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Schreckenslage in San Sebastian.

Hendaye, 28. Juli. (Dom Sonderberichterstat­ter des DNB. Funkspruch.) Am Montag um 23 Uhr trafen an Bord des deutschen FrachtschiffesKro­nos" der deutsche Geschäftsträger mit dem Botschaftspersonal und 84 Auslän­dern, darunter die Angehörigen der italieni­schen Botschaft und der portugiesische Kon­sul, sowie die letzten 33 Deutschen aus San S e b a st i a n in dem französischen Badeort St. Jean de Luz ein. Der Geschäftsträger beabsichtigt, am Dienstag sich auf spanisches Gebiet zurückzubegeben, und zwar nach Fuenterrabia oder Jrun. Don Bil­bao sollen im Laufe des Dienstags 6 5 0 Deut« f ch e durch deutsche Frachtschiffe ebenfalls nach St. Jean de Luz abtransportiert werden.

Die Deutschen teilen mit, daß ihr Ab­transport nur unter großen Schwierigkeiten möglich gewesen sei und dah es des ganzen Einsatzes der Autorität des deutschen Geschäftsträgers bedurft habe, um die Volksgenossen in Sicherheit bringen zu können. Das Revolutionskomitee", das sich seit einigen Tagen zum Herrn der Stadt gemacht hat, habe nur denjenigen Deutschen die Ausreise erlauben wollen, die sich erst seit vier Wochen als Touristen in Spanien befunden hätten. Die Anhänger desRevolu- tionskomitee", unter denen sich auch f o w j e t - russische Matrosen (!) befänden, hätten eine auherordentlich strenge Kontrolle einschließ- lich Leibesvisitation bei der Einboo­

tung ausgeübt. Die Stadt befinde sich in zunehmender Anarchie. An Stelle der Behörden sei dasRevolutionskomitee" ge­treten, zu dem auch schwer bewaffnete Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren gehörten. (!!) Angesichts dieser Entwicklung hätten sich selbst die Mitglieder der bisherigen marxistischen Behörden sehr pessimistisch ge­äußert.

Don zuverlässiger Seite verlautet, daß in San Sebastian der Sekretär von Gil Nobles, des Führers' der katholischen Volksaktion, von den Kommunisten erschossen worden sei.

Verlegung der Botschaften aus Gan Sebastian.

Paris, 27. Juli. (DNB.) Wie Havas aus St. JeandeLux meldet, wird aus amtlicher Quelle mitgeteilt, daß die ausländischen Bot­schaften aus San Sebastian auf Rat der Re­gierung fortv erlegt worden seien. Die fran­zösische Botschaft hat ihren Sitz in Zukunft in der Villa des französischen Botschafters herbette in Foniarabia, die englische Botschaft wird in einer Privatvilla des englischen Botschafters in Zaraus untergebracht. Die italienische, die nordamerikanische und die argenti­nische Botschaft, sowie die Gesandtschaften Norwe­gens und der Tschechoslowakei werden ihren Sitz in Jrun haben.

Barcelona unter dem roien Terror.

Ein englischer Bericht.

London, 27. Juli. (DNB.) Ein grauenhaftes Bild der furchtbaren Geschehnisse, die sich in Bar­celona zutrugen, zeichnet ein Sonderberichterstat­ter des Reuter-Büros, der soeben aus dieser Stadt nach der spanisch-französischen Grenze zurückgekehrt ist. In einem aus Serbere datierten Bericht zeigt er im einzelnen, daß die Bevölkerung von Barce­lona, wie zu befürchten sei, voraussichtlich schon in kurzer Zeit dem Verhungern ausgesetzt sei.

Die Regierung habe zwar das heft in der Hand, aber die Rahrungsmiltelvorräte gingen zu Ende. In der unteren Stadt feien eine ganze Reihe von Ladengeschäften geplündert und niedergebrannt worden. Tote Männer und Frauen, Pferde und Maulesel bedeckten die Straßen. Abfälle aller Art türmten sich zu riesigen Haufen an. Der Gestank fei einfach unerträglich. Die Drogerien und Apotheken hätten ihre Verkaufsstellen seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges unausgesetzt geöffnet, aber ihre Vorräte gingen schnell zur Neige. Jede Kirche und jedes Kloster der Stadt sei mit ganz geringen Ausnahmen eingeäschert worden. Man

habe beobachtet, wie Anarchisten, die die Kirche Santa Anna in Brand steckten, auf dem Altar Tänze aufgeführt und das Ehristusbild zer­trümmert hätten. Eine Gruppe nationalistischer Offiziere, die in einem Kloster Zuflucht gesucht habe, sei schließlich nach verzweifeltem Wider­stand zur llebergabe gezwungen worden. Sämt­liche Verteidiger seien auf der Stelle ermordet worden. Einem von ihnen seien beide Arme und Beine abgeschnitten worden. Das Kloster habe man hierauf ebenfalls in Brand gesteckt.

Der Palast des Grafen Guell sei von der Regierung übernommen worden. Hier könne man sehen, wie zweifelhaft aussehende Individuen, die sogenannte Wache des Palastes, sich in den mit Gold und Plüsch überzogenen Sesseln von unschätzbarem Werte häuslich niederließen. Das Gebäude der Zollver­waltung, in dem sich die Nationalisten verzweifelt zur Wehr gesetzt hätten, sei schwer beschädigt wor­den. Die Strommasten der Straßenbahn seien durch die Schießereien umgelegt worden, so daß die Ober­leitungskabel allenthalben die Straßen sperrten.

Lin Lagebericht der Regierung in Madrid.

Madrid, 28. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die neue Madrider anarcho-syndikalistische Zeitung ENT. fordert energisch die Durchfüh­rung einer Grenzsperre f ü r sämtliche Reisende,um eine Massenflucht der besiegten spanischen Faschisten zu verhindern". DieVer­räter" müsse die gerechte Strafe des Volkes treffen.

Den Zeitungen und den amtlichen Rundfunk-Mel­dungen zufolge soll der Widerstand der in einer Kaserne in San Se b a st i a n eingeschlossenen nationalistischen Truppen gebrochen sein. In erster Linie sollen an diesem Erfolge die Flugzeuge der Marxisten beteiligt sein. Die dadurch freiwerdenden marxistischen Truppen in San Sebastian sollen sich nunmehr mit den Volksfront-Streitkräften von Bilbao vereinigen, um gemeinsam in Richtung auf die Stadt Bitori vorzurücken, die sich in den Händen des nationa- listifchen Militärs befindet.

Die Volksfront-Miliz befindet sich in ständiger Alarmbereitschaft. In der Nacht versehen Patrouillen der Miliz-Soldaten den Wachdienst. Das Komitee der antifaschistischen Frauen" hat die Kirche Montserrat, eine geistliche Schule und den Konvent San-Ramon beschlagnahmt, um in diesen Gebäuden Lazarette einzurichten. Auch das moderne Madrider Ballspielhaus Roco- letos soll als Lazarett eingerichtet werden.

Wie im Rundfunk mitgeteilt wird, hat das inter­nationale Rote Kreuz - Komitee in Bern dem spanischen Roten Kreuz seine Hilfe angeboten. Die Leitung des spanischen Roten Kreuzes hat dieses Angebot jedoch a b g e l e h n t mit der Begrün­dung, daß die eigenen Mittel ausreichend seien. Der Kriegsminister hat sämtliche Waffenschmiede auf- geforbert, sich sofort zur Verfügung zu stellen. Be­reits am ersten Tage sollen auf Grund dieser Auf­forderung 6000 Gewehre hergestellt worden sein. Die in den Händen der Madrider befindlichen Waf­fenfabriken arbeiten angeblich verstärkt, um den Bedarf des marxistischen Heeres zu decken. Den Zeitungen ist größte Sparsamkeit beim Papierver­brauch empfohlen worden, um zu vermeiden, daß die Papieroorräte bei einer längeren Dauer des Bürgerkrieges erfchöpft würden. Mehrere Zeitungen hoben bereits in Anbetracht der Papierknappheit die Seitenzahl ihrer Ausgaben herabgesetzt. Auf Grund eines Dekrets des Handels- und Jndustrieminifters ist ein Ausschuß zur Ueberwachung der Industrie gebildet worden, der aus Ministerial- beamten besteht und die einzelnen Betriebe kontrollieren soll, um dort von sich aus die Leitung zu übernehmen, wenn es für notwendig erachtet wird.

Auf Grund eines besonderen Erlasses hat die Ma­drider Stadtverwaltung die gesamte Milcherzeu­gung beschlagnahmt. Der Finanzminister hat die Einschränkungen des Bank- und Börsen­verkehrs bis zum 2. August verlängert. Der Auf­sichtsrat der Bank von Spanien hat zugunsten der Opfer des Bürgerkrieges 250 000 Peseten zur Ver­fügung gestellt.

Wie verlautet, sind auf dem Südbahnhof von Madrid 11 Züge mit Lebensrnitteln aus Valencia, Alicante und Murcia eingetroffen. Ein Transport mit 490 verhafteten f a s ch i st i - schen Offizieren ist von Madrid aus nach Ali­cante abgegangen, wo die Verhafteten im Gefängnis untergebracht werden sollen.

Die spanischen Rationalisten verbreiten Siegesmeldungen.

H e n d a y e, 28. Juli. (DNB. Funkspruch. Vom Sonderberichterstatter des DNB.) Die im Besitz der Nationalisten befindlichen Sender behaupten, daß die Truppen der M i l i t ä r g r u p p e im Gua­darrama-Gebirge einen entscheidenden Sieg über d i e Marxisten davongetragen hätten. Ferner habe im Grubengebiet von Penna- roya (Südspanien) ein Zusammenstoß zwischen na­tionalistischen Truppen und bewaffneten Bergarbei­tern stattgefunden, bei dem diese völlig zersprengt worden seien. Nach ziemlich einwandfreien Quellen sollen Truppen der Nordgruppe des Generals Mola die Verbindung mit der Garnison von San S e - b a st i a n ausgenommen haben, so daß mit der Ein­nahme dieser Stadt angeblich in kurzer Zeit gerechnet werden könnte.

Vor der Entscheidungsschlacht?

Lissabon, 27. Juli. (DNB.) Am Montag werden aus Spanien keine größeren Kampf­handlungen berichtet. Im Vormarsch der Trup­pen der Militärerhebung scheint ein Stil l- st a n d eingetreten zu sein. Es hat den Anschein, als wenn beide Parteien in der Uebergeugung, daß der Kampf auf Leben und Tod geht, alle Machtmittel zum Einsatz vorbereiten und sich mit dem Ausbau ihrer Stellungen beschäftigen.

General Queipo de Llano hat bekanntgegeben, daß alle in Sevilla landenden Flug­zeuge, gleich welcher Nationalität, beschlag­nahmt werden würden.

General Franco nach Sevilla gestartet.

Paris, 28. Juli. (DNB.) Havas meldet aus Rabat, aus sicherer Quelle verlaute, daß sich General F r a n c o von Tetuan aus im Flugzeug nach Sevilla begeben habe.

Wieder ein Rücktritt in der spanischen Diplomatie.

London, 27. Juli. (DNB.) Der B o t s ch a f t s- r a t der Londoner spanischen Botschaft Conde ist von seinem Posten zurückgetreten und mit unbekanntem Ziel nach dem Festlande ab­gereist. Die genauen Gründe des Rücktritts sind nicht bekannt.

König Eduard verzichtet.

London, 27. Juli. (DNB.) Wie amtlich mitge­teilt wird, hat König Eduard VIII. die beabsich­tigte Erholungsreise nach Cannes und S ü d f r a n k- reich aufgegeben. Ergänzend verlautet, daß die Entscheidung des Königs eine Folge des Bürger­krieges in Spanien sei. Der König, so meldet Preß Association, wünsche die Verantwortung, die schon durch die Zustände in Spanien den franzö­sischen Behörden auferlegt werde, nicht noch zu ver­mehren.

Französische NligzeugeausümwegensürRadnd?

Lustfahrtminister ßof als Organisator.

Paris, 28. Juli. (DNB. Funkspr.) Die royali­stischeAction Franxaise" behauptet, daß die 17 Potez-Flugzeuge auf Umwegen doch noch der spanischen Regierung zugeftellt werden sollen.

Dem Blatt zufolge habe Luftfahrtminister E o t die Flugzeuge der Privatindustrie zur Ver­fügung gestellt, damit diese sie an Spanien verkaufe. Der Luftfahrtminister habe am Mon­tag schriftlich eine heeresbestellung auf acht mehrsitzige BombenflugzeugeBloch" aufge­geben mit dem Zusatz, daß zunächst als Gegen­leistung die 17 Potez-Flugzeuge aus der heeres- reserve herausgezogen und der Firma Potez wieder zur Verfügung gestellt würden. Die Firmen Potez und Bloch bearbeiteten die Staatsauflräge gemeinsam, und die 17 Potez- Flugzeuge, um deren Freigabe es sich handele, seien dieselben, die auf dem Flugplatz Mont- desir bereitsländen und deren französische Zei­chen man schon übermalt habe. Sie würden vielleicht schon Dienstag nach Spanien abfliegen.

Die kommunistischeHumanitö" eröffnet eine Gegenoffensive, in dem sie die Frage stellt, ob es wahr sei, daß die Staatsbank von Fran­zösisch-Marokko der spanischen Militärbewe­gung 500000 Franken vorgeschossen habe, für

die sich der französische Generalresident verbürgt habe, und ob es wahr sei, daß der spanische Gene- ral Franco dem französischen Generalresidenten in Marokko, Peyrouton, seinen Dank ausge- sprachen habe

DieLibertö" gibt eine Meldung der in Barce- lona erscheinenden ZeitungSolidaridad Dbrero" wieder, nach der 50 aus Frankreich stam­mende Flugzeuge in Barcelona und weitere 20 in Madrid eingetroffen seien. Eine Nachrichtenagentur will wissen, daß es sich hierbei um die' erste Lieferung eines Ankaufs von insgesamt 300 Flugzeugen handele.

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Paris, 27. Juli. (DNB.) Zum erstenmal in Frankreich sind die für den französischen Grenzschutz vorgesehenen besonderen Mahnah. men an der spanisch-französischen Grenze angewandt worden. Es handelt sich um Luftschutzmaß­nahmen, die durch ein besonderes Gesetz sch. gelegt sind, die aber bisher noch nie praktisch durch, geführt wurden. Da die Lage an der spanischen Grenze diese Maßnahmen aber jetzt notwendig macht, ist eine Militär-Flugzeug st afsel von Pau nach Biarritz verlegt worden, wo sie unter den Befehl des Leiters der Luftschutzabteilung der Provinz gestellt wurde. Die Apparate stehen st art- bereit auf dem Flugfeld von Biarritz und sollen sofort eingesetzt werden, falls die Sicher­heit an der Grenze gefährdet ist.

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heim Unglück des GA.-Gturmes 45/111

Oer Augenzeugenbericht des Signalfahrers.

Freuden stad t. 27. Jul!. (DNB.) Die Zahl der Todesopfer bei dem Autounglück des SA.-Sturmes 45/171 auf der Besenfelder Steige hat sich auf insgesamt 24 erhöht, da in der vergangenen Nacht noch ein weiterer Toter auf ge­funden und drei Verunglückte in den Krankenhäu­sern gestorben sind. Zu dem Unglück erfah­ren mir noch folgende Einzelheiten:

Der SA.-Sturm 45/171 der Gruppe Süd-Kur- pfalz machte am Samstag mit 63 Mann eine Aus­fahrt. Als Fahrzeug benutzte man einen Last­wagen mit Anhänger, der von dem Bruder des Fahrzeugbesitzers, der nicht SA.-Mann ist, geführt wurde. Am Sonntagnachmittag hatte man von Sulz den Weg über Nagold, Altensteig, Hochdorf, Besenfeld genommen. Dem Lastwagen voraus fuhr mit dem Motorrad ein Signalfahrer mit Beiwagen. Endziel der Fahrt war wieder Mannheim, das man über die Besenfelder Steige, genannt Erzsteige, die von Besenfeld 8 Kilometer lang nach Schönegründ im Murgtal geht und einen Höhenunterschied von 300 Meter überwindet, erreichen wollte. In Besen­feld stieg noch eine Gruppe von Mädchen aus der Stuttgarter Gegend zu, die von einer Fußwande­rung ermüdet um Mitnahme bis zur nächsten Bahn­station bat.

Die Straße wurde immer steiler und stei ° ler, das Fahrzeug immer schneller und schneller. Der Führer trat wohl auf die Bremse, sie gab aber keinen Wider st and, und das Fahrzeug geriet völlig aus des Lenkers Gewalt. Die ersten vier Kilometer von Besenfeld her legte man wie im Fluge zurück. Dabei streifte der Wa­gen schon die Einfassung der rechten Straßenseite, und der Anhänger geriet stark ins Schwanken. Der Signalfahrer, der auf dem Motorrad mit seinem Kameraden vorausfuhr und selbst bereits eine Ge­schwindigkeit von rund 60 Kilometer erreicht hatte, erzählte:Wir sahen mit Grauen die slugartige Fahrt unserer Kameraden. Immer näher kam der Lastwagen, schon überholte er mich, der ich doch mit gedrosselter Maschine dieses Tempo fuhr. Mit Furcht und Schrecken gewahrten wir den schwan­kenden Anhänger und glaubten, daß entweder wir oder das neben dem Lastfahrzeug und uns ent­gegenkommende Motorrad mit Beiwagen jetzt von dem schwankenden Anhänger erfaßt würden.

Der Lastwagen mit dem Anhänger wurde dann aus der Kurve nach rechts 6 i n a u s ge­tragen. 40 Meter fuhr er schon auf dem Straßen­rand entlang, nur noch die linken Räder haben einen Halt, die rechten hängen schon in der Luft über dem Abgrund. Es handelt sich nur um Bruch­teile von Sekunden: Heber die Randsteine hinweg saust das Fahrzeug, der Anhänger neigt sich schon stark nach rechts, dann folgte der Absturz etwa fünf Meter tief die Böschung hinunter in den Wald hinein, Von den sich überschlagenden Fahr­zeugen wird ein Baum mitsamt der Wurzel heraus­gerissen, an einem anderen bleibt der Motorwagen hängen. Vor unseren Augen so erzählt der Mo­torradfahrer waren Wagen und Mann für einen Augenblick wie vom Erdboden verschwunden."

2 4 Todesopfer, darunter ein Mädchen des BDM., waren bei dem Unglück zu beklagen. Sofort leisteten die beiden unverletzt gebliebenen Motor­radfahrer ihren Kameraden die erste Hilfe. Vorbei­fahrende SS.-Männer in Zivil riefen Hilfe herbei, hielten Fahrzeuge zur Beförderung der Verletzten ins Krankenhaus an und sperrten die Straße ab. Der Bürgermeister von Röth eilte mit einigen Ein­wohnern zu Hilfe. Die leichtverletzten SA.-Männer krochen selbst den Hang heraus und halfen dann tapfer mit, ihre Kameraden zu bergen, die man oben an den Hang legte. Alsbald waren außer der Polizei auch Aerzte und Sanitätsmannschaften aus der Umgegend, die Freudenstädter SA. und der Arbeitsdienst von Baiersbronn zur Stelle.

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Am Montagvormittag besuchte der Führer der SA.-Gruppe Südwest, Gruppenführer finit die Unfallstelle. Als Vertreter der württembergischen Regierung erschien Staatssekretär Waldmann. Die badische Staatsregierung hat ebenfalls ihr Kommen nach Freudenstadt angekündigt. Ferner wird eine Gerichtskommission und die Staatsan­waltschaft des Landgerichts an der Unfallstelle ein­treffen.

Feierliche Ueberführung der toten SA.-Männer nach Mannheim.

Röth (Oberamt Freudenstadt), 28. Juli. (DNB.) Nach einer ernsten, Würdigen Feier wurden die toten SA.-Männer, die ihr Leben im Dienste Hin­gaben, am Montag von Röth aus in ihre H e i- mat übergeführt. Nach der Einsargung der in Röth liegenden 18 toten SA.-Männer ein ebenfalls hier aufgebahrtes totes Mädchen wurde

schon am Nachmittag von feinen Eltern nach Stutt» aart heimgeholt wurden die Särge auf den freien Platz vor das Gemeindehaus getragen und mit Blumen und frischem Grün geschmückt. In­zwischen waren aus Karlsruhe acht große Last­wagen der badischen Landespolizei eingetroffen, um die Toten in die Heimat zu bringen.

Als die Abschiedsstunde nahte, traten die Ehren­formationen der Parteigliederungen und des Reichs­arbeitsdienstes mit ihren Fahnen an, umsäumt von Tausenden von Volksgenossen. Sehr zahlreich hatten sich Angehörige der Loten eingefunden. Nach dem Eintreffen der toten Kameraden aus Freudenstadt und Forbach sprach Brigadeführer Ziegler (Karlsruhe) einen tief empfundenen Nachruf und legte einen Kranz an den Särgen nieder. Im Auftrage des Gauleiters von Württemberg, Reichs- statthalters Murr, überbrachte Staatssekretär Waldmann einen prächtigen Kranz. Für die württembergische Staatsregierung legte Ministerial­direktor Dr. Dill einen Kranz nieder. Das Lied vom guten Kameraden beschloß die ernste Feier.

Zwei weitere Todesopfer.

Freudenstadt, 28. Juli. (DNB. Funkspruch.) Inzwischen sind noch zwei SA.-Männer, einer im Krankenhaus Freudenstadt und einer im Kranken­haus Forbach, ihren bei dem Autounglück bei Befen- seld erlittenen Verletzungen erlegen.

Beileidsbezeugungen.

Der Führer und Reichskanzler hat an Stabs­chef Lutze folgendes Telegramm gerichtet:Zu dem schweren Unglück im Schwarzwald, das der SA. so viele brave Männer geraubt hat, spreche ich Ihnen meine herzlichste Anteilnahme aus und bitte Sie, den betroffenen Familien den Ausdruck meines tief empfundenen Beileids zu übermitteln.

Adolf Hitler."

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Für die Wehrmacht haben Generalfeldmarschall von Blomberg und Generaloberst Freiherr von Fritsch ihre Anteilnahme ausgesprochen. Ebenso sandten Beileidstelegramme an Stabschef Lutze die Reichsminister Generaloberst Go er in« und Dr. Frick, der Reichsbauernführer Darre, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Reichssportfüh­rer von T s ch a m m e r und D ft e n, Reichsstatthal­ter General Ritter von Epp, Reichsverkehrsmini­ster Freiherr von Eltz-Rübenach.

Tagesbefehl des Stabschefs Luhe.

Berlin, 27. Juli. (DNB.) Anläßlich des schwe­ren Unglücks, das den SA.-Sturm 45/171 betroffen hat, hat, wie derVölkische Beobachter" meldet, der Stabschef der SA. folgenden Tagesbefehl er­lassen:

Durch einen tragischen Verkehrsunfall ist die Gruppe Kurpfalz und mit ihr die gesamte SA. in tiefe Trauer versetzt worden, lieber 20 brave SA.- Männer haben bei diesem Unglück ihr Leben ein- gebüßt, und andere sind verletzt worden. Unbarm­herzig hat hier das Schicksal gewaltet und der SA. Männer entrissen, die in stolzem Vertrauen und gläubiger Hingabe unter dem Banner des Führers für das Dritte Reich gekämpft haben. Unvergeßlich werden sie in den Reihen ihrer Kameraden weiter­leben, und über ihren Gräbern senken sich die Stan­darten und Fahnen der SA. Zum äußeren Aus­druck der kameradschaftlichen Verbundenheit ordne ich an, daß ab sofort bis zum Tage der Beisetzung sämtliche Dienststellen der SA. H a l b m a st flag­gen."

Wirbelsturm im Osten Münchens.

Eisenbahnwagen und Zirkuswagen umgeworfen. 14 Verletzte.

Ein Unwetter, das am Montag die Gegend des Starnberger Sees heimsuchte, hat im ganzen Isar­tal und besonders im Osten Münchens die schwer­sten Schäden angerichtet. Zwischen Ottobrunn und Höhenkirchen herrschte ein solcher Wirbelsturm, daß fünf Wagen eines Personenzuges umstürzten. Von den 14 Reisenden wurden vier geringfügig verletzt. Sechs bespannte Wagen eines Zirkus, die auf der Straße fuhren, wurden samt und sonders acht Me­ter weit in ein Feld geschleudert, wobei sie voll­ständig in Trümmer gingen. Zehn Zirkusleute wur­den mehr oder minder schwer verletzt. In Höhen­kirchen allein wurden sieben Stadel vernichtet. Der Gesamtschaden in dieser Gegend dürfte etwa 400 000 Mark betragen. Im Isartal sah die ganze Gegend aus, als wäre eine Walze darüber hinweg­gegangen. Wie ein Teppich lag stellenweise das Eis auf der Straße. An den Hauswänden klebten Taufende von Hagelschloßen.