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tfr.122 Erster Blatt

186. Jahrgang

Mittwoch, 27. Mai 1936

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Der polnische Außenminister in Belgrad.

Unbehagliche Empfindungen in Paris.

Ein intereffanier Besuch

Als in der zweiten Hälfte des April der in­zwischen zurückgetretene polnische Ministerpräsident Kocialkowski seinen amtlichen Besuch in der jugoslawischen Hauptstadt machte, wurde in der internationalen Presse, die alle Schritte der polni­schen Politik argwöhnisch überwacht, mit besonderer Befriedigung verzeichnet, daß der Außenminister Beck den Ministerpräsidenten nicht begleitete. Man schloß daraus, daß seine Stellung nicht mehr sehr fest und daß die Aussprache in Belgrad jeden­falls nicht in seinem Geiste geführt worden sei. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß diese Kom­bination allzu eilfertig war, jedenfalls durch die Entwicklung in Polen überholt ist. Das Ministerium Koscialkowski ist zurückgetreten, aber Oberst Beck ist Außenminister auch im neuen Kabi­nett geblieben, seine Stellung ist st ä r k e r und unangefochtener als je, und seine erste diplomatische Unternehmung nach der Regierungs­umbildung ist der Besuch in Belgrad, wo er am 27. und 28. Mai mit dem jugoslawischen Ministerpräsidenten und dem Außenminister eine Aussprache über die europäische Lage, wie es heißt, namentlich über das Problem einer Reform des Völkerbunds, haben wird.

Oberst Beck, der seit dreieinhalb Jahren die pol­nische Außenpolitik leitet, ist in dieser Zeit einer der interessantesten und einflußreichsten europäischen Staatsmänner geworden. Sein ruhiges und ziet- sicheres Auftreten hat ihn in Genf, wo die Diplo­maten wie auf einer Bühne stehen und wie Stars abgeschätzt und klassifiziert werden, bald in die vor­derste Reihe der Männer von Geltung und Einfluß gestellt; auch das Geheimnisvolle und Rätselhafte fehlt ihm nicht, was dazu gehört, um das dauernde Interesse des europäischen Parketts zu sichern. Vor allem ist er der Mann des polnischen Pak­tes mit dem Deutschland Hitlers, den man immer noch nicht begriffen hat, weil er so ganz außerhalb der landläufigen Berechnungen lag, aber dafür um so vernünftiger war.

Arn klarsten ist Becks außenpolitische Auffassung vielleicht zum Ausdruck gekommen, als er bei feinem Besuch in Brüssel in diesem Frühjahr die scheinbar gewagte Parallele zwischen der geo­graphischen und politischen Lage Polens und Bel­giens zog und daraus die Gleichheit der Interessen der beiden Länder in der europäischen Politik ab- lcitete. Der Vergleich hat nämlich nur dann einen Sinn, wenn man Belgien nicht als reine Filiale der französischen oder englischen Politik oder beider vereint, sondern als ein selbständiges, mit­ten zwischen die westeuropäischen Mächte gestelltes Staatswesen ansieht, zu denen ja auch Deutschland, wenigstens teilweise, zu rechnen ist. Das war es aber gerade, was Beck den Belgiern sagen wollte: wie Belgien hat auch Polen ein Bündnis mit Frankreich, aber beide Länder können nicht, wie Paris dies gern sähe, ihr außenpolitisches Schicksal damit für erfüllt halten, sondern sie haben i h r eigenes Lebensgesetz zu verfolgen, das nicht ausschließlich in einer Politik gegen Deutschland be­stehen kann, vielmehr eine Gestaltung mit Deutschland erfordert. Polen hat unter Becks Führung diesen Weg beschritten, während Belgien ihn noch sucht und eines Tages auch finden muß.

Wenn man den Besuch Becks in Belgrad aus der diplomatischen Höflichkeitssphäre heraus­nimmt und diese kann bei der nüchternen Straffheit der Beckschen Politik kaum die einzige Erklärung seiner Reise sein so liegt es nahe, die Verwandtschaft der jugoslawischen und der polni­schen Außenpolitik in dem Bestreben beider Länder zu erblicken, trotz der Gebundenheit durch ihre Bündnisse mit Frankreich ihre Selbständig­keit zu betonen und gemeinsame Wege zu deren Durchsetzung zu finden. Es ist bekannt, daß die jugoslawische Regierung seit langem dem Druck der Bundesgenossen der Kleinen Entente, namentlich der Tschechoslowakei, und Frankreichs ausgesetzt ist, die diplomatischen Beziehungen mit Sowjetrußland aufzunehmen und die neue Rolle des Rätestaates in der europäischen Politik anzuerkennen, die ihm durch seine Bündnisse mit Frankreich und der Tschechoslowakei zuerteilt wurde. In der hierdurch für Sowjetrußland ge­schaffenen Möglichkeit, sich in jede europäische Frage einzumischen, liegt für Polen eine schwere Gefahr, weil es das Durchmarschland für eine russische In­tervention in Europa ist.

Die letzten französischen Wahlen, die dem Kommu­nismus einen noch unübersehbaren Einfluß auf die französische Politik, auch auf die Außenpolitik, ver­schafften, haben sicherlich nicht dazu beigetragen, Polen in der Beurteilung der durch die französische Bündnispolitik wesentlich bestimmten europäischen Lage zu beruhigen. Dasselbe gilt für Jugoslawien, das seine Abwehrstellung gegen Sowjetrußland und den Kommunismus nur beibehalten kann, wenn es sich innerhalb der Kleinen Entente und in seinem Bündnis mit Frankreich die Bewegungsfreiheit eines großen Mittelstaates bewahrt, unter anderem durch eine selbständige Regelung seiner Beziehungen zu Deutschland, dem mächtigen Riegel, der dem Vor­dringen des Kommunismus nach Europa vorgeschoben ist. Daß Jugoslawien mindestens in seiner Handels­politik mit dem Reich diesen Weg der Selbständig­keit verfolgt,' gehört zu hen ständigen Beschwerden und Klagen, die von Paris aus gegen die Haltung des groß-serbischen Staates geführt werden.

Es fehlt also, wie man sieht, nicht an inter­essanten Berührungspunkten in einer polnisch-jugo­slawischen Aussprache. Die Bestrebungen, die beiden geographisch sich fern liegenden Länder einander zu nähern, sind übrigens schon seit längerer Zeit be­merkbar. Der im Jahre 1922 geschlossene Handels­vertrag wurde 1930 durch ein Zusatzprotokoll er­neuert und ergänzt. Ein 1926 geschlossener Vertrag

Paris, 27. Mai. (DNB. Funkspruch.) Zur Reise des polnischen Außenmninisters Beck nach Belgrad schreibt dasEcho de Paris" u. a., das Verhältnis Jugoslawiens zu Frankreich habe sich seit der Unterzeichnung des französisch-italienischen Ab­kommens und seit dem Königsmordprozeß in Aix- en-Provence geändert. Trotz mehrfacher amt­licher Leugnungen versuche die jugoslawische Di­plomatie sich von Frankrei zu lösen und die Bürgschaft für Jugoslawiens Sicherheit bei an­deren zu finden. Der Quai d'Orsay hat eine guten Teil des Jahres 1935 damit verbracht, den Do­naupakt auf die Beine zu stellen und damit die Unabhängigkeit Oesterreichs. In Belgrad hätte die­ser Pakt jedoch, auch wenn er Wirklichkeit gewor­den wäre, kaum Zustimmung gefunden, jedenfalls nur nach Beseitigung des Gegensatzes zu Italien, zu der sich Rom wiederum kaum bereit ge­funden hätte.

Der italienisch-abessinische Krieg habe in Jugoslawien die Unzufriedenheit mit Frank­reich noch verstärkt. Die Sühnemaßnahmen gegen Italien seien von Belgrad nur Unter großen Opfern des eigenen Außenhandels mitgemacht worden. Immer wieder könne man in Belgrad die Frage hören, was werde Frankreich tun, falls I u - goflawien eines Tages von Italien angegriffen werde. Jugoslawien zeige heute bereits in der öster­reichischen Frage eine gewisse Teilnahmslosigkeit. Der Zusammenhalt mit der Kleinen Entente und der Balkan-Union sei durch die Tatsache, daß beide Staatenbünde enge Verbindungen z u der Sowjetunion unterhielten, während weder der frühere König Alexander noch Prinzregent Paul die Sowjetunion offiziell anerkannt hätten, eben­falls nicht sehr g e st ä r k t. In der Mittel­meerfrage seien schließlich gleichlaufende Inter­essen Jugoslawiens mit England nicht ausge­schlossen. All dies seien zwar noch keineswegs Tat­sachen, sondern mehr ober weniger pessimistische Vorahnungen. Die verantwortlichen Führer in Bel­grad wüßten sehr wohl, um welchen Preis sie eine

London, 27. Mai. (DRB. Funkspr.) Mehrere Morgenblätter weisen auf die wachsende Bedeutung hin, die man in London und in den Dominions dem Ausbau der Verteidigung des britischen Welt­reiches beilegt. Diese Frage sei seit der Besetzung Abessiniens durch die Italiener besonders dringlich geworden.Daily Telegraph" er­klärt, sobald wie möglich, etwa noch im Laufe des Jahres, solle eine Reichskonferenz zur Er­örterung der Verteidigungsfragen einberufen wer­den. Die Dominions hätten eingesehen, daß ihre Verteidigungsmaßnahmen unzulänglich seien. A u - stralien sei um die zukünftige Sicherheit des Mittelmeerweges besonders besorgt. Angesichts der ständigen Vermehrung der europäischen Flotten sei Großbritannien nicht mehr in der Lage, in E u - ropa und im Fernen Osten zugleich starke Flottenstreitkräfte zu unterhalten. Aus die­sem Grunde seien Australien und Neuseeland zur Zeit mit Vorbereitungen zur beträchtlichen Verstärkung der eigenen See- und Luftstreitkräfte beschäftigt. Aehnliche Sor­gen habe man in Südafrika, wo man zu der Ansicht neige, daß die Stellung der britischen Flotte im Mittelmeer gefährdet sei und daß die Admira­lität daher den Seeweg überdas Kap ent­wickeln müsse. Die indische Regierung fürchte um die Sicherheit der Route durch den Suezkanal. Aus diesen Gründen wünschten alle Dominions, ausgenommen vielleicht Kanada, zu wissen, was die Londoner Regierung plane, um der neuen Lage gerecht zu werden.

gegenseitiger Freundschaft und Zusammenarbeit 1930 auf unbestimmte Zeit verlängert und 1932 durch ein Abkommen über kulturellen Austausch und über die beiderseitige Pressepolitik befestigt. Die Entwicklung der europäischen Politik hat besonders in der letzten Zeit das Bedürfnis der Mittel­staaten sichtlich verstärkt, sich durch gegen­seitige Annäherung und Stützung dem gefährlichen Spiel der Großmächte mit dem europäischen Frie­den zu entziehen. Im März hat anläßlich der Ta­gungen der Locarnomächte und des Völkerbunds­rats in London Oberst Beck durch seinen Protest gegen Beschlüsse der Großmächte ohne Zuziehung und Befragung der kleinen und mittleren Staaten sich an die Spitze dieser Bewegung gestellt, die bei der Entwirrung der europäischen Lage, so bei einer etwaigen Reform des Völkerbunds von größter Be­deutung werden könnte. Man kann sie als fort­schreitende Emanzipation der europä­isch e n K l e i n - u n d M i t t e l st a a t e n von dem beherrschenden, und wie sich herausgestellt hat, für Europa verderblichen Einfluß der Großmächte be­zeichnen, welche die für groß und klein geschaffene Gemeinschaft des Völkerbundes nur für ihre Zwecke ausgenützt haben. In dieser Kritik und in den Ber­eichen, dle künftige europäische Ordnung anders anzulegen, begegnen sich die Interessen dieser Staa­ten mit denen Deutschlands und mit dem vom Füh-

berartige Richtungsänderung ihrer Politik machen würden. Trotzdem habe die Reise Becks eine beunruhigende Tendenz.

AuchJournal" ist mit der Reise des polnischen Außenministers nicht zufrieden. Es fei in erster Linie die gleiche Einstellung Polens und Jugoslawiens der sowjetrussischen Ge­fahr gegenüber, die diese Annäherung zwi-

Paris, 27. Mai (DNB. Funkspruch.) In mehre­ren Pariser Vorstadtwerken ist am Dienstag ein Streik ausgebrochen. Es handelt sich um die Flugzeug- und Automobilwerke Lava- lette Newport 6- Hotchkiß. Die Arbeiter der Werke waren am Dienstagmorgen wie gewohnt an ihren Arbeitsplätzen erschienen, und nichts hatte auf einen Streik schließen lassen. Um 9 Uhr stellten jedoch sämt­liche Werksangehörige ihre Arbeit ein und blieben bei den Maschinen. Die Eingänge wurden mit Posten besetzt, die den Zutritt zu den Werken verhindern sollten, und kommuni st ische Vertrauens­leute wurden bestimmt, die mit den Direktionen- über die Einführung der 40-Stunden- W o ch e und eine Erhöhung der Löhne ver­handeln sollten.

Um sich die Zeit zu vertreiben, hatten vorsorg­liche Genossen Gramophone, Radioappa­rate und Spielkarten mitgebracht. Selbst Saxophone und Ziehharmonikas waren vorhanden. Unter Tanz und unaufhörlichem Absingen der In­ternationale verbrachten die Belegschaften in fest­licher Stimmung den Streiktag. Gegen 18 Uhr wurden die weiblichen Angestellten nach Hause ge­schickt, während die Angehörigen desstarken Ge­schlechts" sich anschickten, die Nacht in der Maschjnen"

Das dringendste Problem sei die Mittel­meerfrage. In der englischen Flotte selbst seien die Auffassungen darüber geteilt. Eine Richtung glaube nicht daran, daß England das Mittelmeer gegen eine erstklassige Mittelmeermacht verteidigen könne. Daher seien Vorbereitungen zu treffen, um im Notfall den ganzen Verkehr nach Asien und Australien um das Kap zu leiten. Die andere Richtung erkläre, daß das Mittelmeer unter allen Umständen gehalten werden müsse, auch wenn man große Summen für die Moderni­sierung der Verteidigungsanlagen von Malta und für den Ausbau der Stützpunkte im östlichen Mittel­meer, wie z. B. in Cypern aufgeben müsse. Eine amtliche Entscheidung über diese Frage sei bisher noch nicht erzielt worden.

Auch dieTime s" setzt sich für eine engere Zu­sammenarbeit zwischen England und den Dominions ein. Bei den bevorstehenden Besuchen führender Staatsmänner der Dominions in London werde man neben wirtschaftlichen und Handelsfragen auch Probleme der Außenpolitik und Verteidigung be­sprechen. Wenn z. B. die gegenwärtigen Bemühun­gen um Verringerung der Spannung zwischen Deutschland und Frankreich einen nennenswerten Erfolg hätten, dann müßten verschiedene wirtschaftliche Fragen, wie der intern- nationale Zugang zu den Rohstoffen erörtert werden. Alle Regierungen des britischen Staatenverbandes würden von dieser Frage berührt. Sie müßten unter s i ch zu einer Einigung kom-

rer und Reichskanzler vorgelegten europäischen Friedensplan.

Das belgische Kabinett zurückgetteten.

Brüssel, 26. Mai. (DNB.) Das belgische Ka­binett ist zurückgetreten. Am Dienstag um 17 Uhr trat der Ministerrat zusammen, um zu der durch das Ergebnis der Neuwahlen geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Nach kurzer Beratung wurde beschlossen, dem König den Rücktritt des ge­samten Kabinetts zu unterbreiten. Minister­präsident van Zeeland begab sich sofort zum König, um diesem den Beschluß des Kabinetts mitzuteilen.

Am Dienstagabend wurde das Ergebnis der Wahlen zum belgischen Senat bekannt- gegeben, die am letzten Sonntag gleichzeitig mit den Kammerwahlen stattgefunden haben. Danach haben die Sozialisten 39, die Katholische Partei 34, die Liberale Partei 11, die Rex-Bewegung 8, der Na­tionalflämische Block 5 und die Kommunisten 4 Sitze erhalten. Die Katholische Partei hat 8 Man­date eingebüßt, während sich die Liberalen und Sozialisten halten konnten. Der Nationalflämische Block hat 4, die Rex^Bewegung 8 und die Kom­munisten 4 Senatssitze erobert

schen Warschau und Belgrad bewirkt habe. Auch auf wirtschaftlichem Gebiete werde sich diese Annäherung zwischen Jugoslawien und Polen bald auswirken. Man könne wohl diejenigen, die an der Herbeiführung dieses Zustandes schuld seien, kritisieren. Besser jedoch sei es, in Zukunft eine größere Aktivität an den Tag zu legen.

halle zu verbringen. Zwischenfälle waren nicht zu verzeichnen, doch hält man es für möglich, daß der Direktor der Flugzeugwerke Newport Perez von den Arbeitern in seinem Büro in Hast gehalten wird. Den ganzen Tag über habe man ihn in Paris nicht erreichen können. Die Direktion der Hotchkiß-Werke hat sich bereit erklärt, Mittwoch eine Arbeiterabordnung zu empfangen, um die For­derungen der Belegschaft durchzusprechen.

Während die Blätter der zweiten und dritten Internationale, dieHumanite" und derPopu- laite" sowie das GewerkschaftsblattLe Peuple" über den zähen Kampf frohlocken und1 ihn als Vorbild von K l a f s e n g e i st" hinzustellen versuchen, zeigen sich die Blätter der Rechten be­trübt und pessimistisch. Sie erklären, daß berufs­mäßige Hetzer auch in Frankreich ähnliche Z u» st ä n d e heraufbeschwören wie in Spanien.

Streik von 1200 Bergarbeitern.

Paris, 27. Mai. (DNB. Funkspruch.) Etwa 1200 Bergarbeiter sind imGebietoonAuchel (west­lich von Bethune) in den Streik getreten, da die Ge­sellschaft von Maries einen Lehrling f r t ft I o s entlassen hatte. Die Bergarbeiter fordern die sofortige Wiedereinstellung des Lehrlings.

men, wenn sie eine wirksame Rolle in der allge­meinen Regelung spielen wollen.

Englands Äekrulierungssorgen.

London, 27. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Stadträte der verschiedenen Stadtgemeinden Lon­dons befassen sich zur Zeit mit den Maßnahmen für die Verteidigung Londons gegen einen Luftangriff, wobei die Rekrutie­rung für die Territorialarmee eine große Rolle spielt. Ein großer Teil der Stadträte hat sich dafür entschieden, den Rekrutierungsfeldzug zu unterstützen und den Eintritt der Angestell­te n in die Territorialarmee zu erleichtern. Einige Gemeinderäte, die eine arbeiterparteiliche Mehrheit besitzen, haben jedoch erklärt, daß sie sich an irgendwelchenmilitärischen Maßnahmen" nicht beteiligen wollen. Der Erziehungsausschuß des sozialistischen Stadtrates von Groß-London hat den Vorschlag abgelehnt, 100 Kinder einer öffent­lichen Schule einer militärischen Vorführung am 9. Juni beiwohnen zu lassen. Die arbeiterparteilichen Stadtoertreter in Hackney haben beantragt, den Angestellten, die der Territorialarmee angehören, die Gehaltszahlung während des Sonder­urlaubs für die militärischen Hebungen zu ent­ziehen. In Barnsley hat der arbeiterparteiliche Bürgermeister sich geweigert, Lehrlingen den Eintritt in die königliche Luftstreitkraft zu empfehlen.

Das Ergebnis dieser direkten Wahl läßt jedoch noch keine endgültigen Schlüsse über die Zusam­mensetzung des Senats zu. Nach der belgischen Verfassung setzt sich der Senat aus 101 Senatoren zusammen, die unmittelbar gewählt werden, ferner aus 44 Senatoren, die mittelbar durch d i e Provinzialräte gewählt werden und schließ­lich aus 22 weiteren Mitgliedern, die von der Versammlung der mittelbar und unmittelbar ge­wählten Senatoren kooptiert werden. Nachdem nun das Ergebnis der direkten Wahl vorliegt, entscheiden über die weitere Zusammensetzung des Senats die in 14 Tagen stattfindenden Provinzial- wahlen, und die erste Vollversammlung des Se­nats nach der offiziellen Parlamentseröffnung Ende Juni, in der die 22 Kooptierungen vorgenommen werden.

Der ungarische Kultusminister bei Reichsminister Or. Goebbels.

Berlin, 26. Mai. (DNB.) Der königlich un­garische Kultusminister stattete dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goeb­bels einen Besuch ab, bei welcher Gelegenheit Fragen des deutsch-ungarischen Kultur­austausches, insbesondere auf den Gebieten des Films, des Rundfunks und Theaters sowie

Oie Verteidigung des britischen Reiches.

Folgerungen aus dem Abessinienkonflikt. Gorgen der Dominions. Aufgaben einer Reichskonserenz.

Kommunistische Kraftproben in Frankreich.

Streiks bei Grammophon und Tanz.