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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen

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Durch das schöne Weserbergland

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Wilhelm Hauff, der Märchendichter, Lenau und Matchisson, Mörike, Rückert und Tieck, Uhland und Franz von Baader, Gmelin, Görres, Friedrich List, Schelling, Schleiermacher, Schubert, David Strauß, Vischer, Ludwig Richter, Juliane Krüdener ... welch herrliche Folge erlauchtesten deutschen Geistes. Schau nur ins Land, hier ist wahrhaft die deutsche Seele in eine Form geflossen, und ihr stetes Gehen von Gott her und hin tönt dir unenträtselbar aus dem melodischen Singen des Windes, das das Herz nur erahnend deutet.

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Wie wir vor einer schmalen Stunde noch dort oben saßen und lauschten, so saßen sie alle dort oben und huldigten der blauen Blume. Die Poesie wuchs in ihrem Herzen, sie sannen dem Epos Weibertreu nach und den Dingen, die wir Ewigkeit und Gott und Mensch nennen. Die Romantik sang und philosophierte, malte und war selbst dies Singen des Windes in schwingenden Saiten auf dem Söller von Schwabenland.

Die Namen sind eingemeißelt droben, dazu ein paar Verse und die Noten des Kuckucksrufs, e-cis. Fouqus und Freiligrath, Geibel, Anastasius Grün,

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Warum fahren die Menschen alle die Geis­linger Steige hinunter, ohne zu halten? Es aibt nichts Erregenderes als diese kurze Strecke Land, weil hier zweierlei Arten zu denken, zwei Seelen schon in der Landschaft gegeneinanderliegen und der formgebundene Bayer sich in die mystische Freiheit des Schwäbischen verliert. Steil ist das Tal eingeschnitten; mit unwiderstehlicher, sanfter Gewalt leitet es hinunter in die seligen Gefilde neckarwärts. Die Wiesen und Aecker, die Weinhänge und Hügel, gerundet und nur wenig erhöht, sie beginnen von innen heraus zu leben; man spürt, daß sie sind wie eine Frucht mit dünner Haut und darunter einer schweren Reife.

Hat diese Landschaft ein Ende? Sie ist wie das Weltall, geschlossen und ruhend in sich, und doch nicht abzuschreiten. Ein Garten ruht und atmet, vom einen Horizont zum anderen, schwellend in der einzigartigen Verschmelzung von feindlichsten Din­gen zu prachthaltender Harmonie. Tausendfältige Spannung zittert überm Schwäbischen dahin, zittert so fein und dicht, daß sie fast wie Ruhe erscheint. Erst wenn man von Geislingen her dieser Span­nung sich ausgeliefert hat und plötzlich jenen run­den, einkuppigen Berg rechter Hand sieht, auf dessen halber Höhe ein rotdachiges Dörflein ruht, dann überfällt es einen: tausendjährige deutsche Geschichte wird angerührt wie mit einem Zauber­stabe, und alles, was durch deutsche Kaiser geschah in jenen mittelalterlichen Zeiten, in Rom und Mai­land, in Sizilien und im Heiligen Land, wird so einfach wie ein Geigenstrich: denn jener Berg ist der ©taufe n.

Don hier ritten sie hinab in die Neckarsenke und weiter an den Bodensee, hier sahen sie alle Spannungen der Harmonie trieben ihr Blut das Uebersinnliche über dem Land und die Ferne und das Begrenzte in einem, und sie begriffen im Her­zen, daß auch das Weiteste nichts fein konnte, das nicht schon in dieser Landschaft erfahren ward.

Da liegt Wimpfen über dem Neckar. Am Rathaus prangt das hessische Wappen; Gott weiß, aus welchem Anlaß diese uralte Stadt an Hessen qeriet. Hoch auf einem langen Felsen steht sie da md schaut auf das weite Land, der Neckar fließt tief unten, die Sonne scheint hinein und läßt ein Stückchen himmlischen Goldes in das unsichtbar rasch strömende Wasser fallen. Der Horizont ist ganz weit hinausgerückt; viel Land liegt zwischen ihm und Wimpfen. Ganz tief unter dem Neckar aber liegt Salz, stromauf und stromab; es ist, als sei das Meer, das vor Hunderttausenden von Jah­ren hier war, in die Erde geflossen, ganz stark und konzentriert, damit noch eine Spannung mehr, eine neue Harmonie das Land befruchte. Wer baute zuerst auf diesem Fels? Lange versunkene Völker, Kelten und Römer, Germanen dann. Noch stehen die Kaiserpfalz und eine romanische Fenster­reihe aus Säulen, zwischen denen, sanft begrenzt, der Blick m die erregende Ferne ging. Noch stehen die gotischen Häuser und die Türme und Wehre. Aber der große Krieg um den Glauben hat Wimp­fen geschlagen und seine Wurzeln zerstört. In die­sem Land ist die Frömmigkeit sehr tief und der Glaube sehr stark, weil er aus jeder Handvoll Erde dringt. . .

Goldener Wein blinkt im Glase, über das,weite Land gleitet ein Falke dahin.

*

Als Kaiser Konrad der Staufer die Burg Weinsberg eroberte, verhieß er den Frauen, daß sie das Kostbarste, was sie hätten, mitnehmen dürften aus der Burg. Als der Zug der Frauen aus dem Burgtor hervorkam, da trug eine jede ihren Mann auf dem Rücken. Seitdem heißt die Burg Weibertreu.

Vielleicht, daß darum Burg Weibertreu noch ein­mal em geistiger Pol Deutschlands wurde und das Schicksal Justinus Kerner gerade in den Weins­berger Flecken setzte. Verfallen lag die Burg, die der Bauernkrieg vernichtet, nur der Zwinger war da und der Söller darüber. In diesem Söller geigte der Wind, geigte über Aeolsharfen, leise, sehnsüch. tig, erschreckend, hauchend, unirdische Töne, brachte Saiten zum Schwingen und Tönen und spielte un­ergründlich seltsame Weisen, spielt sie Tag und Nacht bis zur heutigen Stunde.

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nicht viele Worte, doch sie hält fest. Tragen die Menschen an der Weser das Herz auch nicht auf der Zunge, so hat ihr Gemüt doch tiefen festen Grund.

Die Weserstädte mit ihren Burgen und Hellen Herrensitzen sind klein geblieben. Aus dem Hochwald des Solling blieb in versteckten Dörfern mancher Dolksbrauch, und im Schaumburgischen trägt man zur Tracht noch die reiche bunte Haube. Aber der Gewerbefleiß, im Fürstenberger Porzellan auf­klingend, forderte auch Planen und Wagen ins Weite. Vom Mittellandkanal schon überkreuzt, möchte die Weser der Donau einmal die Hand rei­chen, und vor über zweihundert Jahren schon träumte der Schöpfer Karlshafens, ein hessi­scher Landgraf, von einemMannheim" der Weser. Damals halfen hannoversche Regimenter der eng­lischen Krone das ferne Gibraltar gewinnen, bald danach kämpften Söhne des Wesergaues auf ame­rikanischem Boden mit. Heute will dieser urgerma­nische Stamm nur seiner deutschen Bestimmung leben.

Um die- Weser reihen sich auch Quellen von ur­tümlicher Heilkraft: das Stahlbad Pyrmont, Bad Eilsen, idyllisches Gehege von Kunst und Lebensfreude, Nenndorfs Schwefel, wo Lah­mende wieder sicher auf ihre Füße kommen, das berühmte Oeynhausen unter Wittekinds Bergen.

Bremen, die große Handelsstadt, hat feine Hanseatenfenster dem Weltverkehr zu gerichtet. Wo einst der Süddeutsche Wilhelm Hauff an nord­deutscher Flußmündung zwischen dem großen Rats­kellerfaß und seinen erlesenen Tropfen in bunten Phantasien schweifte, finden heute auch Bremer Ratsherren eine gemütliche Entspannung. Von Bremen bis Bremerhaven weicht letzte Romantik altertümlicher Markthäuser vollends dem gedehnten Horizont.

das nun Reichenhall ist, Wiesbaden, Helgo­land oder die weltferne Waldeinsamkeit eines Gast­hauses im Harz: Kein Bad, kein Städtchen, kein hübscher Platz im großen Deutschen Reich, zu dem nicht immer wieder dieselben Menschen kämen, um dort ihre Ferien zu haben. Der eine fährt schon dreißig Jahre in jedem Sommer nach Kreuznach; nach Kämpen kam Juli für Juli ein alter hanno­verscher Baron bis an fein seliges Ende; ich glaube, er war wohl fünfzigmal dort. Jeder wird ähnliche Fälle wissen, wenn er nickst gar von derselben Idee beherrscht wird.

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noch die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Stadt, vor allem das Deutsche Eck und die schönen Rheinanlagen zu betrachten.

Tageslouren Mischen Gießen und Marburg.

Gießen Krofdorf Fohnbachlal Wißmar Gießen.

Wir wandern die Krofdorfer Straße entlang, die uns durch die Senke zwischen Gleiberg und Wetten­berg nach unserem Nachbardorfe Krofdorf bringt. Hier treffen wir blaue Striche, die uns zunächst den Weg zeigen. Wir durchschreiten das freundliche Dorf in nordwestlicher Richtung und gelangen in das liebliche Fohnbackstal, eines der schönsten Täler unserer Umgegend. An einer der vielen Windun­gen, die immer neue Bilder ermöglichen, genießen wir einen hübschen Rückblick nach dem Gleiberg. In langsamem Ausstieg erreichen wir nach einiger Zeit die KrumbachWißmarer Straße, wo wir das Zei­chen und das Tal verlassen und uns rechts wen­den. Bald darauf überschreiten wir die Krofdorfer Straße und kommen in schönen Waldbestand, an dessen Ausgang sich uns ein prächtiger Blick über das Lahntal und die umliegenden Höhen erschließt. Wir steigen nun abwärts, kommen nach Wißmar mit guten Gasthäusern, überschreiten die Lahnbrücke und treffen beim Bahnkörper blaue Striche, die uns wieder zur Stadt leiten. Wegdauer etwa vierund­einhalb Stunden.

Friedelhausen Kuhmark Hachborn Frauenberg Warburg.

Von der Station Friedelhausen folgen wir zu­nächst dem H des Hessischen Rennwegs, das uns durch den wenig belebten Walddistrikt Kuhmark, teilweise gemeinsam mit roten Punkten führt. Wir kommen an dem von zwei Bäumen flankierten, von der Sage umsponnenen Heidekönigsgrab vorbei und treffen später blaue Punkte, die uns jetzt die Rich­tung angeben. Nach etwa zweistündiger Wanderung erreichen wir das stattliche Dorf Hachborn mit guter Einkehr. Unser Zeichen führt uns zumeist am Wald­rand entlang mit hübschen Blicken in den Ebsdorfer Grund in einer Stunde hinauf zum Frauenberg, einer 381 Meter hohen, von einer Burgruine be­krönten Basaltkuppe. Eine weite umfassende Aus­sicht bietet sich von dem Gemäuer der alten Burg, während zwei Gasthäuser am Fuße der Ruine gute Unterkunft gewähren. Zum Abstieg wählen wir blaue Striche, die uns in einer weiteren Stunde auf schönen Waldwegen nach unserem Endziel Marburg bringen.

Schwäbische Reise.

Von Wilfried Bade.

Wenn die Nacht herankommt, glüht um S t u 11 - aart ein wundervoller Zirkus von vielen tausend Lichtern auf; aus der Tiefe steigen die Lampen empor und kommen höher und höher; sie werden mannigfacher mit jedem Augenblick, ganze Hänge flammen auf und stehen übersät von leuchtenden Perlenschnüren, bis die Lichterprozession höhenau gewaltig anschwillt und über alle Grenzen des wei­ten Talrundes steigt, die Kämme selbst noch mit Glanz bedeckend.

Am Tage ernüchtert sich die Stadt und wird, im Bergkessel eingelagert, zur Stätte einer großen Geschäftigkeit, die Hochhäuser aufreckt und Fabriken, Handelszentren und immer gefüllte Cafäs mit brei­ten Veranden. In den Straßen braust der Verkehr, und der Hauptbahnhof ist wie ein riesiges Denkmal der modernen Zeit. Rund um die Stadt aber breitet sich, stark und sehr lebendig, das schwäbische Land aus, in dem Deutschlands Geschichte begann, aus dessen schwebender, ganz harmonischer Landschaft, die so ausgewogen ist, daß sie schon wieder nach­denklich macht, Deutschlands Dichter und Beter wuchsen.

Zwischen Rhein und Elbe scheint die Weser mehr Hintergrund zu sein. Aber einen Welthafen bildet auch sie, und von mehr als tausend Jahren ger­manischer Geschichte künden ihre Bergkastelle und abenteuerlichen Gemäuer. Aelter ist diese Geschichte als die der schnellwüchsigen Schwester Elbe. Die leichte Zeichnung der unablässigen grünen Hügel­wellen deckt viele verhaltene Spannungen aber auch niedersächsische Schalkhaftigkeit: verkörperte Ueberlieferung, irrlichtert sie um den Grabstein des Doktor Eisenbarth, des vielberufenen Wunderarztes, an der Kirche von Hannoversch- Münden, der dunkelgrün und ziegelrot gestrichenen Weser­wiege, und aus Münchhausens Lügengeschichten, die noch über dem Weserstädtchen Bodenwerder, dem Sitz des Freiherrn und tollen Aufschneiders, aufzublitzen scheinen. Zwischen beiden, im fluß- nahen Eschershausen, wurde Wilhelm Raabe geboren. Die zarten Linien, in denen er die kleinen Verschrobenheiten seiner liebenswerten Gestalten zeichnet, haben etwas von dem Duft der Wefer- ftimmung. Auch sie kleidet das Liebliche ungekünstelt in vollendeten Ausdruck.

Das Karolingische Fort Herstelle und Kloster Corvey, die geistliche und geisteskräftige Schöp­fung Ludwigs des Frommen, Alterssitz Hoffmanns von Fallersleben, des Sängers deutscher Einigkeit, das Waldgebirge des Süntels, wo die Sachsen ein­mal siegten, und Widukindsche Namenstradition um die Westfälische Pforte tragen die Spuren alter Geschichte. Auch jetzt werden Fremdlinge in der ersten halben Stunde noch nicht so heimisch wie etwa am Neckar ober am Main. Der Apfel­wein, der Gärten und Kellern entquillt, ist kein feuriger Rebenmost, aber an goldgelber Klarheit kann er, die Solidität selbst, mit jedem sich messen. Die altdeutsche Erbtugend Gastlichkeit macht hier

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Bad-Nauheim.

Gegen das Vorjahr hat sich die Zahl der Besucher weiter gesteigert. Diese günstige Entwicklung ist für das In- und Ausland vorhanden. Bis zum 7. Mai betrug das Mehr an Gästen 1100. Die Zahl der Aus­landgäste steigerte sich von 426 auf 511. Am Stichtag waren rund 2200 Personen davon 383 Aus- länder in Bad-Nauheim anwesend. Unter den Aus­landgästen befinden sich bekannte Persönlichkeiten aus dem politischen Leben und aus der Industrie. Trotz der frühen Jahreszeit sind bereits Nord- und Südamerikaner, Aftikaner und mehrere Gäste aus dem Fernen Osten, u. a. aus China, eingetroffen.

3n das untere Lahntal.

Erster Tag:

Nassau Ems (Lahnhöhemveg).

Mit Sonntagskarte Koblenz fahren wir das schone Lahntal abwärts nach Nassau. Nach Besichtigung des Steinschen Schlosses, der Stammburg des be­rühmten Staatsmannes, des Freiherrn vom Stein, und dem Steindenkmal folgen wir dem L des Lahn­höhenwegs. Sehr zu empfehlen ist die Benutzung des Lahnhöhenwegführers. Wir kommen über Mis­selberg, dann über Hof Mauch zur Kuselei, einem äußerst steil zur Lahn abfallenden Berg. Am jen- eitigen Ufer sehen wir Dausenau mit seinem schie- en Turm liegen. Am Schaumburgblick vorüber ge­langen wir über Hof Kirchheimersborn und Hof Neuborn an einem Stück Pfahlgraben, an den Resten eines Römerturms und am Wintersberger Hof vorbei zum Aussichtsturm des Wintersberges mit römischem Wachtturm und Wirtschaft. Unver­gleichlich schön ist von hier der Blick in die liefe, auf Ems, die Lahn und die gegenüberliegende ge­waltige Bäderlei. Aus guter Fahrstraße erreichen wir alsbald unser Endziel, das prächtig an beiden Ufern der Lahn gelegene Bad Ems, dessen mancher­lei Sehenswürdigkeiten, wie Kurhaus, Kursaal­gebäude, Parkanlagen mit dem Kaiserdenkmal usw. eine Besichtigung lohnt. Wanderzeit 4 Stunden.

5weiter Tag:

(Ems Lahnberger Hof Arenberg Ehrenbreitstein Koblenz.

Am Morgen des anderen Tages verfolgen wir zunächst auf dem rechten Lahnufer die Koblenzer Straße bis zum Dorfe Fachbach, hierauf rechts den Bach aufwärts und gelangen nach kräftigem Anstieg zum gastlichen Lahnberger Hof. Jenseits des Hofes geht Der Weg weiter aufwärts und teilt sich kurz vor dem Walde. Wir wählen den links führenden Pfad, der uns, meist durch Wald in Stunden nach Arenberg bringt. Da die Wanderstrecke größten­teils nicht markiert ist, ist es ratsam, auf dem Lahn­berger Hof Erkundigungen einzuziehen. Arenberg, auchRoter Hahn" genannt, ist ein vielbesuchter Wallfahrtsort, dessen Anlagen, der Kreuzweg mit 14 Stationen, der Oelberg und die Erlöserkapelle ehr sehenswert sind. Ueberaus schön ist der Blick von oben auf Ehrenbreitstein, auf Koblenz, das Mosel- und Rheintal. Der Abstieg nach Ehrenbreit- tein, der verschiedene schöne Aussichtspunkte bietet, erfordert auf guter Straße 3/( Stunden, kann jedoch durch einen Fußweg gekürzt werden. Von Ehren- breitftein benutzen wir zweckmäßig die elektrische Bahn nach Koblenz, um uns vor der Heimfahrt

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Sind diese Leute wirklich, wie man so gern sagt, komische Käuze? Ich glaube im Gegenteil, daß sie : zu den ernsten und klugen Menschen gehören. Menschen dieser Art haben weiter den leidenschaft­lichen Wunsch, an ihren Lieblingsstätten immer im gleichen Haus und, wenn irgend möglich, im gleichen Zimmer zu wohnen. Es brauchen nicht einmal Lieblingsstätten, es brauchen auch nicht allein Vergnügungsreisende zu sein: In den Klein- städten weiß jeder Gastwirt, wenn sich bei ihm all- , jährlich der gleiche Kaufmann meldet, um seine ; Kundschaft am Platz zu besuchen, daß er damit auch seinen gleichen Tisch zum Frühstück und sein gleiches Bett haben will. Dies Verlangen ist viel mehr als Gewohnheit: Menschen dieser Art sind wie Hirsche und Rehe, die ihren eigenen Wechsel haben. Sie handeln auf einen Befehl der Natur. Sie sind wie Kinder, die unermüdlich immer die gleichen Märchen erzählt haben wollen.

Man wird aber auch dies beobachten können: Jene, die aus unwiderstehlichem Drang immer den gleichen Kurort, dasselbe Bad oder Waldstädtchen besuchen, haben die Freude am Reisen im Blut. Sie sagen es nur der Einfachheit halber und aus einer bürgerlichen Verschämtheit, daß sie einen ein­zigen erkorenen Lieblingsplatz haben. Sie kennen viele andere solcher Feuerstätten, die sie sozusagen inkognito aufsuchen; sie wissen sehr gut um die Entdeckerfreude, sich von dem Liebreiz einer nie bisher gesehenen Ortschaft überraschen zu lassen. Für sie sind solche Erlebnisse Sache des Gewissens, und die Notwendigkeit des Wiedersehens mit einer liebgewonnenen Landschaft ist ihnen Verpflichtung. Sie kennen von Grund aus die seelische Wohltat des Reisens: Sie haben Sorgen wie andere Men­schen auch und werden geplagt von ihren Sorgen, die Sorgen laufen hinter ihnen her: Doch sie sind schlau. Sitzt man erst eine Viertelstunde in der Bahn, so hat die Meute der Sorgen die Spur ver­loren, man atmet tief auf und lacht vor sich hin. Solche Menschen reisen nur auch im Notfall des Nachts. Sie lesen auch nicht unterwegs. Sie machen auch ungern Bekanntschaften. Es ist ihnen span­nendes Erlebnis, stundenlang durch das Fenster den Flug der Bilder zu sehen und den Reichtum ihres Wechsels.

Dann kommen sie an: Am Tegernsee oder in Würzburg oder auf der Insel ihrer Träume. Viel­leicht ist es zunächst die einfach Freude des Wieder­sehens mit den Menschen dort, der stumme Gruß des altgewohnten Zimmers, der vertraute Blick aus dem Fenster. In Wahrheit ist diese Wiedersehens­freude tiefer. Es ist alles so, wie es früher war, und doch jedesmal ein bißchen anders. Ein noch so gut geschultes Gedächtnis behält beschämend wenig. Das fast Vergessene meldet sich:Schäm' dich, daß du an mich nicht gedacht hast". Und bann dies Gefühl: Das Altgewohnte ist funkelnd und schön, schöner denn je. Zum Haushalt unserer Ge­danken und zum Wohl unserer Seele gehört, daß wir in der Unerschöpflichkeit der Natur wenigstens einen Bruchteil so inbrünstig in uns aufnehmen, wie es Menschenkraft nur irgend erlaubt; denn mit jedem Tag wird die Welt neu geboren.

Ach, diese Menschen haben es gut. Sie sind eines Tages wieder zu Haus, die Sorgen sind wieder da, keine Woche vergeht, und die Sorgen kläffen wie früher. Es lohnt wahrhaftig nicht, .sich zu ärgern. Aber man denkt dann so, wenn man mit der Straßenbahn zum Dienst fährt, und die Ameisen im Rücken kribbeln: Jetzt legt der Dampfer in Meersburg an, und drüben leuchtet der Säntis. Oder man denkt am Mittag: Jetzt kommt der Post­halter in den Krug, er bestellt feinen Maßkrug Herzogliches Hofbräu, und das Mariele bringt frische Blumen auf den Tisch. Oder er denkt am Abend: Wenn ich jetzt die Augen zumachen werde, wird die Zeder vor dem fernen Fenster duften.

Viel erlebt zu haben, ist wichtiges Gut. Wichtiger noch ist, viel gesehen zu haben.