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Nr. 124 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

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Borkenkäfer-Krieg in den hessen-nassauischen Wäldern. Tausende von Feuern brennen in den Wäldern.

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Oben: Man könnte meinen, der ganze Wald brennt. Hier wird jedoch das Bruchholz verbrannt, um den gefährlichen Borkenkäfer zu vernichten. Unten : Auch der Arbeitsdienst hilft-tüchtig bei der Bekämpfung des schlimmen Waldparasiten. (DNB.-Heimatbilderdienst. Photo: Nees.)

2PD. Bei dem furchtbaren Schneesturm, der im April dieses Jahres auch über die hessen-nassauischen Wälder hereinbrach, gingen Hunderttausende von Festmetern Holz zu Bruch. Und schon in kurzer Zeit nistete sich überall in den zahlreichen Windbrüchen der gefährliche Borkenkäfer ein, der in dem Fallholz der Nadelbäume reichlich Nahrung findet. Da sich diese Käfer äußerst schnell und stark vermehren, sind alle vom Windfall betroffenen Wälder in unse­rem Heimatgebiet in größter Gefahr. Nach Ansicht der Forstbehörden wurden bis zum nächsten Jahr einige Millionen Festmeter Holz von dem schlim­men Wald-Parasiten befallen sein, wenn die Be­kämpfung nicht schlagartig einsetzen würde.

Schon seit einer Woche hat denn auch derBor­kenkäfer-Krieg" in den heimatlichen Waldungen eingesetzt. Alle Stamm-Waldarbeiter arbeiten die großen Windbrüche zunächst auf. Das gefallene Holz wird geschält, da nur unter der harzigen Rinde der Käfer weiterleben kann. Neben diese Holzoer­wertung tritt aber der eigentliche Abwehrkamps der gesamten Bevölkerung, die in den verwüsteten Wäldern neben dem Arbeitsdienst und den Schulen eingesetzt wird Täglich ziehen Tausende von Volks­genossen hinaus in die Wälder und tragen das ge­fallene Astwerk zusammen, das dann von der Feuerwehr im Walde verbrannt wird. Nur durch

das Verbrennen hat man die Gewißheit, daß die Borkenkäfer und ihre junge Brut restlos vernichtet werden.

So brennen in den heimatlichen Wäldern Tau­sende von Feuern- Es geht damit zwar viel Brenn­holz verloren, aber die zu Bruch gegangene Holz­menge ist so groß, daß nicht im entferntesten das gesamte Fallholz geschält werden könnte, um, ent­rindet, in den Haushaltungen verwertet zu werden. Denn im ungeschälten Holz würde der Borkenkäfer weiterleben und käme wieder in den Wald zurück-

Keine Nichtschwimmer mehr unter der Landjugend.

Lpd. Die vom Reichsnährstand geförderte Ein­sicht, daß auch unsere kräftige und gesunde Land­jugend zur Ausbildung eines gewandten, elastischen und aufgelockerten Körpers Sport treiben muß, greift erfreulicherweise auf dem Lande immer mehr um sich. Aber wir stehen hier erst am Anfang, und es ist noch vieles 3* tun Jetzt, da die Badezeit wieder beginnt, sollte keiner unter der männlichen Landjugend versäumen, das Schwimmen zu lernen. Denn wer will die traurige Figur des Nichtschwim­mers abgeben der dazu verurteilt ist, hilflos zu­

sehen, wenn andere sich gewandt in dem nassen Element tummeln?

Das Schwimmen ist aber auch vom gesundheit­lichen Standpunkt aus eine hervorragende Leibes­übung. Es bringt sämtliche Muskeln und Bänder des ganzen Organismus in gleichmäßige, abwech­selnde Bewegung. Arme, Beine, Nacken und Bauch, alle diese Körperteile müssen sich in regelmäßiger Abwechslung anstrengen, um den sichtbaren Schwimmerfolg zu erzielen. Eine allgemeine Kräf­tigung und Geschmeidigkeit der Muskeln ist die Folge. Brust und Lungen weiten sich und gewinnen mächtig an Ausdehnungsfähigkeit. In gleicher

Weise wird das Herz leistungsfähig. Dazu kommt die Wirkung des Wassers auf die Haut, die in günstiger Weise auf den tiefer im Körper gelegenen Blutkreislauf einwirkt. Die Wärmeerzeugung wird erhöht und dadurch ein regerer Stoffwechsel herbei­geführt.

Kurz und gut wer schwimmt, härtet sich ab und bleibt gesund, vermehrt seine Kraft und seine Körpergewandtheit und erhöht seine Lebensfreude! Wir müssen es bald soweit gebracht haben, daß es kein Dorf mehr gibt ohne Freibad. Wenn alles im Dorf zusammenhilft, wird das nicht allzu schwer fein!

Gauleiter Sprenger eröffnet die Sommerlager der Hitlerjugend.

NSG. Donnerstag nachmittag eröffnete der Gauleiter das Sommerlager des Jung­bannes 287 in Urberach, Kreis Dieburg. Gleich­zeitig mit dieser feierlichen Eröffnung hat die ge­samte Lagerarbeit der Hitlerjugend in Gau Hessen- Nassau für den Sommer 1936 eingesetzt.

Der schön gelegene Ort Urberach hat sich aus diesem Anlaß reich geschmückt, und selbst die Bauern und auch die Eltern der im Lgger vereinigten Ju­gend haben es sich trotz der drängenden Arbeit nicht nehmen lassen, in das Lager zu kommen und der feierlichen Eröffnung beizuwohnen. Um 16 Uhr meldet die Wache des Lagers dem Gauleiter die angetretenen Pimpfe. Der Gauleiter wird durch den Führer des Jungbannes 287 begrüßt. Neben den in der Begleitung des Gauleiters erschienenen Gästen haben sich auch die Kreisleiter von Dieburg und Offenbach zur Eröffnung eingefunden. Die im Lager zusammengefaßten 246 Jungen haben Auf­stellung genommen. Fanfarenklänge und dumpfe Trommelwirbel leiten über zu dem von den Jungen aufgeführten chorischen Spiel. Sie sprechen und fingen von Kampf, Freiheit und Opfer, von Helden­tum und Vaterlandsliebe, von Arbeit und von Scholle.

Dann wendet sich der Gauleiter in einer freund­lichen Ansprache an^ie Jugend. Er spricht von der Kameradschaft und der Einsatzbereitschaft. Im Lager muß einer für den anderen einstehen. Ihr. könnt, so spricht der Gauleiter, dem Schöpfer danken, daß ihr in eine so herrliche Zeit hineingeboren seid, und euer Lied, das ihr gesungen habt, soll euch eine ewige Mahnung sein. Weiche Völker verschwinden immer im Leben: sie werden vom Mahlstein der Zeit zer­rieben. Einfachheit und Bescheidenheit, Einsatzbereit­schaft und Kampfeswillen dagegen machen die Völ­ker groß und müssen auch euer Leben bestimmen. Die Zeltlager der Hitler-Jugend, so schloß der Gau­

leiter, tragen dazu bei, eine harte, aber ebenso be­scheidene Jugend heranzubilden, eine Jugend, dis in der Arbeit des Führers, der nichts kennt als das Wohl des deutschen Volkes, ihr Vorbild sieht.

Nachdem das Lied der Jugend die Feier beschlos­sen hatte, besichtigte der Gauleiter das Lager, das den Eindruck vorbildlicher Sauberkeit und Ordnung hinterließ.

Das Jungvolk-Sommerlager Urbe­rach ist vom Gebiet als das beste Lager des Gaues anerkannt worden und liegt etwas abseits vom Ort auf einer Anhöhe vor dem Wald. Wie eine Burg liegt das Lager. Man schreitet von der Landstraße aus einen neuerstellten Feldweg herauf, kommt an einer prächtigen Fichtenschonung vorüber und er­reicht unmittelbar den mächtigen Wachtturm, den Eingang zürn Lager. An diesen Holzturm ist zu beiden Seiten ein Nebengebäude angebaut, ein Sanitätsraum und eine Wachtstube für die Turm­besatzung. Vom Turm aus hat man eine herrliche Aussicht bis zu den Hängen des Odenwaldes. An den Wachtturm schließt sich eine Schreibstube mit Vorratskammern und eine große Küche an. 20 große Zelte wurden auf einem großen Platz aufgebaut, die für etwa 350 Jungen Unterkunft bieten. Abge­schlossen wird der Platz von dem Sitzring, in dem abendlich Feierstunden abgehalten werden. In der Mitte des Sitzrings ragt ein mächtiger, aus Stein gebauter Fahnenturm empor, in dessen Mitte wäh­rend der Dauer des Lagers das Feuer brennen wird. Am Mast weht die Fahne des Jungvolks. In diesem Lager werden in achttägigem Wechsel jedes­mal 350 Jungen sich zu Kameradschaft, frohem Spiel und ernster Arbeit zusammenfinden. Das Ziel wird sein, auch dem letzten Jungen im Bereich des Jungbannes die Teilnahme an dem Zeltlager zu ermöglichen.

Der Kohlenstaubmotor auf dem Wege zur Betriebsreife. Eine wichtige Mitteilung.

Darmstadt, 28. Mai. (Fwd.) Die Fachsitzung Verbrennungsmotoren", die der Verein Deutscher Ingenieure in diesem Jahre zum ersten Male wie­der im Rahmen seiner 80. Hauptversammlung in Darmstadt veranstaltete, wurde am 26. Mai von Prof. Dr. ing. A. Nägel, VDJ., Dresden, mit einer bedeutsamen Mitteilung eröffnet, mit der ihn Prof. Dr. Stark als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft beauftragt hatte und besagte, daß der von der Firma Schichau in Elbing gebaute Kohlenstaubmotor seine erste Dauer­erprobung mit Erfolg bestanden hat.

Bekanntlich reichen die Versuche zur Verwirk­lichung des Kohlenstaubmotors bis auf Rudolf Diesel, den Erfinder des Dieselmotors, zurück. Um seine Weiterentwicklung hat sich besonders der ehemalige Mitarbeiter Diesels, Rudolf Pawli -

k 0 w s k i, verdient gemacht. Trotz großer Fort­schritte standen aber bisher der Einführung des Staubmotors in der Praxis die Schwierigkeit des regelbaren Einbringens des Staubes in den Ver­brennungsraum, sowie der übermäßige Verschleiß entgegen. Vor Jahren führte die JG.-Farben- industrie in ihrem Oppauer Werk zahlreiche Ver­suche durch, bei denen der Staub mit Druckluft in den Brennraum des Staubmotors eingeblasen wurde. Jetzt ist es der Firma Schichau, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft den Auftrag erhalten hatte, einen Kohlenstaubmotor nach neuen Gesichtspunkten zu bauen, in enger Zusammen­arbeit mit dem Maschinenlaboratorium der Tech­nischen Hochschule Dresden gelungen, den Staub ohne Hilfe eines Luftverdichters in den Brennraum einzuführen. Damit ist der Staubmotor den gleichen

Maibatt auf der Segelmole.

Don Hans Leip.

Hinter Lühsand gibt es auf dem hannöverschen Ufer ein altes Wirtshaus, dasZur Segelmole" heißt. Da hatten wir uns zum Maiball verabredet. Natürlich kommen für die Gegend nicht die groß­artigen Kielboote in Frage, die Tropseiler, Klip­penkratzer, Besansummler und Atlantikstürmer, sondern nur solche sanfte Jungsjollen, die auf Schwert laufen, daß man hochziehen kann wie einen Schnupfen beim Walzer und die über die platten Südgründe der lieben Niederelbe hinglit­schen wie ein Mop übers Parkett. Damen, um es gleich zu sagen, führten wir diesmal nicht an der Fock, wir hatten anderes im Auge, nämlich die ländlichen Schönen aus den Dörfern hinterm Deich, die wochentags die Kühe melken, Bohnen pflanzen und Butt auf Fäden ziehen, Sonntags aber hoch­seidene Strümpfe aus dem Warenhaus zu Buxte­hude über die prallen Beine wrumsen und auf die Segelmole zum Tanz gehen.

Draußen blühten die Apfelbäume, aber drinnen in dem langen, wackligen Saal die Kleider der Mädchen waren nicht weniger rosa und was sich sonst noch zwischen den wahrhaft hohen Absätzen und den buttermilchgekämmten Haaren bot Die Kapelle war rührend einfach, aber laut und takt­fest, eine Klarinette, eine Trompete, ein riesiger Konterbaß und ein Klavier, dem mehrere Zähne fehlten. Lange saßen wir vorerst an einem Ecktisch und sahen zu, um nicht voreilig unsere Wahl zu treffen und tranken Maibock, bis aufPanne", der dem Alkohol abgeschworen hatte, weil er in wenigen Tagen seinen Referendar machen sollte und Zitro­nenbrause zu sich nahm.Sonst gibt es 'ne keller­tiefe Panne!" sagte er, und daher, weil er so oft von Pannen unkte, hatte er auch seinen Namen. Er hätte von Rechts wegen nicht mit dürfen, er war auch nur mitgegondelt, um sein verbüffeltes Ge­hirn ein wenig durch den Zephir zu fädeln, die Aktivitäten wollte er uns überlassen, Er wollte sich nur daran weiden.

Wie es schon so ist, wenn man sich viel vor­nimmt, die Stunden verrannen, wir saßen meist immer noch in der Ecke und ließen die Blicke schwei­fen. Im Dunst der ländlichen Zigarren, des Mai­bocks und auch der grünen und der Mandelseife, welche dem Teint der holden Weiblichkeit in diesem losenden Raume den Glanz des Sonntags ver­liehen, kreiselten die Paare und die Männer mit den breiten Röcken und den dicken Daumen und ben hoben steifen Kragen einssitiger Gentlemänner.

die handfesten Fischerknechte und Bauernbengel hatten das Bessere längst mit Beschlag belegt. Wir aber im angenehmsten Sportdreß mit unserem teuersten Oxfordhemd, pickweißer Segelhose mit einem Kniff, daß wir uns hätten dran rasieren können, wir saßen da .. Es war zum Weinen. Wir waren schick wie ein Modenblatt letzter Num­mer und unsere Schuhe weiß wie die Sahne auf der Apfeltorte, die Panne in Mengen zu sich nahm. Panne aber hatte gar nichts an sich poliert: denn er hatte ja kaum mitwollen und stak in seiner lächerlichen Bürokluft und sah schon fast aus wie ein Referendar, so daß wir uns seiner schämten.

Nein, sagte Erni Klüters da, der aus der Staue- ret Klüters & Bärfatt. Was Richtiges ist nicht unter diesen Trutschen. Wohl hatte er schon zwei­mal getanzt, jedoch keinen merklichen Gegendruck gespürt, worauf es ja ankommt, wenn man sich zu Hoffnungen berechtigt fühlen soll. Auch hatte die Niedliche, die pummlig war wie eine preisgekrönte Tomate, zu ihm gesagt:Nicht mal 'n steifen Kra­gen? Kommen ja wohl grab aus 'm Boot! Aber der andere an Ihrem Tisch, der hat noch Anstand."

Wenn ich meine persönliche Erfahrung hinzu­fügen darf: ich hatte den Blick auf eine Magere geworfen, die ein bißchen langnäsig schien, einen großen Mund und albinofarbene Augen hatte. Ihre Figur, Das war es eben, die war gut, neu­zeitlich gut, und sie war blond wie frischer Schafs­käse. Sie sagte gleich.Büschen ins Boot? Gern. Aber hier tanzen, wo Sie nid) mal angezogen sind, is mich zu auffällig Aber der andere Herr bei Ihnen, der immer bloß kuckt, das is ein Schicken!"

Ich fragte sie, ob sie wüßte, daß Chicken eng­lisch sei und sie den Nagel auf den Kopf getroffen habe. Das Schmettern der Trompete überhob sie der Antwort, und sie entschloß sich, fieberten Text mitzusingen. fföner as ne Tawel Szokkolate ßmeckt Kuß nun eune ßüsse kleune Frau . und es war anstrengend, den Tango als Fox zu tanzen

Zwar stachelte das Maibock unsere Unterneh­mungslust noch ein paar Schlager lang auf und ließ uns die Demütigungen 00 unserer Kleidung milde beurteilen, doch es ließ sich nicht lange ver­heimlichen, wir paßten hier wie die Rose ins Tin­tenfaß und mochten auch nicht länger das Grinsen ansehen, das von unseren Gesichtern, wo es sich wegen Pannes Brauselimonade aufgehalten hatte, auf seins übergewandert war: es fiel uns plötzlich ein, welch wunderschöner Maitag draußen sei, und daß wir nach dem Boot zu sehen hätten Wir lungerten noch eine Weile unter den rosa. Apfel­bäumen. ob wohl eine der Holden uns nachge­

schlichen komme. Zufällig nur warfen wir einen Blick durch die Saalfenster, dann gingen wir achsel­zuckend unserer Wege. Wir hatten wohl erspäht, daß nunmehr Panne da drinnen tanzte, Wange an Wange mit der Pummeligen, aber wir sprachen nicht darüber.

Wir legten uns am Deich in die Sonne, und als sie weg war, kletterten wir ins Boot, verzehrten unsere und Pannes Vorräte und warteten auf ihn und den Eintritt der Ebbe. Wir beschlossen, auch ohne ihn loszuklüsen, unseemännisch wie er sich be­nommen hatte, er konnte gut zu Fuß nach Buxte­hude gehen und mit der Eisenbahn nach Hause rutschen. Das Schicksal aber meinte es gütiger mit ihm. Er kam noch eben zur rechten Zeit. Und er kam nicht allein, sondern hatte nicht nur die Pum­melige, sondern auch die Magere bei sich, und dazu war er sternhagelduhn, welche Wirkung wir der Zitronenlimonade nie zugetraut hätten, und die lieben Mädchen sagten, sie hätten ihn nur deswegen begleitet, weil er nicht allein hätte gehen können. Dessen ungeachtet bugsierten wir sie allesamt ins Boot, 0, so eine tüchtige Elbjolle faßt mehr, als man zuerst glaubt. Doch der ausgleichenden Ge­rechtigkeit betreffs unserer Verachtung Pannes war nun genug geschehen. Nun waren wir wieder am Törn, und Panne, nachdem er sich noch mit öfte­rem: Wat 'ne Panne! über sein bevorstehendes Examen geäußert hatte, wurde vom Schlummer übermannt und von uns außer Reichweite unters Vordeck geschoben. Dort mochte er sich weiden. Die Mädchen wandten ihre Aufmerksamkeit von ihm ab und uns zu: so unnahbar sie auf den Saal­dielen uns behandelt und uns verkannt hatten, so munter waren sie jetzt: denn hier kam es nicht mehr an auf den Salonton, den wir durch unsere Kleidung unterschätzt hatten, und obgleich wir die Tide versäumten und keiner von uns rechtzeitig nach Hamburg zurückkehrte, wurde es doch noch eine wunderschöne Mainacht.

Kampf gegen den Kolorado-Käfer

Da der Koloradokäfer, der eine so große Be­drohung der Kartoffelpflanzen bedeutet, von Frank­reich aus bereits so weit vorgedrungen ist, daß er hart an der Grenze des Saarlandes auftritt, wird vom Reichsnährstand und den in Frage kommenden Regierungsstellen der Kampf mit allen Mitteln vorbereitet, um vor allem die Hauptgebiete der deutschen Kartoffelwirtschaft, Mittel-, Nord- und Ostdeutschland, vor ihm zu bewahren. In den west- liehen Grenzgebieten übernehmen die Gemeinden

die Aufklärung der Bevölkerung: Merkblätter der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forst­wirtschaft in Berlin-Dahlem, der Zentrale des deut- scheu Pflanzenschutzdienstes, werden kostenlos ver­breitet. Ein Ueberwachungsdienst sorgt dafür, daß beim Nachweis des Befalls eines Feldes ein Um­kreis bis zu 10 Kilometer mit Bleiarfenat bestäubt wird. Es kommt alles darauf an, das Auftreten des Koloradokäfers schnellstens zu melden. Die Leip­zigerJllustrirte Zeitung" macht darauf aufmerk­sam, daß der Kartoffelkäfer schon wiederholt nach Europa verschleppt worden ist und auch in Deutsch­land in den Jahren 1877, 1887 und 1914 ausge­treten ist. Bei den umfassenden Abwehrmaßnahmen ist zu hoffen, daß der Schädling wie damals fo auch jetzt wieder erfolgreich bekämpft werden wird.

Zeitschriften.

Berühmte junge und alte Namen machen das Juniheft von Velhagen & Klasings Mo- natsheften zu einem besonderen Ereignis. No­vellen von Eckart von Naso, dem Dichter des Rei­terromansSeydlitz", von Felix Riemkasten, von Anton Dörfler, dem Träger des Raabe-Preises. Friedrich Schnack, Poet- und Naturkenner, plaudert an Hand reizender farbiger Abbildungen über Schmetterlinge. Hans Friedrich Blunck, Dichter von tiefer geschichtlicher Schau, lenkt unfern Blick und unfern Willen in die ferne Vergangenheit unseres Volkes. Professor Dr. Georg Wegener, der den Fernen Osten als Gelehrter und Sammler oft be­reift hat, schildert die Gezeiten der chinesischen Reichsmacht und wirft die wichtige Frage auf, ob der Ebbe von heute wohl wieder Flut folgen wird. Eine nur wenigen bekannte Herrlichkeit erschließt uns Friedrich Schults eindrucksvoll bebilderter Bei­trag über Güstrow und seinen Dom. Mit luftigen bunten Zeichnungen plaudert Skid von Gesellschafts­heimen auf der Landstraße. Heiter belehrt uns Otto Nebelthau über Fette, Pfannen und Feuer. Den Freund der Kulturgeschichte wird Alfred Hoschke mit seinen Sonnentagen im klassischen Lauchstädt" erfreuen. Eine neue Deutung der viel erörterten Entlobung Ludwigs II. von Bayern unternimmt Carl Wagner auf Grund unbekannter Briefe und anderer ihm allein zugänglicher Ueberlieferungen

Heber das alte Wehrsystem des Deutschritter- Ordens bringt das neue Heft derSirene" einen reichbebilderten Aufsatz. Das Heft beschäftigt sich ferner in großen Bildberichten mit der Entwicklung der Seemächte nach der Londoner Flottenkonferenz und dem kolonialpolitischen Luftverkehr Frankreichs und Belgiens.