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Vilhelm Lange, für die Bilder: für Feuilleton: igen Teil: Lrnst Seck. Verantwort- Theodor Kümmel, erlag: Brühl'sche :iR. Lange,K.-G,

chiießiich 25 Pf. i 15 Pf. mehr, imstags 15 Pf, mehr.

Juni 1935 gültig.

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Nr. 48 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, 2b.8ebruar Mb

München im Schatten des Aschermittwochs.

Oer Fasching ist tot es lebe Salvator!

Von unserem W. B.-Berichterstaiier.

noch zu sterben. Aber vorher läßt sie noch einmal ihren ganzen Uebermut los; ehe sie im Kehraus die Tür für ein Jahr zuschlägt, ehe sie am Rosenmon­tag zum letzten Male sich ganz der Lustigkeit hin­gibt, tritt sie am Faschingssonntag ans Tageslicht: im FaschingszugFreut Euch des Le­bens!" Wer hatte teil daran? Wer hatte nicht

Schwarze Katerpfoten reißen das letzte Blatt vorn Faschingskalender und auf grober Leinewand erscheint: Aschermittwoch. Eiskaltes Wasser läuft über den Kopf und peitscht das Gehirn in die Wirklichkeit zurück. Wie im Querschnitt einer Film­montage jagen noch einmal die Bilder der vergange­nen Wochen vorbei...

Mit Feierlichkeit begann es, mit Ernst im Nar­renkleide, mit der Einsetzung des Karnevalsprinzen, der im schwarz und gelben Gewände mit seiner Garde (stattlichen Münchnerinnen, auch schwarz und gelb uniformiert) das Treiben eröffnete, die großen Feste besuchte, seine Truppe schneidig exer­zieren ließ, das Faschingsvolk begrüßte, den kunst­vollen Schöpfern Orden verlieh und in alle Säle der Fröhlichkeit seine Gesandten schickte, um große kostbare und auch kleinere Abzeichen für das Winterhilfswerk zu verkaufen.

Zweimal bei Tag, zum Kinderfasching und wenn die Skifahrer sich verkleiden und ein Narrentreiben auf Brettern im bayerischen Lande veranstalten, aber sonst nur am Abend, sind die Geister des Uebermuts losgelassen. Und dann verwandeln sich alle. Beleibte Männer, beweibt, Bierkundige seit langen Jahren, wenn sie lachen zittert und schlittert ihr gewaltiger Körper sie fassen es sich nicht nehmen, auch imSendlinger Gesangverein" ein Fest zu feiern und auf historisch ober exotisch kostü­miert ein Pascha oder Großmogul darf nicht nur, er muß einfach einen Bauch haben! das Vorstadtmaskenschwärmen noch bunter zu machen. Größer, lauter, bunter, öffentlich in den Bräus sind die R e b o u t e n. Masken unbZüvüll" brängen sich so, baß bie Säle oft schon um elf von ber Po­lizei gesperrt werben. Da hast bu braußen gestan­den mit anbern, vielleicht zwei Stunben gewartet, bis es roieber Platz gegeben hat Platz zum Stehen, zum Sitzen auf ein paar Minuten als Gast an einem Tisch, Platz zum Tanzen? Nein, bu wirst nur geschoben in ber Masse, bist nur ein Klümpchen in bem farbigen Brei ans Lachen unb Bewegung. In ber bunftigen Luft bes großen Raumes, im Ge­bränge ber Fröhlichen, bei Bier unb Weißwürftchen kommen sich bie Menschen nahe; ist es ein Wunber, bah sie so gemütlich sind, bie Sübpreußen?

Hunbert Jahre Künstlerfasching war das Stichwort, bie Olympischen Spiele ber Anlaß zu boppeltem Eifer. Die Künstler sinb in ben hunbert Jahren nicht nur Jubilare geworben, sonbern auch bie Herren unb Gestalter bes Münchener Faschings. Nicht karnevalistische Sitzungen, Männerveranstal­tungen mit rebnerischer Leistung unb Wortwitz wie am Rhein, haben ihm bas Gesicht gegeben, sonbern Dekoration, Phantasie in Form unb Farbe, Aus­führungen, Tanz, Geselligkeit. Zwei- unb breimal finben biese Feste statt, seit Jahren unb Jahrzehn­ten haben sie ihre Namen: Glückhaftes Schiff, ©auflertog, Zirkusleute, Hexensabbath, Narrhalla. Ihre Träger sinb bie Künstlergesellschaf- ten, die von ben Einnahmen die Ausstellungen finanzieren und so fröhliche Mäzene schaffen, ohne d'-ren Zutun unb oft auch ohne ihr Wissen. Ihre Träger sinb bie Theater, sinb Wohlfahrtseinrichtun­gen, bie Stabt, bie Hochschulen... Du bist kreuz unb quer burch ben Fasching gebummelt, burch mancherlei Feste, burch mancherlei Säle, kreuz unb quer durch München, du fragst dich: Was war?

Sviele, nnr allem Pantomime, Ballett, Akrobatik, b-mn ein Saal ist groß und ausgelassene Menschen sind niemals ruhig. Unter ben besten an Einfall unb Darbietung, natürlich, bie Theater, mit bunten Folgen unh Kabarett. Kostüme, bie eigenartigsten auf bem KolonialfestA u f Safari" unb bem Ball her Presse unter bem Leitwort ,.A 11 - Mün - ch e n". sonst bie ganze Spanne von farbigen Rock- aufschläqen improvisierten Cowboys unb Gauner bis m ben ünpigften Ausführungen reicher Phan­tasieformen. Unb Dekorationen! Die großen Hotels

bestellen Dekorateure, bezahlen viel Gelb unb sinb nachher vornehm, aber unpersönlich. Die kleinen Lokale nehmen Papierschlangen unb ein paar Lam­pions unb beuten an. Die Künstler aber schmücken bie Stätten ihrer Feste selbst. Was übertrieben unb aufbringlich, was kahl unb häßlich war an ben Räumen, wirb verbeckt, ein verborgener Reiz heroorgezogen, ihr ganzes Innere veränbert, so gut es bie Anlage nur zuläßt, unb so eigenartig, wie es ben Veranstaltern unb ihren Gästen ent­spricht. Hier zeigen sich auch wohl Fähigkeiten an manchem Boheme-Genie, bas sonst nur ungern die Decke von der Staffelei nimmt.

Form zerfällt, Farbe vergeht und Lachen ver­klingt das ist das Schicksal des Faschings. Aus Phantasie und Humor geschaffene bunte Welt, aus Künstlerlaune entsprungene andere und kürzere Wirklichkeit lebt rasch und lärmend, um schneller

daran teil! Militär und Handwerk, Behörden und Organisationen, Künstler und Studenten, Industrie und Presse, im ganzen fünf Viertel st unden W i tz und Humor zogen durch die sonnige Stadt, davon viele hundert Meter Neger in den verschiedensten Aufmachungen und Anspielungen. Anspielungen auf Geschehenes und vor allem Un­geschehenes aus der Stadtverwaltung wurden dar­gestellt, unb gegen Enbe bes langen Zuges, als schon bie Zuschauer von Konfetti überströmt waren, erschien vor bem jubelnb begrüßten lebenben bie Riesenplastik eines fterbenben Faschingsprinzen. Was will es ba schon bebeuten, wenn ber letzte Wagen ein Ausblick a u f ben Aschermitt­woch war nachbem bu bir mit ber Mübigkeit aus bem Gesicht auch ben Fasching aus bem Ge­hirn gewaschen hast, beginnt schon roieber etwas Erfreuliches: bie Starkbierzeit. Der Fasching

1 ist tot, es lebe Salvator!

SJi.-ifport

Mitt'- Warnung des Heichssportführers.

Die Presse st elle des Reichssportfüh­rers teilt mit:

In der letzten Zeit mehren sich in erschreckender Weise die Fälle, in denen die Bilder deutscher Sportsleute zu Reklamezwecken mißbraucht werden. Besonders bedauerlich ist es, daß bie Fälle meist noch im Zusammenhang mit ben Olympischen Spie­len stehen. Da biefer Zustanb untragbar ist unb im Wiberspruch zum Geist ber Olympischen Spiele steht, ba zubem in jebem einzelnen berartigen Falle Zweifel an ber Amateureigenschaft ber betreffenben Sportsleute auszutauchen pflegen, weist ber Reichs­sportführer mit allem Nachbruck darauf hin, daß er in Zukunft gegen jeden solchen Mißbrauch mit den geeigneten Mitteln einschreiten wird. Er spricht gleichzeitig die Hoffnung aus, daß schon dieser Hin­weis genügt, um die in Frage kommenden Firmen zur gebotenen Zurückhaltung und zur Zurückziehung ihrer laufenden Reklameunternehmungen, soweit sie den Gesetzen des Sports nicht entsprechen, zu ver­anlassen.

,, FE.Tentonia" Watzenborn-Steinberg

Am vergangenen Sonntag traten vier Mann­schaften der Teutonen auf den Plan. Die zweite Mannschaft konnte nicht antreten, da verschiedene Spieler an bem SA.-Aufmarsch teilnahmen unb auch brei Stürmer an bie erste Mannschaft abge­geben werben mußten, lieber bas Spiel gegen Lol­lar würbe gestern bereits berichtet.

Die Jugenbmannschaft erkämpfte in Klein-Linben mit 1:1 ein Unentschieben. Die 1. Schülermannschaft wetzte bie Schlappe gegen Garbenteich roieber aus unb schlug bie Schüler von Klein-Linben überzeu- genb mit 6:1 Toren. Die 2. Schülermannschaft kam bei einem Halbzeitstanb mit 2:2 bis zum Schluß nicht mehr um eine 3:2-Nieberlage umhin.

V. f. 3t. Lich.

eich I 9. Artillerie-Regiment Gießen I 2:5 (1:3).

Zahlreiche Zuschauer hatten sich auf dem Sport­platz in Lich eingefunden. In der Mannschaft der Artilleristen war kein schwacher Punkt festzustellen. Die Umstellung, die man bei Lich vorgenommen hatte, bewährte sich gut.

Sofort nach Anstoß zogen die Gäste vor das Tor Lichs. Bei einem Gegenstoß ging der Ball knapp am Tor vorbei. In der 20. Minute war es der Linksaußen von Lich, ber auf Zuspiel des Halbrechten mit unhaltbarem Torschuß seinen Ver­ein in Führung brachte. Nicht lange darauf mußte

Lich sich ben Ausgleich gefallen lassen, um kurze Zeit barauf ben Gästen durch ein weiteres Tor bie Führung zu übergeben. Ein Elfmeterball für Lich würbe vergeben. Die Gäste-Elf konnte sogar mit einem brüten Tor ihren Vorsprung erhöhen.

Nach ber Pause würbe bas Spiel im Tempo ge­steigert, wobei jebe Mannschaft versuchte, ein besse­res Torverhältnis für sich zu erlangen. Hier waren es erneut bie Vertreter unserer Wehrmacht, welche einen Hanbelfmeter zu einem weiteren Tor ver- manbelten. Kurze Zeit darauf gelang es Lich noch ein Tor aufzuholen. In dem nun folgenden ver­teilten Spiel von beiden Seiten konnten keine der beiden Mannschaften weitere Tore für sich buchen. Gegen Ende des spannenden Kampfes bekam Lich einen weiteren Elfmeterball zugesprochen, der aber­mals neben das Tor getreten wurde, während die Gäste eine gleiche Torgelegenheit ausnützten.

Zwischenrunde um die Kreismeisterschast der Jugend.

Vorrunde: 16. Februar. Großen-Linden VfBR. I (2:2); 23. Februar. VfBR. I Rodheim (12:1); Großen - Linden Großen - Buseck (5:1); 1. März. Rodheim Großen-Buseck; 8. März. Großen-Buseck VfBR.!; Rodheim Großen- Linden.

Rückrunde: 15. März. VfBR. I Großen- Linden I; Großen-Buseck Rodheim; 22. März. Rodheim VfBR. I; Großen-Buseck Großen- Linden; 29. März. VfBR. I Großen - Buseck,

Großen-Linben Robheim.

Der Stand der Schülerpflichtspiele.

Spiele Gew. Unentsch. Verl.

Pkte.

Watzenb.-Steinberg 6

5

1

0

11: 1

VfB.-Reichsbahn I

6

5

0

1

10: 2

1900 I

6

2

2

2

6: 6

Alten-Buseck

6

3

O

2

8: 4

Garbenteich

6

2

2

3

4: 8

Klein-Linben

6

1

0

5

2:10

Lollar

6

0

1

5

1:11

Die Kleinen von Watzenborn-Steinberg führen die Tabelle an. Die Spielstärke von VfB.-Reichsbahn wird sich durch einige neue Spieler noch verstärken. Bei 1900 ist ebenfalls eine Formverbesserung ein­getreten. Alten-Buseck stellt eine ausgeglichene Mannschaft ins Feld. Garbenteich mußte 4 Punkte abgeben, da sie zwei Jugendspieler mitwirken ließen. Klein-Linden stellt eine junge Mannschaft ins Feld, die sich erst noch einspielen muß. Lollar büßte den guten Tabellenstand ein, da es in mehreren Spielen

einige nichtspielberechtigte Spieler mitwirken ließ. Die Mckrunde hat bereits begonnen.

HandballimKreisLahn-OittlGauXII)

Man sollte annehmen, daß mit dem Sieg der Wetzlarer über die Gießener Männerturner die Würfel gefallen wären. Bestimmt ist das aber noch nicht. Denn am nächsten Sonntag kann Lützellin­den vielleicht noch entscheidend cingreifen. Verliert nämlich Wetzlar dieses Spiel, so stehen Lützellinden und Wetzlar wieder punktgleich und ein Entschei­dungsspiel wäre notwendig.

Mtv. Gießen Tv. Wetzlar 2:7 (2:4). Die Platzbesitzer waren nicht ganz so schlecht, wie das Ergebnis besagt. Allerdings hatte auch Wetzlar keinen guten Tag. Trotzdem muß man den Sieg für verdient ansprechen, weil die Gäste die weitaus bessere Gesamtleistung boten. Es hat keinen Zweck, sich bei einer so guten Mannschaft, wie sie Wetzlar zweifellos darstellt, in Einzelaktionen zu ver­lieren. Diese Spielweise wird sich immer nachteilig auswirken. Mit dieser neuen Niederlage haben sich die Männerturner um alle Chancen, evtl, noch­mals in die Entscheidung eingreifen zu können, ver­geben.

Freundschaftsspiele.

Tv. Niedergirmes Tv. Katzenfurt 14:5 (7:3). Die Gäste haben sich als eine äußerst rührige Mannschaft gezeigt, der nur noch die ted)- nischen Feinheiten fehlen. Bei genügendem Training wird sie noch einen recht starken Gegner abgeben. Auch das Jugendspiel verloren die Gäste, aber wesentlich knapper. Der Nachwuchs von Katzensurt ist sehr gut und gibt zu den besten Hoffnungen Anlaß.

Tv. AHendorf (Lda). VfB.-R. Gießen 5:9 (2:5). Beide Mannschaften lieferten sich bei nassen Platzverhältnissen einen interessanten und spannenden Kamps, den die Gießener dank ihres reiferen Könnens sicher für sich entscheiden konn­ten. Die Gastgeber aber haben, wie bas Ergebnis besagt, gezeigt, baß sie mit ben besten Aussichten in bie tommenben Verbanbsspiele (Aufstiegsspiele) gehen.

Fußball im Gau Nordheffen.

Nachbem Meister unb ein Abstiegskanbibat er­mittelt sinb, richtet sich bas ganze Interesse im Gau Norbhessen auf bie weitere Entwicklung ber Abstiegsfrage. Der Spielverein Kassel kann sich auf eigenem Platz gegen den SV. Bab-Nauheim einen wertvollen Vorsprung vor seinem ..Leibensqenossen" Kurhessen Kassel sichern. Dem VW. Friebderg bie­tet sich zuhause gegen Kurhessen Marburg bie Chance, enbgültig ben Verbleib in der Gauliga zu sichern.

Deutschlands Handball-Elite im Kampf

Vier Olympia-Kernmannschaften spielen in Darmsladk.

In Ettlingen findet zur Zeit ein Olympia-Lehr­gang statt, an dem 50 ausgesuchte Spieler aus allen deutschen Gauen teidiehmen. Als Abschluß des Lehrganges finden am 1. März in Darmstadt zwei Uebungsfpiele statt, bei denen vier aus Kur- fusteilnehmern gebildete Mannschaften antreten. Für Darmstadt, einst Süddeutschlands handball- freudigste Stabt, werden diese Spiele ein großes Ereignis bedeuten. Die Handdallvereine von Darm­stadt und Umgebung feiern, ba ab 13 Uhr Spiel­verbot besteht.

Deutsche Eishockey-Meisterschaft.

Das Endspiel ist in München.

Die Deutsche Eishockey-Meisterschaft wird nun­mehr am 6. März zwischen dem Titelverteidiger SC. Rießer See und dem Berliner Schlittschuh- Club entschieden. Austragungsort ist das Münche­ner Prinzregenten-Stadion.

Deutsche Olympiasieger in Schweden.

Vom 28. Februar bis 1. März gelangen in Öfter- sund bie Schwebischen Ski-Winterspiele zur Durch-

Gießener Siadiiheater

Faschings-Kabarett:

Karneval bei Prinz Orlofsky.

Der Fasching im Gießener Stabttheater begann gestern abenb 20.11 Uhr als Fest am Hofe bes Prinzen Orlofsky (aus berFlebermaus") nut einem ausgebehnten Kabarett-Programm, bas nicht minber bunt war als bie Mützen bes erwartungs­vollen Publikums. Narhalla-Marsch unb Fleber­maus-Ouvertüre gaben sogleich ben Ton an, Herr Frickhveffer (Orlofsky) hieß bie Gäste willkom­men, Professor Greif stellte mit bem Original- fernseh- unb -Hörapparat auf Welle Fasching 1936 die Verbindung nach Gießen her, und Herr Nie­ren, der unter der rheinischen DeviseMer dont all met" das ganze Personal samt Chor und Or­chester mobil gemacht hatte, sprach als Ansager öcn Prolog und stellte gleich den an einem solchen Abend besonders notwendigen engen Kontakt zwi­schen Bühne und Zuschauerraum her. Nach einem Terzett (Spanisches Gondellied, mit Harfe) erfolgte unter den vertrauten Klängen der Faschingshymne, die im Laufe des Abends immer wieder intoniert wurde, der Einzug des Prinzen Karneval (Heinz Weiser), der alsbald ber närrischen Versamm­lung seinen Gruß entbot unb erstmal bie anwesen- ben Damen hochleben ließ.

*

Die Kinbertanzgruppe fanb mit zwei hübschen Nummern allgemeinen Anklang, Kapellmeister Bräuer mit benDorfschwalben" nicht minber. Eine ganz verrückte Angelegenheit, nur am tfa= schingsbienstag zu fingen, war berChor mit Re­genschirm", unb nachbem Herr Hub als Aeppelwvi- Balfer aus Sachsenhausen in bie Butt gestiegen war, um bie Versammlung von hier aus anzure- ben, wie ihm ber Schnabel gewachsen war, also auf frankfvrterisch unb mit bem Bembel ba war bie Stimmung im Hause so weit gebiehen daß man als erstes gemeinsames LiebDu kannst nicht treu sein" mit Schunkeln fingen konnte. Herr Je t e- ren (Alaaf Kölle!) war unermüblich, unb bie Prin­zen Karneval unb Orlofsky saßen m der Pro­szeniumsloge unb betorierten die Mitwirkenben mit Faschingsorden nach Gebühr.

*

Der Reigen der Darbietungen im bunten Pro­gramm war von erstaunlicher Fülle und ^Mei- tigkeit. Fräulein Henckel! und Herr Lindt er­hielten für zwei Duette aus derTanzgrasin gro­

ßen Applaus, Herr Kurt Richter erschien als rheinischer Wanderer mit dem beliebtenRolanbs- bogen", unb bas Publikum sang als nächstes all­gemeines, schon sanft in Fahrt, mit Hingabe ben wahrhaft unsterblichenTreuen Husaren", ber eben in Köln roieber Triumphe gefeiert hatte. Eine schrecklich-schöne Sache mit violetter Ampel war ber SketschDas letzte Hotelbett" (Fräulein Decker, bie Herren Lüpke unb Kühne), Thery Schult­heis unb Herr Wahlich tanzten ein Duett im Altwiener Kostüm, Herr L i n b t brachte zwei Chan- sons (mit unb ohne Hunb), unb bie sehr hübsch instrumentierte musikalische Schaunummer (Jazz- banb Rubolf Loh) beschloß mit einem ungarischen Potpourri unb bem Runbfunk-Pausenzeichen ben ersten Teil bes Bunten Abenbs.

*

Nach ber Pause begann man unter freunblidjer Mitwirkung bes Publikums mit einem Faschings- lieber-Potpourri. Dann sang Maria Perry einen träumerischen Tonfilmsong; viel Beifall fanben auch bie hübsch unb cratt oorgetragenen Lvlophon- unb Dibraphon-Soli (Herr Kreuter), währenb Hub unb Seitz in Matrosenanzügen als Frankfurter Schulbuben auftraten unb sich ziemlich beutliche Witze erzählten. Damit war benn auch bie Zwang­lose Ueberleitung zumTheater ber Stämme" ge­geben. Hier sah unb hörte man bie Herren Schorn unb Rosenthal als Schäl unb Tünnes bei nächt­licher Laterne, bann bie frankfurterische Szeneam Römerberg" (Hub, Volck, Seitz, Decker unb Neuhaus), währenb Herr Kühne unb Herr Lüpke unter munterer Assistenz ber Damen Decker unb Karben sich gegenseitig mit ben ausgesuchtesten Liebenswürbigkeiten ber Rcichs- hauptstabt betrachten, um sich beim Erscheinen bes Schupos Tank unvermittelt zu versöhnen. Herr Seitz brachte noch ein paar erprobte hessische Kleinigkeiten, währenb ber oberbayerische Sketsch Der Heimkehrer", eine Parobie auf bas ver­kitschte Bauerntheater, sich in ber Tat als eine Dar­bietung nur für starke Nerven erwies; Mitwirkenbe: Neuhaus, Greif, Markgraf, Rosen­thal, Bley.

Wir hoffen, baß wir bei ber Aufzählung nichts unb niemanben vergessen haben: bas Programm war lang unb ber Abenb schon recht angebrochen, als man sich erhob, um ben Gießener Fasching an- berroeitig zu beschließen. Die Stimmung war fort­geschritten, unb ber Applaus hatte brei Stunben lang nichts zu wünschen übrig gelassen. hth.

Soldaten Kameraden."

Gloria-Palast.

Dieser Film (Produktion: Cinephon - Hammer- Tonfilm) stellt sich bewußt in Gegensatz zu ben zahllosen Militärlustspielen unb Schwänken früherer Zeit, bie vielfach zu platten unb geschmacklosen Zerrbilbern ber Dorkriegsarmee würben unb mei­stens in Kasernenhofblüten unb sogenanntentollen Situationen" gipfelten, bie bazu angetan sein soll­ten, bie berühmten Lachstürme im Parkett zu ent­fesseln. Für ben FilmSolbaten Kameraben" schrieb Götz Otto Stoffregen zusammen mit R. Schnei ber -Ebenkoben, Hans H. Fi­scher unb bem Regisseur Toni Huppertz bas Drehbuch. Was sie geben wollten, ist im Untertitel ausgebrückt: ein Bilb aus unserem Volksheer; unb obwohl bie Hanblung in wesentlichen Teilen burch- aus auf einen heiteren Ton gestimmt ist, wirb man boch nicht verkennen können, baß es ben Herstellern nicht in erster Linie barauf ankam, lebiglich mit humoristischen Mitteln banfbare Wirkungen zu er­zielen, vielmehr ben neuen Geist ber neuerftanbenen Wehrmach in volkstümlichen Bilbern spürbar wer­ben zu lassen. Es wirb ba geschilbert, wie junge Volksgenossen heute ihre Militärzeit abbienen unb zwar reicht bie Schilberung vom Gestellungs­befehl bis zur Entlassung. Der Abschieb auf bem Bahnhof, bie Fahrt zur Garnison, ber Empfang dort, ber erste Tag bei ber Truppe,Brockenfassen", Stubenbienst, Exerzieren, erster Stabturlaub, Grup­penaufnahme beim Garnisonphotographenunb bann bie kleinen Mäbchen", wie es bei ßiliencron so schön heißt. Die Frische, mit der die einzelnen Gestalten dieser jungen Soldaten dargestellt sind, paßt gut zu dem volkstümlichen Ton, der ihre Ge­spräche beherrscht, und zu der Musik, die gewisser­maßen als Leitmotiv die ganze Handlung begleitet. Der MarschSoldaten Kameraden", den Robert Küssel zu einem Text von G. O. Stoff re gen komponiert hat, wurde sogar zum neuen Regiments­marsch des Infanterie-Regiments Nr. 48 bestimmt, bei dem eine Reihe von Aufnahmen für diesen Film gemacht wurden. Angehörige des Berliner Wachregiments wirkten als Statisten mit. Gegen Ende wird die zunächst überwiegend heitere Hand­lung ganz ernsthaft, und eine Liebesgeschichte gibt den Anlaß zur Ausprägung des Untertons, der biefen Film burchzieht, wenn er bie neue Wehr­macht als bie große Schule bes Volkes kennzeichnet, in ber bie junge Generation zur Kamerabfchaft unb zu tüchtigen, brauchbaren unb anftänbigen Men­schen erzogen wirb. Unter ben einzelnen Solbaten-

geftalten stellen Franz Niklisch unb Franz Zimmermann die besonders charakteristisch unb beispielhaft gezeichneten Hauptfiguren. Auch Franz Jan Kossak als Unteroffizier, vom Zivil Herti Kirchner unb Vera Hartegg als zwei ver­liebte Möbels, ber Berliner Komiker Ralph Arthur Roberts oerbienen genannt zu werben. Im zweiten Teil bes Films sieht man übrigens eine Anzahl interessanter Manöoerbilber, bie bei ben letzten großen Herbstübungen bes Reichsheeres aus­genommen würben.

*

Der Film, ber gestern bei uns seine Uraufführung erlebte, wirb heute im Rahmen einer Festvorstellung wieberholt. Im Beiprogramm sahen wir Silber von ber Olympiabe, auch schöne Aufnahmen vom Wintersport in Deutschlanb, ferner einen Vorspann zu bem neuen Jannings-FilmTraumulus", Szenen aus einem Abessinien-Film ber Ufa unb bie Wochenschau.r

Zeitschriften

Das Februar-Märzheft berDeutschen Zeitschrift" (Callwey, München) beachtens­wert burch ben verschiebenfardigen Reiz, ber burch Beschwörung ber geistigen Bildnisse repräsentativer deutscher Menschen aus verschiedenen Jahrhunder­ten hervorgerufen wird. In dem Aufsatze des sie- benbürgischen Theologen Gerhard May über bie Bebeutung bes Protestantismus für bas Auslanbs- beutschtum" ersteht vor uns Persönlichkeit unb Werk bes siebenbürgisch-sächsischen Reformators, Humanisten unb völkischen Erziehers Johannes Honter. Herbert Cysarz macht uns näher mit bem Großen unb fröhlichen Meister Johann Klaj", bem hellsten Munb unb bem vollsten Herzen" bes ba­rocken Nürnberger Dichterorbens ber Pegnitzschäfer bekannt. Josef Hofmitter zeigt uns beneinsamen Wagner", ber seine Werke nur für einen Hörer, für sich selbst schaffe, ohne Rücksicht auf ein Publi- tum, beren Helben nur leibcnschaftlich höchste Stei­gerungen seines Selbst, beren Landschaften nur Visionen feiner Seele seien. Im AufsatzDer Frontsoldat" gewährt Werner Picht uns erschüt­ternden Einblick in die unausweichliche Tragik der deutschen Frontgeneration des Weltkrieges, die tot oder lebend jetzt ihre Rechte auf bie Lebenben gel- tenb mache. Einen beträchtlichen Teil bes Heftes nimmt ein burch Farbigkeit unb Lcbenbig- teit ber Schilberung unb geschickte Verarbeitung ber zuverlässigsten Quellen gleich bebeutsames Kapitel über bieSchottenkönigin Maria Stuart" von E. Scott ein.