Aufruf
zur Ausstellung „Unsere Zähne".
NSG. Das Gauamt für Volksgesundheit Hessen- Nassau der NSDAP, erläßt zur Ausstellung „Unsere Zähne", die gegenwärtig in der Gauhauptstadt Frankfurt a. M. gezeigt wird, folgenden Aufruf
Volksgenossen und Volksgenossinnen des Gaues Hessen - Nassau!
Vom 20. August bis 9. September findet durch den Reichsverb'and Deutscher Dentisten im Bachsaal auf dem Festhallengelände zu Frankfurt a. M. eine zahnhygienische Ausstellung „Unsere Zähne" statt.
Ungeheuere Summen deutschen Volksvermögens gehen alljährlich durch leichsinnige und gedankenlose Vernachlässigung des Körpers und seiner Organe verloren. Deshalb ist Aufklärung dringend von Nöten.
Gerade das nationalsozialistische Deutschland ist bestrebt, in klarer Erkenntnis Des hohen Wertes der Volksgesundheit, auf allen Gebieten für die notwendige Aufklärung zu sorgen, um dadurch die Arbeitsund Schaffenskraft des gesamten Volkes zu heben.
Niemand versäume daher die zahnhygienische Ausstellung „Unsere Zähne" zu besuchen. Eintritt wird nicht erhoben.
Gauamtsleiter für Volksgesundheit, Gau Hessen-Nassau. I. V.: Dr. Märchen.
Gerichte haben den Parteigerichten Rechtshilfe zu leisten.
Zur Klärung von Zweifelsfragen über die Rechtshilfe der Gerichte bei parteigerichtlichen Verfahren hat der Reichsjustizminister eine Verfügung erlassen. Von dem Grundsatz ausgehend, daß der Gesetzgeber den Parteigerichten bei der Wahrheits- forschüng die staatliche Unterstützung in möglichst weitem Umfange zur Verfügung stellen solle, hat der Minister die Auffassung als unrichtig bezeichnet, daß eine Pflicht zur Leistung von Rechtshilfe noch nicht bestehe, weil die im § 8 des Gesetzes zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat dem Führer vorbehaltene Bestimmung über das Inkrafttreten der Vorschriften über die Parteigerichtsbarkeit noch nicht ergangen sei. Der Minister stellt fest, daß nach § 8 des Gesetzes der Reichskanzler als „Führer der NSDAP." die erforderlichen Vorschriften erlasse, daß sie also der Sphäre des Parteirechts zugehörten. In diesen Sphären werde der Führer allgemein durch den „Stellvertreter des Führers" vertreten. Man könne daher in der Tatsache, daß der Stellvertreter des Führers die vom Obersten Parteirichter erlassenen „Richtlinien für die Parteigerichte" genehmigt habe, eine Inkraftsetzung der Vorschriften über die Parteigerichtsbarkeit erblicken. Daraus ergebe sich, daß Die Gerichte nach § 6 des genannten Gesetzes zur Leistung von Rechtshilfe an die Parteigerichte verpflichtet seien.
Regelmüßige Kontrolle
der amtlichen Verkehrszeichen.
Der Reichsverkehrsminister hat eine regelmäßige Prvfvng der amtlichen Verkehrszeichen angeordnet. Mit der Zunahme des Kraftverkehrs wächst die Bedeutung der amtlichen Verkehrszeichen, und ihrer Ausstellung und Unterhaltung gebührt daher erhöhte Aufmerksamkeit. Ziele der regelmäßigen Signalschau sind u. a? auch Feststellungen über die Notwendigkeit eines Verkehrszeichens, die Beseitigung überflüssiger, oder die Aufstellung neuer Zeichen. Der Minister erklärt, daß davon auszugehen sei, daß Wahrnungszeichen durch ihre Häufung an Wirksamkeit verlieren. Der neuzeitliche Kraftverkehr könne nicht mehr mit den Maßstäben des Jahres 1910, als der ersten reichsrechtlichen Regelung, gemessen werden. Bei Gebots- und Verbotszeichen soll sich die Prüfung auch auf die Beseitigung veralteter Geschwindigkeitsbeschränkungen erstrecken. Die Durchführung der Signalschau, die in einem Zeitraum von etwa zwei Jahren regelmäßig wiederholt werden soll, obliegt den Verkehrspolizeibehörden. Die Straßenunterhaltungspflichtigen und Vertreter der Verkehrsteilnehmer, für Kraftfahrer das NSKK. und der DDAC., sind an der Signalschau zu beteiligen, an Eisenbahnübergängen auch die zuständigen Reichsbahnbetriebämter.
Die Erbschaft.
Von Hans Terkelsen.
Der Rechtsanwalt sah mit freundlichem Lächeln auf das schmale Männchen, das da vor ihm saß und sich vergeblich bemühte, seine Aufregung zu verbergen.
„Ja, Herr Lyngvad, so liegen also die Dinge. Die Gelder sind alle in guten Papieren angelegt und können Ihnen bald überwiesen werden."
„Und — und es ist also ganz sicher, daß ich der Erbe bin?"
„Vollkommen! Sie sind des verstorbenen Althändlers Lyngvad einziger Verwandter."
„Ich habe meinen Onkel seit Jahren nicht mehr gesprochen — er war ja ein Sonderling."
„Ja, der Verstorbene lebte sehr zurückgezogen, und sein Gallenleiden machte ihn auch nicht umgänglicher", meinte, der Rechtsanwalt. „Also — da Sie damit einverstanden sind, nehmen wir das Angebot auf das Warenlager Ihres verstorbenen Onkels an; es scheint mir durchaus günstig und Sie selbst reflektieren ja, wie Sie mir sagten, auf keines der alten Stücke."
Kurz daraus stand Buchhalter Lyngvad wieder auf der Straße und versuchte sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß er Erbe eines Vermögens von ungefähr einhunderttausend Kronen sei!
Plötzlich durchfuhr ihn ein Gedanke: Jetzt wird Schluß gemacht mit dem bisherigen Sklavenleben!
Hochaufgerichtet betrat Lyngvao das Büro. Das war nicht mehr das kleine schüchterne Männlein, das vor wenigen Stunden den Seniorchef Herrn Himmelev bescheiden und furchtsam um eine Stunde Urlaub in einer dringenden Angelegenheit gebeten hatte.
„Der Direktor hat vorhin einige Akten für Sie hingelegt, er sagte, sie wären eilig", berichtete ihm die zweite Buchhalterin, die ihren Platz ihm gegenüber an dem großen Doppelpult hatte.
„Möglich, aber ich habe augenblicklich etwas Besseres vor", erwiderte Lyngvad.
Die Kollegin stierte ihn mit runden, verwunderten Augen an; auch das übrige Büropersonal, soweit es seine Worte gehört hatte, betrachtete den kleinen Buchhalter wie aus den Wolken gefallen.
„Ich werde jetzt zunächst mal mit dem alten Seniorchef ein Wörtchen reden!" fügte Lyngvad hinzu und genoß die Sensation, die feine Kühnheit erweckte.
’ Mit festen Schritten näherte er sich der Tur zum Privatbüro des Gewaltigen, während die Kollegen
Starke Steigerung der Zahl der Berichten im Straßenverkehr
4-273
□ULI
AU6
□UNI
37 <73
452.
49-9
4M
139
-431
■134
3303
11
AUS
18
AUS
17
JULI
28
JULI
30
JUNI
749 743
4S- 4/34 W9 4450r
21
JULI
451
23
JUNI
SW 9011
Diese Darstellung veranschaulicht auf Grund der allwöchentlich vom Reichsverkehrsminifterium veröffentlichten Unfallstatistik des ganzen Reiches die Zu- oder Abnahme der Opfer des Straßenverkehrs. Die ausgezogene Kurve zeigt die Todesziffer mit dem Tage ihrer Bekanntgabe, wahrend die unterbrochene Kurve die Zahl der Unfallverletzten angibt. Man ersieht daraus, daß die Zahl der Toten in der letzten ÄZoche zwar etwas abgenommen hat, die Zahl der Verletzten dagegen eine beträchtliche Steigerung erfuhr. — (Zeichnung von Zglimcki. Scherl-M.)
5L
Einziehung von Funkgeräten der Schwarzhörer.
In einer allgemeinen Verfügung betont der Reichsjustizminister die Bestrebungen der Reichsregierung, den Rundfunk weitesten Volkskreisen zu- gäng zu machen, die durch die Einräumung von Abzahlungsmöglichkeiten an minderbemittelte Käufer von Funkgeräten durch die Händler unterstützt werden. Nun entstehen aber Schwierigkeiten für das Abzahlungsgeschäft durch die Entziehung des Funkgeräts der Schwarzhörer. Deshalb hat der Minister angeordnet, daß auf Einziehung des Funkgeräts nur dann erkannt werden muß, wenn das Gerät dem Beschuldigten gehört. Gehört es aber einem Unbeteiligten, insbesondere einem Händler, der das Gerät dem Beschuldigten auf Teilzahlungen unter Eigentumsvorbehalt verkauft hat, so erklärt der Reichsjustizminister es in der Regel für gerechtfertigt, von der Einziehung wegen vorsätzlichen Schwarzhörens abzusehen, sofern der Händler den Beschuldigten bei Ueberlassung des
Geräts auf die für den Betrieb einer Empfangsanlage maßgebenden Bestimmungen ausdrücklich hingewiesen und ihm deren Einhaltung zur Pflicht gemacht hat; dagegen soll man dem Verkäufer grundsätzlich nicht zumuten, die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen durch den Käufer lausend zu überwachen. *
** Brücken-Erneuerung am Bahnhof Gießen. Seit gestern sind an der Eisenbahnbrücke, die vom Bahnhofsplatz aus nach der Friedrichstraße das Gelände der Oberhessischen Bahn überquert, Erneuerungsarbeiten am Brückenbelag im Gange. Es handelt sich darum, an der Eisenkonstruktion unter dem Gehsteig neues Material einzufügen und zugleich den schadhaften alten Asphdltbelag durch einen neuen zu ersetzen. Während der Bauzeit kann sich der Personenverkehr über die Brücke an der jeweiligen Baustelle nur behelfsmäßig abwickeln, dagegen kann die Brücke auch mit kleinen Fahrzeugen, wie Handwagen, Fahrrad usw., in dieser Zeit nicht befahren werden.
Oberheffen.
Arbeitsgemeinschast Volksschule Gießen-Land.
Nach längerer Pause nahm die Arbeitsgemeinschast Volksschule Gießen-Land ihre Arbeit wieder auf und behandelte das Thema „Die Geschichte des deutschen Bauern." Dr. R e i d t eröffnete die Versammlung und gab den Arbeitsplan für die folgende Zeit bekannt. Dann berichtete Pg. H e r b st über die Geschichte des deutschen Bauern aus der indogermanischen Zeit bis in die Gegenwart. Es wurde dabei vor allen Dingen herausgestellt, daß der germanische Bauer nicht Nomade war, wie früher fälschlich gelehrt wurde, sondern ein seßhafter Ackerbauer, der schon Weizen, Gerste und Hafer lang vor der Römerzeit anbaute. Der Roggen kam erst später. Als Waldbauer hatte der Germane schon früh den Holzpflug, den er selber im Lauf der Zeit vervollkommnete. Dann zeichnete der Redner das wechselvolle Schicksal des deutschen Bauerntums im Mittelalter und in der Neuzeit auf und beleuchtete besonders den Niedergang vor 1933. Zum Schluß feiner interessanten und lehrreichen Ausführungen schilderte der Vortragende den Wiederaufstieg des Bauernstandes unter Adolf Hitler. An den Vorttag schlossen sich eine lebhafte Aussprache und ergänzende Darlegungen des Arbeitsleiters an. lieber das Wesen und die Bedeutung des Bauerntums werden in den nächsten Tagungen noch weitere Vorträge folgen. Dr. Reidt schloß dann die Versammlung in der üblichen Weise.
Canöfrris (Sieben.
= Steinbach, 21. Aua. In der vergangenen Woche waren zwei Dreschmaschinen oberhalb des Dorfes in Tätigkeit. Dort dreschen die klei
nen landwirtschaftlichen Betriebe. Seit dieser Woche geht das Dreschen im Dorfe vor sich, die Maschine wird in die einzelnen Höfe gebracht. Die wenigen Tage mit günstigem Wetter haben Gelegenheit gegeben, daß ein großer Teil der Ernte nach den Scheuern verbracht werden konnte. Seit Beginn der Woche hat auch die Grummeternte schon begonnen. Durch das feuchte Wetter ist der Graswuchs gut geraten und eine gute Grummeternte in Aussicht.
t Albach, 20. Aug. Am nächsten Sonntag findet hier das Kirchweihfest statt. Die heutige Kirche wurde am 23. Oktober 1774 eingeweiht. Die alte Kirche, die an derselben Stelle stand wie die heutige, hatte schon im Dreißigjährigen Kriege schwer gelitten. Die Mauer um den Kirchfriedhof war zerstört und eingefallen. Türen und Fenster fehlten, das Gestühl war von den Truppen verbrannt. 1650 meldet die Kirchenkostenrechnung: „Dem Schreiner Johs.Cremern zu Lich 6 fl. geben, daß er die Kir- chenstühl, so die Krieger verbrennt, von neuem gemacht." Schon während des Krieges wurde die Kirchhofsmauer wieder aufgebaut und die Fenster erneuert. Die Reparaturen gehen durch mehr als 100 Jahre weiter, zumal Blitzschlag (1679) und Hagelwetter (1770) großen Schaden anrichteten. 1770 meldet die Rechnung in Ausgabe „vor ein neu Kirchenfenster, welches die Kissel völlig entzwei gelchlagen." 1772 sollte das Mauerwerk an der Kirche ausgebessert werden, da stellte sich heraus, daß es so schadhaft war, daß die Gemeinde sich zum neuen Kirchbau entschließen mußte. Den Plan zur neuen Kirche entwarf Baumeister R o ck st r o h von Lich. Kaspar Schäfer jun. und Kaspar Kr äm e r wurden von Pfarrer Brück zu Rödgen — damals gehörte Al- bach zur Pfarrei Rödgen — als örtliche Bauaus-
ihn mit einer Miene betrachteten, als ob er im Begriff stünde, sich in einen Tigerkäfig zu stürzen. Lyngvad klopfte unerschrocken an und trat ein.
„Was ist denn los?" knurrte der Seniorchef, „Sie wissen doch, daß ich um diese Zeit nicht gestört werden will. Gehen Sie gefälligst mit Ihrem Anliegen zu Herrn Ohlsen, ich will jetzt meine Ruhe haben!"
Lyngvad fühlte doch ein wenig Herzklopfen, aber da dachte er an die Erbschaft, und sein Mut kehrte wieder.
„Ich wünsche aber gerade mit Ihnen zu sprechen, Herr Direktor Himmelev!" sagte er mit fester Stimme.
Ein General, dessen erprobte Truppe plötzlich Meuterei treibt, konnte nicht verblüffter sein als der Direktor. Er warf einen forschenden Blick auf seinen Buchhalter, um festzustellen, ob der Mann nüchtern wäre. Er hatte allerdings nie bemerkt, daß Lyngvad Neigung zum Alkohol besaß, doch wie sollte er sich dessen Benehmen sonst erklären? Aber anscheinend war er vollkommen nüchtern.
„Es handelt sich um eine private Angelegenheit", fuhr der kleine Buchhalter fort. „Vor einigen Monaten behaupteten Sie, Herr Direktor, ich wäre ein Dussel, und es sind kaum vierzehn Tage her, da erlaubten Sie sich zu bemerken, ich hätte von der doppelten Buchhaltung ebensowenig Ahnung wie ein Esel vom Lautenspiel, und erst gestern verhöhnten Sie mich, daß ich so leise spräche, als ob ich wattierte Zähne hätte. Das sind nur ein paar Stichproben von all den Beleidigungen, die Sie mir im Laufe der Jahre zuzufügen geruhten, Herr Direktor!"
„Wenn Ihnen der Ton nicht paßt", fauchte Himmelev, „so steht es Ihnen ja frei, sich nach einer anderen Stellung umzusehen, ich glaube, die Firma wird Sie gut entbehren können, mejn Lieber!"
Lyngvad lächelte sarkastisch. Wie oft hatte er nicht in den verflossenen vierzehn Jahren diese Worte gehört? Bei der geringsten Unstimmigkeit, dem schwächsten Schatten eines Widerspruchs, gab der Tyrann zu verstehen, daß man seine Sachen packen und gehen konnte, es wäre keiner, der ihn halten würde. Natürlich wußte er, daß man eine Frau besah und nicht mehr jung war und darum eine sichere Stellung nicht aufgeben konnte!
„Ganz meiner Meinung", erklärte Lyngvad, „ich will mir Ihren Ton nicht länger gefallen lassen. Ich kündige Ihnen hiermit meine Stellung zum nächsten zulässigen Termin!"
Und mit einer kurzen Verbeugung verließ der
kleine Buchhalter in ruhiger, selbstbewußter Haltung das Privatbüro seines Chefs.
Dieser starrte ihm aufs äußerste verblüfft nach. Dann erhob er sich und ging raschen Schrittes zu seinem Kompagnon Ohlsen in das neben dem seinen gelegene Zimmer.
„Lyngvad ist übergeschnappt, er hat mir eben gekündigt, weil ihm mein Ton nicht paßt!"
„Da haben wir den Salat!" schnaubte Ohlsen böse hinter seinem Schreibtisch, „wie oft habe ich dir gesagt, daß deine Art, mit den Angestellten um= zugehen, durchaus verkehrt ist. Und vor einem halben Jahre habe ich schon vorgeschlagen, Lyngvad eine Zulage zu geben; er ist tüchtig und zuverlässig und kennt das Geschäft durch und durch — aber du wolltest ja nie."
„Wenn der Mann bisher zufrieden war", unterbrach ihn Himmelev.
„Na, es hat sich ja jetzt gezeigt, daß er nicht zufrieden ist, weder mit deinen Umgangsformen, noch mit seinem Gehalt! Ich vermute sogar, daß ihm eine bessere Stellung bei der Konkurrenz an- geboten worden ist."
„Ach, so was wird er doch nicht tun —" stammelte Himmelev, „nach der langen Zeit, die er hier bei uns gewesen ist... allerdings, das heißt, er wäre wohl niemals so aufgetreten, hätte er nicht einen Rückhalt. Der Mann war ja wie ausgetauscht — meinst du wirklich, er wird zur Konkurrenz gehen?"
„Und ob ich das meine", sagte Ohlsen. „So einen tüchtigen und pflichttreuen Mann werden wir so bald nicht wiederfinden!"
„Hör' mal, Ohlsen, könntest du nicht ein paar Worte mit ihm reden", sagte Himmelev kleinlaut. „Ich selbst werde ja leider leicht ein bißchen zu heftig — versuche doch herauszubekommen, wieviel Gehalt ihm die anderen geboten haben, dann bieten wir ihm ebensoviel, wenn er bleiben will."
Kurz daraus wurde der kleine Buchhalter zu Direktor Ohlsen gerufen.
„Bitte, nehmen Sie Platz!" sagte Ohlsen zuvorkommend. „Ja — also — ich habe gehört, Sie fühlten sich durch meinen Kompagnon beleidigt. Ich gebe gern zu, daß Direktor Himmelev etwas cholerisch ist und leicht rauh und bärbeißig wirkt; aber im Grunde — und das wissen Sie ja selbst, Herr Lyngvad — ist er ein ausgezeichneter Mensch —"
Lyngvad schwieg.
„Wir haben uns doch immer ausgezeichnet verstanden, nicht, Herr Lyngvad", fuhr Ohlsen fort, „ich habe Sie stets außerordentlich geschätzt, und deshalb ist es mir auch sehr schmerzlich zu hören.
seher ernannt. Die Kosten des Kirchbaues betrugen 10 016 fl., 15 Albus, 7 Heller. Die Gemeinde brachte die Kosten größtenteils durch Abholzen des Waldes „Roter Erdenkopf" auf. Die Gemeinden des Bu- feder Tales stifteten zum Bauholz der Kirche je einen Eichbaum. Besonders erwähnt wurde der Baum der Gemeinde Beuern, der so schwer ge- wesen sei, daß 5 Paar Ochsen ziehen mußten, und der Licher Standesherr auf Bitten der Albacher seinen Baumwagen zum Herbeiholen auslieh, ferner stiftete das Kloster Arnsburg aus seinem Walde bei Alb ach — dem Mönchswatd — Holz zum Kirch, bau. Die Orgel aus der alten Kirche — sie war 1741 von Orgelbauer Wagner (Allendorf an der Lumda) erbaut — wurde in der neuen Kirche wieder aufgestellt und diente bis 1862. I. G. F ö r ster (Lich) baute 1862/63 die jetzige Orgel. Die Bilder, die heute noch an der Empore hängen, wurden in Frankfurt a. M. gekauft, es sind Darstellungen aus der Biblischen Geschichte. Am 23. Oktober 1774 (21. n. Tr.) wurde die Kirche eingeweiht, Pfarrer Brück hielt die Predigt über Matth. 17, 4. Unsere Kirche soll im nächsten Jahre gründlich renoviert werden, um sie auch für die kommenden Geschlechter zu erhalten.
§ Harbach, 19. Aug. Seit Ende voriger Woche brummt auch in unserem Dorfe die Dreschmaschine. Wie alljährlich, stand sie zunächst einige Tage in der „Baumschule", damit die Kleinbauern, die aus räumlichen Gründen die Maschine nicht in ihrer Hofreite gebrauchen können, ihre Frucht dreschen konnten. Gestern fuhr sie ins Dorf, um bei den größeren Bauern den Bord rusch zu erledigen. Vorläufig werden nur Korn und Gerste gedroschen. Weizen und Hafer folgen später, sobald Raum in den Scheunen geschaffen ist. Die Weizenernte ist beendet. Die Haferäcker sind zum größten Teile noch abzuernten. Mit dem D r u scher g e b n i s ist man bis jetzt allgemein zufrie- den. Da es bei uns sehr viel Lagerfrucht gab, läßt der Körnerertrag mitunter zu wünschen übrig. Besonders diejenigen Landwirte, die im Frühjahr viel künstliche Düngemittel streuten, haben einen beträchtlichen Ausfall zu verzeichnen und überdies noch angekeimte Frucht dazu, die manchmal 2 v. H. des Gesamtertrags ausmacht. Sttoh gibt es wie
-———————————--
Heute beginnen wir in den Gießener FamilienbMern mit dem Abdruck eines neuen Romans. Von dem W mischen Dichter Felix Timmermans, der in diesem Sommer 50 Mre alt wurde und der nicht erst seit seinem Besuch in Gießen gute Freunde und Verehrer bei uns hat, bringen wir die wohl am wenigsten bekannt gewordene, aber vielleicht dichterischste unter allen seinen Erzählungen, „Die Delphine": eine Geschichte „aus der guten, alten Zeit", deren Handlung heiter und schmerzlich, zart und leidenschastlich zugleich, ein Reigen anmutiger, kurioser und liebenswerter Gestalten durchzieht.
daß Sie uns verlassen wollen. Sie haben wohl ein Angebot von anderer Seite bekommen?"
„Das kann man vielleicht so nennen", antwortete Lyngvad geheimnisvoll.
„Ich will Sie nicht weiter aussraaen", fuhr Ohlsen fort; „aber wir würden Sie gern der Firma erhalten. Wenn wir Ihnen eine angemessene Gehaltsaufbesserung anböten? —"
Lyngvad runzelte die Stirn und machte ein abweisendes Gesicht. Mindestens einmal jährlich hatte er Direktor Himmelev um Zulage gebeten und war jedesmal abgewiesen worden — jetzt, wo er nicht mehr daraus angewiesen war, sollte die Gehalts- zutage plötzlich da sein!
„Es handelt sich natürlich um Hermansen & Mell?" warf Ohlsen leicht hin.
Da ging dem kleinen Buchhalter ein Licht auf. Diese Firma war Himmelev & Ohlsens gefährlichste Konkurrentin! Man nahm also an, daß er von dort ein Angebot in der Tasche hatte. Warum sie nicht in dem Glauben lassen?!
„Bei dem augenblicklichen Stand der Verhandlungen kann ich mich leider noch nicht darüber äußern", sagte er kühl.
„Natürlich", pflichtete Ohlsen verärgert bei, „aber wenn Sie noch keine bindende Zusage gemacht haben, Herr Lyngvad, könnten wir Ihnen wohl mit einer Gehaltsaufbesserung von fünfzig Prozent entgegenkommen."
„Ich hätte schon längst Zulage bekommen müssen", sagte der kleine Buchhalter streng.
„Ich muß Ihnen leider darin recht geben", antwortete Ohlsen. „Also — um es kurz zu machen — sagen wir fünfundsiebzig Prozent und gegenseitige Kündigungsfrist von einem Jahr!"
Der kleine Buchhalter wollte etwas entgegnen; doch Direktor Ohlsen klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter: „Sie brauchen mir nicht sofort zu antworten, überlegen Sie sich das alles noch einmal gründlich bis morgen früh."--
Als sich Lyngvad am nächsten Morgen im Büro einfand, erblickte er ein großes, gelbes Kouoert auf feinem Pult. Es war der Entwurf zu einem neuen Kontrakt zwischen der Firma und ihm. Aber als er ihn gerade weglegen wollte, kam die zweite Buchhalterin angestürzt:
„Ein Rechtsanwalt Buhl hat angerufen", sagte sie, „er bittet Sie, augenblicklich zu kommen, es sei etwas sehr Wichtiges!"
Lyngvad machte sich sofort zum Gehen fertig „Sagen Sie den Chefs, ich hätte eins Kmlferens


