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Nr. 09 viertes Blatt

GietzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Somsfog, 23. Mai 1936

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In der Schaukel.

Ein guter Schlag. (Aufnahmen [9]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Schwierige Beratung der Puppenmütterchen.

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schließlich aber ist man sich doch einig und betreut mit aller Liebe gemeinsam das Puppenkind. Oder die kleinen Mamas ziehen den Teddy an und füh­ren ihn spazieren, denn er muß doch auch einmal Bewegung haben und unter die Menschen kommen. Und wenn dieseschwere Pflicht" erfüllt ist, macht man vielleicht eine kleine Ausfahrt auf dem Drei-

hier mancher kleiner Einspänner unmerklich einer Wandlung zum Menschen des geselligen Sich- einfügens unterworfen wird, der schon in den kleinen Dingen des Lebens den hohen Sinn und den Wert der Kameradschaft in sich aufnimmt- und von dieser Grundlage aus später auch zu handeln verspricht. Dazu kommen wefter noch manche kleine Gelehrsamkeitsvorteile, die schon auf die Erforder­nisse der Schuljahre Hinweisen. Es ist also für die Kinder ein starker und bleibender Wert, den sie in den Kindergärten unter der sorglichen Leitung der Schwestern oder der Kindergärtnerinnen emp­fangen. Dazu kommt, daß die Mütter dieser Kin­der unbesorgt ihren Pflichten im Berufsleben oder im Haushalt einer vielköpfigen Familiengemein­schaft nachgehen können, weil sie immer die Ge­wißheit haben dürfen, daß ihr Bübchen oder Mädelchen in dieser Schule der Kleinen alle­zeit gut aufgehoben ist.

Wie reizvoll und har­monisch der Tag für die Kleinen dort verläuft, zeigen als charakteristische Ausschnitte die hier wie­dergegebenen Bilder aus den Gießener Kinder­gärten. Morgens bei der Ankunft werden die Klei­nen von der Schwester oder der Kindergärtne­rin liebevoll empfangen. Da werden zumeist die Frühstückstäschchen abge­geben und dafür das erst­beste Spielgerät oder irgendein anderer Gegen­stand zum Zeitvertreib eingetauscht. Bei schönem Wetter geht es dann in den Garten, wo Gelegen­heit zu mancherlei Spie­len geboten ist. Da kann sich der kindliche Sinn und Spieldrang in vie­lerlei Gestalt auswirken.

Die Mädelchen halten es natürlich in erster Li­nie mit den Püppchen und dem Kinderwagen, aber auch der Teddy oder die Kuh erfreuen sich bei ihnen großer Beliebtheit. Die kleine Puppenmama bemüht sich immer wie­der um das niedliche Wesen in dem Kinder­puppenwagen; da wer­den die Kissen gerückt und die Deckchen gelegt; was eine Puppenmama nicht weiß oder nicht sieht, will ihr die andere klarmachen und bewei­sen; dann wird neugie­rig-kritisch geguckt, vor Ueberraschung wandert vielleicht auch einmal das Fingerchen in den Mund,

Schwester als Anführerin ist etwas für das kleine Herz und das empfängliche Gemüt, denn dabei lernt man allmählich manches hübsche Spiel und manches niedliche Liedchen, das zu Hause gesungen der Mutti und dem Vati Freude bereiten kann

Die Buben sind meist für die ernste Beschäftigung der Männer interessiert. Im Vordergründe steht hier das beliebte Exerzieren, wobei natürlich die Fahne nicht fehlt und das kleine Gewehr, als Ersatz dafür auch ein Stecken, der Holzsäbel und dergleichen stolz getragen werden. Und dazu machen diese Buben- Soldaten eine Marschmusik, die einzig schön ist, mehr laut als schön, aus frohem Herzen entsprungen und von sangesfreudigen Kehlen in die Welt 'hinaus­geschmettert. Was ist das doch für eine Freude, da schon Soldat zu sein? Mit kräftigem Schritt und Tritt gehts dahin, es gibt nichts Ernsteres und Wich­tigeres als die Erfüllung dieser Aufgabe. Es ist er- freulicherweise jetzt wieder so, daß unsere Kleinsten ihre Freude am Soldatentum bekunden und sich, wenn auch noch unbewußt, durch das kindliche Spiel oorbereiten auf die Erfüllung der großen va­terländischen Aufgabe, die auch ihnen einst im Dienste des deutschen Volkes gestellt sein wird

Nach einem derart strapazenreichen Vormittag der nur von der Frühstückspause unterbrochen wird gibt es natürlich um die Mittagsstunde einen gelegneren Hunger, für dessen Befriedigung mittlerweile mir vorgesorgt worden ist. Und dann sitzt die kleine Ge­sellschaft ineifriger Arbeit" hinter den Suppen­schüsseln und läßt sich die schmackbafte Speise aus. gezeichnet munden. Hierauf gibts eine geruhsame Verdauungspause mit einem kleinen Schläfchen so- dann folgt der abwechslungsreiche Nachmittag, der wiederum mancherlei Betätigungsarten für die kleine

Bei der Kindergartenmama.

radkarren immer um das Beet herum, wobei es gar nicht weiter schlimm ist, wenn die eigensinnige Lenkstange auch einmal eine andere Richtung ein» schlägt, als der kleine Fahrgast es im Sinne hat. Eine Reitpartie auf der Kuh ist auch nicht übel, zumal wenn dem Muhtier noch recht freundlich zu- gesprochen wird. Dann geht es einmal in die Schaukel, um hier frei dahinzuschweben, so etwa eine Vorstufe vom Flugzeug oder vom Zeppelin. Wie jauchzen die Kleinen und wie glänzen ihre Augen vor Freude, wenn der Schaukelstuhl flott hin- und herpendelt! Wie erhaben gucken sie dann auf die anderen herab, die da etwa auf dem Sand­haufen oder auf den Grasbeeten hin- und her­krabbeln. Aber auch ein schöner Reigen mit der

Teddy auf dem Spaziergang,

3m Reich des Kleinkindes

Besuch in den Gießener Kindergärten.

Ringele, ringele, Rosen ...

Im gleichen Schritt und Tritt.

dergärtnerinnen Dinge

Die Lenkstange hat ihren eigenen Willen.

Gesichtspunkte wertvoller

schaftsleben bekunden, die den Kindern in manchen anderen Familien nicht geläufig sind, so muß man doch sagen, daß hier eine gute Vorarbeit für das spätere Erziehungswerk der Schule geleistet wird. Vor allem ist es zu begrüßen, daß an diesen Stät­ten der Sinn für die Gemeinschaft, das Verständ-

Dieses Wirken und Op­fern wird jedermann leicht sein, der mit war­mem Herzen die reine Freude an dem Leben und Treiben der Knirpse in diesen Kinderstätten zu empfinden Gelegen­heit hat. Zwar ist jedes kleine Bübchen und jedes kleine Mädelchen an sich schon für den wahren Menschen- und Kinder- freund immer wieder ein Gegenstand der unge­trübtesten Freude. Wenn man aber sieht, wie die kleinen Trabanten der Kindergärten durch die liebevolle Führung der Schwestern oder der Kin- lernen und im Gemein-

Dcr Kindergarten, mancherorts auch Kleinkinder­schule genannt, erfüllt in den Städten und in zahlreichen Landorten eine hohe soziale Aufgabe. Er ist die Stätte, an der viele kleine Kinder wäh­rend der Zeit der beruflichen Verpflichtungen ihrer (Eltern eine gute Obhut finden, zugleich auch der Platz, wo die Kleinen den ersten Schritt in das Leben der Gemeinschaft tun. Stadt- und Dorfver­waltungen, vielfach auch die Kirchengemeinden oder freie Vereinigungen aus dem Kreise der Ortsein­wohner, sind die Träger dieser lobenswerten Ein­richtung. Von großer Liebe zu den kleinen Kindern und von steter aufopfernder Pflichttreue beseelte Schwestern und Kindergärtnerinnen sind die treuen und umsichtigen Hüterinnen der kleinen Traban­ten Mit nimmermüder Geduld halten diese Frauen den mancherlei Ansprüchen der Kinder stand. Da gibt es kaum einmal ein Ungeduldszeichen, wenn ein kleiner Knirps immer und immer wieder fragt, wenn er selbst auf die ausgefallensten Dinge kommt, ober wenn ein kleiner Racker einmal gar nicht stille sitzen will, nicht die erforderliche Bereitschaft und Freude zur Mahlzeit aufweist, oder sonst wie ungebärdig ist; vom Morgen bis zum späten Nach­mittag erfüllen diese Schwestern und Kindergärt­nerinnen in sorglicher Weise die Stellvertretung der Mütter, ja man kann sogar behaupten, daß sie in nicht gar seltenen Fällen für den kleinen Knirps besser und mütterlicher sorgen, als die eigene Mut­ter selbst. Es ist das hohe Lied der Frauenliebe zu den Kleinen, des Muttergefühls der deutschen Frau und zugleich des Bewußtseins der starken Verpflich­tung gegenüber der Gemeinschaft unseres Volkes, das an diesen Stätten der ersten Äugenderziehung alltäglich aufs neue in vollen Akkorden erklingt und immer wieder von dem Ton der persönlichen Be­scheidenheit und Selbstlosigkeit in sympathischer Weise begleitet ist.

In anerkennenswerter Weise werden von der Gemeinschaft der Städte oder Dörfer und von hoch­herzigen Freunden der Jugend immer wieder Opfer gebracht, nicht nur zu dem Zwecke, diese gemein­nützigen und für unser Volkstum segensreichen Stät­ten zu erhalten, sondern sie nach Möglichkeit in ihren Leistungen immer mehr zu verbessern, ohne dadurch den Eltern der Kinder eine größere Be­lastung aufzubürden. Wenn wir Aelteren um einige Jahrzehnte zurückdenken an die damals noch meist primitiven Verhältnisse in vielen Kleinkinderstätten,

in denen vielfach alles nur auf die Aufsicht über die Kinder beschränkt blieb, und dieser Rück­schau den erfreulichen Stand der Arbeit an den Kleinen in den neu­zeitlichen Kindergärten aegenüberstellen, so müs­sen wir mit Anerken­nung für die auf diesem Gebiete tätigen und opfernden Frauen und Männer, nicht minder mit Genugtuung vom Standpunkt der' Dolks- gesamtheit aus seststellen, daß der vertiefte soziale Sinn und das verstärkte Verantwortlichkeitsgefühl des einzelnen Volksge­nossen für die Geschicke der Volksgemeinschaft auch auf diesem Gebiete Leistungen vollbracht ha­ben, die höchster Wert­schätzung sicher sein dür­fen. Und man mag dann nur noch den einen Wunsch hegen, daß diese Tat- und Opferbereit­schaft der öffentlichen Hand, wie auch der pri­vaten Kinderfreunde nicht erlahmen, sondern mit frohem Schaffen und freudigem Helfen weiter­hin alle Kräfte mobili­sieren möge, um allezeit gute Aufbauarbeit am Kleinkind zum Segen der Volksgesamtheif zu leisten.

nis für die Notwendigkeit des Ein- und Unterord­nens geweckt und immer mehr vertieft, die Bereit­willigkeit zum Verzicht und zum Zurückstellen der eignen Wünsche den Kleinen als eine wertvolle Tugend anerzogen wird, die Freude an fröhlichem Spiel mit stillschweigendem Einschluß erzieherischer " Gewinn ist, kurzum, daß