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Das Reichstagsgebäude in Tokio

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(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) i

Wir lassen hier einen Japaner über seine < Hauptstadt Tokio als Inbegriff Groß- j japans sprechen. ;

Unter Tokio stellen sich die meisten Ausländer immer nur die Hauptstadt von Japan und die i größte Stadt in Fernost vor. Für den Bewohner Tokios jedoch und darüber hinaus für alle Ja- , paner bedeutet unsere Hauptstadt weit mehr. Tokio ist das wahre Herz N i p p o n s Wo auch immer Japaner sein mögen, ob im kalten nördlichen Hokkaido oder in der warmen Sonne Kyushus immer zieht es uns nach Tokio. Wenn wir nach Tokio reisen, so sagen wir immer, mir gehenhinauf" nach Tokio. Verlassen wir aber die Hauptstadt, sei es in welcher Richtung auch immer, so gehen wirhinunter". Tokio ist für uns Japaner immer der Maß st ab von Ort und Zeit. In all unserem Geschehen, in sozialen, poli­tischen oder industriellen Vorgängen steht im Mit­telpunkt als Name und BegriffTokio". Und end­lich bedeutet unsere Hauptstadt für uns em Sam­melbegriff für die übrigen Hauptstädte der Welt, für Berlin, Paris, London und Neuyork.

Tokio ist für uns auch ein geistiger Be­griff; hier erfüllt sich Geist und Inhalt des Peddoko", der im wahrsten Sinne des Wortes den Geist der Bevölkerung unserer Hauptstadt widerspiegelt. Es ist der Geist, den wir in der weiten Welt vergeblich suchen würden.Peddoko" das ist jeder Bürger von Tokio, mag er nun Fischhändler oder Gärtner oder Minister oder irgendein anderer Diener am japanischen Volke sein. Dieser Geist beherrscht das Tagewerk mehr als Geld oder irgendein anderer Gemein­schaftsbegriff. Wer in diesen Geist ganz hineinge­wachsen ist, der wird nicht betteln, und wenn er auch kein Hemd auf dem Leibe hat. Er mag ein Prahler sein, aber im Herzen ist er wie ein frohes Kind. Dieser Geist kennt keine Klasfenunterschlede, ein Bettler bedeutet ihm soviel wie ein Millionär. Es mag wohl keine Volksschicht auf der weiten Welt geben, denen Geist und Gefühl so viel bedeutet wie uns Japanern.Peddoko" beherrscht die sechs Mil­lionen Einwohner unserer schnell anwachsenden Hauptstadt. Wenn du dich zu einem dieser sechs Millionen freundlich zeigst, so wirst du Freunde fürs Leben haben. Bist du dagegen nichtswür­dig, so wirst du keine schlimmeren Feinde finden

Je mehr Japans Stellung in der Welt an Be­deutung gewinnt, um so mehr wird Tokio nicht nur das Nervenzentrum Japans, sondern auch des ganzen Fernen Ostens. Die Bevölkerung Tokios ist sich seiner großen Aufgabe wohl bewußt und übernimmt alle Verpflichtungen, Tokio zu einer Weltstadt auszubauen. Als unsere Hauptstadt 1923 durch Erdbeben und Feuer so gut wie ausgelöscht war, fand sich ganz Japan zu äußersten Geldopfern bereit, um ein größeres und besseres Tokio zu er-

Le Jour"

über die Gefahren des Rnssenpaktes.

Paris, 27. Febr. (DNB. Funkspruch.) Auf eine Frage derRepublique", ob derJour" für oder gegen eine Annäherung an Deutschland sei, antwor­tete derJour", wenn er zwischen einem Pakt mit Berlin und einem Pakt mit Moskau zu wählen hätte, dann würde er sich für den e r ft e r e n entscheiden, weil Deutschland we­nigstens Frankreich in Frieden lasse. Deutsch­land betreibe in Frankreich keine schmutzige Propaganda revolutionärer Anarchie und

überlasse den Sowjets, der Komintern und der GPU., auf französischem Boden den Geist und in die Seele der Franzosen durch das traurige Sow­jetideal zu verseuchen.Jour" kritisiert auch den Plan zur Schaffung eines französischen Be­rufsheeres durch Ausbau und Verstärkung der mobilen Garde. Ein solches Heer fei einem Ministe­rium ausgeliefert, das der Beschützer der Volks­front sei, auf die die Sowjets einen nur allzu offenkundigen Einfluß ausübten. Die geplante französische Prätorianer-Armee sei unter diesen Umständen nicht nur für den Gebrauch noch außen hin bestimmt. Lenin habe schon ge­schrieben, daß die Rote Armee die Zukunft der re­volutionären Sache in der Hand habe und die französische Volksfront setze ihre Unterschrift dar­unter.

Gerüchte von einem Anschlag aus Stalin.

Schwedischer Hirnspezialist plötzlich nach Moskau berufen.

Stockholm, 26. Febr. (DNB.) Der schwedische Professor Olivecrona, ein Spezialist für Hirnchirurgie, ist von der sowjetrussischen Gesandtin K o l l o n t a y dringend gebeten worden, sich unverzüglich nach Moskau zu begeben, um dort eine wichtige Operation vorzunehmen. Die Nachricht hat hier großes Aufsehen hervorgerufen. Auf die Frage, wem dieser seltene ärztliche Besuch gilt, erklärte die Gesandtin, es handele sich um einen persönlichen Freund von ihr, der plötzlich

weisen können.

Englische Befürchtungen

Kriegsgefahr im Fernen Osten.

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geddoko, Geist und Herz Aippons Von Mmpei Sheba.

deshalb verständlich sein, daß ein Teil dieser Mil­lionen Menschen sich z u schnell westlicher Zivili- sakicm nähert und meint, daß unsere schöne japa­nische Tradition dieser Zivilisation zum Opfer ge­bracht werden müßte. Aber das schnellebige Tokio hat wenig Zeit, hierüber auch nur Betrachtungen anzustellen. Die Veränderungen ergeben sich von selbst, fast unmerklich, da das Tempo, in dem Tokio wächst und Japan größer wird, Aenderungen auf­zwingt, die niemand aufhalten kann.

Aber es gibt trotzdem und glücklicherweise einige Dinge, die von modernen Einflüssen nicht berührt werden. Das sind die malerischen Festlichkeiten und die eindrucksvollen Schreine und Tempel. Tokio von heute und Tokio von gestern werden immer eine festliebende Stadt sein, und der gewaltige Verkehr in den modernen Hauptstraßen wird mehr als einmal im Jahre aufgehalten durch Prozessionen fröhlicher junger Männer und Knaben, die Heiligen­schreine auf Sänften tragen. Ein anderer Zug im Leben der Bevölkerung Tokios istdieLiebezum Sport und zu Massenspielen. In dieser Beziehung ähneln wir dem deutschen Volke. Wohl in keiner anderen Hauptstadt der Welt ist das Interesse für die kommenden Olympischen Spiele so stark wie gerade in Tokio. Alle Volksklassen, vom einfachen Arbeiter bis zum Staatsmann und Großkapitalisten, weisen aber Tausende von begeisterten Sportlern auf, die den Olympischen Spielen in Berlin mit stärkster Anteilnahme entgegensetzen. Nur eine Frage beherrscht uns alle: Werden unsere Lands­leute in Berlin unser Volk würdig vertreten? Die Begeisterung für die Olympiade ist so groß, daß schon Vorkehrungen getroffen wurden für eine direkte Radioübermittlung von Berlin nach Tokio und von hier in alle Teile unseres Landes.

krank geworden sei. Alle Umstände sprechen jedoch eher dafür, daß nur eine hochstehende Per­sönlichkeit in Frage kommt.

In London waren Gerüchte im Umlauf, die von einem Anschlag auf Stalin wissen woll­ten. Ein Vertreter des sowjetrussischen Außenkom­missariats hat am Donnerstagmorgen diese Gerüch­te alsvollkommen lächerlich" bezeichnet. Stalin fei zum letzten Mal vor vier Tagen vor der Öffentlichkeit erschienen. Seither habe er keine öffentlichen Verpflichtungen gehabt. Daß Stalin nicht zu der Gründungsfeier der georgischen Repu­blik am Mittwoch erschienen fei, wird amtlich da­mit erklärt, daß Stalin niemals derartigen Veranstaltungen beiwohne.

richten, denn diese Stadt ist der Urbegriff aller Städte, Flecken oder Dörfer von Japan. So spiegelt Tokio alle übrigen menschlichen Siedlungen Japans wider, und für die übrige Welt wurde Tokio der Inbegriff Japans.

Die Bemühungen, die für den Aufbau einer mo­dernen Hauptstadt eingesetzt werden mußten, stießen auf mancherlei Schwierigkeiten. Es galt, Gegensätze zu studieren und eine bauchbare Lösung zu finden. Breite, prachtvolle Alleen mit Zement- oder Asphalt­bahnen führen plötzlich in enge, typisch östliche Gas­sen, mit einem Durcheinander von Häusern, Häus­chen und Kleingeschäften, bevölkert von Millionen Menschen. Erstaunlichen Gegensätzen be­gegnen wir auch im Leben der sechs Millionen Be­wohner Tokios. Wir tragen westliche Klei­tz u n ab e i unserer Arbeit und außerhalb un­serer Wohnungen, aber sobald wir in unsere Häuser zurückkehren, sitzen wir in unseren alther­gebrachten Kimonos auf mattenbedecktem Boden. Reis und Rettich lehrten uns gleichzeitig Beefsteak und Brot zu essen, und das Bier spielt heute im Leden des Tokioer Bürgers dieselbe Rolle wie bei einem Berliner oder Münchener. Es mag

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Blut und Feder.

Wenn man sich mit Engländern über den Bolschewismus und feine Gefahr für Die übrige Welt unterhält, etwa die Meinung vertritt, daß das nationalfozialiftifche Deutsch! an d die wirksamste Barriere gegen das weitere Vor. dringen dieser asiatischen Seuche sei und deshalb den Dank Europas verdiene, stößt man fast immer auf ein ungläubiges Lächeln; das Lächeln will hei. jen: machen Sie mir nichts vor; der Bolschewis­mus ist eine russische Staatsform, um die sich da, Ausland nicht zu sorgen hat; feine innerpolitischeii Methoden kümmern uns nicht; gewiß gibt es auch kommunistische Parteien in anderen Landern, sogar in England, die in der Theorie mit den russischen Bolschewismus Zusammengehen, aber sie tragen doch den Charakter ihres jeweiligen Landes, das sich mit ihnen nach seinen politischen Methoden auseman- derzusetzen hat.

Im günstigsten Falle ist der Engländer bereit, die besondere Lage Deutschlands dem Boi- schewismus gegenüber anzuerkennen und zu ver. stehen. Es bleibt meist nicht ohne Eindruck, wenn man an die Erfahrungen in Deutschland in den Iah- ren vor der Machtergreifung des Nationalsozialis. mus hinweist und gegenüber der schnellen Vergeß, lichkeit an die Beweise dafür erinnert, daß Deutsch­land im Winter 1932/33 vor einem bolschewistischen Umsturz stand, der das Gesicht Europas gründ, legend und sicherlich nicht zum guten verändert hatte. Aber da diese Gefahr nun vorüber ist, sonnt sich der Inselbewohner wieder gerne in dem Gefühl seiner Sicherheit und Abgeschlossenheit, das durch den Stolz auf die Festigkeit feiner nationalen politischen Einrichtungen auf den altbewährten gefunden Men. schenverstand seiner Bürger in staatlichen Fragen untermauert wird. Das Schlußergebnis solcher Un­terhaltungen, die ja in den letzten Jahren nicht nur von Privatmenschen unserer beiden Nationen ge- führt wurden, ist meist: Mögen auch eure dusteren Prophezeiungen über die schleichende Wirkung des Weltgiftes des Bolschewismus richtig sein! England ist immun dagegen.

Solche Gespräche hat offenbar auch der Luft­fahrtminister im letzten Kabinett Baldwin geführt, der vor kurzem Deutschland besuchte und mit vielen deutschen führenden Persönlichkeiten in Berührung kam. Aus Veröffentlichungen in der englischen Presse und aus einer Rede, die Lord London» d e r r y über seine deutschen Eindrücke Hielt, ist,dies hervorgegangen. Er stellte dabei objektiv die beiden Meinungen, die deutsche und die englische, einander gegenüber, aber es schien doch, als ob das, was er bei uns über diese Frage zu hören bekam, nicht ganz ohne Eindruck geblieben fei. Vielleicht ist gerade ein Mann, der bis vor kurzem für die Schlagkraft und politische Zuverlässigkeit der englischen Flotte ver- antwortlich war, in diesem Punkte hellhöriger als der Politiker, der gern Erwägungen beiseite schiebt, wenn sie in seine politischen Pläne und Ziele nicht passen wollen.

In den letzten drei Monaten haben sich in der englischen Marine Vorfälle zugetragen, die sehr wohl zu denken geben könnten. Geheimnisvolle Sabotageakte auf Schiffen, deren Urheber man nicht feststellen konnte, erregten die Aufmerk­samkeit, zuletzt die Bestürzung der Marineleitung. Ein vierter Fall, die Beschädigung eines Minen- legunasapparats auf einem im Dock von Chatham liegenden Zerstörer durch einen künstlichen Eingriff, der soeben bekannt wird, behebt jeden Zweifel dar­über, daß es sich bei diesen Akten um den plan­mäßigen Versuch handelt, im Fall eines Krieges englische Schiffe kampfunfähig zu machen. Daß die Urheber der Sabotage außenstehende Per­sonen sind, ist unwahrscheinlich; wahrscheinlicher ist, daß es der politischen Agitation gelungen ist, in den Schiffsbesatzungen festen Fuß zu taffen, und daß dort bereits Zellen einer zweifellos kommuni­stischen Bewegung vorhanden sind, auf die diese Fälle einerPrvbedemobilisierung" zurückzuführen sind.

Die Vorfälle sind, wenn man auch in England zunächst aus politischen Gründen geneigt fein wird, sie zu bagatellisieren, geeignet, das Gefühl der Sicherheit vor bolschewistischer Agitation schwer zu erschüttern. Ist diese Theorie noch haltbar, wenn es sich herausstellt, daß der Versuch politischer Zer­mürbung gerade dort einsetzt und Erfolge hat, wo Englands empfindlich st e Stelle ist? Die Disziplin und Zuverlässigkeit der Flotte, die der Stolz jedes Engländers ist und die in der harten Manneszucht auf englischen Schiffen ihren Aus­druck findet, war bis jetzt die erste und vornehmste Voraussetzung der englischen Politik. Jede Schwä­chung in diesem Punkte gefährdet die Sicherheit des Landes und ist in einem Augenblick um fo bedenklicher, in dem eine ungeheure Vermehrung der Seestreitkräfte bevorsteht, die viele Tausende neuer Mannschaften in den Dienst der Flotte stellen wird.

Es ist nicht die Aufgabe des Auslandes, England Lehren zu erteilen, die es selbst aus gewissen ge­schichtlichen Erfahrungen ziehen kann. In der rus­sischen Revolution haben die Matrosen von Kron­stadt, in der deutschen die von Kiel eine hervor­ragende und verhängnisvolle Rolle gespielt. Dies zeigt, daß gerade diese Waffe durch die Eigenart und Härte ihres Dienstes revolutionären Ein­flüssen zugänglich gemacht werden kann, wenn es nur einigen Leuten gelingt, sich Einfluß 3U ver­schaffen. Die bolschewistische Agitation verfügt in dieser Beziehung über die besten Erfahrungen und die geeignetsten Kräfte, und der Schluß ist nickt weit hergeholt, daß die Sowjetagenten diese schwache Stelle Englands und den günstigen Zeit- ; punkt der Flottenvermehrung wahrnehmen, um . das Land in seinem Lebensnerv zu treffen, dessen . Politik zu selbstsicher erscheint.

Die Vorfälle in der englischen Marine treffen zu­sammen mit der Veröffentlichung von brieflichen 1 Dokumenten, die den Zusammenhang der bolsche- 1 wistischen Agitation mit den revolutionären Ereig- : nissen in Südamerika beweisen, andererseits mit dem bevorstehenden Abschluß einer französischen Politik, die unter Mißachtung der vom Bolschewis- 1 mus drohenden Gefahren Sowjetrußland zu 1 einem ausschlaggebenden Faktor in der Welt macht. 1 In Frankreich hat es soeben der Marschall Wey- ganb in einer öffentlichen Erklärung abgelehnt, daß er in der Propaganda für den Abschluß des Pak­tes mit Sowjetrußland zu einer Art von militäri­schem Paten für diese politische Aktion gemacht ° worden war. Es scheint, daß die Soldaten ein bef- l feres Verständnis dafür haben, wohin der Weg - führen könnte, den die Politik einfchlägt. Vielleicht = weil sie mit ihrem Blute die Verpflichtungen be- > zahlen müssen, die die Feder leichten Herzens un- 5 terschreibt. O. M.

Zentrum i st bas Kaiserhaus, und in dieser Tatsache liegt dessen erhabene Wunderkraft. Tatsächlich ist seine Majestät die Verkörperung japanischer Moral, und das grundlegende Prinzip unserer Existenz ist es, an dem Bestreben um das Wohlergehen des Kaiserhauses und der Verbreitung japanischer Ethik mitzuarbeiten. In letzter Zeit je­doch war der brennende Nationalgeist im Abnehmen begriffen. Kapitalisten häufen Riefengewinne zum Nachteile und Schaden der Volksgemeinschaft an. Politiker vergessen die Interessen des Staates und jagen Parteivorteilen nach. Muß man nicht bei dem Gedanken an das Schicksal eines Staates schau­dern, wenn man die Dinge in einem derartigen Zustand laufen läßt? Die Ursache für diese traurige Lage liegt nahe, und sie ist einfach genug. Die gegenwärtigen Zustände herrschen, weil das ja­panische Volk fein Selbstbewußtsein sowie einen richtigen Begriff von dem Lande seines Kaisers verloren hat. Was wird von Japan übrigbleiben, wenn die Nation den er­habenen Geist vergißt, auf dem sie aufgebaut ist, und wenn sie ihren japanischen Stolz einbüßt? Es ist tatsächlich ein Akt der Vorsehung, daß die Wir­ren in der Mandschurei eingetreten sind, denn sie sind das Glockenzeichen für das Er­wachen des japanischen Volkes. Wenn das Land wieder von demselben großen Geist er­leuchtet wird, in dem es gegründet war, bann wird bie Zeit kommen, wenn alle Nationen ber Welt gezwungen sein werden, zu unserem Kodo hinauf­zublicken. Kodo, das große Ideal der ja- panischen Nation, ist so gehaltvoll, daß es über die ganze Welt verbreitet und ausgedehnt und baß jedes Hindernis überwunden wer­ben sollte sogar mit dem Schwert!"

Der Begriff Kodo hat heute in einer Organisation Wurzel gefaßt, die 25 Millionen Mitglieder zählt und die auf dem Marsch ist, bas ganze Volk zu durchdringen, Männer wie Frauen und Kinder, Arbeiter, Angestellte, Bauern und Soldaten. Es ist die alte japanische Kriegerkaste der Samurai, die darin lebendig ist und die sich bestrebt, nicht selbst zum Volke herabzusteigen, sondern das Volk zu sich und ihren Idealen emporzuheben. Kodo-Kai, v. h. Kodo-Bewegung, strebt das an, was wir eine Soldatennation nennen würden, einen militärischen

Sozialismus, der für die Dreieinigkeit der rassischen, religiösen und staatlich-politischen Grundlagen des Staates sein Leben in die Schanze schlägt.

Die aktivistische Bewegung des jungen Japan ist überzeugt davon, in Amerika und Europa grund­sätzliche Gegner zu sehen und nur auf sich allein gestellt ihre Ziele erreichen zu können. Wer sich ihr entgegenstellt, seien es nun politische Probleme, seien es Personen, seien es Prinzipien, wird ohne viel Worte, ohne Debatten und Programme angegriffen und beseitigt. Man ist in weiten Kreisen überzeugt davon, baß nur der geballte Wille ber Nation in der Lage fein wird, den Lebens­raum auf dem asiatischen Kontinent gewinnen und erhalten zu können. Nicht weniger als fünf japa­nische Ministerpräsidenten sind in den letzten 15 Jahren durch Attentate gefallen, weil sie nach der Ansicht begeisterter Patrioten nicht genug für das Wohl ihres Landes getan hatten, weil sie gegen­über dem Auslande zu weich, weil sie gegenüber dem Parlamentarismus zu unentschlossen gewesen sind. Am Tage der letzten Reichstagswahl wurde Professor Minobe erschossen, weil er ein Ver­fechter einer politischen Theorie, nach welcher der Kaiser nur Organ des Staates, nicht aber Inkarna­tion des göttlichen Willens sein soll.Der Kaiser ist vollkommen! Bereut und werdet seine treuen Untertanen!" So rief in der Gerichtsverhand­lung der Mörder des Generals Nagata, Oberst­leutnant Aizawa, aus und beteuerte, daß er diesen nur deswegen getötet habe, weil er Maß­nahmen ergriffen habe, die im Widerspruch zur Wiederaufbaubewegung stünden, weil er Beziehun­gen zu Kapitalisten, Bürokraten, älteren Staats­männern und dem Kabinett unterhalten hätte.

Von diesem fanatischen Glauben sind vor allem die jungen Offiziere, die Studenten und alle die­jenigen Kreise erfaßt, die eine Wiedererneueruna des alten japanischen Geistes und eine Zusammenfassung aller positiven Kräfte des Reiches ersehnen und wenn nicht alles trügt durchführen werden. Ob und wie weit allerdings dieser im Grunde milita­ristische und imperialistische Geist und seine schwer­wiegenden Auswirkungen in außenpolitischer Hin sicht geeignet sind, die Ziele Japans vor politischer Kräfteballung interessierter Staaten und Mächte­gruppen zu verteidigen und zu schützen, das ist eine andere Frage. Daß ungeheure Energien entflammt und an einen spezifischen Zweck gebunden werden, bas ist sicher. Ob aber das nicht gleich große Ener­gien der Gegenspieler in allen Teilen der Welt ent­fesseln wird, das wird sich erst in der Folgezeit

und die verfassungstreuen Kreise die Oberhand be­halten werden.Daily Telegraph" schreibt, die furchtbaren Mordanschläge in Tokio würden sicher­lich weitreichende Folgen im ganzen Fernen Osten haben. Die Armee sei von den gewaltigen imperialistischen Idealen beseelt. Sie er­strebe die vollständige Herrschaft über den Fernen Oft en und gleichzeitig die aus- lckließliche Ausbeutung der unbegrenzten Wirt­schaftsquellen Chinas. Andere Blätter weifen dar­auf hin, daß Sowjetrußland der erbit­tertste Feind der militärischen Kreise sei, die hinter dem gestrigen Putsch stünden. Als einer der mittelbaren Beweggründe für den Putsch wird auch die zunehmende Industriali­sierung Japans genannt. Die Armeeführer seien entrüstet darüber, daß ihre Eroberungs­pläne auf dem asiatischen 'Festland dauernd durch finanzielle Erwägungen in Zu­sammenhang mit der Industrialisierung durch­kreuzt werden.

Berlin oder Moskau?

London, 27. Febr. (DNB. Funkspruch.) Ereignisse in Japan werden in London mit größ­ter Spannung verfolgt. Die Morgenblätter drücken die Hoffnung aus, daß es nicht zu einer Diktatur der radikalen militärischen Elemente kommen möge,

Keine englische Initiative in Gens.

Lediglich weiterhin Teilnahme an Kollektiv. Maßnahmen des Völkerbunds.

London, 27. Febr. (DNB Funkspruch.) lieber das Ergebnis der gestrigen Kabinettssitzung berich­tetDaily Telegraph", das Kabinett habe bestätigt, daß England grundsätzlich bereit fei, mit den anderen Völkerbundsmächten in der Auferlegung einer Oelausfuhr- und Transvort- fperre zusammenzuarbeiten. Dieser Kabi­nettsbeschluß sei aber mehr als eine Geste der Ent­schlossenheit Englands zu betrachten, an allen praktischen K o l l e k t i v m a ß n a h m e n g c - gen einen Angriff teilzunehmen, denn als eine Andeutung des voraussichtlichen Völker­bundskurses.Morning Post" glaubt, daß Eden in Genf nichts tun werde, um den Völkerbund zu einer Weiterverfolgung dieses Planes zu ermutigen. Nur wenn andere Nationen eine L)el- sperre energisch fordern sollten, würde Eden bereit sein, sich einem gemeinsamen Vorgehen anzuschlie­ßen. In den Wandelgängen des Parlaments habe man die Möglichkeit besprochen, ob Eden vielleicht andere harmlosere Sühnemaßnah­men, wie z. B. eine Kohlensperre oder die Schlie­ßung der Häsen für italienische Schiffe befürworten roüroe. Das Laden und Ausladen von Frachten durch italienische Schiffe fei in den Häfen der bri­tischen Kolonien bereits verboten. In Abgeordne­tenkreisen komme man mehr und mehr zu der Ansicht, daß die Sühnepolitik entweder energisch fortgesetzt oder aber aufgegeben werden solle. Eine zunehmende Zahl von Abgeordneten würde das Aufgeben der Sühnepolitik bevorzugen.

Betrügerisches Ehepaar ergaunert eine Million Franken.

In Paris ist ein holländisches Ehepaar ver­haftet worden, das in verschiedenen Städten Belgiens und Hollands gefälschte internationale Postanweisungen einlöste, die auf französische Post­ämter als Ausgangsstelle ausgestellt waren. Das Betrügerpaar soll sich durch seine geschickten Fäl­schungen über eine Million Franken an- geeignet haben.