Jugend und Hochschule.
Die wirklichkeitsnahe UniversM.
Ben Or. $. W. Könitzer.
„Von allen Menschen hat der Gelehrte den wichtigsten Beruf: er soll Menschenbildner zur Menschlichkeit sein, Gestalter und Nachschöpfer der unvollendeten Welt werden ... Mit jeder Hochschule mutz eine Gesellschaft der Wissenschaften verbunden sein, und dazu gehören Männer, die gerade nicht alle auf Lehrstühlen stehen oder dort eingezünftet sind. Bei der bloßen zünftigen Gelahrtheit verbauert der Gelehrte zu leicht, die Wissenschaft wird gemeines Tagewerk, der Vortrag gemächliches Heftoffenbaren, wo jeder Paragraph mit jüdischem Wucher angebracht wird und die Zuhörer endlich ein gedankenloser Nachschreiberpöbel werden ... Ist es nicht Zeit und Geist tötend, wenn der Jüngling ein Jahr dazu braucht, um nur die Hefte abzuschreiben, worüber sein Lehrer liest? ... Umgebildet müssen die Universitäten werden zu wahren hohen Schulen. Das Höchste aller Wissenschaften mutz auf ihnen gelehrt werden, nur nicht nach dem kindischen Zunftmatz der vier Fakultäten. Einige Trennungen sind begreiflich ... aber Staats- und Kriegswissenschaften nach allen Teilen überall."
So schrieb schon vor nahezu 120 Jahren Friedrich Ludwig Jahn, der Vorkämpfer für eine volkstümliche Erziehungsaufgabe der deutschen Schulen und Hochschulen, volkstümlich nicht in dem abgeschmackten Sinn von „populär", sondern in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes als „dem Volke gemäß". Stehen wir nicht heute noch vor ähnlichen Fragen, deren Lösung nun allerdings längst begonnen hat? „Wenn die Wissenschaften auch Himmelstöchter sind, so müssen sie dennoch auf der Erde wandeln lernen" — so spricht Jahn im gleichen Zusammenhang das aus, was uns heute Antwort auf die Frage nach der Wissenschaft an sich ist. Die Wissenschaft kann für uns genau wie damals für Jahn nur Wert haben, wenn sie in das Gesamtgefüge des Lebens eingebaut ist. Es soll hier nicht einmal die Rede von den Studenten sein, die die Wissenschaft zum Beruf erwählt haben. Für uns ist zunächst die große Zahl derer wichtig, die eine wissenschaftliche Ausbildung auf einer Hochschule durchmachen, um sich das nötige Rüstzeug für ihren Beruf zu erwerben. Gerade in dieser Hinsicht lag der Universitätsbetrieb in dem Nachkriegsjahrzehnt allzu sehr im argen. Die ersten Jahre nach 1918, die viele Kriegsteilnehmer sahen, denen es auf ein möglichst baldiges Examen ankam, hatten ein anderes Gesicht. Da wurde in erster Linie Prü- sungsstoff zusammengepaukt.
Mit den Jnflationsjahrgängen aber eröffnete sich allmählich ein neues Bild. Es kamen die von der Wissenschaft „Besessenen", die die Welt um sich her völlig aus dem Blick verloren. Es ist eine zwar sehr bedauerliche, aber nicht wegzuleugnende Tatsache, daß es in jener Zeit eine große Zahl von Studenten gab, die außer ihren Kollegs, ihren Seminaren und wissenschaftlichen Debattierklubs aber auch nichts anderes kannten, die nichts von dem Kampf um Oberschlesien oder dem Ringen mit dem Bolschewismus in Mitteldeutschland wußten, weil sie tatsächlich keine Zeitung lasen. Entschuldigt wurde solcher Mangel oft damit, daß das Geld knapp war und man möglichst schnell Examen machen mußte. Das wurde zwar zumeist doch anders, aber die Einstellung änderte sich nicht.
Auf der anderen Seite standen die, denen es weder um die Arbeit, noch um die Wissenschaft ging, sondern allein darum, daß sie irgendwann einmal schlecht und recht dem Vater oder auch einem eigenen Wunsch zu Gefallen ihre Staatsprüfung ablegten.
Beide Zustände waren so ungesund wie möglich. Wieviel Professoren gab es schon, die diesen Mißstand erkannten und sich bemühten, ihn zu ändern? Und wieviel gab es dagegen, auf die Jahns Vorwurf zutrifft: die nur erstarrtes Wissen von sich gaben, so daß man nach zwei Jahren in das gleiche Kolleg gehen konnte und wörtlich denselben Vortrag hörte?
Wo blieb da die Vorbereitung für den Beruf? Man hat der Schule früher so oft den Vorwurf gemacht, daß sie vielerlei lehre, was der Schüler im Leben niemals brauche. Wieviel schärfer wäre dieser Vorwurf auf mancher Unioerfität angebracht gewesen! Wie oft war die Vorbereitung der Studenten auf die Universitätslaufbahn abgestellt statt auf den praktischen Beruf des Lehrers, Pfarrers, Richters! Wo hat man z. B. in jener Zeit etwas
Studentin von heute.
Bon Brigitte Herdt.
Bevor die Studentin von heute zum Studium gelangt, muß sie die Schule des Arbeitsdienstes durchwachen. Vielleicht ist es im Anfang nicht jeder leicht gefallen, sich all den Gesetzen und Geboten des Arbeitsdienstes zu beugen. Manche sah in dem ständigen Sichunterordnen und Gehorchen eine allzu große Beschränkung der Persönlichkeit. Aber später, nach einigen Wochen Arbeitsdienstzeit, merkte wohl jede, die guten Willens war, daß es so und nicht anders sein mußte, sollte die ausgleichende Idee des Arbeitsdienstes erhalten bleiben. Auch die Erziehung zur körperlichen Arbeit war nicht immer leicht. So manches Mädel, das frisch von der Schule kam, bisher lange Aufsätze geschrieben, mathematische Gleichungen gelöst und lateinische Texte übersetzt hatte, seufzte beim Anblick eines ewig lang anmutenden Spargelgrabens, der von sämtlichen Disteln, Dornen und Nesseln mit den noch ach so zarten Fingern befreit werden sollte. Doch alles Seufzen nützte hier nichts. Es mutzte geschafft werden, und es wurde auch geschafft. Denn Unmenschliches wird im Arbeitsdienst nicht verlangt: nur so viel, wie ein gesunder junger Mensch zu leisten vermag. Wenn auch bei der Arbeit manchmal ein wenig geschimpft und gestöhnt wurde, hinterher war dann die angehende Studentin stolz auf ihre Leistung. Und wie oft hort man heute auf der Universität den Ausspruch: „Wenn man im Arbeitsdienst war, kann man alles." So verlangt der Arbeitsdienst gewissermaßen eine körperliche und geistige Kraftprobe vom jungen Menschen, von der angehenden Studentin. Die Abiturientin, die im Arbeitsdienst in wirklicher Gemeinschaft mit all den andern Alters- genossinnen: den Verkäuferinnen, den Arbeiterinnen, den Schneiderinnen und was sie sonst noch alles sein mochten, gelebt hat, wird auch als Studentin diese Gemeinschaft nicht wieder vergessen oder aufgeben.
Mit der Ableistung der Arbeitsdienstpflicht ist die Studentin von heute noch lange nicht frei. Mancherlei Pflichten ijat sie zu erfüllen. In erster
davon gehört, was nun auf den Schulen unterrichtet werden sollte? Es gab Stoff, ungeheuer viel Stoff, es gab viel Wissenschaft und Arbeitsmethode. Es gab viel Wissenschaft und Arbeitsmethode. Es gab selbst theoretische Kollegs über Pädagogik. Aber man versäumte, den Lehrstoff auf die spätere berufliche Notwendigkeit zu beziehen. Man trieb eben Wissenschaft „um der Wissenschaft willen."
Jedes Fach wurde allmählich zu einem eng begrenzten Sonderfach. Es wuchsen Mauern zwischen den einzelnen Wissenschaftsbereichen, wodurch allmählich ein riesengroßes Nebeneinander entstand, aber keine — hier im durchaus guten Sinn gemeinte! — allgemeine Bildungsmöglichkeit mehr gegeben war. Wenn wir aus mancherlei Gründen Jahns Vorschlag, die Fakultäten nicht so scharf zu trennen, auch nicht ganz bejahen können: zu einem Teil hat er recht. Denn was von unseren Universitäten kam, waren zumeist Spezialisten. Der eine konnte dies, der andere das — und wenn sie nachher vor ihren beruflichen Aufgaben standen, dann fehlte beiden das Gleiche: nämlich die Verbindung mit dem Leben.
Der Inhalt des Wortes „Wissenschaft" ist mit der Weltanschauung des Nationalsozialismus ein anderer und der gesamte Universitätsbetrieb notwendig auf eine andere Grundlage gestellt worden. Die Verbindung zum Leben ist die wesentliche Voraussetzung für alle wissenschaftliche Arbeit. Denn diese hat nur solange ihre Berechtigung, als sie eine wirkliche Aufgabe im Leben zu erfüllen hat. Wenn wir den Beruf als den Bereich betrachten, in dem sich das Leben jedes einzelnen auf seinem Platz schöpferisch zu erfüllen hat, so kommt es zuerst auf den Beruf und nicht auf die Wissen
schaft an. Mit dieser Erkenntnis sind gleichzeitig jene Mauern zwischen den einzelnen Sondergebieten niedergerissen. Der Richter, der keinen deutschen Dichter, der Arzt, der keinen Geschichtsschreiber, der Studienrat, der keinen großen Rechtsschöpfer kennt — sie alle stehen noch abseits von dem, was wir von ihnen als den Exponenten ihres Berufes erwarten müssen. Zwar werden wir um des gewaltigen Umfangs unseres ständig erweiterten Wissenstoffes willen nicht mehr zu einer Allgemeinbildung im Sinne von Leibniz gelangen, aber dennoch ist es nötig, große Schritte auf diesem Weg vorwärts zu tun.
Der „reine Wissenschaftler" ist für uns der „reine Tor", der nichts in unserer Welt der Wirklichkeiten zu tun hat. Jeder Lehrsatz, jede Formel, jedes System sind an sich tot, wenn sie nicht durch ihre Beziehungen auf das tätige Leben Blut erhalten. Das setzt natürlich voraus, daß auch der Hochschullehrer selbst in diese geistige Reform mit eingeschlossen ist. Er wird, wo er bisher vielleicht einzeln auf seinem bevorrechteten Platz stand, in den Kraftstrom der lebendigen Forderungen einbezogen. Das wird sich nicht nur in Kollegs und Seminaren, sondern vor allem deutlich in Prüfungen auswirken.
Wer heute noch das Eigenrecht einer rein theoretischen Wissenschaft behauptet, steht längst außerhalb unseres Glaubens an das Vorrecht des Geistes im schöpferischen Leben des Berufs. Der Geist schwebe nicht in fernen Höhen, sondern bemächtige sich der ihm gestellten Aufgaben. Das bedeutet keine Vereinfachung der wissenschaftlichen Arbeit, vielmehr eher eine Erschwerung. Aber es bringt den Sinn in die vorbereitende und die berufliche Tätig-
Die Schule für den deuischen Imgbauem.
Bericht aus einer Landwirtschaftlichen Schule.
Die Landwirtschaftliche Schule, die den ganzen Sommer über einsam unb fast verlassen dalag, öffnet jetzt wieder ihre Tore und durch sie ziehen Jungbauern ein, die sich im Winter für ihren Beruf schulen wollen.
Im Sommer waren sie unermüdlich bei der Feldarbeit, standen in heißer Sonne, schwangen die Sensen und Sicheln, standen hoch oben auf dem Heuwagen und luden die Fuder auf. Hinter dem Pfluge gingen sie her, saßen auf Mäh- oder Dreschmaschinen. An ihre Weiterbildung konnten sie nicht denken, kaum sanden sie Zeit, die Zeitung zu lesen ober wichtige Ereignisse im Rundfunk zu hören. Denn jeder schöne Tag mußte zur Feldarbeit aus» genutzt werden. Nur am Sonntag dursten sie feiern. z(ber ein vollkommenes Feiern war es auch nicht, denn bann rief der Dienst in der SA., SS., HI. oder auch als Politischer Leiter. Aber schnell genug ist der Sommer vergangen, und nun ziehen sie wieder hier ein in die Landwirtschaftliche Schule mit Köfferchen und Kisten, mit Körben und Tornistern. Immer zwei und zwei wohnen sie in den hellen Zimmern mit dem Blick auf den großen Hof, weit über Felder hinaus bis hinten zum Wald.
In den ersten Tagen werden gegenseitig Fragen gestellt, werden Herkunft und Ackergröße des elterlichen Hofes erforscht und auch Freundschaften geschlossen. Haus und Hof, vor allem aber die Stallungen und Felder werden besichtigt, und dann geht es an die Arbeit.
700 Morgen Acker gehören für Versuchszwecke zur Schule, auf denen Futterpflanzen an- gebaut werden und erprobt wird, welche Art sich für die einzelnen Böden eignet. Viehzuchtfragen werden aufgerollt und in die Praxis übertragen.
In der Lehrmittelsammlung sind Pflanzen, Früchte und Tiere, Anschauungskarten, Obsthorden oder Stall- und Scheunenmodelle aufgebaut. In Glasschränken sind herrliche Aepfel und Birnen aufbewahrt, die sich jahrelang halten ober gesunde und kranke Pflanzenmodelle, bort Pflanzenschäb- linge und ihre Bekämpfung. Chemische und physikalische Apparate stehen dem Unterricht zur Verfügung.
Eine reichhaltige Bibliothek mit allerhand Fachzeitungen und Zeitschriften und Büchern sorgt ebenfalls für die Weiterbildung des Jungbauern, der hier während feiner Ausbildungszeit in zwei Semestern soviel lernt wie bei seiner praktischen Arbeit auf dem Bauernhof in Jahren. Denn bort hätte er erst all die Erfahrungen sammeln müssen,
die hier schon verarbeitet sind und auf denen er aufbauen kann. Er kann jetzt mit feiner ganzen Kraft dazu beitragen, die Ernährung des deutschen Volkes sicherzustellen.
Während nun der Jungbauer in die Schule ein- zieht, liegt die Gärtner-Lehranstalt still da, und Frühjahr und Sommer sind dort die besten Arbeitszeiten. Die Frühbeete sind sorgfältig geschlossen, damit die Frühnebel des Herbstes den Der- suchspflanzen keinen Schaden tun können oder etwa schon Reif hineingerät und die ganze, mühselige Aufzuchtarbeit zunichte macht. Die zukünftigen Berufsgärtner, Gartenbautechniker usw. haben bei ihren Versuchen zur Pflanzenzüchtung gute Fortschritte gemacht und die Ergebnisse niedergelegt und die Erfahrungen durchgesprochen.
Von drüben, von der anderen Hausseite klingt das Klappern von Milcheimern und Kannen. Die Diehpfleger haben gerade ihren theoretischen Unterricht beendet und gehen hinaus zum Melken. Während sie in die Ställe gehen, treten wir in den Schulraum. Rundherum an den Wänden hängen Bilder mit Anschauungsmaterial über den Bau des Rindviehs, in der Fensterecke steht gar ein ganzes Kuhskelett neben einem Schemel, an dem das Melken zuerst geübt wird. Meist wird mit der Hand gemolken, aber auch ein elektrischer Melkapparat steht für Versuche bereit. In einem Mu st er stall wird die Ankettung des Rindviehs ausgeprobt, auch die Schüttung des Strohs. Aus dem Schweinestall von nebenan klingt durchdringendes Grunzen, während auf dem Hof Gänse und Enten schnattern und schreien, ein Hahn umherstolziert und Hühner gackern.
Zu der Landwirtschaftlichen Schule gehört auch eine Abteilung für Jungbäuerinnen und außerdem noch eine Versuchs- und Lehranstalt für Geflügelzucht. Alle wollen sich weiterbilden, damit sie, wenn sie den väterliche Hof übernehmen oder auf einen Hof einheiraten, ihn weiterbringen und vergrößern können. Damit sie beitragen können zur Sicherstellung der Ernährung ihres ganzen Volkes.
Der Landwirtschaftlichen Schule ist eine B e» ratungs stelle der Kreisbauernschaft angegliedert, an die sich jeder einzelne Bauer in Zweifelsfragen wenden kann. Hier werden auch die Jungbauern später noch in allen Dingen beraten, denn nicht umsonst schlingt sich während der Ausbildungszeit ein freundschaftliches Band um Lehrer und Schüler. E, Schulemann.
Linie sind hier die „Arbeitsgemeinschaft nattonal- sozialistischer Studentinnen" und der „Bund Deutscher Mädel" zu nennen. Obwohl weder bei der AnSt. noch bei dem BDM. ein direkter Zwang zur Mitgliedschaft ausgeübt wird, sind ungefähr 90 v. H. aller Studentinnen in ihnen ersaßt. In der AnSt. wird die Studentin in den Fragen des politischen Lebens geschult und fortgebildet. Große Fahrten führen in deutsche Grenzgebiete und zu den Deutschen in das Ausland. Die soziale Frage wird nicht nur in der Theorie behandelt, die Praxis beweist die wirkliche sozialistische Gesinnung der Studenttn von heute. Im Fabrikdienst steht die Studenttn 14 Tage lang an der Stelle einer älteren erholungsbedürftigen Arbeiterin, um dieser Urlaub und Ferien zu ermöglichen. Die Arbeit der Studenttn im BDM. stellt sie als Kameradin unter Kameradinnen. Auch als Führerin muß sie Kameradin bleiben, sonst wird sie lediglich zu einer Art Aufsichtsperson, die sich auf die Dauer nicht im BDM. halten kann.
Eine Reihe anderer Verpflichtungen, die die Studentin auf sich nehmen muß, wenn sie an der Hochschule verbleiben will, läuft außerhalb des BDM. und der Anst. Neben der Sportaüsbildung finden während der ersten drei Semester dauernd verschiedene Kurse statt, die im „Pflichten- heft" testiert werden.
Ein Beweis, daß auch für die Studentin die körperliche Erziehung gleichberechtigt neben der geistigen und wissenschaftlichen steht, ist der studentische Pflichtsport. Der Staat braucht gesunde, frische und sportgestählte Menschen: kränkliche und schlappe Schwächlinge kann er nicht brauchen. Leichtathletik, Geräteturnen, Schwimmen, Handball, Waldlauf sind die Sportarten, in denen die Studentin von heute während der drei ersten Semester ausgebildet wird.
Im Leben der Studentin hat der Begriff der sogenannten „akademischen Freiheit" seinen Sinn verloren. An ihre Stelle tritt die Verpflichtung gegenüber dem Volk. Die Studentin darf keine besonderen Rechte für sich in Anspruch nehmen. Im Gegenteil, es erwachsen ihr besondere Pflichten, die sie später einmal, vielleicht als Lehrerin, als Aerzttn, oder auf welchem Poste» De sonst noch stehen mag,
zu erfüllen hat. Den Satz aus Rosenbergs „Mythus": „Richter, Soldat und Staatenlenker ist der Mann und muß es bleiben", erkennt die Studentin von heute an. Sie ist sich aber auch ihres Rechtes bewußt, neben und mit dem Mann an der ihrem Wesen und ihrer Art entsprechenden Stelle im Staat zu stehen und zu wirken.
Die Volkskunde.
Ein bisher wenig beachteter llnterrichtszweig.
In letzter Zeit will die Forderung nach st ä r k e - rer Berücksichtigung der deutschen Volkskunde im Unterricht nicht verstummen. Und das ist gut, denn auf diesem Gebiete warten für den Lehrer große Aufgaben, deren Wert anerkannt und betont wird. Doch wie viele sind wirklich bereit und vor allem befähigt, der Zustimmung die Tat folgen zu lassen?
Erst seit der nationalsozialistischen Revolution erhält die Volkskunde die Beachtung, die ihr gehört. Vorher wurde sie als unwissenschaftlich, als Sammelwissenschaft, als nationale Schwärmerei abgelehnt. Es liegt auf der Hand, daß von solcher Haltung auch die Vorbildung und Erziehung der gesamten Lehrerschaft beeinflußt wurde. In der Regel wurde weder der zukünftige Volksschullehrer auf dem Seminar, noch der Student der Hochschule auf die deutsche Volkskunde hingewiesen oder gar in sie eingeführt. Ein Teil der Volksschullehrer wurde durch seinen Lebenskreis und nicht zuletzt durch die volkskundliche Wissenschaft selbst, die an ihn herantrat, gewonnen. Von der Universität wurde jedes Jahr nur ein verschwindend kleiner Kreis von Volkskundlern entlassen. Dieser blieb dann allerdings fast immer eine Gemeinschaft und arbeitete weiter Hand in Hand an dem gemeinsamen Werk.
Inzwischen hat sich die Lage wesentlich verschoben. Die Hochschulen für Lehrerbildung vermitteln ihren Schülern das notwendige volkskundliche Rüstzeug und entlassen sie mit der richtigen volkskundlichen Einstellung. Das mag mit ein Grund dafür gewesen sein, daß in Zukunft diejenigen, die das Lehramt für höhere Schulen erwerben wollen, zunächst einmal die Hochschule für Lehrerbildung be
teil, die innere Berechtigung, weil solche Arbeit nur auf Leistung und Bewährung aufbauen kann. Zwar wird die Wissenschaft damit von ihrem Wolkenthron herabgeholt, aber sie erhält eine viel sinnvollere und bedeutsamere Aufgabe. Sie ist nicht Herrin, die den Menschen dem Dasein entfremdet, sondern Kameradin, die ihn auf seinem Weg helfend und fördernd geleitet.
Aufgaben der Verussberatung.
Auch eine Frage der Schulen.
Im Rahmen der nattonalsozialisttschen Erziehungs- Politik nimmt die Berufsberatung einen oe- sonderen Platz ein. Sie hat heute mehr denn früher die bedeutsame Aufgabe, die schulentlassenen Jugendlichen bei der Wahl des Berufes zu unterstützen, und zwar nach Grundsätzen, die die bestmögliche Auslösung der persönlichen Anlaaen mit der wirtschaftspolitischen Lage unseres Volkes vereinigen und beide entsprechend ihrer Bedeutung für den einzelnen wie für die Gemeinschaft berücksichtigen. Die Berufsberatung darf sich nie wieder zu einer „B e r u f s a b r a t u n g" auswachsen, wie es zur Zeit der großen Arbeitslosigkeit im Jahre 1932 häufig der Fall war. Durch den Nattonalsozialismus hat die Berufsberatung eine zielbewußte Ausrichtung und Förderung erfahren. Die neue Auffassung vom Sinn und von der Ehre der Arbeit bringt auch ein neues Verhältnis zur Berufswahl mit sich. Die Frage darf für den Jugendlichen nicht mehr heißen: „In welchem Beruf kann ich das meiste verdienen", sondern: „In welchem Beruf diene ich meinem Volk am besten!"
Die Grundsätze der nationalsozialisttschen Wirtschaftspolitik, die reichhaltigen Methoden zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit schlechthin gelten sinngemäß auch für den Arbeitseinsatz der Jugendlichen. Es erwächst dadurch der Berufsberatung eine Reihe von Sonderaufgaben: Sie soll mitwirken bei der Auflockerung der Großstädte, indem sie bei ihren Bemühungen zur planvollen Berufslenkung der Jugendlichen einen Ausgleich zwischen städtischen und ländlichen Berufen zu verwirklichen sucht; weiter muß sie sich um die Sicherstellung von Kräften für die Haus- und Landwirtschaft bemühen, und schließlich hat sie gegen die Ueberfüllung der sogenannten Modeberufe zu kämpfen und alle Schwächen und Unzulänglichkeiten, die sich daraus für die Bedürfnisse des Dolksganzen ergeben könnten, auszumerzen.
Aber nicht nur die allgemeine Arbeitsbeschaffung, sondern auch das erzieherische Ziel des nattonalsozialisttschen Staates ist richtungweisend für den Arbeitseinsatz der Jugendlichen. Der Berufsberater muß dieses Erziehungsziel erkennen und aus seinem Ideengut für seine praktische Arbeit Anregung und Stärkung sinden. Dann wird er auch als den eigentlichen Sinn seiner Arbeit die B e - rufsführung erkennen, die einmal zu sehen ist in der Förderung der inneren Haltung der Jugendlichen zur Berufswahl, bann aber auch in der eigentlichen Berufs- oder Arbeitsvermittlung.
Dies muß das erste Ziel aller Berufsberatung sein: die Schulentlassenen vertraut zu machen mit den Aufgaben, die ihrer im täglichen Arbeitseinsatz warten und die absolute Bereitschaft zu wecken, die auch später von ihnen verlangt wird. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um den Arbeitseinsatz bei der Landhilfe handelt, die insbesondere die Siedlungsfrage praktisch Doranbringen soll, oder um den Arbeitsdienst, der die Brücke schlagen soll von der Arbeit des einzelnen zu der Gesamtheit, ober um das Landjahr, das die schulentlassene Stadtjugend mit Verständnis für die Belange und die Bedeutung des Bauerntums erfüllen will. Bevor der einzelne sich feinem Beruf zuwenden kann, muß er mindestens eine dieser Schulen des Gemeinschaftseinsatzes durchlaufen haben. Um nicht unvorbereitet in diese Arbeit gehen zu müssen, ist es notwendig, daß berufsethische Unterweisungen in den Stoffplan der Schulen eingebaut werden, der ja auch in den sonstigen Unterrichtssächern die vorbereitende Erziehung zum Beruf berücksichtigt. Schon auf der Schule ist bei allen Jungen und Mädeln in irgendeiner Weise die berufliche Veranlagung und Neigung zu berücksichtigen, die allein auch zu einer beruflichen Leistungshöhe führen kann. Hier hat die Arbeit des Berufsberaters einzusetzen, die Kräfte sinnvoll zu verteilen, die ihm als wertvolles Gut unseres Volkes in die Hand gegeben find. B.
suchen sollen. Doch darf sich die Universität nicht daran genügen lassen, sondern sie muß auf der Grundlage, die nun der zukünftige Lehrer mitbringt, weiterbauen. Gerade die Volkskunde erfordert ein- gehendes Studium. Oberflächliche Betrachtung ver- leitet zu vorschnellen und unüberlegten Folgerungen und Behauptungen.
Es steht nun zu erwarten, daß sich die Stellung der deutschen Volkskunde in der Schule wesentlich bessern wird. Die jetzt im Amte stehenden Lehrer für die deutsche Volkskunde zu gewinnen, wird nicht mehr so schwer sein wie in vergangener Zeit. Volkskunde ist nicht nur Wissen, sondern in erster Linie Leben und Erleben. Sie ist bedingt durch die Stellung des einzelnen in der Gemeinschaft, in deren Verhältnis zueinander ein grundlegender Wandel durch den Nationalsozialist mus eingetreten ist. Heute wird jeder Lehrer wie von selbst zu volkskundlicher Betrachtung geführt, denn jedes Fach hängt in einem oder mehreren Punkten doch irgendwie mit der Volkskunde zusammen.
Die Hilfsmittel, die dem Lehrer zur Vertiefung seines volkskundlichen Wissens geboten sind, stellen reiche und mannigfaltige Möglichkeiten bar. Für den Nichtvolkskunbler bebeutet bas insofern eine Schwierigkeit, als bie Fülle ihn vielleicht verwirren und mutlos machen könnte. Deshalb widmet er sich zunächst einer volkskundlichen Erscheinungsform — der Volkstracht, der Sage, dem Volkslied — und erschließt sich aanz allmählich ein größeres Gebiet. Er mag sich Darum an kurze Einzeldarstellungen halten und erst später zu einem großen Werk (vielleicht der von Spanier herausgegebenen zweibändigen „Deutschen Volkskunde") greifen. Der „Reichsbund Volkstum und Heimat" gibt eine sehr einfache und recht nützliche Schriftenreihe „Deutsches Volksgut" heraus. Deren Benutzung fei nicht nur jedem Lehrer empfohlen, sondern überhaupt allen, die die deutsche Volkskunde als wesentliche Erziehungskomponente erkannt haben.
Die Kunde vom deutschen Volkstum muß sich auf alle Gebiete der Schulung und auf alle Fächer der Schule erstrecken und sie durchdringen. Deutsche Volkskunde geht jeden etwas an, der zur Erziehung berufen ift. Kurt Haß.


