Mittwoch, 22. Januar 1«
186. Jahrgang
Nr. 18 Erstes Blatt
Der Schauplatz des Kronrats
Die erste proklamaüon des Königs
gesprochen.
*
MG
Annahme von Anzeigen für die Miltagsnummer bis 8' /»Uhr des Vormittags
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 50Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/o mehr.
Ermäßigte Grundpreise:
Vorzug es war, die Männer des Imperiums a n der Front zu sehen und mit ihnen zu leben!
Zweifellos verdankt England die innere Festigkeit seines Weltreiches neben der überaus vorsichtigen und taktvollen Politik des verstorbenen Königs auch seinem N a ch f o l g e r. Aber auch nach innen wirkte sich die wachsende persönliche Beliebtheit des Fürsten von Wales häufig in der Praxis der Politik aus. Als er bei dem großen englischen Bergarbeiterstreik im Mai 1926 die notleidenden Angehörigen der Streikenden durch lieber» Weisung einer Summe an den Bergarbeitersonds unterstützte, ließ er gleichzeitig betonen, das habe keinerlei Parteinahme zu bedeuten. In jeoem Fall erreichte er durch diese Geste, ohne sich selbst etwas zu vergeben, daß die Bergarbeiter zugänglicher wurden. Sicher hätte er seine persönliche Beliebtheit in allen Kreisen Englands noch gesteigert wenn er einen Eltern eine Schwiegertochter zugesuhrt uno dem Lande damit die spätere Königin gegeben hatte. Aber der Engländer ist dazu erzogen, die Privatangelegenheit jedes Anderen viel zu hoch zu achten,
Erscheint täglich, autzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Lietzener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle
Monatr-vezugspreis:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr . „ -.25
Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Hernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen
Postscheckkonto:
Zrantfurt am Main 11686
Im persönlichen Auftrage des Führers und Reichskanzlers stattete der Staatssekretär und Ches der Präsidialkanzlei, Dr. Meißner, dem Königlich-Britischen Botschafter in Berlin einen Bei- leidsbesuch ab. Ebenso besuchte der R e i ch s m i n i- ster des Auswärtigen den britischen Bot- schafter, um ihm das Beileid der Reichsregierung auszusprechen. Auch der Chef des Protokolls Ge- fandter von Bülow-Schwante, sprach bet dem Königlich-Britischen Botschafter vor, um ihm das Beileid des Auswärtigen Amtes zum Ausdruck zu bringen. Reichsleiter Alfred R o s e n b e r g stat- tete in seiner Eigenschaft als E h e f d e s A u ß e n- politischen Amtes der NSD AP. dem Königlich-Britischen Botschafter einen Beileidsbe- such ab.
Der Vorsitzende des Reichskirchen- ausschusser Generalsuperintendant D. Zoll- ner hat h ? m Erzbischof von C a nte y - burn anläßlich des Heimganges Seiner Maie- tät des Königs G orq V. das Beileid ausgesprochen. Ebenso hat der Leiter des kirchlichen Außenamtes Bischof D. Heckel dem Vorsitzenden des auswar- tiaen Komitees der Kirche von England Lordbi- schof von Gloucester sowie dem Lordbischof von C h i ch e st e r seine Teilnahme zum Ausdruck gebracht.
leistunq im Oberhaus, wo die Urkunde zunächst vom Lordkanzler und hierauf vom Lord siegelbewahr er und dem Führer des Oberhauses unterzeichnet wurde. Die Eidesleistung wird wahrscheinlich noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Anschließend werden sowohl das Unttn> haus als auch das Oberhaus vom Komg persönliche Botschaften entgegennehmen, die vom Voro- kanzler im Oberhaus und vom Sprecher im Unterhaus verlesen werden. Beide Häuser werden alsdann Beileids- und Glückwunschentschlietzungen annehmen.
Baldwin spricht im Rundfunk.
Präsident Roosevelt zum Tode des Komas.
Washington, 21. Ian. (DNB.) Nach Eingang der Todesnachricht in Washington sandte Präsident Roosevelt an K ö n i g E du a r b V111. folgendes Beileidstelegramm: „Mit tiefer Trauer erfahre ich die Nachricht vom Tode Seiner Majestät Ihres Vaters. Ich übermittle Ahnen mein und des Volkes der Vereinigten Staaten aufrichtiges Beileid, in dessen Achtuna und Liebe er einen hohen und einzigartigen Platz emnahm. Ich hatte
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
König Eduard hat am Dienstag Botschaften an das englische Heer, die Flotte und die Luftstreitkräfte gerichtet. In der Botschaft an bas Heer erklärt der König u. a.. „Ich blicke aus meinen Dienst als junger Offizier im Weltkrieg e als eine der wertvollsten Erfahrungen meines Lebens zurück. Er gewährte mir die Gelegenheit und die Vorrechte der Kamerad sch ast mit den Soldaten aus dem vereinigten Königreich, lernte jene wichtigen Charaktereigenschaften, durch den Dominien, Indien und den Kolonien. Ich die die Soldaten in der schwersten Krise unserer Geschichte geeinigt wurden, verstehen und festigen: die gleiche glühende Ergebenheit gegenüber per Krone, den gleichen guten Mut und die gleiche Ausdauer im Unglück sowie die gleiche Entsch ossen- heit, die Ueberüeferungen der Ritterlichkeit uno des Mutes aufrechtzuerhalten." In der Botschaft an die Flotte heißt es, daß der Komg die Leistungsfähigkeit und das Wohlergehen der britischen Flotte als eine Angelegenheit von höchster Bedeutung betrachte.
Seuftolanto Tellmhme
London, 21. Ian. (DNB.) Der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha wurde am Dienstagnachmittag von Seiner Maiestat, dem König Eduard VIII., im St. James-Palast empfangen, um dem König persönlich und zu- gleich der Königin-Mutter und der königlichen Familie das tiefempfundene Beileid de s F u h- rers und Reichskanzlers zum Ableben König Georgs V. auszusprechen. Botschafter von Ho e sch hat dem britischen Ministerpräsidenten Baldwin persönlich das Beileid der Reichsregie, rung anläßlich des Todes König Georgs V. aus-
Schon ist Eduard VIII., bisher Prince of Wales, ber alten Tradition gemäß unter Fanfarenklängen von den Stufen der Londoner Börse herab zum ,eigenen gesetzmäßigen und rechtmäßigen Oberlord, durch Gottes Gnade König von Großbritannien, Irland und den britischen Dominions über See, Verteidiger des Glaubens, Kaiser von Indien" aus- qerufen worden unter dem historischen Heroldsspruch: „Der König ist tot, es lebe der Koma. Dieser neue englische König ist der Welt schon seit Jahrzehnten kein Unbekannter mehr, wennschon eine sensationshungrige Weltpresse lange genug uns von dem bisherigen Prinzen von Wales em Bild malte, das mit dem wirklichen Menschen kaum
London, 22. Jan. (DNB.) Ministerpräsident Baldwin hielt Dienstagabend über a 11 e en g- lischen Sender eine durch ihre schlichte Herzlichkeit besonders eindrucksvolle Ansprache an das englische Volk. Nicht nur im britischen Weltreich, sagte Baldwin, sondern weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus habe die Nachricht über dos Ableben des Königs persönliche Trauer aus- gelcht Der Ministerpräsident erinnerte an Die Ansprache, die der König vor kaum vier Wochen am ersten Weihnachtstage an die Völker seines Reiches gehalten hat und in ber er ro t e e t n Vater zu feiner Familie gesprochen habe Als solcher werde auch der Heimgegangene betrauert. Baldwin fand herzliche Worte des Zuspruches und des Trostes sür die Königin Er schilderte die Persönlichkeit des Königs, er schilderte die Verantwortung und die schwere Bürde des ^niglichen Amtes die der König wahrend eines Vlerteftahr- hunder'ts voller Unruhe und Schwierigkeiten bis an sein Ende tapfer getragen habe. Die Feierlichkeiten aus Anlaß des Regierungsjubiläums un vorigen eiahre haben dem König bewiesen, wie tief sein Wollen für bas Wohlergehen des Volkes in den Herzen der einzelnen verankert ist. Schon damals sei der König wie ein Mann erschienen, der bereit ist, die große Pilgerfahrt anzutreten.
etwas zu tun hatte!
Als Eduard Albert, ältester Sohn des nachmaligen, soeben verstorbenen Georg V. von England, am 23. Juni 1894 geboren wurde, war fein Vater noch Herzog von York und wurde Prince of Wales erst nach dem Tode seines älteren Bruders. Der heutige König wurde selbst erst mit sechzehn Fahren Prince of Wales. Und eigentlich erst m den allerletzten Jahren schob sich seine Persönlichkeit sowohl innen- wie außenpolitisch starker in den Vordergrund und enthüllte ihn von einer Seite, die der Welt vorher nie vermittelt worden war. Bisher hatte man nur immer gehört, daß der Prmz von Wales ein leidenschaftlicher Sportsmann sei, und las allerhand mehr oder weniger unwahrschemüche Anekdoten aus seinem Alltag. So kam es, daß man ihm kaum mehr zutraute als ein gewisses „Faible für abwechslungsreiche und amüsante Reisen. Um jeden Preis versuchte man aus ihm em „Original zu machen
Bis der nunmehrige König durch seine programmatischen Reden, seine internationalen Reisen und seine Haltung in bedeutenden politischen und sozialen Fragen bewies, daß er alles eher fei als ein bloßer Globetrotter. Gewiß: als er noch em junger Mann war, kam es zuweilen vor daß er ähnlich wie einst fein Großvater Eduard VII bei irgendeinem offiziellen Anlaß „aus der Re he tanzte" — weil er eben feinem innersten Wesen nach ursprünglich und temperamentvoll war Aber je mehr er in die reiferen Jahre kam, zeigte er sich immer mehr von einer ernsten und höchst Der» aniworlungsbewuhten Seite. Er entwickelte sch unter dem Eindruck entscheidender Erlebnisse zu einem tnpischen englischen Gentleman, der durch die selbstverständliche und phrasenlose Art fernes Auftretens alle Herzen im Fluge eroberte. Langst war Eduard VIII. schon als Prinz überall, wo das große englische Reich ^la^^tein^^u6 liebenswürdige und verständnisvoll-geschickte Vertreter der allbritischen Interessen bekannt und
als daß man dem Prinzen daraus einen Vorwurf gemacht hätte. Dies um so weniger, als der Thronfolger immer wieder zeigte, daß ihm die praktischen Notwendigkeiten der weiteren Vorbereitung auf sein späteres Amt viel wichtiger als seine Prwatangele- genheiten erschienen. Das zeigte er u.a. durch die Art wie er sich um die unter seinem Protektorat errichteten Um sch ulu n g s i nst i tu te sur Er werbslose kümmerte, wie er ferner gerade die englischen Elendsgebiete häufig zu eingehendem Studium auffuchte. i
So erklärt sich die ungeheure Volkstümlichkeit, > die der heutige englische König schon als ^ronfob ger genoß —: er blieb immer eines: Mensch iin ^Frontsoldat! . .
Als Frontsoldat hat er sich auch den deutsch e n Kameraden gegenüber bewahrt in jener vorjährigen Rede, in der er die englischen Kriegskämpfer aufforderte, ihre deutschen Kameraden auf dem Kontinent zu besuchen — un Geiste der Achtung, der Versöhnung und der unverbrüchlichen Freundschaft!
London, 22. Jan. (DNB. Funkspruch^) Im I Sitzungssaal des St. Jamespalastes wurde am i Dienstagnachmittag in einer feierlichen Sitzung des . Kronrates die Thronbesteigung König Eduards VIII. . proklamiert. Der König gab eine längere Erklärung °b' '"„Der°uüerfthbare Verlust, den der britisch-
Staat durch den Tod meines geliebten Dafets erlitten hui, Hut die herrscherpstichteu aus meine Schultern gelegt. Ich weih, wie sehr alle meine Untertanen und mit ihnen, wenn ich es sagen darf, die ganze Welt meine Trauer ledern Mls mein Vater not 26 Zähren fi«nb. ettlarle er, dah eines feiner Lebensziele d e Aufrechterhaltung der verfassungÄ- mäsziaen Regierung sein werde. 3n dieser Hinsicht bin ich entschlichen, "meines Bakers Fuhkapfen zu folgen, und wie er während meines ganien Cebens ur das Glück und di- Wohlfahrt aller Klassen meiner Unlertanen ju arbeiten. 3d) sehe mein vertrauen aus die Ergebenheit und Zuneigung meiner Volker nu aamen Reich und auf die Weisheit ihrer Parlamente, dah fie mich in dieser Mroe“" gäbe unterstützen und ich bete dah Golt mich bei ihrer Erfüllung lenken^"^arIament5
MUMM-
Stellen:, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzei- gen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u.
_ behördliche Anzeigen6Rpft
Druck und Verlag: Srühl'sche Univerfitätsvuch- und Steindruclerei «.Lange in Giehen. Schriftleitung und Seschäslsflelle. SchulftraheT—weng^ id) ff
Baldwin schilderte dann die Tage, die dem Bekanntwerden des ersten Krankheitsberichtes folgten. Er erzählte, wie der König sich noch bis zuletzt nach diesem und jenem erkundigte und wie er in einem dieser letzten wachen Augenblicke an den Privatsekretär die Frage gerichtet habe: „Wie steht es um das Reich?" Lord Wigram habe auf diese Frage antworten können, daß im Reiche alles :n Ordnung sei. König Georg, so sagte Baldwin, habe den Thron zwar ererbt, aber er habe es ver- standen, sich selbst den Weg in das Herz seines Volkes zu s u ch e n. Er sei d e r e r st e Gentleman seines Landes gewesen.
Nun falle auf König Eduard die schwere Bürde der Nachfolge. Durch nichts könne darum das Andenken an den toten König besser geehrt werden, als daß sich das britische Volk heute um Den jungen König schare. Der Ministerpräsident schloß seine Ansprache mit den Worten: „Gott schütze den König." Von anglikanischen Geistlichen ge- sprochene Bittgebete für den verstorbenen Komg Georg, die Königin-Witwe und König Eduard VIII. umrahmt von 'Chorgesängen und beschlossen mit dem „Vater unser" beendeten die Rundfunkübertragung.
An die Wehrmacht
Oie Thronbesteigung Eduards VIII.
Der neu. König versichert in ferner Proklamation vor »em Kronrat »i- gleiche Achtung vor »er v-rfaffnngomah.g-n Regierung, die sein Vater bewiesen hat.
bC®)uarb VIII. ist in jeder Richtung im Keifte der Gemeinschaft und Kameradschaft erzogen worden. Er verbracht- fünf Jahre in einer Kadettenfchu e und tarn dort mit einer Welt m ^br"hrung, sich durch eine vielhundertiahnge englische Tradi- tion gebUöet hatte. Er lernte im unmittelbaren Verkehr und Umgang mit seinen Kameraden lenen konservativ-sozialen Geist kennen, der England so aroß und stark gemacht hat. Er studierte an der berühmten Universität Oxford, wo er von feinen Kameraden wegen feiner natürlichen und Mensch- ( Uch?n Haltung geschätzt und geachtet wurde. Diese : klassische Schule, aus Der fcfjon fo Diele bedeutende ■ Engländer hervorgegangen sind, formte auch lhi xii einem Pionier des englischen Weltreichs .
3 Das größte und entscheidendste Erlebnis aber mar für ihn der Krieg. Er war damals noch em junger und tatenfroher Mensch, geladen mit Energie und gefüllt von einem kämpferischen Temperament, das kaum die Gelegenheit erwarten konnte ich m der vordersten F-uerlime zu betätigen. Wie leidem fchaftlich gern Hütt- er damals seine Stellung als Thronfolger mal mit ber eines em,achen Frontfol- doten vertauscht. Aber er hatte Rücksicht zu nehmen auf feinen zukünftigen Berus als Herrscher über das gewaltige britische Imperium - und so »r sich damit begnügen, INI englischen Haupt- mmrfier unb später im Divisionsstab der Garde- Zrenadiere' fein militärisches Latent und Tempera- rl^^b^Sri^St aus" Ätt Anschauung kennen le?nte, bas gewaltige Ringen ber ®ö““erflein ,° starker unb überroaltiflenber Em- 6b?Ä er U - fräteren Srie ensäel en m ViTJbfu iftTermM mt'seknen" Ästchen Ka°me- ^Ma^hkt"ben'dämaligen Prinzen von Wales
Ä'uÄ tÄ
fefkrUnane<inanber3ubinbem Er leibst sagte einmal ich reise, desto mehr empfinde ich es, welch em
Mit großer Feierlichkeit und in der a"uberlleftrten P^^^lärung E^d^u a^r d^ VNI. ^um neuen König


