist der Ausbau der eidge­nössischen Wehrmacht, dem an Tempo und Umfang die Vergangenheit kaum etwas Gleichartiges ent­gegenstellen kann. Bereits hat der Bundesrat be­schlossen, daß verschiedene Truppenkörper schon im Lause des Jahres 1937 neu geordnet werden. Die neue Truppenordnung, die u. a. die Verdoppelung der Flieger, die Anschaffung von 100 Fliegerab­wehrbatterien, die Organisation und Ausbildung eines besonderen, kampfkräftigen Grenzschutzes vor­sieht, sollte ursprünglich erst zum 1. Januar 1938 in Kraft treten. Was das Ausmaß der Aufrüstung anbelangt, so sei lediglich erwähnt, daß der Bun­desvoranschlag für 1937 bei Gesamtausgaben von rund 525 Millionen Franken dem Haushalt des Militärdevartements allein 106,5 Millionen zubil­ligt. Das ist aber nur ein Teil der Mehrausgaben, denn es stehen u. a. noch Mittel aus den 330 Mil­lionen der Wehranleihe zur Verfügung, die um rund 100 Millionen Franken vom Volke überzeich­net wurde. Die Kampfkraft des neuorganisierten schweizerischen Jnsanterie-Bataillons wird beträcht-

Der neue Bierjahresplan und die deutsche Landtvirlschast.

Rückblick und Ausblick zur Jahreswende.

Von Professor Dr. G. Gessous, Direktor des Instituts für Pflanzenbau und pflanzenzuchtung der Universität Gießen.

Die Jahreswende lädt wiederum ein zu einer Betrachtung der hinter uns liegenden Zeit mit ihrer bisher geleisteten Arbeit, lenkt aber auch den Blick zu neuen Zielen, neuen Aufgaben. Diese sind der deutschen Wirtschaft im neuen Dierjahresplan klar vorgezeichnet, einen weiten Raum nimmt darin selbstverständlich wieder die deutsche Ernährungs­wirtschaft und damit die dafür vom deutschen Bauern zu bewältigende Arbeit ein. Um ein Bild zu gewinnen von der Möglichkeit, die für die näch­sten vier Jahre vorgezeichneten Ziele zu erreichen, sei zunächst einmal versucht, festzustellen, inwieweit die im dritten Jahre stehende Erzeugungs­schlacht Erfüllung gefunden hat oder wie auf Grund der inzwischen gewonnenen Erfahrungen weiter aufzubauen ist.

Bei einer Beurteilung der bäuerlichen Arbeit muß grundsätzlich zweierlei beachtet werden, daß einmal die Höhen der Ernten vom Einsatz mensch-

Sr. Goebbels spricht zur Lahreswende.

Berlin. 30. De;. (DNB. Funkspruch.) Reichs­minister Dr. Goebbels spricht am Donners­tag, 31. Dezember, 19 Uhr bis 19.20 Uhr, zur Jahreswende. Die Ansprache wird von allen deutschen Sendern übertragen.

liehen Wollens und Könnens abhängig sind, zum anderen, daß sie auch von der jeweiligen Witterung des Jahres, ja oft davon maßgebend beeinflußt werden. Bei Gegenüberstellung der Ernten ver­schiedener Jahre müssen daher, wenn man zu einer zutreffenden Beurteilung gelangen will, nicht nur d i e Anbauflächen mit ihren Durchschnittser­trägen, sondern auch der W i 11 e r u n g s a b l a u s, auf den wir leider nicht einzuwirken vermögen, in Rechnung gesetzt werden.

Der Witterungseinfluß im verflossenen Jahre muß im Gegensatz zu den beiden vorhergehenden in be­zug auf den Ausfall der Getreideernte in Menge und Güte als nicht gerade günstig bezeichnet werden. Die kühle und außergewöhnlich trockne Zeit in Frühjahr und Vorsommer einerseits, die nasse Erntewitterung andererseits haben sich im Durch­schnitt nachteilig ausgewirkt. Dagegen sehen wir infolge der hohen herbstlichen Niederschläge eine außerordentlich gute Futterernte, Heu und Hackfruchterträge konnten daher fo manche Lücke ausfüllen.

Faßt man die Gesamtnutzungsfläche ins Auge, die der Landwirtschaft in runden Zahlen zur Verfügung stehen in Höhe von 20,5 Millionen Hektar Ackerland und 8,5 Millionen Hektar Wiesen und Weiden, so müssen davon seit 1933 557 000 Hektar in Abzug gebracht werden, die für die Schaffung von Autobahnen und militärische Zwecke hergegeben werden mußten. Diesem Landverlust steht ein jähr­licher Zuwachs durch Neulandgewinnung von etwa 200 000 Hektar gegenüber, der aber durch die jähr­liche Bevölkerungszunahme in Anspruch genommen wird.

Verdienen durch diese Hinweise die Bemühungen der Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte trotz ihnen entgegenstehender Hindernisse vollste Aner­kennung, fo noch mehr, wenn man an die Schwie­rigkeiten erinnert, welche häufig durch Arbeits- mangel der Bewältigung der gesteigerten Ernten

entgegenstand. Gewiß ist durch Einsatz des Arbeits­dienstes manch drohender Ernteverlust abgewandt worden, nur stärkster Einsatz aller bäuerlicher Kräfte hat es vermocht, den reichen Segen der großen Hackfruchternte zu bewältigen. Wie im einzelnen diese Betrachtungen durch die auszugsweise wieder­gegebenen Zahlen der Anbau- und Erntestatistik bestätigt werden, mag die nachstehende Uebersicht zeigen:

Gesamternte

in Millionen Hektar

1934

1935

1936

(Betreibe

12,0

11,7

11,6

Kartoffeln

2,7500

2,7690

2,7970

Zuckerrüben

0,3680

0,3890

0,4000

Futterrüben

0,8520

0,8610

0,8540

Raps, Rübsen

0,0267

0,0470

0,0420

Kohlrüben

0,2750

0,2320

0,2300

Lein

0,0087

0,0223

0,0441

Hanf

0,0003

0,0036

0,0057

16,2807

16,0234

15,9828

Gesamternte

in Millionen Tonnen

1934 '

1935

1936

(Betreibe

21,6

22

22,5

Kartoffeln

44,3

41,0

45,7

Zuckerrüben

10,4

10,6

11,5

Futterrüben

33,8

34,7

34,3

Kohlrüben

7,6

9,0

8,2

Daraus geht hervor, wie der deutsche Bauer den Anweisungen auf Anbauflächenverteilung durchaus verständnisvoll Rechnung getragen hat und von ihm in seiner Zeit gegebene Marschrichtung auch eingeschlagen worden ist, so z.B. eine geringe Ein­schränkung der Getreideanbaufläche aber Steigerung des Flächenertrages, um die schon erreichte Höhe völliger Bedarfsdeckung bei Getreide zu erhalten. Ferner: Steigerung der Futtereiweißer­zeugung durch vermehrten Zwischenfruchtbau. Neben verbesserten Wiesenerträgen spielt die Stei- gerung der Ackerfutterernten durch den Zwischen­fruchtbau eine besondere Rolle. Ist doch die Siche­rung der Futterbasis, die Erzeugung wirtschafts­eignen Futters, von allergrößter Bedeutung, dies heißt nichts anderes als Einsparung beträchtlicher Devisen, die sonst für Beschaffung eiweißhaltiger ausländischer Eiweißsuttermittel hätten aufgebracht werden müssen. Auch sehen wir eine starke Aus­weitung des Oel- und Faserpflanzen­baus. Desgleichen müssen die Bemühungen aner­kannt werden, welche der Bauer aufgewandt hat, um die Grünlanderträge zu heben. Gewiß ist das Jahr 1936 dem Gedeihen der Futtergewächse sehr vorteilhaft gewesen, trotzdem ist die Steige­rung der Gesamterträge von Klee und Wiesenheu von 33,2 Millionen Tonnen 1935 auf 40,9 Millionen Tonnen 1936 nicht allein der günstigen Witterung, sondern auch den Erfolgen auf dem Gebiete der Wiesenbewirtschaftung zuzuschreiben. Die gesteiger­ten Futtererträge können und sollen nun nicht un­mittelbar alle dem Verbrauch zugeführt werden, sie sind vielmehr als Futterreserven ge­dacht, müssen also für spätere Zeiten haltbar gemacht werden. Daß dies in weitestem Maße ge­schehen ist, zeigt das Anwachsenn der Gärfut­terbehälter oder ihres Fassungsraumes, der feit 1934 um fast 3 Mill. Kubikmeter gestiegen ist.

Im einzelnen auf alle die Maßnahmen einzu­gehen, welche die Ertragssteigerung zustande brach­ten, dürfte zu weit führen, nicht unerwähnt soll aber

bleiben, daß auch auf dem Gebiete der Tierhal­tung und -zücht der deutsche Bauer seine Schuldigkeit getan hat. Trotz fehlender ausländischer Kraftfuttermittel konnte die Leistung der Tiere er­halten, ja zum Teil gesteigert werden, die But­ter- und Käseerzeugung ist gestiegen, auch die W o l l e r e u g u n g , wir zählen heute bereits wieder 5 Millionen Schafe gegenüber 3,5 Millionen vor zwei Jahren. Auch der Schweinebestand hat sich von 23 Millionen 1934 auf 26 Millionen bis £um September dieses Jahres vermehrt. Wenn trotz dieser Feststellungen immer noch Verknappun­gen fühlbar geworden sind, so muß immer wieder darauf verwiesen werden, daß durch die gesteigerte Kaufkraft der wieder in den Arbeitsgang eingeschal­teten Volksgenossen und die Bedürfnisse unserer Wehrmacht der Verbrauch an Fetten nicht unerheb­lich gestiegen ist. Trotz dieses gesteigerten Bedarfes ist die Verknappung keinesfalls höher gewesen als im Vorjahr, dank der Anstrengungen der Landwirt­schaft aber auch dank der marktregelnden Maßnah­men des Reichsnährstandes.

Die Aufgaben für die nächste Zukunft, welche der deutschen Landwirtschaft gestellt sind, liegen klar vor uns, sie bedürfen nach dem Vorhergesagten kaum weiterer Erörterungen. In seinen Ausfüh­rungen auf dem diesjährigen Reichsbauerntag in Goslar stellte der Staatssekretär Backe, als Mit­arbeiter des Ministers Göring drei Gesichtspunkte für das Landvolk heraus:

1. Mehrerzeugung

2. Vorratswirtschaft

3. Erziehung zur neuen Haltung. Zur Erzielung der Selbstversorgung aus deutscher Scholle wird künftig noch weit mehr als bisher neben der Steigerung der Flächenerträge eine Vermehrung der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Betracht kommen. Hierhin gehö­ren Meliorationen, Urbarmachung von Oedland, verstärkte Flurbereinigung, Nutzung brachliegenden Bau- und Haldengeländes und die Umwandlung minderwertiger Wiesen in Ackerland. Namentlich mit dieser Maßnahme, trocken gelegene Wiesen mit ihren geringen Heuerträgen in ertragreicheres Acker­land umzuwandeln, ist die Möglichkeit intensiverer Bodennutzung gegeben. Denn unser Dauergrünland, das zwar 30 v. H. der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche einnimmt, liefert im Durchschnitt nur etwa 10 v. H. unserer Gesamterzeugung. In Zukunft sol­len nur solche Ländereien der Graslandnutzung ver­bleiben, die wirklich ihrer Lage und ihren Grund­wasserverhältnissen nach zur Wiesennutzung geeig­net sind.

In derselben Richtung der Steigerung der Er­träge liegt die Erweiterung d es Hack­fruchtbaues insbesondere des Anbaues der Zuckerrübe. Dadurch werden nicht nur unmit­telbar mehr Nährwerte je Flächeneinheit erzeugt, sondern es bringen mittelbar die nach ihr ange­bauten Früchte höhere Erträge, namentlich wird dadurch eine Steigerung der Getreideernten bedingt, was wiederum eine Einschränkung der Getreide­fläche an sich ermöglicht. Welche Bedeutung die Zuckerrübe ihrem Nährwert nach hat, möge die fol­gende Zusammenstellung zeigen. Die von einem Hektar erzeugten Nährstoffe reichen zur Ernährung ein Jahr bei Zuckerrüben für 20 Menschen

Kartoffeln 10

Weizen 6

Roggen 5

Wiesen 3

Weiden 2

lief) erhöht, wobei der Ausstattung mit schweren Waffen, intensiver Feuerwirkung und der lieber« legenheit der Deoensivkraft größte Aufmerksamkeit geschenkt wird, so daß das schweizerische Infante­rie-Bataillon besonders gut für den Verteidigungs­kampf geeignet ist. Da sich der bisherige Vorsprung der Schweiz in der Raschheit der Mobilisierung der ausgebildete Wehrpflichtige hat die militärischen Ausrüstungsgegenstände einschließlich Waffen bei sich zu Hause gegenüber dem Auslande infolge des mächtigen Aufschwunges der motorisierten Streitkräfte beträchtlich verringert hat, sucht man durch streng regionale Rekrutierung und insbeson­dere durch die Bildung eines ständigen Grenz­schutzes einen Ausgleich zu schaffen. Unabhängig von der eigentlichen Milizarmee werden länger dienende Truppenteile ins Leben gerufen, eine Art stehendes Heer" in zahlenmäßig beschränktem Um­fange. In der Bundesratssitzung vom 10. Novem­ber 1936 ist die Aufstellung einer Grenzschutz- f ompanie beschlossen worden, die zur Verstär­kung des Grenzschutzes und zur Bewachung und Verteidigung der längs der ganzen Grenze zu er­richtenden befestigten Anlagen dienen soll. Bei der Rekrutierung der Freiwilligen werden besonders ledige, arbeitslose Wehrmänner berücksichtigt, die sich für eine Dienstleistungsdauer von sechs Monaten verpflichten.

Die schweizerische Neutralität findet selbstver- ständlich dort ihre Grenzen, wo der Bolsche­wismus in allen feinen Schattierungen sich an­schickt, die politischen und kulturellen Grundlagen des Landes zu erschüttern. Dabei ist beachtenswert, daß die Abwehrbewegung vor allem aus dem Volke selbst kommt; erinnert sei nur an den Sturz des Marxisten Nicole in Genf, her als bisheriger Staatspräsident bolschewistischen Metho­

den Tür und Tor öffnete, im Anschluß an die kürz­lichen Neuwahlen zum Großen Rat (Kantonsparla­ment) und zum Staatsrat (Kantonsregierung). In einer Gemeinde des Kantons Aargau mußte eine kommunistische Versammlung schon deshalb ver­boten werden, weil die empörte Bevölkerung gegen das Auftreten der Sendlinge Moskaus Einspruch erhob. Das Verbot der Einfuhr des Emil-Ludwig- Cohnfchen-Hetzbuches:Der Mord in Davos", das sich dreist und anmaßend in den Prozeß gegen den Gustloff - Mörder Frankfurter einzumischen suchte, und das Verbot der Drucklegung und Her­ausgabe des MachwerkesDer neue deutsche Krieg" vom Emigranten Klotz, die Beschlagnahme von einigen Tonnen kommunistischer Propaganda-Lite­ratur seit Veröffentlichung der bundesrätlichen Ver­ordnung gegen kommunistische Umtriebe u. a mehr zeigen eindeutig, wie die Eidgenossenschaft sowohl innen- als auch außenpolitisch die Schwierigkeiten hinwegräumt, die aus dem bolschewistischen Lager auftauchen.

Tschiangkaischeks Beileid zum Tode Seeckts.

Berlin, 29. Dez. (DNB.) Marschall Tschiang- k a i s ch e k und seine Gattin haben an Frau Gene­raloberst von S e e ck t das folgende, durch den chinesischen Botschafter übermittelte Beileidstele­gramm gesandt:Sehr verehrte Frau von Seeckt! Mit großem Schmerz haben wir vom Ableben Ihres von uns so hochgeschätzten Herrn Gemahls vernom­men. Wir wissen, ein wie großer Freund er uns war. Mit herzlicher Anteil­nahme verbleibend bitten wir Sie, um Ihre eigene Gesundheit besorgt zu sein.

Tschiangkaischek und Tschiangsungmeiling."

5000 Glücksmanner verteilen vier Millionen.

DieReichswinterhilfslotterie beginnt heute.

Berlin, 29. Dez. (DNB.) Am 7. Oktober hat der Führer das W i n t e r h i l f s w e r k des deut­schen Volkes 1936/37 eröffnet. Seit diesem Tage wirkt jeder Deutsche wieder an dem größten sozialen Hilfswerk der Welt mit. Die Straßensamm- langen brachten höhere Ergebnisse als im ver­gangenen Jahr. Die Eintopfsonntage wur­den zu Festen der Volksgemeinschaft, deren Erträg­nisse alle früheren in den Schatten stellt. Mit der Jahreswende setzt nun eine der größten Aktionen des ganzen Winterhilfswerkes, die Reichswin­terhilfe-Lotterie, wieder ein. 5000 graue Glücksmänner werden um die Mittagszeit des 30. Dezembers ihren Sturmangriff auf die Herzen aller Volksgenossen eröffnen. 5000 graue Glücks­männer werden als Gesandte und Werber des Winterhilfswerkes vor jeden einzel­nen hintreten und ihm ihre Glücksbriefe anbieten. Nicht nur den Aermsten soll durch ihre Tätigkeit geholfen werden, sie werden auch Glück brin­gen. lieber 4 Millionen Mark werden durch ihre Hände glücklichen Gewinnern ausgezahlt werden. Wenn euch deshalb der graue Glücksmann begegnet, denkt daran, daß er Mittler ist zwischen euch und dem Hilfswerk des Führers und daß die 50 Pfennig, für die ihr ein Los kauft, z u Millionen an­wachsen und überall zur Linderung der Not beitragen werden.