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nows), es kann vielleicht ein neues Dementi erfolgt fein; wahrscheinlich sind auch neue Zwischenfälle an der mongolisch-mandschurischen oder der sowjetrus­sisch-mandschurischen Grenze. Denn die weiten Räume des Fernen Ostens gleichen nicht nur für den Mitteleuropäer einem Pulverfaß, auch von Moskau aus gesehen, haben sich die Verhältnisse in ihrer Gesamtheit in den letzten Wochen ganz außer­ordentlich zugespitzt. Und wenn im Fernen Osten noch nicht jedes 'frühzeitig losgegangene Gewehr naturnotwendig den Ausbruch eines neuen Welt­krieges bedeutet, ja wenn selbst Dutzende von Toten, die hüben und drüben Opfer der unübersichtlichen Grenzverhältnisse und der planmäßigen Entfesselung der politischen Leidenschaften geworden find, nur zu einem neuen Notenaustausch Anlaß geben, so hat doch die allgemeine Spannung einen Grad erreicht, der kaum noch zu überbieten ist.

Der Grenzkampf am 2. Februar, der mindestens dreizehn Tote und eine doppelte Anzahl von Ver­wundeten gefordert hat, ist der bisher blutigste Zwischenfall, der sich an den fernöstlichen Grenzen abgespielt hat. Er hat auch deshalb Erregung her­vorgerufen, weil nach Moskauer Behauptungen die Mandschuren hier sogar Artillerie und schwere Bomber eingesetzt haben sollen. Freilich geben die Japaner eine ganz andere Darstellung des Zwi­schenfalls. In Moskau hat das nun zur Folge ge­habt, daß die kriegerischen Töne gegen Japan und die Mandschurei in den letzten Wochen noch ver­stärkt wurden. Ernst erscheint die Lage auch durch die ganze Reihe von Vorgängen, die dieser Zwi­schenfall im Gefolge hatte. Moskau hat Ausweisun­gen von Japanern aus Wladiwostok (in der Über­setzung:Beherrsche den Osten!") vorgenommen, die angeblich im Verdacht standen, Spionage im Fe- stungsgebiet getrieben zu haben. Worauf Man-

dschukuo den Befehl erteilte, daß seine Truppen bis hart an die Grenze der Aeußeren sowjet- russischen Mongolei vormarschieren. Moskau schloß sein Generalkonsulat in Mukden,dessen Weiterbestehen nicht mehr einer sachlichen Notwen­digkeit" entspreche. Tokio erklärte darauf, von der offenbar als Versuchsballon in Moskau aufge­tauchten Version eines bevorstehenden Besuches Litwinows in Tokio nichts zu wissen. Gleichzeitig werfen sich beide vor, an den blutigen Zwischen­fällen die Schuld zu tragen, nichts zu tun, um solche in Zukunft zu verhindern usw. Den Mos­kauer Wünschen auf Abschluß eines Nichtan­griffspaktes stellt Tokio die Notwendigkeit einer endgültigen Grenzfestfetzung gegenüber, von der wiederum Moskau nichts wis­sen will, und die Schlichtung der Zwischenfälle und aller sonstiger Streitigkeiten will Tokio von Staat zu Staat erreichen, während Moskau hier am lieb­sten seinen Apparat derkollektiven Sicherung" und derBestimmung des Angreifers" in Funktion setzen möchte.

So gehen zwischen Moskau und Tokio alle Wege auseinander. Und in diesen Tagen, in denen die fernöstliche Gefahr dem Kreml besonders groß erscheint, zittert er deshalb doppelt um die Ratifizierung in Paris. Durch den Völkerbundsein­tritt, die Annäherung an die Westmächte und die Feftlegunb in Europa hat es sich auf das Dreieck Genf-Parls-London eingestellt. In feiner zwischen- kontinentalen Lage erscheint ihm diese Politik nicht nur zu dem größtmöglichen Schutz in Europa und der Gewähr einer größtmöglichen Beteiligung an allen europäischen Angelegenheiten zu führen, son­dern auch eine Unterstützung und Rückenstärkung gegen Japan zu bieten.

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Nr. 48 Erster Blatt

186. Jahrgang

Mittwoch, 26. Zebruar 1956

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Nervosität in Moskau.

Don unserem ^.-Berichterstatter

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Moskau, 20. Februar 1936.

Seit jenem Tage, an dem Litwinow, von der Aussichtslosigkeit der Pariser Kulissengespräche und ihrer allzu weitgesteckten Ziele überzeugt, wie­der in Moskau auftauchte, herrscht im Außenkom­missariat Hochbetrieb. Diplomaten und hochgestellte Sowjet- und Parteifunktionäre kommen und gehen, und eine wichtige Besprechung jagt die andere. Der Draht nach Paris spielt unaufhörlich, und alle paar Minuten stürzen Boten mit Depeschen in das Zim­mer des Herrn Litwinow oder seiner Stellvertreter. Neue Aweisungen werden an den Botschafter Potemkin telegraphiert und neue Meldungen über den Fortgang seiner Verhandlungen mit Flan- din, über Empfänge, Besichtigungen und Frühstücke durch Tuchatschewski, aber auch über Veranstaltun- oen anderer Art so über Demonstrationen der Volksfront werden entgegengenommen und an den Diktator, an Stalin selbst, weitergegeben. Es herrscht eine nervöse Spannung ohne­gleichen. Auf den Gesichtern prägt sich die Frage aus: Wird die französische Kammer doch noch Schwierigkeiten machen?

Inzwischen kommen Berichte aus Tokio, aus Ulan Bator, aus Peking einer ernster als der andere.Japan hat eine mongolische Grenzstation besetzt. Es provoziert neue Zwischen­fälle mit Dutzenden von Toten. Bombenflugzeuge und Tanks treten in Aktion!" So und ähnlich kann man es in den Blättern lesen. Dennoch, heißt es weiter, wolle der japanische Außenminister H i - r o t a den Frieden. Er würde sich deshalb über einen Besuch des roten Außenkommissars, des viel- gereiften und gern reisenden, außerordentlich freuen... Ja, man könnte unter Umständen dabei sogar auch über den von der Union der Sowjet­republiken schon oft gewünschten Nichtangriffs­pakt reden sozusagen auf Probe, auf zwei drei Jahre... Noch war die Druckerschwärze in den Zeitungen aber nicht trocken, die über diese sensa­tionellen Nachrichten berichteten, da regnete es be­reits Dementis: Keine neuen Zwischenfälle, kein Nichtangriffspakt, keine Tokio-Reise Litwinows.

Es geht in diesen Tagen etwas durcheinander in dem Narkomindel, der Herrschaftsdomäne des Genossen Maxim Litwinow. Denn man ist sich klar darüber, daß die ganze Außenpolitik der Union, beten seit Jahren gesponnenes feingliedriges Netz in den letzten Wochen auch solche Faktoren zu um­schließen vermochte, die ihr bisher ziemlich ableh­nend gegenüberstanden, in der Pariser Kammer eine der größten Bewährungsproben zu be­stehen hat. Alles steht für Litwinow persönlich und für den Kreml auf dem Spiel! Wenn die Linie der auswärtigen Politik Moskaus sich e i n st nach Asien und dann wieder nach Europa orientierte, so haben wir es heute mit dem ersten ernsthaften Versuch zu tun, sich in Europa und Asien einzuschalten, zu sichern und sich dank der geographischen Lage auf beiden Kontinenten an die Spitze des Spiels um die Geschicke der Welt zu setzen. Frankreich soll durch den Vertrag an das Schicksal der Sowjetunion gebunden, zum Kettenhund Moskaus in Europa ge­macht, aber gleichzeitig soll es nach den Mos­kauer Rezepten von dessen Willensvollstreckerin, der Volksfront, zu einem erstklassigen Sprungbrett für d i e Ideen der Weltrevolution um­gestaltet werden.

Und während diese Volksfront mit Herriot, Cachin und Blum an der Spitze fieberhaft an der Durchführung der Aufgabe arbeitet, die Hauptstadt Paris mit einem sicheren Gürtel bolschewistischer Vororte, wie mit einem Netz kommunistischer Festungen zu umgeben, werden die Fühler von hier aus weitergestreckt und mit Vermittlung des neu gewonnenen Freundes, versteht sich auch di e Briten unter Feuer genommen. Meines Freundes Freund ist auch mein Freund", versuchte Litwinow in London klarzumachen, und der Hinweis auf diegemeinsame japanische Ge­fahr" soll an der Themse nicht übel gewirkt haben. Schließlich aber: Bietet nicht auch der glänzende Akkord mit Frankreich ganz andere Aussichten in Südosteuropa? Sind nicht von dort Anleihen zu erwarten, die man der Einfachheit halber gleich als fällige Rate für die dortigen kommunistischen Propagandazellen im Lande lassen kann? Ist nicht Deutschland umzingelt und derfaschi­stische Erbfeind" umringt? Wird nicht die imposante französische Wehrmacht in Zukunft stets als Schreck­gespenst gegen Berlin gebraucht werden, wird man nicht gewissermaßen jederzeit nach Belieben mit dem französischen Säbel gegen das Reich rasseln können? Und endlich: Die Hände, die man für Japan frei bekommt? Die britische Unterstützung, bie in Aussicht steht?

lieber den Rapallo- und über den B e r l i - Her Vertrag, der ja eigentlich auch ein Nicht- angriffspakt ist, setzt man sich ohne Zaudern hin­weg. Und Locarno? Gewiß hat man sich ver­pflichtet, den Artikel 16 eigenmächtig zu interpre­tieren, das heißt zu marschieren, wenn man es für notwendig hält, gewiß bedeutet das eine Vollmacht, jederzeit und nach eigenem Belieben auch gegen den klaren Sinn von Locarno zu handeln, aber gerade die gegenwärtige Lage im Fernen Osten hat ja gezeigt, wie unendlich schwer es ist, den wirk­lichen Angreifer feftzustellen. Um so eifriger muß jede Gelegenheit ergriffen werden, die sich bietet, um die Entscheidung darüber in die eigene Hand igu bekommen. .

Das sind die Argumente Moskaus und ferne 'Schlußfolgerungen. Das ist das, was für den

Militärputsch in Japan.

Truppen der ersten Division haben in Tokio zahlreiche Regierungsgebäude besetzt. Der Fmanzmmister und andere Politiker sollen ermordet sein.

London, 26. Febr. (DRV. Funkspruch.) 3n den heutigen frühen Morgenstunden veröffentlicht Reuter eine Meldung aus Schanghai, wonach in Tokio ein militärischer Putsch staltge- unden habe. Infolge der Zensur feien Einzelheiten bisher noch nicht bekannt. Es verlautet, daß meh­rere sehr bedeutsame politische Füh­rer, darunter der Finanzminister Takahaschi er­mordet worden seien. Der Kriegszustand oll nicht nur in Tokio, sondern in ganz Japan ausgerufen worden fein.

Reuter meldet aus Schanghai, daß der Militär­putsch von 3000 Mann des dritten Infanterie-Regi­ments der in Tokio stehenden ersten Division aus­geführt worden fei. 3m Morgengrauen des Mitt­woch besetzten sie das Regierungsgebäude, das 3 n n e n m i n i st e r i u m, die Wohnung des Ministerpräsidenten und des 3nnen- ministers und die P o! i z e i z e n t r a l e, nach­dem sie überall den Widerstand der Wache über­wunden hatten. Die kaiserliche Garde-Division ei angewiesen worden, die Aufständischen aus den »esehten Gebäuden zu vertreiben. Das Schick- al des Ministerpräsidenten Admiral O k a d a und des 3nnenministers G u st o fei ungewiß. Man ver­mutet jedoch, daß sie zum mindesten gefan­gen genommen, wenn nicht ermordet worden feien. Die erste Division, die sich an dem Aufstand beteiligt haben soll, habe kürzlich Marsch­befehl für die Mandschurei erhalten und ei mit scharfen Patronen ausgerüstet worden anstatt mit den vom 3nnenministerium gelieferten blinden Patronen.

Heue japanische Initiative auf dem Festland.

WasChina von demPutsch inTokio erwartet.

Aus Ranking läßt sich Reuter melden, daß die Rachrichten von einem Militäraufstand in Tokio in China starke Bestürzung hervorgerufen hätten. Man bezeichnet es als bedeutsam, daß der angeblich ermordete Finanzminister Takahaschi ein energischer Gegner der hohen Militär­haushalte war und sich daher bei den radi­kalen Elementen der Armee unbeliebt ge­macht habe. Man glaubt in Nanking, daß der Militärputsch in Tokio ein Vorzeichen für weitergehende Maßnahmen der ja­panischen Armee in Lhina und gegen Sowjetruhland fei. Man vermutet, daß es in Tokio zu größeren Unruhen gekommen fei. Die Effektenbörsen in Osaka und Tokio hätten ihren Geschäftsverkehr einge- st e l l t.

Telephonverbindungen mit Tokio unterbrochen.

Washington, 26. Febr. (DNB. Funkspruch.) Die Telephonverbindung San Franzisko Tokio ist unterbrochen. Der Transpazifik­dienst meldet, daß das Telephonamt m Tokio keine Verbindungen mehr her stelle. Ein Telephonbeamter in Tokio habe um 10.30 Uhr

ostasiatischer Zeit am Mittwoch erklärt, daß er nicht wisse, wann der Dienst wieder aufgenommen werden würde. Auf Anfrage in der japanischen Botschaft in Washington wurde mitgeteilt, daß man bis jetzt noch keine Nachricht über einen angeblich in Tokio ausgebrochenen Militärputsch habe. In London liegen bis zur Stunde eben­falls noch keine unmittelbaren Meldungen aus Tokio vor, da sämtliche Telephonverbindungen mit der japanischen Hauptstadt unterbrochen sind.

Rote Truppen stoßen nach Rordchina vor.

Auftakt zu einer großen Aktion Sowjet- rutzlands.

P e i p i n g, 25. Febr. (Oftafienbienft des DNB.) Am Montag wurden durch das Hauptquartier des Marschalls Pensischan in Taiyuanfu die schon seit Wochen verbreiteten Gerüchte über eine ernste Bedrohung der Provinz Schansi, der westlichsten der 5 nordchinesischen Provinzen, be­stätigt. Es wird zugegeben, daß der Widerstand längs des Nord-Süd-Laufes des Huangho teilweise zusammengebrochen ist. 6000 Rot arm i- ften überschritten den westlichen Grenzfluß Huangho beiderseits des 37. Breitengrades und drangen 45 Kilometer nach Osten v o r, wo sie Shihlou belagern. Man befürchtet weitere Angriffe großen Maßstabes auf der 150 Kilometer langen Front. Falls von den Angreifern größere Aktionen beabsichtigt werden, so ist zu erwarten, daß sie dabei den nationalen antiimperialistischen Standpunkt betonen werden, mit dem unter den heutigen Verhältnissen in Nord­china ein großer Anhang zu gewinnen ist.

Im Zusammenhang mit diesen Vorgängen erhal­ten die Studentenunruhen in Peiping und Tientsin, wo bisher über 100 Studenten und 2 Hochschullehrer unter dem Verdacht bolsche­wistischer Beziehungen verhaftet worden sind, ebenso erhöhte Bedeutung wie die Bauern Un­ruhen, die besonders im Süden der Provinz H o p e i ausgebrochen sind.

Die Auswirkung des Beistands­pakts in Wien.

Tokio, 25. Febr. (Ostasiendienst des DNB.) Das japanische Auswärtige Amt vertritt die An­sicht, daß die Ratifizierung des franzö­sisch-sowjetrussischen Beistandspak- tes die durch die aggressive Haltung der Sowjet­union erschwerte Lage im Fernen Osten roefent» 1 i ch verschärfen würde. Um eine Rücken­deckung durch Frankreich zu erhalten, habe die Propaganda Moskaus mit einem angeblichen deutsch-japanischen Bündnis gearbeitet. In Japan vertritt man die Auffassung, daß die Lage im Fer­nen Osten eine wesentliche Verschärfung erfahren würde, wenn Moskau unter Ausübung eines Drucks auf die äußere Mongolei feine Opera- t i o n 5 b a f i 5 nach Süden gegen Nord - china und nach Westen gegen Man- dfchukuo vorfchieben sollte. Die herausfor­dernde Haltung der Sowjetunion fei nur durch öie Entlastung im Westen z u erklären, die der Abschluß des Beistandspaktes zur Folge ge­habt habe. Unter Berücksichtigung dieser Umstände sei es notwendig, daß Japan an die Verstärkung seiner Kräfte in Nordchina und in Mandschukuo denke.

Soivjeliruppen im Herzen Europas."

Enthüllungen eines ungarischen Blattes.

Budapest, 25. Febr. (DNB.) Der liberale Pesti Hirlap" berichtet über den Fortgang der sowjetrussischen Rüstungsmaßnah- men in der Tschechoslowakei, die seit dem tschechoslowakisch-sowjetrussischen Militärbündnis ein­gesetzt hätten. Im tschechisch-ungarischen Grenz­gebiet sei der Ausbau modern st er Flug­häfen für die sowjetrussische Luft­flotte im vollsten Gange. Ueberall seien sowjet­russische Truppenabteilungen festgestellt worden. Man bemerke an verschiedenen Orten große B a - rackenanlagen, in denen sowjetrussische Truppen unter gebracht seien. Die Baracken würden durch sowjetrussische Wachmannschaften streng abgesperrt. Derartige sowjetrussische Baracken­lager seien in der Nähe der bekannten Bäder Trencsen-Teplitz und Pistyan errichtet worden. An der tschechoslowakisch-ungarischen Grenze würde Tag und Nacht an dem Ausbau von Betongrä­ben gearbeitet. Ueberall würden große Truppen­übungen abgehalten. Die ungarische und slowa­kische Grenzbevölkerung sehe mit Entsetzen sowjet- russische Truppen im Herzen Europas auftauchen, die in aller Oeffentlichkeit Vorbereitungen für einen kommenden Krieg träfen. Das Blatt berichtet weiter, daß die tschechoslowakische Rüstungsindustrie gegenwärtig ü derbe-

schäftigt fei, da nach Anweisung des französi­schen Generalstabes die tschechoslowakische Armee gegenwärtig motorisiert werde.

Moskaus Doppelspiel.

Gleichzeitig Verbündete und Feinde des Westens.

London, 26. Febr. (DNB. Funkspruch.) Die Morning Post" weist in einem Leitaufsatz darauf hin, daß der Kommunismus die treibende Kraft hinter der neuen spanischen Regierung sei. Man müsse sich an die Worte Brodskis erinnern:Spa­nien kommt als nächstes Land dran!" Die schreckliche Gefahr des Kommunismus beun­ruhige nicht nur Spanien, sondern die ganze übrige Welt. Die Sowjetunion erhebe Anspruch darauf, in die Gemeinschaft der Nationen einzutreten. Die fran­zösische Republik wolle sogar mit mehr Vertrauen als klug erscheine einen Vertrag mit Räterußland abschließen. Dennoch betreibe Sowjetrußland noch überall seinen Plan einer roten Revo­lution. Heute sei es in Spanien, gestern war es in Südamerika. Die kommunistische Wühlarbeit i n Südwales und an anderen Stellen Englands sei

Kreml auf dem Spiele steht. Und wenn die Schwie­rigkeiten, die die Kammer im letzten Augenblick, sozusagen fünf Minuten vor zwölf, noch macht, im Moskauer Außenkommissariat einige Verwirrung geschaffen und die amtliche Presse nervös gemacht haben, so zweifelt man in Moskau doch ehr­lich gesagt nicht, daß der Vertrag ratifiziert wird. Denn nicht deshalb hat man Laval so an­gefeindet und auf feinen Sturz hingearbeitet, um den Vertrag unter feinem Nachfolger ablehnen zu lassen! Und wenn Tuchatschewski nach seiner Ab­reise aus Paris äußerte, er sei von dem Ergebnis seines Besuches in jeder Beziehung hoch befriedigt, so dürften sich diese Worte nicht nur daraus be­ziehen, was man dem stellvertretenden Kriegskom- missar in Paris von den französischen Rüstungen vorgeführt hat.

Man zeigt Paris mit jeder Aeußerung und in jeder Phase der Auseinandersetzung, daß man sich doch eigentlich schon zu weit aneinander gebunden habe, als daß cs noch ein Zurück gäbe. Nur ganz im Geheimen, im stillen Kämmerlein dcs nach allen Richtungen hin wohl gesicherten Kreml taucht wohl noch einmal die Befürchtung auf, was werden soll, wenn der Ratifizierungsantrag nicht mehr schnell genug durchgepeitscht wird, wenn insbesondere die dem Senat zur Verfügung stehende Zeit nicht aus­reicht und inzwischen die französischen Wahlen stattfinden müßten. Aber trotz der zunehmend ernst klingenden Nachrichten aus Paris glaubt man, wie gesagt, vorläufig nicht an die Möglichkeit einer Ab­lehnung. Man will nicht daran glauben, weil man den Vertrag braucht! Denn das japanische Feuer brennt auf den Nägeln.

Es wird, wenn diese Zeilen noch gedruckt werden, im Fernen Osten vielleicht ein neuer Versuchsballon aufgestiegen (wie der von der Tokio-Reise Litwi-