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NSG. Der kürzlich erschienene ArtikelFerngas im Rhein-Main ° Gebiet', dem in der gesamten Presse die größte Beachtung entgegengebrocht wurde, sand in der Berliner Börsenzeitung vom 2. November 1936 eine Erwiderung, die eine entsprechende Würdigung verlangt:

Ost findet man es heute, daß der Gegner bei einem Angriff, um seine einwandfreie Haltung gegenüber Partei und Staat zu beweisen, sich auf Mitglieder der Partei, ihr Schrifttum oder ihre Presse und deren Urteil beruft. Dies ist immer ein Zeichen, daß der so Angegriffene sich unsicher fühlt, meist deshalb, weil doch das neue Denken noch etwas ungewohnt ist. Hier soll demWestdeutschen Korre­spondenten" der Berliner Börsenzeitung ein Ar­tikel derDeutschen Volkswirtschaft (nationalsozialistischer Wirtschaftsdienst)" die erfor- derliche Hilfsstellung leisten, ein Artikel, der ja zwar inzwischen durch das Verhalten der Ferngas- erzeuger im Rhein-Main - Gebiet überholt und hinfällig wurde, der aber immerhin in einer nationalsozialistischen Zeitschrift erschien, also geeig­net ist, zur Tarnung der eigenen Unsicherheit und der eigennützigen Wünsche und Ziele zu dienen.

Erstaunlich ist die Feststellung, daß nach Einfüh­rung von Ferngas dieGemeinde-Gas- werke zur wirklichen Rentabilität" kommen können; denn sie haben ja jetzt nicht mehr Saisonspitzen für die Industrie zu lie­fern, sondern können sich nach der Meinung des Verfassers dann ihrer eigentlichen Aufgabe, der Belieferung der Haushalte widmen und diese zu billigen Preisen beliefern. Andererseits aber sollen sie ja auch als Reserve einige Sätze vorher wurde dies mit der Miene des Biedermannes versichert erhalten werden. Man weiß dabei nicht, was bei dieser Argumentation mehr zu bewundern ist: das sachverständige Unvermögen, die beispiellose UnlogU ober der Versuch einer Irreführung der

Wenn man das so, wie es gewünscht wird, liest, so muß man schon sagen, Partei und Staat haben in den letzten Jahren auf diesem Gebiet völlig ver­sagt. Schon längst mußte Ferngas bei, um die Ge­meinde-Gaswerke rentabel zu gestalten und insbe­sondere die Preise für Haushalt-Gas zu senken. Un­verständlich wäre nach den Ausführungen desWest­deutschen Korrespondenten" insbesondere das Ver­halten vieler Gemeinden des Ruhrgebietes und des­sen Umgebung, die zwar in nächster Nähe der Quelle all dieses Glücks Ferngas liegend, sich stand­haft allen Lockungen gegenüber taub zeigten deshalb, weil diese Argumentation falsch und wohl bewußt falsch ist.

Gemeinnützige^ Methoden.

Es ist schon so, daß die Gemeinde-Gaswerke nicht nicht nur a u f den Absatz an d i e Großab­nehmer angewiesen sind, sondern daß die­ser Absatz den Werken überhaupt die Möglichkeit gibt, Haushalts-Gas zu annehmbaren Preisen liefern zu können. Ein Wegfall dieser Belieferung der Großabnehmer gewährleistet eben nicht die Rentabilität, sondern stellt sie restlos in Frage. Nicht eine Verbilligung ist die Folge, son­dern es wird so sein, daß die Werke alle Mühe haben werden, die Preise im Interesse der breiten Masse der Verbraucherschaft auf der gegenwärtigen Höhe zu halten. Dies wird um so schwerer sein, als ja die großen Werke als Kraftreserven für den Fall der Störung oder des Ausfalls der Ferngasversorgung erhalten werden sollen. Die Erhaltung der Werkskapazität geht selbstver­ständlich dann auf Ko st en der Gemeinden, die Vorteile genommen und Aufwendungen und Nachteile zugeschvben erhalten, die im Ergebnis d i e breite Masse der Kleinverbraucher belasten, während die Ferngaslieferanten unter zielbewußter Abwälzung dieses Risikos sich die Großabnehmer, die am wenigsten belasten und den meisten Umsatz aufweisen, wie die Rosinen aus dem Kuchen herauspicken: ein Verfahren, das die Fern­aaserzeuger alsgemeinnützig" hinzustellen belie­ben.

Dieser, ohne den Versuch einer Beweisführung vorgetragenen Behauptung, daß die Werke in ihrem Bestand nicht gefährdet seien, müssen die Vor­gänge in der benachbarten Pfalz ent­gegengehalten werden. Dort hat man es verstan­den, unter der Parole, dem Saarbergbau da­mit zu helfen, trotz aller entgegenstehenden Gut­achten, Ferngas einzuführen und verschiedentlich örtliche Werke damit st i l l z u l e g e n. In diesem Zusammenhang sei auf ein Gutachten derVer­einigung der Fabrikanten im Gas- und Wasser­fach" vom Juli 1936 verwiesen, das als bisheriges Ergebnis der Ferngasausdehnung die Stillegung vonnur" 65 örtlichen Werken feststellt. Dabei stehen wir aber erst am Beginn dieser von den Ferngaslieferanten getriebenen Entwicklung.

Typisch für die Argumentationen der Gegenseite ist der Hinweis auf dengroßen Vierjahres- v l a n mit seiner gewaltigen Kraftanstrengung", Die es eigentlich veroiente, die Fragen der Fern­gasbelieferung überhaupt kritisch anzutasten. Es gibt wohl kaum eine Zeitfrage oder'ein Argument aus dem politischen Leben unserer Tage, das nicht schon als Waffe in kühnem Angriff der Ferngas­lieferanten gedient hätte: je nach der Zweckmäßig­keit im Augenblick beruft man sich auf Arbeitsbe­schaffung oder wehrpolitische Notwendigkeiten, Not­lage des Bergbaues oder Rückgliederung der Saar, Energiewirtschaftsgesetz oder Führerprinzip, Aus­fuhrförderung oder Devisenbeschaffung und ähn­liche schöne Argumente, die zwar fehl am Platze, aber z u T a r n u n g s z w e ck e n durchaus ge­eignet sind, ja, man ist vielleicht aus ernster Ueberzeugung von der Größe der eigenen, nicht unrentablen Aufgabe so kühn, man kann es auch anders nennen, sich auch einmal gelegentlich als Beauftragten des Führers zu bezeichnen.

Keine Senkung des Gaspreises.

Man behauptet die Durchsetzung der Ferngas­versorgung liege im Interesse der Gesamt­heit. Wir lassen uns gerne belehren und er­

kennen gerade bei der Wirtschaft gerne an, wenn reines Profitstreben dem Gesetz der Bewegung: Gemeinnutz geht vor Eigennutz" weicht. ' Wir hären das wohl oft, doch die Erfahrungen in der Ferngasfrage sehen anders aus, so daß wir all diesen Beteuerungen gegenüber sagen müssen: Uns fehlt der Glaube. Man muß leider fest­stellen, daß niemals grundsätzlich eine a l l- gemeine Verbilligung des Gaspreises auch nur andeutungsweise versprochen worden wäre. Die Ferngaserzeuger haben in echt liberalistischer Weise die Bedingungen und Preise im Einzelfall herausgeholt, die eben herauszuholen waren. Außer­dem ist zu bemerken, daß man gerade in unserem rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet unter an sich sonst gleichen Bedingungen von feiten der Fern­gaslieferanten verschiedene Preise gefor­dert hat. Aehnliches gilt für andere Gebiete des Reiches.

Weiterhin ist folgendes festzustellen: Fast überall ist der Hüttenkoks wesentlich teurer als Gaswerkskoks, der durch die Stillegung der Gemeindewerke immer mehr verdrängt wird. Noch nie war aber von einer entsprechenden Ver­billigung der Kokspreise die Rede. Außerdem hat man noch nie dazu Stellung genommen, wer den Gemeinden die in den stillgelegten Werken ver­lorenen Anlagewerte ersetzen soll, wer für die arbeitslosen Fachkräfte dieser Werke sorgen und wer den Städten die erheblichen Ein - nahmeverluste ausgleichen soll.

Und schließlich wurde noch nie von den Fern­gaslieferanten die Bereitwilligkeit erklärt, d i e Kosten der betriebsfähigen Erhal­tung der großen Werke restlos zu über­nehmen.

All diese noch jederzeit zu ergänzenden Fest­stellungen zeigen, daß man zwar von Allgemein­interesse redet, aber noch so handelt, daß eine andere Vermutung berechtigter erscheint. Gerade das Verhalten der Ferngaserzeuger in der Praxis und insbesondere in unserem Rhein-Main-Gebiet, das sogar von Berliner amtlichen Stellen in schar­fer Form gerügt werden mußte, zeigt, daß man leider noch weit davon entfernt ist, so zu denken und so zu handeln, wie wir es heute und insbesondere auch im Rahmen des Vierjahres­planes von allen Stellen der Wirtschaft verlangen müssen. Man muß verlangen, daß dasFür und Wider" nicht nur vom eigennützigen Standpunkt der Gegenseite, sondern vom Standpunkt der Allgemeinheit geprüft und entschieden wird. Und man muß fernerhin verlangen, daß man sich auf der Gegenseite an Verhandlungsmethoden ge­wöhnt, die nicht an Machtkämpfe der Vergangen­heit erinnern, sondern den Gewohnheiten unse­rer Zeit entsprechen.

Folgt man dieser Anregung, so wird es leicht möglich fein, die bisher widerstrebenden Interessen der Ferngaserzeuger und der Gesamtwirtschaft unseres Gebietes miteinander in Einklang zu bringen.

Mussolini beim Fechten.

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Die in Rom weilenden deutschen Schriftleiter wurden vom Duce selbst durch die Akademie für Leibes­übungen im Forum Mussolini geführt. Mussolini trat persönlich zum Kampf gegen seinen Fechtmeister an. Im Hintergrund, hinter dem Bildberichterstatter, Reichspressechef der NSDAP. Dr. Dietrich (in SS.-Uniform). (Associated-Preß-M.)

Aus aller Welt.

Siebenjähriger Junge als Lebensretter.

In St. Goarshausen spielte ein vierjähriger Junge am Rhein und stürzte dabei ins Wasser. Diesen Vorfall beobachtete ein sieben Jahre alter Knabe, der sofort dem Ertrinkenden zu Hilfe eilte und ihn aus den Fluten rettete.

Aufregende Verbrecherjagd in Kassel.

Die Bewohner der Kasseler Altstadt erlebten die­ser Tage ein aufregendes Schauspiel. Ein der Kriminalpolizei seit fahren bekannter Einbrecher versuchte sich seiner Festnahme durch die Flucht zu entziehen. Es gelang ihm auch, die Straße zu er­reichen. Nun folgte eine atemraubende Verbrecher­jagd durch die Straßen der Altstadt und über die Dächer. Obwohl sich zahlreiche Volksgenossen an der Verbrecherjagd beteiligten, gelang es dem Flüchtenden, sich längere Zeit dem Zugriff der Kriminalbeamten zu entziehen. Bei dem Versuch, vom Dach eines Altstadthauses aus in ein darunter­liegendes Fenster zu gelangen, stürzte er in die Tiefe eines Hofes. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod feststellen.

Schwerer Zugzusammensioß unweit von Brünn.

Der aus Brünn kommende Schnellzug stieß in der 45 Kilometer von Brünn entfernten Station Leto- vice mit einem rangierenden Güterzug zusammen, wobei vier Personen den Tod fanden. Unter den Toten befindet sich auch ein Deutscher namens Kramer aus Dresden. Weiter wurden der Schlafwagenschaffner aus Prag und ein Reisender aus Groß-Diosek getötet. Der Lokomotivführer des Güterzuges starb während der Ueberführung ins Krankenhaus. Sieben Personen, darunter der Lo­komotivführer des Schnellzuges, wurden mit Ver­letzungen ins Krankenhaus gebracht.

©er Contwiger Mord vor den Geschworenen.

Seit einem Jahre beschäftigt man sich in der Pfalz mit der furchtbaren Mordtat, die in der Nacht zum 18. Oktober 1935 an dem Metzger B i ß- bort aus Contwig verübt worden ist. 2)as Ver­

brechen wurde auf eine Art ausgeführt, die an Scheußlichkeit nicht zu überbieten ist. Obwohl die Mörder, die 30 Jahre alte Ehefrau des Ermorde­ten, Anna B i ß b o r t, ihr 46 Jahre alter Schwa­der Christian Riechmann und dessen Ehefrau Lina Riechmann, nach dem Verschwinden des Biß- bort die Nachricht verbreiteten, daß dieser auf der Arbeitssuche sei, wollte das Gerücht nicht verstum­men, daß ein Mord verübt worden sei. Man wußte von dem zerrütteten Familienleben der Eheleute Bißbort und auch davon, daß die Ehefrau Bißbort mit ihrem Schwager Riechmann ein enges Verhält­nis unterhielt, von dem die Ehefrau des Riechmann nichts wußte. Riechmann soll schon früher Frau Bißbort veranlaßt haben, ihren Mann zu beseitigen. Man einigte sich dann auf den in der Nacht zum 18 Oktober 1935 ausgeführten Plan, an dem Riech- mann, dessen Ehefrau und Frau Bißbort beteiligt waren. Ahnungslos legte sich Bißbort mit seiner Frau und seinem Kinde schlafen. Auf ein Zeichen der Ehefrau Bißbort kamen Riechmann, der sich mit einem Messer bewaffnet hatte, und seine Ehefrau in das Zimmer. Riechmann schnitt dem wehrlosen Biß­bort die Halsschlagadern und die Kehle durch, wäh­rend die Ehefrau des Riechmann die Beine des Ermordeten festhielt. Bißbort war sofort tot. Den Körper verbrannten die Mörder dann im Backofen. Der Prozeß gegen die Mörder begann jetzt vor dem Schwurgericht in Zweibrücken. Riechmann erzählte mit grauenerregender Kaltblütigkeit, daß der Plan von allen dreien durchgesprochen worden ist, sogar mehrfach. Dann wurde die Angeklagte Anna Bißbort vernommen. Ihr Vater, ein Trinker, endete durch Selbstmord. Die bis in ihr Kindesalter zu­rückreichenden intimen Beziehungen zu Riechmann bestätigte sie, desgleichen die Abtreibungen. Ihre Angaben machte sie gleichfalls fließend und ohne jede Erregung. Die Angeklagte gab eine eingehende Schilderung der Mordnacht. Den Mord selbst habe sie nicht mit ansehen können, und sie sei deshalb auf den Gang gelaufen,bis alles erledigt mar". Der ermordete Bißbort wird allseitig als braver, anständiger Mensch geschildert, der seine Frau über alles liebte. Die Verhandlung geht weiter.

Ist England bekehrt?

Wenn der bekannte Deutschenhasser und Lügen« fabrikant Wickham S t e e d augenblicklich versucht, auch in England so etwas wie eine Volksfront zustande zu bringen, so konnte er sich für dieses aus­sichtslose Unternehmen kaum einen ungeeigneteren Zeitpunkt auswählen. Alles, was in der Politik irgendwie einen rötlichen Schein hat, stößt auf Öen britischen Inseln gegenwärtig auf heftiges Miß­trauen. Die sich ständig verschlechternde Stimmung gegenüber allen marxistischen und kommunistischen Experimenten wird jeden Tag aufs neue genährt durch die Greuelnachrichten aus dem roten Spa­nien. Die britische Presse, die anfangs nahezu aus­nahmslos hinter dem Madrider Regime stand, ist, mit Ausnahme der Labour-Blätter und der Juden­gazetten allmählich dazu übergegangen, ihren Le­sern die spanischen Berichte unfrisiert und schmucklos vorzusetzen.

Die antikommunistlsche Stimmung ist außerdem in den letzten Tagen noch erheblich verstärkt worden durch den roten Justizskandal von Nowosibirsk, wo man unter lächerlichen und völlig haltlosen An­klagen den deutschen Ingenieur Stickling zum Tode verurteilte. Die allgemein zu beobachtende Abnei­gung der englischen Oeffentlichkeit gegen die Me­thoden der Sowjetregierung paßt an sich nicht zu dem außenpolitischen Konzept des Foreign Office, in dem bislang die Sowjetunion einen überaus wichtigen und positiv zu bewertenden Faktor bar« stellte. Die Leiter des britischen Außenamtes stan­den also vor der kniffligen Frage, wie sie ihre welt­politischen Pläne mit der Volksstimmung in lieber» einftimmung bringen könnten, und es ist nun über­aus interessant, zu beobachten, wie die englische Re­gierung sich langsam und vorsichtig zu einer neuen Anschauung der Dinge durchzuringen scheint.

Wir haben in den letzten Tagen eine Reihe von englischen Aeußerungen aus verantwortlichem und unverantwortlichem Munde vernommen, die mit der gebotenen Bedachtsamkeit die Möglichkeit eines Stellungswechsels vorbereiten. In Madrider, Pa­riser und Moskauer Ohren freilich mußte es schon wie ein Donnerschlag wirken, als Außenminister Eden im Unterhaus erklärte, daß nach feiner Meinung in der Einmischung andere Regie- rungen eine größere Schuld trügen als diejenigen Deutschlands und Italiens. Nun ent­spricht zwar diese Schuldverteilung weder den Tat­sachen noch unserer Ansicht über diese Tatsachen, aber, von London aus gesehen, bedeutete das Eden- Wort immerhin einen erheblichen Fortschritt der Erkenntnis. Denn hier wurde zum ersten Male eine amtliche Auffassung von der sowjetrussischen Politik erkennbar, die man bisher in den offiziellen bri­tischen Auslassungen vergeblich suchte. Aber nicht nur in der spanischen Angelegenheit, sondern auch in der Westpakt - Frage und damit zusammen­hängend in der Frage der europäischen Friedens­organisation überhaupt hat sich der verantwortliche Leiter der britischen Außenpolitik zu einer Revision, zumindest aber zu einer Präzisierung der englischen Verpflichtungen bekannt. Nach typisch britischer Methode hat er dabei nach beiden Seiten hin Be­ruhigungspillen verteilt. In Paris wurde es mit großem Jubel ausgenommen, daß nach Edens Er­klärung die britischen RÜstungen zur Verteidigung Frankreichs und Bel­giens gegen einen nicht herausgeforderten An­griff dienen sollen und daß dieselbe Beistandsoer- pslichtung für Deutschland nur wirksam werde, falls der neue westeuropäische Vertrag zustande komme. Im übrigen erkannte Eden außer für den Irak und für Aegypten eine bindende Beistandsoerpflichtung Englands nicht an. Die britische Wehrmacht wird künftig der Automatik der Genfer Satzungen nur dann gehorchen, wenn es den Engländern an­gebracht erscheint. Eine automatische Verpflich­tung Englands für militärische Aktionen in Gebie­ten, in denen seine Lebensinteressen nicht berührt werden, stritt Eden rundweg ab.

Diese klare Einschränkung der kollektiven Sicher­heitsthese ist zweifellos unter dem Eindruck der herausfordernden Jnterventionspolitik Moskaus erfolgt. Man hat wohl inzwischen auch in den Diensträumen von Downingstreet einaesehen, daß die bolschewistische Anschauung von Frieden und Sicherheit nicht mit der Genfer Theorie und noch weniger mit den britischen Absichten auf einen Nenner zu bringen ist. Was aber die hohen Beam­ten im Außenamt erst zart und zögernd anzudeuten wagen, das wird in den Spalten der ernstzuneh­menden Presse bereits unverblümt ausgesprochen. DerDaily Telegraph" beispielsweise schreibt: Eine ähnliche Garantie wie in Westeuropa kann für die Grenzen in Osteuropa nicht gegeben wer­den ... Niemand, der sich die Mühe nimmt, einen Atlas zu öffnen und die Grenzlinien zu betrachten, die jetzt zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer gezogen sind, kann behaupten, daß ihre un­veränderte Aufrechterhaltung ein lebenswichtiges britisches Interesse sei. Nachdem man dies zugegeben hat, folgt weiter, daß die britische Politik es ab» lehnen muß, England zu einer automati­schen militärischen Aktion in einem ost­europäischen Krieg zu verpflichten."

Noch deutlicher wird Garoin inzO b s e r v e r", der die Mißachtung des völkischen Selbstbeskim- mungsrechtes durch die Grenzziehung der Friedens­diktate tadelt und der England davor warnt, irgendwie die Sowjet bündnisse mit Paris ober Prag zu begünstigen.

Marvin schreibt:Dieser tschechisch-sowjetrussische Pakt ist der wahre Bazillenträger in der europäischen Politik. So jämmerlich fehlgegriffen und schlecht berechnet das neue französisch-sowjet­russische Militärbündnis auch sein mag, es hätte als solches sich nicht voll auswirken können. Die Gren­zen des Deutschen Reiches und der Sowjetunion wären durch die dazwischen liegenden Länder auf einem weiten Raum getrennt worden. Die selbst­mörderische Staatskunst von Dr. B e n e s ch hat alles umgedreht. Prag ist der Schlüssel für Moskau geworden. Die Tschechoslowakei, deren wurstartige Ausdehnung wir beschrieben haben, wurde ein Korridor von 900 Kilometer, durch den Rußlands Luftflotte im Kriegsfälle nach

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