Einzelbild herunterladen

Aus der Provinzialhauptstadt.

Korstrat i. 2R.£>r. Ludwig Oieffenbach f.

3m Banne stiller Wehmut steht nicht nur die weitverzweigte Familie Dieffenbach, sondern alle die Ludwig D i e f f e n b a ch im Leben irgendwie naher traten, ine von seiner bestrickenden Freund- nchreit berührt waren. Schon eine kurze Beaeanuna genügte um sein sonniges Wesen heb zu gewinnen Wer aber Gelegenheit hatte, mit ihm verkehren zu dürfen dem erging es nicht so, wie es meist zu sem pflegt daß er im Laufe der Zeit sein Wert­urteil stark einschränken mußte, sondern je mehr man m sein Wesen eindrang, um so mehr schätzte man ihn Streng gegen sich selbst es des Lebens ernstem Fuhren, mild in dem Urteil über andere die er stets aus ihren Verhältnissen heraus zu ver­stehen suchte, wußte er auch bei trüben Erfahrun­gen immer noch eine gute Seite herauszufinden, dabei doch em aufrechter deutscher Mann, der aber ohne Feinde zu haben, aus dem Leben ging

Sohn eines hessischen Kreisrats besuchte er das Budmger Gymnasium, studierte Forstwissenschaft wurde nach mannigfacher Verwendung Oberförster in Freiherrlich Riedeselischen Diensten in Stockhau- sen und spater Forstrat bei dem Fürsten von Solms-Lich In dieser Zeit unterrichtete er auch im Z* Stuben Institut in Gießen. Einige Jahre nach seiner Ruhestandsversetzunq siedelte er nach Darmstadt über. Vor sieben Jahren durfte er das SOiahnge Jubiläum seiner glücklichen Ehe im chonen Familienkreis begehen (leider fehlte der jüngere Sohn, der sein Leben für das Vaterland hingegeben hatte) und im November 1931 ehrte ?^.Pam~,enDerbanb leinen Vorsitzenden durch eine Michte Feier seines 80. Geburtstages. Wa« er als 2ru"?.er "Vereinigung von Mitgliedern der Familie Dieffenbach" in rastlosem Eifer und unter persönlichen Opfern geleistet hat, das werden ihm noch späte Geschlechter danken. Prof Knoll

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Die drei um stine".

Chri-

Straßensperrungen im Eichgärten­gebiet und am Trieb.

Die P o l i z e i d i r e k t i o n teilt mit: Zum Zweck Der Schüttung des Straßendammes für die Ver­längerung der Schlageterallee wird vom 30. Juni 1936 ab bis zum 31. Juli 1936 der E i ch g ä r t e n- w e g, entlang dem Gebäude des Arbeitsdienstes, ferner der Weg zwischen der Fröbelstraße und dem Wiesecker Weg, entlang dem Philosophenwald und der Feldscheuer vom früheren Univerfitäts-Ver- fuchsgut und außerdem der Weg am Trieb zwischen Grünberger Straße und Fröbelstraße, der besei­tigt wird, für den gesamten Fahrzeugverkehr poli­zeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperr- und Um­leitungsschilder sind zu beachten.

Sommertagung und Gchulungsarbeit der Gießener Imker.

Es ist nun schon zu einem schönen Brauch gewor­den, daß die Sommertagung der Bienen­züchter des Gießener Bezirkes als Fa­milienausflug durchgeführt wird. So beging denn am vorgestrigen Sonntag die Ortsfachgruppe Gießen der Reichssachschaft Imker ihr diesjäh­riges Sommerfest auf der Rindsmühle bei Leih­gestern.

Damit die Jmkerfchulung nicht zu kurz kam, fand schon am zeitigen Nachmittag eine Standbesichtigung des Vorsitzenden am Bergwerkswald statt, wobei Obmann G. B o d en­de n d e r (Gießen) praktische Anweisungen über Zuchtarbeiten gab und vor allem das Umlarven de­monstrierte. Er führte dabei u. a. aus: Als Pflege­volk, dem die Edelköniginnenlarven entnommen werden sollen, nimmt man ein gutes Honigvolk. Zur gegebenen Zeit wird das Volk entweiselt und nachgesehen, daß keine Zelle mehr vorhanden ist.

Am 8. Tage wird das Anbrütekästchen besetzt Es lst stets darauf zu achten, daß sich im Schlüpf- kasig etwas fester Futterteig befindet. Für unsere Landesfachgruppe kommen als Zuchtrichtungen der totamm 47 und der StammRied" in Betracht. Weiterhin wurde das Schwärmen besprochen und Anleitungen für die Jungimker über das Einschla- 9en und die Pfleae der Schwärme und Ableger gegeben. Rücksichtslos sind schwarmlustige Völker umzuweiseln. Wichtig ist auch, mit Sorgfalt die abgeschwarmten Stöcke zu betreuen, besonders sind fie vor Räuberei zu schützen, wenn die Tracht etwas nachläßt. Auf Anfragen aus der Versammlung wurde noch das Zusetzen von Stockmüttern be­sprochen und hier ein abgekürztes Verfahren vor- 9edeifit, so daß keine Gefahr des Verlustes der Edel- königin besteht

Da der Vorsitzende gleichzeitig auch Obmann für Königinzucht der ganzen Landesfach- aruppe ist und durch seine Erfolge auf diesem Gebiete sich einen Ruf weit über die Grenzen un­serer engeren Heimat erworben hat, waren zu den Standarbeiten Mitglieder der Vereine Butzbach, Hungen, Alsfeld und Schotten erschienen

Teils zu Rad, teils mit Kraftfahrzeugen ging es nach Abschluß der Schulungsarbeiten nach ' der Rindsmühle. Nachdem hier der Musterstand des Landwirts und Baumwarts Karl Will besichtigt worden war, begrüßte der Obmann in herzlichen Worten die zahlreich erschienenen Mitglieder mit ihren Familienmitgliedern und sprach dann über die Mit­hilfe der Jmkersfrau bei der Honigernte und Honig­oerwertung, wies auf die Bedeutung des Bienen­honigs als Genuß- und Nahrungsmittel hin und hob besonders seinen gesundheitlichen Wert hervor, so daß er geradezu als Herznahrung anzusehen sei. Zum Schlüsse forderte er die Jmkerkameraden auf, sich stets ihrer Pflicht bewußt zu sein, die ihnen im neuen Reiche aufgegeben sei, nämlich das deutsche Volk mit deutschem Bienenhonig zu versorgen und der deutschen Industrie den Rohstoff Wachs in sol­chen Mengen zur Verfügung zu stellen, daß eine Zufuhr aus dem Auslande sich erübrige. Die Aus­führungen fanden reichen Beifall. Der Vorsitzende gab noch einen Ueberblick über die Verhältnisse auf der Königinbelegstation im Krofdorfer Forst, auf der zeitweise 6080 Zuchtvolkchen zur Begattung der Stockweisel aufgestellt sind. Zur Zeit wird die mustergültig eingerichtete Zuchtanlage von der Orts­fachgruppe Alsfeld gut beschickt.

Mit dem Wunsche, daß der Mühe und Arbeit des Bienenvaters nun auch eine gute Honigernte und damit der klingende Lohn beschieden fein möge.

wurde die schön verlaufene Familientagung ge­schlossen.

Amt für Volkswohlfahrt.

Ortsgruppe Gießen-Mitte

Betr.: Pfundsammlung.

Am Mittwoch, 1. Juli 1936, werden die Spenden (Pfundsammlung) durch die NS.-Frauenschaft ein­gesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den In­halt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarte zur Quittungseinzeich­nung bereitzuhalten.

Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung Ortsgruppe Gießen.

Kriegsopferfahrt an den Bodensee.

Letzter Meldungstermin auf der Geschäftsstelle, Bahnhofstraße 38, für Mitglieder, deren Angehörige und Verwandte zur 14tägigen Sonderfahrt an den Bodensee (Preis einschließlich Wohnung, Verpfle­gung usw. 36, RM.) ist der 8. Juli 1936.

Dienststunden der Geschäftsstelle von 7 bis 13 und von 14.30 bis 17 Uhr.

Der Ortsgruppenobmann.

Versammlung des Fuhr- und Krafifahrgewerbes.

Die Bezirksuntergruppe Gießen im Fuhr- und Kraftfahrgewerbe, die die Kreise Alsfeld, Büdingen, Gießen, Lauterbach und Schotten umfaßt und mehr als 300 Mitglieder zählt, hielt am Sonntag im Bayrischen Hof" eine wichtige Versammlung ab. Der Leiter der Bezirksuntergruppe, Fuhrunterneh­mer C. Göbel (Gießen), stellte in seiner Be- arüßungsansprache fest, daß den Außenseitern im Gewerbe energisch begegnet werden soll, damit der Kampf gegen die Schwarzarbeiter, die die Preise drücken und eine Schädigung der Volks­gemeinschaft treiben, erfolgreich durchgeführt wer­den kann. Zu solcher Arbeit sind in erster Linie alle Behörden aufgerufen, soweit sie von Amts wegen Aufträge zu vergeben, oder auf die Ver­gebung einen Einfluß haben. Nur durch ihre Mit­

Das oberhessische Strandbad Hillersbach

Am vergangenen Sams­tag wurde wir berich­teten bereits ausführlich darüber der Stausee für das Nidderkraftwerk Lißberg und gleichzeitig auch das in herrlicher Umgebung geschaffene Strandbad seiner Bpstim- mung übergeben. Unsere Bilder zeigen den Stau­see, der nicht nur der Energiewirtschaft dienen soll, sondern auch eine Quelle der Kraft für den deutschen Volksgenossen darstellen wird.

Links: Der Stausee und dasHotel Hillers­bach".

Rechts: Blick über die Terrassen des Hotels auf den See.

(Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

"X ' .. ' ( ,v -

Nr. 150 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, ZO.Zuni 1936

arbeit Wird erreicht werden, daß das organisierte Gewerbe geschützt und alle Schwarzfahrer ausge­schaltet werden. Leider ist diese Auffassung noch nicht überall bei den Behörden durchgedrungen. Ebenso schwierig ist es bisher noch, Landwirte, die zugleich Fuhrunternehmer find, für die Bezirks­untergruppe zu erfassen. Dadurch ist es noch mög­lich, daß Bauern mit großem Landbesitz dem klei­neren Landwirt, der auf das Fuhrgeschäft angewie­sen ist, die Arbeit wegnehmen. Die jetzt im Kraft­fahrgewerbe eingetretene Bereinigung wird in aller Kürze auch im Fuhrgewerbe einsetzen.

Zur Bereinigung im Kraftfahrgewerbe hat jetzt die Reichsbetriebsgemeinschaft 10 die Gründung vonArbeitsgemeinschaften des Gü­ternahverkehrs" auf genossenschaftlicher Grundlage angeordnet. In jeder Bezirksunter­gruppe soll eine solche Arbeitsgemeinschaft gegrün­det werden, die Festpreise ausschreibt und ein Ehrengericht für diejenigen Berufsangehörigen ein- setzt, die die Preise unterbieten. Diese Genossenschaft wird sehr begrüßt.

Der Zweck dieser Arbeitsgemeinschaft besteht darin, die Aufträge aller Behörden oder größerer Unternehmen, letztere nur insofern, als sie die Leistungsfähigkeit eines einzelnen übertreffen, die in Zukunft nur an die Arbeitsgemeinschaft ver­geben werden dürfen, auf die Genossenschaftler zu verteilen und über die Einhaltung der Festpreise zu wachen. Gleichzeitig hat die Arbeitsgemeinschaft da­für zu sorgen, daß auch für die Rückfahrten Aufträge zu beschaffen sind, damit Leerfahrten vermieden wer­den können.

Weiterhin sprach Vezirksuntergruppenleiter Gö­tz e l über die erfolgte Bildung von Unterausschüssen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern des Fuhr- gewerbes in Zusammenarbeit mit der Deutschen Ar­beitsfront. Die Bezirksuntergruppe Gießen ist bisher die einzige im Rhein-Main-Gau, die erfolgreiche Zu­sammenarbeit mit der DAF. leistet.

In einer Abstimmung wurde dem Bezirksunter­gruppenleiter Göbel (Gießen) das Vertrauen aus­gesprochen. In einer freien Aussprache wurde wie­derholt der Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß die Stadt und die Behörden, auch dann, wenn sie im Submissionswege Fuhraufträge zu vergeben haben, nur den organisierten Fuhrmann berücksichtigen sollen und Schwarzfahrer ausscheiden. Auch hinsicht­lich der Kohlenfuhren wurde auf Einhaltung der Vereinbarung durch die Kohlenhändler gedrängt.' Mit dem Treugruß an den Führer wurde die Ver­sammlung geschlossen.

zweispännigen

Pferdebahn in Arabien.

Don unserem Ho.-Berichterstaiter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Bagdad, im Sommer 1936.

Von meiner Wohnung aus sehe ich täglich mehr-

selten findet. ....

Dann gehfs zur Pferdebahn. Em vorsintflutliches Fahrzeug mit zwei Stockwerken. Unten, das ge- schlossen- Abteil, ist die zweite Klasse, die Deck- platze sind erster Klasse. So ein Wagen bespannt mit zwei Pferden, erfordert hier allerhand an Per­sonal. Da ist erst mal der Kutscher, der einen Re- s-ro-mann mit hat. Kaum hat man Platz genom- men, kommt der Schassner, nertauft einem nut Motzer Umständlichkeit den Fahrschein, der bis Kadhimen 7 Fils kostet, und etwa fünf M nuten Ipäter erscheint der Kontrolleur, der die Fahrscheme knipst und wieder einsammelt. Nun gehts mit mach- flflem S-kling-, los. E,-l muffen von den Sch'-n-n ebenso verscheucht werden wie fptetenbee

Nach einigen Minuten ist man aus Bagdad heraus uni) Die Palmenwalüer beginnen. Werdende Kuh-

mals ein Fahrzeug mit zwei Stockwerken, offenbar auf Schienen, jenseits des Tigris laufen, das mich durch fein Geklingel immer wieder auf sich auf­merksam machte. Die Sache interessierte mich und nach langem Hin und Her war die Verständigung mit meinem Diener glücklich soweit gediehen, daß ich wußte, daß eine Pferdebahn von Bagdads Stadtteil auf dem linken Tigrisufer nach Kadhimen, dem Ort der berühmten Moschee mit den goldenen Kuppeln, der Hochburg des schiitischen Glaubens, führt und zwar seit 1886, also genau 50 Jahre. Kadhimen wollte ich sowieso besuchen, aber die Fahrt mit der Straßenbahn reizte mich mehr, als das Auto auf der langweiligen Straße.

Los gings mit einer Arabana, dem zweispännigen Pferdestihrwerk in Bagdad, um zum jenseitigen Tigrisufer über die Maudebrücke, eine Ponton­brücke zu kommen. Die Brücke war jedoch zum Durchlaß einiger Frachtkähne, die von Basra her­auf kamen, ausgefahren, und das dauert dann einige Stunden, bis man wieder über den Fluß fann. Also muß ein Kahn zum Uebersetzen genom­men werden. Großes Geschrei, jeder will die Fahrt machen, denn der Europäer muß besser zahlen als der Einheimische. Nach einiger Zeit, jedes Geschäft will hier seine Weile haben, hatten wir uns dann mit einem Bootsführer auf 50 Flls (60 Pfennig) geeinigt. Zwei Araber brachten uns über den Flutz, alte Fifchertypen, wie man fie hier auch nur jeyr

zwischen den Palmen,bewacht" von einem fest schlafenden Araberjungen, der aufschreckt. Wo eine Lichtung ist, sieht man verlassene Araber- und Kur­densiedlungen. Wohnstätten sind hier schnell gebaut und auch ebenso schnell wieder verlassen, wenn nicht mehr genügend Futter fürs Vieh da ist.

Weiter gehts durch Palmenwälder, die uns etwas Schatten spenden, denn es ist schon erheblich warm geworden. Links sehen wir einen arabischen Fried­hof, auf dem gerade eine Beerdigung stattfindet. Viel tief verschleierte Frauen, nur vier Männer, die den in Tücher eingewickelten Toten tragen, ein Begräbnis, genau wie vor Hunderten von Jahren.

Noch einige Minuten Fahrt, und wir verlassen die Palmenwälder. Ein überwältigender Anblick bietet sich uns, die goldenen Kuppeln der Moschee von Kadhimen, überragt von vier Minaretts, er­strahlen in der Sonne. Bald sind wir am End­punkt der Straßenbahn angelangt. Ueberraschend die Bauweise des Wagenschuppens. Man glaubt vor einer Moschee zu stehen, denn man hat vor 50 Jahren das Aussehen bereits der Umgebung und der Nähe der Moschee angepaßt.

Wir betreten den Bazar; feindliche Blicke be­nennen uns, denn wir sind für die ftrenaqfäubiqen Schiiten dieUnreinen", die mit ihrer Gegenwart Kadhimen entheiligen. Ein irakischer Polizist schließt sich uns zu unterem Schutze an, als er merkt, daß wir den Weg nach der Moschee einschlagen. Kem Mißtrauen der irakischen Regierung, sondern ledig­lich ein Schutz, denn Europäer sind verschiedentlich angegriffen worden.

Rund um die Moschee, die nach jeder Himmels­richtung ein prunkvolles Tor hat, zieht sich der Bazar Düstere Blicke folgen uns, als wir vor einem der Tore stehen bleiben, um einen Blick in den Hof der Moschee zu werfen, der mit Betenden angefüllt ist. Mit schweren Messingketten find die Eingänge verhängt. Gläubige, die den Hof ver­lassen, ziehen sich daran hoch und küssen die Ketten. Wunderbare Mosaiks und Keramiken verzieren die Eingänge zum Hof der Moschee. Unverschleierte Frauen sieht man hier nicht, wahrend es in Bag­dad, fünf Kilometer von Kadhimen, schon nicht mehr so streng genommen wird.

Wir schlendern weiter durch den Bazar, an den Mauern der Moschee entlang. Seide, Teppiche und besonders Kämme aus Sandelholz werden feilge- halten. Die Hitze, es waren immerhin 40 Grad im Schatten, hatte uns Dürft gemacht. Zu einem Seh ter- und Limonadenverkäufer gingen wir, der es trotz Zuredens des Polizisten ablehnte, an einen Ungläubigen zu verkaufen. Wir mußten abziehen

und machten dann auch nicht mehr den Versuch, noch irgend ein Andenken an Kadhimen zu kaufen.

Zurück nach Bagdad, die Pferdebahn war gut besetzt, trotzdem rückte man von uns Ungläubigen soweit wie möglich ab, und mancher haßerfüllte Blick traf uns.

Ich war seit einiger Zeit mit einem Mullah, einem höheren Geistlichen gut bekannt, der mir dann abends bei einem Glas Tee die Legende von Kadhimen erzählte.

Harun al Raschid, der wohltätige Kalif, liebte es, in Verkleidung durch Bagdad zu gehen, um die Nöte feines Volkes kennen zu lernen. Einmal ging er zur Nachtzeit durch die Straßen und traf eine weinende Frau. Er redete sie an und fie klagte ihm ihr Leid. Der Mann gestorben, kein Geld, keine Arbeit, tagelang nicht gegessen. Das Haus soll sie verlassen. Harun al Raschid, der kein Geld bei sich trug, schenkte ihr einen wertvollen Ring mit einem großen Brillanten mit der Weisung, ihn im Ba­zar zu verkaufen, um von dem Erlös ihr Leben wieder besser zu gestalten. Die Frau hatte den Kalifen nicht erkannt. Sie ging am nächsten Tag in den Bazar zu einem Edelsteinhändler, dem sie den Ring zum Kauf anbot. Dieser behauptete sofort, in dem Ring fein gestohlenes Eigentum zu erkennen und verklagte die Frau bei dem Kadi. Er brachte Mullahs und angesehene Bürger als Zeugen, die beschworen, daß er ein ehrlicher Mann und der Ring sein Eigentum sei. Unter den Zeugen befand sich auch der Imam Kadhimen, ein Nachkomme der Tochter Mohammeds. Die Frau wurde verurteilt und ihr zur Strafe für den Diebstahl die rechte Hand abgehackt. Harun al Raschid ging einige Tage später in die Wohnung der Frau, um sich davon zu überzeugen ob sie das erlöste Geld nutzbringend angelegt habe. Die Frau erkennt ihn wieder, streckt ihm den Armstumpf entgegen und überschüttet ihn mit Vorwürfen, da er alles Unglück über fie ge­bracht habe. Geld habe fie nun auch nicht, und eine Arbeit könne fie nie mehr verrichten. Er bestellte fie für den anderen Tag in den Palast, ohne sich auch jetzt zu erkennen zu geben. Noch in der Nacht läßt er den Kadi und alle Zeugen zu- sammenholen und hält strenges Gericht über sie. Alle werden zum Tode durch Abhauen des Kopfes verurteilt, und die Leichen sollen in den Tigris ge­worfen werden, da geschieht das Wunder: Alle Lei­chen schwimmen stromabwärts, nur die Leiche des Imam Kadhim treibt stromaufwärts und wird nach einiger Zeit angetrieben. Hier beginnen feine Anhänger, die Schiiten, zu feinem Andenken mit dem Bau einer Moschee und nennen den Ort Kad­himen nach dem Imam Kadhim»"

Und dann setzte mir der Mullah die Verschieden­artigkeit der Lehren innerhalb des mohammeda­nischen Glaubens auseinander. Mohammed hatte keine Söhne, sondern nur eine Tochter, die Ali hei­ratete. Hieraus entstand dann ein Streit um die rechtmäßige Nachfolge Mohammeds und die Tren­nung. Die Schiiten, die nur Nachkommen dieser Tochter als rechtmäßige Nachfolger Mohammeds ansehen, bildeten innerhalb des mohammedanischen Glaubens eine besondere Richtung und ihr Heilig­tum wurde Kadhimen.

Das Bnllen-Kino von Pans.

In Paris gibt es ein Kino, in dem regelmäßig plastische Filme gezeigt werden. Schon die Re­klamebilder am Eingang und im Vorraum des Unternehmens sind hinter Stereoskopgläsern ange­bracht, damit sich jeder Besuch im voraus von ihrer reliefartigen Wirkung überzeugen kann. Zugleich mit der Eintrittskarten erhält dann der Zuschauer eine Aa^badnlle, die nach Beendigung der Vorstellung sorgfältig gereinigt und hygienisch verpackt wird. Ein Blick in den vollbesetzten Zuschauerraum des Cinäma de Relief", wie das Pariser Brillen-Kino heißt, bietet einen merkwürdigen, fast gefpenfter- haften Anblick. Da sitzen Männlein und Weiblein Kopf an Kopf, jedes mit einer ganzen dunkel wir­kenden Farbenbrille vor den Augen, deren eines Glas gelb, das andere jedoch blau ist. Man glaubt im ersten Augenblick einer Versammlung von Halb­blinden beizuwohnen.

König Georgs Jacht wird versteigert.

Die Jacht König Georgs V., die an einer Reihe von Wettfahrten ruhmvollen Anteil genommen hat, soll nach einem Beschluß König Eduards VIII. ihr Grab in den Wellen finden. Aber nur der Schiffs­rumpf wird im Meer versenkt werden. Alle Aus- rüstungsgegenstände werden auf einer Versteigerung in Cowes zum Verkauf gelangen. Man nimmt an, daß sich ein lebhafter Wettbewerb besonders unter den englischen Seglern erheben wird, auf diese WeiseErinnerungen" an die KönigsjachtBrt- tannia" und ihren Herrn zu erlangen. Es sind bereits eine große Zahl von brieflichen Angeboten eingelaufen, lieber 350 einzelne Gegenstände ge­langen zur Versteigerung; sie umfassen besonders viele Stücke der Deckausrüstung, dann Segel, Anker, Kabinenausstattung und Teile der Takelage. Heiß um stritten wird, wie man annimmt, der über 30 Meter hohe Hauptmast der Jacht fein